Nimm den Hammer. MMXIX von Kilometer 94

Doom Metal / Sludge / Drone
Veröffentlicht: 19.01.2020
Eigenveröffentlichung


a3348483999_10„Hello, we are Kilometer 94 from Kiel. We make Krach.“ – Dieser akkuraten Selbstbeschreibung muss man fast schon nicht mehr viel hinzufügen, denn genau das, Krach, verpacken Kilometer 94 auf MMXIX in einer guten halben Stunde in zwei überlange Lieder. Etwas differenzierter will ich es dann aber doch angehen lassen. Getreu dem Motto „Take the hammer, numb yourself“ packen Kilometer 94 den Hammer auch tatsächlich aus und schwingen ihn langsam, dafür aber mit viel Wucht. Fast die ganze Spieldauer bewegt man sich am unteren Ende der Geschwindigkeitsskala und auch der Tonleiter. Gern zerfällt alles in Dröhnen, was aber nicht heißt, dass die Lieder ohne Struktur wären. An einigen Stellen wird der Vorschlaghammer eingepackt und der Groove setzt ein, was aber nicht darüber hinwegtäuschen sollte, dass es mehr ums Fühlen als ums Hören geht. Einem Horrorthema folgend werden immer wieder Sprachsamples eingespielt und es wird gespenstisch dissonant. Richtig packend wird’s aber bei simplen Hau-Drauf-Momenten wie im Mittelteil von The Putrid Stench Of Souls oder, ebenfalls ab der Mitte beim Kopfnicken-Geschrabbel To Bring Down The Leviathan – passender Titel übrigens. Das wird dann auch gebührlich ausgedehnt, bevor alles wieder in tiefste Töne und Stahl zerfällt. Achja, verhalltes Geschrei gibt es natürlich auch. Für jemanden wie mich, der reinem Noise eher abgeneigt ist, gibt es immer wieder genügend Halt mit durchgängigem Rhythmus, um nicht jämmerlich irgendwo im Tieftonsumpf zu versinken. Dazu regiert kompromisslose Härte, wenn’s sein muss. Nicht schlecht. Also, los geht’s: Take the hammer, numb yourself!

MMXIX by Kilometer 94


Lieder:
01. The Putrid Stench Of Idle Souls
02. To Bring Down The Leviathan

Episch elegante Folkigkeit. Oak, Ash & Thorn von Dark   Forest

Heavy Metal / Power Metal
Veröffentlicht: 24.04.20
Cruz Del Sur
https://darkforest-uk.bandcamp.com/
https://www.facebook.com/Darkforestuk


16118In Zeiten, in denen manche von uns von Langeweile dazu getrieben werden daheim mal wieder ordentlich durchzufeudeln, den Müll von Jahrzehnten einfach aus dem Keller zu kärchern oder lang vor sich hergeschobene Renovierungsarbeiten endlich in Angriff zu nehmen, ist Musik noch wichtiger geworden. Denn schließlich gehen solch ungeliebte Arbeiten mit ein wenig Metal viel beschwingter von der Hand. Doch Vorsicht! Nicht jede Art von Metal eignet sich für jede Arbeit. So ist Vader perfekt für jede Art von Abrissarbeiten, doch bei filigraneren Dingen, wie das Zuschneiden einer Fliese kann man schnell Steinmehl produzieren. Funeral Doom verleiht die nötige Ruhe für Tüftelarbeiten, eignet sich aber nicht als Begleitmusik zum Bügeln oder zum Putzen großer Flächen. Bei ersterem produziert man Brandlöcher, während man für zweiteres viel zu viel Zeit benötigen würde. Für das Putzen großer Flächen, z. B. Fenster, kann ich Dark Forest wärmstens empfehlen. Der leicht kauzige, epische Powermetal der Briten verleiht den nötigen Schwung und die positive Grundeinstellung.

Wie es der Zufall will, veröffentlichten Dark Forest am 24. April ihr neues Album „Oak, Ash & Thorn“. Neun brandneue Songs, auf die ich mich freue wie ein Schnitzel, wie Bolle, wie… Na ick freu mir eben. Thematisch lehnt es sich an „Puck Of Pook’s Hill“ von Rudyard Kipling an. Es geht also grob gesagt um die Geschichte Englands, um Mystik, um Wälder, um glorreiche und weniger glorreiche Vergangenheit – also um gewohnte Themen. Doch sind diese auch wieder verpackt in den für Dark Forest so charakteristischen Mix aus NWoBHM, Power- und Epic Metal mit folkigen Elementen und einer charmanten Portion britischer Kauzigkeit?

Bezaubernd schöne Gitarrenmelodien schreiben, das können Dark Forest. Das beweisen sie gleich mit dem ruhigen, cleanen, folkigen Opener „Ælfscýne“ und spätestens mit „Wayfarer’s Eve“ ist man angekommen, denn die Briten spielen die Trümpfe aus, die ihrem Sound seinen Wiedererkennungswert verleihen: die ausgefeilten, verspielten Gitarrenmelodien von Christian Horton und Pat Jenkins, die doppelläufigen Gitarren, die vielstimmigen Harmonien und der erhabene Gesang von Josh Winnard. „The Midnight Folk“ zieht das Tempo sachte an. Es wird eingängig, geradezu mitsingtauglich im Refrain, doch dabei immer elegant-folkig und ohne Grölfaktor. „Avalon’s Rising“ überzeugt mit einer gewissen nervösen Hummeligkeit in Rhythmus und Melodie und mit seiner fröhlichen Folkigkeit gepaart mit bildschönen Harmonien. „Oak, Ash & Thorn“ birgt eine überzeugende Dramatik, Epik und Kraft in sich und ist dabei gleichzeitig von fast zerbrechlicher Schönheit in der Melodik. Der Song hat mich vom ersten Hören an in seinen Bann gezogen, hat mich die Luft anhalten lassen und nicht mehr so schnell losgelassen. Ich schreibe jetzt aus dem Jenseits zu euch. Und habe ich schon den fantastischen Gitarrensound erwähnt…?

Die große Frage war ja, ob Dark Forest mit „Oak, Ash & Thorn“ an den überragenden Vorgänger „Beyond the Veil“ anknüpfen können. Ja, können sie! Die Briten bewahren sich ihren ganz eigenen Stil, ihre ganz eigene Art wunderbare Songs und Melodien zu schreiben, die sofort ins Ohr gehen. Das alles schaffen sie, ohne langweilig repetitiv oder kitschig zu sein. Hier und da haben sie zwar im Gegensatz zu „Beyond the Veil“ das Tempo ein wenig herausgenommen, doch das tut dem Ganzen keinen Abbruch. Klares Herzstück der Songs sind die filigranen, verspielten und dabei positiv, lebendig und bunt wirkende Melodien und der erhabene, erzählende Gesang. Harmonisch ausgefeilt erfreuen sie mein Herz und erfrischen meine Seele – um auch in dieses Review mal ein wenig Pathos einzubauen. Das Freuen hat sich gelohnt, Dark Forest haben mit „Oak, Ash & Thorn“ voll ins Schwarze getroffen. Ein Album, das auf ganzer Linie gefällt und überzeugt.

Cruz del Sur Music


Tracks:
01. Ælfscýne
02. Wayfarer’s Eve
03. The Midnight Folk
04. Relics
05. Avalon’s Rising
06. Oak, Ash & Thorn
07. The Woodlander
08. Eadric’s Return
09. Heart of the Rose

Band:

Christian Horton – Gitarre
Josh Winnard – Gesang
Pat Jenkins – Gitarre
Adam Sidaway – Schlagzeug

Home of the Wind: Heathen Inquisition. Interview mit Mitja von    Moonsorrow.

(English version below)
Als ich gelesen hatte, dass es einen Film über die Geschichte der finnischen Pagan Metaller Moonsorrow geben soll, war ich sofort Feuer und Flamme. Für mich war klar, dass ich die Crowd Funding Aktion für „Home of the Wind“ unterstützen möchte, denn ich will diesen Film unbedingt sehen. Und als ich dann noch erfuhr, dass es im Rahmen der Crowd Funding Aktion die Möglichkeit gab, einem der Mitglieder von Moonsorrow als Heathen Inquisitor Fragen zu stellen… Whohoooo. Ein Fall für Thrash!Boom!Bang!

Moonsorrow und ihre Musik begleiten mich schon seit vielen Jahren durch alle Höhen und Tiefen des Lebens. Angeblich sind Musik und Lieder für manche Menschen wie enge Verwandte. Genau dieses Gefühl habe ich, wenn ich Moonsorrow höre – also nicht das, dass ich auf die nervtötende Tante treffe, sondern das, von Verbundenheit. Wenn die ersten Töne erklingen ist das irgendwie wie nach Hause zu kommen. Da uns alle hier, auch euch, die ihr das hier lest, die Liebe zur Musik eint, und es das Hauptanliegen von Thrash!Boom!Bang! ist, geile Musik unter die Menschen zu bringen, musste ich diese Gelegenheit unbedingt nutzen. Hier also das Ergebnis der Heathen Inquisition. Vorhang auf für Mitja Harvilahti:

 

 

When I read that there should be a film about the history of the Finnish Pagan Metallers Moonsorrow, I was very enthusiastic for it. It was clear to me that I would like to support the crowd funding campaign for „Home of the Wind“ because I really want to see this film. And when I found out that the crowd funding campaign gave me the opportunity to ask one of the Moonsorrow members as a Heathen Inquisitor … Whohoooo. A case for Thrash! Boom! Bang!

Moonsorrow and their music have been with me through all the ups and downs of life for many years. Music and songs are said to be like close relatives for some people. It is exactly this feeling when I hear Moonsorrow – not like meeting your pesky aunt but a feeling of being related. The first sounds make me feel like coming home.

Since all of us here, including you who are reading this, are united by the love of music and it is the main concern of Thrash! Boom! Bang! to bring great music to people, I absolutely had to take this opportunity. So here is the result of the Heathen Inquisition. Curtain up for Mitja Harvilahti.

Ausbrechende Gewitterwolke – Killing Starts Where Hate Begins von Enoch

Alternative / Groove Metal
Veröffentlicht: 31.01.20
Soundmass
https://www.facebook.com/enoch.nz


cover Enoch - Killing Starts Where Hate BeginsNeulich stellte ein Bekannter sich während seines Umzugs die Frage, wie er in Zukunft seine Musiksammlung strukturieren sollte. Wieder nach Genres unterteilt und alphabetisch sortiert oder sollte er es wagen, die Genregrenzen aufzulösen und zu schauen, was passiert, wenn Sepultura neben Sido landet. Meine digitale Playlist ist schon so strukturiert und ich kann nur sagen, es kommen herrliche Dinge dabei heraus. Wenn auf Vader plötzlich Paul Anka folgt, gibt dir das einen ganz neuen und unverbauten Blick aufs Leben. Die eigene Komfortzone verlasse ich auch mit der Debüt EP von Enoch. „Killing Starts Where Hate Begins“ heißt das gute Stück und schon über den Titel sollte man kurz mal nachdenken. Danke! Die Alternative/Groove Metaller kommen aus Neuseeland und Sängerin Lorraine Brodie hat die Oberhoheit über das Mikrofon. Wer mich ein bisschen kennt weiß, dass ich mich mit Sängerinnen traditionell schwertue. Jaja…es ist halt so, verdammt. Doch im Fall von Enoch hat es sich gelohnt, die eigenen Grenzen zu verschieben.

Denn Lorraine Brodie ist nicht irgendeine Wald- und Wiesensängerin, die operesk vor sich hintrilliert. Nein, sie haut richtig raus und ist dabei extrem wandelbar. In den fünf Songs auf „Killing Starts Where Hate Begins“ klingt ihre Stimme mal klar, mal schmeichelnd, mal dreckig, mal growlt sie wütend und mal klingt sie ziemlich durchgeknallt. Erinnert mich bisweilen an die frühe Nina Hagen. Natürlich gibt es zur Sängerin auch noch eine Band. Eine gute sogar, die man unter keinen Umständen vernachlässigen sollte. „Pieces“ groovt sich mit djentigem Rhythmus und jeder Menge Bass ziemlich cool voran. Der sehr präsente Bass von John Brodie verleiht dem Album Charakter und wummernde Tiefe. „Reasons Why“ bietet uns ein geschmeidiges Riff, eine aufjaulende Gitarre und die gesamte stimmliche Varianz der Lorraine Brodie perfekt aufeinander abgestimmt. „Stranger“ greift mich mit einem geilen Gitarrensolo von Micheal Germon. Der leicht entrückte und gleichzeitig handfeste Klang der Gitarre passt exzellent. „Loner“. Tiefes, drückendes Riff, Growls, rhythmisch perfekt unterstützt von Drummer Ross Curtain. Dann erhebt sich die Gitarre mit hektisch, grooviger Melodie. Sehr cool. „Bow And Be Devoured“ schaltet tempomäßig einen Gang zurück. Teilweise cleane Gitarre, cleaner Gesang. Baut sich aber auf wie eine Gewitterwolke, die dann losbricht. Schwer, dunkel, dräuend. Herrlich.

Äußerst gelungene Debüt EP von Enoch. Den Neuseeländern gelingt mit „Killing Starts Where Hate Begins“ ein Album, das schwer, drückend, düster und dabei doch äußerst groovig und modern daherkommt. Reinhören!

YouTube Channel Enoch – Official


Tracks:
1. Pieces
2.Reasons Why
3.Stranger
4.Loner
5.Bow and Be Devoured
6.Reason Why (Live)

Band:
Lorraine Brodie – Gesang
Micheal Germon – Gitarre, Gesang
John Brodie – Bass
Ross Curtain – Schlagzeug

Neujahrsträgheit wegbangen – Beast In Me von Melodramatic Fools

Thrash/Death/Heavy Metal/ Hard Rock
Veröffentlicht: 24.01.20
Eigenveröffentlichung
www.melodramaticfools.com
www.facebook.com/m.fools


BeastInMeMit frischem Wind aus Marktredwitz starten wir ins Metaljahr. Am 24.1. erscheint das neue Album der Melodramatic Fools. „Beast In Me“ heißt das Werk und es umfasst 11 Songs, die uns hoffentlich helfen die restliche Weihnachts- und Neujahrsträgheit wegzubangen. Mit ihrer 2017 erschienenen EP „Dog In The Rain“ hat das ja schon prächtig funktioniert.

Und auch die Aussichten für das neue Album sind glänzend, denn die Fools präsentieren uns Songs wie „Beast In Me“, „We Are The Fools“ oder „The Higher You Fly“, die mit Nackenbrechertempo, einem erfrischenden Spritzer Aggressivität, ansprechenden Riffs und Melodien  und eingängigem Refrain sofort ins Ohr gehen, von welchem aus es nur einen Befehl ans Hirn geben kann: Bangen! Doch die Fools gehen noch einen Schritt weiter und überraschen immer wieder mit Variationen im Rhythmus, im Gesang, im Tempo und bauen hier und da kleine und große Überraschungen und Details ein, die unglaublich viel Spaß machen. „The Higher You Fly“ zum Beispiel. Man bangt und groovt so vor sich hin und dann kommt dieser rhythmisch coole Break mit immer wieder gequält aufjaulender Gitarre, während Sänger Simon Pachali zunehmend manisch „Head shot“ growlt.

„Be My Little Slave“ setzt im Intro auf eine coole Bassmelodie, ein wunderbares Gitarrenriff, ein geiles Gitarrensolo, Tempowechsel, spacige Gitarreneffekte und ein beachtliches Repertoire an Screams und Growls. In „No Forever“ gehen Drums und Bass eine reizvolle Liaison ein, untermalt vom drängenden Gitarrenrhythmus bevor das Ganze in eine ansprechende Gitarrenmelodie übergeht. Ein breites Grinsen machte sich auf meinem Gesicht breit, als ich zum ersten Mal das kleine, aber feine und überraschende Rockabilly Gitarrenintro von „Little Piece Of War“ hörte. Ehrlich gesagt auch noch beim zweiten und dritten Mal. Wie cool. Wie witzig. Es hat irgendwie in Kombination etwas slapstickartiges. Sehr gelungen. Im weiteren Verlauf prägen der treibende Rhythmus und der eingängige Refrain den Song – auf der Flucht vor den giftigen Pfeilen der Sioux? In „Feed The Greed“ setzen die Fools gegen Ende auf hallige, stark verzerrte Gitarren und Killer-Screams – ein bisschen Surrealismus ist also auch mit am Start. In völligem Kontrast dazu steht das langsame, melancholische „Ben“ mit seinem cleanen Gitarrenbeginn. Die Fools beschließen ihr Album mit „R.I.P.“, einer Hommage an bereits verstorbene Rocklegenden. Southern Rock Feeling kommt auf.

Sodele. Die Neujahrsträgheit haben die Melodramatic Fools sowas von weggerockt. Auf „Beast In Me“ befindet sich jede Menge Musik, die Spaß macht und erfrischend aggressiv, tonnenschwer und gleichzeitig federleicht daherkommt. Die Jungs präsentieren eine Fülle an Riffs und Melodien, die sofort ins Ohr gehen. Stimmlich präsentiert sich Sänger Simon Pachali variabel zwischen cleanem Gesang, dreckigem Rockgesang und Growls. Die rhythmische Vielfalt ist ebenfalls groß, so dass es nie langweilig oder gar eintönig wird. Dafür sorgen auch die kleinen, feinen Kniffe und Überraschungen, die akzentuiert eingesetzten Gitarreneffekte, das Rockabillyintro oder die reizvolle Kombination der Instrumente. Mit ihren Texten greifen die Fools die verschiedensten Themen auf und stellen sie in ein kritisches Licht. Sei es die Kultur des Wegschauens, die Doppelmoral der Kirche, der Tod oder das liebe Geld, das die Welt regiert. Auf jeden Fall reinhören!

YouTube Channel Melodramatic Fools



Tracks:
1. Intro
2. Beast In Me
3. We Are The Fools
4. Be My Little Slave
5. No Forever
6. Little Piece Of War
7. Feed The Greed
8. Ben
9. Hypocrite
10. The Higher You Fly
11. R.I.P.

Band:
Simon Pachali – Gesang, Gitarre
Maximilian Hager – Gitarre
Timo Wöhrl – Bass
Tobias Holzinger – Schlagzeug

Eine Geschichte von Dunkelheit und Depression – A Dark Lament von Mortem Atra

Melodic Death Metal / Doom Metal
Veröffentlicht: 6.12.2019
Pitch Black Records
https://www.facebook.com/Mortem-Atra-Official-230874790321813/
https://pitchblackrecords.bandcamp.com/album/a-dark-lament


cover MORTEM ATRA - A Dark LamentMit und durch Metal die Welt entdecken. Es ist immer wieder schön zu sehen, dass es anscheinend auf jedem Flecken unseres Erdenrunds eine talentierte Metalband gibt, die dem Genre eine paar neue Töne und Klänge hinzufügt und alles wieder ein wenig anders interpretiert. Heute möchte ich euch Mortem Atra aus Zypern näher bringen. Die Band existiert seit 2011 und veröffentlichte am 6.12. ihr Debütalbum „A Dark Lament“. Uns erwartet eine Mischung aus Melodic Death und Doom Metal mit melodisch-orientalischen Einflüssen. Das Album widmet die Band ihrem an Krebs verstorbenen Drummer Tasos Bratsos, den wir auf „A Dark Lament“  trommeln hören. Nicht nur die Musik der Zyprioten ist bemerkenswert, auch die eindringlichen, aufwühlenden Texte, die von inneren Kämpfen, Depression und Dunkelheit erzählen, gehen unter die Haut.

„A Dark Lament Prologue „ stimmt perfekt auf das Album ein. Gesprochene Worte, untermalt von Synthistreichern und eine Botschaft, die sich folgendermaßen zusammenfassen lässt: Schöne Albträume! Im Anschluss entfaltet sich das Album in all seinen schön-schaurigen Facetten. „Frozen Illusion“ zieht einen mit einem rhythmisch eindringlichen Gitarrenriff, einem trockenen Schrei und den Gänsehaut erzeugenden, aus tiefster Tiefe stammenden Growls von Sänger Takis Antoniou sofort in seinen Bann. Eine Synthistreichermelodie bietet einen zarten, aber nicht weniger unheilvollen Kontrast und ein melodisches Gitarrensolo setzt dem Ganzen die Krone auf. Dass Puppen immer Unheil bedeuten, weiß jeder bewanderte Horrorfilmgucker. „The Puppet“ beginnt mit einem Xylofon-Intro, gaukelt irgendwie Frieden, heile Welt und Geborgenheit vor. Zum ersten Mal hören wir die klare, liebliche Stimme von Keyboarderin und Sängerin Christina Papadjiakou. Die Growls von Takis Antoniou bilden dazu einen rauen, reizvollen Gegensatz. Der ganze Song wird beherrscht von diesem Gegensatz zwischen Lieblichkeit und Düsternis. Gegen Ende wechselt das Tempo von schreitend zu schneller schreitend. Double Basses, schreddernde Gitarren und das immer wieder ausgestoßene Wort „The Puppet“ kreieren eine schaurige Atmosphäre.

Das können die Zyprioten wirklich gut. Dieses Spiel zwischen Hoffnung und Hoffnungslosigkeit, zwischen lieblich und düster. Einfach perfekt. Und mir gefällt wirklich gut, wie sie die verschiedenen Instrumente einbinden. In „A Voice“ verbindet sich ein eindringliches Gitarrenriff mit dem im Hintergrund unheilvoll dräuenden Bass, Synthistreichern und den Stimmen der beiden Sänger zu einem perfekt abgestimmten Ganzen. In „Evil Rise“ sind es die Drums, ist es der eigenwillige Rhythmus, den die Gitarren dann aufnehmen. Ein temporeiches Gitarrensolo forciert, gesprochene, ausgespuckte Worte voll Wut und Hass heben den Song wieder auf eine neue Ebene. Und wieder ein Twist. In „In Superstitious Breath“ hören wir zum ersten Mal die cleane Singstimme von Sänger Takis Antoniou. Cleane Gitarren, Streicher und ein orientalischer Touch geben dem Song Charakter. „Mirror“ ist wiederum ruhig, melancholisch und – hach – ich liebe den wunderbaren Klang dieser klaren, leise klagenden Gitarren. Ruhig beginnt auch „Harmful Obsession“ mit einer wunderbaren, cleane Gitarre in die sich Piano und Streicher mischen. Christina Papadjiakou und Takis Antoniou im Duett. Herzzerreißend. Der Song ändert sich ungefähr ab der Hälfte zum Unangenehmen. Fiese Growls, wirklich superfies. Manisch. Irre. Ausgeflippt. Eindringlich. Die Gitarre unterstützt das Ganze mit einem leicht dissonanten Lauf. Mein absoluter Favorit. Super gelungen. Perfekt komponiert. Gänsehaut. „Depressed“ beschließt das Album mit Donnergrollen, Chor, Streicher und einem Hauch von Candlemass.

Ich liebe Alben, die wie eine Geschichte, wie eine Mär aus einem alten, verstaubten Märchenbuch sind. Als würde ein Barde sie abends am warmen Lagerfeuer zum Besten geben und man rückt noch ein wenig näher ans Feuer – streckt die Hände hilfe- und schutzsuchend zu den züngelnden Flammen und hofft, dass sie die Finsternis fern halten. So ist für mich „A Dark Lament“. Mortem Atra gelingt es durch die Kombination der verschiedener Instrumente, die alle ihre Momente haben und zum Ganzen beitragen, eine Geschichte von Dunkelheit, Irrsinn und Depression zu erzählen, die unter die Haut geht und einen frösteln lässt. Bedrückend und düster. Besonders eindringlich gelingt das Takis Antoniou mit seinen irren Growls, die manchmal förmlich ausrasten. Aber ich liebe auch die klaren, bildschönen Gitarrenmelodien, die Streicher, die ausgefeilte Rhythmik und Christina Papadjiakous Stimme, welche hier und da einen zarten Lichtstrahl in die Dunkelheit sendet. Ein Album, das berührt und nachwirkt!


Tracks:
1. A Dark Lament Prologue
2. Frozen Illusion
3. The Puppet
4. A Voice
5. Evil Rise
6. Hymn of Doom
7. In Superstitious Breath
8. Mirror
9. Harmful Obsession
10. Depressed

Band:
Takis Antoniou – Gesang
Christina Papadjiakou – Keyboards / Gesang
Marios Gavrielides – Gitarre
Valantis Pavlou – Gitarre
Aris Ioannou – Bass
Antonis Papas – Drums (album drums recorded by Tasos Bratsos)

Doom² – [B O L T] vs. Morasth – Split

Doom/Drone/Noise/Sludge/Black
Veröffentlicht: 22.11.2019
dunk!records
https://wearebolt.bandcamp.com/
https://morasth.bandcamp.com/music


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[B O L T] und Morasth. Zwei Mal Dunkelheit, zwei Mal Verderbnis, zwei Mal tief versumpfen irgendwo im Dröhnen und Scheppern der Langsamkeit. Auf der Split-LP der beiden Genreverwandten hat jede der Gruppen ein Lied um die 20 Minuten, wie es sich wohl gehört – jedenfalls steigt gefühlt die Zahl der zweiliedrigen Splits mit 40 Minuten Laufzeit stetig an -, beigesteuert. Da kommt natürlich genremäßig zusammen, was zusammen gehört – und das Cover könnte kaum besser sein. Was wird also auf den beiden Vinylseiten, rein digital gibt’s natürlich auch, geboten?
Fangen wir doch mit [B O L T] aus Duisburg an. Die bezeichnen ihre eigene Musik unter anderem als repetitiv, experimentell, bedrohlich, düster und natürlich langsam. Eine ziemlich treffende Selbstbeschreibung. Denn zäh mäandert es da aus den Lautsprechern. Vor allem aber dröhnend. Zwei Bässe plus Schlagzeug. Das Rezept kommt entfernt bekannt vor, haben doch beispielsweise Bell Witch eine ähnlich Konstellation, wenn auch nur einen Bass. Zieht man das ab, bleibt allerdings nicht viel Gemeinsamkeit. Ja, der Bass dröhnt auch hier ganz ordentlich und es gibt jede Menge Doom. Funeral steckt aber nicht so sehr drin. Doch das Lied, „(06)“ betitelt, ist lang, sehr lang und, anders als ich das oft betone, nicht unbedingt kurzweilig. Es tost allenthalben und das Tempo ist in der Regel langsam, ganz, ganz langsam. Umso überraschender sind die eingestreuten Schlagzeug-Einlagen. Genre-untypisch gibt es immer wieder hektische Double Bass oder auch mal schmetternde Blast Beats, wobei sich der Bass in Sachen Geschwindigkeit unbeeindruckt zeigt. Da schimmert ein Hauch Black Metal durch, der der Klangmelange ganz gut tut. Stellenweise an das ebenfalls schwerfällige Wright Valley Trio aus Wiesbaden erinnernd, bietet sich ein düsterer Sumpf aus schwarzem Teer, aus dem es kaum ein Entkommen gibt. So lädt „(06)“ zum Verweilen ein und im Gegensatz zur freundlichen Kneipe nebenan ob man will oder nicht. Hypnotisiert mit Druck auf den Ohren gibt es nicht viel mehr, als sich in die undurchdringlichen Tiefen hinabziehen zu lassen.
Morasth aus Mainz und somit dem im Rhein-Main-Gebiet ansässigen vielleicht nicht unbekannt steuern „Ut in caligine terrae residam, tamen patria aether manet“ bei. Der Bandname kommt natürlich nicht von ungefähr. Dennoch zeigen sie sich im Vergleich mit [B O L T] ein Stückchen zugänglicher und sind, wenn auch nicht auf der sonnigeren, doch eher auf der doomigen als dronigen Seite des Lebens unterwegs. Die Songstruktur ist klarer ausdefiniert, Stringenz wird hier eher hochgehalten und ein schöner Break lässt aufhorchen. Selten ziehen die Morasth sogar das Tempo etwas an, fast schon rockig. In solchen und ähnlichen Momenten kann man gar nicht anders, als ordentlich mitzuwippen. Ganz anders als bei den Split-Kollegen schimmert hier und dort ein Anschein von Melodie durch den dickflüssigen, schwarzen Nebel. Vom vertonten Meenzer Frohgemut ist man freilich dennoch weit entfernt. Tiefe, tiefe Riffs wummern beständig vor sich hin, getrieben von Bass, Verzerrung und Schlagzeug.
Wer also Schnecken als irgendwie hektische Tierchen, Schwarz als doch etwas zu hell und Presslufthammer viel zu melodisch findet, der möge ein Ohr riskieren. Enttäuschung gibt es woanders.


Lieder:
1. (06) von [B O L T]
2. Ut in caligine terrae residam, tamen patria aether manet von Morasth

Fragilität und Dramatik. Time Is Not On Your Side von Sonus   Corona

Progressive Metal
Veröffentlicht: 22.11.2019
Inverse Records
https://www.facebook.com/sonuscoronaofficial
https://sonuscorona.bandcamp.com


sonus_corona-time800„Time Is Not On Your Side“ – das mag sich so manch einer denken, wenn er morgens in den Spiegel blickt oder wenn er auf dem Weg zur Arbeit im Stau steht. „Time Is Not On Your Side“ ist aber auch der Titel des zweiten Albums der finnischen Progressive Metaller Sonus Corona – und das hat es wahrlich in sich, denn es gibt an allen Ecken und Enden etwas zu entdecken. Inhaltlich befasst sich das Album mit dem Kampf mit der Flüchtigkeit des Verstandes. Wie die Finnen dieses Thema in ihren 11 Songs musikalisch verpacken ist wirklich faszinierend und begeisternd. Also los.

Das Intro „Induction“ gibt schon einen guten Ausblick auf die große Diversität an Instrumenten und Klängen, die Sonus Corona einsetzen: spacige Synthis, sanft perlende Pianoklänge, E-Orgel, mal schwere drückende, mal klagende Gitarren unterstützt von mal treibenden, mal unterstreichenden Drums. Das ganze Paket erinnert mich ein wenig an Opeth. Auch stimmlich. Der zweite Song, „Unreal“ packt dann zu den schon genannten Klängen noch Bass und Streicher dazu. Hach – seufz – so schön. Und so unbehaglich zugleich. Genial. Der Rhythmus treibt und beunruhigt. Die tiefen Pianoklänge zeichnen eine dunkle Stimmung und bringen Dramatik ins Spiel. Ganz anders wiederum ist „Swing Of Sanity“. Swing Drums und Swing Piano mit proggigen Gitarren und proggigem Bass – der Hammer. Macht einfach Spaß und wenn man sich den Fuß nicht zufällig bei der letzten Heimwerkersession mit der Nagelpistole  am Boden festgetackert hat, muss man einfach mitwippen. Es geht gar nicht anders. „Illusions“ wiederum ist ruhig, fragil, melodiös. Und auch auf die Gefahr hin, dass ich langsam als Heulsuse rüberkomme, aber es ist zum Heulen schön. Cleane Gitarren und eine klare, melancholische Stimme. Manchmal ist das alles, was es braucht. Und wieder macht das Album eine Kehrtwende. „Time Is Not On Your Side“ brettert mit Tempo und eingängigem, proggigem Gitarrenriff los und bietet ein schönes, entrücktes Gitarrensolo. Mit „Moment Of Reckoning“ haben die Finnen auch ein Instrumental auf das Album gepackt. Geiles Gitarrenriff, ein bisschen Metaloper vom Gefühl her. Mir allerdings, wie auch an anderen Stellen, manchmal etwas zu synthi-lastig, aber das ist Geschmackssache. Auch der letzte Song „Here“ transportiert Dramatik, wirft 9 Minuten lang noch einmal alles in die Waagschale, was uns zuvor so auf dem Album begegnet ist und bringt noch ein wenig weibliche Gesangspower mit ins Spiel.

Nachdem der letzte Ton verklungen ist, lässt „Time Is Not On Your Side“ mich noch eine Weile in mich lauschen. Das Album ist tiefsinnig und intensiv, bringt einen zum Nachdenken, löst Unbehagen aus, richtet dann aber wieder auf und stärkt. Es birgt jede Menge Kraft und Dramatik und verbindet perfekt harte Riffs mit zarten Melodien; proggige, aufgedrehte Passagen mit ruhigen, melancholischen. Es fährt schon allein von den Klängen und Instrumenten eine wahnsinnige Bandbreite auf, die sich auch in Rhythmik, Tempo, Stimmung und Melodik weiter durchzieht. Das verbindende Element ist Timo Mustonens klare Stimme. Langweilig wird es dank der Vielseitigkeit von Sonus Corona mit „Time is Not On Your Side“ also auf keinen Fall. Unbedingt anhören!

InverseRecordsFIN


Tracks:
1. Induction
2. Unreal
3. The Refuge
4. Swing Of Sanity
5. Oblivion
6. Illusions
7. Time Is Not On Your Side
8. Moment Of Reckoning
9. To The Ground
10. Fading
11. Here

Band:
Ari Lempinen (Gitarre, Gesang)
Harri Annala (Gitarre)
Aki Niemi (Bass)
Rasmus Raassina (Schlagzeug)
Esa Lempinen (Keyboards)
Timo Mustonen (Gesang)