„Musik bedeutet Identität.“ – Interview mit Janni von Lady Crank

So. meine Einschätzung zum neuen Album Scylla/Charybdis von Lady Crank habe ich ja schon abgegeben. Aber ich dachte, es wäre eine gute Idee die Band und das Album noch ein wenig näher kennenzulernen. Ihr auch? Perfekt! Hier kommt mein E-Mail Interview mit Sänger Janni mit freundlicher Vermittlung durch Drummer Christoph. Viel Spaß!

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T!B!B!: Wie würdet ihr euren Musikstil bezeichnen?

Janni: Sich heutzutage auf einen Musikstil zu reduzieren ist schwierig. Wir sind wie viele Filme, die in den letzten Jahren aus Süd-Korea kommen – ein Gemisch aus allem. Zoomt man rein, findet man Hardcore-Elemente, Punk-Anleihen, Grunge-Krümel, Metal-Späne, Pop-Liebeleien, Progressive Zweige usw. Das Ganze ist also ziemlich interdisziplinär. Der Einfachheit halber kann man es Post-Hardcore nennen, was aus meiner Sicht sowieso ein Sammelbegriff ist.

T!B!B!: Was macht eure Musik aus?

Janni: Wir haben in den meisten Stücken keine klassischen Songstrukturen. Wir können während eines Songs sowohl lyrisch als auch musikalisch verschiedene Blickpunkte auf ein Thema oder Stadien des Wütens, Trauerns und des Grauens durchlaufen. Als Autodidakt habe ich wenig Ahnung von Musiktheorie und gebe auch relativ wenig drauf, weshalb unsere Musik auch durchaus chaotisch sein kann und Theorieliebhabern vielleicht die Ohren bluten lässt. Außerdem sind wir ziemlich laut und rau.

T!B!B!: Was bedeutet Musik im Allgemeinen für euch?

Janni: Musik bedeutet Identität. Eine zu haben, eine zu finden, eine zu entwickeln war während der Pubertät extrem wichtig, kennt jeder. Für mich zumindest hat Musik genau dazu beigetragen und tut es noch heute. Der Fakt, dass ich noch heute Gänsehaut bekommen kann, wenn ich Musik höre, sollte klar machen, dass es eine höchst emotionale Angelegenheit ist.

T!B!B!: Worauf legt ihr bei eurer Musik besonderen Wert?

Janni: Wir legen keinen besonderen Wert auf etwas außer darauf, dass wir glücklich mit dem sind, was wir tun.

T!B!B!: Worum geht es in den Songs auf Scylla/Charybdis?

Janni: In dem Song zu unserer aktuellen Single ‚Feed The Rats‘ geht es um die Auseinandersetzung mit mir selbst. Mit meiner Sicht auf Gesellschaft, meinem Blick auf mich selbst und meinem Handeln. Dieser Song war ein Bewältigungsprozess, der mich dazu gebracht hat mich politisch noch mehr zu engagieren. Er lässt sich aber auch als Kritik an eine suizidal anmutende Gesellschaft lesen.
In den Songs geht’s, wie der Titel es andeutet, um die Wahl zwischen einem Übel und einem weiteren Übel. Ich habe viele beschissene Erfahrungen gemacht oder ärgere mich sehr über gewisse Zustände. Allerdings biete ich in einem Song auch eine alternative, vielleicht positivere Betrachtungsweise an.
Konkrete Themen sind Populismus und der Umgang damit – Polizeigewalt – Drogensucht –  Politik – Menschen- und Rollenbilder, die in den Medien vermittelt werden und der damit verbundene Konsum.

T!B!B!: Wie lang habt ihr am Album gearbeitet und wie muss man sich so einen Albumentstehungs- und Aufnahmeprozess bei Lady Crank vorstellen?

Janni: Die Aufnahmen waren leider recht schwierig, weil ich zu Beginn der Aufnahmen für lange Zeit sehr krank war. Deshalb und aufgrund der Ansteckungsgefahr konnte ich bei vielen Prozessen nicht dabei sein. Dies hatte zur Folge, dass sich die Aufnahmen über einen sehr langen Zeitraum erstreckt haben. Dann kamen noch finanzielle Schwierigkeiten dazu. Ein Album aufzunehmen, zu pressen, zu bewerben, mit Videos usw. ist kein günstiges Unterfangen. Es war ne beschissene Zeit, vor allem, weil ich es liebe aufzunehmen und mit Christoph und Johannes rumzuhängen. Um so mehr hat jeder Progress, zumindest bei mir, enorme Euphorie hervorgebracht.
Früher haben wir Songs geschrieben, fanden sie geil und haben sie einfach aufgenommen. Nachdem wir unsere letzte EP ‚Bad Attitude‘ aufgenommen haben, wussten wir was uns am meisten Spaß macht und haben uns weiter in jene Richtung bewegt. Daraufhin haben wir einen Haufen Songs weggeschmissen, die wir zu jenem Zeitpunkt bereits geschrieben hatten und fingen komplett von vorne an. Wir haben also ungefähr eineinhalb Jahre an dem Album gearbeitet. Auf dem Weg dorthin haben wir uns von über 20 Songs und noch viel mehr Ideen verabschiedet.

 

T!B!B!: Vielen Dank für das spontane E-Mail Interview und viel Erfolg für Scylla/Charybdis!

Irre gut. „Perpetual Creeping Horrors“ von One Past Zero

20191103_155730Heute möchte ich eure geneigte Aufmerksamkeit noch einmal auf eine EP lenken, die mir sehr am Herzen liegt – weil sie einfach geil ist: „Perpetual Creeping Horrors“ von One Past Zero. Wer auf herrlich irren, schrägen, abgeratzten 70ies inspirierten Rock-Doom steht, kann seinen Ohren mit dieser EP etwas Gutes tun. Ich hatte gestern einen extrem glücklichen Moment am Briefkasten. Den Grund dafür seht ihr auf dem Bild. Cooles Cover, oder? Ick freu mir riesig.

https://onepastzero.bandcamp.com/

 

You Tube Channel rebejr1

Neues von One Past   Zero

Jüngst erreichte mich neues Promomaterial von der Ulmer Band One Past Zero verbunden mit den neuesten Neuigkeiten. Da mache ich mich doch gleich auf, die frohe Botschaft unter das Metal Volk zu bringen. Im September wird die neue EP „Perpetual Creeping Horror“ von One Past Zero auf den Markt kommen. Ich bin jetzt schon ganz hibbelisch, was für Perlen die Band da auspacken wird, steht sie doch bisher für einen ganz und gar unkonventionellen Mix aus schrammeligem, krawalligem Stoner Rock/Metal, Doom, Sludge mit einem gehörigen Schuss Ozzy Osbourne und einer Prise Punk. Der Song „Corpse Grinder“ auf der Promo 19 CD beweist, dass Death Metal und ein paar deftige Growls ebenfalls hervorragend in den Sound von One Past Zero passen. Die Grundstimmung der Songs ist rundweg herrlich düster und creepy. Die Band lässt sich in keine Schublade pressen und das macht die Songs so irre, faszinierend und eigen. Der September wird großartig.

YouTube Channel von rebejr1

Metal United World Wide 2019

Metal United World Wide wurde ins Leben gerufen von Metal-Roos und Black-Roos Entertainment. Das Projekt bringt Metal Bands und Metal Fans rund um den Globus zusammen zu einer großen Metal Party und soll das Gemeinschaftsgefühl unter Metallern auf der ganzen Welt fördern. Weitere Infos findet ihr hier: www.metal-united-world-wide.com Dieses Jahr fand das Event am 15. Juni statt. Die Band Envenomed hat dafür extra den Song „Metal United“ geschrieben. Viel Spaß beim Hören:

You Tube Channel von El Puerto Records

Mind Enemies mit neuer Single und Video

Wohoo. Neuer Stoff aus Italien. Genauer genommen von Mind Enemies. Die Single „Remember“ ist melancholisch, düster und transportiert einen Hauch von Grunge. Aber vor allem – das Intro ist einfach nur zum Verlieben schön. Sie ist der erste Vorbote der am 13. Dezember erscheinenden EP „Eponymous“. Man darf gespannt sein. Einstweilen viel Spaß beim Hören von „Remember“.

YouTube channel von MindEnemiesVEVO: https://www.youtube.com/channel/UCicilRP7CeVarQbm3b4Woow

Merry Rockin‘ Christmas

Ich wünsche euch allen frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr. Treibt es nicht zu bunt! Okay, das war jetzt blöd, bunt ist dem Metaller schließlich ein Gräuel. Für das nötige Festtagsfeeling sorgt auch in diesem Jahr wieder Leo Moracchioli – weil er einfach die besten Metal Cover macht, die es gibt. Und weil der Bass mit den roten Saiten ja mal hammergeil ist und so toll zu Weihnachten passt. Also: Viel Spaß mit „Rockin‘ Around the Christmas Tree“ und bis zum nächsten Jahr.

Quelle: YouTube Channel von Frog Leap Studios: https://www.youtube.com/channel/UC98tcedR6gULv8_b70WJKyw

And the winners are…

So. Die Verlosung der beiden CDs aus den rezensierten Alben 2017 ist zu Ende. Super, dass so viele mitgemacht haben. Nun aber zu dem, was euch wahrscheinlich brennend interessiert. Gewonnen haben:

Ylfinge W.
Kay K.

Yehea! Herzlichen Glückwunsch! Viel Spaß beim Hören und Bangen.

Gewinnspiel. Metal Album aus 2017 zu gewinnen!

Das Jahr tröpfelt langsam aber sicher dem Ende zu. Zeit für die üblichen Rückblicke und Resümees: War die Festivalzusammenstellung dieses Jahr perfekt oder gibt es noch Optimierungsbedarf? Wird der Metflaschenvorrat über Weihnachten reichen oder verlangen das Ertragen der Verwandtschaft und die Verdauung des Weihnachtsbratens nach ein paar zusätzlichen Flaschen? Wann im neuen Jahr werde ich meine Füße wieder sehen können? Habe ich genug neue Alben gekauft? Waren die alten Alben wie immer alle besser oder gab es Überraschungen? Welches Bandshirt fürs Fest und mit welchem starte ich ins neue Jahr? Was macht Helene Fischer in meinem CD-Regal?

Diese Liste könnte man noch beliebig verlängern – keine Sorge ich belasse es jetzt mal dabei. Mich interessiert heute, welches euer ganz persönliches Musikhighlight in diesem Jahr war. Welches Album hat euch so richtig vom Hocker gerissen, überrascht, zum Bangen, Lachen, Weinen oder Tanzen gebracht? Kommentiert unter dem Beitrag – entweder bei Facebook oder bei WordPress. Es lohnt sich, denn ich verlose unter allen Kommentaren zwei CDs. Ihr könnt wählen zwischen „Taudr“ von King of Asgard, „Two Paths“ von Ensiferum, „Ulfven“ von Ereb Altor, „The Secrets of the Magick Grimmoire“ von Elvenking oder „Machine Messiah“ von Sepultura. Nennt mir also in eurem Kommentar auch, welches Album ihr gern gewinnen möchtet. Es sind alles Alben, die ich dieses Jahr rezensiert habe. Wer sich unsicher ist, kann also nochmal nachschauen.

Zeit habt ihr dafür bis zum 17.12.2017 um 23:59 Uhr – und keine Sekunde später! Also, raise your horns und viel Glück.

Magisch. „Secrets Of The Magick Grimoire“ von Elvenking
Altbekanntes und frischer Wind. „Two Paths“ von Ensiferum
Packend. Die Geschichte vom Wolf – Ulfven von Ereb Altor
Black meets folk meets doom. :taudr: von King of Asgard
Temporeich, bedrohlich, aggressiv – „Machine Messiah“ von Sepultura

Das Kleingedruckte
Die beiden Gewinner werden aus allen Teilnehmern ausgelost. Jeder Gewinner erhält eine der zur Auswahl gestellten CDs. Der Name/ Nickname des Gewinners wird nach der Auslosung auf Thrash!Boom!Bang! veröffentlicht und der Gewinner außerdem per E-Mail oder Facebook benachrichtigt (bitte denkt also daran, beim Kommentieren eine tatsächlich von euch genutzte E-Mail-Adresse zu benutzen bzw. in eurem Facebook-Profil die Kontaktaufnahme per Nachricht zu erlauben). Die Adressdaten des Gewinners werden nur für den Versand benötigt und werden nicht an Dritte weitergegeben. Eine Barauszahlung des Gewinns ist nicht möglich. Versand nur innerhalb Deutschland und Österreich. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Mit der Teilnahme am Gewinnspiel erklärt ihr euch mit diesen Bedingungen einverstanden.

„Metal ist die Musikrichtung, in der man am besten man selbst sein kann.“ Interview mit Tobias Holzinger von Melodramatic Fools

Im Review zu „Dog in the Rain“ habt ihr schon einiges über die Melodramatic Fools und ihr neues Album erfahren. Lest jetzt im Interview mit Drummer Tobias Holzinger wie die Band zusammengefunden hat, wie sie ihre Songs schreibt und welche Rolle das Thema ‚Ungerechtigkeit‘ in ihren neuen Songs spielt.

Melodramatic Fools

Melodramatic Fools

T!B!B!: Wie habt ihr als Band zusammen gefunden? Kannst du ein wenig zu eurem Hintergrund sagen?

Tobias Holzinger: Die Band war ursprünglich eine Schulband einer Mittelschule, in der am Anfang nur Simon mit dabei war, mit einem Mitschüler am Schlagzeug und einem Lehrer am Bass. Es wurden Coversongs gespielt. Nachdem Simon und Burak nicht mehr an der Schule waren, wollten sie weitermachen und haben nach Mitstreitern gesucht und Maximilian und Timo gefunden. Simon kannte Timo von der Schule und Timo spielte mit Max in einer anderen Coverband. Da sie den Plan hatten auch eigene Songs zu machen, hatten die beiden auch Interesse. Burak, der Schlagzeuger, war aber irgendwann immer unzufriedener und ist dann mit seiner Freundin weggezogen, worauf Simon mich angeschrieben hatte, ob ich Lust auf die Fools hätte. Ich hatte die Fools schon zwei mal gesehen, kannte Burak persönlich und wusste, dass Simon ein Hammer Sänger ist, hatte gerade keine Band, aber zwei weitere Angebote. Die drei erklärten mich als tauglich und ich war auch gleich begeistert. Einfach, weil ich volle Kontrolle über die Schlagzeugstimme hatte. Bei einer anderen Band wäre ich nur der gewesen, der Sachen vom Songwriter nachspielt. Auch menschlich haben wir uns gleich super verstanden. Es hat einfach viel mehr Spaß gemacht! Und tut es auch immer noch. Ich kann stolz sagen, dass wir in den drei Jahren zu echt guten Freunden geworden sind, die schon echt viel erlebt haben mit Höhen und Tiefen.
 
T!B!B!: Warum spielt ihr Metal bzw. was bedeuten Metal und Musik generell für euch?
 
Tobias Holzinger: Nun ja wir selbst hören gerne Metal und gehen zu vielen Konzerten und Festivals. Ich denke, dass ich für die ganze Band spreche, wenn ich sage, dass Metal einfach die Musik ist, in der man am besten man selbst sein kann. Es gibt in jeder Musikrichtung gute Musiker und Songs. Aber im Metal muss man sich nicht dafür schämen, seine Emotionen zu zeigen. Du kannst bei Balladen weinen und bei nem Brettersong im Moshpit deine Aggressionen rauslassen, kannst aber auch durch Texte vielleicht ein paar Leute zum Nachdenken bringen. Das kenne ich so in keinem anderen Genre. Einzeln schon, aber nicht vereint in einer Musikrichtung.
Und Musik allgemein ist für uns einfach das Beste. Wir würden alle vier nichts lieber tun, als unser Geld damit zu verdienen. Ich bin Studienabbrecher und werde einen Ausbildungsberuf ergreifen und die anderen drei haben einen geordneten Beruf, aber Musik ist für uns alle eine Leidenschaft. Deswegen ziehen wir auch am gleichen Strang, wenn es um die Band geht. Wir investieren alle vier so viel Freizeit in die Band. Dieses Jahr haben wir von Mitte April bis Ende Juni, jedes Wochenende mindestens einen Auftritt gespielt, einmal in der Woche geprobt und zusätzlich noch die EP im Studio aufgenommen. Wir haben uns in den Wochen öfter gesehen, als manch anderer seine Freundin. Wir stecken echt viel Arbeit in die Band, weil wir doch noch den Traum haben, irgendwann einmal mehr damit zu erreichen. Es gibt einfach nichts Geileres, als auf der Bühne seine eigenen Lieder zu spielen und zu sehen, wie Leute dazu abgehen und es genauso feiern.
 
T!B!B!: Werdet ihr auch von anderen Richtungen bzw. Bands / Künstlern beeinflusst?
 
Tobias Holzinger: Jeder von uns hört viel Musik und dadurch haben wir, denke ich, sehr viele Einflüsse. Es gibt jedoch keine Richtung, oder Künstler, den wir uns als Beispiel für unseren Stil vorgenommen haben. Ich würde sagen, dass grundsätzlich bei jedem Musiker immer der eigene Musikgeschmack in die Lieder mit einfließt. Das reicht bei uns von Klassik bis hin zu Black Metal. Manches mehr und manches weniger. Hin und wieder kommt einer mal mit einer Idee und sagt: „Hey, habt ihr das neue Lied von Dingsbums gehört, sowas könnten wir auch mal machen.“ Da kommt aber meistens etwas ganz anderes zum Schluss dabei raus. Es passiert viel häufiger, dass wir etwas ausprobieren und einer sagt dann, „Hey, das klingt doch wie das eine Lied von Black Sabbath…das können wir so nicht spielen.“ Deswegen definieren wir unseren Musikstil auch nicht selbst. Wenn uns allen ein Song am Ende gefällt, dann ist er gut. Wir haben nie gesagt, wir wollen die neuen Metallica, Rammstein usw. sein, oder, wir müssen jetzt einen Thrashmetalsong schreiben. Jeder spielt an seinem Instrument so, dass der Song seiner Meinung nach gut klingt und was dabei rauskommt, hört man danach.
 
T!B!B!: Eure Songtexte setzen sich mit dem Thema Ungerechtigkeit auseinander. Wie seid ihr darauf gekommen? Was war der Anstoß dazu?
 
Tobias Holzinger: Geplant war das Thema nicht unbedingt.  Grundsätzlich ist es so, dass ich am besten Texte schreiben kann, wenn es mir scheiße geht, mich etwas aufregt oder schwer beeindruckt. Ich will keine Texte über ein tolles Leben schreiben, wenn in der Welt so viel falsch läuft. Außerdem sind unsere Lieder auch eher düster. Da kann ich schlecht über Einhörner auf Regenbögen schreiben. Ich hatte Texte zu drei Songs, die in die Richtung gingen, dann habe ich die anderen beiden auch so geschrieben, dass die EP einen roten Faden hat. „Steve“ habe ich geschrieben, nachdem ich mir in einem Netflixmarathon „Making a murderer“ reingezogen habe. Ich war schon immer dem amerikanischen Justizsystem kritisch gegenüber eingestellt und der Fall von Steven Avery ist einfach ein Paradebeispiel dafür. Die Texte zu „Dog in the Rain“, „Bullshit“ und „Picture of me“ sind entstanden, da ich glücklicherweise durch Zufall den Fotografen Heiko Roith von Rock&Royalty kennengelernt habe, welcher nicht nur schon alle möglichen Bands abgelichtet hat, sondern auch als Fotograf in Syrien und dort auch im Gebiet des IS war. Er hat mir Bilder gezeigt und mir Geschichten erzählt, welche mich echt beschäftigt haben, weil ich mich auch Abseits davon, viel mit Syrien und dem IS auseinandergesetzt habe. „Picture of me“ ist quasi sogar eine Geschichte über ihn. Eine Frau hat sich von ihm fotografieren lassen, ist Titelbild seiner Ausstellung „Faces of Syria“ und wurde dafür vom IS gesteinigt. Sowas lässt mich echt nicht kalt. Weniger spektakulär ist der Text zu „Too Late“, wo es nur darum geht, dass ich von einer Frau auf echt bescheuerte Art und Weise abserviert wurde. Das muss aber auch mal drin sein.
 
T!B!B!: Wie ist generell der Prozess des Songwritings bei euch?
 
Tobias Holzinger: Das läuft eigentlich immer so ab, dass Simon mit einer Grundidee, also einer Melodie oder einem Riff, in die Probe kommt und dann wird erstmal dazu gejamt. Jeder bringt ein paar Ideen ein und es entsteht ein Grundgerüst. Wir nehmen es billig mit dem Handy auf, damit wir nichts vergessen und in jeder Probe wird der Song dann gespielt. Mit der Zeit hat dann immer wieder mal einer eine Idee, was den Song vielleicht besser machen könnte und der Song wird so lange geändert, bis die Mehrheit der Band einverstanden ist, dass das Lied fertig ist. Manche Songs sind nach zwei Proben fertig, bei anderen haben wir nach einem Jahr noch Änderungen vorgenommen. Zum Schluss schreibe ich dann die Texte.
 
T!B!B!: „Ich liebe mein Instrument, weil … „
 
Tobias Holzinger: Das kann ich jetzt nur für mich beantworten. Meinen Eltern zufolge wollte ich immer Schlagzeug lernen und bekam deswegen auch Unterricht. Spiele nun glaube ich seit 19 Jahren mein Instrument, hab aber auch schon Klavier und Bass ausprobiert. Aber es macht einfach am meisten Spaß an den Drums. Würde auch gerne super Gitarrensoli spielen können, aber dazu habe ich zu dicke Wurstfinger. Nur das Transportieren eines Schlagzeugs ist echt nervig.
T!B!B!: Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg mit dem neuen Album!