Altbekanntes und frischer Wind. „Two Paths“ von Ensiferum

Folk/Pagan Metal
Veröffentlicht: 15.09.17
Metal Blade Records
http://www.ensiferum.com/


Two Paths

Two Paths

Es gibt wieder frischen Folkmetal auf die Ohren. Ensiferum haben vor wenigen Tagen „Two Paths“ veröffentlicht. Es ist das siebte Studioalbum der Finnen. Da der Vorgänger „One Man Army“ noch nicht so sehr lange zurückliegt, war ich ja etwas skeptisch. Oftmals bedeutet es für die Kreativität nichts Gutes, wenn Alben relativ schnell hintereinander folgen. Was bleibt also gleich, was ist neu? Hören wir doch mal rein!

Neu ist auf jeden Fall die Mitwirkung von Akkordeondame Netta Skog. Es ist das erste Album, an dem sie beteiligt ist, und das macht sich deutlich bemerkbar. Netta und ihr Instrument verleihen vielen der Songs eine beschwingt-folkige Note, die mir gut gefällt. Frischer Wind in den Sengeln des finnischen Wikingerboots. Außerdem versuchen Ensiferum sich auf „Two Paths“ immer wieder am Cleangesang. „Two Paths“, „Don’t you say“ und „God is dead“ seien hier genannt. „God is dead“ erinnert übrigens sehr an die Nummern der Piraten von Alestorm. Macht gute Laune und bringt die Beine und den Nacken in Schwung. Auf jeden Fall verleiht auch der Cleangesang dem Album eine etwas andere Note. Bei „Feast with the Valkyries“ trällert uns Netta einen. Und das gar nicht schlecht. Ansonsten fehlt dem Song aber jegliche Besonderheit.

Zu meinen persönlichen Highlights des Albums gehört definitiv „For those about to fight for Metal“. Ich finde den Songtitel zwar bescheuert, aber der Song selbst vereint alle Stärken der finnischen Folk Metaller: ein temporeicher Schlachtensong, epische Chöre, das kokett wippende Akkordeon und wunderschön ausgefeilte Orchestrierung. Man sieht vor dem inneren Auge unweigerlich die wilden Horden gegeneinander anstürmen. Es sieht alles ganz düster aus – aber dann kommt der Held mit wehendem Haupthaar auf einem schwarzen Ross und wendet das Blatt. Ich sichere mir auf jeden Fall die Rechte und drehe einen Film in dem Schwaben gegen Badener oder Elfen gegen Orks oder Wiener gegen Würstchen in die Schlacht ziehen  – und im Hintergrund spielt „For those about to fight for Metal“. Ich suche übrigens noch Statisten…

Auch „Way of the Warrior“ gefällt mir gut. Sami Hinkkas Bass verleiht dem Song Wucht und Stärke, Janne Parvainen unterstreicht das gekonnt mit seinen Drums. Die Gitarrenmelodie ist eingängig-folkig und schraubt sich munter hoch und runter. Der Song wechselt flott zwischen Wucht und Leichtigkeit. „I will never kneel“ wartet mit einer erneuten Gesangseinlage von Netta auf und schafft gekonnt den Spannungsbogen zwischen ruhigen und wuchtig-epischen Passagen mit toller Orchestrierung. „Hail to the Victor“ ist schleppend, schwer und dramatisch. Auch sehr gelungen.

„Two Paths“ ist typisch Ensiferum – und doch ein wenig anders als die Vorgängeralben. Typisch sind die Schlachtensongs, die Partyhymnen, die oh-Chöre, die Orchestrierungen und auch die eine oder andere Tonfolge oder das eine oder andere Riff kommt dem langjährigen Ensiferum Hörer bekannt vor. Insgesamt wirkt das Album folkiger – vermutlich durch die Akkordeoneinlagen. Dafür gibt es weniger Passagen die so sehr nach Synthesizer klingen, was ich echt positiv finde. Der Cleangesang fügt dem Ganzen eine etwas andere Note hinzu. Die Orchestrierung ist bis ins Detail ausgefeilt und wird wirkungsvoll eingesetzt. Ensiferum arbeiten mit einigen rockigen Passagen und gewohnt knackig-schnellen Riffs. Und wieder einmal muss man die exzellente Arbeit von Drummer Parvainen hervorheben. „Two Paths“ bietet also viel Altbekanntes im Spannungsfeld zwischen Folk- Power- und Deathmetal. Mit etwas mehr Zeit hätte man eventuell noch mehr daraus machen können, denn einige Songs plätschern ohne große Spannung vor sich hin. Trotzdem ist „Two Paths“ ein starkes Album und bietet viel Neues und Hörenswertes. Ach ja – und ich liebe die In- und Outros von Ensiferum. Auch bei diesem Album.

Quelle: Youtube Channel von Metal Blade Records: https://www.youtube.com/channel/UCSldglor1t-5E-Gy2eBdMrA


Tracks:

  1. Ajattomasta Unesta
  2. For Those About to Fight for Metal
  3. Way of the Warrior
  4. Two Paths
  5. King of Storms
  6. Feast with Valkyries
  7. Don’t You Say
  8. I Will Never Kneel
  9. God Is Dead
  10. Hail to the Victor
  11. Unettomaan Aikaan
  12. God Is Dead (Alternative Version)
  13. Don’t You Say (Alternative Version)

Band:

Petri Lindroos – Vocals/Guitar
Markus Toivonen – Guitar/Vocals
Sami Hinkka – Bass/Vocals
Janne Parviainen – Drums
Netta Skog – Digital Accordion/Backing vocals

Song des Monats 09/17

Hymnen gibt es viele im Metal – Valhalla von Blind Guardian beispielsweise oder Number Of The Beast von Iron Maiden. Das Lied des Monats September fällt zweifelsohne ebenfalls in diese ominöse Kategorie der Hymnen: Mother North von Satyricon. Dieses Lied steht dabei nicht nur  für die Band, sondern für das Genre Black Metal.
Was macht das Lied denn nun aus? Die fast schon unverschämt eingängigen Leads  sind es, die sich gleich ins  Ohr fräsen und dort festsetzen. Selbst Tage, ja Wochen nachdem ich Mother North gehört habe, summe ich die Melodie noch vor mich hin. Dazu rasende Blast Beats aus Frosts Handgelenken und der perfekte Einstieg ist geglückt. Der stampfende, etwas aggressiver klingende Mittelteil rundet das ganze ab. Episch, majestätisch und mystisch zugleich geht es aufs Ende zu. Was aber wäre die Hymne  ohne den passenden Text zum Mitsingen?

Mother North
How can they sleep while their beds are burning?
Mother North
Your fields are bleeding

Memories… the invisible wounds
Pictures that enshrine your throne, gone

A future benighted, still they are blind
Pigeonhearted beings of flesh and blood
Keeps closing their eyes for the dangers
That threaten ourselves and our nature
And that is why they all enrage me

Sometimes in the dead of the night, I mesmerize my soul
Sights and visions, prophecies and horror
They all come in one

Mother North
United we stand (together we walk)
Phantom North
I’ll be there when you hunt them down

Der Text steht natürlich der Interpretation frei. Für mich geht es um Kritik an der Christianisierung Norwegens, aber auch um Naturverbundenheit und klar, Patriotismus. Da sieht man die Fjordlandschaft förmlich vor Augen und als Trve Norsk Black Metaller geht einem doch das Herz auf. Noch viel epischer als das Original klingt übrigens die Live-Version mit dem Nationalen Norwegischen Opernchor. Deshalb findet ihr die  unten eingebunden. Ich glaube, ich muss jetzt auch aufhören zu schreiben und nochmal Mother North hören. Und nochmal. Und nochmal. Und nochmal…

Quelle: Youtube-Kanal von Oytun Bektaş

Bis zum Äußersten – Endstrand von Valborg

Death Metal
Veröffentlicht: 7. April 2017
Prophecy


4-7-valborg

Endstrand

Brutal, postapokalyptisch, primitiv – mir fallen viele schöne Adjektive ein, um Valborgs aktuelles Album Endstrand zu beschreiben. Valborg legen hier ein Stück Musik vor, dass sich ganz der Philosophie des „Weniger ist mehr“ verschrieben zu haben scheint. Oder aber, wo ist eigentlich dieses Äußerste, zu dem man es sprichwörtlich treiben kann? So, als wäre die Band auf der Suche danach gewesen, wie weit man musikalisch gehen kann. Von Totenmond bin ich da schon einiges gewohnt und just an selbige erinnert mich Endstrand auch ein wenig. Schwere Riffs poltern aus den Lautsprechern, Wiederholung reiht sich an Wiederholung, Komplexität gibt es hier nicht. Alles ist aufs Wesentliche reduziert: Düstere, verstörende Musik.

Apropos verstörend: Die Texte fügen sich wunderbar mit der Musik zusammen. Grobschlächtig, roh, vulgär, aber auch durchaus augenzwinkernd, um nicht zu sagen albern, unterstreicht das Gekeife die durch und durch böse Stimmung. Irgendwo zwischen Expressionismus, Dadaismus, Wahnsinn und reiner Provokation pendeln die Valborgschen lyrischen Ergüsse hin und her. Kostprobe gefällig?

Heil Satan

Das ist der Text von Orbitalwaffe. Oder hier:

Beerdigungsmaschine

Das ist der Text von – na? – Beerdigungsmaschine.

Besonders gut gefällt mir aber der Text von Bunkerluft, das sich im Übrigen musikalisch etwas abhebt. Es ist gespenstisch ruhig, verstörend und Bilder atomar verseuchter Landschaften, eines apokalyptischen Ödlands ziehen vor dem inneren Auge vorüber.

Gehirne aus Kristall warten tausend Jahre lang
Strahlenschlag
Neutrinosarg
Krustenschild
Die ganze Welt

Ohnehin wirkt das ganze Album wie das Destillat ungehemmter Wut und Bösartigkeit und schafft so ein echtes Bedrohungsgefühl. Das Atomkriegkonzept (ich interpretiere das mal rein) kommt gut rüber. Martialisch bis zum Exzess und irgendwie auch mystisch oder besser gesagt unwirklich angehaucht  geht es so durch die dreizehn Lieder. Bei dem reduzierten Ansatz bleibt die ein oder andere Länge nicht aus. Für Auflockerung sorgen immer mal wieder cleane Gitarren, die ein Fünkchen Melodie erahnen lassen. Und ganz so primitiv, wie es Ein-Akkord-Riffs vermuten lassen, ist es dann stellenweise doch nicht (Plasmabrand). Hervorheben will ich noch den unglaublich passenden Gesang, der von Sprechpassagen, über roboterartige Sequenzen bis zum meist bösartigen Schreien reicht.

Anstrengend ist Endstrand aber trotz aller Extravaganz nicht. Im Gegenteil, ich finde das Album recht eingängig. Dafür ist es aber in meinen Ohren fast einzigartig in der Musiklandschaft. Wer von den Texten nicht abgeschreckt ist und auf einfachen, wuchtigen Metal steht, der höre rein.

Lieder

  1. Jagen
  2. Blut am Eisen
  3. Orbitalwaffe
  4. Beerdigungsmaschine
  5. Stoßfront
  6. Bunkerluft
  7. Geisterwürde
  8. Alter
  9. Plasmabrand
  10. Ave Maria
  11. Atompetze
  12. Strahlung
  13. Exodus

Besetzung

Jan Buckard – Gesang, Bass
Christian Kolf – Gitarre, Gesang
Flroian Toyka – Schlagzeug

Song des Monats 08/17

Was hilft gegen das miese Regenwetter? Genau – eine laute Portion guter alter Thrash Metal auf die Ohren. Guter alter Thrash Metal made in Germany – von Kreator. Nichts hebt die Stimmung mehr, als wenn die Herren in „Phantom Antichrist“ in gewohnt halb manischer Manier von Terror, Feuer, Zerstörung, Krieg und Weltuntergang singen. Kleine Kostprobe gefällig?

Terror from the left, terror from the right
Depression is the root to our dreams suicide
Behold the god of gods overthrow it all
Extinction of this inhumane mind contagion
Fulfilling all the vows from human history
Democide, genocide war atrocities
The shadows of his wings absorbing every glint
Every earthly color turning into black

A saviour scouring across the land
A new beginning that has no end
A open mind, a forcefull will
Numbs the lurking fear that killed
The soul of love and life

Phantom Antichrist
Phantom Antichrist
Phantom Antichrist

Das Ganze wird natürlich begleitet von einem tollen Gitarrenriff und einem herrlichen Gitarrensolo. Da bangt der Kopf, da stampft der Fuß, da schüttelt man die Mähne. Ein Hoch auf den guten alten Thrash Metal! Scheiß auf Regen!

Quelle: YouTube Channel von Nuclear Blast Records: https://www.youtube.com/channel/UCoxg3Kml41wE3IPq-PC-LQw

„Metal music is my home.“ Interview mit Giuseppe Caruso von Mind Enemies

Am 13.08. ist es nun so weit und nach der EP „The darkest way“ erscheint das Debütalbum „Revenge“ von Mind Enemies. Nachdem ich mich schon im Review ausführlich mit dem Album beschäftigt habe, war Giuseppe Caruso so freundlich, mir ein kleines E-Mail Interview zu geben. Erfahrt, was ihm Metal Musik bedeutet, welches Instrument ihm am meisten am Herzen liegt und was er über das neue Album erzählt.

T!B!B!: What is it you like about music and especially about metal music. What does it mean to you?

Giuseppe Caruso - Mind EnemiesGiuseppe Caruso: For me music is magic … it raises the spirit. It is a universal language that unites the whole world. Metal music is my life, my passion, my home. It’s the best way to throw it out everything I have inside, as if my music represented forever, a moment detail of my life.

T!B!B!: In studio you play guitar, bass, drums and you do the vocals. Is there especially one part you like most – you feel home?

Giuseppe Caruso: Drum! I’ve been playing drum since I was 7, and helped me face up with most of my life. I love every musical instrument and I would like to learn how to play them all because each instrument gives you something different and wonderful, but when I go back to playing the drum, go back to being a kid, have fun without thinking. With the drum, you feel free to do anything, to vent completely without limits.

T!B!B!: Which instrument are you using for composing your songs? What’s your way writing songs? 

Giuseppe Caruso: I often change method. Sometimes I start from a drum rhythm, or from a melody that I’m  improvising at guitar. In this album I always started from the lyrics and then I create the music. In this way, text and music are more amalgamated  just one thing.

T!B!B!: About „Revenge“ your debut album: it’s more heavy metal than your EP „The darkest way“. How it came to this?

Giuseppe Caruso: This development has come about through a greater awareness of myself. In the first LP I had no  idea yet about what I wanted to do, on the way you want to go. I had just started this journey. In the debut album „Revenge“ I threw out all that I have inside, intending to give the best of myself in each instrument, both in execution and composition. I did not even decide the genre, I left only space  for improvisation. I created all the songs one day after another in July 2015, just to give unity and continuity to my job. The goal was to create my favorite album.

Giuseppe Caruso - Mind Enemies

T!B!B!:
What does the album „Revenge“ mean to you and what is it about in your opinion?

Giuseppe Caruso: For me, „Revenge“ means flying off, doing their own fate, creating and building my world. While in the first LP „The Darkest Way“, I saw a door, a way to go, in this debut album I have began to walk my way, realize myself.

T!B!B!: Thank you very much for the interview.

Und das Ganze nochmal auf Deutsch:

T!B!B!: Was liebst du an Musik  – besonders am Metal – und was bedeutet sie dir?

Giuseppe Caruso: Für mich ist Musik Magie … Sie hat etwas Erhebendes. Sie ist eine Sprache, die jeder versteht, die die ganze Welt vereint. Metal ist mein Leben, meine Leidenschaft, mein Zuhause. Er ist die beste Art alles, was in mir ist, nach außen zu tragen. Es ist so als ob die Musik eine Momentaufnahme meines Lebens für immer festhält.

T!B!B!: Im Studio spielst du Gitarre, Bass und Schlagzeug selbst ein und du singst auch. Gibt es ein Instrument, einen Part, den du am liebsten magst – in dem du dich zuhause fühlst?

Giuseppe Caruso: Schlagzeug! Ich spiele Schlagzeug seit ich 7 bin und das hat mir in vielen Situationen meines Lebens geholfen. Ich liebe jedes Instrument und würde am liebsten lernen sie alle zu spielen, denn jedes davon gibt einem etwas Spezielles, etwas Wundervolles. Aber wenn ich mich ans Schlagzeug setze und wieder zum Kind werde, bringt mir das einfach nur Spaß ohne über etwas nachdenken zu müssen. Dann fühle ich mich als könnte ich alles schaffen völlig ohne Grenzen.

T!B!B!: Mit welchem Instrument komponierst du deine Songs? Wie gehst du vor, wenn du Songs schreibst?

Giuseppe Caruso: Ich ändere immer wieder meine Vorgehensweise. Manchmal beginne ich mit einem Schlagzeugrhythmus oder einer Melodie, die ich auf der Gitarre improvisiere. Auf dem neuen Album „Revenge“ habe ich zuerst die Texte geschrieben und dann erst die Musik. Dadurch ergeben Text und Musik eine bessere Einheit, sie werden Eins.

T!B!B!: Sprechen wir über „Revenge“, dein Debütalbum: Es geht mehr in Richtung Heavy Metal als deine EP „The darkest way“. Wie kam es zu dieser Entwicklung?

Giuseppe Caruso: Diese Entwicklung kam dadurch, dass mir selbst bewusster wurde, wohin ich eigentlich wollte. Bei der ersten LP hatte ich keine Ahnung was ich eigentlich genau machen wollte. Ich fing einfach an. Auf „Revenge“ ist einfach alles zu hören, was in mir war. Ich wollte aus jedem Instrument das Beste herausholen, sowohl beim Komponieren als auch beim Einspielen der Songs. Ich habe mich nicht auf ein Genre festgelegt, sondern einfach Raum für Improvisation gelassen. Ich schrieb die Songs im Juli 2015 alle hintereinander weg, Tag für Tag, um dem Ganzen Kontinuität und Geschlossenheit zu verleihen. Mein Ziel war es, mein Lieblingsalbum zu schreiben.

T!B!B!: Was bedeutet dir „Revenge“ und worum geht es dabei?

Giuseppe Caruso: Für mich bedeutet „Revenge“ eine Reise zu beginnen, das eigene Schicksal in die Hand zu nehmen, meine eigene Welt zu bauen. Während ich bei „The darkest way“ eine Tür und einen Weg sah, bin ich auf „Revenge“ tatsächlich losgegangen, auf meine Art. Ich verwirkliche mich selbst.

T!B!B!: Vielen Dank für das Interview.

Rockiger Metal – metallischer Rock. „Revenge“ von Mind Enemies

Heavy Metal/Progressive Metal/Rock
Veröffentlicht: 13.08.17
Eigenveröffentlichung
https://www.facebook.com/mindenemies1


Revenge von Mind Enemies

Revenge von Mind Enemies

Es ist einfach aufregend und in manchen Fällen geradezu beglückend ein neues Stück Musik in die Finger zu bekommen. Einen Song, ein Album, ein geiles Riff. Die Hände werden schwitzig, der Herzschlag beschleunigt sich, man schließt die Augen und drückt auf Play – oder umgekehrt, wenn man nicht ewig auf den Musikgenuss warten will. Die ersten Töne erklingen und du denkst dir „Jawoll!“ So ging es mir auch mit dem Album „Revenge“ von Mind Enemies, das am 13.08. erscheinen wird. Nach der EP „The darkest way“ wird dies das erste Album in voller Länge des Soloprojekts von Giuseppe Caruso sein. Freut euch auf Metal aus Italien.

Laut Caruso folgen die Songs auf „Revenge“ genau in der Reihenfolge aufeinander, in der sie geschrieben wurden, um das Ganze mehr wie aus einem Guss wirken zu lassen. Der Opener „Black Warrior“ ist eine kraftvolle, melodiöse, recht klassische Heavy Metal Nummer mit einem wunderschönen Solo. Rhythmisch sorgen die teilweise stakkatoartigen Palm Mutes für Würze. Der Song hat eine schöne Atmosphäre und sorgt bei mir dafür, dass ich ganz deutlich einen düsteren Ritter vor meinem inneren Auge mit Schwert und Schild losziehen sehe. By the way  – seit wann hab ich mein Faible für Heavy Metal entdeckt? Ich bin ratlos.

Auch das wuchtig beginnende „Goya“ gefiel mir sofort. Schnell löst ein zackiges Riff die Wucht ab, das absolut Laune macht und den Song schön vorantreibt. Die Stimmung wechselt mehrmals, was „Goya“ wirklich hörenswert und aufregend macht. Auf ein rockig-bluesig angehauchtes Solo erzeugt der Song durch Carusos Gesang und die wummernden Gitarren ein unheilvolles Grundgefühl und schließlich wird alles auf die Rhythmik reduziert durch die dominierenden Drums und die schrammelnden Gitarren bevor es ein Wiederhören mit dem Riff vom Anfang gibt. Puh – yeah!

Das Album enthält aber nicht nur sehr viel Heavy Metal, sondern auch etliche rockige Passagen und bringt Elemente des Southern Rock/Metal mit sich. So zum Beispiel das temporeiche „Wild Existence“ mit seinen wunderbaren Cleangitarrenparts, einem rockigen Solo oder das etwas ruhigere aber nicht weniger kraftvolle „My World“ , das sehr rockig beginnt und sich gegen Ende schon fast death metallisch entwickelt.

„Revenge“ krönt das gleichnamige Album wirklich würdig. Hämmernde, schrammelnde Gitarren und der Bass kreieren eine bedrohliche Stimmung. Diese wird immer wieder aufgebrochen durch melodische Parts. Es gibt einen wunderbaren, ruhigen Cleanteil und zum Ende wird es wieder schrammelig.

Was mir an „Revenge“ wirklich gut gefällt sind die verschiedenen Einflüsse, die da zusammenkommen und etwas absolut Hörenswertes ergeben. Heavy Metal mischt sich mit Southern Rock und bluesigen Anklängen, hier noch ein wenig Progressive. Tada. Mir persönlich könnte es hier und da etwas weniger rockig und etwas mehr metallisch sein, aber das ist Geschmacksache. Was mich ebenfalls fasziniert, ist Carusos Einsatz der Gitarre. Er ist ja von Hause aus Drummer und das merkt man auch in den Gitarrenparts. Die Gitarre strukturiert und trägt den Rhythmus oft gleichberechtigt mit dem Schlagzeug und beide ergänzen sich auf geniale Weise. Daumen hoch. Gefällt mir gut. Dennoch kommen die melodischen Parts nicht zu kurz und die Gitarrensoli sind wirklich schön und mitreißend. In „Revenge“ steckt vom ersten bis zum letzten Ton viel Herzblut – und das hört man. Wenn ihr jetzt Bock auf das Album bekommen habt, habe ich da noch etwas für euch. Giuseppe Caruso war so nett mir ein paar Fragen rund um seine Person, seine Musik und sein neues Album zu beantworten. Das Interview folgt in Kürze.

Quelle: YouTube Channel von MindEnemies: https://www.youtube.com/channel/UC9wYOunlev5nJx_zZZN6nFg


Tracks:
1 The Black Warrior
2 Goya
3 Wild Existence
4 My World
5 Dream Time
6 The Dark Life
7 Angel Of Consciousness
8 The (Rock) Rite
9 Revenge

Line-Up:
Giuseppe Caruso (Gitarre, Bass, Schlagzeug, Gesang)

Packend. Die Geschichte vom Wolf – Ulfven von Ereb Altor

Pagan/Epic Doom/Black Metal
Veröffentlicht: 07.07.2017/28.07.2017
Hammerheart Records
http://www.erebaltor.com/


Ulfven - Ereb Altor

Ulfven – Ereb Altor

Sie sind bekannt für Pagan Metal mit starkem Bathory Bezug: Ereb Altor. Nachdem die Schweden nun schon dem Federvieh in Gestalt des Raben, der ja einen festen Platz in der nordischen Mythologie einnimmt, eine Platte („Nattramn“) gewidmet haben und nach der Veröffentlichung des Bathory Tribute Album „Blot-Ilt-Taut“ wenden sich Ereb Altor nun in ihrem sechsten Album dem vierbeinigen Säugegetier zu. Genauer genommen dem Wolf. Auch davon hirschen und pirschen ja einige in den nordischen Mythen und Sagen herum (können Wölfe hirschen? Ein Thema dessen Diskussion einen ganz eigenen Blog nötig macht!) Jetzt schauen wir aber erst einmal, wie Ereb Altor den „Ulfven“ musikalisch verarbeiten.

Das Album beginnt mit einem von einer weiblichen Stimme gesprochenen Vers aus der Völuspá – dem Gedicht, in dem eine Seherin vom Untergang und der Neuentstehung der Welt spricht. Stimmiger, atmosphärischer Einstieg. Musikalisch startet das Album dann mit „En Synd Svart Som Sot“. Der Song kreiert vor allem durch die halligen Keyboards ein Gefühl von Weite, von schwedischer Weitläufigkeit und Einsamkeit in der Natur. Der Klargesang ist eindringlich und voller Leidenschaft, beeindruckende Chöre und ein Rezitativ ergänzen das Ganze stimmig. Die Atmosphäre ist getragen.

„Av Blod Är Jag Kommen“ lebt von den schwer im Ohr liegenden Gitarren und dem Wechselgesang – vom Hin und Her zwischen Klargesang, Grunzen und Schreien, das für viele Songs von Ereb Altor typisch ist und das sie wirklich perfekt beherrschen. Auch das düster-bedrohlich-mystische „Wolfcurse“ lebt zu einem Großteil davon – und von den Gegensätzen zwischen epischen, doomigen und bösen schwarzmetallischen Parts, mit denen Ereb Altor auch in „Gleipnir“ exzellent spielen.

Das gekonnte Spiel mit Gegensätzen kennzeichnet überhaupt das komplette Album – auch was die Reihenfolge der Songs anbelangt. Auf das äußerst schwarze, temporeiche, groovige, durch harte Gitarren und Krächzgesang dominierte „The Rite Of Kraka“ folgt das eher gemächliche, melodische, mit präsenten und kraftvollen Basspassagen versehene „Ulfven“. Der Song klingt von der Melodie her ein wenig nach Mittelalter – kommt dabei zur großen Erleichterung Vieler ganz ohne Dudelsackgenöle aus – und es gibt eine schöne Akustikgitarrenpassage.

„Bloodline“ beschließt das Album. Dabei heißt es für die Schweden all in (da stand zuerst aal in – wäre aber was völlig Anderes). Es wird noch einmal alles, was das Album bisher zu bieten hatte, in den Ring geworfen: schönes cleanes Gitarrenintro, Bathory Reminiszenzen, Wechselgesang, Chöre, ausgefeilte Gitarrensoli und dichte Atmosphäre.

„Ulfven“ ist ein packendes Album mit unglaublicher, stetig wechselnder Atmosphäre und wunderbaren Gegensätzen. Mal ruhig, mal aufpeitschend, mal verzweifelt, mal eindringlich, mal böse, mal hart, mal zurückgenommen, mal episch. Es ist als würde man vor einem Hörspiel sitzen und gebannt zuhören was als nächstes passiert. Ereb Altor verstehen es in ihren Songs Geschichten zu erzählen. Durch die Wechsel im Gesang – vom Klargesang über bauchtiefe Growls bis zum bösartigen Blackmetallgekrächze ist alles dabei – die Wechselgesänge, Chöre und nicht zuletzt die immer wieder eingestreuten gesprochenen Passagen treiben die Geschichte voran. Pagan Elemente sind vorhanden, allerdings nie klischeehaft, was den Songs gut tut. Natürlich fehlen auch auf diesem Album die Bathory Reminiszenzen nicht, die eben zu den Schweden gehören und ihre Musik mit prägen. Was außerdem absolut überzeugt ist die Leidenschaft für das, was Ereb Altor da machen, die direkt beim Hörer ankommt und ihn mitnimmt.

Quelle: YouTube Channel von Hammerheart Records: https://www.youtube.com/channel/UCvfTjbf-iFObnMaBDFo6T7g


Tracklist:
Völuspá
En Synd Svart Som Sot
Av Blod Är Jag Kommen
The Rite Of Kraka
Ulfven
Wolfcurse
Gleipnir
Bloodline

Besetzung
Mats – Gesang, Gitarre, Keyboard
Ragnar – Gesang, Gitarre
Mikael – Bass, Hintergrundgesang
Tord – Schlagzeug, Keyboard

Klassiker: Stream from the Heavens von Thergothon

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Stream from the Heavens

Kürzlich hatte ich mal wieder Lust auf langsamen, sehr langsamen Metal und dachte mir beim Entlangstreifen am Plattenregal: Warum nicht mal wieder einen Klassiker und Wegbereiter einlegen? Skepticism? Esoteric? Funeral? Nein, Thergothons Stream from the Heavens ist es geworden. Warum ist das ein Klassiker? Und welchen Genres überhaupt? Nun, was sich auf der Platte findet ist Funeral Doom in Reinkultur:  Extrem zäh fließt es da aus den Lautsprechern, wenig Tempiwechsel, der Rhythmus ist teils kaum nachzuverfolgen, die Riffs sind dunkel und traurig, der Gesang besteht großteils aus abgrundtiefem Grunzen, ergänzt um Klargesang, der Bass ist dominant, verzerrt und sehr, sehr tief. Hier und da wird noch ein epischer Keyboardteppich ausgebreitet. Alle traditionellen Merkmale sind also da. Das ist sicherlich bei vielen Bands so. Was Thergothon so besonders macht ist schlicht der Zeitpunkt, zu dem Stream from the Heavens veröffentlicht wurde, nämlich 1994, wobei das Material durchaus schon etwas älter ist. Die erste Demo Fhtagn nagh Yog-Sothoth erblickte immerhin schon 1991 das Licht der Welt.

Was Stream from the Heavens auch heute noch so besonders macht ist wie so oft die dichte Atmosphäre. Basslastig, mal melancholisch, mal proggig wabert die Musik aus den Lautsprechern. Die Stimmung ist bedrückend, niederschmetternd, trostlos. Alles ist ein wenig extremer als bei herkömmlichen Doom-Veröffentlichungen: Langsamer, reduzierter, monotoner. Alles dient einzig und allein dem Zweck, Hoffnungslosigkeit zu verbreiten. Dabei grenzen sich Thergothon von Genrekollegen wie Skepticism durchaus ab. Sind die  besonders schwermütig, fast schon herzzerreißend traurig, so ist Thergothon eher auf der düsteren Seite zu finden.

Auch wenn Musik sich häufig gut über die Zeit rettet, stellt sich die Frage: Kann man das heute noch hören oder sollte man lieber gleich zu modernen Vertretern wie Evoken oder Ahab greifen? Besonders gewöhnungsbedürftig ist aus meiner Sicht die sehr eigentümliche Produktion des Albums. Klar, die passt irgendwie zum Ambiente mit ihrem schrägen Wabern, aber jedermenschs Sache ist das bestimmt nicht. Nach etwas Eingewöhnung konnte ich jedenfalls gut damit leben. Was nicht geht und fast die tolle Stimmung zerstört ist der Klargesang. Die ein oder andere Gesangsstunde hätte vielleicht gut getan, aber was soll’s. Schwamm drüber. Am Ende bleibt trotzdem ein zurecht als (r)evolutionär geltendes Album, das ein ganzes Genre mitgeprägt hat. Wer also auf die Extreme in der Musik steht, darf gerne mal ein Ohr riskieren. Insbesondere als Genre-Fan sollte man sich die Urväter ruhig mal geben. Zugänglicher sind die moderneren Zöglinge aber allemal.

 

Song des Monats 07/17

Manchmal muss man ja einfach gegen den Strom schwimmen. Deshalb kommt der Juli Song von einem Album, das eigentlich den Herbst besingt. Total crazy, wa? „Oak and Aspen“ findet ihr auf dem wunderschönen und bisher einzigen Album „Ashen Eidolon“ der US-amerikanischen Band Gallowbraid. Gallowbraid besteht hauptsächlich aus Jake Rogers, der sämtliche Instrumente spielt und singt. Sein Bruder Alex sitzt am Schlagzeug. Ihre Musik ist eine Mischung aus melodischem Black Metal mit Folk und Doom Einflüssen. „Ashen Eidolon“ hat mich beim ersten Hören derart geflasht, dass ich kurzzeitig sogar über die Anschaffung eines Plattenspielers nachgedacht habe, weil es leider extrem schwierig ist das Album noch auf CD zu bekommen.

„Oak and Aspen“ beginnt sehr melodisch und akustisch mit Gitarre und Piano. Ein eingängiges Gitarrenriff übernimmt die Führung und Rogers krächzt dazu. Dann wird es aber schnell sehr dunkel und ein wenig doomig bevor der Song vollends ins Schwarzmetallische abdriftet. Hypnotische Gitarren- und Schlagzeugwände ziehen einen in ihren Bann und Klargesang und Blackmetal Gekrächze gehen eine reizvolle Liaison ein. Das Gitarrenriff arbeitet sich immer wieder einsam aber Hoffnung versprechend durch den Gitarren- und Schlagzeugwust. Der Song wird schließlich wieder melodischer und dann geradezu hymnisch und folkig – natürlich mit passendem Gesang. Das Gitarrenriff vom Anfang begleitet uns die ganze Zeit über und wird immer wieder leicht abgewandelt. „Oak and Aspen“ offenbart Jake Rogers Talent wunderbare Melodien zu kreieren, die nach Wehmut und nach Sehnsucht klingen. Diese kombiniert er mit Texten, die diese Gefühle noch verstärken:

For all this time I have been searching
For white, when skies are grey
All of the loss to time and [soul?]
The sun put out my pain
As autumn leaves keep on dancing
And pay no heed to me
I journey through these wild rantings
It’s all that I have left

I come across a quiet river
That wanders through the trees
I stare into its running waters
And fall on to my knees
In resignation to the forest
That’s held me for so long
I close my eyes and drift away
Into nature’s air[?] and song[?]

Rogers schafft es außerdem zarte akustische Passagen, harte, amelodische oder hypnotisch-repetitive Passagen, Melodie, Klargesang und Blackmetalgekrächze so zu verweben, dass es ein natürliches Ganzes ergibt. Für mich ist „Oak and Aspen“ ein absoluter Entspannungssong. Vielleicht geht es euch ja auch so? Viel Spaß beim Hören.

Quelle: YouTube Channel von Lightfox177: https://www.youtube.com/channel/UCr10DaQrUqcCud3tfAMr6Gg

Mind Enemies – Revenge. Erstes Album in voller Länge.

Im August gibt es Neues auf die Ohren von Mind Enemies. „Revenge“ ist das erste Album in voller Länge des Ein-Mann Projekts von Giuseppe Caruso. Falls ihr neugierig seid, hört doch schonmal in die 2013 erschienene EP „The darkest way“ rein und schaut, ob euch die Mischung aus Rock, Metal und Progressive gefällt. Anspieltipp: „Oblivion“ https://soundcloud.com/mindenemies/sets/the-darkest-way . Ansonsten habe ich hier noch die offizielle Ankündigung samt Albumcover zum neuen Album für euch:

Revenge von Mind Enemies

Revenge von Mind Enemies

Here is the cover of „Revenge„, the first full-length album by Mind Enemies (Italy).

The album, recorded in studio by Giuseppe Caruso (voice, guitar, drums, bass) will consist of 9 tracks. Compared to the first Ep, The Darkest Way (2013), the genre will be more geared towards heavy metal with hard rock and progressive metal influences.
The new album will be premiered in August at the „Gargano Rock Fest“ by San Nicandro Garganico (Italy). The official publication is scheduled for August 13, both physically and digitally on all digital stores. Cover artwork by artist Tarì
Tiziana Tedeschi.