Packend. Die Geschichte vom Wolf – Ulfven von Ereb Altor

Pagan/Epic Doom/Black Metal
Veröffentlicht: 07.07.2017/28.07.2017
Hammerheart Records
http://www.erebaltor.com/


Ulfven - Ereb Altor

Ulfven – Ereb Altor

Sie sind bekannt für Pagan Metal mit starkem Bathory Bezug: Ereb Altor. Nachdem die Schweden nun schon dem Federvieh in Gestalt des Raben, der ja einen festen Platz in der nordischen Mythologie einnimmt, eine Platte („Nattramn“) gewidmet haben und nach der Veröffentlichung des Bathory Tribute Album „Blot-Ilt-Taut“ wenden sich Ereb Altor nun in ihrem sechsten Album dem vierbeinigen Säugegetier zu. Genauer genommen dem Wolf. Auch davon hirschen und pirschen ja einige in den nordischen Mythen und Sagen herum (können Wölfe hirschen? Ein Thema dessen Diskussion einen ganz eigenen Blog nötig macht!) Jetzt schauen wir aber erst einmal, wie Ereb Altor den „Ulfven“ musikalisch verarbeiten.

Das Album beginnt mit einem von einer weiblichen Stimme gesprochenen Vers aus der Völuspá – dem Gedicht, in dem eine Seherin vom Untergang und der Neuentstehung der Welt spricht. Stimmiger, atmosphärischer Einstieg. Musikalisch startet das Album dann mit „En Synd Svart Som Sot“. Der Song kreiert vor allem durch die halligen Keyboards ein Gefühl von Weite, von schwedischer Weitläufigkeit und Einsamkeit in der Natur. Der Klargesang ist eindringlich und voller Leidenschaft, beeindruckende Chöre und ein Rezitativ ergänzen das Ganze stimmig. Die Atmosphäre ist getragen.

„Av Blod Är Jag Kommen“ lebt von den schwer im Ohr liegenden Gitarren und dem Wechselgesang – vom Hin und Her zwischen Klargesang, Grunzen und Schreien, das für viele Songs von Ereb Altor typisch ist und das sie wirklich perfekt beherrschen. Auch das düster-bedrohlich-mystische „Wolfcurse“ lebt zu einem Großteil davon – und von den Gegensätzen zwischen epischen, doomigen und bösen schwarzmetallischen Parts, mit denen Ereb Altor auch in „Gleipnir“ exzellent spielen.

Das gekonnte Spiel mit Gegensätzen kennzeichnet überhaupt das komplette Album – auch was die Reihenfolge der Songs anbelangt. Auf das äußerst schwarze, temporeiche, groovige, durch harte Gitarren und Krächzgesang dominierte „The Rite Of Kraka“ folgt das eher gemächliche, melodische, mit präsenten und kraftvollen Basspassagen versehene „Ulfven“. Der Song klingt von der Melodie her ein wenig nach Mittelalter – kommt dabei zur großen Erleichterung Vieler ganz ohne Dudelsackgenöle aus – und es gibt eine schöne Akustikgitarrenpassage.

„Bloodline“ beschließt das Album. Dabei heißt es für die Schweden all in (da stand zuerst aal in – wäre aber was völlig Anderes). Es wird noch einmal alles, was das Album bisher zu bieten hatte, in den Ring geworfen: schönes cleanes Gitarrenintro, Bathory Reminiszenzen, Wechselgesang, Chöre, ausgefeilte Gitarrensoli und dichte Atmosphäre.

„Ulfven“ ist ein packendes Album mit unglaublicher, stetig wechselnder Atmosphäre und wunderbaren Gegensätzen. Mal ruhig, mal aufpeitschend, mal verzweifelt, mal eindringlich, mal böse, mal hart, mal zurückgenommen, mal episch. Es ist als würde man vor einem Hörspiel sitzen und gebannt zuhören was als nächstes passiert. Ereb Altor verstehen es in ihren Songs Geschichten zu erzählen. Durch die Wechsel im Gesang – vom Klargesang über bauchtiefe Growls bis zum bösartigen Blackmetallgekrächze ist alles dabei – die Wechselgesänge, Chöre und nicht zuletzt die immer wieder eingestreuten gesprochenen Passagen treiben die Geschichte voran. Pagan Elemente sind vorhanden, allerdings nie klischeehaft, was den Songs gut tut. Natürlich fehlen auch auf diesem Album die Bathory Reminiszenzen nicht, die eben zu den Schweden gehören und ihre Musik mit prägen. Was außerdem absolut überzeugt ist die Leidenschaft für das, was Ereb Altor da machen, die direkt beim Hörer ankommt und ihn mitnimmt.

Quelle: YouTube Channel von Hammerheart Records: https://www.youtube.com/channel/UCvfTjbf-iFObnMaBDFo6T7g


Tracklist:
Völuspá
En Synd Svart Som Sot
Av Blod Är Jag Kommen
The Rite Of Kraka
Ulfven
Wolfcurse
Gleipnir
Bloodline

Besetzung
Mats – Gesang, Gitarre, Keyboard
Ragnar – Gesang, Gitarre
Mikael – Bass, Hintergrundgesang
Tord – Schlagzeug, Keyboard

Klassiker: Stream from the Heavens von Thergothon

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Stream from the Heavens

Kürzlich hatte ich mal wieder Lust auf langsamen, sehr langsamen Metal und dachte mir beim Entlangstreifen am Plattenregal: Warum nicht mal wieder einen Klassiker und Wegbereiter einlegen? Skepticism? Esoteric? Funeral? Nein, Thergothons Stream from the Heavens ist es geworden. Warum ist das ein Klassiker? Und welchen Genres überhaupt? Nun, was sich auf der Platte findet ist Funeral Doom in Reinkultur:  Extrem zäh fließt es da aus den Lautsprechern, wenig Tempiwechsel, der Rhythmus ist teils kaum nachzuverfolgen, die Riffs sind dunkel und traurig, der Gesang besteht großteils aus abgrundtiefem Grunzen, ergänzt um Klargesang, der Bass ist dominant, verzerrt und sehr, sehr tief. Hier und da wird noch ein epischer Keyboardteppich ausgebreitet. Alle traditionellen Merkmale sind also da. Das ist sicherlich bei vielen Bands so. Was Thergothon so besonders macht ist schlicht der Zeitpunkt, zu dem Stream from the Heavens veröffentlicht wurde, nämlich 1994, wobei das Material durchaus schon etwas älter ist. Die erste Demo Fhtagn nagh Yog-Sothoth erblickte immerhin schon 1991 das Licht der Welt.

Was Stream from the Heavens auch heute noch so besonders macht ist wie so oft die dichte Atmosphäre. Basslastig, mal melancholisch, mal proggig wabert die Musik aus den Lautsprechern. Die Stimmung ist bedrückend, niederschmetternd, trostlos. Alles ist ein wenig extremer als bei herkömmlichen Doom-Veröffentlichungen: Langsamer, reduzierter, monotoner. Alles dient einzig und allein dem Zweck, Hoffnungslosigkeit zu verbreiten. Dabei grenzen sich Thergothon von Genrekollegen wie Skepticism durchaus ab. Sind die  besonders schwermütig, fast schon herzzerreißend traurig, so ist Thergothon eher auf der düsteren Seite zu finden.

Auch wenn Musik sich häufig gut über die Zeit rettet, stellt sich die Frage: Kann man das heute noch hören oder sollte man lieber gleich zu modernen Vertretern wie Evoken oder Ahab greifen? Besonders gewöhnungsbedürftig ist aus meiner Sicht die sehr eigentümliche Produktion des Albums. Klar, die passt irgendwie zum Ambiente mit ihrem schrägen Wabern, aber jedermenschs Sache ist das bestimmt nicht. Nach etwas Eingewöhnung konnte ich jedenfalls gut damit leben. Was nicht geht und fast die tolle Stimmung zerstört ist der Klargesang. Die ein oder andere Gesangsstunde hätte vielleicht gut getan, aber was soll’s. Schwamm drüber. Am Ende bleibt trotzdem ein zurecht als (r)evolutionär geltendes Album, das ein ganzes Genre mitgeprägt hat. Wer also auf die Extreme in der Musik steht, darf gerne mal ein Ohr riskieren. Insbesondere als Genre-Fan sollte man sich die Urväter ruhig mal geben. Zugänglicher sind die moderneren Zöglinge aber allemal.

 

Song des Monats 07/17

Manchmal muss man ja einfach gegen den Strom schwimmen. Deshalb kommt der Juli Song von einem Album, das eigentlich den Herbst besingt. Total crazy, wa? „Oak and Aspen“ findet ihr auf dem wunderschönen und bisher einzigen Album „Ashen Eidolon“ der US-amerikanischen Band Gallowbraid. Gallowbraid besteht hauptsächlich aus Jake Rogers, der sämtliche Instrumente spielt und singt. Sein Bruder Alex sitzt am Schlagzeug. Ihre Musik ist eine Mischung aus melodischem Black Metal mit Folk und Doom Einflüssen. „Ashen Eidolon“ hat mich beim ersten Hören derart geflasht, dass ich kurzzeitig sogar über die Anschaffung eines Plattenspielers nachgedacht habe, weil es leider extrem schwierig ist das Album noch auf CD zu bekommen.

„Oak and Aspen“ beginnt sehr melodisch und akustisch mit Gitarre und Piano. Ein eingängiges Gitarrenriff übernimmt die Führung und Rogers krächzt dazu. Dann wird es aber schnell sehr dunkel und ein wenig doomig bevor der Song vollends ins Schwarzmetallische abdriftet. Hypnotische Gitarren- und Schlagzeugwände ziehen einen in ihren Bann und Klargesang und Blackmetal Gekrächze gehen eine reizvolle Liaison ein. Das Gitarrenriff arbeitet sich immer wieder einsam aber Hoffnung versprechend durch den Gitarren- und Schlagzeugwust. Der Song wird schließlich wieder melodischer und dann geradezu hymnisch und folkig – natürlich mit passendem Gesang. Das Gitarrenriff vom Anfang begleitet uns die ganze Zeit über und wird immer wieder leicht abgewandelt. „Oak and Aspen“ offenbart Jake Rogers Talent wunderbare Melodien zu kreieren, die nach Wehmut und nach Sehnsucht klingen. Diese kombiniert er mit Texten, die diese Gefühle noch verstärken:

For all this time I have been searching
For white, when skies are grey
All of the loss to time and [soul?]
The sun put out my pain
As autumn leaves keep on dancing
And pay no heed to me
I journey through these wild rantings
It’s all that I have left

I come across a quiet river
That wanders through the trees
I stare into its running waters
And fall on to my knees
In resignation to the forest
That’s held me for so long
I close my eyes and drift away
Into nature’s air[?] and song[?]

Rogers schafft es außerdem zarte akustische Passagen, harte, amelodische oder hypnotisch-repetitive Passagen, Melodie, Klargesang und Blackmetalgekrächze so zu verweben, dass es ein natürliches Ganzes ergibt. Für mich ist „Oak and Aspen“ ein absoluter Entspannungssong. Vielleicht geht es euch ja auch so? Viel Spaß beim Hören.

Quelle: YouTube Channel von Lightfox177: https://www.youtube.com/channel/UCr10DaQrUqcCud3tfAMr6Gg

Mind Enemies – Revenge. Erstes Album in voller Länge.

Im August gibt es Neues auf die Ohren von Mind Enemies. „Revenge“ ist das erste Album in voller Länge des Ein-Mann Projekts von Giuseppe Caruso. Falls ihr neugierig seid, hört doch schonmal in die 2013 erschienene EP „The darkest way“ rein und schaut, ob euch die Mischung aus Rock, Metal und Progressive gefällt. Anspieltipp: „Oblivion“ https://soundcloud.com/mindenemies/sets/the-darkest-way . Ansonsten habe ich hier noch die offizielle Ankündigung samt Albumcover zum neuen Album für euch:

Revenge von Mind Enemies

Revenge von Mind Enemies

Here is the cover of „Revenge„, the first full-length album by Mind Enemies (Italy).

The album, recorded in studio by Giuseppe Caruso (voice, guitar, drums, bass) will consist of 9 tracks. Compared to the first Ep, The Darkest Way (2013), the genre will be more geared towards heavy metal with hard rock and progressive metal influences.
The new album will be premiered in August at the „Gargano Rock Fest“ by San Nicandro Garganico (Italy). The official publication is scheduled for August 13, both physically and digitally on all digital stores. Cover artwork by artist Tarì
Tiziana Tedeschi.

Song des Monats 06/17

Der Junisong ist absolut keine leichte Kost. Es war eine der traurigen Nachrichten 2016. Trees of Eternity Sängerin Aleah Starbridge verlor den Kampf gegen den Krebs – und mit ihr gingen ihre wundervollen Texte und Worte und ihre elfenhafte Stimme. Die Nachricht, dass Trees of Eternity Gitarrist Juha Raivio gemeinsam mit Amorphis Sänger Tomi Joutsen und Ex Him Drummer Gas Lipstick als „Hallatar“ Aleahs Wirken, ihre Texte und Worte weiterleben lassen wollen, machte mich gespannt, neugierig und ungeduldig. Ich konnte es kaum erwarten den ersten Tönen dieser Band zu lauschen, die ersten Worte – geschrieben von Aleah, gesungen von Tomi zu hören.

Gestern war es dann so weit. „Mirrors“ ist der Vorbote des im Oktober erscheinenden Hallatar Albums „No Stars Upon The Bridge„. Raivio schrieb die Musik laut eigener Aussage innerhalb einer Woche in einer Art dunklem Rausch an den er keinerlei Erinnerung mehr hat, der ihm aber half nicht vor die Hunde zu gehen. „Mirrors“ wurde von Hallatar als der dunkelste Song des Albums angekündigt. Ja – das glaub ich gern. Denn schwärzer als schwarz wurde meines Wissens noch nicht erfunden. Der Song ist ein schwerer Betonklumpen im Magen. Nach dem ersten Hören saß ich da und musste erstmal tief durchatmen. Jeder, der schon einmal einen absolut schwarzen Moment im Leben hatte, kennt das – sagen wir mal als er zum Beispiel erkennen musste, dass die Metallica Tickets unverschämte 115 Euro kosten  –  nein, im Ernst, man fühlt sich unweigerlich an alles Blöde, Unbequeme und Shittige im Leben zurückgeworfen.

„Mirrors“ trägt Raivios typische Gitarrenhandschrift. Klagend, hallend und schmerzvoll schleppt sich die Gitarre dahin. Unverkennbar. Was einen dann aber mit voller Wucht trifft, ist Joutsens Stimme, die teilweise kaum noch etwas Menschliches hat. Gequältes, atemloses Zischen – herausgepresste, ausgekotzte Worte – tiefe, dunkle Growls und Klargesang, das ist die Bandbreite in der Joutsen sich bewegt. Und die einen sprachlos macht. „Mirrors“ transportiert mit jedem einzelnen Ton Schmerz und Hoffnungslosigkeit und lässt einen mit wild klopfendem Herzen und einem unangenehmen Klumpen im Magen zurück. Der düster-poetisch-melancholische Text und die Musik ergänzen sich perfekt. Ein faszinierendes Beispiel dafür wie Musik Gefühle transportiert. Ein rundum gelungenes Debüt für Hallatar.

Quelle: YouTube Channel von Svart Records: https://www.youtube.com/channel/UC2DkelwQMahAUN3jOsbNhRg

Galoppierende Riffs – Decennium von Seven Kingdoms

Power Metal
Veröffentlicht: 05.05.2017
Napalm Records
https://www.facebook.com/SevenKingdomsOfficial/


Decennium von Seven Kingdoms

Decennium von Seven Kingdoms

Ich möchte euch heute das aktuelle Album von Seven Kingdoms vorstellen – und gleich vorweg: einen absoluten Power Metal Knaller! Oh, verziehen da die ersten die Gesichter? Abwarten…

Seven Kingdoms neues Werk zum 10-jährigen Bandjubiläum überzeugt mit einem abwechslungsreichen Gitarren-Feuerwerk. Was Kevin Byrd und Camden Cruz auf ihren Gitarren abziehen ist nicht nur im Sinne des Genres schnell und mit eingängigen Riffs, sondern die Zwei beherrschen ihre Instrumente virtuos und gestalten das Album damit abwechslungsreich. Sie kombinieren immer wieder Elemente aus Thrash und teilweise sogar ein wenig Doom mit rein, so dass man aufmerkt und überrascht wird. Unterlegt wird das Ganze mit einer durchgängigen und soliden Arbeit am Schlagzeug durch Keith Byrd. Und die Band bindet auch ihren Bassisten Aaron Sluss sinnvoll ein. Wo bei anderen Bands – gerade im Power Metal – der Bassist auch noch irgendwo mit da ist, ist der Bass auf Decennium gut zu hören.

Das Album beginnt mit Stargazer, einem guten Opener, der wohl bewusst „a little bit more radio“ ist. Im Mittelteil blitzt aber die Gitarrenarbeit schon mal auf und zeigt exemplarisch was uns erwartet. Jetzt folgen die beiden stärksten Titel „Undying“ und „In The Walls“, meine persönlichen Favoriten. Byrd und Cruz brennen ein Feuerwerk an Riffs ab, wechseln immer wieder das Tempo und den Rhythmus und Sängerin Sabrina Valentine Cruz gibt dem Ganzen Kraft und Ausdruck. Bei „I am no monster“ hört man förmlich die Wut und Verzweiflung raus. Generell rundet Valentine Cruz die Titel mit ihrem Gesang sehr gut ab und hier findet sich eine weitere Stärke der Platte: es ergibt einfach ein rundes Ganzes. Sicher wird sich nicht jeder mit dem Gesang anfreunden, auch ich musste mich da erst ein wenig reinhören. Aber im Gegensatz zu manch anderem Vertreter aus dem Power Metal wird der Gesang nie zu einem Einheitsbrei, im Gegenteil: Valentine Cruz hat eine schöne Bandbreite in der Stimme und kann damit auch noch Wucht in den Höhen liefern, singt aber auch nicht jeden Titel einfach nur hoch.

Generell merkt man dem Album an, dass die Band nicht nur ihr Handwerk beherrscht, sondern auch jede Mende Spaß an der Sache mitbringt und sehr gut harmoniert.

Es gibt ein paar Titel, die ein wenig vor sich hin plätschern – „Castles In The Snow“ oder auch „The Faceless Hero“ – aber auch in diesen kommen immer wieder Passagen bei denen man Wow! sagt, automatisch lauter dreht und mitbangt und -wippt. Das ist es auch was mich an dem Album fasziniert: ich habe es heute im Auto mehrfach gehört und immer wenn es gerade zu viel wurde, kam wieder eine Passage, ein Riff bei dem ich wieder lauter drehte und mir dachte: geil!

Bei der Ausstattung des Albums geizen Seven Kingdoms nicht: auch in der normalen Edition gibt es die EP-Versionen von „Undying“ und „In The Walls“ (muhaha, die beiden Titel kann man gern öfter hören) und zwei re-recordings von „The Bloody Meadow“ und „Stormborn“ dazu.

Daher eine ganz klare Empfehlung. Hört mal rein und lasst euch von den galoppierenden Riffs mitnehmen.

Quelle: YouTube-Channel von sevenkingdoms1: https://www.youtube.com/user/sevenkingdoms1

Tracklist:

  1. Stargazer
  2. Undying
  3. In The Walls
  4. The Tale Of Deathface Ginny
  5. Castles In The Snow
  6. Kingslayer
  7. The Faceless Hero
  8. Neverending
  9. Hollow
  10. Awakened From Nothing

Line-Up:

Schlagzeug: Keith Byrd
E-Gitarre: Kevin Byrd
E-Gitarre: Camden Cruz
Gesang: Sabrina Valentine
Bass: Aaron Sluss

Nostalgie und morbide Schwelgerei – Totholz (Ein Raunen aus dem Klammwald) von Nocte Obducta

Black Metal
Veröffentlichung: 26.5.2017
MDD Records
http://www.nocte-obducta.de/


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Totholz von Nocte Obducta

Durchgehend eine bestimmte Atmosphäre auf einem Musikalbum durchzuhalten finde ich immer beeindruckend, zeigt es doch zum einen, dass bewusst oder unbewusst ein gewisses Konzept hinter der Musik steckt und zum anderen, dass das Konzept des Albums trotz modernem Trend zum Einzelliedgefallen noch nicht obsolet ist. Genau das schaffen Nocte Obducta über die Jahre immer recht verlässlich, so auch mit dem jüngsten Sprößling der Nachtschattenfamilie: Totholz. Nicht einmal ein Jahr nach dem letzten Tonträger Mogontiacum, der, was man so liest, gar nicht immer so toll aufgenommen wurde, schon ein neues Nocte-Werk. Gibt schlimmeres! Wie der Name vermuten lässt, klingt’s reichlich düster, ziemlich nach Nocte Obducta und, hm, metallischer? Na, lassen wir uns nicht einlullen von den inzwischen zum Selbstläufer gewordenen, nicht ganz ernst gemeinten Beteuerungen der Band vor jedem neuen Album: Wird wieder wie früher. Um ehrlich zu sein, bin ich ganz froh, wenn es nicht wird wie früher. Und das ist auch hier nicht der Fall, trotz eindeutiger Rückbezüge.

Wie gewohnt sind Nocte Obducta nicht einem Musikstil verhaftet, sondern bringen ganz eigene, dem Metal eher fremde Elemente ein. Das heißt einerseits: Kurze, funkige Slapbasseinlagen, Ambiente, entspannte Smooth-Jazz-Gitarre, gesprochener Text. Aber auch anderseits: Geknüppel, Gekreisch, ungestüme Gitarrenläufe, gespenstisches Raunen und treibender Bass. Alles in allem geht es wieder ziemlich rau zu und sehr abwechslungsreich.

Was immer wieder gut gelingt, ist der Aufbau von Spannung und die Variation bekannter Themen. Für letzteres ist das instrumentale Intro Innsmouth Hotel (Gruß an alle Lovecraft-Leser) ein gutes Beispiel. Hatte ich zunächst befürchtet, es handele sich um eines dieser Intros, das man doch jedes Mal überspringt, freue ich mich nun bei jedem Durchlauf über die gekonnte, kontinuierliche Abwandlung des morbide klingenden Hauptthemas. Der überlange Wiedergänger Blues baut  sich hingegen langsam, sehr langsam auf und hat dabei einen schönen Musik-Hörspiel-Charakter. Hier wird eine schaurige Geschichte erzählt und zum Schluss des Albums nochmal alles aufgefahren, was die Band so zu bieten hat. Die Atmosphäre ist zum Schneiden dicht, wechselt emotional hin und her und lädt ein zum Verweilen, Kopfnicken, Träumen, Gruseln.  Auch die Kirche der wachenden Kinder baut sich über 6 Minuten auf, inklusive Orgelteil geht es allmählich zum Finale, das auch textlich zu glänzen weiß:

Die Kirche der wachenden Kinder
Die Kinder des dämmrigen Lichts
Das Licht der gestaltlosen Tiefen
Die Tiefen des lauernden Nichts
Das Hallen verstorbener Chöre
Die Chöre des nahenden Sturms
Umspielen verloren die Glocken
Im bleiernen Dunkel des Turms

Überhaupt sind die Texte wieder das heimliche Highlight des Albums. Sicher, man muss den verschwurbelten, metaphernreichen Stil mögen. Dann aber sind sie eine Offenbarung.

Von Wut und Zorn über Schwermut bis hin zu träumerischer, nektarsüßer Melancholie, Angst und Anspannung wird eine breite Palette an Emotionen transportiert – gerne auch in ein und demselben Lied, selbst im kurzen Ein stählernes Lied oder ausgiebig im Wiedergänger Blues. Und auch Gänsehautmomente werden zur Genüge geboten, wie im geschrabbelten Mittelteil von Liebster – das eigentliche Hauptthema gehört aber ebenfalls in die Gänsehautkategorie – wie genial, wenn auch genial einfach, dieses Riff ist. Klasse.

Hier möchte ich aber trotzdem meinen ersten Kritikpunkt ansetzen – viele kommen allerdings auch nicht mehr: Das Ende hat eigentlich das Potential weit ausgedehnt zu werden, um zu schwelgen, abzuschweifen, zu versinken. Wird dann aber doch nur ziemlich flott ausgefadet. Wenigstens den letzten Schrei hätte man noch laut lassen können. Ich liebe nämlich ausufernde, monotone Brocken. Naja, geschenkt. Außerdem: Trollgott. Mit dir kann ich leider nicht viel anfangen. Das Lied will mit Ausnahme der kurzen von Keyboardteppichen getragenen  Leadgitarre, die dann nochmal mit intensivem Gesang wiederholt wird, nicht so wirklich zünden. Das liegt daran, dass das Hauptriff einfach nicht an mich geht. Gfällt mer net.

Hervorheben will ich demgegenüber noch die ausgefeilten Arrangements. Wenige Bands schaffen es, einfach jedes beteiligte Instrument angemessen und passend zum Einsatz kommen zu lassen. Da grummelt der verzerrte Bass halt mal eine Minute im Vordergrund rum, bekommen die Synthesizer ihren Soloauftritt oder herrscht geisterhafte Atmosphäre mit klackender Akustikgitarre. Gewohnt gekonnt und immer wieder eine Freude. Dazu wirkt das Zusammenspiel extrem kompakt, was die Angelegenheit des Anhörens sehr kurzweilig gestaltet. Wann spult man schon zurück, um sich bestimmte Stellen ein ums andere Mal wieder anzuhören? Auf Totholz jedenfalls ständig.

Deshalb ist meine kleine Mäkelei, wie so oft, Kritik auf hohem Niveau. Ja, metallischer als zuletzt ist Totholz. Ja, das finde ich gut. Ja, erst war ich enttäuscht (Achtung, Zuspitzung!). Totholz klang mir zu gewöhnlich, zu sehr nach dem alten Kram. Den mag ich nicht besonders (Jehova! Jehova!). Insofern war ich ganz froh, dass Totholz trotzdem frisch klingt und nicht einfach nur ein Wiederkäuen des Altbekannten ist. Ich verzichte an dieser Stelle einfach mal auf eine Einordnung in irgendeine Rangfolge. Dazu sind die Nocte-Alben jeweils zu eigenständig. Es kommt immer auf die eigene Stimmung an, was gerade die Favoritenposition einnimmt. Zur Zeit aber, so viel sei gesagt, hat die Totholz inne. Bis die Nektar-Nostalgie wieder einsetzt, Umbriel ruft, eine Wanderung ansteht oder das Schwarzmetall gewetzt wird.


Quelle: Youtube-Kanal von MDD Records

Lieder:

  1. Innsmouth Hotel
  2. Die Kirche der wachenden Kinder
  3. Trollgott
  4. Totholz
  5. Ein stählernes Lied
  6. Liebster
  7. Wiedergänger Blues

Besetzung:

Marcel „Traumschänder“ Breuer – Gitarre, Gesang
Torsten „der Unhold“ Hirsch – Gesang
Stefan „Draghkar“ – Gitarre, Gesang
Sebastian „Flange“ Fürst – Keyboard, Gesang
Heidig – Bass
Schlagzeug – Matthias „Matze“ Rodig – Schlagzeug

Song des Monats 05/17

Tja, Power Metal und ich – dabei handelt es sich nicht um eine Liebesbeziehung. Meistens bekomme ich davon wahlweise Kopf-, Zahn- oder alles Schmerzen und die Fußnägel rollen sich gen Himmel. Zu 80 % liegt das an der typischen Power Metal „Wieso hab ich nur mein Schwert verlegt, ich muss doch in den Sonnenuntergang reiten“ Kreischstimme des Sängers. Zu 20 % liegt es an der für meinen Geschmack überbordenden Epik und Theatralik. Doch keine Regel ohne Ausnahme. Es gibt so ein bis drei Power Metal Bands, die es mir angetan haben.

Eine davon ist Dark Forest aus Großbritannien. Von ihr stammt auch der Song des Monats Mai „The awakening“ vom gleichnamigen 2014 erschienenen Album. Die Stimme ist in diesem Song für Power Metal Verhältnisse echt schön. Sänger Josh Winnard hat eine wunderbare Stimmfarbe – so lange er nicht abhebt und kreischt! Was ich an „The awakening“ aber wirklich liebe sind die Gitarren. Christian Horton und Patrick Jenkins zaubern mit ihren Instrumenten ein wirklich traumhafte, wiegende Melodie. Die Klangfarbe der Gitarren passt perfekt zum Song und zur Stimme und umgekehrt. Der Text ist etwas philosophisch angehaucht wie so oft bei Dark Forest. Immer ein wenig spirituell, Sein, Nicht Sein, das Leben, die Ewigkeit, die Endlichkeit… Text und Musik passen aber zusammen wie Arsch auf Eimer, wenn ich das mal etwas handfest ausdrücken darf. Ich wünsche euch jedenfalls viel Spaß beim Hören. Es lohnt sich manchmal über die eigenen Genregrenzen hinauszulauschen.

Life eternal
Infinite consciousness, learning
That the world we know is
Nothing more than fragments of a dream

Taking back the essence of
Just who we really are
Everything and nothing
From the void into the stars

Know reality, illusory world
Voices from infinite consciousness heard
Transcending frequencies, vibrational realms
The harmony of creation is found

Vast awakening
seeing ourselves as we are
Now the time has come to
Overthrow deceivers of this world

And see possibilities
Of consciousness, divine
Freedom and the knowledge of the
Universal mind

Know reality, illusory world
Voices from infinite consciousness heard
Transcending frequencies, vibrational realms
The harmony of creation is found

See possibilities
Of consciousness, divine
Freedom and the knowledge of the
Universal mind

Know reality, illusory world
Voices from infinite consciousness heard
Transcending frequencies, vibrational realms
The harmony of creation is found

We will find our path to freedom

Quelle: YouTube Channel von Nergal 135: https://www.youtube.com/channel/UCvVmelBOfTqBd1EzYtGCj6g

Schluss mit guter Laune – Antikult von Fäulnis

Black Metal
Veröffentlicht: 10.3.2017
Grau / Soulfood
http://www.sickblackart.de


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Antikult von Fäulnis

Einstiege in ihre Alben bekommen Fäulnis ja immer gut hin, das muss man ihnen lassen. Auch bei Antikult, dem neuesten Werk, ist der mit dem knackig-kurzen Metropolis wieder gelungen – sägende Gitarre, Punkriff, Norwegen ’94 und schon ist man mittendrin im Verzweiflungsmoloch. Besser wird es im Verlauf von Antikult auch nicht. Ein Lied klingt hoffnungsloser als das andere – Melancholie, Leid, Leere, aber auch Aggressivität, Wut und Zorn ergeben ein mitreißendes Emotionsgebräu.

Aber kommen wir doch endlich mal zur Musik an sich. Blackdoompunkrock. So bezeichnen Fäulnis ihre Musik selbst und das kommt auch gut hin. MS Fäulnis beispielsweise geht von rasendem Black Metal mit typischer Leadgitarre in knarzenden Punkrock über – inklusive Mitgröhlpassagen. Herrlich traurig-verzweifelt klingende Leadgitarren werden allerorts geboten. Besonders schön, wie ich finde, im Mittelteil von Kadaver. Das begeistert mich sowieso mit wehmutsvollem Hochgeschwindigkeitsschrabbel, Break hin zu verzweifeltem Schreien, besagten Leads und Wechsel zwischen Geknüppel und Breakdowns, übergehend in absolute Gänsehaut. Mann, mann, mann. Bei Arroganz von unten gefällt mir besonders gut die Weiterleitung des Eingangsstampfakkords in ansprechende Arpeggios. Unterschwellig kündigt sich schon der Live-Mitschrei-Teil an, der dann mit einem Break einsetzt:

Fahr mal raus, raus ans Meer,
geh in die Fluten, weil es Zeit ist
Zieh die Schuhe aus und geh ins Meer,
geh in die Fluten, weil es Zeit ist!

Wunderbar. Aber auch danach schon wieder Gänsehaut mit den genialen Black-Metal-Leads.

Reine Verzweiflung folgt mit Das Nagelkratzen. Naja, bei dem Titel. Schön metallisch eingeleitet wird’s schnell zappenduster und ab Minute Nummer Zwei  kommt ein richtig schönes Motiv, das sich mehrmals intensivierend wiederholt. Sehr doomig kommt Block 19, Mahlstrom daher.  Ein simples, effektives Metalriff leitet perfekt den hoffnungslosen Teil mit klagender Leadgitarre, die atmosphärisch schwer an Below the Sun von Ahab erinnert – meine persönliche Assoziation wohlgemerkt. Wo wir gerade bei Vergleichen sind: Wer Agrypnie mag, wird Galgen, kein Humor (Daumen hoch für den Titel) lieben. Blackmetalliger (man kann alles zu einem Adjektiv machen) wird’s nicht mehr. Schnell, hart, auf den Punkt mit nettem Ausklang.

Die Krönung des Ganzen ist aber meiner bescheidenen Meinung nach der letzte Titel Der König. Nachdem oben erwähntes Das Nagelkratzen die Trostlosigkeitsmesslatte hoch gelegt hat, legt Der König noch eine ganze Schippe drauf. War beim Rest der Platte hier und da mal Gänsehaut, ist das hier durchgehend der Fall. Das hier

Der König kann nicht mehr schlafen
Der König spricht nie
Der König, ewiges Schweigen
Der König, grau, stirbt

unterlegt mit der wundervoll schwermütigen Leadgitarre, die dankenswerterweise auch noch häufiger wiederholt wird, lädt zum Einmümmeln und Verzweifeln ein. Grau in grau, trostlos, be- und niederdrückend – starker Tobak. Nun eine Spoiler-Warnung, weil das heute so muss und der Schluss des Liedes für mich etwas überraschend kam und das ganze nochmals versüßt hat. Das i-Tüpfelchen nämlich ist ein Ausschnitt aus Hildegard Knefs Frag nicht warum, das langsam mit einer Gitarrenrückkopplung übertönt wird. Hatte ich das Wörtchen „Gänsehaut“ schon erwähnt?

Man merkt es schon, mir gehen die Worte zur Lobhudelei aus. Ich muss sagen, bei aller Qualität von Snuff // Hiroshima legt Antikult nicht nur nach, sondern kann den Vorgänger sogar übertrumpfen. Klar, Geschmacksache und so. Im Vorfeld der Veröffentlichung hat Seuche, der Frontmann, verlauten lassen, dass er mit Snuff // Hiroshima nicht hundertprozentig zufrieden war. Zu klinisch rein und steril die Produktion, zu viel Potential verschenkt. Das würde ich persönlich nun nicht negativ auslegen, passen doch Klang und Inhalt meines Erachtens perfekt zusammen. Objektiv hat er aber in Teilen durchaus Recht. So klingt Antikult wenig überraschend wesentlich räudiger: Härter, dreckiger, verwaschener kommt das neueste Werk daher, wirkt dadurch metallischer, organischer und voluminöser. Etwas schade ist der in diesem Zuge deutlich in den Hintergrund gemischte Gesang, weswegen man die Texte nur schwer versteht. Aber wofür gibt’s schließlich das Textheft? Dem Gesamteindruck ist dieser Sachverhalt jedenfalls mehr als dienlich: Musik, Gesang – alles eine der Atmosphäre förderliche Einheit. Und gerade weil das Album weniger steril klingt und mit mehr Bums daher kommt, dazu noch die einzelnen Elemente aus Black, Doom, Thrash, Punk, Rock, etc. pp. so passend verquickt, gefällt es mir noch einen Tick besser. Übrigens, Texte: Die sind wieder weit mehr als schmückendes Beiwerk und könnten angemessener mit Schreien, Rufen, Kreischen, Sprechen von Seuche nicht vorgetragen werden. Man merkt, hier steckt viel Arbeit und Herzblut drin.

Jetzt aber genug: Antikult hören, aber pronto!



Quelle: Youtube-Kanal von harddriveprod

Lieder:

  1. Metropolis
  2. Block 19, Mahlstrom
  3. Galgen, kein Humor
  4. MS Fäulnis
  5. Im Auge des Sturms
  6. Kadaver
  7. Arroganz von unten
  8. Das Nagelkratzen
  9. Der König

Besetzung:

C. W. – Bass
H. P. – Schlagzeug
N. N. – Gitarre
M. R. M. – Gitarre
Seuche – Gesang

Black meets folk meets doom. :taudr: von King of Asgard

Black/Death/Folk Metal
Veröffentlicht: 17.03.2017
Trollmusic
http://www.kingofasgard.com/


Taudr von King of Asgard

Taudr von King of Asgard

King of Asgard sind zurück. Die 2008 unter anderem von Sänger und Gitarrist Karl Beckman (ehemals Mithotyn) gegründete Band hat sich seit dem letzten Album „Karg“ personell verändert. Gitarrist Ted Sjulmark und Drummer Mathias Westman sind seit 2015 Teil der Wikingerfamilie. Am 17. März veröffentlichten die Schweden ihr bereits viertes Album namens „:taudr:“.  Es umfasst lediglich fünf Songs. Der fünfte ist außerdem ein Coversong. Soweit so klar. Widmen wir uns also der musikalischen Seite. Gibt’s was Neues in Asgard oder ist dort alles beim Alten?

„:taudr:“ eröffnet mit „The curse and the wanderer“. Ein schwarzmetallisches Riff bestimmt zunächst den Song und tröpfelt im Midtempo so vor sich hin. Wirklich hammermäßig sind die doomig-wuchtigen Einbrüche in die Hauptmelodie, die von einem trötenden Dings aka Lure aka Trompeten von Jericho aka zu viele Bohnen (?) atmosphärisch perfekt unterstrichen werden. Unter hammermäßig kann man getrost auch die donnernden Doublebasses einordnen. Würdiger Einstieg!

„Death… and a new sun“ startet sehr folkig mit einer feinen, kleinen Drehleiermelodie – oder auch hurdy-gurdy für die englischsprachigen Leute unter euch. Sorry, ich musste das Wort hier einfach einbauen. Es ist zu geil. Zurück zum Song. Der groovt ganz nett los und man bangt sich schnell ein. Ein cooles folkiges Riff wird durch ein zweites abgelöst und über allem keift fröhlich Karl Beckman. Der Song entwickelt sich zunehmend in die schwarzmetallische Richtung, die Doublebasses treiben ordentlich an und es gibt ein paar schöne Gitarrenslides.

„:taudr:“ wartet mit einem coolen Drums und Bass Intro auf. Überhaupt ist der Song rhythmisch und drum- und basstechnisch wirklich ein Hinhörer. Auch das bösartige und aggressive Blackmetalgekeife und ein tolles, eingängiges Riff prägen den Titelsong. Gegen Ende gibt’s auch noch ein paar Folkmetalchöre auf die Ohren bevor eine Gitarre im Cleansound das Ganze beschließt. Der doomig und schleppende Beginn von „…for the fury of the norse“ ist vielleicht die größte Überraschung auf dem Album. Der Wechsel zwischen Cleangesang, Chorgesang und Gekeife macht Spaß, ebeso wie die Gitarren, die sich zunehmend in Rage spielen. Der Coversong „Upon raging waves“ (Mithotyn) beschließt das Album stilecht im Wikingerstyle.

Mit „:taudr:“ haben King of Asgard ein kurzes, aber sehr hörenswertes Album abgeliefert. Besonders die Drums knallen ordentlich rein und überzeugen auf ganzer Linie. Aber auch die schleppenden, wuchtigen, doomigen Elemente, die sich immer wieder unter den Black Metal der Schweden mischen, verbreiten frischen Wind. Ansonsten bieten King of Asgard gewohnt schöne Leads, die sofort ins Ohr gehen,  düstere schwarzmetallische Atmosphäre, einige folkige Momente, Chöre und jede Menge episches Wikingerfeeling. Also hisst die Segel!

Quelle: YouTube Channel von Trollmusic: https://www.youtube.com/channel/UCnNWPkDGGd2bO_B8cpcQ0xg


Tracks:

1. The curse and the wanderer
2. Death… and a new sun 
3. :taudr:
4. …for the fury of the norse 
5. Upon raging waves (Mithotyn cover)

Line-Up:

Karl Beckman – Gitarre/Gesang
Jonas Albrektsson – Bass
Ted Sjulmark – Gitarre
Mathias Westman – Drums