„The approach for Becoming Immanence portrays the history of the Earth, the birth of what is universal.“ – Interview mit Earthwomb

Endlich wieder ein Interview. Und dann noch ein total spannendes. Die peruanischen Black Metaller von Earthwomb stehen Rede und Antwort zu den verschiedensten Themen rund um ihre Band, ihre Musik und Black Metal in Peru. Also ich war total gespannt auf die Antworten. Na, auch neugierig geworden? Los geht’s! Und falls ihr das Review zur Debüt EP „Becoming Immanence“ von Earthwomb noch nicht gelesen habt – hier geht’s lang. Es lohnt sich! (English version below)

Earthwomb - Band Photo

T!B!B!: Warum habt ihr den Namen Earthwomb für eure Band gewählt?

Earthwomb: Der Name bezieht sich auf das Quechuawort ‚Pachamama‘ (Pacha: Land, Erde, Welt, Zeit // Mama: Mutter). Es ist ein Neologismus, der Erde und Mutterleib bzw. Matrix verbindet, was ein metaphysisches Denken über die Erde impliziert. Wir glauben, dass es fester Teil der lateinamerikanischen Weltanschauung ist, die mythische Entstehung der Welt auf diese Weise zu betrachten und sich an sie zu erinnern. Für uns verkörpert „der Schoß der Erde“ das, was wir für immanent, für kosmisch halten.

T!B!B!: Seit wann spielt ihr zusammen und wie habt ihr euch kennengelernt?

Earthwomb: Alles begann 2007. Damals planten Eduardo und Pedro, eine Death Metal Band mit einigen Hardcoreeinflüssen zu gründen. Nicht viel später schloss sich Giancarlo dem Projekt namens Craneotomy an. Komischerweise war Black Metal ein sehr hartnäckiges Element in unserer damaligen Musik, obwohl wir diese Seite von uns nie voll ausgeschöpft haben. Wir hatten danach ein paar andere Projekte, die nie das Licht der Welt erblickten, aber immer wieder kamen unsere Black Metal Einflüsse auf unserer musikalischen Reise an die Oberfläche. Erst als wir uns entschieden haben, Earthwomb zu gründen, sind wir tief in das Thema eingetaucht und seitdem haben wir jeden Schritt, den wir auf dieser Reise getan haben, geliebt.

T!B!B!: Wie würdet ihr die Musik beschreiben, die Earthwomb spielt?

Earthwomb: Unsere Musik entsteht aus der Kombination zwischen einer konzeptuellen Ebene und einer ästhetischen Kreation, die verschiedene Strömungen des Black Metal miteinander verbindet. Wenn uns etwas definiert, ist es diese Synergie, die es uns ermöglicht, dichteres Ambiente zu schaffen und Atmosphären zu beschreiben, die sich der gewöhnlichen Sprache entziehen. Wir machen seit mehr als zehn Jahren zusammen Musik und unsere Projekte sind immer in diese Richtung gegangen. Wir haben immer versucht, konzeptionelle Ideen (Philosophie, Weltperspektive) mit dichten, starken, dunklen und intensiven musikalischen Tönen in Einklang zu bringen.

T!B!B!: Worum geht es auf eurer EP „Becoming Immanence“?

Earthwomb: „Becoming Immanence“ schildert die Geschichte der Erde, die Geburt des Universellen. Für uns ist die Erde eine universelle Ausdehnung und ihre Auswirkungen sind endlich. Das, was sich über Bewusstsein und Moral hinaus ausdehnt, ein Code, der immanent ist. Immanenz ist intensiv, energisch und vital, aber sie hat auch schwarze Tiefen, Abgründe und Dunkelheit. Alles in der Immanenz ist also Rhythmus, Geburt, Tod, Perversion. Wir glauben, dass die Auswirkungen dieser Immanenz, d. h. ihre Ausdrucksformen, Zeit (Fractal Phenomenon), Raum (Walkscapes), Organismen (Trespassing the Paragons of Consciousness), Krieg (The Gathering) und Energie (Vital Flux) sind, die das Ganze zu einer Kontinuität führen; sie sind Momente einer einzigen Entfaltung, einer einzigen Entwicklung: Immanenz.

IMG_6765

T!B!B!: Wie lief der Schreib- und Aufnahmeprozess der EP ab?

Earthwomb: Da die EP so ein besonderes und persönliches Projekt ist, war der gesamte Schreibprozess tatsächlich etwas langwierig. Wir wollten einigen klanglichen Kriterien folgen, um das Konzept und das Thema so genau wie möglich darzustellen, zumindest für unsere Ohren. Die erste Iteration der EP kam ziemlich schnell, aber wir hatten zu diesem Zeitpunkt das Gefühl, dass wir einfach weiterarbeiten mussten. Diese zweite Phase des Prozesses war in Bezug auf das Schreiben am längsten. Wir haben die EP nicht nur zweimal aufgenommen, weil wir einige Anpassungen und Änderungen an den Songs vorgenommen haben, sondern weil wir der Meinung waren, dass wir bessere Performances und Takes liefern können. Zum Glück waren wir fertig, kurz bevor Covid ausbrach und die Quarantäne verhängt wurde. Was wir noch machen mussten, waren all die Synthesizer, Orchester- und Post-Arrangements. Das und einige zusätzliche Optimierungen an einigen Gitarrenparts wurden in der Quarantäne  aufgenommen, woran wir uns übrigens nur schwer gewöhnen konnten, da wir immer besser gearbeitet haben, wenn wir im selben Raum waren. Das war ein sehr interessanter und wertvoller Lernprozess, den wir durchlaufen mussten und am Ende haben wir alles so hinbekommen, wie wir es wollten. Der Mischprozess war auch eine sehr intensive und iterative Erfahrung. Pedro hatte beschlossen, die EP selbst zu mischen, also musste er das nötige Handwerkszeug dafür erst erlernen und dann verbessern. Wir mussten auch einen Weg finden, die Aufnahmeversionen der anderen so effizient wie möglich zu bearbeiten. Es war ein ziemliches Abenteuer, um ehrlich zu sein, und wir sind total begeistert, dass es so gut geklappt hat.

T!B!B!: Wie ist es Black Metal in Peru zu spielen? Gibt es viele Black Metal Fans?

Earthwomb: Aufgrund der Pandemie, in der wir leben, hatten wir noch keine Gelegenheit, bei einem lokalen oder nationalen Event zu spielen, aber wir hoffen, in den kommenden Monaten des Jahres einige Termine vereinbaren zu können. Black Metal hat in Peru eine große Anzahl von Fans. Wir würden sagen, dass es neben Thrash Metal oder Grindcore (und davon abgeleiteten Subgenres) einer der am weitesten entwickelten Stile in unserem Land ist. Der klassische Sound des Genres ist bei peruanischen Black Metal Bands stark verwurzelt. Aber es sind auch einige Projekte in der Hauptstadt und den Provinzen unseres Landes entstanden, die experimenteller sind und einen modernen Sound kreieren. Ein weiteres charakteristisches Merkmal des peruanischen Black Metal ist die Einbeziehung einer konzeptionellen, visuellen und klanglichen Ästhetik der Sicht auf den Kosmos. Diese stammt aus unserer präkolumbianischen Vergangenheit, Esoterik und dem Wissen unserer Ahnen und ist im Wesentlichen mit der Natur verbunden. Erwähnenswert ist auch, dass die peruanische Szene Teil der Gründungszeit des Genres (Proto-Black Metal / FWBM) in Südamerika ist. Viele Projekte wie Hastur oder Hadez haben in den achtziger Jahren Alben oder Demos aufgenommen und ein Vermächtnis hinterlassen, das bis heute nachhallt. In einigen Fällen sind die Bands, die diese musikalische Strömung initiiert haben, immer noch aktiv und produzieren neues Material.

T!B!B!: Wie ist die Metal Szene in Peru allgemein aufgestellt?

Earthwomb: Peru hat sich in der internationalen Szene mit großartigen Referenzen wie Mortem, Hadez, Anal Vomit oder Goat Semen positioniert, um nur einige zu nennen. Viele dieser Bands wurden in der Hauptstadt (Lima) gegründet, aber wir haben auch eine sehr große und superwichtige Szene außerhalb der Hauptstadt. Sie ist erwähnenswert, weil sie je nach Region unterschiedliche instrumentale oder ästhetische Elemente verwendet. Die peruanische Szene ist stark und entwickelt sich ständig weiter, trotz der Widrigkeiten, denen sie aufgrund der geringen Anzahl von Labels, Veranstaltern und des Mangels an Veranstaltungsorten für Konzerte, Tourneen oder Festivals, mitunter ausgesetzt ist. Natürlich hat die Pandemie starke Auswirkungen gehabt und dazu geführt, dass viele Veranstaltungsorte geschlossen wurden und obwohl einige Veranstaltungen nun wieder stattfinden können, müssen viele davon aufgrund von Beschränkungen der Regierung abgesagt werden. Das bedeutet nicht, dass die Bands in unserem Land in eine Art Lethargie verfallen sind. Die meisten machen ihre Arbeit unabhängig oder mit der Unterstützung von großen Labels, die in unserer Szene etabliert sind. In vielen Fällen führen die Widrigkeiten dazu, dass großartige Dinge entstehen, die es aus unserer Sicht verdienen, gehört zu werden.

IMG_6768

T!B!B!: Was bedeutet Musik im Allgemeinen und Metal im Besonderen für euch?

Earthwomb: Wir verstehen Metal als etwas, das im Werden begriffen ist. Werden bedeutet Transformation, Mutation, Veränderung und Perversion. Im Gegensatz zu anderen musikalischen Richtungen weist Metal eine große Heterogenität auf, weil er sich der Erforschung von Stilen verschrieben hat, Trends mischt, zu verloren geglaubten Ästhetiken zurückkehrt und vorläufige Positionen bestätigt. Alles im Metal ist im Wandel. Alles im Metal ist Umkehrung, Kombination und Umbruch. In diesem Sinne ist das Reden über Identitäten nur vorläufig. In einem Stil gibt es immer Einflüsse, weil er das Ergebnis des Werdens ist. Es muss auch erwähnt werden, dass unsere Musik nicht nur auf Metal oder verwandte Subgenres reduziert ist. Wir integrieren Elemente, die nichts mit Metal zu tun haben, und das hat uns definitiv geholfen, unseren Sound auf unsere eigene Art und Weise zu formen.

T!B!B!: Vielen Dank für das Interview und alles Gute für euch und euer Album.


English version

Finally another interview. And then another really exciting one. The Peruvian black metal band Earthwomb answers questions about a wide variety of topics related to their band, their music and black metal in Peru. So I was really looking forward to the answers. Well, are you curious, too? Here we go! And if you haven’t read the review of Earthwomb’s debut EP „Becoming Immanence“ yet – click here. It is worth it!

T!B!B!: Why did you choose the name Earthwomb for your band?

Earthwomb: It refers to the Quechuan word Pachamama (pacha: land, earth, world, time // mama: mother). It’s a neologism that connects Earth and Womb/Matrix, which implies thinking metaphysically about the Earth. We believe this is inherent to the latin american worldview, to think and recall the mythic fundamentals of the world. For us “the womb of the earth” incarnates what we consider immanent, cosmic.

T!B!B!: Since when are you playing together and how did you meet each other?

Earthwomb: We go way back to 2007. At that time Eduardo and Pedro were planning on forming a death metal band with some hardcore influences. Not much later Giancarlo joined the project which was named Craneotomy. Funny enough, a very persistent element in our writing was black metal, although we never fully exploited that side of us. We had a few other projects afterwards that never got to see the light but once again our black metal influences kept rising to the surface in our musical journey. It wasn’t until the time we decided to form Earthwomb that we deep dived into it and we’ve loved every bit of it since.

T!B!B!: How would you describe the music Earthwomb is playing?

Earthwomb: Our work is born from the combination between a conceptual plane and an aesthetic creation that fuses different currents of black metal. If something defines us, it is this synergy that allows us to build denser environments and describe atmospheres that escape ordinary language. We have made music together for more than ten years and our projects have always remained in this same direction, trying to reconcile conceptual proposals (philosophy, world perspective) with dense, strong, dark and intense musical tones.

T!B!B!: What is your EP „Becoming Immanence“ about?

Earthwomb: The approach for „Becoming Immanence“ portrays the history of the Earth, the birth of what is universal. For us the Earth is a universal expansion and its effects are finite. That which expands beyond consciousness and morals, a code that is immanent. Immanence is intensive, energetic and vital, but it also has black depths, abysses, and darkness. So everything in immanence is rhythm, birth, death, perversion. We believe that the effects of this immanence, that is its expressions, are time (Fractal Phenomenon), space (Walkscapes), organisms (Trespassing the Paragons of Consciousness), war (The Gathering) and energy (Vital Flux ), that orients the latter to a continuity; they are moments of a single unfolding, of a single development: immanence.

T!B!B!: What about the writing and recording process of the EP? How was it like?

EarthwombBeing this such a particular and personal project, the whole writing process was actually a bit lengthy. We wanted to follow some sonic criteria in order to portray the concept and theme in the most accurate way possible, at least to our ears. The first iteration of the EP came along rather quickly but we felt at that point that we needed to go further and keep carving the stone. That second stage of the process was the longest in terms of writing. We recorded the EP twice not only because we did some adjustments and changes to the songs but because we felt we could deliver better performances and takes. Thankfully we were done just before covid hits and quarantine began. What we have left hanging was all the synths, orchestral and post arrangements. That and some extra tweaks on some guitar parts were done remotely, which btw was hard to get used to as we’ve always worked better when we’re in the same room. That was a very interesting and valuable learning process we had to go through and in the end we managed to get all what we wanted. The mixing process was a very involving and evolving experience as well. Pedro had decided to mix the EP himself so he had to learn and improve his craft. We also had to develop a way to communicate and interpret each other’s mix revisions in the most efficient way possible. It was quite the adventure to be honest and we’re beyond thrilled to have done it that way.

T!B!B!: How is it to play Black Metal in Peru? Are there many Black Metal Fans?

Earthwomb: We haven’t had the opportunity to play in any local or national event just yet due to the pandemic context we are living in, but we hope to be able to make some dates in the coming months of the year. Black metal in Peru has a large number of fans, we would dare to say that it is one of the most developed styles in our country along with thrash metal or grindcore (and subgenres derived from them). When listening to Peruvian bands that play black metal, we can perceive that there is a strong rootedness to the classic sound of the genre, but there have also emerged some projects in the capital and provinces of our country that seek to explore or experiment with a more contemporary or disruptive sound. Another characteristic feature of Peruvian black metal is the inclusion of a conceptual, visual and sonic aesthetics of the cosmovision inherited from our pre-Columbian past, esotericism and ancestral wisdom essentially linked to nature. It is also worth mentioning that Peruvian scene is part of the formative period of the genre (proto-black metal / FWBM) in South America. Many projects such as Hastur or Hadez created albums or demos in the eighties, leaving a legacy that resonates to this day and in some cases those bands that initiated this musical current are still active and producing material.

T!B!B!: How is the Metal scene situated in Peru in general?

Earthwomb: Peru has positioned itself in the international scene with great references such as Mortem, Hadez, Anal Vomit or Goat Semen, just to mention a few. Many of these bands were formed in the capital (Lima), but we also have a huge and super important non-capital scene that we think it’s necessary to put in value, for its transgressive character and the inclusion of instrumental or aesthetic elements of each region. The Peruvian scene is strong and remains in a constant process of construction despite the adversities it may face, due to the small number of labels, promoters and lack of venues for concerts, tours or festivals that can develop in a gradual way. Obviously the pandemic has generated a strong impact, leading many venues to close and although some events have returned, many of these must be canceled due to restrictions imposed by the government. This does not mean that the bands in our country are in some sort of lethargy, most develop their work independently or with the support of major labels that are established in our scene, in many cases the adversities can lead to generate great installments that we feel require greater visibility, because they deserve to be heard.

T!B!B!: What does music in general and metal music in particular mean to you?

Earthwomb: We want to understand metal as a becoming approach. Becoming means transformation, mutation, change and perversion. Unlike other musical outfits, metal has a wide heterogeneity because it is committed to exploring styles, mixing trends, returning to aesthetics that seemed lost, affirming provisional positions. Everything in metal is contagion and transmutation. Everything in metal is perversion, combination and upheaval. In this sense, talking about identities is only a provisional discourse for a style. In a style there is always contagion because it’s the result of becoming. It’s also necessary to mention that our musical references are not reduced only to metal or related subgenres. We incorporate elements completely unrelated to metal and that has definitely helped us to shape our sound in our own way.

T!B!B!: Thanks very much for the interview and all the best for you and “Becoming Immanence”.

Verloren in der Weite – Becoming Immanence von Earthwomb

Atmospheric Black Metal
Veröffentlichung: 07.10.2021
Eigenveröffentlichung
Bandcamp
Facebook


Earthwomb - Becoming Immanence (Artwork)(English version below.)

Es gibt Zeiten, da brauche ich Musik, die ich laut aufdrehen kann und die mich dann wie eine feste, schützende Rüstung vor der Außenwelt abschirmt. Das Debüt „Becoming Immanence“ der peruanischen Black Metaller Earthwomb liefert genau solche Musik. Komisch eigentlich, denn das gesamte Album atmet und schreit Leere und wütende Verzweiflung. Aber da ist auch dieses Gefühl unglaublicher Weite und Unendlichkeit, das sich beim Hören einstellt, einen einlullt, fortträgt aus dem Alltag und einen eben tröstlich einhüllt. Ihr seht schon, Earthwomb lösen mit ihrer Musik ganz widersprüchliche Gedanken und Emotionen aus. Und doch gehört alles irgendwie zusammen.

Der Opener „Cosmic Revelation“ macht gleich klar, worum es thematisch auf dem Album geht. Er hat etwas von Filmmusik, von Weite und Einsamkeit und einer schwelenden Bedrohung. Wenn das Tempo dann anzieht und die Bedrohung weniger subtil ankommt, spielen Earthwomb ihre Stärken aus. „Walkscapes“ zum Beispiel punktet mit seinen Blastbeats, knackigem tremolopicking Riffing, melodischem Lead und ist rhythmisch abwechslungsreich. Dazu kommen ein Hauch von Ambient und die Screams von Sänger Giancarlo, die voll unter die Haut gehen. Der Song ist wie eine düstere, hoffnungslose, wunderschöne, fließende Masse, die ins Ohr kriecht und alles durcheinanderwirbelt. Die Peruaner arbeiten häufig mit atemberaubenden Walls of Sound und kreieren so einen düsteren Strudel, der einen mitzieht und in dem man sich komplett verlieren kann. Ein cleaner Break sorgt für ein kurzes Durchatmen, bevor sich die Verzweiflung erneut Bahn bricht. „The Gathering“ baut auf ähnliche Zutaten, geht aber noch etwas mehr nach vorne, ist aggressiver und rhythmisch wuchtiger. Die intensiven Screams und die Wall of Sound transportieren einen Wust an Wut und Schmerz. „Trespassing the Paragons of Consciousness“ ist weniger bissig, etwas zurückgenommener. Der Song punktet mit halligem, entrücktem Sound, Drumdauerfeuer und Gitarren, die melodisch durch Zeit und Raum fließen. Man verliert sich völlig im Sound, lässt einfach los und schwebt mit. „Vital Flux“ fügt dem Album zum Ende noch einmal eine neue Note hinzu. Der Song perlt mit Piano langsam aus und lässt einen irgendwie – Moment, nochmal einfühlen – wehmütig und mit einer seltsamen Leere im Körper zurück.

Earthwomb haben mit „Becoming Immanence“ ein wunderbares, packendes Debüt hingelegt. Die Musik umhüllt einen mit ihren Tremoloriffs, melodischen und gefühlvollen Leads, Blastbeats, verzweifelten Screams und ihren großartig konzipierten Klangwänden. Ein Album zum Abtauchen und um sich darin zu verlieren.

Wenn ihr jetzt neugierig geworden seid und mehr über die Band und ihre Musik erfahren wollt, dürft ihr euch schon auf ein Interview freuen, in dem Earthwomb Rede und Antwort stehen zur Band selbst, zum Album „Becoming Immanence“ und zum Thema Blackmetal in Peru.

Earthwomb auf YouTube

There are times when I need music that I can turn up loud and that shields me from the outside world like solid, protective armor. The debut „Becoming Immanence“ by Peruvian black metallers Earthwomb delivers exactly this kind of music. Funny actually, because the entire album breathes and screams emptiness and angry despair. But there is also this feeling of unbelievable vastness and infinity that comes with listening, lulls you, carries you away from everyday life and envelops you comfortably. As you can see, Earthwomb trigger very contradicting thoughts and emotions with their music. And yet everything somehow belongs together.

The opener „Cosmic Revelation“ makes it clear what the album is about. It’s like film music of vastness and loneliness and a smoldering threat. When the pace picks up and the threat is less subtle, Earthwomb show their strengths. „Walkscapes“ for example scores with its blastbeats, crisp tremolo picking riffing, melodic lead and is rhythmically varied. Then there are the screams from singer Giancarlo, which get under your skin. The song is like a dark, hopeless, beautiful, flowing mass that crawls into your ear and whirls everything upside down. The Peruvians often work with breathtaking walls of sound and thus create a dark vortex that pulls you along and in which you can completely lose yourself. A clean break allows you to take a deep breath before desperation breaks out again. „The Gathering“ is based on similar ingredients, but goes a little more forward, is more aggressive and rhythmically more powerful. The intense screams and the wall of sound convey a orderly mess of anger and pain. „Trespassing the Paragons of Consciousness“ is less snappy, a little more withdrawn. The song scores with reverberant, entranced sound, continuous drum fire and guitars that flow melodically through time and space. You lose yourself completely in the sound, just let go and float with it. „Vital Flux“ adds a new note to the album at the end. The song slowly bubbles out with the piano and somehow leaves you – just a moment, have to think about it  – wistful and with a strange emptiness in your body.

Earthwomb created with „Becoming Immanence“ a wonderful, thrilling debut. The music envelops you with its tremolo riffs, melodic and soulful leads, blastbeats, desperate screams and the wonderfully conceived walls of sound. An album to immerse yourself in and to lose yourself in.

If you’re curious now and want to find out more about the band and their music, you can look forward to an interview in which Earthwomb will answer questions about the band itself, about the album „Becoming Immanence“ and about black metal in Peru.


Tracks:
1. Cosmic Revelation
2. Fractal Phenomenon
3. Walkscapes
4. Trespassing the Paragons of Consciousness
5. The Gathering
6. Ulterior Revelation
7. Vital Flux

Band:
Giancarlo Melgar – Gesang
Eduardo Yalán – Gitarre
Pedro Zamalloa – Gitarre, Bass, Drum Programmierung

Eine melodische Reise – Coherence von Be’lakor

Melodic Death Metal
Veröffentlichung: 29.10.2021
Napalm Records
https://belakorband.com/
https://www.facebook.com/belakorband
https://www.instagram.com/belakorband/


unnamed(English version below.)

Neulich. Ich bin zu früh dran für meinen Termin und sitze also noch ein Weilchen im Auto und lasse mich von der Radiomusik berieseln, als eine Dame mit ihrem Panzer versucht neben mir einzuparken. Ich denke noch so: Nö, gute Frau, absolut nö!“ Doch sie gibt nicht auf. Schließlich steht sie in der Parklücke, sodass mir noch bequeme 5 Zentimeter zum Aussteigen bleiben. Ist ja wohl mein Problem, wenn ich so fett bin. Schließlich kann man auch noch über den Beifahrersitz klettern oder durch den Kofferraum kriechen. Was stelle ich mich auch so an. Ich schaue zu ihr rüber und schüttle den Kopf. Sie will es nicht wahrhaben. Ich schüttle den Kopf noch einmal und runzle dabei streng die Stirn. Das zwingt sie endlich zur Kapitulation. Der ein oder andere scheint nach allem, was ich so gehört habe vor Be’lakors erstem Song auf dem neuen Album „Coherence“ kapituliert zu haben. Pffff. Weicheier.

Nach fünf Jahren Pause melden sich die australischen Melodic Death Metaller endlich mit einem fulminanten, wahnsinnig gut komponierten, melodisch hübschen Album zurück. Ick freu mir so sehr über „Coherence“. Gleich der Opener „Locus“ hat mir absolutes Herzklopfen beschert, wie ich da so auf dem Sofa lag und lauschte. Wirklich einfach fulminant. Die Tempowechsel, die Spannung, die sich immer wieder aufbaut und abflaut und dann noch mehr anzieht. Es gibt gleich mehrere repetitive Elemente, die einen trotzdem die Orientierung behalten lassen. Der hallige Gitarrensound, die bildschönen Melodien, das enorm variable Schlagzeug, die wuchtigen, voluminöse Growls. „Locus“ ist wie viele Songs in einem und trotzdem aus einem Guss. Der Song erzählt eine Geschichte, die man gedanklich und gefühlsmäßig durchwandert. Zwar verfolgt teilweise jedes Instrument seine eigenen Wege und Rhythmen und trotzdem passt es wie Arsch auf Eimer. Zu dem Zeitpunkt war ich schon so euphorisiert, dass die restlichen Songs auch Cover von Kinderliedern hätten sein können und es hätte mich nicht gestört. War aber natürlich nicht so. „Coherence“ enthält drei Instrumentals, von denen mir „Sweep of Days“ am besten gefällt. Packend für alle Gitarrenfans, denn Akustik- und E-Gitarre kreieren einen melancholischen Sound, der zum Wegdriften einlädt. Der Wechsel zwischen träumerischen und dunklen Momenten zeichnet das Album generell aus und macht es so reizvoll. „Foothold“ zum Beispiel ist dunkel, mit sinistrer Stimmung und verbreitet sanften Grusel. Dabei erzählen die Gitarren die Geschichte zusammen mit dem Flüstern und den Growls von Sänger George Kosmas. Faszinierend ist auch, wie der oft hallige Gitarrensound den Songs wie in „Valence“ Raum und Weite verleiht. Sehr gelungen. Dazu kommen noch ein dezenter Hauch von Epik, perlender Pianosound und ein wirklich irres Gitarrenriff, das einfach nur Spaß macht. „Much More Was Lost“ beginnt wuchtig und schon bald stellt sich Grusel in der Magengrube ein. Eine bildschöne Gitarrenmelodie erhebt sich im Hintergrund, irgendwo zwischen Hoffnung und Hoffnungslosigkeit, und es gibt ein wirklich geiles Gitarrensolo zum Abschluss. Besser kann man ein gelungenes Werk nicht beschließen.

Be’lakor präsentieren mit „Coherence“ ein Album mit variantenreichen Melodien, Riffing, das Spaß macht und einem ausgefeilten Songaufbau. Es lebt von seiner Stimmung, der Atmosphäre, der Kraft, den Wechseln in Rhythmik und Tempo, die immer wieder neue Dynamik verleihen. Zwischendurch kann man herrlich in musikalische Weiten wegdriften, sich wohlig gruseln und komplett verlieren. Die Australier verstehen es mit ihrer Musik, mit jedem einzelnen Song eine Geschichte zu erzählen und den Hörer auf eine Reise mitzunehmen. Absolut gelungen!

Be’lakor bei Napalm Records auf YouTube

Recently. I’m too early for my appointment and so sit in the car for a while and let the radio music sprinkle me when a lady with her tank-like car tries to park next to me. I still think like this: „Nope, good woman, absolutely nope!“ But she doesn’t give up. Finally she stands in the parking space, so that I still have a comfortable 5 centimeters to get out of my own car. It’s probably my problem when I’m so fat. Finally, you can climb over the passenger seat or crawl through the trunk. I shouldn’t make such a fuss. I look over at her and shake my head. She doesn’t want to admit it. I shake my head again and frown severely. That finally forces her to surrender. After everything I’ve heard, one or the other seems to have surrendered to Be’lakor’s first song on the new album „Coherence“. Pffff. Softies!

After a five-year break, the Australian Melodic Death Metallers are finally back with a brilliant, incredibly well composed, melodically beautiful album. I’m so excited about „Coherence“. The opener „Locus“ got my heart pounding as I lay there on the sofa and listened. Really just brilliant. The change of pace, the tension that builds up and subsides again and again and then pulls even more. There are several repetitive elements that still allow you to keep orientation. The reverberant guitar sound, the beautiful melodies, the enormously variable drums, the powerful, voluminous growls. „Locus“ is like many songs in one piece and yet all of a piece. The song tells a story that you walk through mentally and emotionally. Every instrument sometimes follows its own paths and rhythms, and yet it fits like ass on bucket. At that point I was so euphoric that the rest of the songs could have been covers of children’s songs and it wouldn’t have bothered me. But of course it wasn’t like that. „Coherence“ contains three instrumentals, of which I like „Sweep of Days“ the best. Exciting for all guitar fans, because acoustic and electric guitars create a melancholy sound that invites you to drift away. The change between dreamy and dark moments generally characterizes the album and makes it so appealing. „Foothold“, for example, is dark, with a sinister mood and spreads mild horror. The guitars tell the story along with the whispers and growls of singer George Kosmas. It is also fascinating how the often reverberant guitar sound gives the songs space and expanse like in „Valence“. Very nicely done. There is also a subtle touch of epic, sparkling piano sound and a really crazy guitar riff that is just plain fun. „Much More Was Lost“ starts out powerfully and soon there is a horror in the pit of your stomach. A beautiful guitar melody rises in the background, somewhere between hope and hopelessness, and there is a really awesome guitar solo at the end. No better way to end a successful work.

With „Coherence“, Be’lakor present an album with varied melodies, riffing that is fun and a sophisticated song structure. It lives from its mood, the atmosphere, the power, the changes in rhythm and tempo, which constantly give new dynamics. In between you can wonderfully drift away into musical expanses, get a cozy creep and lose yourself completely. With their music, the Australians know how to tell a story with every single song and to take the listener on a journey. Absolutely successful!

 


Tracks:
1 Locus
2 The Dispersion
3 Foothold
4 Valence
5 Sweep of Days
6 Hidden Window
7 Indelible
8 Much More Was Lost

Band:
John Richardson – Bass
Elliot Sansom – Schlagzeug
Shaun Sykes – Gitarre (lead)
George Kosmas – Gitarre, Gesang
Steve Merry – Keyboards

Melodisch stark und extrem vielfältig – Sense of Noise von Sense of Noise

Melodic Death Metal
Veröffentlichung: 05.11.2021
https://senseofnoise.com/
https://www.facebook.com/senseofnoise
https://www.instagram.com/senseofnoise/
https://senseofnoise.bandcamp.com/


ALBUM COVER(English version below.)

Ich musste eine Weile überlegen, ob ich es mental verkrafte, ein Review zum Debütalbum „Sense of Noise“ der gleichnamigen mexikanischen Melodic Death Metal Band zu schreiben. Warum? Das Album enthält dermaßen viele, geile Pinch Harmonics, dass ich mich persönlich verspottet fühle, wie ich da in meinem Kämmerlein sitze und mich und die Nachbarn quäle, um meiner Gitarre diese verflixten Dinger zuverlässig zu entlocken. Die Betonung liegt auf zuverlässig, denn sie gelingen mir durchaus. Bloß nicht immer – und auch nicht immer an der richtigen Stellen… hust… Immerhin, mein Gitarrenlehrer sprach in der letzten Woche von Fortschritt. Hell yeah! Wobei – vielleicht meinte er damit nicht meine Pinch Harmonics, sondern mein Talent, ihn und mich so weit zu verwirren, dass er die Stelle falsch spielte, von der er glaubte, ich würde sie zum x-ten Mal falsch spielen. Ich wiederum dachte,  ich hätte wie üblich falsch gespielt und war völlig verdattert, dass er es war. Ok. Das muss kurz einwirken. Letztendlich habe ich aber meinen verletzen Stolz beiseitegeschoben, denn „Sense of Noise“ ist einfach zu gut, um es hier nicht vorzustellen.

Es hat mir extrem viel Spaß gemacht, das Album anzuhören! Bei jedem neuen Durchgang entdeckten meine Ohren eine neue Melodieschicht, ein neues kleines Gimmick. Das liegt jetzt nicht daran, dass ich einfach älter werde und langsam schlecht höre, sondern daran, dass die Melodien sich manchmal ganz subtil im Hintergrund halten. Zum Beispiel „The Broken Hope“. Dort findet man hinter den wuchtigen Doublebasses, dem Drumdauerfeuer und den harschen Growls eine wunderbare Gitarrenmelodie und man erkennt plötzlich, dass es auch nur zusammen Sinn ergibt. Zusammen mit einem wuseligen Gitarrenriff, mitreißender Bassaction, perlenden Keyboardklängen und dem eingängigen Klargesang im Refrain wird daraus ein Song, den man locker rauf- und runterhören kann. Und: Verflixte Pinchharmonics! Damit wäre der Sound von Sense of Noise so in etwa umrissen. Immer wieder hauen die Mexikaner coole Breaks raus, wie in „War Within“ oder dem sehr melodischen „Morning Glory“. Spielen mit wundervollen Melodien, die neben, hinter und übereinander existieren, sich ergänzen. Mal gespielt von der Gitarre, mal vom Keyboard, mal gesungen. Sense of Noise setzen auch den Kontrast zwischen Growl- und Klargesang meisterlich ein, z. B. in „Morning Glory“. Die Übergänge sind stimmig und geradezu ein Genuss. Auch rhythmisch bauen die Mexikaner immer wieder kleine Raffinessen ein. „March of The Fallen“ ist drückend mit dräuender Gitarre und einem erneut extrem schönen Refrain, durch den man sich mit Freuden durchwiegt. Außerdem wartet der Song mit Keyboard- und Gitarrensolo und einem kleinen Streichereinsatz auf. Bämm! Mehr geht ja wohl nicht. Sehr, sehr gelungen. Gefällt mir extrem gut! Einer meiner Lieblingssongs des Albums. Zu den bretternden Brettern, was Tempo und Aggressivität anbelangt, gehören „Zero Killed“, in dem Björn Strid von Soilwork mitmischt, und „Rage of Existence“. Besonders „Zero Killed“ ist sehr intensiv, was den Gesang anbelangt, und beinahe ein einziges Drum- und Doublebass Gewitter, das einem den Atem raubt und den Nacken strapaziert. Beide Songs warten mit einem coolen Break auf und hey – Gitarrensolotime in „Rage of Existence“. Wohoooo! „Our Dying Light“ ist ein besonderes Juwel. Die Stimmung zu Beginn liegt irgendwo zwischen Akustikgitarren-Cowboylagerfeuerromantik und Streichermelancholie. Sehr folkig. Und, himmelherrgottnochmal,  diese samtige Stimme! Dann macht der Song einen Twist, wird härter und geht über in extrem cooles Gitarrenriffing, spartanisch akzentuierte Drums, harsche Growls und epischen Oooooh-Mitsingchor. „Sense of Darkness“ bringt zum Schluss noch einmal eine neue Note mit ins Spiel. Mal von dem extrem schönen, melodischen Gitarrensound abgesehen verbreiten Bass und Percussions einen ganz leichten, dezenten Hauch von Mexiko.

„Sense of Noise“ ist melodisch extrem stark, vielschichtig und vielfältig. Jedes Instrument macht sowas von Sinn auf diesem Album und auch Growls und Klargesang ergänzen und unterstützen sich perfekt. Die Produktion ist rundum gelungen. Vielleicht hätte ich mir hier und da ein wenig mehr Variabilität im Songaufbau gewünscht, aber das ist meckern auf sehr hohem Niveau. Die Riffs und Refrains gehen ins Ohr und bleiben dort. Zwischen Wucht und Aggressivität blitzt immer wieder ein bisschen Melancholie und Zartheit auf, die man im ersten Moment gar nicht so vermutet hätte. Absolut gelungenes Debüt! Unbedingt reinhören!

Sense Of Noise auf YouTube

I had to think for a while whether I could deal with it mentally to write a review of the debut album „Sense of Noise“ by the Mexican melodic death metal band of the same name. Why? The album contains so many awesome pinch harmonics that I personally feel mocked as I sit there in my little room and torture myself and the neighbors in order to reliably elicit these darned sounds from my guitar. The emphasis is on reliable, because I definitely succeed. Just not always – and not always in the right places … cough … Anyway, my guitar teacher talked about progress in the last week. Hell yeah! Whereby – maybe he didn’t mean my pinch harmonics, but my talent to confuse him and me so much that he misplayed the passage that he thought I would misplay for the umpteenth time. I, on the other hand, thought I had misplayed as usual and was utterly perplexed that it was him. OK. That has to take effect briefly. In the end I pushed aside my hurt pride because „Sense of Noise“ is just too good not to be featured here.

I had a lot of fun listening to the album, because with every new play my ears discovered a new layer of melody, a new little gimmick. This is not because I’m just getting older and slowly hearing badly, but because the melodies sometimes stay very subtly in the background. For example „The Broken Hope“. There you find a wonderful guitar melody behind the powerful double basses, the continuous drum fire and the harsh growls and you suddenly realize that it only makes sense together. Together with a lively guitar riff, rousing bass action, sparkling keyboard sounds and the catchy clear vocals in the chorus, this becomes a song that you can easily listen to up and down. And: darn pinch harmonics. That would roughly outline the sound of Sense of Noise. The Mexicans keep throwing out cool breaks, like in „War Within“ or the very melodic „Morning Glory“. Playing with wonderful melodies that exist next to, behind and on top of one another, complement one another. Sometimes played by the guitar, sometimes from the keyboard, sometimes sung. Sense of Noise also masterfully use the contrast between growl and clear vocals, e.g. in „Morning Glory“. The transitions are consistent and downright a pleasure. The Mexicans also keep adding small refinements to the rhythm. „March of The Fallen“ is oppressive with threatening guitar and another extremely beautiful chorus, through which one sways with joy. The song also features a keyboard and guitar solo and a small use of strings. Bam! More is not possible. Very, very well done. I like it extremely well! One of my favorite songs on the album. „Zero Killed“, in which Björn Strid from Soilwork is involved, and „Rage of Existence“ belong to the boarding stages in terms of speed and aggressiveness. „Zero Killed“ in particular is very intense, as far as the vocals are concerned, and almost a single drum and double bass thunderstorm that takes your breath away and strains your neck. Both songs come up with a cool break and hey – guitar solo time in „Rage of Existence“. Wohoooo! „Our Dying Light“ is a special gem. The mood at the beginning is somewhere between acoustic guitar cowboy campfire romance and string melancholy. And for God’s sake, the velvety voice! Then the song makes a twist, gets harder and turns into extremely cool guitar riffing, spartan accented drums, harsh growls and an epic oooooh sing-along choir. „Sense of Darkness“ then brings a few new accents into play. Apart from the extremely beautiful, melodic guitar sound, bass and percussions spread a very light, subtle touch of Mexico.

„Sense of Noise“ is melodically extremely strong, multilayered and varied. Every instrument makes a lot of sense on this album and growls and clear vocals complement and support each other perfectly. The production was successful all round. Maybe I would have wished for a little more variability in the song structure here and there, but that is complaining on a very high level. The riffs and choruses catch your ear and stay there. Between force and aggressiveness, a little melancholy and tenderness flashes up again and again, which one would not have suspected at first. Absolutely successful debut! Be sure to listen!


Tracks:
1. A Forgotten Oath
2. The Broken Hope
3. War Within
4. Morning Glory
5. March of the Fallen
6. Zero Killed (feat. Björn „Speed“ Strid)
7. Our Dying Light
8. Rage of Existence (feat. Antony Hämäläinen)
9. Sense of Darkness

Band:
Jerome Chanona – Gesang
Bart Chanona – Schlagzeug
Federico d’Empaire – Gitarre und Klargesang
Diego Caná – Gitarre
Nibsen – Keyboard
Mao Rubio – Bass

Reingehört: Malice von Whiteout

Ich weiß, ich hab mich hier eine ganze Weile nicht blicken lassen. Spätsommerliche Melancholie, knallharte, detektivische Arbeit (woher kommen die ganzen Löcher im T-Shirt?) und die Fertigstellung der Rohfassung von etwas, an dem ich schon echt lange arbeite, haben mich in Atem gehalten. Jetzt habe ich aber einen sehr guten Grund, wieder aus der Versenkung aufzutauchen. Ich möchte euch unbedingt den neuen Song „Malice“ von meiner Lieblingsmetalcoreboyband aus Zürich nahelegen (sie nennen sich selbst so!). In „Malice“ geht es um das ernste Thema Depression und Selbstmord. Musikalisch wird das Ganze perfekt auf die Fresse mäßig verpackt. Dräuendes, drängendes Gitarrenriff, bedrohliche Kulisse aus hämmernden Drums, wummerndem Bass und Gitarren. Und dann dieses absolut manische Geschrei von Sänger Mike, das einem durch Mark und Bein und tief unter die Haut geht. Wahnsinn! Ich glaube, ich sagte schon, dass ich manisches Geschrei liebe und ein absoluter Fan bin??? Besonders im Refrain wird die Verzweiflung wirklich körperlich spürbar. Und Gastschreier Marc Zelli von Paleface setzt dem Ganzen dann nach einem Break noch vollends die Krone auf. Mehr Intensität geht nicht. Teuflisch gut! Gänsehaut! Das Video zu „Malice“ ist ebenfalls super gelungen und atmosphärisch. Unbedingt reinschauen! Vor allem auch, wenn ihr die Jungs von Whiteout schon immer mal mit Blumenkränzen auf dem Kopf sehen wolltet. Allerdings wirft es auch eine Frage auf: Warum trägt Sänger Mike ein Pferdegeschirr? Zum Schluss bleibt mir nur noch mein Mitgefühl mit demjenigen zu äußern, der die ganzen Kerzen anzünden musste und dem armen Kind mein Beileid auszusprechen, das jetzt seine Puppe vermisst.

Bitte, bitte: Falls euch das Thema Depression betrifft oder ihr Suizidgedanken habt – holt euch dringend Hilfe, so groß der Berg momentan erscheinen mag, der sich vor euch auftürmt. Es gibt einen Weg da raus, auch wenn ihr ihn momentan vor lauter Dunkelheit nicht erkennen könnt. Aber ihr findet diesen Weg nicht ohne Hilfe! Wendet euch an jemanden, dem ihr vertraut. Partner, Freunde, Familie. Falls euch da niemand einfällt, hilft man euch in Deutschland bei der Telefonseelsorge unter 0800-111 0 111 oder 0800 / 11 10 222. In Österreich wählt ihr die 142 und in der Schweiz die 143. Es ist keine Schande, sich Hilfe zu holen. Es ist auch nicht peinlich. Es ist genau der richtige Weg, um diesen Scheiß hinter sich zu lassen!

Whiteout auf YouTube

I know I haven’t been seen here in a while. Late summer melancholy, tough, detective work (where do all the holes in the T-shirt come from?) and the completion of the rough version of something that I’ve been working on for a really long time kept me busy. But now I have a very good reason to emerge from the shadows again. I really want to suggest the new song „Malice“ from my favorite metal core boy band from Zurich (that’s how they call themselves!). „Malice“ is about the serious subject of depression and suicide. Musically, the whole thing is a perfect „in the face“ number. Threatening, urgent guitar riff, threatening backdrop of pounding drums, thumping bass and guitars. And then this absolutely manic screaming from singer Mike, which goes right through you and deep under your skin. Insanity! I think I said before that I love manic screaming and that I am an absolute fan??? Especially in the chorus, the desperation is really noticeable physically. And guest shouter Marc Zelli from Paleface tops it all off after a break. More intensity is not possible. Good as hell! Goose bumps! The video for „Malice“ is also super successful and atmospheric. Be sure to have a look! However, it also raises a question: Why does singer Mike wear a harness? In the end I only have to express my condolences to the person who had to light all the candles and to express my condolences to the poor child who is now missing his doll.

Please. If the subject of depression affects you or you have thoughts of suicide – get help urgently, no matter how big the mountain may appear that is piling up in front of you. There is a way out of there, even if you cannot see it at the moment because of the darkness. But you cannot find this way without help! Reach out to someone you trust. Partners, friends, family. If you can’t think of anyone, you can be helped by telephone counseling, there is a particular number in each country. You can find it in the internet easily. There’s no shame in getting help. It’s not embarrassing either. It’s just the right way to get out of this shit!

„20XX is meant to be a wakeup call.“ – Interview mit Drown In Malice

Es ist endlich wieder Zeit für ein Interview. Dieses Mal spreche ich mit der Konstanzer Metalcore Band Drown In Malice über ihren neuen Song „20XX“, der heute erschienen ist. „20XX“ ist alles andere als ein fröhliches Liedchen – eher ziemlich düster und stimmt einen sehr nachdenklich. Achtung Spoiler! Erkenntnis des Interviews: An Corona kommt eben momentan niemand vorbei – auch wenn er sich noch so sehr dagegen sträubt. Doch „20XX“ ist nicht nur Corona geschuldet. Was noch dahinter steckt? Wie die Idee zum wirklich atemberaubenden Video entstand und was ein fehlender Drummer und ein fehlendes Budget damit zu tun haben? Warum Sänger Manu nichts kann und warum die Jungs sich eine Kugel Eis teilen müssen? Das erfahrt ihr natürlich im Interview. Viel Spaß damit und wirklich unbedingt in „20XX“ reinhören. Gänsehautgarantie!

English version below.

Interview mit Drown In Malice
20XX – neuer Song von Drown In Malice

It’s finally time for an interview again. This time I’m talking to the metalcore band Drown In Malice from Constance about their new song „20XX“, which was released today. „20XX“ is anything but a happy song – pretty dark and makes you very thoughtful. Attention, spoilers! Realization of the interview: Nobody can ignore Corona at the moment – no matter how hard he tries. But „20XX“ is not only about Corona. What else is it about? How did the idea for the really breathtaking video come about and what does a missing drummer and a missing budget have to do with it? Why singer Manu can’t do anything and why the boys have to share a scoop of ice cream? Of course you will find out in the interview. Have fun with it and really listen to „20XX“. Goosebumps guarantee!

Mitgrölen mit Botschaft. Chapter 1 von Gutz N’Glory

Punk / Hardcore Punk / Post Punk
Veröffentlichung: 09.07.2021
Independent
https://www.facebook.com/gutzngloryofficial
https://www.instagram.com/gutzngloryofficial/
https://gutznglory.bandcamp.com/releases


a1404488729_16(English version below.)

Ich erinnere mich eines schönen Sommertages. Ich war Anfang 20 und mein größtes Problem war, mir endlich zu merken, wann Moctezuma den aztekischen Thron bestieg als es an der Haustür klingelte. Beschwingt öffnete ich – und dachte mir „Scheiße!“. Da ich aber ein durchaus höflicher Mensch bin, schlug ich die Tür trotzdem nicht gleich wieder zu. „Einen wunderschönen guten Tag. Mein Name ist Schmidtmüllereisele und ich gehe momentan mal so durch ihr Wohngebiet und frage, wie die Leute hier mit ihrem Telefonvertrag zufrieden sind.“ Ich wollte schon ansetzten mit meiner Abwehrtirade, doch das Schicksal hatte andere Pläne. Ich sah offensichtlich so nach „Ich bin klein, mein Herz ist rein…“ aus, dass Herr Schmidtmüllereisele fragte: „Sind denn deine Eltern zu Hause?“ Erleichtert dankte ich innerlich dem Schicksal für diese Fügung, unterdrückte jegliches verräterisches Zucken der Mundwinkel und antwortete: „Nein, leider nicht!“ und ergänzte im Stillen „Die sind 65 Kilometer weit weg in ihrem eigenen Zuhause.“ „Schade, naja. Kann man nichts machen. Einen schönen Tag noch!“ Weil sich aber nicht alle Probleme auf dieser Welt so einfach und friedlich in Luft auflösen, braucht es engagierte Bands, die nicht müde werden, darauf hinzuweisen. Die Londoner Punker Gutz N‘ Glory tun das auf musikalisch höchst ansprechende Weise auf ihrer Debüt EP „Chapter 1“.

„Burn the Flags“ ruft dazu auf nicht zu resignieren, sondern sich gegen die zahlreichen Missstände dieser Welt aufzulehnen. Transportiert wird diese Botschaft in flottem Tempo und zusammen mit einem punkigen Riff, einem eingängigen Mitsingrefrain und einem durchaus thrashigen Break, der dem Ganzen nochmal eine coole Note verleiht. „Get Out“ legt gitarrentechnisch gleich gut los und nimmt einen von Sekunde eins an mit. Der Song lebt aber eindeutig von seinem prägnanten, mitgröltauglichen Refrain. Wohooo! Dass Gutz N‘ Glory dafür ein absolut gutes Händchen haben, hört man auch in „Still With Us“, das mir melodisch unheimlich gut gefällt. Genauso wie die Spannung zwischen eindringlich vorgetragenem Vers und Refrain mit einem Hauch von Epik. Und um mich vollends glücklich zu machen, gibt es noch ein schönes Gitarrensolo obendrauf. Was braucht man mehr? Mein persönlicher Favorit ist allerdings „Another Day in Paradise“. Ein cooles, drückendes Riff das sofort im Ohr klebt und eine beinahe deathmetallisch Tremolomelodie gewinnen sofort meine Aufmerksamkeit. Die Lyrics werden mit schön viel Wucht vorgetragen. Genau mein Ding.

Gutz N‘ Glory legen ein blitzsauberes Debüt hin. Am Ende der EP ist man traurig, dass es nur vier Songs sind – jetzt wo man sich gerade so schön in den frischen, wütenden Sound der Band eingegroovt hat. Die Stärke der Jungs sind definitiv die eingängigen Mitgrölrefrains. Aber auch die Riffs bleiben im Ohr und animieren zum Mitwippen. Last but not Least gefällt mir, dass die Londoner Musik mit Botschaft machen. Sehr gelungen!

Gutz N‘ Glory auf YouTube

I remember a beautiful summer day. I was in my early twenties and my biggest problem was finally remembering when Moctezuma came to the Aztec throne when the doorbell rang. I opened it elated – and thought to myself „Shit!“. But since I’m a thoroughly polite person, I still didn’t slam the door straight away. „Have a wonderful good day. My name is Schmidtmüllereisele and I’m currently walking through your residential area and asking how the people here are satisfied with their telephone contract.“ I wanted to start with my defensive tirade, but fate had other plans. Seems like I looked as if „I’m small, my heart is pure …“ because Mr. Schmidtmüllereisele asked: „Are your parents at home?“ Relieved, I thanked fate for this coincidence. I suppressed any treacherous twitching of the corners of my mouth and answered: „No, unfortunately not!“ and added quietly „They are 65 kilometers away in their own home.“ „Oh, that’s a pity. Well then have a nice day!“ But because not all problems in this world dissolve so easily and peacefully into thin air, it needs bands who never get tired pointing it out. The London punkers Gutz N ‚Glory do this in a musically very appealing way on their debut EP „Chapter 1“.

„Burn the Flags“ calls for not to resign, but to rebel against the numerous grievances of this world. This message is conveyed at a brisk pace and together with a punk riff, a catchy sing along chorus and a thrashy break that gives the whole thing another cool note. „Get Out“ starts with great guitar work and takes you away from the first second. The song clearly lives from its concise shout along chorus. Wohooo! You can also hear that Gutz N ‚Glory have an absolutely good hand for this in „Still With Us“, which I really like melodically. Just like the tension between haunted verse and chorus with a touch of epic. And to make me completely happy there is a nice guitar solo on top. What more do you need? My personal favorite, however, is „Another Day in Paradise“. A cool, oppressive riff that sticks in the ear immediately and an almost death-metallic tremolo melody immediately grab my attention. The lyrics are performed with a lot of force. Exactly my thing.

Gutz N ‚Glory’s debut is definitely a success. At the end of the EP you are sad that there are only four songs – now that you have just grooved yourself so nicely into the fresh, angry sound of the band. The guys‘ strengths are definitely the catchy shout along choruses. But the riffs also stay in the ear and encourage you move along. Last but not the least, I like that Gutz N‘ Glory make music with a message. Very nicely done!


Tracks:
1. Burn the Flags
2. Get Out
3. Still With Us
4. Another Day in Paradise 

Band:
Ben Bladdi Sommer – Vocals & Bass Guitar
Alessandro Favaro – Guitar
Lukas Drabavicius – Guitar
Tomáš Kaluža – Drums

Zeitreise ins alte Angelsachsen – Beyond the Fells von Oscenrad

Folk / Pagan Metal
Veröffentlichung: 28.05.2021
Independent
https://www.facebook.com/oscenrad
https://oscenrad.bandcamp.com/album/beyond-the-fells
https://oscenrad.com/
https://www.instagram.com/oscenrad/?hl=de
Oscenrad auf Youtube


a4202657306_16(English version below.)

Es ist erstaunlich, wie Menschen einen manchmal dazu bringen etwas zu tun, woran man im Traum nicht gedacht hätte. Eine Freundin von mir – nennen wir sie Jula – hätte noch vor wenigen Wochen abgestritten, dass sie jemals auch nur daran denken würde, Balletttanz auszuprobieren. Doch dann dieser Moment. Ihre kleine Nichte: „Jula, übst du mit mir Ballett?“ Sie, eloquent wie sie nun einmal ist: „Also… äh… ich… das ist keine gute… können wir nicht lieber Autos?“ Doch da steht die Kleine vor ihr. Ein zuckersüßes Lächeln im Gesicht, umrahmt von goldblonden Engelslöckchen und das schwarze, metallene Herz der harten, bösen Metaltante Jula schmilzt dahin wie eine Kugel Schokoladeneis im Hochsommer. Und plötzlich stellt sie fest, dass sie mit ihrer Nichte dasteht, einbeinig balancierend wie ein Flamingo nach zu viel Pfeffi, die Arme mit der Grazilität eines Nilpferds auf Schlittschuhen in die Höhe gereckt. So leicht sind wir zu manipulieren. Wenn dieses Mädchen eines Tages in die Politik geht, hat es sich erledigt mit Kampf und Krieg. Im alten angelsächsischen England hingegen gehörten Kämpfe durchaus zum Leben. In diese Welt entführt Hæðenwulf mit seiner One Man Band Oscenrad auf seinem Album “Beyond the Fells”. Wer Geschichten aus vergangenen Zeiten, mythische Wälder, Schwertkämpfe und Burgen mag, der ist hier genau richtig. Das Album enthält sechs wundervolle, lange Songs, die uns in eine längst vergangene Zeit zurückversetzen.

Der Opener „Across the Waves“ stimmt den Hörer mit Wellenrauschen und Hörnerklang auf das Kommende ein. Die Gitarre faded rein und rifft voran. Der wiegende, elektrisierende Rhythmus ergreift Besitz von Ohren, Hirn und Körper. Growlgesang. Ein cleaner Break und dezenter Synthieinsatz bringen Abwechslung in die Sache und ein Solo, basierend auf dem Grundriff, rundet den Song perfekt ab. Das Faszinierendste ist definitiv, wie häufig Oscenrad es schafft, das Grundriff zu variieren. Sehr, sehr gelungen. „Beneath the Ancient Sky“ groovt so dermaßen. Ein wenig Bassaction sorgt für zusätzliche Würze, tiefer Chorgesang für den Paganmoment. Nach und nach geht der Song weg vom Groove und wird fließender. Epische Synthis und gesprochene Worte sorgen für die richtige Stimmung. Zum Schluss ein kleiner gitarrentechnischer Ausraster, angetrieben von „Fight“ Ausrufen. „Beyond the Fells“ startet mit einem Synthi-Streicher-Intro. Alles wirkt sehr mystisch, verzaubert, geheimnisvoll. Auch der cleane Part mit Summgesang und die gesprochenen Worte. Dann tritt Oscenrad das Gaspedal etwas mehr durch und die Gitarre zaubert eine herrliche Melodie. Ein wenig Bassgrummelaction gegen Ende und eine kleine Kabbelei mit den Drums beenden den Song. „Seeress“ ist träumerisch, akustisch, melodisch. Dezenter, dumpfer Trommeleinsatz und Streicheruntermalung sorgen für das perfekte Folk und Pagan Feeling. Zum Heulen schön! „Runes Ye Shall Find“ ist einer meiner persönlichen Favoriten des Albums. Ein eindringliches Gitarrenriff und ein folkiger, wiegender und gleichzeitig drängender Rhythmus ergänzen sich perfekt. Schließlich erhebt sich die Gitarre melodisch wunderschön über alles andere. „Of Wolf and Blood“, der letzte und mit fast 12:30 Minuten auch der längste Song des Albums, gefällt mir aber auch richtig gut. Er sticht mit seinem schwarzmetallischen Tremolopicking heraus und wechselt immer wieder zwischen wiegendem Rhythmus und akustischen Breaks mit dezentem Synthieinsatz im Hintergrund. Zwischen zarten Melodien und schwarzmetallischer Gitarre. Diese spielt ihre melodische Schönheit noch einmal voll aus, schraubt sich schließlich nach und nach in Richtung Himmel. Wow!

Oscenrads Album “Beyond the Fells” nimmt den Hörer definitiv mit auf eine Zeitreise ins vergangene Angelsachsen. In eine mystische und mythische Welt voller geheimnisvoller Wälder, alter Götter und stolzer Krieger, ohne dabei kitschig zu werden. Die Folk- und Paganelemente bleiben dezent und sind wohl dosiert. Das Gaspedal kommt eher selten zum Einsatz. Also ein eher introvertiertes Paganmetalalbum mit einem gehörigen Schuss feiner Melancholie, Märchenhaftigkeit, Erzähl- und Strahlkraft. Nicht zu vergessen die wirklich exzellente, erstklassige Gitarrenarbeit. Unbedingt Reinhören!

It’s amazing how people can get you to do something that you wouldn’t have thought of in your dreams. A friend of mine – let’s call her Jula – would have denied a few weeks ago that she would ever even think of trying ballet dance. But then this moment. Her little niece: „Jula, will you practice ballet with me?“ She, eloquent as she is: „So … uh … I … this is not a good … can’t we play… cars?“ But there the little one stands in front of her. A sugar-sweet smile on her face, framed by golden-blonde angelic curly hair and the black, metal heart of tough, evil metal aunt Jula melts away like a scoop of chocolate ice cream in midsummer. And suddenly she realizes that she is standing there with her niece, one-legged balancing like a flamingo after too much peppermint liqueur, arms raised with the grace of a hippopotamus on ice skates. We are so easy to manipulate. If this girl goes into politics one day, there will be no fighting and war anymore. In the old Anglo-Saxon England, however, fighting was a part of life. Hæðenwulf and his one man band Oscenrad take you into this world on his album “Beyond the Fells”. If you like stories from bygone times, mythical forests, sword fights and castles, you’ve come to the right place. The album contains six wonderful, long songs that take us back in time.

The opener „Across the Waves“ gets the listener in the mood for what is to come with the noise of waves and the sound of horns. The guitar fades in and riffs along. The swaying, electrifying rhythm takes hold of ears, brain and body. Growl singing. A clean break and subtle use of synths bring variety to the song and a solo, based on the basic riff, rounds it off perfectly. The most fascinating thing is definitely how often Oscenrad manages to vary the basic riff. Very, very well done. „Beneath the Ancient Sky“ is so groovy. A little bass action provides additional spice, deep choral singing for the pagan moment. Little by little the song goes away from the groove and becomes more flowing. Epic synths and spoken words set the mood. At the end a little guitar-technical freak, driven by „Fight“ shouts. „Beyond the Fells“ starts with a synth string intro. Everything seems very mystical, enchanted, mysterious. Also the clean part with humming vocals and the spoken words. Then Oscenrad presses the accelerator a little more and the guitar conjures up a wonderful melody. A little bass grumbling towards the end and a little squabbling with the drums end the song. „Seeress“ is dreamy, acoustic, melodic. Subtle, dull use of drums and background strings create the perfect folk and pagan feeling. An atmosphere so beautiful as to weep! „Runes Ye Shall Find“ is one of my personal favorites on the album. A haunting guitar riff and a folky, swaying rhythm, urgent at the same time, complement each other perfectly. Finally, the guitar rises melodically beautifully above everything else. But I also really like „Of Wolf and Blood“, the last and with almost 12:30 minutes also the longest song on the album. It stands out with its black metallic tremolo picking and changes again and again between swaying rhythm and acoustic breaks with a subtle use of synths in the background. Between tender melodies and black metallic guitar. This once again shows its melodic beauty to the full, eventually screwing its way up towards the sky. Wow!

Oscenrad’s album “Beyond the Fells” definitely takes the listener on a journey through time to the past Anglo-Saxon. Into a mystical and mythical world full of mysterious forests, ancient gods and proud warriors, without getting cheesy. The folk and pagan elements remain subtle and are well dosed. The accelerator pedal is rarely used. So a rather introverted pagan metal album with a good shot of fine melancholy, fairytale-like, with narrative power and radiance. Not to forget the really excellent, first class guitar work. Be sure to listen!

 


Tracks:
1. Across the Waves
2. Beneath the Ancient Sky
3. Beyond the Fells
4. Seeress 
5. Runes Ye Shall Find 
6. Of Wolf and Blood

Band:
Hæðenwulf

Her mit dem Drumstick…

Jo… wie spielt man damit jetzt?

Well… and how do you play with it?

20210630_122756

Auf Konzerten geht meine Chance ein ins Publikum geworfenes Plektrum oder einen Drumstick zu fangen gegen null. Höchst selten kommt überhaupt mal etwas bei mir unten an – also ungefähr auf Kniehöhe der anderen. Deshalb vielen, vielen Dank an Metal1.info und Der Weg Einer Freiheit, die auch ein Herz für kleine Metalfans haben. Die digitale Wurfaktion ist eine tolle Idee.

At concerts, my chance of catching a plectrum or drumstick thrown into the audience is almost zero. Very rarely does anything even reach me down there – that is, roughly at knee height for the others around me. Therefore, thank you so much Metal1.info and Der Weg Einer Freiheit, who also have a heart for small Metal fans. The digital throwing action is a great idea.

20210630_122959

Überraschungsei – Cold Dead Lands von Grey Skies Fallen

Doom / Death Doom / Progressive Death
Veröffentlichung: 08.04.2021
Paragon Records / Grimm Distribution / More Hate Productions / Satanath Records
https://www.facebook.com/GreySkiesFallen
https://greyskiesfallen.bandcamp.com/
https://www.instagram.com/greyskiesfallen/


CDL Cover(English version below.)

Woche der Entdeckungen bei Thrash!Boom!Bang! Merke: Wenn man Gitarre eins mit Gitarre zwei über ein Kabel verbindet und dann den Verstärker einschaltet, hilft auch kein wütendes Fluchen. Er wird nicht den leisesten Ton von sich geben. Merke weiter: Der Verstärker ist nicht kaputt, sondern funktioniert nach mehrminütiger Bedenkzeit und kleinlauter Korrektur des Verkabelungsfehlers einwandfrei. Die zweite und – seien wir ehrlich – auch die wichtigere Entdeckung der Woche, ist die der US- amerikanischen Band Grey Skies Fallen und ihres Albums „Cold Dead Lands“. Dabei handelt es sich um ein Re-Release des bereits im Januar 2020 erschienen fünften Albums. Der Sound von Grey Skies Fallen hat mich echt weggepustet und gedanklich in Bewegung gehalten. Er bewegt sich irgendwo zwischen Death Doom, Progressive und Death Metal mit Melodic Einflüssen und Sludgemomenten. Ja – jetzt rattert es, gell? 

Wie passt das also alles zusammen? Wieso konnte Doom mich in Bewegung halten? Und habe ich schon wieder Hunger, weil ich statt „Picking Up the Pieces“ irgendwas mit Picknick gelesen habe? Eins ist bei der Mischung klar – langweilig wird es definitiv nicht. Der Opener „Visions from the Last Sunset“ steigt wuchtig und doomig ein. Die Gitarre präsentiert dem Thema des Songs angemessen melodische und melancholische Melodie. Dramatischer Klargesang (ziemlich amerikanisch für meine Öhrchen) und doomiges Tempo unterstreichen das Ganze perfekt. Mein Lieblingsmoment des Songs ist, wenn die hallige Gitarre für einen Moment völlig allein in Zeit und Raum zu schweben scheint. Gänsehaut! „Cold Dead Lands“ setzt stimmungsmäßig noch einen drauf. Melodisches Riffing, Drums und Gitarren gehen eine äußerst hörenswerte Liaison ein. Wir grooven doomig vor uns hin. Growls fügen Härte hinzu. Und dann kommt dieser bildschöne cleane Break. Hallig, träumerisch, verloren. Atmen. Dann ändert sich die Stimmung abrupt. Der schleppende Rhythmus, die tiefen Gitarren erzeugen ein Gefühl als ob man sich dem peitschenden Regen entgegenstemmt. Basedrum und Hi-Hats erzeugen einen reizvollen Gegensatz. Ungemütlich und irgendwie traurig. Mit „Procession to the Tombs“ ändert sich die Stimmung wieder. Das mitreißende Riff kommt im Kontrast zu den vorangegangenen Songs fast beschwingt daher. Die Kombination aus Growls und unterschwellig drohendem Bass ist schlicht genial. Die Atmosphäre bedrohlich. Alles in allem steckt hier etwas mehr Death Metal drin und obendrauf noch ein bildschönes Gitarrensolo. „Picking Up the Pieces“ bewegt sich ebenfalls irgendwo im Melodeath- und Progressivebereich. Flott mit kleinen Drumfeuerwerken, Growls und grummelnde Gitarren macht der Song von A – Z Spaß. Vor allem der irre Break. Wooohooo. Drums und Bass kicken dir in den Magen, ist aber egal. Die Gitarrenmelodie legt sich drüber. Die Drums brechen immer wieder rein und schließlich treibt einen ein hummeliges Gitarrenriff vollends in den Wahnsinn. Das Tempo wechselt zwischen doomig und groovig. Cool! Mit „After the Summer Comes the Fall“ (vielleicht eine weitere wichtige Erkenntnis dieser Woche) kehren wir zurück ins Wuchtige und Doomige. Schweres Gitarrenriff und engelsgleicher Gesang als Kontrast. Drums und Gitarre gehen immer wieder rhythmische Symbiosen ein, die mich vom Hocker fegen. Aber nichts gegen den Growl-Drum-Gitarren Orkan der dann losbraust und die Frise vollends zerzaust. Ein durch den Bass fast funkig, jazzig locker wirkender Break – hier bäumt sich der Sommer nochmal auf. Aber die Schwere des Herbstes kehrt mit Macht zurück. Der Gesang wird langsam fies, überhaupt wirken plötzlich alle Instrumente düster und fies, tief, dumpf, dräuend. Nur noch ein wenig leichte, cleane Gitarre wie eine letzte Sommerbrise.

Ich hoffe, ich konnte euch verdeutlichen, was für ein tolles Überraschungsei „Cold Dead Lands“ ist. Da steckt so viel drin, dass man beim ersten Hören gar nicht alles erfassen kann. Immer wenn man es sich in der Musik bequem gemacht hat, kommt irgendetwas Neues, das man wieder einordnen muss. Genau das gefällt mir so gut. Danke, Grey Skies Fallen. Absolut gelungen!

Grey Skies Fallen auf YouTube

Week of discoveries at Thrash! Boom! Bang! Note: if you connect guitar one with guitar two via cable and then switch on the amplifier, no angry swearing will help. It won’t produce the slightest sound. Please also note: the amplifier is not broken, but works perfectly after several minutes of reflection and abashed correction of the cabling error. The second and – let’s be honest – the more important discovery of the week is that of the US band Grey Skies Fallen and their album „Cold Dead Lands“. It is a re-release of their fifth album that was released in January 2020. The sound of Grey Skies Fallen really blew me away and kept my mind moving. It ranges somewhere between Death Doom, Progressive and Death Metal with melodic influences and sludge moments. Yes – now it’s working in the brain, right?

So how does it all fit together? How could Doom keep me moving? And am I hungry again because instead of reading „Picking Up the Pieces“ I read something with a picnic? One thing is clear about the mix – it definitely won’t get boring. The opener „Visions from the Last Sunset“ starts powerful and doomy. The guitar presents melodic and melancholic melodies appropriate to the theme of the song. Dramatic clear vocals (pretty American for my ears) and doomy tempo underline the whole thing perfectly. My favorite moment of the song is when the reverberant guitar seems to float completely alone in time and space for a moment. Goose bumps! „Cold Dead Lands“ goes one better in terms of mood. Melodic riffing, drums and guitars form an extremely good liaison. We groove a bit. Growls add harshness. And then comes this beautiful clean break. Reverberant, dreamy, lost. Breathe. Then the mood changes abruptly. The slow rhythm, the deep guitars create a feeling as if you are resisting the lashing rain. Base drum and hi-hats create a appealing contrast. Uncomfortable and somehow sad. With „Procession to the Tombs“ the mood changes again. In contrast to the previous songs, the sweeping riff is almost lively. The combination of growls and subliminal threatening bass is simply awesome. The atmosphere is threatening in general. All in all there is a bit more Death Metal in there and on top of that a beautiful guitar solo. „Picking Up the Pieces“ is also somewhere in the melodic and progressive area. Fast with small drum fireworks, growls and grumbling guitars, the song from A – Z is fun. Especially the crazy break. Wooohooo. Drums and bass kick in your stomach. The guitar melody lays over it. The drums break in again and again and finally a bumblebee like guitar riff drives you completely insane. The tempo changes between doomy and groovy. Cool! With „After the Summer Comes the Fall“ (maybe another important finding this week) we return to the heavy and doomy. Heavy guitar riff and angelic vocals as a contrast. Drums and guitar repeatedly enter into rhythmic symbioses that sweep me off my feet. But nothing against the growl-drum-guitar hurricane that then roars off and completely messes up our hair. A break that seems almost funky, jazzy and relaxed thanks to the bass – summer rears up again here. But the gravity of autumn returns with force. The singing is slowly becoming nasty, all instruments suddenly seem dark and nasty, deep, dull, threatening. Just a little light, clean guitar like a last summer breeze.

I hope I was able to show you what a „surprise egg“ „Cold Dead Lands“ is. There is so much in it that you cannot grasp everything when you first listen to it. Whenever you’ve made yourself comfortable in the music, something new comes along that you have to put back into perspective. That’s exactly what I like so much. Thank you, Grey Skies Fallen. Absolutely successful!


Tracks:
1. Visions From The Last Sunset
2. Cold Dead Lands
3. Procession To The Tombs
4. Picking Up The Pieces
5. Ways Of The World
6. After The Summer Comes The Fall

Band:
Rick Habeeb – Gesang, Gitarre
Sal Gregory – Schlagzeug
Tom Anderer – Bass