„Ohne Musik würde ich nur jammern/sterben/explodieren.“ – Interview mit A Dance In Yellow

Wohooo. Interviewtime. Heute erfahrt ihr Spannendes über Jonas Werling aka A Dance In Yellow und sein neues Album „Madness and Blood“. Da geht es ja viel um Grusel und Horror und da ich Jonas nach seinem gruseligsten Erlebnis gefragt habe, möchte ich hier nun auch meines zum Besten geben. Ich saß nachts mit einer Freundin in unserem beschaulichen Dörfchen auf einer Mauer und wir quatschten. Plötzlich hörten wir schleppende, schlurfende Schritte, die sich langsam näherten. Erst versuchten wir es zu ignorieren – kann ja nix Schlimmes sein pfff – dann wurde die Angst übermächtig und wir flüchteten wie von wilden Hunden gehetzt zu meiner Freundin nach Hause, da sie glücklicherweise in der Nähe wohnte. Jo, hab dann auch spontan dort übernachtet. Nach dieser Heldengeschichte aber zurück zum Interview. Jonas beantwortet unter anderem die Frage, warum er dem Spiel „Eldritch Horror“ ein ganzes Album gewidmet hat, wie die Aufnahmen zum Album so gelaufen sind und wie er auf die Ideen zu seinen Songs kommt. Und was hat eigentlich ein Schweineherz mit alldem zu tun? Na, neugierig geworden? Dann rein ins Interview! Und falls ihr das Review zum Album „Madness and Blood“ von A Dance In Yellow noch nicht gelesen habt – hier geht’s lang. Es lohnt sich! (English version below)

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T!B!B!: Wann und wie ist dein Projekt „A Dance In Yellow“ entstanden und wie bist du auf den Namen gekommen?

A Dance In Yellow: Erste Songs zu „A Dance In Yellow“ entstanden 2018. Damals war ich sehr beeindruckt von Bands wie Inferi, und wollte mich auch an Technical Death Metal (oder etwas Ähnlichem) versuchen. Das Ergebnis dieser Bemühungen war dann „The Cracks in the Wall“, eine erste Sammlung von dann doch eher atmosphärischen Death Metal-Songs. Für einen dieser Songs erfand ich den Namen „A Dance In Yellow“, als Referenz zu dem König in Gelb aus der gleichnamigen Kurzgeschichtensammlung von Robert W. Chambers. Und diesen Namen fand ich dann für das Projekt so passend, dass ich ihn übernommen habe.

T!B!B!: Wieso hast du dich für ein Einmann Projekt entschieden und nicht für eine „normale“ Band?

A Dance In Yellow: Das hat vor allem damit zu tun, dass ich seit Jahren selbst für mich Musik schreibe und aufnehme. A Dance In Yellow ist als Soloprojekt entstanden und ich hatte nicht die Zeit und/oder den Willen, mir eine ganze Band zusammenzusuchen. Auch aus Angst, dass ich meine eigene Vision nicht so umsetzen können würde, wie ich mir das wünsche. Es war eher ein Projekt für mich, an dem ich wachsen und mehr über die Musik lernen konnte, die ich machen will.

T!B!B!: Dein neues Album „Madness and Blood“ ist ein Konzeptalbum. Welches Konzept steckt denn dahinter?

A Dance In Yellow: Das Vorgänger-Album „The Cracks in the Wall“ hatte viel Bezug zu Lovecraft’schen Werken, teilweise mit Originalzitaten. Das lag vor allem daran, dass mir das Brettspiel „Eldritch Horror“ sehr gut gefällt und eine große Fülle an fantastischem Material auf sehr anschauliche und atmosphärische Weise vermittelt. Das hat bei mir großen Eindruck hinterlassen, und ich wollte unbedingt ein „richtiges“ Konzeptalbum zu dem Spiel machen. Dieses Konzeptalbum wurde dann „Madness and Blood“. Ich habe mich stark an dem Spiel orientiert, auch am chronologischen Ablauf einer Partie, und habe versucht möglichst gut zu vermitteln, wie großartig seine Atmosphäre gestaltet ist.

T!B!B!: Welche Bedeutung hat das Spiel „Eldritch Horror“ für dich? Wieso hast du es als Thema für ein ganzes Album ausgewählt?

A Dance In Yellow: Ich liebe total, wie viele Details, wie viel Atmosphäre in dem Spiel steckt. Es schafft eine extrem gute Balance aus Bewegung im Gameplay, ohne an Erzählkraft zu verlieren. Außerdem ist es ein pures „Koop“-Spiel, nicht wie viele andere Spiele in denen man gegeneinander spielt. Die Spielenden gewinnen oder verlieren zusammen, müssen entsprechend gemeinsame Strategien entwickeln und werden unweigerlich verlieren, wenn sie nicht zusammenarbeiten. Das Spiel hat mich ernsthaft geprägt, in dem Sinn, dass es mir einige sehr schöne Erinnerungen geschaffen hat.

T!B!B!:  Was ist das Schaurigste, Gruseligste, das du je erlebt hast?

A Dance In Yellow: Ich war mal für Requisitenbeschaffung (für einen Monolog, den ich gespielt habe) in so einem Schlachthauskomplex. Da konnte man direkt angrenzend an den Schlacht/Fleischerei-Bereich Tierteile kaufen, ich brauchte ein Schweineherz (weil es sehr ähnlich aussieht wie ein Menschenherz). Das gab es dort sehr günstig zu kaufen, aber ich musste natürlich da rein. Ich habe zum Glück keine Todesschreie gehört – aber die Kreissäge im Nebenraum. Vermutlich wurde damit grade ein Brustkorb aufgesägt oder so. Dieses Geräusch, das verfolgt mich bis heute.

T!B!B!: Wie schreibst du deine Songs? Wie kommst du auf die Ideen?

A Dance In Yellow: Oft bilden Ideen/Themen die Basis meiner Songs. Ich denke über ein Thema nach, suche nach Konzepten, und probiere dann entweder textlich oder an meiner Gitarre herum bis ich ein Riff oder eine Melodie habe, die meiner Meinung nach zu dem Thema passt. Bei manchen Songs wie „The All-Devouring“ habe ich mehr mit Struktur angefangen und versucht zu erspüren, wie schnell/komplex/stark welcher Teil sein muss, während Songs wie „Boon of the Ancients“ erstmal Riffs waren, die ich dann in Struktur gebracht habe. Wenn dann ein Grundgerüst steht, fülle ich das dann mit Begleit- oder/Leadgitarren, Keyboardparts, schaffe Übergänge. Danach bastle ich meistens Text oder Drums, ab und zu zusätzliche atmosphärische oder orchestrale Teile. Der Bass kommt immer zuletzt.

Zu den Ideen: Ich benutze meine Musik, um auszudrücken, was in mir drin ist. Durch meine Faszination und die guten Erinnerungen ist viel von Eldritch Horror in mir drin. Aber gleichzeitig ist auch viel anderes in mir drin, was sich damit mischt: Musik, die ich mag, das Bewusstsein über aktuelle Konflikte, Wut über Ungerechtigkeiten, die Angst vor einem Kollaps der Zivilisation und so weiter.

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T!B!B!: Du hast das Album komplett selbst zu Hause aufgenommen. Wie war das und welche Schwierigkeiten gab es vielleicht auch?

A Dance In Yellow: Sehr praktisch am zu Hause aufnehmen ist, dass es keinen Zeitdruck gibt. Ich musste nicht in drei Tagen alles raushauen, sondern habe im Lauf von zwei Jahren alles nach und nach aufgenommen. Durch digitale Amps konnte ich alle Gitarrenspuren verwenden, auch wenn sich meine Konfiguration zwischendurch nochmal geändert hat. Schwierig war unter anderem eben, dass ich keine festen „Bandproben“ und nicht so viel spielerische Finesse hatte. Einige Gitarrenparts haben ewig gebraucht, bis ich sie im Liedkontext sicher spielen konnte. Ich wollte unbedingt vermeiden in „Stückchen“ aufzunehmen, da ich einen organischen Sound wollte, bin jetzt aber sehr glücklich mit dem Ergebnis. Gesang aufnehmen war natürlich auch schwierig – ich wohne zwar im Dorf, wo es weniger Verkehr gibt, aber wenn der Nachbarshund bellt oder ein Traktor durchfährt, geht natürlich gar nichts. Ich musste immer einen Tag/Zeitpunkt abwarten, wo ich 1. daheim und 2. es leise genug war. Gestört hat sich an meinem Gekreisch aber scheinbar niemand, es gab keine Beschwerden.

Ich will noch kurz was zum Mixing/Mastering sagen: Ich bin total glücklich, dass ich mir die Hilfe von Angel Marcloid von Angel Hair Audio dazugeholt habe. Die hat mir nicht nur super gute Hilfestellung beim Mix gegeben, sondern auch einen phänomenalen Job beim Mastering gemacht. Das Album klingt nur wegen ihr so gut!

T!B!B!: Wird es auch Liveshows von A Dance In Yellow geben?

A Dance In Yellow:  Ich wäre super glücklich, Lieder von A Dance In Yellow live zu spielen! Aber dafür bräuchte ich eine Band – und die zu suchen, mit der zu proben, dafür fehlt mir grade glaube ich die Zeit… Mal sehen. Geil wäre es schon.

T!B!B!: Hast du musikalische Vorbilder oder Bands und Musiker, die dich inspirieren?

A Dance In Yellow: Ich muss Inferi nennen als Band, die mich hauptsächlich zu diesem speziellen Projekt inspiriert hat. Ich liebe die, die sind großartig und haben mir eine neue Art von Liebe für Musik und Metal gezeigt. Außerdem muss ich Akrea (und damit auch Aspar) nennen als großen Einfluss. Die haben mich damals mit dazu inspiriert, Metal-Vocals zu lernen. Und ich denke auch Equilibrium (vor allem das Album „Sagas„) ist eine Band, die mich stark geprägt hat, die mir wunderschönen und doch „auf die Fresse-“ Metal eröffnet haben. Und dann natürlich noch Bands wie Children of Bodom, Rhapsody of Fire, Finntroll… naja. Eine Menge!

T!B!B!: Was bedeutet Musik für dich?

A Dance In Yellow: Musik ist eine der vielen Arten, wie Menschen sicher ausdrücken können, was in ihnen drin ist. Ohne Musik würde ich nur jammern/sterben/explodieren. Ich brauche Musik um zu leben, und ich denke, das trifft auf viele Menschen zu. Hören wie machen, Musik ist für mich essenziell, existenziell.

T!B!B!: Vielen Dank für das Interview und alles Gute für dich und dein Album!


English version

Wohooo. Interview time. Today you will learn exciting things about Jonas Werling aka A Dance In Yellow and his new album „Madness and Blood“. It’s all about spooky and horror, and since I asked Jonas about his scariest experience, I’d like to share mine with you. At one night I sat with a friend in our tranquil village on a wall and we chatted. Suddenly we heard dragging, shuffling footsteps slowly approaching. First we tried to ignore it – it can’t be anything bad pfff – then the fear became overwhelming and we fled to my friend’s home as if hunted by wild dogs, because luckily she lived nearby. Yes, I spontaneously stayed there overnight. But after this heroic story, back to the interview. Among other things, Jonas answers the question of why he dedicated an entire album to the game „Eldritch Horror“, how the recordings for the album went and how he gets his ideas for the songs. And what does a pig’s heart actually have to do with all of this? Are you curious? Then jump right into the interview! And if you haven’t read the review of A Dance In Yellow’s album „Madness and Blood“ yet – here you go. Worth it!

T!B!B!When and how did your project A Dance In Yellow come about and how did you come up with the name?

A Dance In Yellow: First songs for „A Dance In Yellow“ were written in 2018. At that time I was very impressed by bands like Inferi, and also wanted to try Technical Death Metal (or something similar). The result of these efforts was „The Cracks in the Wall“, a first collection of rather atmospheric Death Metal songs. I chose the name „A Dance In Yellow“ for one of those songs, as a reference to the King in Yellow from Robert W. Chambers‘ collection of short stories of the same name. And I found this name so suitable for the project that I adopted it.

T!B!B!: Why did you choose a one-man project and not a „normal“ band?

A Dance In Yellow:  That mainly has to do with the fact that I’ve been writing and recording music for myself for years. A Dance In Yellow started as a solo project and I didn’t have the time and/or will to put together a whole band. Also out of fear that I would not be able to implement my own vision as I wish. It was more of a project for me to grow and learn more about the music I want to make.

T!B!B!: Your new album „Madness and Blood“ is a concept album. What is the concept behind it?

A Dance In Yellow: The previous album „The Cracks in the Wall“ had a lot to do with Lovecraft’s works, partly with original quotes. This was mainly due to the fact that I like the board game „Eldritch Horror“ very much and it conveys a great deal of fantastic material in a very vivid and atmospheric way. That made a big impression on me, and I really wanted to make a „proper“ concept album for the game. This concept album then became „Madness and Blood“. I followed the game closely, including the chronological sequence of a game, and tried to convey as well as possible how great its atmosphere is.

T!B!B!: What does the game „Eldritch Horror“ mean to you? Why did you choose it as a theme for an entire album?

A Dance In Yellow: I absolutely love how much detail, how much atmosphere there is in the game. It strikes an extremely good balance of movement in gameplay without sacrificing narrative power. Also, it’s a pure „co-op“ game, unlike many other games where you play against each other. Players win or lose together, must strategize accordingly, and will inevitably lose if they don’t work together. The game seriously left an impression on me in the sense that it created some very fond memories for me.

T!B!B!: What’s the scariest thing you’ve ever experienced?

A Dance In YellowI once went to a slaughterhouse complex for prop procurement (for a monologue I acted out). You could buy animal parts right next to the slaughter/butchery area, I needed a pig’s heart (because it looks very similar to a human heart). You could buy it there very cheaply, but of course I had to go in there. Luckily I didn’t hear any death screams – but the circular saw in the next room. A chest was probably just sawn open with it or something. That noise haunts me to this day.

T!B!B!: How do you write your songs? How do you come up with the ideas?

A Dance In YellowIdeas/themes often form the basis of my songs. I think about a theme, look for concepts, and then play around either lyrically or with my guitar until I come up with a riff or melody that I think fits the theme. On some songs like „The All-Devouring“ I started out more with structure and trying to sense how fast/complex/strong which part needed to be, while songs like „Boon of the Ancients“ there were riffs first and then I started to bring it into a structure. When the basic framework is in place, I fill it with accompanying or/lead guitars, keyboard parts, and create transitions. After that, I usually play around with lyrics or drums, occasionally additional atmospheric or orchestral parts. The bass always comes last. About the ideas: I use my music to express what’s inside me. Because of my fascination and good memories, I have a lot of Eldritch Horror in me. But at the same time there is a lot of other stuff inside me that mixes with it: music I like, awareness of current conflicts, anger at injustice, fear of civilization collapsing and so on.

T!B!B!: You recorded the album entirely yourself at home. How was that and what difficulties did you face?

A Dance In Yellow: One of the great things about recording at home is that there is no time pressure. I didn’t have to make everything ready within three days. I recorded everything little by little over a period of two years. Thanks to digital amps, I was able to use all the guitar tracks, even if my configuration changed again in between. One of the difficult things was that I didn’t have any fixed „band rehearsals“ and didn’t have that much playful finesse. Some guitar parts took a very long time before I could play them safely in the context of the song. I really wanted to avoid recording in „chunks“ as I wanted an organic sound, but now I’m very happy with the result. Of course, recording vocals was also difficult – I live in a village where there is less traffic, but of course nothing works when the neighbor’s dog barks or a tractor drives through. I always had to wait for a day/time when I was 1. at home and 2. it was quiet enough. Apparently nobody was bothered by my screeching, there were no complaints.

I just want to say something about the mixing/mastering: I’m so happy that I asked for the help of Angel Marcloid from Angel Hair Audio. Not only did she give me super good help with the mix, she also did a phenomenal job with the mastering. The album only sounds so good because of her!

T!B!B!: Will there be live shows from A Dance In Yellow?

A Dance In Yellow:  I would be super happy to play A Dance In Yellow songs live! But for that I would need a band – and I don’t think I have the time to look for members and rehearse with them… We’ll see. It would be cool.

T!B!B!: Do you have musical role models or bands and musicians who inspire you?

A Dance In Yellow: I have to name Inferi as the main inspiration for this particular project. I love them. They are great and showed me a new kind of love for music and metal. Also, I have to name Akrea (and therefore Aspar) as a big influence. They inspired me to learn metal vocals. And I also think Equilibrium (especially the album „Sagas“) is a band that had a strong influence on me, that opened up beautiful and yet „in your face“ Metal to me. And then of course bands like Children of Bodom, Rhapsody of Fire, Finntroll… well. A lot!

T!B!B!: What does music mean to you?

A Dance In Yellow: Music is one of the many ways people can safely express what’s inside them. Without music I would just whine/die/explode. I need music to live and I think that applies to a lot of people. Listening to music and making it is essential for me, existential.

T!B!B!: Thanks very much for the interview and all the best for you and “Madness and Blood”.

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