Schluss mit guter Laune – Antikult von Fäulnis

Black Metal
Veröffentlicht: 10.3.2017
Grau / Soulfood
http://www.sickblackart.de


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Antikult von Fäulnis

Einstiege in ihre Alben bekommen Fäulnis ja immer gut hin, das muss man ihnen lassen. Auch bei Antikult, dem neuesten Werk, ist der mit dem knackig-kurzen Metropolis wieder gelungen – sägende Gitarre, Punkriff, Norwegen ’94 und schon ist man mittendrin im Verzweiflungsmoloch. Besser wird es im Verlauf von Antikult auch nicht. Ein Lied klingt hoffnungsloser als das andere – Melancholie, Leid, Leere, aber auch Aggressivität, Wut und Zorn ergeben ein mitreißendes Emotionsgebräu.

Aber kommen wir doch endlich mal zur Musik an sich. Blackdoompunkrock. So bezeichnen Fäulnis ihre Musik selbst und das kommt auch gut hin. MS Fäulnis beispielsweise geht von rasendem Black Metal mit typischer Leadgitarre in knarzenden Punkrock über – inklusive Mitgröhlpassagen. Herrlich traurig-verzweifelt klingende Leadgitarren werden allerorts geboten. Besonders schön, wie ich finde, im Mittelteil von Kadaver. Das begeistert mich sowieso mit wehmutsvollem Hochgeschwindigkeitsschrabbel, Break hin zu verzweifeltem Schreien, besagten Leads und Wechsel zwischen Geknüppel und Breakdowns, übergehend in absolute Gänsehaut. Mann, mann, mann. Bei Arroganz von unten gefällt mir besonders gut die Weiterleitung des Eingangsstampfakkords in ansprechende Arpeggios. Unterschwellig kündigt sich schon der Live-Mitschrei-Teil an, der dann mit einem Break einsetzt:

Fahr mal raus, raus ans Meer,
geh in die Fluten, weil es Zeit ist
Zieh die Schuhe aus und geh ins Meer,
geh in die Fluten, weil es Zeit ist!

Wunderbar. Aber auch danach schon wieder Gänsehaut mit den genialen Black-Metal-Leads.

Reine Verzweiflung folgt mit Das Nagelkratzen. Naja, bei dem Titel. Schön metallisch eingeleitet wird’s schnell zappenduster und ab Minute Nummer Zwei  kommt ein richtig schönes Motiv, das sich mehrmals intensivierend wiederholt. Sehr doomig kommt Block 19, Mahlstrom daher.  Ein simples, effektives Metalriff leitet perfekt den hoffnungslosen Teil mit klagender Leadgitarre, die atmosphärisch schwer an Below the Sun von Ahab erinnert – meine persönliche Assoziation wohlgemerkt. Wo wir gerade bei Vergleichen sind: Wer Agrypnie mag, wird Galgen, kein Humor (Daumen hoch für den Titel) lieben. Blackmetalliger (man kann alles zu einem Adjektiv machen) wird’s nicht mehr. Schnell, hart, auf den Punkt mit nettem Ausklang.

Die Krönung des Ganzen ist aber meiner bescheidenen Meinung nach der letzte Titel Der König. Nachdem oben erwähntes Das Nagelkratzen die Trostlosigkeitsmesslatte hoch gelegt hat, legt Der König noch eine ganze Schippe drauf. War beim Rest der Platte hier und da mal Gänsehaut, ist das hier durchgehend der Fall. Das hier

Der König kann nicht mehr schlafen
Der König spricht nie
Der König, ewiges Schweigen
Der König, grau, stirbt

unterlegt mit der wundervoll schwermütigen Leadgitarre, die dankenswerterweise auch noch häufiger wiederholt wird, lädt zum Einmümmeln und Verzweifeln ein. Grau in grau, trostlos, be- und niederdrückend – starker Tobak. Nun eine Spoiler-Warnung, weil das heute so muss und der Schluss des Liedes für mich etwas überraschend kam und das ganze nochmals versüßt hat. Das i-Tüpfelchen nämlich ist ein Ausschnitt aus Hildegard Knefs Frag nicht warum, das langsam mit einer Gitarrenrückkopplung übertönt wird. Hatte ich das Wörtchen „Gänsehaut“ schon erwähnt?

Man merkt es schon, mir gehen die Worte zur Lobhudelei aus. Ich muss sagen, bei aller Qualität von Snuff // Hiroshima legt Antikult nicht nur nach, sondern kann den Vorgänger sogar übertrumpfen. Klar, Geschmacksache und so. Im Vorfeld der Veröffentlichung hat Seuche, der Frontmann, verlauten lassen, dass er mit Snuff // Hiroshima nicht hundertprozentig zufrieden war. Zu klinisch rein und steril die Produktion, zu viel Potential verschenkt. Das würde ich persönlich nun nicht negativ auslegen, passen doch Klang und Inhalt meines Erachtens perfekt zusammen. Objektiv hat er aber in Teilen durchaus Recht. So klingt Antikult wenig überraschend wesentlich räudiger: Härter, dreckiger, verwaschener kommt das neueste Werk daher, wirkt dadurch metallischer, organischer und voluminöser. Etwas schade ist der in diesem Zuge deutlich in den Hintergrund gemischte Gesang, weswegen man die Texte nur schwer versteht. Aber wofür gibt’s schließlich das Textheft? Dem Gesamteindruck ist dieser Sachverhalt jedenfalls mehr als dienlich: Musik, Gesang – alles eine der Atmosphäre förderliche Einheit. Und gerade weil das Album weniger steril klingt und mit mehr Bums daher kommt, dazu noch die einzelnen Elemente aus Black, Doom, Thrash, Punk, Rock, etc. pp. so passend verquickt, gefällt es mir noch einen Tick besser. Übrigens, Texte: Die sind wieder weit mehr als schmückendes Beiwerk und könnten angemessener mit Schreien, Rufen, Kreischen, Sprechen von Seuche nicht vorgetragen werden. Man merkt, hier steckt viel Arbeit und Herzblut drin.

Jetzt aber genug: Antikult hören, aber pronto!



Quelle: Youtube-Kanal von harddriveprod

Lieder:

  1. Metropolis
  2. Block 19, Mahlstrom
  3. Galgen, kein Humor
  4. MS Fäulnis
  5. Im Auge des Sturms
  6. Kadaver
  7. Arroganz von unten
  8. Das Nagelkratzen
  9. Der König

Besetzung:

C. W. – Bass
H. P. – Schlagzeug
N. N. – Gitarre
M. R. M. – Gitarre
Seuche – Gesang

Black meets folk meets doom. :taudr: von King of Asgard

Black/Death/Folk Metal
Veröffentlicht: 17.03.2017
Trollmusic
http://www.kingofasgard.com/


Taudr von King of Asgard

Taudr von King of Asgard

King of Asgard sind zurück. Die 2008 unter anderem von Sänger und Gitarrist Karl Beckman (ehemals Mithotyn) gegründete Band hat sich seit dem letzten Album „Karg“ personell verändert. Gitarrist Ted Sjulmark und Drummer Mathias Westman sind seit 2015 Teil der Wikingerfamilie. Am 17. März veröffentlichten die Schweden ihr bereits viertes Album namens „:taudr:“.  Es umfasst lediglich fünf Songs. Der fünfte ist außerdem ein Coversong. Soweit so klar. Widmen wir uns also der musikalischen Seite. Gibt’s was Neues in Asgard oder ist dort alles beim Alten?

„:taudr:“ eröffnet mit „The curse and the wanderer“. Ein schwarzmetallisches Riff bestimmt zunächst den Song und tröpfelt im Midtempo so vor sich hin. Wirklich hammermäßig sind die doomig-wuchtigen Einbrüche in die Hauptmelodie, die von einem trötenden Dings aka Lure aka Trompeten von Jericho aka zu viele Bohnen (?) atmosphärisch perfekt unterstrichen werden. Unter hammermäßig kann man getrost auch die donnernden Doublebasses einordnen. Würdiger Einstieg!

„Death… and a new sun“ startet sehr folkig mit einer feinen, kleinen Drehleiermelodie – oder auch hurdy-gurdy für die englischsprachigen Leute unter euch. Sorry, ich musste das Wort hier einfach einbauen. Es ist zu geil. Zurück zum Song. Der groovt ganz nett los und man bangt sich schnell ein. Ein cooles folkiges Riff wird durch ein zweites abgelöst und über allem keift fröhlich Karl Beckman. Der Song entwickelt sich zunehmend in die schwarzmetallische Richtung, die Doublebasses treiben ordentlich an und es gibt ein paar schöne Gitarrenslides.

„:taudr:“ wartet mit einem coolen Drums und Bass Intro auf. Überhaupt ist der Song rhythmisch und drum- und basstechnisch wirklich ein Hinhörer. Auch das bösartige und aggressive Blackmetalgekeife und ein tolles, eingängiges Riff prägen den Titelsong. Gegen Ende gibt’s auch noch ein paar Folkmetalchöre auf die Ohren bevor eine Gitarre im Cleansound das Ganze beschließt. Der doomig und schleppende Beginn von „…for the fury of the norse“ ist vielleicht die größte Überraschung auf dem Album. Der Wechsel zwischen Cleangesang, Chorgesang und Gekeife macht Spaß, ebeso wie die Gitarren, die sich zunehmend in Rage spielen. Der Coversong „Upon raging waves“ (Mithotyn) beschließt das Album stilecht im Wikingerstyle.

Mit „:taudr:“ haben King of Asgard ein kurzes, aber sehr hörenswertes Album abgeliefert. Besonders die Drums knallen ordentlich rein und überzeugen auf ganzer Linie. Aber auch die schleppenden, wuchtigen, doomigen Elemente, die sich immer wieder unter den Black Metal der Schweden mischen, verbreiten frischen Wind. Ansonsten bieten King of Asgard gewohnt schöne Leads, die sofort ins Ohr gehen,  düstere schwarzmetallische Atmosphäre, einige folkige Momente, Chöre und jede Menge episches Wikingerfeeling. Also hisst die Segel!

Quelle: YouTube Channel von Trollmusic: https://www.youtube.com/channel/UCnNWPkDGGd2bO_B8cpcQ0xg


Tracks:

1. The curse and the wanderer
2. Death… and a new sun 
3. :taudr:
4. …for the fury of the norse 
5. Upon raging waves (Mithotyn cover)

Line-Up:

Karl Beckman – Gitarre/Gesang
Jonas Albrektsson – Bass
Ted Sjulmark – Gitarre
Mathias Westman – Drums

Song des Monats 04/17

Der Song des Monats April führt uns in das Reich der nordischen Totengöttin Hel. Ich dachte das passt doch perfekt: Frühlingsbeginn, die Natur erwacht, die Sonne scheint – als typische Deutsche muss ich so viel guter Laune und positiver Stimmung dringend entgegenwirken. Tatsächlich geht mir der Song seit Tagen nicht aus dem Kopf. Also werfen wir doch mal ein Ohr drauf.

„Hel“ findet ihr auf dem 2012 erschienenen Album „Börn Loka“ der isländischen Pagan Metaller Skálmöld. Das Album handelt von den Geschwistern Hilmar und Brynhildur, die von Óðinn die Aufgabe bekommen, drei von Lokis Kindern zu bekämpfen, die gerade ihr Unwesen treiben. Hilmar begegnet auf seiner Reise unter anderem eben auch der Totengöttin Hel. Die versucht natürlich, ihn dazu zu bewegen im Totenreich zu bleiben – er will nicht, es kommt zu einem Disput und weil er die besseren Argumente hat, lässt Hel den guten Hilmar samt seiner Seele ziehen.

Der Song gefällt mir weil er dunkel und böse ist und getragen von einer tiefen Verzweiflung, die mir die Gänsehaut die Arme hoch und runter jagt. Zum einen erzeugen Skálmöld diesen Effekt durch den Liedaufbau. Der Song beginnt recht gemütlich, es folgt ein zarter, akustischer Mittelteil in dem Gitarren, Bass und Drums schweigen und der Gesang die Hauptrolle übernimmt und dann schließt sich ein Schluss an, der einen mit seinen Blastbeats weghaut. Die eigentliche Attraktion ist aber der Gesang der mit einer solchen Intensität daher kommt, dass er  vom Ohr direkt unter die Haut geht und das Herz sich schmerzvoll zusammenkrümmt. Dafür verantwortlich ist Edda Tegeder Óskarsdóttir, eigentlich Sängerin und Gitarristin bei der isländischen Death und Black Metal Band „Angist“, die hier einen Gastauftritt als Hel hat. Ja was soll ich sagen – die Frau ist der Wahnsinn. Ihre Growls sind so herzzerreißend, so verzweifelt und schmerzerfüllt, dass man gleich mitheulen möchte. Diese Growls lassen mich nicht mehr los, seit ich sie das erste Mal gehört habe.

Ich habe für euch die Version von „Hel“ gemeinsam mit dem Isländischen Sinfonieorchester ausgesucht. Eigentlich bin ich kein großer Fan von solchen Kooperationen weil sie oft einfach gemacht wurden, weil es eine Zeit lang Mode war und halt jeder mal mit einem Orchester gespielt haben sollte/wollte. Bei „Hel“ macht es aber Sinn, vor allem in dem langsamen, epischen Mittelteil. Es klingt geil und der Chor verleiht dem Ganzen noch ein wenig mehr Würze. So – jetzt aber viel Spaß beim Hören und Schauen!

Quelle: Youtube Channel von Skalmold: https://www.youtube.com/channel/UCHqJc7tOxovQ2EsYW1MtSOw

Song des Monats 03/17

Mit Ensiferum beginnt dieser Monat mit ordentlich viel Schwung. Ich durfte die finnischen Krieger schon bei zwei grandiosen Konzerten live erleben und daher weiß ich, sie sind immer für eine musikalische Überraschung gut. Um eine solche handelt es sich auch bei „Two of spades“.

Zugegebenermaßen ist der Song ein atemlos machender Headbang-Oberhammer und eine abstoßende 70er Jahre Dschingis Khan Nummer zugleich. Und das schaffen eben nur Ensiferum. Als ich „Two of spades“ das erste Mal hörte, riss mich der dynamische Anfang sofort mit. Beim Mittelteil entgleisten mir die Gesichtszüge und zum Schluss fühlte ich mich verwirrt. Spätestens wenn man den Song einmal live gesehen und gehört hat, bombt er einen aber einfach nur weg. Er verbreitet absolut gute Laune. Und seit Netta Skog auf der Bühne im Mittelteil von „Two of spades“ einen solch charmanten Dschingis Khan abgibt, hat er seinen Schrecken verloren. Inhaltlich geht es übrigens darum sein Leben in vollen Zügen zu genießen – ohne Reue. Na also. Einfach mal wieder einen netten Bridge Abend organisieren.

I go all the way
Night and day
Women, booze and money
It’s all just a game

Hit and run
That’s how I play
All or nothing
That’s the winner’s way

When I woke up this morning
Everything was clear
Besides my head
Who’s the lady in my bed?

I’ll shoot the moon
Nice girls won’t tell
Thanks for nothing
I’ll be on my way to hell

Sweet lady luck on my side
I got ace in the sleeve
Dead man’s hand
I’m armed to my teeth

There is no trick in the book
That I wouldn’t know
Cross me and feel
The embrace of the rope

I’m a high roller
Gambling my life every single day
I’m not a poser
Because the card of my life is two of spades

Jos käy niin, että tänään kuolen,
esi-isien luo, ajan tuolle puolen
edessäin seisovat Valhallan portit
kädessäin hyvin pelatut elämän kortit

[Finnischer Teil:
„If I may die today,
To my ancestors, beyond time
In front of me stands the gates of Valhalla
In my hand well played cards of life.“]

Quelle: YouTube Channel von MissNamarra: https://www.youtube.com/channel/UCqa2rd3cqP_eZVaKMKjNodQ

Heute mal solo unterwegs

So eine Band im Zusammenspiel ist natürlich unheimlich faszinierend. Wenn alles zusammenpasst: Rhythmen, Töne, Akkorde und Melodien ist das erhebend. Wenn die verschiedenen Instrumente miteinander verschmelzen zu einem Ganzen: haaach, herrlich. Genauso toll und atemberaubend kann es aber auch sein, sich auf ein Instrument zu konzentrieren. Ich hab euch hier mal ein paar schöne Beispiele ausgesucht. Viel Spaß!

Klar, Cliff ist und bleibt der Beste. Aber auch Jason Newsted beherrscht sein Instrument doch recht passabel will ich meinen. Der Beweis, dass ein Bass nicht nur dumpf im Hintergrund grummeln muss. Cool, was man dem Instrument doch für Töne entlocken kann.

Quelle: YouTube Channel von Toras Glouschaev: https://www.youtube.com/channel/UCbc5FFL8NGKPWdDJsZhaj0A

Er gehört absolut zu meinen Lieblingsdrummern. Präzise, verdammt schnell und total mitreißend die Vorstellung von Sepultura Drummer Eloy Casagrande.

Quelle: YouTube Channel von sickdrummermagazine:  https://www.youtube.com/channel/UCax-l558sgR8ruEaNWnkRmQ

Einfach nur krank, das gilt für die gesamte Band, insbesondere auch für Fleshgod Apocalypse Drummer Francesco Paoli. Da möchte man sich direkt in den nächsten Schützengraben werfen.

Quelle: YouTube Channel von sickdrummermagazine: https://www.youtube.com/channel/UCax-l558sgR8ruEaNWnkRmQ

Michael und Christopher Amott in Action. Das bringt mein Gitarristenherz zum Rasen.

Quelle: YouTube Channel von Emmanuel Solis Gomez: https://www.youtube.com/channel/UCBBU1ysw9Q1E9t-aALbfKoQ

Sie battlen sich hin, sie battlen sich her. Die bösen Buben von Slayer. Cool, was King und Hanneman da abziehen.

Quelle: YouTube Channel von C54 Metal: https://www.youtube.com/channel/UCS6Z0Iztp6S6Ka3yyCB5khQ

Und zum Abschluss noch ein Battle von den Königen des Posens: Wolf Hoffmann und Peter Baltes von Accept.

Quelle: YouTube Channel von stairwayto_hell: https://www.youtube.com/channel/UC3RsJ_KzPwl1HLVi4gz5aFA

Song des Monats 02/17

Wie soll man einen Lieblingssong aus einem Album voller Lieblingssongs herausgreifen? Eine schrecklich schwierige Aufgabe, die mindestens ein großes Stück Kuchen und einige Nerven benötigt. Und hier ist er, der Song des Monats: „A forest of gravestones“ von Unearthed Elf. Unearthed wer ? mögen sich jetzt einige von euch fragen. Dahinter verbirgt sich nicht Legolas, der nach seiner Filmkarriere nun in Musik macht, sondern eine Ein-Mann-Band bestehend aus Keith D. Den kennen einige von euch wiederum eventuell als Teil von Arctic Sleep. Bei „Into the ctacomb abyss“ handelt  es sich um das erste Werk von Unearthed Elf. Da es sich langsam aber sicher immer tiefer in meine Gehörgänge und mein Herz (schnief) geschlichen hat, mache ich jetzt hier einfach mal ein bisschen Werbung für dieses wirklich wunderbare Album.

„A forest of gravestones“ verbindet drei Komponenten, für die ich mich unheimlich begeistern kann: 1. sehr tief gestimmte, schwere – brachial schwere – Gitarren. 2. märchenhaft bezaubernde, melancholische Melodien und 3. eine Stimme wie hoffnungsloser dunkler Samt (jaja, kann Samt Hoffnungen haben, hat Samt Gefühle – das muss an dieser Stelle jeder für sich beantworten). Diese drei Komponenten tragen auch das gesamte Album, kulminieren aber besonders schön in „A forest of gravestones“. Die doomige, melancholische Atmosphäre, die der Song entfaltet, die dezent epischen Elemente und wie Bass und Gitarren immer wieder mit brachialer Wucht in die herrliche Melodie einbrechen und sie gegen Ende des Songs vollständig wegbomben ist einfach gelungen. Viel Spaß beim Hören!

Quelle: YouTube Channel von Keith D. https://www.youtube.com/channel/UCm5uEfXzsn5ZZ6dBGi4OlEw

Dieses Wabern – Der freiwillige Bettler von Urfaust

Black Metal
Veröffentlicht: 25. November 2010
Ván Records


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Der freiwillige Bettler
(Cover der LP)

Jüngst haben die niederländischen Urfaust – der Name bezieht sich übrigens auf den Urfaust von dem Goethe – ihr neues Werk „Empty Space Meditation“ veröffentlicht. Dadurch – also, eigentlich durch das coole Cover, seien wir doch ehrlich – bin ich, wie ich zu meiner Schande eingestehen muss, erst auf die gehypte (naja) Black-Metal-Band aufmerksam geworden. Die wollte ich doch unbedingt mal hören. Willkürlich hab ich mir irgendein älteres Album herausgesucht, denn wie der erfahrene Musikbegeisterte weiß: „Die alten Sachen waren viel cooler“. Gelandet bin ich wegen des Titels (Kriterium Nr. 2 nach dem Cover) bei „Der freiwillige Bettler“. Und war sofort begeistert. Warum? Das will ich gerne etwas ausführen.

Zunächst ein kleiner Teaser: Was für Musik erwartet einen wohl, wenn die Band ihre spärlichen Live-Auftritte abwechselnd als Seance, Ritual oder „Lo-Fi Black Magick“ tituliert? Wenn ihr jetzt an irgendeinen stinklangweiligen Klangmatsch mit der Klangqualität eines kaputten Küchenradios und irgendeinem doofen okkulten Esoterikquatsch denkt – falsch! Aber die Richtung stimmt.

Ich bin erstmal völlig unbedarft an das Album herangegangen. Das heißt: Ich habe mir nicht eine Sekunde Urfaust angehört, ehe ich „Der freiwillige Bettler“ gelauscht habe. Besonders überrascht hat mich deshalb weniger das fast durchgängig mittlere bis langsame Tempo, wo man doch bei Black Metal zumindest etwas Raserei erwartet. Nein, es war der Gesang: Der mutet doch irgendwie esoterisch-okkult (huch!) an. Wie ein predigender, teils auch opernhafter Singsang – mal rauer, mal sanfter, doch immer andersweltlich. Mal was anderes als das übliche Gekreische. Noch dazu passt diese Art von Gesang zum instrumentalen Teil wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge.

Der ist nämlich monoton, monoton, monoton, monoton, monoton. Jedes einzelne Lied glänzt durch Abwesenheit von Abwechslung und Komplexität – aber: Das ist wie so oft überhaupt nicht schlimm, sondern hier sogar wesentliches und wichtiges Merkmal, ohne das die Musik nicht funktionieren würde. Denn wie immer, wenn ich monotone Musik bespreche, kommt bei dem Hören selbiger keine Langeweile auf. Das liegt nun aber nicht daran, dass es unglaublich tolle Einfälle gäbe oder ausgefuchste Riffs, gibt es nämlich nicht (gut, so ein paar coole Einfälle gibt es schon). Nein, das Geheimnis ist dieses magische Wabern. Die Musik legt sich wie zähflüssiger Äther um den Kopf und dringt in den Kopf, hypnotisch, psychedelisch, tranceartig. Das ist das faszinierende an dieser Platte oder Urfaust. Wenn man sich darauf einlässt, wacht man am Ende benommen aus einem unwirklichen Traum auf, mit dem Gefühl einem unheiligen Mahlstrom gerade noch entgangen zu sein. Um mal wieder einen Literaturvergleich zu bemühen, den ich, ich weiß, schon an anderer Stelle gebracht hatte: Mir ging es dabei wie bei The House on the Borderland von William Hope Hodgson, das von Seite zu Seite albtraumhafter und unwirklicher wird.

Trotz der oben beschriebenen, von Verderbnis erfüllten Grundstimmung gibt es doch emotional genügend Abwechslung zwischen den Liedern. Ob nun eher melancholisch-hoffnungslos wie bei Der Zauberer“, Untergangstimmung bei Der hässlichste Mensch“, oder gar beschwingt (naja, irgendwie relativ gesehen halt) wie bei Das Kind im Spiegel“ – neben all der Verderbnis gibt es genügend Nuancen. Auch mit dem Ein- und Aussetzen der einzelnen Instrumente wird geschickt gespielt – wenn etwa das Schlagzeug fast aussetzt und nur noch der mantrahafte Gesang mit eintönigen Gitarren samt Bass erklingt, intensiviert das die Wirkung noch ein gutes Stück. Überhaupt trägt die übersichtliche Instrumentierung samt wenig komplexen Liedwerks doch deutlich zur schaurigen Stimmung bei. Das trifft auch auf die ungeschliffene Produktion zu, die trotzdem noch eine klare Differenzierung der Instrumente erlaubt.

Fazit: Sehr obskur, schwarze Magie. Absolut empfehlenswert. Achja: Die neue Scheibe ist auch gut.


Lieder:

  1. Vom Gesicht und Rätsel
  2. Der freiwillige Bettler
  3. Das Kind im Spiegel
  4. Der Mensch, die kleine Narrenwelt
  5. Ein leeres Zauberspiel
  6. Der hässlichste Mensch
  7. Der Zauberer

Band:

IX – Gesang, Gitarren, Bass, Keyboard
VRDRBR – Schlagzeug

Temporeich, bedrohlich, aggressiv – „Machine Messiah“ von Sepultura

Thrash/Death/Groove Metal
Veröffentlicht: 13.01.2017
Nuclear Blast
http://sepultura.com.br/


Sepultura - Machine Messiah

Sepultura – Machine Messiah

Das Jahr hat gerade erst begonnen und schon winkt das erste musikalische Highlight. Sepultura präsentierten am 13.01. ihr mittlerweile 14. Album namens „Machine Messiah“. Und da die Thrasher aus Brasilien zum Metal gehören wie die Spätzle ins Schwabenländle, muss ich natürlich gleich mal ein bis zwei Ohren riskieren. Produziert wurde „Machine Messiah“ vom Schweden Jens Bogren, der unter anderem auch schon für die Produktion von Alben von Amorphis, Opeth, Kreator oder Paradise Lost verantwortlich war. Und – auch in seiner Arbeit mit Sepultura beweist der Mann einmal mehr, dass er seine Arbeit versteht, immer die ein oder andere pfiffige Idee mit einbringen kann und schwedische Luft auf Metalmusiker außerdem extrem anregend wirkt.

„Machine Messiah“, der Opener des Albums, startet recht stampfend und gemächlich. Eine Neuerung haben Sepultura da aber schon eingebaut. Derek Green widmet sich dem Cleangesang und das recht gut und lässt den Hörer das erste Mal aufmerken. Allen, die anderer Meinung sind, und die nun schon wieder Luft holen um los zu jammern seien die Selbsthilfegruppen „Ich liebe dich Max – bitte komm doch endlich zurück“ oder „Igitt Cleangesang, wie tief kann man noch sinken“ aufs Wärmste empfohlen.

Schon der zweite Song des Albums „I am the enemy“ rückt den allzu gemütlichen Eindruck aber schnell zurecht. Ein wahres Riffgewitter Marke aggressiver Neckbreaker geht auf die Ohren nieder. Thrash wie wir ihn von Sepultura kennen und mögen würd ich mal sagen. Natürlich wären Sepultura nicht Sepultura wenn sie nicht auch die ein oder andere folkloristische und klanglich außergewöhnliche Note einfließen lassen („Phantom self“, „Iceberg dances“), interessante Rhythmusvarianten präsentieren („Alethea“) oder einfach nur kompromisslos aggressiv und böse abgehen würden („Resistant parasites“, „Silent violence“). So startet „Phantom self“ mit einer kleinen Percussion Einlage gefolgt von orientalisch anmutendem Violinensound. Greens manisches Gekeife und eindringlichen Growls kommen dazu. Herrlich. Kissers Gitarre und die Violinen battlen sich immer wieder und lassen mich begeistert zurück. Im Instrumental „Iceberg dancers“ zeigen Kisser und Casagrande eindrucksvoll, dass sie ihre Instrumente beherrschen. Durch die dezent eingesetzte Orgel kommt kurz 70er Jahre Rock Flair auf, doch hat man sich grad eingehört übernimmt auch schon eine akustische Gitarre die Führung und legt einen äh – sagen wir mal spanisch-folkloristisch anmutenden Part aufs Parkett bevor der Song munter weiter voran prescht. Mit „Silent violence“ und „Vandals nest“ hauen Sepultura dann nochmal alles an Thrash, an Schnelligkeit, an Spielfreude, an Rohheit und Aggressivität und an derben Growls raus was geht und was die glühenden Finger und fliegenden Drumsticks hergeben.

Für das Vorgängeralbum „The mediator between head and hands must be the heart“ haben Sepultura viel Prügel bezogen – bestenfalls gab es höflichen Beifall. Mir hat die Rohheit des Albums eigentlich ziemlich gut gefallen. Diese Rohheit findet sich auch auf „Machine Messiah“. Allerdings klingt alles frischer, wohldurchdachter, schlüssiger. Es wurde eine Prise Heavy Metal dazugegeben und altbekannte Zutaten wie brasilianische Percussion und ausgefallene Klangelemente beigemixt. Herausgekommen ist ein tolles, temporeiches, aggressives, bedrohliches, abwechslungsreiches Album mit kleinen Überraschungsmomenten wie Greens Cleangesangpassagen, orientalisch anmutenden Streichern und einem winzigen Hauch Akustik. Da sag ich doch mal „obrigado“ und gut gemacht meine Herren.

Quelle: Youtube-Channel von Nuclear Blast Records, https://www.youtube.com/channel/UCoxg3Kml41wE3IPq-PC-LQw


Tracks:
1. Machine messiah

2. I am the enemy
3. Phantom self
4. Alethea
5. Iceberg dances
6. Sworn oath
7. Resistant parasites
8. Silent violence
9. Vandals nest
10. Cyber god

Line-Up:

Andreas Kisser – Gitarre
Derrick Green – Gesang
Eloy Casagrande – Schlagzeug
Paulo Jr. – Bass

Klangchaos – Released From Love/You, Whom I Have Always Hated von Thou & The Body

Sludge, Drone, Doom Metal
veröffentlicht: 27.01.2015
Thrill Jockey


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Released From Love/You, Whom I Have Always Hated

Thou sind eine spezielle Band – extrem schwere Musik, mit einem Hang zur Melancholie, nie um eine politische Aussage verlegen und mit einem Fable für längliche Liedtitel. The Body wiederum sind eine fast noch speziellere Band – gewöhnungsbedürftiger Gesang, viel Elektronik , viel Lärm, und, sagen wir mal, wenig lebensbejahend in der Grundausrichtung. Was kommt also raus, wenn diese zwei sehr spezielle Bands eine Kollaboration eingehen? Ein Ungeheuer, ein Monstrum, ein Scheusal von Album.

„Released From Love“ war die erste Zusammenarbeit (kein Split!) von Thou und The Body und erschien bereits 2014, jedoch nur als Schallplatte. Schon ein Jahr später war „You, Whom I Have Always Hated“ fertig. Die beiden Alben wurden dann zusammen veröffentlicht, für Menschen ohne Plattenspieler und einer Aversion gegen rein digital vorliegende Musik auch als CD. Dass es sich um zwei verschiedene Aufnahmen handelt, merkt man zwar, aber nicht überdeutlich. Klanglich ist das Album sehr homogen, lediglich die musikalische Grundausrichtung variiert etwas.

Ab den ersten wuchtigen Takten geht es auf einen vertonten Horrortrip. „The Wheel Weaves As The Wheel Wills“ (dürfte Kennern von „Wheel Of Time“ bekannt vorkommen) wirkt wie ein alles verschlingender Mahlstrom. In „Her Strongholds Unvanquishable“ bricht das Klanginferno nach einem verstörenden Drone-Intro mit einer solch unglaublich bösartigen Gewalt in den Gehörgang, dass man meinen könnte, Thou & The Body hätten soeben das Tor zur Hölle aufgestoßen. Schreckensbilder, Schlachtfelder, gespenstische Erscheinungen ziehen am inneren Auge vorbei.

Beunruhigende und verstörende Elemente finden sich an allen Ecken und Enden. So die dissonante Leadgitarre in „Manifest Alchemy“, die sich über das eigentlich ganz hoffnungsvoll klingende Hauptriff schiebt; die Stellen, an denen die Lieder in ein Chaos aus morastigen Gitarren, knurrendem Bass und verzerrter Elektronik ausarten. Überhaupt zieht sich ein leichter Industrialeinschlag durch das gesamte Album und kommt mal mehr, mal weniger zum Ausbruch. Teils gibt es aber auch Ambientstücke zu hören („He Returns To The Place Of His Iniquity“). Zu der extrem düsteren Stimmung trägt insbesondere auch der Gesang bei. Im Mittelpunkt steht hier Bryan Funck von Thou, der wie ein giftiger Gnom den Text ausspeit. Besonders schaurig wird es aber, wenn Chip Kings (The Body) Stimme schmerzerfüllt und bitterböse im Hintergrund auftaucht.

„Beyond The Realms Of Dream, That Fleeting Shade Under The Corpus Of Vanity“ (was für ein Titel) hat mich kurioserweise an den Silent-Hill-Soundtrack erinnert. Über die stampfenden, klobigen Drums und den extrem verzerrten Bass legen sich (gefühlt) die Trompeten von Jericho. Wenn das nicht das Erwachen Cthulhus ankündigt…

Richtig abgefahren wird es dann im letzten Titel „Lurking Fear“. Nach gewohnt unglaublich hartem Sludgebeginn, gibt es völlig unerwartet einen Mittelteil zu hören, der mit geisterhaftem Klargesang aufwarten kann. Begleitend dazu gibt es ein Wechselspiel aus Schlagzeug und akzentuiertem Bass. Immer spärlicher wird der Instrumentaleinsatz, immer ruhiger wird das Lied. Fast ist nur noch der Gespensterchor zu hören, die titelgebende Angst, die Bedrohung ist schier greifbar. Beklemmend und beeindruckend!

Insgesamt muss ich sagen, dass ich bislang wenig gehört habe, was böser, chaotischer und düsterer geklungen hätte. Die Mischung aus der matschigen, basslastigen Härte und verstörender Elektronik ist gut gelungen. Atmosphärisch sind die alten Horrorliteraturklassiker wie Lovecraft oder Hodgson meiner Meinung nach ein passender Vergleich, vielleicht auch Vorbild. Jedenfalls fühlte ich mehr als einmal atmosphärisch an „House On The Borderlands“ oder „Mountains Of Madness“ erinnert. Angst, Wahnsinn, Chaos, Bedrohung und eine gewisse Surrealität sind die prägenden Elemente.

Quelle: Soundcloud-Kanal von Vinyl Rites


Tracks:

  1. The Wheel Weaves As The Wheel Wills (05:19)
  2. Manifest Alchemy (05:29)
  3. In Meetings Hearts Beat Closer (06:31)
  4. Her Strongholds Unvanquishable (07:22)
  5. The Devils Of Trust Steel The Souls Of The Free (02:08)
  6. Beyond The Realms Of Dream, That Fleeting Shade Under The Corpus Of Vanity (05:11)
  7. He Returns To The Place Of His Iniquity (02:15)
  8. Lurking Fear (06:35)

Line-Up:

The Body
Chip King – Guitars, Vocals
Lee Buford – Drums, Programming

Thou
Bryan Funck – Vocals
Andy Gibbs – Guitars
Matthew Thudium – Guitars
Mitch Wells – Bass Guitar
Josh Nee – Drums

Weitere
Keith Souza – Recording, Additional Percussion
Seth Manchester – Recording, Additional Percussion
Chrissy Wolpert – Additional VocalsReba Mitchell – Additional Vocals

Song des Monats 01/17

So. Nachdem die Weihnachts- und Neujahrszeit vorbei ist, ich einen Halbkreis aus dem Tisch gesägt habe und nun wieder dahinter passe, gibt es auch einen Song des Monats. Der Weihnachtsmann aka Christkind aka Schwägerin und Bruder haben mir das erste und – wegen des Todes von Sängerin Aleah Starbridge leider in dieser Besetzung auch letzte – Album der finnisch-schwedischen Combo „Trees of Eternity“ beschert. Auf „Hour of the nightingale“ habe ich gleich mehrere kleine Schätze gefunden. Einen davon muss ich doch glatt gleich mit euch teilen.

Er heißt „Broken mirror“. Wie in eigentlich allen Songs von „Trees of Eternity“ steht die wunderbare sanfte, dunkle, elfenhafte, melancholische Stimme von Sängerin Aleah klar im Mittelpunkt. Sie harmoniert und ergänzt sich dabei aber perfekt mit den schweren, drückenden, schleppenden Gitarren zu einem doomig-düsteren, fragilen, nachdenklichen Gespinst, das begeistert und Gänsehaut erzeugt – oder das begeisterte Gänsehaut erzeugt? Urteilt selbst!

Quelle: YouTube Channel von Svart Records: https://www.youtube.com/channel/UC2DkelwQMahAUN3jOsbNhRg