Verloren in der Weite – Becoming Immanence von Earthwomb

Atmospheric Black Metal
Veröffentlichung: 07.10.2021
Eigenveröffentlichung
Bandcamp
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Earthwomb - Becoming Immanence (Artwork)(English version below.)

Es gibt Zeiten, da brauche ich Musik, die ich laut aufdrehen kann und die mich dann wie eine feste, schützende Rüstung vor der Außenwelt abschirmt. Das Debüt „Becoming Immanence“ der peruanischen Black Metaller Earthwomb liefert genau solche Musik. Komisch eigentlich, denn das gesamte Album atmet und schreit Leere und wütende Verzweiflung. Aber da ist auch dieses Gefühl unglaublicher Weite und Unendlichkeit, das sich beim Hören einstellt, einen einlullt, fortträgt aus dem Alltag und einen eben tröstlich einhüllt. Ihr seht schon, Earthwomb lösen mit ihrer Musik ganz widersprüchliche Gedanken und Emotionen aus. Und doch gehört alles irgendwie zusammen.

Der Opener „Cosmic Revelation“ macht gleich klar, worum es thematisch auf dem Album geht. Er hat etwas von Filmmusik, von Weite und Einsamkeit und einer schwelenden Bedrohung. Wenn das Tempo dann anzieht und die Bedrohung weniger subtil ankommt, spielen Earthwomb ihre Stärken aus. „Walkscapes“ zum Beispiel punktet mit seinen Blastbeats, knackigem tremolopicking Riffing, melodischem Lead und ist rhythmisch abwechslungsreich. Dazu kommen ein Hauch von Ambient und die Screams von Sänger Giancarlo, die voll unter die Haut gehen. Der Song ist wie eine düstere, hoffnungslose, wunderschöne, fließende Masse, die ins Ohr kriecht und alles durcheinanderwirbelt. Die Peruaner arbeiten häufig mit atemberaubenden Walls of Sound und kreieren so einen düsteren Strudel, der einen mitzieht und in dem man sich komplett verlieren kann. Ein cleaner Break sorgt für ein kurzes Durchatmen, bevor sich die Verzweiflung erneut Bahn bricht. „The Gathering“ baut auf ähnliche Zutaten, geht aber noch etwas mehr nach vorne, ist aggressiver und rhythmisch wuchtiger. Die intensiven Screams und die Wall of Sound transportieren einen Wust an Wut und Schmerz. „Trespassing the Paragons of Consciousness“ ist weniger bissig, etwas zurückgenommener. Der Song punktet mit halligem, entrücktem Sound, Drumdauerfeuer und Gitarren, die melodisch durch Zeit und Raum fließen. Man verliert sich völlig im Sound, lässt einfach los und schwebt mit. „Vital Flux“ fügt dem Album zum Ende noch einmal eine neue Note hinzu. Der Song perlt mit Piano langsam aus und lässt einen irgendwie – Moment, nochmal einfühlen – wehmütig und mit einer seltsamen Leere im Körper zurück.

Earthwomb haben mit „Becoming Immanence“ ein wunderbares, packendes Debüt hingelegt. Die Musik umhüllt einen mit ihren Tremoloriffs, melodischen und gefühlvollen Leads, Blastbeats, verzweifelten Screams und ihren großartig konzipierten Klangwänden. Ein Album zum Abtauchen und um sich darin zu verlieren.

Wenn ihr jetzt neugierig geworden seid und mehr über die Band und ihre Musik erfahren wollt, dürft ihr euch schon auf ein Interview freuen, in dem Earthwomb Rede und Antwort stehen zur Band selbst, zum Album „Becoming Immanence“ und zum Thema Blackmetal in Peru.

Earthwomb auf YouTube

There are times when I need music that I can turn up loud and that shields me from the outside world like solid, protective armor. The debut „Becoming Immanence“ by Peruvian black metallers Earthwomb delivers exactly this kind of music. Funny actually, because the entire album breathes and screams emptiness and angry despair. But there is also this feeling of unbelievable vastness and infinity that comes with listening, lulls you, carries you away from everyday life and envelops you comfortably. As you can see, Earthwomb trigger very contradicting thoughts and emotions with their music. And yet everything somehow belongs together.

The opener „Cosmic Revelation“ makes it clear what the album is about. It’s like film music of vastness and loneliness and a smoldering threat. When the pace picks up and the threat is less subtle, Earthwomb show their strengths. „Walkscapes“ for example scores with its blastbeats, crisp tremolo picking riffing, melodic lead and is rhythmically varied. Then there are the screams from singer Giancarlo, which get under your skin. The song is like a dark, hopeless, beautiful, flowing mass that crawls into your ear and whirls everything upside down. The Peruvians often work with breathtaking walls of sound and thus create a dark vortex that pulls you along and in which you can completely lose yourself. A clean break allows you to take a deep breath before desperation breaks out again. „The Gathering“ is based on similar ingredients, but goes a little more forward, is more aggressive and rhythmically more powerful. The intense screams and the wall of sound convey a orderly mess of anger and pain. „Trespassing the Paragons of Consciousness“ is less snappy, a little more withdrawn. The song scores with reverberant, entranced sound, continuous drum fire and guitars that flow melodically through time and space. You lose yourself completely in the sound, just let go and float with it. „Vital Flux“ adds a new note to the album at the end. The song slowly bubbles out with the piano and somehow leaves you – just a moment, have to think about it  – wistful and with a strange emptiness in your body.

Earthwomb created with „Becoming Immanence“ a wonderful, thrilling debut. The music envelops you with its tremolo riffs, melodic and soulful leads, blastbeats, desperate screams and the wonderfully conceived walls of sound. An album to immerse yourself in and to lose yourself in.

If you’re curious now and want to find out more about the band and their music, you can look forward to an interview in which Earthwomb will answer questions about the band itself, about the album „Becoming Immanence“ and about black metal in Peru.


Tracks:
1. Cosmic Revelation
2. Fractal Phenomenon
3. Walkscapes
4. Trespassing the Paragons of Consciousness
5. The Gathering
6. Ulterior Revelation
7. Vital Flux

Band:
Giancarlo Melgar – Gesang
Eduardo Yalán – Gitarre
Pedro Zamalloa – Gitarre, Bass, Drum Programmierung

Eine melodische Reise – Coherence von Be’lakor

Melodic Death Metal
Veröffentlichung: 29.10.2021
Napalm Records
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unnamed(English version below.)

Neulich. Ich bin zu früh dran für meinen Termin und sitze also noch ein Weilchen im Auto und lasse mich von der Radiomusik berieseln, als eine Dame mit ihrem Panzer versucht neben mir einzuparken. Ich denke noch so: Nö, gute Frau, absolut nö!“ Doch sie gibt nicht auf. Schließlich steht sie in der Parklücke, sodass mir noch bequeme 5 Zentimeter zum Aussteigen bleiben. Ist ja wohl mein Problem, wenn ich so fett bin. Schließlich kann man auch noch über den Beifahrersitz klettern oder durch den Kofferraum kriechen. Was stelle ich mich auch so an. Ich schaue zu ihr rüber und schüttle den Kopf. Sie will es nicht wahrhaben. Ich schüttle den Kopf noch einmal und runzle dabei streng die Stirn. Das zwingt sie endlich zur Kapitulation. Der ein oder andere scheint nach allem, was ich so gehört habe vor Be’lakors erstem Song auf dem neuen Album „Coherence“ kapituliert zu haben. Pffff. Weicheier.

Nach fünf Jahren Pause melden sich die australischen Melodic Death Metaller endlich mit einem fulminanten, wahnsinnig gut komponierten, melodisch hübschen Album zurück. Ick freu mir so sehr über „Coherence“. Gleich der Opener „Locus“ hat mir absolutes Herzklopfen beschert, wie ich da so auf dem Sofa lag und lauschte. Wirklich einfach fulminant. Die Tempowechsel, die Spannung, die sich immer wieder aufbaut und abflaut und dann noch mehr anzieht. Es gibt gleich mehrere repetitive Elemente, die einen trotzdem die Orientierung behalten lassen. Der hallige Gitarrensound, die bildschönen Melodien, das enorm variable Schlagzeug, die wuchtigen, voluminöse Growls. „Locus“ ist wie viele Songs in einem und trotzdem aus einem Guss. Der Song erzählt eine Geschichte, die man gedanklich und gefühlsmäßig durchwandert. Zwar verfolgt teilweise jedes Instrument seine eigenen Wege und Rhythmen und trotzdem passt es wie Arsch auf Eimer. Zu dem Zeitpunkt war ich schon so euphorisiert, dass die restlichen Songs auch Cover von Kinderliedern hätten sein können und es hätte mich nicht gestört. War aber natürlich nicht so. „Coherence“ enthält drei Instrumentals, von denen mir „Sweep of Days“ am besten gefällt. Packend für alle Gitarrenfans, denn Akustik- und E-Gitarre kreieren einen melancholischen Sound, der zum Wegdriften einlädt. Der Wechsel zwischen träumerischen und dunklen Momenten zeichnet das Album generell aus und macht es so reizvoll. „Foothold“ zum Beispiel ist dunkel, mit sinistrer Stimmung und verbreitet sanften Grusel. Dabei erzählen die Gitarren die Geschichte zusammen mit dem Flüstern und den Growls von Sänger George Kosmas. Faszinierend ist auch, wie der oft hallige Gitarrensound den Songs wie in „Valence“ Raum und Weite verleiht. Sehr gelungen. Dazu kommen noch ein dezenter Hauch von Epik, perlender Pianosound und ein wirklich irres Gitarrenriff, das einfach nur Spaß macht. „Much More Was Lost“ beginnt wuchtig und schon bald stellt sich Grusel in der Magengrube ein. Eine bildschöne Gitarrenmelodie erhebt sich im Hintergrund, irgendwo zwischen Hoffnung und Hoffnungslosigkeit, und es gibt ein wirklich geiles Gitarrensolo zum Abschluss. Besser kann man ein gelungenes Werk nicht beschließen.

Be’lakor präsentieren mit „Coherence“ ein Album mit variantenreichen Melodien, Riffing, das Spaß macht und einem ausgefeilten Songaufbau. Es lebt von seiner Stimmung, der Atmosphäre, der Kraft, den Wechseln in Rhythmik und Tempo, die immer wieder neue Dynamik verleihen. Zwischendurch kann man herrlich in musikalische Weiten wegdriften, sich wohlig gruseln und komplett verlieren. Die Australier verstehen es mit ihrer Musik, mit jedem einzelnen Song eine Geschichte zu erzählen und den Hörer auf eine Reise mitzunehmen. Absolut gelungen!

Be’lakor bei Napalm Records auf YouTube

Recently. I’m too early for my appointment and so sit in the car for a while and let the radio music sprinkle me when a lady with her tank-like car tries to park next to me. I still think like this: „Nope, good woman, absolutely nope!“ But she doesn’t give up. Finally she stands in the parking space, so that I still have a comfortable 5 centimeters to get out of my own car. It’s probably my problem when I’m so fat. Finally, you can climb over the passenger seat or crawl through the trunk. I shouldn’t make such a fuss. I look over at her and shake my head. She doesn’t want to admit it. I shake my head again and frown severely. That finally forces her to surrender. After everything I’ve heard, one or the other seems to have surrendered to Be’lakor’s first song on the new album „Coherence“. Pffff. Softies!

After a five-year break, the Australian Melodic Death Metallers are finally back with a brilliant, incredibly well composed, melodically beautiful album. I’m so excited about „Coherence“. The opener „Locus“ got my heart pounding as I lay there on the sofa and listened. Really just brilliant. The change of pace, the tension that builds up and subsides again and again and then pulls even more. There are several repetitive elements that still allow you to keep orientation. The reverberant guitar sound, the beautiful melodies, the enormously variable drums, the powerful, voluminous growls. „Locus“ is like many songs in one piece and yet all of a piece. The song tells a story that you walk through mentally and emotionally. Every instrument sometimes follows its own paths and rhythms, and yet it fits like ass on bucket. At that point I was so euphoric that the rest of the songs could have been covers of children’s songs and it wouldn’t have bothered me. But of course it wasn’t like that. „Coherence“ contains three instrumentals, of which I like „Sweep of Days“ the best. Exciting for all guitar fans, because acoustic and electric guitars create a melancholy sound that invites you to drift away. The change between dreamy and dark moments generally characterizes the album and makes it so appealing. „Foothold“, for example, is dark, with a sinister mood and spreads mild horror. The guitars tell the story along with the whispers and growls of singer George Kosmas. It is also fascinating how the often reverberant guitar sound gives the songs space and expanse like in „Valence“. Very nicely done. There is also a subtle touch of epic, sparkling piano sound and a really crazy guitar riff that is just plain fun. „Much More Was Lost“ starts out powerfully and soon there is a horror in the pit of your stomach. A beautiful guitar melody rises in the background, somewhere between hope and hopelessness, and there is a really awesome guitar solo at the end. No better way to end a successful work.

With „Coherence“, Be’lakor present an album with varied melodies, riffing that is fun and a sophisticated song structure. It lives from its mood, the atmosphere, the power, the changes in rhythm and tempo, which constantly give new dynamics. In between you can wonderfully drift away into musical expanses, get a cozy creep and lose yourself completely. With their music, the Australians know how to tell a story with every single song and to take the listener on a journey. Absolutely successful!

 


Tracks:
1 Locus
2 The Dispersion
3 Foothold
4 Valence
5 Sweep of Days
6 Hidden Window
7 Indelible
8 Much More Was Lost

Band:
John Richardson – Bass
Elliot Sansom – Schlagzeug
Shaun Sykes – Gitarre (lead)
George Kosmas – Gitarre, Gesang
Steve Merry – Keyboards

Melodisch stark und extrem vielfältig – Sense of Noise von Sense of Noise

Melodic Death Metal
Veröffentlichung: 05.11.2021
https://senseofnoise.com/
https://www.facebook.com/senseofnoise
https://www.instagram.com/senseofnoise/
https://senseofnoise.bandcamp.com/


ALBUM COVER(English version below.)

Ich musste eine Weile überlegen, ob ich es mental verkrafte, ein Review zum Debütalbum „Sense of Noise“ der gleichnamigen mexikanischen Melodic Death Metal Band zu schreiben. Warum? Das Album enthält dermaßen viele, geile Pinch Harmonics, dass ich mich persönlich verspottet fühle, wie ich da in meinem Kämmerlein sitze und mich und die Nachbarn quäle, um meiner Gitarre diese verflixten Dinger zuverlässig zu entlocken. Die Betonung liegt auf zuverlässig, denn sie gelingen mir durchaus. Bloß nicht immer – und auch nicht immer an der richtigen Stellen… hust… Immerhin, mein Gitarrenlehrer sprach in der letzten Woche von Fortschritt. Hell yeah! Wobei – vielleicht meinte er damit nicht meine Pinch Harmonics, sondern mein Talent, ihn und mich so weit zu verwirren, dass er die Stelle falsch spielte, von der er glaubte, ich würde sie zum x-ten Mal falsch spielen. Ich wiederum dachte,  ich hätte wie üblich falsch gespielt und war völlig verdattert, dass er es war. Ok. Das muss kurz einwirken. Letztendlich habe ich aber meinen verletzen Stolz beiseitegeschoben, denn „Sense of Noise“ ist einfach zu gut, um es hier nicht vorzustellen.

Es hat mir extrem viel Spaß gemacht, das Album anzuhören! Bei jedem neuen Durchgang entdeckten meine Ohren eine neue Melodieschicht, ein neues kleines Gimmick. Das liegt jetzt nicht daran, dass ich einfach älter werde und langsam schlecht höre, sondern daran, dass die Melodien sich manchmal ganz subtil im Hintergrund halten. Zum Beispiel „The Broken Hope“. Dort findet man hinter den wuchtigen Doublebasses, dem Drumdauerfeuer und den harschen Growls eine wunderbare Gitarrenmelodie und man erkennt plötzlich, dass es auch nur zusammen Sinn ergibt. Zusammen mit einem wuseligen Gitarrenriff, mitreißender Bassaction, perlenden Keyboardklängen und dem eingängigen Klargesang im Refrain wird daraus ein Song, den man locker rauf- und runterhören kann. Und: Verflixte Pinchharmonics! Damit wäre der Sound von Sense of Noise so in etwa umrissen. Immer wieder hauen die Mexikaner coole Breaks raus, wie in „War Within“ oder dem sehr melodischen „Morning Glory“. Spielen mit wundervollen Melodien, die neben, hinter und übereinander existieren, sich ergänzen. Mal gespielt von der Gitarre, mal vom Keyboard, mal gesungen. Sense of Noise setzen auch den Kontrast zwischen Growl- und Klargesang meisterlich ein, z. B. in „Morning Glory“. Die Übergänge sind stimmig und geradezu ein Genuss. Auch rhythmisch bauen die Mexikaner immer wieder kleine Raffinessen ein. „March of The Fallen“ ist drückend mit dräuender Gitarre und einem erneut extrem schönen Refrain, durch den man sich mit Freuden durchwiegt. Außerdem wartet der Song mit Keyboard- und Gitarrensolo und einem kleinen Streichereinsatz auf. Bämm! Mehr geht ja wohl nicht. Sehr, sehr gelungen. Gefällt mir extrem gut! Einer meiner Lieblingssongs des Albums. Zu den bretternden Brettern, was Tempo und Aggressivität anbelangt, gehören „Zero Killed“, in dem Björn Strid von Soilwork mitmischt, und „Rage of Existence“. Besonders „Zero Killed“ ist sehr intensiv, was den Gesang anbelangt, und beinahe ein einziges Drum- und Doublebass Gewitter, das einem den Atem raubt und den Nacken strapaziert. Beide Songs warten mit einem coolen Break auf und hey – Gitarrensolotime in „Rage of Existence“. Wohoooo! „Our Dying Light“ ist ein besonderes Juwel. Die Stimmung zu Beginn liegt irgendwo zwischen Akustikgitarren-Cowboylagerfeuerromantik und Streichermelancholie. Sehr folkig. Und, himmelherrgottnochmal,  diese samtige Stimme! Dann macht der Song einen Twist, wird härter und geht über in extrem cooles Gitarrenriffing, spartanisch akzentuierte Drums, harsche Growls und epischen Oooooh-Mitsingchor. „Sense of Darkness“ bringt zum Schluss noch einmal eine neue Note mit ins Spiel. Mal von dem extrem schönen, melodischen Gitarrensound abgesehen verbreiten Bass und Percussions einen ganz leichten, dezenten Hauch von Mexiko.

„Sense of Noise“ ist melodisch extrem stark, vielschichtig und vielfältig. Jedes Instrument macht sowas von Sinn auf diesem Album und auch Growls und Klargesang ergänzen und unterstützen sich perfekt. Die Produktion ist rundum gelungen. Vielleicht hätte ich mir hier und da ein wenig mehr Variabilität im Songaufbau gewünscht, aber das ist meckern auf sehr hohem Niveau. Die Riffs und Refrains gehen ins Ohr und bleiben dort. Zwischen Wucht und Aggressivität blitzt immer wieder ein bisschen Melancholie und Zartheit auf, die man im ersten Moment gar nicht so vermutet hätte. Absolut gelungenes Debüt! Unbedingt reinhören!

Sense Of Noise auf YouTube

I had to think for a while whether I could deal with it mentally to write a review of the debut album „Sense of Noise“ by the Mexican melodic death metal band of the same name. Why? The album contains so many awesome pinch harmonics that I personally feel mocked as I sit there in my little room and torture myself and the neighbors in order to reliably elicit these darned sounds from my guitar. The emphasis is on reliable, because I definitely succeed. Just not always – and not always in the right places … cough … Anyway, my guitar teacher talked about progress in the last week. Hell yeah! Whereby – maybe he didn’t mean my pinch harmonics, but my talent to confuse him and me so much that he misplayed the passage that he thought I would misplay for the umpteenth time. I, on the other hand, thought I had misplayed as usual and was utterly perplexed that it was him. OK. That has to take effect briefly. In the end I pushed aside my hurt pride because „Sense of Noise“ is just too good not to be featured here.

I had a lot of fun listening to the album, because with every new play my ears discovered a new layer of melody, a new little gimmick. This is not because I’m just getting older and slowly hearing badly, but because the melodies sometimes stay very subtly in the background. For example „The Broken Hope“. There you find a wonderful guitar melody behind the powerful double basses, the continuous drum fire and the harsh growls and you suddenly realize that it only makes sense together. Together with a lively guitar riff, rousing bass action, sparkling keyboard sounds and the catchy clear vocals in the chorus, this becomes a song that you can easily listen to up and down. And: darn pinch harmonics. That would roughly outline the sound of Sense of Noise. The Mexicans keep throwing out cool breaks, like in „War Within“ or the very melodic „Morning Glory“. Playing with wonderful melodies that exist next to, behind and on top of one another, complement one another. Sometimes played by the guitar, sometimes from the keyboard, sometimes sung. Sense of Noise also masterfully use the contrast between growl and clear vocals, e.g. in „Morning Glory“. The transitions are consistent and downright a pleasure. The Mexicans also keep adding small refinements to the rhythm. „March of The Fallen“ is oppressive with threatening guitar and another extremely beautiful chorus, through which one sways with joy. The song also features a keyboard and guitar solo and a small use of strings. Bam! More is not possible. Very, very well done. I like it extremely well! One of my favorite songs on the album. „Zero Killed“, in which Björn Strid from Soilwork is involved, and „Rage of Existence“ belong to the boarding stages in terms of speed and aggressiveness. „Zero Killed“ in particular is very intense, as far as the vocals are concerned, and almost a single drum and double bass thunderstorm that takes your breath away and strains your neck. Both songs come up with a cool break and hey – guitar solo time in „Rage of Existence“. Wohoooo! „Our Dying Light“ is a special gem. The mood at the beginning is somewhere between acoustic guitar cowboy campfire romance and string melancholy. And for God’s sake, the velvety voice! Then the song makes a twist, gets harder and turns into extremely cool guitar riffing, spartan accented drums, harsh growls and an epic oooooh sing-along choir. „Sense of Darkness“ then brings a few new accents into play. Apart from the extremely beautiful, melodic guitar sound, bass and percussions spread a very light, subtle touch of Mexico.

„Sense of Noise“ is melodically extremely strong, multilayered and varied. Every instrument makes a lot of sense on this album and growls and clear vocals complement and support each other perfectly. The production was successful all round. Maybe I would have wished for a little more variability in the song structure here and there, but that is complaining on a very high level. The riffs and choruses catch your ear and stay there. Between force and aggressiveness, a little melancholy and tenderness flashes up again and again, which one would not have suspected at first. Absolutely successful debut! Be sure to listen!


Tracks:
1. A Forgotten Oath
2. The Broken Hope
3. War Within
4. Morning Glory
5. March of the Fallen
6. Zero Killed (feat. Björn „Speed“ Strid)
7. Our Dying Light
8. Rage of Existence (feat. Antony Hämäläinen)
9. Sense of Darkness

Band:
Jerome Chanona – Gesang
Bart Chanona – Schlagzeug
Federico d’Empaire – Gitarre und Klargesang
Diego Caná – Gitarre
Nibsen – Keyboard
Mao Rubio – Bass

Mitgrölen mit Botschaft. Chapter 1 von Gutz N’Glory

Punk / Hardcore Punk / Post Punk
Veröffentlichung: 09.07.2021
Independent
https://www.facebook.com/gutzngloryofficial
https://www.instagram.com/gutzngloryofficial/
https://gutznglory.bandcamp.com/releases


a1404488729_16(English version below.)

Ich erinnere mich eines schönen Sommertages. Ich war Anfang 20 und mein größtes Problem war, mir endlich zu merken, wann Moctezuma den aztekischen Thron bestieg als es an der Haustür klingelte. Beschwingt öffnete ich – und dachte mir „Scheiße!“. Da ich aber ein durchaus höflicher Mensch bin, schlug ich die Tür trotzdem nicht gleich wieder zu. „Einen wunderschönen guten Tag. Mein Name ist Schmidtmüllereisele und ich gehe momentan mal so durch ihr Wohngebiet und frage, wie die Leute hier mit ihrem Telefonvertrag zufrieden sind.“ Ich wollte schon ansetzten mit meiner Abwehrtirade, doch das Schicksal hatte andere Pläne. Ich sah offensichtlich so nach „Ich bin klein, mein Herz ist rein…“ aus, dass Herr Schmidtmüllereisele fragte: „Sind denn deine Eltern zu Hause?“ Erleichtert dankte ich innerlich dem Schicksal für diese Fügung, unterdrückte jegliches verräterisches Zucken der Mundwinkel und antwortete: „Nein, leider nicht!“ und ergänzte im Stillen „Die sind 65 Kilometer weit weg in ihrem eigenen Zuhause.“ „Schade, naja. Kann man nichts machen. Einen schönen Tag noch!“ Weil sich aber nicht alle Probleme auf dieser Welt so einfach und friedlich in Luft auflösen, braucht es engagierte Bands, die nicht müde werden, darauf hinzuweisen. Die Londoner Punker Gutz N‘ Glory tun das auf musikalisch höchst ansprechende Weise auf ihrer Debüt EP „Chapter 1“.

„Burn the Flags“ ruft dazu auf nicht zu resignieren, sondern sich gegen die zahlreichen Missstände dieser Welt aufzulehnen. Transportiert wird diese Botschaft in flottem Tempo und zusammen mit einem punkigen Riff, einem eingängigen Mitsingrefrain und einem durchaus thrashigen Break, der dem Ganzen nochmal eine coole Note verleiht. „Get Out“ legt gitarrentechnisch gleich gut los und nimmt einen von Sekunde eins an mit. Der Song lebt aber eindeutig von seinem prägnanten, mitgröltauglichen Refrain. Wohooo! Dass Gutz N‘ Glory dafür ein absolut gutes Händchen haben, hört man auch in „Still With Us“, das mir melodisch unheimlich gut gefällt. Genauso wie die Spannung zwischen eindringlich vorgetragenem Vers und Refrain mit einem Hauch von Epik. Und um mich vollends glücklich zu machen, gibt es noch ein schönes Gitarrensolo obendrauf. Was braucht man mehr? Mein persönlicher Favorit ist allerdings „Another Day in Paradise“. Ein cooles, drückendes Riff das sofort im Ohr klebt und eine beinahe deathmetallisch Tremolomelodie gewinnen sofort meine Aufmerksamkeit. Die Lyrics werden mit schön viel Wucht vorgetragen. Genau mein Ding.

Gutz N‘ Glory legen ein blitzsauberes Debüt hin. Am Ende der EP ist man traurig, dass es nur vier Songs sind – jetzt wo man sich gerade so schön in den frischen, wütenden Sound der Band eingegroovt hat. Die Stärke der Jungs sind definitiv die eingängigen Mitgrölrefrains. Aber auch die Riffs bleiben im Ohr und animieren zum Mitwippen. Last but not Least gefällt mir, dass die Londoner Musik mit Botschaft machen. Sehr gelungen!

Gutz N‘ Glory auf YouTube

I remember a beautiful summer day. I was in my early twenties and my biggest problem was finally remembering when Moctezuma came to the Aztec throne when the doorbell rang. I opened it elated – and thought to myself „Shit!“. But since I’m a thoroughly polite person, I still didn’t slam the door straight away. „Have a wonderful good day. My name is Schmidtmüllereisele and I’m currently walking through your residential area and asking how the people here are satisfied with their telephone contract.“ I wanted to start with my defensive tirade, but fate had other plans. Seems like I looked as if „I’m small, my heart is pure …“ because Mr. Schmidtmüllereisele asked: „Are your parents at home?“ Relieved, I thanked fate for this coincidence. I suppressed any treacherous twitching of the corners of my mouth and answered: „No, unfortunately not!“ and added quietly „They are 65 kilometers away in their own home.“ „Oh, that’s a pity. Well then have a nice day!“ But because not all problems in this world dissolve so easily and peacefully into thin air, it needs bands who never get tired pointing it out. The London punkers Gutz N ‚Glory do this in a musically very appealing way on their debut EP „Chapter 1“.

„Burn the Flags“ calls for not to resign, but to rebel against the numerous grievances of this world. This message is conveyed at a brisk pace and together with a punk riff, a catchy sing along chorus and a thrashy break that gives the whole thing another cool note. „Get Out“ starts with great guitar work and takes you away from the first second. The song clearly lives from its concise shout along chorus. Wohooo! You can also hear that Gutz N ‚Glory have an absolutely good hand for this in „Still With Us“, which I really like melodically. Just like the tension between haunted verse and chorus with a touch of epic. And to make me completely happy there is a nice guitar solo on top. What more do you need? My personal favorite, however, is „Another Day in Paradise“. A cool, oppressive riff that sticks in the ear immediately and an almost death-metallic tremolo melody immediately grab my attention. The lyrics are performed with a lot of force. Exactly my thing.

Gutz N ‚Glory’s debut is definitely a success. At the end of the EP you are sad that there are only four songs – now that you have just grooved yourself so nicely into the fresh, angry sound of the band. The guys‘ strengths are definitely the catchy shout along choruses. But the riffs also stay in the ear and encourage you move along. Last but not the least, I like that Gutz N‘ Glory make music with a message. Very nicely done!


Tracks:
1. Burn the Flags
2. Get Out
3. Still With Us
4. Another Day in Paradise 

Band:
Ben Bladdi Sommer – Vocals & Bass Guitar
Alessandro Favaro – Guitar
Lukas Drabavicius – Guitar
Tomáš Kaluža – Drums

Zeitreise ins alte Angelsachsen – Beyond the Fells von Oscenrad

Folk / Pagan Metal
Veröffentlichung: 28.05.2021
Independent
https://www.facebook.com/oscenrad
https://oscenrad.bandcamp.com/album/beyond-the-fells
https://oscenrad.com/
https://www.instagram.com/oscenrad/?hl=de
Oscenrad auf Youtube


a4202657306_16(English version below.)

Es ist erstaunlich, wie Menschen einen manchmal dazu bringen etwas zu tun, woran man im Traum nicht gedacht hätte. Eine Freundin von mir – nennen wir sie Jula – hätte noch vor wenigen Wochen abgestritten, dass sie jemals auch nur daran denken würde, Balletttanz auszuprobieren. Doch dann dieser Moment. Ihre kleine Nichte: „Jula, übst du mit mir Ballett?“ Sie, eloquent wie sie nun einmal ist: „Also… äh… ich… das ist keine gute… können wir nicht lieber Autos?“ Doch da steht die Kleine vor ihr. Ein zuckersüßes Lächeln im Gesicht, umrahmt von goldblonden Engelslöckchen und das schwarze, metallene Herz der harten, bösen Metaltante Jula schmilzt dahin wie eine Kugel Schokoladeneis im Hochsommer. Und plötzlich stellt sie fest, dass sie mit ihrer Nichte dasteht, einbeinig balancierend wie ein Flamingo nach zu viel Pfeffi, die Arme mit der Grazilität eines Nilpferds auf Schlittschuhen in die Höhe gereckt. So leicht sind wir zu manipulieren. Wenn dieses Mädchen eines Tages in die Politik geht, hat es sich erledigt mit Kampf und Krieg. Im alten angelsächsischen England hingegen gehörten Kämpfe durchaus zum Leben. In diese Welt entführt Hæðenwulf mit seiner One Man Band Oscenrad auf seinem Album “Beyond the Fells”. Wer Geschichten aus vergangenen Zeiten, mythische Wälder, Schwertkämpfe und Burgen mag, der ist hier genau richtig. Das Album enthält sechs wundervolle, lange Songs, die uns in eine längst vergangene Zeit zurückversetzen.

Der Opener „Across the Waves“ stimmt den Hörer mit Wellenrauschen und Hörnerklang auf das Kommende ein. Die Gitarre faded rein und rifft voran. Der wiegende, elektrisierende Rhythmus ergreift Besitz von Ohren, Hirn und Körper. Growlgesang. Ein cleaner Break und dezenter Synthieinsatz bringen Abwechslung in die Sache und ein Solo, basierend auf dem Grundriff, rundet den Song perfekt ab. Das Faszinierendste ist definitiv, wie häufig Oscenrad es schafft, das Grundriff zu variieren. Sehr, sehr gelungen. „Beneath the Ancient Sky“ groovt so dermaßen. Ein wenig Bassaction sorgt für zusätzliche Würze, tiefer Chorgesang für den Paganmoment. Nach und nach geht der Song weg vom Groove und wird fließender. Epische Synthis und gesprochene Worte sorgen für die richtige Stimmung. Zum Schluss ein kleiner gitarrentechnischer Ausraster, angetrieben von „Fight“ Ausrufen. „Beyond the Fells“ startet mit einem Synthi-Streicher-Intro. Alles wirkt sehr mystisch, verzaubert, geheimnisvoll. Auch der cleane Part mit Summgesang und die gesprochenen Worte. Dann tritt Oscenrad das Gaspedal etwas mehr durch und die Gitarre zaubert eine herrliche Melodie. Ein wenig Bassgrummelaction gegen Ende und eine kleine Kabbelei mit den Drums beenden den Song. „Seeress“ ist träumerisch, akustisch, melodisch. Dezenter, dumpfer Trommeleinsatz und Streicheruntermalung sorgen für das perfekte Folk und Pagan Feeling. Zum Heulen schön! „Runes Ye Shall Find“ ist einer meiner persönlichen Favoriten des Albums. Ein eindringliches Gitarrenriff und ein folkiger, wiegender und gleichzeitig drängender Rhythmus ergänzen sich perfekt. Schließlich erhebt sich die Gitarre melodisch wunderschön über alles andere. „Of Wolf and Blood“, der letzte und mit fast 12:30 Minuten auch der längste Song des Albums, gefällt mir aber auch richtig gut. Er sticht mit seinem schwarzmetallischen Tremolopicking heraus und wechselt immer wieder zwischen wiegendem Rhythmus und akustischen Breaks mit dezentem Synthieinsatz im Hintergrund. Zwischen zarten Melodien und schwarzmetallischer Gitarre. Diese spielt ihre melodische Schönheit noch einmal voll aus, schraubt sich schließlich nach und nach in Richtung Himmel. Wow!

Oscenrads Album “Beyond the Fells” nimmt den Hörer definitiv mit auf eine Zeitreise ins vergangene Angelsachsen. In eine mystische und mythische Welt voller geheimnisvoller Wälder, alter Götter und stolzer Krieger, ohne dabei kitschig zu werden. Die Folk- und Paganelemente bleiben dezent und sind wohl dosiert. Das Gaspedal kommt eher selten zum Einsatz. Also ein eher introvertiertes Paganmetalalbum mit einem gehörigen Schuss feiner Melancholie, Märchenhaftigkeit, Erzähl- und Strahlkraft. Nicht zu vergessen die wirklich exzellente, erstklassige Gitarrenarbeit. Unbedingt Reinhören!

It’s amazing how people can get you to do something that you wouldn’t have thought of in your dreams. A friend of mine – let’s call her Jula – would have denied a few weeks ago that she would ever even think of trying ballet dance. But then this moment. Her little niece: „Jula, will you practice ballet with me?“ She, eloquent as she is: „So … uh … I … this is not a good … can’t we play… cars?“ But there the little one stands in front of her. A sugar-sweet smile on her face, framed by golden-blonde angelic curly hair and the black, metal heart of tough, evil metal aunt Jula melts away like a scoop of chocolate ice cream in midsummer. And suddenly she realizes that she is standing there with her niece, one-legged balancing like a flamingo after too much peppermint liqueur, arms raised with the grace of a hippopotamus on ice skates. We are so easy to manipulate. If this girl goes into politics one day, there will be no fighting and war anymore. In the old Anglo-Saxon England, however, fighting was a part of life. Hæðenwulf and his one man band Oscenrad take you into this world on his album “Beyond the Fells”. If you like stories from bygone times, mythical forests, sword fights and castles, you’ve come to the right place. The album contains six wonderful, long songs that take us back in time.

The opener „Across the Waves“ gets the listener in the mood for what is to come with the noise of waves and the sound of horns. The guitar fades in and riffs along. The swaying, electrifying rhythm takes hold of ears, brain and body. Growl singing. A clean break and subtle use of synths bring variety to the song and a solo, based on the basic riff, rounds it off perfectly. The most fascinating thing is definitely how often Oscenrad manages to vary the basic riff. Very, very well done. „Beneath the Ancient Sky“ is so groovy. A little bass action provides additional spice, deep choral singing for the pagan moment. Little by little the song goes away from the groove and becomes more flowing. Epic synths and spoken words set the mood. At the end a little guitar-technical freak, driven by „Fight“ shouts. „Beyond the Fells“ starts with a synth string intro. Everything seems very mystical, enchanted, mysterious. Also the clean part with humming vocals and the spoken words. Then Oscenrad presses the accelerator a little more and the guitar conjures up a wonderful melody. A little bass grumbling towards the end and a little squabbling with the drums end the song. „Seeress“ is dreamy, acoustic, melodic. Subtle, dull use of drums and background strings create the perfect folk and pagan feeling. An atmosphere so beautiful as to weep! „Runes Ye Shall Find“ is one of my personal favorites on the album. A haunting guitar riff and a folky, swaying rhythm, urgent at the same time, complement each other perfectly. Finally, the guitar rises melodically beautifully above everything else. But I also really like „Of Wolf and Blood“, the last and with almost 12:30 minutes also the longest song on the album. It stands out with its black metallic tremolo picking and changes again and again between swaying rhythm and acoustic breaks with a subtle use of synths in the background. Between tender melodies and black metallic guitar. This once again shows its melodic beauty to the full, eventually screwing its way up towards the sky. Wow!

Oscenrad’s album “Beyond the Fells” definitely takes the listener on a journey through time to the past Anglo-Saxon. Into a mystical and mythical world full of mysterious forests, ancient gods and proud warriors, without getting cheesy. The folk and pagan elements remain subtle and are well dosed. The accelerator pedal is rarely used. So a rather introverted pagan metal album with a good shot of fine melancholy, fairytale-like, with narrative power and radiance. Not to forget the really excellent, first class guitar work. Be sure to listen!

 


Tracks:
1. Across the Waves
2. Beneath the Ancient Sky
3. Beyond the Fells
4. Seeress 
5. Runes Ye Shall Find 
6. Of Wolf and Blood

Band:
Hæðenwulf

Überraschungsei – Cold Dead Lands von Grey Skies Fallen

Doom / Death Doom / Progressive Death
Veröffentlichung: 08.04.2021
Paragon Records / Grimm Distribution / More Hate Productions / Satanath Records
https://www.facebook.com/GreySkiesFallen
https://greyskiesfallen.bandcamp.com/
https://www.instagram.com/greyskiesfallen/


CDL Cover(English version below.)

Woche der Entdeckungen bei Thrash!Boom!Bang! Merke: Wenn man Gitarre eins mit Gitarre zwei über ein Kabel verbindet und dann den Verstärker einschaltet, hilft auch kein wütendes Fluchen. Er wird nicht den leisesten Ton von sich geben. Merke weiter: Der Verstärker ist nicht kaputt, sondern funktioniert nach mehrminütiger Bedenkzeit und kleinlauter Korrektur des Verkabelungsfehlers einwandfrei. Die zweite und – seien wir ehrlich – auch die wichtigere Entdeckung der Woche, ist die der US- amerikanischen Band Grey Skies Fallen und ihres Albums „Cold Dead Lands“. Dabei handelt es sich um ein Re-Release des bereits im Januar 2020 erschienen fünften Albums. Der Sound von Grey Skies Fallen hat mich echt weggepustet und gedanklich in Bewegung gehalten. Er bewegt sich irgendwo zwischen Death Doom, Progressive und Death Metal mit Melodic Einflüssen und Sludgemomenten. Ja – jetzt rattert es, gell? 

Wie passt das also alles zusammen? Wieso konnte Doom mich in Bewegung halten? Und habe ich schon wieder Hunger, weil ich statt „Picking Up the Pieces“ irgendwas mit Picknick gelesen habe? Eins ist bei der Mischung klar – langweilig wird es definitiv nicht. Der Opener „Visions from the Last Sunset“ steigt wuchtig und doomig ein. Die Gitarre präsentiert dem Thema des Songs angemessen melodische und melancholische Melodie. Dramatischer Klargesang (ziemlich amerikanisch für meine Öhrchen) und doomiges Tempo unterstreichen das Ganze perfekt. Mein Lieblingsmoment des Songs ist, wenn die hallige Gitarre für einen Moment völlig allein in Zeit und Raum zu schweben scheint. Gänsehaut! „Cold Dead Lands“ setzt stimmungsmäßig noch einen drauf. Melodisches Riffing, Drums und Gitarren gehen eine äußerst hörenswerte Liaison ein. Wir grooven doomig vor uns hin. Growls fügen Härte hinzu. Und dann kommt dieser bildschöne cleane Break. Hallig, träumerisch, verloren. Atmen. Dann ändert sich die Stimmung abrupt. Der schleppende Rhythmus, die tiefen Gitarren erzeugen ein Gefühl als ob man sich dem peitschenden Regen entgegenstemmt. Basedrum und Hi-Hats erzeugen einen reizvollen Gegensatz. Ungemütlich und irgendwie traurig. Mit „Procession to the Tombs“ ändert sich die Stimmung wieder. Das mitreißende Riff kommt im Kontrast zu den vorangegangenen Songs fast beschwingt daher. Die Kombination aus Growls und unterschwellig drohendem Bass ist schlicht genial. Die Atmosphäre bedrohlich. Alles in allem steckt hier etwas mehr Death Metal drin und obendrauf noch ein bildschönes Gitarrensolo. „Picking Up the Pieces“ bewegt sich ebenfalls irgendwo im Melodeath- und Progressivebereich. Flott mit kleinen Drumfeuerwerken, Growls und grummelnde Gitarren macht der Song von A – Z Spaß. Vor allem der irre Break. Wooohooo. Drums und Bass kicken dir in den Magen, ist aber egal. Die Gitarrenmelodie legt sich drüber. Die Drums brechen immer wieder rein und schließlich treibt einen ein hummeliges Gitarrenriff vollends in den Wahnsinn. Das Tempo wechselt zwischen doomig und groovig. Cool! Mit „After the Summer Comes the Fall“ (vielleicht eine weitere wichtige Erkenntnis dieser Woche) kehren wir zurück ins Wuchtige und Doomige. Schweres Gitarrenriff und engelsgleicher Gesang als Kontrast. Drums und Gitarre gehen immer wieder rhythmische Symbiosen ein, die mich vom Hocker fegen. Aber nichts gegen den Growl-Drum-Gitarren Orkan der dann losbraust und die Frise vollends zerzaust. Ein durch den Bass fast funkig, jazzig locker wirkender Break – hier bäumt sich der Sommer nochmal auf. Aber die Schwere des Herbstes kehrt mit Macht zurück. Der Gesang wird langsam fies, überhaupt wirken plötzlich alle Instrumente düster und fies, tief, dumpf, dräuend. Nur noch ein wenig leichte, cleane Gitarre wie eine letzte Sommerbrise.

Ich hoffe, ich konnte euch verdeutlichen, was für ein tolles Überraschungsei „Cold Dead Lands“ ist. Da steckt so viel drin, dass man beim ersten Hören gar nicht alles erfassen kann. Immer wenn man es sich in der Musik bequem gemacht hat, kommt irgendetwas Neues, das man wieder einordnen muss. Genau das gefällt mir so gut. Danke, Grey Skies Fallen. Absolut gelungen!

Grey Skies Fallen auf YouTube

Week of discoveries at Thrash! Boom! Bang! Note: if you connect guitar one with guitar two via cable and then switch on the amplifier, no angry swearing will help. It won’t produce the slightest sound. Please also note: the amplifier is not broken, but works perfectly after several minutes of reflection and abashed correction of the cabling error. The second and – let’s be honest – the more important discovery of the week is that of the US band Grey Skies Fallen and their album „Cold Dead Lands“. It is a re-release of their fifth album that was released in January 2020. The sound of Grey Skies Fallen really blew me away and kept my mind moving. It ranges somewhere between Death Doom, Progressive and Death Metal with melodic influences and sludge moments. Yes – now it’s working in the brain, right?

So how does it all fit together? How could Doom keep me moving? And am I hungry again because instead of reading „Picking Up the Pieces“ I read something with a picnic? One thing is clear about the mix – it definitely won’t get boring. The opener „Visions from the Last Sunset“ starts powerful and doomy. The guitar presents melodic and melancholic melodies appropriate to the theme of the song. Dramatic clear vocals (pretty American for my ears) and doomy tempo underline the whole thing perfectly. My favorite moment of the song is when the reverberant guitar seems to float completely alone in time and space for a moment. Goose bumps! „Cold Dead Lands“ goes one better in terms of mood. Melodic riffing, drums and guitars form an extremely good liaison. We groove a bit. Growls add harshness. And then comes this beautiful clean break. Reverberant, dreamy, lost. Breathe. Then the mood changes abruptly. The slow rhythm, the deep guitars create a feeling as if you are resisting the lashing rain. Base drum and hi-hats create a appealing contrast. Uncomfortable and somehow sad. With „Procession to the Tombs“ the mood changes again. In contrast to the previous songs, the sweeping riff is almost lively. The combination of growls and subliminal threatening bass is simply awesome. The atmosphere is threatening in general. All in all there is a bit more Death Metal in there and on top of that a beautiful guitar solo. „Picking Up the Pieces“ is also somewhere in the melodic and progressive area. Fast with small drum fireworks, growls and grumbling guitars, the song from A – Z is fun. Especially the crazy break. Wooohooo. Drums and bass kick in your stomach. The guitar melody lays over it. The drums break in again and again and finally a bumblebee like guitar riff drives you completely insane. The tempo changes between doomy and groovy. Cool! With „After the Summer Comes the Fall“ (maybe another important finding this week) we return to the heavy and doomy. Heavy guitar riff and angelic vocals as a contrast. Drums and guitar repeatedly enter into rhythmic symbioses that sweep me off my feet. But nothing against the growl-drum-guitar hurricane that then roars off and completely messes up our hair. A break that seems almost funky, jazzy and relaxed thanks to the bass – summer rears up again here. But the gravity of autumn returns with force. The singing is slowly becoming nasty, all instruments suddenly seem dark and nasty, deep, dull, threatening. Just a little light, clean guitar like a last summer breeze.

I hope I was able to show you what a „surprise egg“ „Cold Dead Lands“ is. There is so much in it that you cannot grasp everything when you first listen to it. Whenever you’ve made yourself comfortable in the music, something new comes along that you have to put back into perspective. That’s exactly what I like so much. Thank you, Grey Skies Fallen. Absolutely successful!


Tracks:
1. Visions From The Last Sunset
2. Cold Dead Lands
3. Procession To The Tombs
4. Picking Up The Pieces
5. Ways Of The World
6. After The Summer Comes The Fall

Band:
Rick Habeeb – Gesang, Gitarre
Sal Gregory – Schlagzeug
Tom Anderer – Bass

Schnörkellose Düsternis. Svartrviðr von King of Asgard

Black Metal / Death Metal / Folk Metal
Veröffentlichung: 28.05.2021
Trollmusic
https://de-de.facebook.com/kingofasgard
https://kingofasgard.bandcamp.com/
https://www.instagram.com/king_of_asgard_official/


king-of-asgard-Svartrviðr(English version below.)

Auf zwei Dinge habe ich in den letzten Wochen sehnsüchtig gewartet: das neue Album von King of Asgard „Svartrviðr“ und darauf, meine Schwester – nennen wir sie Klaus – nach langen Monaten endlich wieder live zu sehen. Und endlich, letzte Woche, wurden beide Wünsche direkt hintereinander erfüllt. Am Freitag erschien „Svartrviðr“ und am Samstag waren Klausi und Chulio für einige Stunden endlich wiedervereint. Beim 6 nimmt zocken kamen Erinnerungen an frühere Zeiten hoch. Zum Beispiel wie wir beim 6 nimmt zocken bei offener Backofentür und Kannen von Tee den eisigen Temperaturen in unserem Ferienhaus trotzten. Gut – den Tee trank im Wesentlichen Klaus, weshalb wir bei unserem Ausflug am nächsten Tag an jeder Autobahnraststätte und jedem dritten Busch halten mussten. Hach, das waren Zeiten… Doch nun zu „Svartrviðr“, dem fünften Album von King of Asgard. Seit „Taudr“, das 2017 erschien, hat sich bei den Schweden das Line-Up geändert. Bedeutet das auch neuer Sound?

Die Frage kann man mit einem klaren Jein beantworten. Im Großen und Ganzen hat sich der Sound von King of Asgard nicht verändert. Der Opener „Frôðr“ spielt sämtliche Stärken der Schweden aus. Sobald der erste Ton erklingt und sich der nächste anschließt, sobald sich alles zu einer dieser wunderbaren King of Asgard Melodien formt, geht mir das Herz auf. „Frôðr“ schleppt sich doomig dahin. Düster. Schwer. Der Gitarrensound schmiegt sich ins Ohr, setzt sich fest. Klares, einfaches, aber wirkungsvolles Riffing, das einen davonträgt und hypnotisiert. Vom Songkonzept her sind „Kvikr“ und „Ammobiærg“ ähnlich. Auch hier bringen King of Asgard ihr Talent zur Geltung, bildschöne Melodienen mit düsteren, harschen Black und Death Metal Riffs und Tremolo Picking zu kombinieren. „Kvikr“ punktet mit seinem cleanen Beginn und irgendwie zwielichtig klingendem Piano. „Ammobiærg“ überzeugt zusätzlich mit hypnotischem, schamanisch anmutendem Gesang und Tempowechsel ins Doomige.

Hier zeigen sich aber gleichzeitig auch die Veränderungen am Sound. Die Songs kommen mit weniger Schwung daher und machen einen deutlichen Schlenker ins Death-Doomige, Schleppende. Die Melodien treten mehr in den Hintergrund zugunsten von mehr Düsternis, Schwärze und Kälte. Zugunsten eines schweren, hypnotischen Sounds. Nun gut, King of Asgard waren jetzt noch nie eine lustige Partyband, aber mit „Svartrviðr“ haben sie eine neue Marke auf der Düsternisskala erreicht, die Gänsehaut zurücklässt. Zugegebenermaßen nicht immer. „Rifna“ und „Hæimr“, für mich die schwächsten Songs des Albums, plätschern mir persönlich ein wenig zu sehr dahin. Während der 7 Minuten steige ich meist irgendwann aus. Exzellent gelungen ist das Ganze allerdings in „Svartrviðr“. Der Song schleppt sich doomig dahin und der hypnotische Gesang zusammen mit dem reduzierten Riffing entführen einen in weit entfernte Welten. Der heimliche Star des Albums ist für mich „Harmdauðr“. Der Song ist bildschön, akustisch, melodiös mit einem Schuss Melancholie. Und gerade dann, wenn man sich so richtig heimelig fühlt, endet er in einer Blackmetalraserei die genauso überraschend endet, wie sie angefangen hat. Einfach genial. Das Album endet mit „FæigR“. Noch etwas sinistres Piano mit Krähe für das ungute Gefühl zum Schluss.

„Svartrviðr“ ist relativ einfach gehalten, ohne unnötige Schnörkel. Ich persönlich hätte gern noch die ein oder andere Melodie mehr gehabt, denn das können King of Asgard einfach. Hier und da wird es mir ein wenig zu hypnotisch. Nichtsdestotrotz hat mich das Album gepackt und in seinen Bann gezogen. Ich liebe Musik, die mir mit ihren Tönen, Melodien und Riffs eine Geschichte erzählt. Und das tun die Schweden auf „Svartrviðr“. Sie entführen den geneigten Hörer in den eisigen Norden mit seiner Kälte, Düsternis und seinen Mythen. Exzellent!

King of Asgard auf YouTube bei Trollmusic

I have been waiting longingly for two things in the last weeks: the new King of Asgard album „Svartrviðr“ and to see my sister – let’s call her Klaus – live again after many months. And finally, last week, both wishes were granted one after the other. „Svartrviðr“ was released on Friday and on Saturday Klausi and Chulio were finally reunited for a few hours. When playing 6 takes, memories of earlier times came up. For example, how we played 6 takes with the oven door open and pots of tea braving the icy temperatures in our holiday home. Ok – Klaus essentially drank the tea, which is why we had to stop at every motorway service station and every third bush on our trip the next day. Oh, those were the times … But now to „Svartrviðr“, the fifth album by King of Asgard. Since „Taudr“, which was released in 2017, the line-up changed. Does that also mean new sound?

The question can be answered with a clear yes and no. By and large, the sound of King of Asgard hasn’t changed. The opener „Frôðr“ shows all of the Swedes‘ strengths. As soon as the first note sounds and the next one follows, as soon as everything forms into one of these wonderful King of Asgard melodies, my heart opens. „Frôðr“ drags along in a doomy manner. Gloomy. Heavy. The guitar sound nestles in the ear, settles in. Clear, simple, but powerful riffing that carries you away and mesmerizes you. In terms of the song concept, „Kvikr“ and „Ammobiærg“ are similar in structure. Again, King of Asgard show their talent to combine beautiful melodies with dark, harsh Black and Death Metal riffs and tremolo picking. „Kvikr“ scores with its clean start and somehow ambiguous sounding piano. „Ammobiærg“ also impresses with hypnotic, shamanic-sounding vocals and a change of tempo to doomy.

At the same time, however, the changes to the sound can also be seen here. The songs come with less verve and make a clear detour into the death-doomy direction. The melodies take a back seat in favor of more gloom, blackness and coldness. In favor of a heavy, hypnotic sound. Well, King of Asgard have never been a fun party band, but with „Svartrviðr“ they have reached a new mark on the gloom that leaves goosebumps. Admittedly, not always. „Rifna“ and „Hæimr“, for me the weakest songs on the album, ripple a little too much for me personally. During the 7 minutes I usually get off at some point. The whole thing turned out very well in „Svartrviðr“. The song drags on in a doomy way and the hypnotic vocals together with the reduced riffing take you to far away worlds. The secret star of the album for me is „Harmdauðr“. The song is beautiful, acoustic, melodious with a dash of melancholy. And just then, when you feel really homely, it turns into a black metal frenzy that ends just as surprisingly as it started. Just awesome. The album’s last song is „FæigR“. Somewhat sinister piano with a crow for the bad feeling at the end.

„Svartrviðr“ is kept relatively simple, without unnecessary squiggles. Personally, I would have liked one or two more melodies, because King of Asgard are so good at creating them. Here and there it gets a little too hypnotic for me. Nonetheless, the album grabbed me and cast a spell over me. I love music that tells me a story with its tones, melodies and riffs. And that’s what the Swedes do on „Svartrviðr“. They kidnap the inclined listener to the icy north with its cold, gloom and myths. Excellent!

 


Tracks:
1. Frôðr
2. Rifna
3. Hæimr
4. Kvikr
5. Ammobiærg
6. Svartrviðr
7. Harmdauðr
8. FæigR

Band:
Karl Beckman – Gesang, Gitarre
Ted Sjulmark – Gitarre
Mathias Westman – Schlagzeug
Jonas Albrektsson – Bass

Tragisch bis apokalyptisch. Parakosm von Feradur +++ mit Gewinnspiel +++

Melodic Death Metal
Veröffentlichung: 30.04.2021
Independent
https://www.facebook.com/FeradurMetal
https://www.instagram.com/feradurmelodeath/
feradur.bandcamp.com
https://twitter.com/feradurofficial/


(English version below.)

Corona ist ein Arsch. Kurz bevor der ganze Mist losging, hatte ich einen riesigen Deal an der Angel und nun? Alles dahin. Aber von vorn. Ich arbeite ja schon seit längerem an einer Karriere als Double. Mein Engagement als Double von Vader Gitarrist Marek Pająk scheiterte an meiner doomigen Langsamkeit an der Gitarre. Als Alissa White-Gluz Double kam ich nicht infrage, weil ich mich so gar nicht als Rampensau eigne und mir fehlt auch die Liebe zu hautengen Ganzkörperanzügen. Schließlich versuchte ich es als Lemmy Double. Stimmlich hätte es super gepasst, doch meine Trinkfestigkeit wies gravierende Mängel auf. Nun sollte es endlich klappen als Double von AC/DC Sänger Brian Johnson. Ich habe ein Schiebermützengesicht, die Größe hätte gepasst und stimmlich kann man uns nicht unterscheiden. Und dann kam Corona. Alles dahin. Feradur hingegen haben die Zeit im letzten Jahr äußerst effektiv nutzen können. Ergebnis der Arbeit: die EP „Parakosm“ mit fünf Melodeathsongs. Hören wir also rein.

Die Songs von Feradur überzeugen mit ihrem ausgefeilten Aufbau. Die Art, wie sie sich entfalten macht einfach Spaß. Nehmen wir den Opener „Midas“. Er beginnt verhalten, fast zurückhaltend. Schüchtern. Gesprochene Worte. Wie ein Echo in der Ferne. Irgendwie melancholisch. Doch man darf sich davon keinesfalls täuschen lassen. Zack. Ehe man sich‘s versieht, baut sich eine intensive Kraft auf – übrigens hat die vorher nicht gefehlt, nicht dass ihr mich falsch versteht. Das Tempo wird schneller, die Drums drängender, die Growls fieser. Die melodischen Gitarrenparts und die doppelläufigen Gitarren sind bildhübsch und krönen das Ganze würdig. Sie charakterisieren den Sound von Feradur maßgeblich und versetzen mich ein ums andere Mal in Verzückung. Die rhythmische Variabilität macht die Songs der Band ebenfalls zu einem Genuss. Sowohl „Crest Of Betrayal“ als auch „Host Of Nightmare“ sind rhythmisch mit der ein oder anderen kleinen Überraschung versehen und rattern nicht nur straight durch. Besonders „Host Of The Nightmare“ gefällt mir gut. Wiegender Gitarrensound geht über in Höllentremolos und Blastbeats. Die melodische Seite von Feradur tritt hier definitiv in den Hintergrund und macht kalter Härte Platz. Das Thema Albtraum wird durch die Gitarren und die Effekte gänsehautmäßig rausgekitzelt. Den Unterschied zwischen harschen und manischen Growls führen die Jungs in „Saviours“ und „Tetsuo“ vor. In Saviours sogar gleich im Doppelpack. Also auch stimmlich wird Variabilität geboten und es wird definitiv nicht langweilig. Außerdem verbreitet der Song ein energiegeladenes, flottes, paganistisches Schlachtenfeeling. Ab in den Schildwall! Die doppelläufigen Gitarren sind in beiden Songs ebenfalls wieder mit am Start. Hatte ich schon erwähnt, dass ich diese Passagen liebe?

„Parakosm“ ist rundum eine runde Sache – im Gegensatz zu diesem Satz. Feradur liefern uns spannende Geschichten, gekleidet in ein perfekt ausgearbeitetes musikalisches Gewand, dem man die Liebe zum Detail anhört. Ein absolutes Must-have für jeden Melodic Death Metal Fan für dieses Frühjahr. Und wenn es noch einen letzten Anreiz benötigt: „Parakosm“ gibt es auf Bandcamp auch auf MC tapes in fünf bildhübschen Farben. Das dürfte jedes Sammlerherz ansprechen. Ich sag nur, Julia hat Freude im Umgang mit Farben. Reinhören! Kaufen!

+++ Gewinnspiel +++
Hat euch das Review neugierig gemacht und ihr würdet euch „Parakosm“ nun unbedingt gern anhören? Was n Glück. Die Jungs von Feradur sind nämlich sehr nett und deshalb kann ich hier heute die EP auf CD verlosen.

Wie ihr am Gewinnspiel teilnehmen könnt?
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Achtung: Die Teilnahme ist nur aus Luxemburg, Deutschland, Österreich und der Schweiz möglich. Beachtet bitte unbedingt die Teilnahmebedingungen dieses Gewinnspiels am Ende des Artikels.

Feradur auf Youtube

Corona is an ass. Right before all the crap started, I had a huge deal on the hook and what now? Everything gone. But from the beginning. I’ve been working on a career as a double for a long time. My engagement as a double of Vader guitarist Marek Pająk failed because of my doomy slowness on the guitar. As an Alissa White-Gluz double, I was out of the question because I am not at all suitable as a stage-struck and I also lack the love for skin-tight full-body suits. Finally, I tried as a Lemmy double. Vocally it would have been great, but my ability to drink had serious shortcomings. Now it should finally work out as a double of AC / DC singer Brian Johnson. I have a flat cap face, the size would have been right and vocally you can’t tell us apart. And then Corona came. Everything gone. Feradur, on the other hand, were able to use the time extremely effectively last year. The result of the work: the EP “Parakosm” with five Melodic Death songs. So let’s listen.

Feradur’s songs convince with their sophisticated structure. The way they unfold is just fun. Let’s take the opener “Midas”. It begins temperatedly, almost cautiously. Shy. It’s like an echo in the distance. Kind of melancholy. But don’t let that fool you. Bam. Before you know it, an intense force builds up – by the way, it wasn’t missing before, not that you misunderstand me. The pace gets faster, the drums more urgent, the growls nastier. The melodic guitar parts and the twin guitars are beautiful and are the icing on the cake. They significantly characterize the sound of Feradur and drive me into rapture time and time again. The rhythmic variability also makes the band’s songs a pleasure. Both “Crest Of Betrayal” and “Host Of Nightmare” are rhythmically provided with one or two little surprises and don’t just rattle down the song. I especially like “Host Of The Nightmare”. The rocking guitar sound turns into hellish tremolos and blastbeats. The melodic side of Feradur definitely takes a back seat and gives way to cold hardness. The nightmare theme is tickled out by the guitars and the effects. The boys demonstrate the difference between harsh and manic growls in “Saviours” and “Tetsuo”. In „Saviours“ even in a double pack. Vocal variability is also offered and it definitely won’t get boring. In addition, the song spreads an energetic, brisk, pagan battle feeling. Off to the shield wall! The twin guitars are also involved in both songs. Did I mention that I particularly love these passages? „Parakosm“ is all round a round thing – in contrast to this sentence. Feradur tell us exciting stories in a perfect musical garb. You can feel and hear the love for the details. An absolute must-have for every Melodic Death Metal fan this spring. And if there is one last access: „Parakosm“ is also available on Bandcamp on MC tapes in five beautiful colors. That should demand every collector’s heart. I’m just saying that Julia enjoys working with colors. Listen! Buy!


Tracks:

1. Midas (Materia Prima)
2. Crest Of Betrayal
3. Saviours
4. Tetsuo
5. Host Of The Nightmare

Band:
Mario Hann – Gesang, Gitarre
Mich Strock – Gitarre, Gesang
Dan Gloden – Gitarre
Fridtjof Kielgast – Bass
Mich Weber – Schlagzeug

Gewinnspielbedingungen

Die Teilnahme ist kostenlos und richtet sich ausschließlich nach den hier genannten Teilnahmebedingungen. Teilnehmen könnt ihr bis zum 30.04.2021 20:00 Uhr. Die Teilnahme ist nur im genannten Zeitraum möglich. Ich behalte mir vor, nach eigenem Ermessen Personen von der Teilnahme auszuschließen, wenn berechtigte Gründe vorliegen, beispielsweise (a) bei Manipulationen im Zusammenhang mit Zugang zum oder Durchführung des Gewinnspiels, (b) bei Verstößen gegen diese Teilnahmebedingungen, (c) bei unlauterem Handeln oder (d) bei falschen oder irreführenden Angaben im Zusammenhang mit der Teilnahme an dem Gewinnspiel.

Was gibt es zu gewinnen und wie wird der Gewinner ermittelt?
Ich verlose eine CD mit der neuen EP Parakosm von Feradur. Der Gewinner wird durch das Los ermittelt und per E-Mail oder Facebook-Nachricht benachrichtigt. Ein Umtausch, eine Selbstabholung sowie eine Barauszahlung des Gewinns sind nicht möglich. Eventuell für den Versand der Gewinne anfallende Kosten übernimmt der Betreiber. Mit der Inanspruchnahme des Gewinns verbundene Zusatzkosten gehen zu Lasten des Gewinners. Für eine etwaige Versteuerung des Gewinns ist der Gewinner selbst verantwortlich. Meldet sich der Gewinner nach zweifacher Aufforderung innerhalb einer Frist von 3 Wochen nicht, kann der Gewinn auf einen anderen Teilnehmer übertragen werden.

Datenschutz
Für die Teilnahme am Gewinnspiel ist die Angabe von persönlichen Daten notwendig. Die Teilnehmer erklären sich damit einverstanden, dass ihre E-Mail Adresse oder Facebook-Kontakt zur Kontaktaufnahme verwendet werden. Für den Versand der CD ist es notwendig, dass der Gewinner seine postalische Adresse an Thrash!Boom!Bang! übermittelt sowie zustimmt, dass diese an die Band Feradur zum Versand weitergegeben wird. Die Daten werden an keine weitere Dritte weitergegeben. Der Gewinner kann seine erklärte Einwilligung jederzeit widerrufen. Der Widerruf ist schriftlich an die im Impressumsbereich angegebenen Kontaktdaten zu richten. Nach Widerruf der Einwilligung werden die erhobenen und gespeicherten personenbezogenen Daten des Teilnehmers umgehend gelöscht.


Facebook Disclaimer
Diese Aktion steht in keiner Verbindung zu Facebook und wird in keiner Weise von Facebook gesponsert, unterstützt oder organisiert.


Anwendbares Recht
Fragen oder Beanstandungen im Zusammenhang mit dem Gewinnspiel sind an den Betreiber zu richten. Kontaktmöglichkeiten finden sich im Impressumsbereich. Das Gewinnspiel des Betreibers unterliegt ausschließlich dem Recht der Bundesrepublik Deutschland. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.


Salvatorische Klausel
Sollte eine Bestimmung dieser Teilnahmebedingungen ganz oder teilweise unwirksam sein oder werden, so wird dadurch die Gültigkeit dieser Teilnahmebedingungen im Übrigen nicht berührt. Statt der unwirksamen Bestimmung gilt diejenige gesetzlich zulässige Regelung, die dem in der unwirksamen Bestimmung zum Ausdruck gekommenen Sinn und Zweck wirtschaftlich am nächsten kommt. Entsprechendes gilt für den Fall des Vorliegens einer Regelungslücke in diesen Teilnahmebedingungen.

Einfach über allem schweben. Tales from the Frozen Lands Part II von Dead Crown

Epic/Atmospheric Blackmetal
Veröffentlichung: 20.02.2021
Independent
https://www.facebook.com/DeadCrownBlackMetal
https://deadcrown.bandcamp.com/
https://www.instagram.com/deadcrown_vikingmetal/?hl=de


a0947228492_10(English version below.)

Woran man merkt, dass es dringend Zeit ist, sich die Kopfhörer aufzuschnallen und in der Musik abzutauchen? Wenn es der Höhepunkt des Tages ist, dabei zuzuschauen, wie der eine Nachbar 15 Minuten lang versucht mithilfe einer Gartenschere, befestigt an einer Teleskopstange, einen einzigen Ast am Kirschbaum abzuschneiden. Oder wenn du dich zum wiederholten mal dabei erwischst, wie du dich bei dem rhythmischen Getrampel des anderen Nachbarn fragst, ob er Homeworkouts oder Stepptanz für sich entdeckt hat. Oder wenn du genau sagen kannst, wie oft die Omma im Haus hinter dir den Eingang heute gefegt hat. Und ich sag mal so, die Nummer ist selbst für Württemberg zu hoch. Oder wenn du abends ob der schaurig roten Beleuchtung im Wohnzimmer der Nachbarn im Haus vor dir darüber grübelst, ob dort ein Bordell oder eine Zweigstelle der Hölle betrieben wird. Dann ist es definitiv Zeit sich mit „Tales from the Frozen Lands Part II“, der neusten EP von Dead Crown, abzulenken.

In meinem Review zu „Tales from the Frozen Lands Part I“ habe ich ja schon mächtig von dem Song „Incarnatum“ geschwärmt. Diesen findet ihr nun auf „Tales from the Frozen Lands Part II“ Der Song hat eine wundervolle Art sich zu entfalten. Angefangen bei einer Synthiemelodie, kombiniert mit Gitarre und Growls bis hin zur Tremolopickingwand. Besonders gefangen hat mich die unglaubliche Weite, die der Song dem Hörer eröffnet. Ein Gefühl davon auf einem Berg zu stehen und weit übers Land zu schauen. Und ich liebe den märchenhaften Touch, den der wunderschöne Cleangesang, der cleane Gitarrenbreak und der Hauch von Drehleier „Incarnatum“ verleihen. Meinem Gefühl nach sind die folkigen Elemente auf „Tales from the Frozen Lands Part II“ präsenter als im ersten Teil. Zum Beispiel im rhythmischen, repetitiven und meditativen Gesang in The Wolf & The Hunter“, der von halliger, dezenter Tremologitarregitarre begleitet wird. Auch der weibliche Gesangspart trägt stark zu diesem Eindruck bei. Und natürlich die Carnyx oder Lure zu Beginn. Der Growlgesang verleiht dem Ganzen dann noch etwas Druck und eine neue Art von Power. Gänsehaut. Vintergod“ bleibt komplett im folkigen Spektrum. Summende Stimmen in Kombination mit Trommeln kommen kraftvoll daher. Mit dem Einsetzen von Cleangesang, Harfe und Flöte mischt sich eine zerbrechliche Zartheit und etwas Träumerisches dazu. Die rhythmische Kraft geht dabei jedoch nie verloren. Borealis“ ist genial. Synthies und die hallige Gitarre erzeugen Weite. Durchatmen. Freiheit. Der Chorus mit seinem cleanen Gesang und seinem bildschönen Gitarrenriff ist von der Art, die unbestimmte Sehnsucht nach – ja nach was? erzeugt. Die hallige Weite und der Rest des Songs driften immer wieder ineinander und trennen sich wieder, bevor der Song in ein episches Synthie- und Aaah-Chor-Finale übergeht.

Tales from the Frozen Lands Part II“ ist folkiger als der erste Teil. Dadurch wirkt die EP noch ein wenig ursprünglicher, träumerischer, märchenhafter und auch atmosphärisch dichter. Sie rührt etwas tief innen an, von dem man nicht genau sagen kann, was es ist. Dabei ist „Tales from the Frozen Lands Part II“ aber auch unheimlich kraftvoll. Manchmal rau und hart. Dead Crown präsentiert auch auf Part II einen absolut hörenswerten Mix aus Black-, Epic- und Doommetal mit Ambient- und Folkeinflüssen. Was mich aber am meisten fasziniert, ist diese unglaubliche Weite, das Gefühl über den Dingen zu schweben, einfach loszulassen und wegzudriften, das einen beim Hören ergreift. Eine klare Verbindung und Fortführung von Part I, zugespitzt und atmosphärisch noch verdichtet. Danke für diese schönen Songs!

Dead Crown auf Youtube

How do you know that it is urgently time to put on your headphones and immerse yourself in the music? When the highlight of the day is to watch one of your neighbors trying to cut off a single branch from the cherry tree with the help of a secateurs attached to a telescopic pole. And this for 15 minutes at least. Or if you catch yourself, asking yourself at the rhythmic trampling of your other neighbor whether he has discovered home workouts or tap dancing. Or if you can say exactly how many times the Grandma in the house behind you swept the entrance today. And I’ll put it this way, the number is too high even for Württemberg. Or when you ponder in the evening whether the scary red lighting in the living room of the neighbors house in front of you is whether there is a brothel or a branch of Hell. Then it’s definitely time to distract yourself with “Tales from the Frozen Lands Part II”, Dead Crown’s newest EP.

In my review of “Tales from the Frozen Lands Part I” I raved about the song “Incarnatum”. You can now find it on “Tales from the Frozen Lands Part II”. The song has a wonderful way of unfolding. Starting with a synth melody, combined with guitar and growls up to a tremolo picking wall. I particularly liked and captured the unbelievable width that the song opens up to the listener. A feeling of standing on a mountain and looking far over the country. And I love the fairytale touch that the wonderful clean vocals, the clean guitar break and the touch of hurdy-gurdy give „Incarnatum“. My feeling is that the folky elements on “Tales from the Frozen Lands Part II” are more present than in the first part. For example in the rhythmic, repetitive and meditative singing in “The Wolf & The Hunter”, which is accompanied by a reverberant, subtle tremolo guitar. The female vocals also contribute greatly to this impression. And of course the Carnyx or Lure at the beginning. The growling vocals then give the whole thing a bit of pressure and a new kind of power. Goose bumps. “Vintergod” remains completely in the folk spectrum. Humming voices in combination with drums come across as powerful. But a fragile tenderness and something dreamy mix with the onset of clean vocals, harp and flute. However, the rhythmic power is never lost. „Borealis“ is awesome. Synths and the reverberant guitar create width. Breathe. Freedom. The chorus with its clean vocals and beautiful guitar riff is of the kind that indefinitely longs for – yes, for what? The echoing expanse and the rest of the song drift into each other again and again and separate again before the song turns into an epic synth and aaah-choir-finale.

„Tales from the Frozen Lands Part II“ is more folky than the first part. This makes the EP seem a little more initially, dreamy, fairytale-like and atmospherically denser. It touches something deep inside that cannot be exactly determined what it is. But “Tales from the Frozen Lands Part II” is also incredibly powerful. Sometimes rough and tough. Dead Crown presents a mix of black, epic and doom metal with ambient and folk influences that is absolutely worth listening to on Part II. But what fascinates me most is this unbelievable expanse, the feeling of floating above things, just letting go and drifting away that grabs you while listening. A clear connection and continuation of Part I, pointed and atmospherically still condensed. Thanks for these beautiful songs!

 


Tracks:
1. Incarnatum
2. The Wolf & The Hunter
3. Borealis
4. Vintergod

Band:
Fausto – alle Instrumente

Musik gewordene Verzweiflung. Fata Morgana von Marianas Rest

Melodic Death Metal/ Doom Metal
Veröffentlichung: 12.03.2021
Napalm Records
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Noch einmal tauchen wir ein in den eisigen, finnischen Winter. Dieses Mal mit Marianas Rest und ihrem neuen Album „Fata Morgana“. Die finnische Melodic Death und Doom Metal Band hat sich in den letzten Jahren zu einer meiner Lieblingsbands entwickelt. Warum? Weil es sehr viel verdammt gute Musik gibt, aber selten berührt sie einen so tief.  Die Musik der Jungs aus Kotka hat mich vom ersten Ton an gepackt. Genau genommen, seit ich dieses geniale Intro vom Opener „Kairos“ vom Vorgängeralbum „Ruins“ gehört hatte (danke Joni). Worte, dann das klagende Cello und dann bricht die Gitarren- und Drumhölle los. Ich weiß nicht wie oft ich dieses Intro gehört habe. Wahrscheinlich hassen mich meine Nachbarn dafür tief und innig, aber das ist es mir wert. Ich kann mich noch an das erste Mal erinnern, dass mich Musik so gepackt hat. Meine Eltern schauten sich The Who auf einer Videoschallplatte an. Diese Wildheit und Rohheit, die Pete Townshend, Keith Moon und Roger Daltrey auf der Bühne ausstrahlten – und dazwischen völlig cool Bassist John Entwistle. Vier Menschen, die völlig in ihrer Musik aufgehen. Ich war total geflasht.

Alles strebt auf dieses Finale zu. Den letzten Akt. Den Tod. Dieses Gefühl bekommt man beim Hören von „Fata Morgana“, dem Ende einer Trilogie. Alle Songs des Albums führen genau auf diesen Punkt zu, vom Opener „Sacrificial“ zum letzten Song „South Of Vostok“. Nicht ohne Irrungen und Wirrungen. Und am Ende stehen Enttäuschung und Tod. Was gibt es Fröhlicheres, um in eine neue Woche zu starten? Marianas Rest kreieren Musik gewordene Verzweiflung. Und sie tun das wunderschön, atmosphärisch dicht und auf eine sehr zerbrechliche und melancholische Art und Weise. Die Gitarrenriffs in „Sacrificial“ oder „Glow From The Edge“ wirken so verloren, dass man sie am liebsten fest in die Arme schließen möchte. Die Melodien sind traurig und wunderschön, sorgen wie in „Glow From The Edge“ oder „South Of Vostok“ für Atmosphäre und Gefühl. Die Keyboards unterstreichen das dezent. Besonders gelungen ist das in „Pointless Tale“ oder „Fata Morgana“. Wohooo. Auch das Cello ist wieder dabei und sorgt in „Horroksen“ oder „Fata Morgana“ für eine düstere Traurigkeit, die in „Horroksen“ ein wenig relativiert wird durch Pianoklänge. Ein Hoffnungsschimmer? Mitnichten! Dem stehen die Vocals und die Distortiongitarren entgegen. In „Glow From The Edge“ zum Beispiel bricht im Chorus gesangsmäßig alles heraus. Der Vulkan explodiert. Heraus strömen wütende Growls und Screams, die Gänsehaut verursachen und die Verzweiflung mit Händen greifbar machen. Dazu noch die zarten, sphärischen Backingvocals. Meisterlich! Und eine 8 auf dem MGI (Manischen Geschrei Index). In „Fata Morgana“ steigert sich das nochmal. Eine glatte 10, denn der Song ist ein einziger Verzweiflungsschrei. Die Screams sind intensiv und gehen direkt unter die Haut, schwarzmetallisches Tremolopicking löst ein wahres Inferno aus. Die Lyrics tun ihr übriges, um die Musik perfekt abzurunden. Sie sind von einer poetischen Traurigkeit und Hoffnungslosigkeit, die anrührt. „Advent Of Nihilism“ ist ein besonderer Schatz. Durch Gitarrenfeedback entsteht eine Unheil verkündende, surreale Stimmung, die von zähen, drohenden Drumschlägen untermauert wird. Herrlich. „South Of Vostok“ schließlich setzt den grandiosen Schlusspunkt. Gesprochene Worte in Finnisch, der Song schleppt sich schwer und zäh voran und dann bricht sich alles Bahn.

‚Intensiv‘ ist das Wort, das „Fata Morgana“ meiner Meinung nach am besten beschreibt. Eine Welle an Emotionen überrollt einen beim Hören und die Gänsehaut ebbt keinen Moment ab. Das Album ist grau, farblos, aggressiv und kalt. Auf der anderen Seite sind aber die melodischen Akzente, die Zerbrechlichkeit, die kalte Schönheit. All das ist intensiv und anrührend. Das Album ist, als ob dir ein Schneeball in die Fresse fliegt. Kein luftiges, pudriges Ding, das beim Aufprall zerstäubt, sondern ein eisiger, verharschter Klumpen. Dann ist es wieder, wie durch einen düsteren, aber bildschönen Winterwald zu stapfen. Der Schnee knirscht und plötzlich bricht ein milchiger Sonnenstrahl durch die Bäume. Und schon fliegt der nächste Schneeball. Für mich ist es jetzt schon das Album des Jahres. Und das, obwohl das Jahr doch noch recht jung ist. Neugierig geworden? Dann könnt ihr euch schon auf mein Interview mit Marianas Rest freuen. Demnächst hier!

Napalm Records und Marianas Rest auf YouTube

Once again we dive into the icy Finnish winter. This time with Marianas Rest and their new album „Fata Morgana“. The Finnish Melodic Death and Doom Metal band has become one of my favorite bands in the last few years. Why? Because there is a lot of damn good music, but rarely does it touch you so deeply. The music of the guys from Kotka grabbed me from the first note. In fact, since I heard this brilliant intro from the opener “Kairos” from the previous album “Ruins” (thanks Joni). Words, then the plaintive cello and then the guitar and drum hell is falling. I don’t know how many times I’ve heard this intro. My neighbors probably hate me deeply for that, but it’s worth it to me. I can still remember the first time that music grabbed me like this. My parents watched The Who on a video record. This wildness and rawness that Pete Townshend, Keith Moon and Roger Daltrey exuded on stage – and in between, totally cool bassist John Entwistle. Four people who are completely absorbed in their music. I was totally flashed.

Everything is moving towards this final ending. The last act. Death. This is the feeling you get when listening to “Fata Morgana”, the end of a trilogy. All the songs on the album lead to exactly this point, from the opener “Sacrificial” to the last song “South Of Vostok”. Not without twists and turns. And in the end there is disappointment and death. How could you start a new week more happy? Despair turned into music, that’s what Marianas rest create. And they do it beautifully, with atmospherically dense and in a very fragile and melancholy way. The guitar riffs in “Sacrificial” or “Glow From The Edge” seem so lost that one would like to hug them tightly. The melodies are sad and beautiful. Like in “Glow From The Edge” or “South Of Vostok” they create atmosphere and feeling. The keyboards underline this discreetly. This is particularly successful in “Pointless Tale” or “Fata Morgana”. Wohooo. The cello is also there again and creates a gloomy sadness in “Horroksen” or “Fata Morgana”, which is somewhat relativized in “Horroksen” by piano sounds. A glimmer of hope? Not at all! The vocals and distortion guitars contrast with this. In “Glow From The Edge”, for example, everything breaks out in the chorus in terms of vocals. The volcano explodes. Angry growls and screams pour out, causing goosebumps and making the despair palpable. Add to that the delicate, spherical backing vocals. Masterful! And an 8 on the MGI (Manic Shouting Index). This increases again in “Fata Morgana”. A straight 10, because the song is a single cry of despair. The screams are intense and go right under the skin, black metallic tremolopicking triggers a real inferno. The lyrics do the rest to round off the music perfectly. There is a poetic sadness and hopelessness that is touching. „Advent Of Nihilism“ is a special treasure. Guitar feedback creates an ominous, surreal atmosphere that is underpinned by tough, threatening drum hits. Splendid. Finally, “South Of Vostok” marks the grandiose conclusion. Spoken words in Finnish, the song drags on hard and tough and then everything breaks out.

‚Intense‘ is the word that best describes “Fata Morgana” in my opinion. A wave of emotions overwhelms you while listening and the goose bumps never go away. The album is gray, colorless, aggressive and cold. On the other hand, there are the melodic accents, the fragility, the cold beauty. All of this is intense and touching. The album is like a snowball in your face. Not an airy, powdery thing that atomizes on impact, but an icy, crusty lump. Then it’s like trudging through a gloomy but beautiful winter forest again. The snow crunches and suddenly a milky ray of sun breaks through the trees. And the next snowball flies. For me it is already the album of the year. And that although the year is still quite young. Curious? Then you can look forward to my interview with Marianas Rest. Soon here!


Tracks:
1. Sacrificial
2. Glow From The Edge
3. Pointless Tale
4. The Weight
5. Horrokseen
6. Fata Morgana
7. Advent Of Nihilism
8. South Of Vostok

Band:
Jaakko Mäntymaa – Gesang
Aapo Koivisto – Keyboards
Nico Mänttäri – Gitarre
Harri Sunila – Gitarre
Niko Lindman – Bass
Nico Heininen – Schlagzeug