Wie peitschender Schnee – Skull Soldiers von Wolfheart

Melodic Death Metal
Veröffentlichung: 05.03.2021
Napalm Records
https://www.facebook.com/WolfheartRealm
https://www.instagram.com/wolfheartofficial/
https://label.napalmrecords.com/wolfheart


1025_Wolfheart_RGB(English version below.)

So ganz generell habe ich die Nase momentan voll von Kälte, Eis und Schnee. Das gilt aber natürlich nicht in musikalischer Hinsicht. Da ist mir ein Frösteln bis tief in die Seele durchaus angenehm. Deshalb hält der Winter auch noch einmal mächtig Einzug auf meinem Blog. Den Auftakt machen heute Wolfheart mit ihrer EP „Skull Soldiers“. Das erste Mal sind mir Wolfheart bei der „Burning Cold Tour“ gemeinsam mit Omnium Gatherum begegnet. Seitdem gehören die Finnen zum festen Repertoire. Apropos Schnee und Eis. Da fällt mir doch eine nette kleine Geschichte ein. Meine Eltern arbeiteten früher auf derselben Station in einem Krankenhaus. Eines Tages, meine Mama arbeitete, mein Papa sollte zu einer späteren Schicht folgen. Irgendwann klingelte das Telefon. Meine Mama war dran und fragte, wo denn mein Papa bliebe, die Schicht hätte schließlich schon angefangen. Was war geschehen? Mein Papa wollte mit dem Motorrad zur Arbeit fahren. Nur dass sich das eben bei Glatteis nicht ganz so einfach gestaltet. Er legte sich erst mal auf die Nase, nahm aber im Moment des Anrufs einen neuen Anlauf. Also informierte ich meine Mama entsprechend: „Wenn alles glatt geht, müsste er gleich da sein!“ Kurz einwirken lassen! Herrlich, oder? Genug geplaudert. Setzen zur Geschichtsstunde! Bei der EP „Skull Soldiers“ handelt es sich nämlich um die Fortsetzung des fünften Albums „Wolves of Karelia“ in dem es um den Winterkrieg geht, den die finnische Armee 1939 gegen die Sowjetunion führte. Die zwei neuen Songs auf der EP „Skull Soldiers“ und „Hereditary“ setzten nun im zweiten Winterkrieg an und besingen eine finnische Einheit, deren Soldaten Malereien von Totenschädeln und Skeletten auf den Helmen trugen – die Skull Soldiers.

„Skull Soldiers“ brettert gleich dermaßen los. Wow. Man prallt erst mal vom Lautsprecher zurück. Unbehagen, Eiseskälte, Entschlossenheit, Vorwärtsdrängen und eine rohe Brutalität breiten sich aus. Unheilvolle Streicher im Hintergrund. Im Vordergrund treibende Blastbeats, schwere Growls, dräuende Gitarren und ein Gitarrenriff von eisiger Schönheit. Sehr gelungen. Sehr stimmig. Hier passt einfach alles. Jeder Ton, jedes Instrument baut die unheimlich dichte Atmosphäre mit auf und trägt sie. Die Lyrics komplettieren das ganze perfekt. Vor dem inneren Auge sieht man die Skull Soldiers marschieren. Ich hol mir jetzt erstmal die dicke Winterjacke. Treibende Blastbeats ist auch das Stichwort für „Hereditary“. Man hat das Gefühl in einen dichten Schneesturm geraten zu sein und die eisigen Flocken peitschen nur so ins Gesicht. Der Song ist insgesamt etwas schneller vom Tempo her. Epischer, zackiger, dynamischer. Hammersolo! Die EP wird vervollständigt durch eine bildschöne Akustikversion von „Aeon of Cold“ vom Album „Shadow World“. Bassist Lauri Silvonen überrascht dazu mit seinem Cleangesang. Außerdem gibt es noch eine Live-Version von „Reaper“ vom Album „Wolves of Karelia“. Insgesamt eine sehr gelungene EP. Manch einer hat sich vielleicht mehr versprochen – aber ich bin vollauf zufrieden. Die zwei neuen Songs sind der absolute Hammer und ich liebe es, neue Versionen und Interpretationen von älteren Songs zu hören. Es ist immer wieder faszinierend, wie ein paar Veränderungen einen Song in ganz neuem Licht erscheinen lassen. Also: Daumen hoch!

Napalm Records auf Youtube

In general, I’m fed up with cold, ice and snow at the moment. Of course, this does not apply to music. A shiver deep in my soul is quite pleasant for me. That’s why winter is once again making its way into my blog. Wolfheart kick off today with their EP „Skull Soldiers“. I met Wolfheart for the first time on the „Burning Cold Tour“ together with Omnium Gatherum. Since then, the Finns have been part of the repertoire. Speaking of snow and ice. A nice little story comes to mind. My parents used to work at the same station in a hospital. One day, my mom was working, my dad was supposed to follow a later shift. At some point the phone rang. It was my mom’s turn to ask where my dad was, after all, the shift had already started. What had happened? My Dad wanted to go to work on the motorcycle. But it is not that easy on black ice with a smoothly underground. He lay on his nose at first, but at the moment of the call he made a new attempt. So I informed my mom accordingly: „If everything goes smoothly, he should be there right away! „Let it work for a moment! Wonderful, right? Enough chatted. Let’s go to the history lesson! The EP „Skull Soldiers“ is actually the continuation of the fifth album „Wolves of Karelia“, which is about the winter war that the Finnish army waged against Sowjetunion in 1939. The two new songs on the EP „Skull Soldiers“ and „Hereditary“ now begin in the Second Winter War and are about the one Finnish unit whose soldiers wore paintings of skulls and skeletons on their helmets – the Skull Soldiers.

„Skull Soldiers“ hits it from the first moment. Wow. You bounce back from the speaker. Discomfort, freezing cold, determination, pushing forward and a raw brutality spread. Sinister strings in the background. In the foreground, driving blast beats, heavy growls, threatening guitars and a guitar riff of icy beauty. Very nicely done. Very consistent. Everything just fits here. Every tone, every instrument helps to build up the incredibly dense atmosphere and carries it. The lyrics complete the whole thing perfectly. In your mind’s eye you can see the Skull Soldiers marching. Now I’ll get the thick winter jacket. Driving blast beats is also the keyword for „Hereditary“. You have the feeling of being caught in a dense snowstorm and the icy flakes are whipping your face. Overall, the song is a bit faster in terms of tempo. Epic, jagged, dynamic. Hammersolo! The EP is completed by a beautiful acoustic version of “Aeon of Cold” from the album “Shadow World”. Bassist Lauri Silvonen surprises with his clean vocals. There is also a live version of „Reaper“ from the album „Wolves of Karelia“. All in all a very successful EP. Some people may have promised more – but I am completely satisfied. The two new songs are awesome and I love to hear new versions and interpretations of older songs. It’s always fascinating how a few changes can make a song appear in a whole new light. So thumbs up!


Tracks:
1. Skull Soldiers
2. Hereditary
3. Aeon of Cold (acoustic)
4. Reaper (live)

Band:
Tuomas Saukkonen – Gitarre, Gesang
Joonas Kauppinen – Schlagzeug
Lauri Silvonen – Bass, Gesang
Vagelis Karzis – Gitarre (Studio)

Ein Gefühl wie Fliegen. Tales from the Frozen Lands Part I von Dead Crown

Epic/Atmospheric Blackmetal
Veröffentlichung: 06.03.2020
Independent
https://www.facebook.com/DeadCrownBlackMetal
https://deadcrown.bandcamp.com/
https://www.instagram.com/deadcrown_vikingmetal/?hl=de


a4261121290_10(English version below.)

Neulich. Ich zappte mehr oder weniger unmotiviert durch die TV-Programme als ich plötzlich – völlig ohne jedwede Vorwarnung – auf etwas zutiefst Verstörendes stieß. Auf einem bayerischen Sender waren gerade eine Frau und zwei Männer dabei die träge Gemeinde zu Hause mit einem Workout in Schwung zu bringen. Kniebeuge, Hampelmann und Co. zu bayerischer Düdelmusik (so der anerkannte Fachbegriff) und in Lederhosen und etwas Dirndelähnlichem. Es war wie ein schlimmer Unfall. Verstörend. Brutal. Und doch konnte ich minutenlang nicht wegsehen. Nach dem ersten und zweiten Schock reifte in mir die Überzeugung, ich müsse dringend eine Gegenbewegung starten. Kickboxworkout zu Bloodsvept von Finntroll. Natürlich in Leggins, aber mit Kutte und mit lustig wippenden Trollohren. Stay tuned! Und da ich euch jetzt jede Menge verstörender Bilder in den Kopf gepflanzt habe, will ich auch etwas dafür tun, dass sie schleunigst wieder verschwinden. Mit Dead Crown und der EP „Tales from the Frozen Lands Part I

Bei Dead Crown handelt es sich um das Soloprojekt des Musikers Fausto. Die EP enthält vier Songs. Außerdem möchte ich euch zusätzlich noch seine neue Single „Incarnatum“ ans Herz legen. Zunächst riskieren wir aber ein Ohr auf „Tales from the Frozen Lands Part I“. Mit Before the Rain“ gelingt Dead Crown ein extrem atmosphärischer Start. Trommel, Drehleier und rhythmisch gesprochene Worte gefolgt von cleaner Gitarre und dem beschwörenden Gesang, der beständig dieselben Worte wiederholt, ziehen einen sofort in den Bann, hypnotisieren, nehmen mit. Ich fühlte mich vom Style her ein wenig an Wardruna erinnert. Diese Assoziation mit Wardruna pulverisiert sich mit „Far Beyond the Oceans“ wieder, doch die hypnotische, meditative Grundstimmung bleibt erhalten. Schwarzmetallisches Tremolopicking, als Gerüst ein gemächliches, doomiges Grundtempo. Dazu Growls, ein kleiner paganistischer Anklang in Form von rhythmischen Rufen. Schließlich Cleangesang im Chorus. Passend zum Ozean gibt es auch noch Streicher untermalt von heranrollenden Wellen. Sehr chillig irgendwie. Und doch von einer faszinierenden Kraft. „Tundra“ setzt auf Kontrast. Der Beginn ist sanft. Eine ätherische, zarte, weibliche Stimme wabert durch den Raum. Dazu Streicher. Dann setzen Tremolopicking und Growls ein. Kalt, abweisend – brutaler Gegensatz. Gegen Ende des Songs kehren wir quasi wieder zum Anfang zurück und so schließt sich der Kreis. Brutal gut! Aurora Eterna“ ist einfach nur bildschön! Das Instrumental webt einen geradezu ein in einen kuscheligen Kokon aus wunderbarer, cleaner Gitarrenmelodie, Distortiongitarrenwand kombiniert mit eigenwilligem Drumrhythmus, sphärischen Synthies und rhythmischen kriegermäßigen Rufen.

Nun möchte ich noch auf Dead Crowns neue Single „Incarnatum“ zu sprechen kommen. Ein Brett, ein ziemlich starkes Brett sogar. Nicht nur so ein dünnes Brettchen. Der Song baut sich herrlich auf, entfaltet sich. Er beginnt mit einer eingängigen Synthiemelodie, Gitarre und Growls. Schon bald stellt sich ein Gefühl von epischer Weite ein. Ein Gefühl davon auf einem Berg zu stehen und weit übers Land zu schauen. Der eindringliche, wunderschöne Cleangesang und der cleane Gitarrenbreak, der Hauch von Drehleier verleihen dem Song etwas geheimnisvoll märchenhaftes. Und dann entfaltet sich der in den Lyrics erwähnte Sturm auch musikalisch durch den eindringlichen Cleangesang und die Tremolopickingwand. Herrlich! Genial! Bildschön!

Obwohl Blackmetal ja irgendwie die meiste Zeit eher etwas Kaltes hat, erfasste mich beim Hören von „Tales from the Frozen Lands Part I“ und „Incarnatum“ immer wieder ein seltsames Gefühl von Weite, von Wärme, von Herumfliegen und wieder Ankommen. Natürlich sind die Lyrics thematisch jetzt meist eher dem Blackmetal angemessen dramatisch, wenig witzig und bisweilen episch. Und dennoch hatte die Musik nichts Abweisendes. Dead Crown kreiert einen aufwühlenden Mix aus Black-, Epic- und Doommetal mit Ambient und Pagan Einflüssen. Absolut hörenswert!

Dead Crown auf Youtube

Recently. I was zapping through the TV programs more or less unmotivated when I suddenly – without any warning – came across something deeply disturbing. On a Bavarian station, a woman and two men were just getting the lazy community back home going with a workout. Squat, jumping jack and Co. to Bavarian doodle music (that is the recognized technical term) and in lederhosen and something similar to a dirndel. It was like a bad accident. Disturbing. Brutally. And yet I couldn’t look away for minutes. After the first and second shock, I became convinced that I urgently needed to start a countermovement. Kickboxing workout for Bloodsvept by Finntroll. In leggings, of course, but with a battle jacket and funny bobbing troll ears. Stay tuned! And since I’ve planted a lot of disturbing images in your head, I want to do something to make them disappear again as quickly as possible. With Dead Crown and the EP “Tales from the Frozen Lands Part I“.

Dead Crown is the solo project of the musician Fausto. The EP contains four songs. I would also like to recommend his new single „Incarnatum“ to you. But first we risk listening to “Tales from the Frozen Lands Part I“. With “Before the Rain” Dead Crown manages an extremely atmospheric start. Drum, hurdy-gurdy and rhythmically spoken words followed by clean guitar and the evocative vocals that constantly repeat the same words pull you under the spell, hypnotize you, take you away. It felt a bit like Wardruna in terms of style. This association with Wardruna is pulverized again with “Far Beyond the Oceans”, but the hypnotic, meditative mood remains. Black metallic tremolo picking, as a framework a leisurely, doomy basic tempo. Plus growls, a small paganistic echo in the form of rhythmic calls. Finally clean singing in the chorus. To match the ocean, there are also strings accompanied by rolling waves. Somehow very chilled. And yet of a fascinating power. “Tundra” relies on contrast. The beginning is gentle. An ethereal, delicate, feminine voice wafts through the room. Plus strings. Then tremolo picking and growls set in. Cold, repellent – brutal contrast. Towards the end of the song we basically go back to the beginning and so we come full circle. Brutally good! „Aurora Eterna“ is just beautiful! The instrumental almost weaves you into a cuddly cocoon of wonderful, clean guitar melody, distortion guitar wall combined with idiosyncratic drum rhythm, spherical synths and rhythmic warrior-like calls.

Now I would like to talk about Dead Crown’s new single „Incarnatum“. A board, quite a strong board in fact. Not just such a thin board. The song builds up wonderfully, unfolds. It starts with a catchy synth melody, guitar and growls. A feeling of epic space soon sets in. A feeling of standing on a mountain and looking far over the country. The haunting, beautiful clean vocals and the clean guitar break, the touch of hurdy-gurdy give the song something mysteriously fairytale-like. And then the storm mentioned in the lyrics unfolds musically through the haunting clean singing and the tremolopicking wall. Lovely! Brilliant! Beautiful!

Although Blackmetal is kind of cold most of the time, when I heard “Tales from the Frozen Lands Part I” and “Incarnatum” it gave me a strange feeling of space, of warmth, of flying around and arriving again and again. Of course, the lyrics are now mostly dramatic, not very funny and at times epic, in keeping with Black Metal. And yet there was nothing repellent to the music. Dead Crown creates a stirring mix of black, epic and doom metal with ambient and pagan influences. Absolutely worth hearing!


Tracks:
1. Before the Rain
2. Far Beyond the Oceans
3. Tundra
4. Aurora Eterna

Band:
Fausto – alle Instrumente

Vergiss nicht zu atmen. Wicked & Divine von Irony Of Fate

Melodic Death Metal
Veröffentlichung: 26.02.2021
Allegro Talent Media
https://ironyoffate.ch/?v=c446ef156508
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https://www.instagram.com/ironyoffateofficial/


Album Cover Wicked and Divine(English version below.)

Irony of Fate. So heißt die Schweizer Melodic Death Metal Band, deren neues Album „Wicked & Divine“ ich euch heute vorstellen möchte. Als Ironie des Schicksals würde ich bezeichnen, dass in einem meiner Grundschulzeugnisse als Bemerkung steht „Julia hat große Freude im Umgang mit Farben.“ Und dann bin ich beim Metal gelandet. Schwarz, schwärzer am schwärzesten. Obwohl, man könnte die Metalszene mit ihren gefühlt hunderten von Spielarten, Variationen und Subgenres durchaus als bunt bezeichnen. Also von daher passt es wieder. Mit einem Subgenre oder Etikett – dem Femal Fronted Metal, zu dem auch Irony of Fate gezählt werden – kann ich allerdings nicht viel anfangen. Ich meine damit nicht, dass ich mit der Musik nichts anfangen kann, sondern mit dem Begriff als Einkategorisierungsmerkmal eines Musikstils. Ich weiß, dieses Etikett hat sich in den letzten Jahren etabliert, aber was soll das denn für ein Stil sein? Am Ende sind darunter doch ganz verschiedene Stile subsumiert vom Melodic Death Metal über Thrash bis hin zu Power oder Black Metal. Also mir ist es letztendlich ziemlich wurscht ob da Frau, Mann, der Bi-Ba-Butzemann oder Biene Maja ins Mikro röhrt. Es muss mich halt ansprechen. Und Irony of Fate erreichen das mit ihrer Musik definitiv!

Neun Songs erwarten euch auf „Wicked & Divine“. Ich möchte zunächst einfach mal ungefiltert meine Gedanken beim Hören des Openers „Vengeance“ wiedergeben: „Cooler Bass, Hoppla, Heidenei, uiuiui, wtf, geil! Die Growls von Sängerin Cveti kann man getrost als eindringlich, derb und bisweilen als fies bezeichnen, die Drums als Dauerfeuer, das Gitarrensolo als absolut mitreißend und das Tempo als nackenbrecherisch. Einstieg gelungen! Schauen wir also weiter. Der zweite Song „The In-between“ hat mich sofort mit seinem eingängigen Gitarrenriff und dem reizvollen Kontrast zwischen den dreckigen, hässlichen, schaurig schönen Growls und den melodischen Gitarren. Dieses Spiel mit Spannung und Entspannung treiben Irony of Fate sehr gern und gekonnt. Zum Beispiel in „Mind vs. I“, „Mayham“ oder „Hypocrite“ arbeiten die Schweizer mit einem melodischen Gitarrenbeginn, auf den dann die Hölle folgt. Eine Raserei aus Stakkatoschnellfeuerdrums, Growls, Bass und Rhythmusgitarre bricht aus, die einem den Kopf wegbläst. Ein djentiger Break und Gitarre mit viel wah wie in „Mind vs. I“, ein sich hymnisch öffnender Chorus wie in „Deceiver“ oder „Mayhem“ und die wahnsinnig rasanten, hörenswerten Gitarrensoli schaffen dann eine Art Gegenpunkt, der einen die angehaltene Luft ausstoßen lässt, bevor man vor Spannung erstickt. Besonders gelungen finde ich „We, the Damned“. Ein ungewöhnliches, irgendwie unbequemes aber nicht unangenehmes Gitarrenriff schlägt einen in seinen Bann. Es flirrt immer wieder im Hintergrund auf und macht einen halb irre. Djentiger Break, cooles Solo. Richtig irre, im absolut positiven Sinn, hat mich „Hypocrite“ gemacht. Hektische, stakkatomäßige Gitarren, Maschinengewehrdrums, hier und da djentig. Man hat das Gefühl gleich auszuflippen. Es nicht mehr auszuhalten. Und genau dann wechselt der Rhythmus in eine smoothere Richtung. Hammer! Und dann ist da noch „Wicked & Divine“. Irres, schnelles, sehr elektronisch klingendes Gitarrenriff und Grummel-Growls tief aus dem Bauch. Alles ist hektisch und irgendwie unbequem und dann kommt die hymnische Öffnung im Chorus. Herrlich! Die Finger flitzen die Griffbretter nur so rauf und runter. Wenn man mit dem Blick noch unten hängt, sind die Gitarristen schon wieder oben. Dazu kommen noch schwarzmetallische und djentige Anklänge und hallige Growls. Man kann entweder vor Begeisterung ausflippen oder dem Wahnsinn anheimfallen. Bei mir ist, glaube ich, beides passiert.

„Wicked & Divine“ ist absolut mitreißend. Man kann irgendwie nicht anders, als sofort in die Musik hineingezogen zu werden. Irony of Fate kreieren dabei einen wunderbaren Gegensatz zwischen unbequemen, ungewöhnlichen Passagen, die aufmerken lassen. Manchmal windet man sich auch ein wenig vor Unbehagen – und das meine ich absolut positiv. Dann wieder erlösen sie den Hörer und leiten das Ganze in eine melodischere, rhythmisch smoothere Bahn. Alle Instrumente und natürlich die Growls tragen gleichermaßen zu diesem Wahnsinnstrip bei. Sehr gelungen!

Irony Of Fate auf Youtube

Irony of Fate. This is the name of the Swiss Melodic Death Metal Band, whose new album “Wicked & Divine” I would like to introduce to you today. As an irony of fate I would describe the fact that one of my primary school certificates says “Julia enjoys working with colors” and then I ended up with metal. Black, blacker, blackest. Although, the metal scene with its hundreds of types, variations and subgenres could be described as colorful. So it fits again. With one subgenre or label – Femal Fronted Metal, which also includes Irony of Fate – I can’t do much with it. I don’t mean that I can’t do anything with the music, but with the term as a categorization feature of a musical style. I know this label has been established in the last few years, but what kind of style is that supposed to be? At the end of the day there are very different styles subsumed under it, from Melodic Death Metal to Thrash to Power or Black Metal. So in the end I don’t really care if there is a woman, a man, the Bi-Ba-Butzemann or Biene Maja roaring into the microphone. It just has to speak to me. And Irony of Fate definitely achieve that with their music!

Nine songs await you on „Wicked & Divine“. First of all, I just want to give my thoughts unfiltered while listening to the opener “Vengeance”: “Cool bass, oops, Heidenei, uiuiui, wtf, cool!“ The growls of singer Cveti can confidently be described as forceful, coarse and sometimes nasty, the drums as continuous fire, the guitar solo is absolutely thrilling and the tempo neckbreaking. Successful entry! So let’s look further. The second song “The In-between” caught me straight away with its catchy guitar riff and the delightful contrast between the dirty, ugly, eerily beautiful growls and the melodic guitars. Irony of Fate play this game of tension and relaxation with great pleasure and skill. For example, in “Mind vs. I”, “Mayham” or “Hypocrite” the Swiss work with a melodic guitar beginning, which is then followed by hell. A frenzy of staccato quick-fire drums, growls, bass and rhythm guitar breaks out that blows your head off. A djentier break and guitar with a lot of wah like in “Mind vs. I”, a hymnically opening chorus like in “Deceiver” or “Mayhem” and the incredibly fast-paced guitar solos that are worth listening to create a kind of counterpoint that lets you blow your breath before choking on excitement. I think “We, the Damned” is particularly successful. An unusual, somehow uncomfortable but not unpleasant guitar riff casts a spell over you. It keeps shimmering in the background and makes you half crazy. Djenty break, cool solo. “Hypocrite” made me really crazy, in an absolutely positive sense. Hectic, staccato guitars, machine gun drums, djenty here and there. You have the feeling to freak out. You can’t take it anymore. And exactly then the rhythm changes in a smoother direction. Wow! And then there is “Wicked & Divine”. Crazy, fast, very electronic sounding guitar riff and grumble growls from deep inside. Everything is hectic and somehow uncomfortable and then comes the hymn opening in the chorus. Lovely! The fingers whiz up and down the fretboards. If your eyes are still down, the guitarists are up again. In addition there are black metallic and djenty echoes and reverberant growls. You can either freak out with enthusiasm or fall into madness. I think both happened to me.

“Wicked & Divine” is absolutely thrilling. Somehow, you can’t help but be drawn into the music straight away. Irony of Fate create a wonderful contrast between uncomfortable, unusual passages that draw attention and sometimes you squirm with discomfort – and I mean that in an absolutely positive way. Then again they release the listener and guide the whole thing into a more melodic, rhythmically smoother path. All the instruments and of course the growls contribute equally to this amazing trip. Very nicely done!


Tracks:
1. Vengeance
2. The In-between
3. Mind vs. I
4. Deceiver
5. We, the Damned
6. Mayhem
7. Hypocrite
8. Wicked & Divine
9. Hear them Calling

Band:
Cveti Stojmenova – Gesang
Raffael Kühni – Gitarre
Lars Gygax – Gitarre
Tom Zürcher – Bass
Greg Bucher – Schlagzeug

„Wichtig sind eingängige Riffs und dass die Fans den Refrain mitgrölen können“ – Interview mit Juli von Skyborn

Tadaaa – heute erwartet euch eine kleine Überraschung. Mein erstes Videointerview. Auf die Alditüte über dem Kopf habe ich aus Sicherheits- und Albernheitsgründen verzichtet. Und ich arbeite auf jeden Fall weiter an meinem Charme einer schwäbischen Ansagerin im Regionalfernsehen. Versprochen. Viel spannender ist aber, was Leadgitarrist Juli von Skyborn zur Band selber, zu ihrer Musik, zum Album „Paradise Falls“ (Review) zum Songwriting und zum Thema „Wenn ich ein Instrument wäre…“ zu sagen hat. Achtung Spoiler – es wird in diesem Fall keine Überraschung geben. Vielen Dank, dass du dich als Versuchskaninchen zur Verfügung gestellt hast! An dieser Stelle möchte ich auch noch einmal dem besten Ehemann von allen – der aus mir unbekannten Gründen gern eine Triangel wäre – für seine geduldige technische Mithilfe danken. So. Und jetzt viel Spaß!

Tadaaa – a little surprise awaits you today. My first video interview. For reasons of safety and silliness, I did not put the aldi bag over my head. And I will definitely continue to work on my charm of a Swabian announcer on regional television. Promised. Much more exciting is what lead guitarist Juli von Skyborn has to say about the band itself, about their music, about the album „Paradise Falls“ (review), about songwriting and about „If I were an instrument …“ Beware of spoilers – there will be no surprises in this case. Thank you for making yourself available as a guinea pig! At this point I would like to thank once again the best husband of all – who, for reasons unknown to me, would like to be a triangle – for his patient technical assistance. So. And now have fun!

Ein Hauch von Whisky. Paradise Falls von Skyborn

Heavy/Thrash Metal
Veröffentlichung: 18.12.2020
Independent
https://www.instagram.com/skyborn.official/
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https://skybornofficial.bandcamp.com/album/paradise-falls


index(English version below.)

Mein Austausch mit Leadgitarrist Juli von der Band Skyborn, um deren Album „Paradise Falls“ es heute geht, hat uns unter anderem zu unseren musikalischen Anfängen zurückgeführt. Während Juli die Blockflöte erspart blieb und er dieses Instrument als Werk des Teufels betrachtet, startete meine bescheidene musikalische Karriere mit eben jenem Instrument. Und ja – es ist ein Werk des Teufels. Wenn acht Grundschüler bei jeder einzelnen Fete ihrer Grundschule „Schwarzbraun ist die Haselnuss“ von Heino auf der Blockflöte zum Besten geben müssen, dann ist das sowohl für die Grundschüler als auch für ihr Publikum die wahr gewordene Hölle auf Erden! Gerüchteweise sind einige von uns heute noch immer in psychologischer Behandlung deswegen. Da lobte ich mir dann das Singen im Grundschulchor, dem ich ebenfalls angehörte. Die Lieder, die wir da zum Besten gaben, waren zwar unwesentlich ansprechender, aber man konnte immerhin in der Menge verschwinden und fühlte sich nicht gar so gedemütigt. Die Demütigung in Sachen Chor erfolgte erst in der weiterführenden Schule als ich wegen meiner tiefen Stimme bei den Männern mitsingen sollte. Eine peinliche Sache für einen pubertierenden Teenager. Damit war die Chorkarriere dann auch passé. Jetzt aber zu erfolgversprechenderen musikalischen Karrieren. Am 18.12.20 veröffentlichte die Münchner Band Skyborn ihr Debütalbum „Paradise Falls“. Elf thrashig-rockige Songs erwarten euch auf diesem Album. Und wen das manische Geschrei auf meinem Blog in letzter Zeit schon genervt hat, der darf nun aufatmen.

Denn die rockige Stimme von Skybornsänger Luke Greber erinnert mehr an Whisky, Zigarren und Papa Het – was in etwa aufs Gleiche rauskommt.  Der Opener „Dark Era“ beginnt mit gedämpften Drums, zu denen sich schnell ein wunderschöner doppelläufiger Gitarrensound und schließlich der Gesang gesellt. Der doppelläufige Gitarrensound und knackige, zackig akzentuierte Rhythmen begegnen uns auf „Paradise Falls“ noch häufiger und verleihen dem Sound einen eigenen Stempel. Absolut männlich von innen und von außen und im rockigen Southern Stil sind „Watch Me Now“ und „Sex Drugs & Rock ’n‘ Roll“. Leicht bluesig angehauchte Gitarre und rhythmisch prägnant. Apropos Rhythmus. „Lonesome Road“ prescht und galoppiert mutig voran. Bisweilen liegt ein Hauch von Punk in der Luft, insgesamt bleibt der Song aber eher im Southern Metal verhaftet. Ein cooles Atemlossolo mit Nackenverknotungspotential, hallige Chorrufe und ein rhythmischer Break runden das Ganze ab. Auch der Song „Orphan Child“ beginnt rhythmisch und drumtechnisch ansprechend und glasscharf. Und „Reaper’s Revenge“ gewittert ebenfalls mächtig los und setzt zwischendurch reizvolle Akzente mit dem Gegensatz zwischen zackigen Drums und eher weich rollenden Gitarren. Wohaaa! Wuseliges Riff, Hammersolo mit cleanem Nachklang und – moment – was ist das? Ein folkmetalmäßiger Aaaaah-Chor? Was für eine Wundertüte! Definitiv einer meiner Lieblingssongs des Albums. Mein zweiter Tipp ist „World in Distortion“. Nach hartem Beginn folgt ein wunderschöner cleaner Gitarrenpart, gefolgt von einem beinahe schon melancholischen Solo. Ein aggressiveres zweites Solo und die unbarmherzig hämmernden Drums sorgen allerdings dafür, dass es nicht zu kuschelig wird.

Auch wenn „Paradise Falls“ hier und da etwas redundant in Songaufbau und Melodie ist, war es mir beim Hören nicht eine Sekunde langweilig. Im Gegenteil. Die Songs sind mitreißend und eingängig. Variieren zwischen gemächlich und temporeich. Die Rhythmik ist abwechslungsreich und die Drums kommen auf den Punkt. Manchmal unterstützen die Gitarren, dann gehen sie wieder ihre ganz eigenen Wege. Überhaupt. Gitarren. Die Soli sind durchweg der Hammer. Die Riffs und Melodien eingängig und bildschön. Skyborn haben aus Heavy/Thrash und Southernmetal, Rock-, Blues- und Punkelementen einen eigenen Sound kreiert, der sehr viel Spaß macht. Und über allem liegt ein Hauch von Whisky! Ihr dürft euch jetzt schon auf mein Interview mit Leadgitarrist Juli freuen (zum Videointerview)

YouTube Channel Skyborn TV

My conversation with lead guitarist Juli from the band Skyborn, whose album „Paradise Falls“ is the topic today, has brought us back to our musical beginnings. While Juli was spared the recorder and he regards this instrument as the work of the devil, my modest musical career began with just that instrument. And yes – it is the work of the devil. If eight elementary school students have to perform „Schwarzbraun ist die Haselnuss“ of Heino on the recorder at every single party in their elementary school, then this is hell on earth come true for both the elementary school children and their audience! Rumor has it that some of us are still in psychological treatment for it today. Then I praised myself for singing in the elementary school choir, which I also belonged to. The songs we performed were marginally more appealing, but at least you could disappear into the crowd and didn’t feel so humiliated. The humiliation in the matter of the choir only occurred in secondary school when I was supposed to sing along with the men because of my deep voice. An embarrassing thing for a pubescent teenager. So the choir career was over. But now to more promising musical careers. On December 18th, the Munich band Skyborn released their debut album „Paradise Falls“. Eleven thrashy songs await you on this album. And if you’ve been annoyed by the manic screaming on my blog lately, you can now breathe a sigh of relief.

Because the rocking voice of Skyborn singer Luke Greber is more reminiscent of whiskey, cigars and Papa Het – which comes out about the same. The opener „Dark Era“ begins with muffled drums which are quickly joined by a wonderful double guitar sound and finally the vocals. The double guitar sound and crisp, jagged accented rhythms come across more often on „Paradise Falls“ and give the sound its own stamp. „Watch Me Now“ and „Sex Drugs & Rock ’n‘ Roll“ are absolutely masculine inside and out and in a rocky Southern style. Slightly bluesy guitar and rhythmically concise. Speaking of rhythm. „Lonesome Road“ dashes and gallops bravely on. At times there is a touch of punk in the air, but the song remains rather stuck in Southern Metal. A cool breathtaking solo with neck knot potential, echoing choruses and a rhythmic break round off the whole thing. The song „Orphan Child“ also begins rhythmically and drum-technically appealing and sharp as glass. And Reaper’s Revenge also thunders mightily and in between sets charming accents with the contrast between jagged drums and rather soft rolling guitars. Wohaaa! Lush riff, hammer solo with a clean finish and – wait – what is it? A folk metal-like aaaaah choir? What a surprise! Definitely one of my favorite songs on the album. My second tip is „World in Distortion“. After a hard start, a wonderful clean guitar part follows, followed by an almost melancholy solo. A more aggressive second solo and the relentless pounding drums ensure that it doesn’t get too cozy.

Even if „Paradise Falls“ is a bit redundant here and there in song structure and melody, I wasn’t bored for a second while listening to it. On the contrary. The songs are gripping and catchy. Vary between leisurely and fast-paced. The rhythm is varied and the drums get to the point. Sometimes the guitars provide support, then they go their own way again. At all. Guitars. The solos are consistently awesome. The riffs and melodies catchy and beautiful. Skyborn have created their own sound from heavy / thrash and southern metal, rock, blues and punk elements, which is a lot of fun. And there’s a whiff of whiskey on top of everything! You can already look forward to my interview with lead guitarist Juli (see the videointerview here)


Tracks:
01. Dark Era
02. Lonesome Road 
03. Watch Me Now 
04. The Cheat 
05. This Thing Called Fear 
06. Orphan Child 
07. World in Distortion 
08. Sex Drugs & Rock ’n‘ Roll 
09. Cry Out 
10. Paradise Falls 
11. Reaper’s Revenge

Band:
Paul von Jakobs – Bass
Edu Romero – Schlagzeug
Juli Sommer – Gitarre
Luke Greber – Gesang, Gitarre

Herzensmusik zum Jahresabschluss

Nein, ihr seid nicht plötzlich auf Carmen Nebels persönlichem Blog gelandet, keine Sorge. Ich möchte das Jahr einfach mit ein wenig Musik beschließen, die mir sehr ans Herz gewachsen ist. Die eine schon etwas länger, die andere erst seit kurzem, aber dafür heftig. Viel Spaß mit „My Way“ von Mind Enemies und „Hvte“ von Whiteout. Rutscht gut!

No, you didn’t suddenly land on Carmen Nebel’s personal blog, don’t worry. I just want to end the year with a little music that has become very dear to my heart. One has been a little longer, the other only recently but intensely. Have fun with „My Way“ by Mind Enemies and „Hvte“ by Whiteout. Happy New Year!

„Music is a fundamental way of expression for our inner selves.“ – Interview mit Hadal

Hier kommt nun das angekündigte Interview mit den Gothic- und Doom Metallern von Hadal. Wie fanden die Italiener als Band zusammen? Was steckt hinter ihrer Musik ? Und was machen Musiker, wenn sie nicht auftreten dürfen? (English version below.) Hier geht es übrigens zum Review des Albums.

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T!B!B!: Wie ist Hadal als Band entstanden und welche Idee steckt dahinter?

Hadal: Hadal wurde aus der Asche einer anderen Band namens So Cold geboren. Am Ende dieser Erfahrung haben wir uns entschlossen, einen anderen Weg zu finden, um unsere tiefen Leidenschaften auszudrücken. Das Hauptkonzept dahinter ist der Versuch, melancholische und düstere Lieder zu komponieren, die immer mit unseren inneren Tragödien verbunden sind.

T!B!B!: Wie würdet ihr euren Musikstil beschreiben? Was macht eure Musik speziell?

Hadal: Von Anfang an wollten wir atmosphärische Verse und schwere Riffs miteinander verbinden. Wir haben versucht, einen langsamen Groove mit melodischen und dennoch kraftvollen Gitarren zu erzeugen. Dies ist unsere Vision von Doom Metal. Die Idee, sowohl Klargesang als auch Growls zu verwenden, um unterschiedliche Emotionen zu vermitteln, ist für uns besonders wichtig. Und Alberto, unser Sänger, ist der Eckpfeiler unserer Musik.

T!B!B!: Worauf legt ihr bei eurer Musik besonderen Wert?

Hadal: Auf Ehrlichkeit. Wir spielen, was wir wirklich gerne spielen.

T!B!B!: Was bedeutet Musik ganz allgemein für euch?

Hadal: Musik ist eine grundlegende Ausdrucksweise für unser inneres Selbst.

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T!B!B!: Wovon handeln die Songs auf „December“?

Hadal:Wir haben Inspiration in der Natur gefunden, in den dramatischen Winter- und Herbstlandschaften. Außerdem in unseren Emotionen, Melancholie ist in unseren Liedern immer präsent.

T!B!B!: Welche Bedeutung haben die Texte für euch?

Hadal: Die Texte tragen zur Atmosphäre unserer Musik bei.

T!B!B!: Wie lange habt ihr an dem Album gearbeitet und wie muss man sich einen solchen Entstehungs- und Aufnahmeprozess bei Hadal vorstellen?

Hadal: Ein paar Tracks wurden schon vor vielen Jahren geschrieben und in der jetzigen Form neu arrangiert, passend zu dem Weg, den unsere Musik eingeschlagen hat. Am Anfang war die Idee, eine EP zu veröffentlichen, und dann haben wir beschlossen, dem gesamten Projekt neue Tracks hinzuzufügen. „December“ ist ein Rückblick auf zehn Jahre Hadal Geschichte geworden. Man kann sagen, dass alles  fertig war, kurz bevor Covid kam und alles verzögerte.

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T!B!B!: Was bedeuten euch eure Instrumente?

Hadal: Instrumente sind nur ein Kanal, um unser Gefühl auszudrücken. Wir betrachten uns nicht als Musiker.

T!B!B!: Leidiges Thema… Wie beeinflusst Corona eure Arbeit als Band?

Hadal: Der Lockdown, den wir im Frühjahr erlebt haben, gab uns genug Zeit, um an neuen Tracks und Ideen zu arbeiten. Etwas, das in neuen Aufnahmen Gestalt annehmen wird.

T!B!B!: Aufnahmen im Studio oder Liveauftritte? Was macht euch mehr Spaß?

Hadal: Es ist schwierig, darauf eine einfache Antwort zu geben. Studioaufnahmen sind eine kreative Phase. Es dauert eine gewisse Zeit, um den richtigen Sound für unser Lied zu definieren. Es ist anspruchsvoll und aufregend zugleich. Liveauftritte dagegen sind ausdrucksstark. Wir haben wenig Zeit, um unsere Emotionen zu kommunizieren. Gigs können wirklich großartig sein!

T!B!B!: Vielen Dank für das Interview und alles Gute für euch und euer Album.


English version

Here comes the announced interview with the Gothic and Doom Metallers from Hadal. How did the Italians come together as a band? What’s behind their music? And what do musicians do when they are not allowed to perform?

T!B!B!: How did Hadal come together as a band and what’s the idea behind the band?

Hadal: The Hadal project was born from the ashes of another band called So Cold. In the end of that experience we decided to find a different path to express our deep passions. The main concept is the attempt to compose melancholic and gloomy songs, always linked to our inner tragedies.

T!B!B!: How would you describe your musical style? What makes your music special?

Hadal: From the beginning we wanted to merge atmospheric verses and heavy riffs. We have tried to create a slow groove with melodic yet powerful guitars. This is our vision about doom metal. The intention of using both clean and raw voices to convey different emotions is particularly important for us. And Alberto, our singer, is the cornerstone of our music.

T!B!B!: What do you particularly value in your music?

Hadal: Our honesty, we play what we really love to play.

T!B!B!: What does music mean for you in general?

Hadal: Music is a fundamental way of expression for our inner selves.

T!B!B!: What are the songs on  „December“ about?

HadalWe have found inspiration in nature, in the dramatic landscapes of winter and fall. And in our emotions. Melancholy is always present in these songs.

T!B!B!: Which meaning do the lyrics have for you?

Hadal: Lyrics are important in the enhancement of the atmosphere of our music.

T!B!B!: How long did you work on the album and how do I have to imagine such a creation and recording process at Hadal?

Hadal: A couple of tracks have been written many years ago and have been rearranged in the present form, following the path that our music has taken. At the beginning the idea was to release an EP, and then we decided to add new tracks to the entire project. It has become a greeting to ten years of Hadal history. Let’s say that everything was ready just before the Covid came upon us and delayed everything.

T!B!B!: What do your instruments mean to you?

Hadal: Instruments are only a channel to express our feelings. We don’t consider ourselves as musicians.

T!B!B!: Sorry topic… How does Corona influence your work as a band?

Hadal: The lockdown we have lived in spring gave us enough time to work on new tracks and ideas. Something that is going to take form in the new recordings.

T!B!B!: Recording in the studio or performing live? What do you enjoy more?

Hadal: It’s difficult to answer with a simple assertion. Recording is a creative stage; it takes a certain amount of time to define the right sound for our song. It’s demanding and exciting at the same time. Performing live is an expressive stage; we have a small amount of time to communicate our emotions. Talking about pure fun, gigs can be really great!

T!B!B!: Thanks for the interview and all the best for you and “December”.

Eisige Brutalität und verletzliche Zerrissenheit. December von Hadal

Gothic/Doom Metal
Veröffentlichung: 05.12.2020
Planet K Records
https://www.facebook.com/HadalOfficial
http://www.intothehadal.com/
https://planetkrecords.bandcamp.com/


cd logo titolo(English version below.)

Beinahe wäre mein Plan, die Herrschaft über das Dachgeschoss zu übernehmen gescheitert. Und das nur wegen eines Sofas. Man stelle sich das vor! Schon länger versuche ich den besten Ehemann von allen aus seinem Computerspiele- und Homeoffice-Paradies im Dachgeschoss zu verdrängen. In einem Teil ist es mir mit meiner Gitarrensammlung schon gelungen – die ich mir natürlich nur zu diesem Zweck angeschafft habe. Jetzt sollte durch die Installation eines Sofas die endgültige Übernahme erfolgen. Leider wollte das Ding aber nicht durch das Treppenhaus passen. Ich war schon drauf und dran die Mauer aufzumeißeln, um das Sofa vorbeizutragen und dann alles wieder zuzumauern, sauber zu verputzen und zu tapezieren als das blöde Ding doch noch durch die Engstelle flutschte. Nun kann ich darauf gemütlich in meinem Snoopyschlafanzug fläzen und in der Videokonferenz unflätige Kommentare abgeben. Bald ist es so weit! Muahaha! Ein anderer hat die Herrschaft schon übernommen – nämlich der Dezember. Graue Schwermut und ab und an ein Schneeflöckchen. Trifft das auch auf das neue Album „December“ der italienischen Gothic Metaller Hadal zu? Die Scheibe enthält quasi zehn Jahre Bandgeschichte und besteht aus alten, neu arrangierten  und neuen Songs. Eine Autobiografie der Band, wenn man so will. Und der Klang?

Der Opener „December“ schlug mich sofort in seinen Bann. Melancholische cleane Stimme, emotionales  Gitarrenriff. Eine absolut düstere, schwermütige Grundstimmung. Und plötzlich eskaliert das Ganze. Die Drums nehmen Tempo auf. Die Gitarren stürzen sich ins Tremolopicking und „December“ entwickelt sich zu einem schwarzmetallischen Inferno. Die meiste Zeit über bewegen sich die Songs aber im doomig-getragenen Tempobereich. Packend, geradezu überwältigend ist die unglaubliche Schwärze, Eisigkeit, Melancholie und Emotionalität. Hier und da gesprenkelt von einem Gänsehaut erzeugenden Schauer. „Dark Water“ sticht da für mich am deutlichsten hervor. Gruselig bis in die Zehenspitzen variiert der Song zwischen butterzart und butterhart. Der intensive Kontrast zwischen den brutalen Growls und den melancholischen Gitarren geht unter die Haut. Und wenn sich „Dark Water“ dann langsam zu Ende schleppt, hinterlässt er einen Knoten im Magen. „The Obscure I“ erzeugt eine harte Eisigkeit, die das Blut in den Adern gefrieren lässt. Harsche Growls, gemutete, rhythmische Gitarren und die Doublebasses erzeugen einen fast tonlosen Klang. Dazwischen immer wieder die klagende Gitarre. Wahnsinn! Sehnsuchtsvoll schwermütig ist dagegen „My River“. Melancholischer Cleangesang, getragen, schwermütig. Der Bass grummelt immer wieder effektvoll und unterstreichend durchs Bild und ein bildschönes Gitarrensolo lässt einen träumerisch seufzen und im cleanen Gitarrenteil dahinschmelzen. Eine andere Seite von Hadal zeigt „Stormcrow“. Der Song wirft rhythmisch neue Varianten ins Spiel und reißt mit seiner kraftvollen Dynamik mit. Zwischendurch plätscherte das Album so ein wenig an mir vorbei, da ein bis zwei Songs mir persönlich etwas zu gleichförmig waren, aber das tut dem positiven Gesamteindruck keinen Abbruch.

Hadal kreieren auf „December“ bildschöne Gitarrenmelodien und melancholische Riffs bis in den kleinen Finger. Das Tempo bleibt meist getragen, manchmal schleppend, selten zieht es auch an. Das Album hat bei mir ob seiner Intensität Gänsehaut erzeugt. Düstere Sehnsucht, eiskalte Härte, bittersüßes Sehnen, Brutalität und Schaurigkeit sind die eine Seite. Die Andere kennzeichnet sich durch eine mal harte, mal zarte Emotionalität und eine verletzliche Zerrissenheit. Graue Schwermut und ab und an ein Schneeflöckchen? Absolut! Ein tolles Album! Freundlicherweise haben sich Hadal zu einem Interview bereit erklärt. Das Ergebnis lest ihr in den nächsten Tagen.

YouTube Channel von Hadal Official

My plan to take control of the attic almost failed. And that’s only because of a sofa. Just imagine! For a long time I have been trying to push the best husband of all out of his computer game and home office paradise in the attic. I have already succeeded in one part of it with my guitar collection – which of course I only bought for this purpose. Now the final takeover should be done by installing a sofa. Unfortunately, the thing didn’t want to fit through the stairwell. I was about to pry open the wall, to carry the sofa over and then to wall up everything again, plaster it cleanly and paper it up when the stupid thing slipped through the narrow point. Now I can sit comfortably in my Snoopy pajamas and make filthy comments in the video conference. It is nearly time! Muahaha! Another has already taken over the rule – namely December. Gray melancholy and now and then a snowflake. Does that also apply to the new album „December“ by Italian gothic metallers Hadal? The disc contains almost ten years of band history and consists of old, newly arranged and new songs. An autobiography of the band, if you will. And the sound?

The opener „December“ casted a spell over me immediately. Melancholic clean voice, emotional guitar riff. An absolutely gloomy, moody mood. And suddenly the whole thing escalates. The drums pick up the pace. The guitars plunge into tremolo picking and „December“ turns into a black metallic inferno. Most of the time, however, the songs move in the doomy-supported tempo range. The unbelievable blackness, iciness, melancholy and emotionality is gripping, downright overwhelming. Here and there speckled with goosebumps. „Dark Water“ stands out most clearly for me. The song varies between tender and hard as butter, gurgling down to the tips of your toes. The intense contrast between the brutal growls and the melancholy guitars gets under your skin. And when „Dark Water“ slowly comes to an end, it leaves a knot in the stomach. „The Obscure I“ creates a hard iciness that freezes the blood in your veins. Harsh growls, muted, rhythmic guitars and the double bass create an almost toneless sound. In between the plaintive guitar. Madness! In contrast, „My River“ is longingly and melancholy. Melancholic clean vocals, haunting. The bass growls effectively through the picture and a beautiful guitar solo lets you sigh dreamily and melt away in the clean guitar part. Another side of Hadal shows „Stormcrow“. The song throws rhythmically new variations into play and carries you away with its powerful dynamics. In between the album splashed past me a little, because one or two songs were a bit too uniform for me personally, but that doesn’t detract from the positive overall impression.

Hadal create beautiful guitar melodies and melancholic riffs down to their little fingers on „December“. The pace is mostly slow, sometimes dragging, and it rarely picks up. The album gives me goose bumps because of its intensity. Dark longing, ice-cold hardness, bittersweet craving, brutality and horror are one side. The other is characterized by a sometimes hard, sometimes tender emotionality and a vulnerable inner conflict. Gray melancholy and now and then a snowflake? Absolutely! A great album!


Tracks:
01. December
02. My River
03. Red Again
04. Dark Water
05. The Obscure I
06. Without A Word
07. Nothing Here
08. Cold Lake
09. Stormcrow

Band:
Alberto – Gesang
Max – Gitarre
Franco – Gitarre
Daniele – Schlagzeug
Teo – Bass

„Wir wollen mit den Texten eine Message vermitteln.“ – Interview mit Michu von Whiteout

Und hier (Trommelwirbel) I proudly present (Trommelwirbel) mein Interview mit Bassist Michu von Whiteout. Worum geht es auf „It’s Better Not to Know the Truth“? Wie waren die Aufnahmen, wie veränderte Corona das Arbeiten der Band und what about Bass? Das erfahrt ihr jetzt! (English version below.) Hier geht es übrigens zum Review der EP.

whiteout-band-photo-header-2T!B!B!: Wie würdet ihr euren Musikstil beschreiben? Was macht eure Musik speziell?

Michu: Eine Mischung zwischen Metalcore/Hardcore und diversen anderen Einflüssen.
Beispielsweise beim Song „Impermanence“ haben wir am Schluss einen Teil eingefügt, der an Black Metal erinnert. Dadurch, dass jeder von uns andere Stilrichtungen innerhalb des Rocks/Metals bevorzugt, entstehen auch Songs mit verschiedenen Einflüssen.

T!B!B!: Worauf legt ihr bei eurer Musik besonderen Wert?

Michu: Dass wir Songs schreiben, die uns selbst gefallen und damit meine ich, dass sie jedem von uns gefallen. Außerdem wollen wir mit den Texten eine Message vermitteln.

T!B!B!: Was bedeutet Musik ganz allgemein für euch?

Michu: Für uns ist Musik ein Ventil, um die Emotionen rauslassen zu können.

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T!B!B!: Wovon handeln die Songs auf „It’s Better Not to Know the Truth“?

Michu: Es geht um ganz unterschiedliche Sachen, alltägliche Sachen. Suchtprobleme, psychische Probleme, Hass/Gewalt (beispielsweise Kriege), verlorene Liebe usw.

T!B!B!: Wie lange habt ihr an der EP gearbeitet und wie muss man sich einen solchen Entstehungs- und Aufnahmeprozess bei Whiteout vorstellen?

Michu: Wir benötigten ca. 1 Jahr fürs Songwriting. Unsere Songs entstehen nicht im Bandraum, sondern die zwei Gitarristen Tim und Ricky nehmen gleich eine Idee auf. Danach geben wir Feedback dazu, bis der Song fertig ist. Anschließend wird geübt und wir nehmen im Studio von Ricky auf.

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T!B!B!: Was bedeutet dir dein Instrument?

Michu: Mir bedeutet der Bass unheimlich viel, schon mein Vater hat Bass gespielt. Ich merkte sofort, dass der Bass das Instrument ist, welches ich bevorzuge.

T!B!B!: Leidiges Thema… Wie beeinflusst Corona eure Arbeit als Band?

Michu: Wir vermissen es extrem, dass wir keine Konzerte spielen können.
Aber es hat auch etwas Gutes. Wir konzentrieren uns voll auf Social Media, damit wir den Fans trotzdem etwas bieten können. Momentan haben wir einen Adventskalender am Laufen über Instagram und Facebook. Jeden Tag posten wir auf unseren Kanälen interessante Hintergründe über uns.

T!B!B!: Aufnahmen im Studio oder Liveauftritte? Was macht dir mehr Spaß?

Michu: Ich persönlich liebe es, Konzerte zu spielen, da mir das Zusammenspielen in der Band am meisten Spaß bereitet. Dies noch vor einem Publikum zu machen, ist großartig.
Trotzdem mache ich auch gerne Aufnahmen im Studio. Es sind halt zwei völlig unterschiedliche Sachen, die mir beide Spaß machen.

T!B!B!: Vielen Dank für das Interview und alles Gute für euch und eure EP.


English version

And here (drum roll) I proudly present (drum roll) my interview with bassist Michu from Whiteout. What is „It’s Better Not to Know the Truth“ about? How were the recordings, how did Corona change the work of the band and what about bass? You will find out now!

T!B!B!: How would you describe your musical style? What makes your music special?

Michu: A mix between metalcore / hardcore and various other influences.
For example, with the song „Impermanence“, we added a part at the end that is reminiscent of Black Metal. Because each of us prefers different styles within rock / metal, we create songs with different influences.

T!B!B!: What do you particularly value in your music?

Michu: That we write songs that we like ourselves and by that I mean that each of us likes them. We also want to convey a message with the texts.

T!B!B!: What does music mean for you in general?

Michu: For us music is an outlet for emotions.

T!B!B!: What are the songs on  „It’s Better Not to Know the Truth“ about?

Michu: They are about very different things, everyday things. Addiction problems, psychological problems, hatred / violence (e.g. wars), lost love, etc.

T!B!B!: How long did you work on the EP and how do I have to imagine such a creation and recording process at Whiteout?

Michu: It took us about 1 year to write the songs. Our songs are not created in the band room, but the two guitarists Tim and Ricky immediately record an idea. Then we give feedback on it until the song is finished. Subsequently we practice and we record in Ricky’s studio.

T!B!B!: What does your instrument mean to you?

Michu: The bass means a lot to me, already my father played the bass. I immediately realized that the bass is the instrument I prefer.

T!B!B!: Sorry topic… How does Corona influence your work as a band?

Michu: We miss the fact that we can’t play concerts. But there is also something good about it. We concentrate fully on social media so that we can still offer something to the fans. We currently have an advent calendar running on Instagram and Facebook. Every day we post interesting background information about us on our channels.

T!B!B!: Recording in the studio or performing live? What do you enjoy more?

Michu: Personally, I love to play concerts because I enjoy playing together in a band the most. To do this in front of an audience is great. Nevertheless, I also like to make recordings in the studio. It’s just two completely different things that I both enjoy.

T!B!B!: Thanks for the interview and all the best for you and “It’s Better Not to Know the Truth”.

Tankt Energie! „It’s Better Not to Know the Truth“ von Whiteout

Metalcore / Hardcore
Veröffentlichung: 08/2020
RBG Production
https://www.facebook.com/WhiteoutBand


500x500(English version below.)

It’s Better Not to Know the Truth„. So lautet der Titel der EP der schweizer Metalcore Band Whiteout. Wenn ich mich für Metalcore begeistern kann, hat man auf jeden Fall vieles richtig gemacht, denn normalerweise ist das gar nicht mein Ding. Ihr dürft also gespannt sein. Zuvor muss ich aber noch ein Geständnis ablegen, zu dem der Titel der Whiteout EP passt, wie die Faust aufs Auge. Etwas, das mir seit letzem Montag schwer auf der Seele lastet.

Ich bin ein schlechter Mensch! Letzten Montag bin ich völlig unvermittelt und ohne Vorwarnung ins Kleinkriminellenmilieu abgeglitten. Meine Schwester – nennen wir sie Klaus – zog um. Und da sie dafür nun schon einmal ein großes Auto da hatte, wollte sie auch gleich das Sofa ins Möbelhaus zurückbringen, das ihr nach langer und gründlicher Recherche nun doch nicht gefiel. Tja, was soll ich sagen. Wir Frauen sind nun einmal flüchtige Wesen. Also haben wir alles so gut es ging verpackt, in den Transporter geladen und sind damit ins Möbelhaus gegurkt. Mit zwei Einkaufswagen fädelten wir uns in die Schlange am Serviceschalter ein, die erfreulich kurz war und schon bald standen wir vor dem enthusiastischen Servicemitarbeiter („Wirklich zu groß? Das können Sie mir doch nicht antun!“). Aber er prüfte sorgfältig, ob wir auch nichts vergessen hätten und nahm das Ding zurück. Nun ja. Er prüfte wohl nicht sorgfältig genug. Vor der Tür meinte Klaus nur: „Und jetzt schnell weg, die Schrauben liegen noch in der Küche!“ So schnell macht man sich zum Komplizen des Bösen und rutscht ab. Ich bin immer noch fassungslos. Es könnte also passieren, dass mein nächster Post aus dem Knast kommt.

Nicht nur für Kleinkriminelle wie mich, sondern auch für Menschen die noch einmal einen kräftigen Arschtritt für die letzten Tage des Jahres brauchen ist „It’s Better Not to Know the Truth“ genau das Richtige. Wenn die Schweizer mit ihrer EP eins schaffen, dann ist es, dem Hörer mit Gitarre, Bass, Doublebass und Geschrei Energie einzuhämmern. Jede Menge Energie. Das beginnt mit dem Opener „Hvte“ und lässt nicht nach bis zum fünften und letzten Song „Impermanence“. Dabei hauen die Schweizer nicht nur blindlings auf die Fresse – oder in dem Fall die Ohren. Es gibt durchaus ruhigere, melodische Verschnaufpausen wie die cleanen Gitarrenbreaks in „Secret Garden“ oder „Impermanence“. „Secret Garden“ endet gar sehr zart, soft, clean. Verliert dabei aber keine Sekunde von seiner summenden Energie, welche die Gitarren immer wieder aufbauen und die im Refrain immer wieder gelöst werden. Ein wunderbares Wechselspiel! Spritzig auf die Fresse und spacig losgelöst. Mir gefällt auch irre gut, wie Whiteout die Songs immer wieder rein- und rausfaden. Den Opener „Hvte“ könnte man so zusammenfassen: Reinfaden, manisches Geschrei, auf das ich bekanntlich tierisch abfahre, eingängiges Riff, Tempo, auf die Fresse, Energie, Doublebass, Ausfaden. Auch manchmal mittendrin. Flupp weg und wieder da. Herrlich. Wie die Schweizer in „Love Affair“ mit halligen Hintergründen und djentigen Akzenten spielen macht einen Heidenspaß. Und dann dieser Gesang. Diese Ausraster. Der quirlige Bass. „Impermanence“ wiederum wechselt spannungsreich zwischen fließenden und abgehackten Passagen und wartet mit wuchtigem Breakdown auf. Mein absoluter Anspieltipp ist aber „Behind Closed Doors“. Der absolut wütende, geifernde Gesang, die zornigen Gitarren und die kleinen Gitarrenfrechheiten mit denen sich selbige immer wieder kurz in den Vordergrund effektet machen einfach nur Spaß, reißen mit, erfüllen mit Glück. Zum Ende des Songs nimmt „Behind Closed Doors“ dermaßen an Intensität und sinistrer Stimmung zu, dass man unwillkürlich den Atem anhält und sich fragt, ob Sänger Mike gleich vor Wut platzt.

Liebe Metalgemeinde: Beide Daumen hoch für „It’s Better Not to Know the Truth“ von Whiteout! Und wenn ihr jetzt mehr über die Band und die EP wissen wollte – perfekt – denn ich habe Bassist Michu mit ein paar Fragen gelöchert. Das Ergebnis könnt ihr hier lesen.

YouTube Playlist von Whiteoout

„It’s Better Not to Know the Truth“. This is the title of the EP by the Swiss metalcore band Whiteout. If I can get excited about Metalcore, you’ve definitely done a lot right, because that’s usually not my thing. So you can be curious. Before that I have to make a confession, to which the title of the Whiteout EP fits like a fist in the eye. Something that has weighed heavily on my soul since last Monday.

I am a bad person! Last Monday I slipped into the petty criminal milieu completely suddenly and without warning. My sister – let’s call her Klaus – moved. And since she already had a big car for it, she wanted to bring the sofa back to the furniture store, which after long and thorough research she didn’t like after all. Well what can I say. We women are fleeting beings. So we packed everything as well as we could, loaded it into the van and took it to the furniture store. With two shopping trolleys we threaded our way into the queue at the service counter, which was pleasantly short and soon we were standing in front of the enthusiastic service employee („Really too big? You can’t do that to me!“). But he checked carefully that we hadn’t forgotten anything and took the thing back. Oh well. He was probably not checking carefully enough. In front of the door Klaus just said: „And now, quickly, the screws are still in the kitchen!“ That’s how quickly you make yourself accomplice of evil and go downhill. I am still stunned. So it could happen that my next post comes out of jail.

Not only for petty criminals like me, but also for people who need another hard kick in the ass for the last days of the year, „It’s Better Not to Know the Truth“ is just the thing. If the Swiss manage to do one thing with their EP, it is to hammer energy into the listener with guitar, bass, doublebass and screaming. Lots of energy. It starts with the opener „Hvte“ and doesn’t let up until the fifth and last song „Impermanence“. The Swiss don’t just hit the face blindly – or in this case the ears. There are quieter, more melodic breathers like the clean guitar breaks in „Secret Garden“ or „Impermanence“. „Secret Garden“ ends very gently, soft, clean. But it don’t loses a second of its buzzing energy, which the guitars keep building up and which are released again and again in the chorus. A wonderful interplay! Lively on the face and spacey detached. I also really like the way Whiteout keep fading the songs in and out. The opener „Hvte“ could be summed up like this: Fade in, manic screaming – which I am known to be crazy about – catchy riff, speed, in the face, energy, doublebass, fading out. Sometimes even in the middle. Flupp away and back again. Splendid. How the Swiss play with echoing backgrounds and djentigen accents in „Love Affair“ is a lot of fun. And then this singing. This freaking out. The lively bass. „Impermanence“, on the other hand, alternates tensely between flowing and choppy passages and comes up with a massive breakdown. My absolute checkout tip is „Behind Closed Doors“. The absolutely furious vocals, the angry guitars and the little guitar cheekiness with which the guitar briefly brings itself to the fore are just fun, carrying away, filling with happiness. Towards the end of the song „Behind Closed Doors“ increases intensity and sinister mood to such an extent that you involuntarily hold your breath and wonder if singer Mike is about to burst with rage.

Dear metal community: Two thumbs up for „It’s Better Not to Know the Truth“ by Whiteout! And if you want to know more about the band and the EP – perfect – because I pelted bassist Michu with questions. You can read the result here soon.


Tracks:
1. Hvte
2. Secret Garden
3. Behind Closed Doors
4. Love Affair
5. Impermanence

Band:
Mike – Gesang
Dänu – Schlagzeug
Tim – Gitarre
Ricky – Gitarre
Michu – Bass