Hauch des Wahnsinns. Untergang von One Past Zero

Doom / Stoner / Rock
Veröffentlichung: 2022
Doom World Productions
Bandcamp
Facebook


a3806652857_10(English version below.)

Neulich. Es klingelt an der Haustür. Ein Mann, laut der Aufschrift auf seinem Shirt Dachdecker, steht davor und lächelt mich jovial an. „Guten Tag, Frau Neumann. Wir richten grad das Dach bei ihren Nachbarn und jetzt gehe ich mal durch und frage herum. Muss man bei Ihnen vielleicht die Dachrinne reinigen?“ Ich schweige. Denke. Einmal Dachrinne reinigen. Hochklettern auf eine diamantbesetzte Leiter, güldener Besen mit Borsten aus seidigem Kaschmir. Ich überschlage. Macht in etwa – eins gemerkt – 1025,43 Euro. Die Stimme des Dachdeckers dringt wie durch einen Nebel an mein Ohr: „Frau Neumann, schauen sie doch nicht so ängstlich. Es passiert nichts Schlimmes!“ Diese kleine Anekdote zeigt, Ängste und Horror können vielfältig sein. Eine Band, die hervorragend mit diesen Gefühlen spielt, ist One Past Zero. Hinter dem Namen verbergen sich die zwei Ulmer Musiker Uli Hildenbrand (Ex-Poison, Ex-R.U. Dead?) und Kishde (Ex-The Real Massacre). Am Freitag fand ich zu meinem großen Entzücken deren neue EP „Untergang“ im Briefkasten vor. Und da ich ein begeisterter Fan des schrägen Sounds von One Past Zero bin, musste ich natürlich sofort reinhören.

Die EP beinhaltet zwei etwa zehnminütige Songs und zwei Bonustracks aus einer früheren Schaffensphase. Nun sitze ich hier mit einem breiten Grinsen im Gesicht und versuche zu beschreiben, wie herrlich manisch, irre, gewitzt und im angenehmsten Sinne gruselig diese Songs sind. Den Stil von One Past Zero zeichnet ein Mix aus klassischem Doom, Stonerelementen, mäandernden und dräuenden Klangwänden und manischem, etwas überzeichnetem Ozzy Gesang aus. „The Decline“ wird von einem saumäßig geilen Gitarrenriff geprägt. Es sammelt einen zu Beginn des Songs ein, wird hin und her variiert und transponiert und lässt einen nicht mehr aus den Klauen. Das Ganze wechselt mit schrammeligen Bangpassagen. Ein richtig schräges Gitarrensolo lässt das Grinsen noch breiter werden. Die Gitarre torkelt herum wie ich, wenn ich an einem Mon Chérie gerochen habe, aber die Drums halten alles straight zusammen. Der Sound ist herrlich schrammelig, abgeratzt, doomig tief, gefühlsmäßig immer knapp daneben und doch genau richtig. „Two.Five.Seven.“ unterscheidet sich deutlich. Eine cleane Gitarrenmelodie rollt heran wie eine bedrohliche Welle, die einen ins tiefe, schwarze Meer hinabzieht. Der Horror wird geradezu greifbar, befördert durch den sinistren Synthisound. Die Drums galoppieren einen straight und sanft ins Verderben und der Gesang ist zu einer Art Flüstern und Murmeln reduziert. Super atmosphärisch. Der erste Bonustrack „God“ ist auf den ersten Blick klassischer Doom. Zwischendurch verlässt er diesen Pfad allerdings und es groovt ordentlich. Irgendwie motörheadig, rock’n’rollig, jazzig. „No One“ hingegen ist ein herrlicher, thrashiger Nackenbrecher. Ich liebe die erfrischende, durchgeknallte, schräge Gewitztheit der One Past Zero Songs einfach. Unbedingt reinhören.

English Version

Recently. The doorbell rings. A man, according to the inscription on his shirt a roofer, stands in front of it and smiles jovially at me. „Hello Mrs. Neumann. We’re fixing the roof at your neighbor’s and now I’m going through the neighbourhood and I’m asking around. Do you perhaps have to clean the gutter?“ I am silent. Think. Clean the gutter once. Climbing up a diamond-studded ladder, golden broom with bristles of silky cashmere. I’m calculating fast: Makes about – one thing noted – 1025.43 euros. The roofer’s voice reached my ear as if through a fog: „Mrs. Neumann, don’t look so anxious. Nothing bad will happen!“ This little anecdote shows that fear and horror can be manifold. One band that plays masterly with these feelings is One Past Zero. The two musicians from Ulm, Uli Hildenbrand (ex-Poison, ex-RU Dead?) and Kishde (ex-The Real Massacre) hide behind the name. Last Friday, to my great delight, I found their new EP „Untergang“ in the mailbox. And since I’m an avid fan of One Past Zero’s weird sound, I had to check it out right away.

The EP contains two ten-minute songs and two bonus tracks from an earlier creative phase. Now I’m sitting here with a big grin on my face, trying to describe how wonderfully manic, insane, witty and in the most pleasant sense creepy these songs are. The style of One Past Zero is characterized by a mix of classic doom, stoner elements, meandering and looming sound walls and manic, somewhat exaggerated Ozzy singing. „The Decline“ is characterized by an awesome guitar riff. It catches you at the beginning of the song, is varied and transposed back and forth and doesn’t let you out of its claws. The whole thing alternates with shabby bang passages. A really weird guitar solo makes the grin even bigger. The guitar staggers around like I do after smelling a Mon Chérie, but the drums keep it all straight together. The sound is marvelously scratchy, doom-like deep, sounding always a bit off-target and yet just right. „Two.Five.Seven.“ differs significantly. A clean guitar melody rolls in like a menacing wave that pulls you down into the deep, black sea. The horror becomes almost tangible, promoted by the sinister synth sound. The drums gallop the listener straight and gently to the doom and the vocals are reduced to a sort of whisper and murmur. Super atmospheric. The first bonus track „God“ is classic Doom at first glance. In between, however, it leaves this path and it grooves properly. Somehow motörhead, rock’n’roll, jazzy. „No One“ on the other hand is a delightful, thrashy neck breaker. I just love the refreshing, insane, weird wit of the One Past Zero songs. Definitely check it out.

 


Tracks:

1. The Decline
2. Two.Five.Seven.
3. God (Bonus)
4. No One (Bonus)

Band:

Kishde (Schlagzeug)
Uli Hildenbrand (Gitarre, Bass, Gesang, Keyboard)

Black Metal meets Dudelsack. Origins von Saor

Atmospheric Black Metal / Folk Metal / Pagan Metal
Veröffentlichung: 24.06.2022
Season Of Mist
Homepage
Facebook
Instagram


18175(English version below.)

Nachdem ich nun eine Weile zu Fuß und mit Rucksack im Ländle unterwegs war, steht mir der Sinn komischerweise nach atmosphärischem Blackmetal mit keltischen Folkeinflüssen. Seltsam. Aber was bin ich doch für ein Glückspilz. Die schottische Band Saor, das Projekt des Ex-Falloch-Gitarristen Andy Marshall hat just ihr neues Album „Origins“ veröffentlicht. Läuft mir total rein, denn ich bin ein riesiger Fan. Das Vorgängeralbum „Forgotten Paths“ (2019) habe ich eine Weile rauf und runter gehört und konnte einfach nicht genug davon bekommen. Meine Umwelt vielleicht schon, aber ich nicht. Dementsprechend gespannt war ich natürlich auf „Origins“.

Und ich wurde nicht enttäuscht. Wurde ich von Saor eigentlich überhaupt noch nie. Jeder Ton macht Sinn, jedes Riff sitzt. Der Opener „Call of the Carnyx“ entführt einen vom ersten Ton an in eine andere, weit entfernte Welt. Eingängiges, kraftvolles Riffing, bezaubernde, melanchonische Melodien. Der Song entwickelt Weite und Drama. Und hey – mal ehrlich – die wenigsten können Dudelsackmelodien so in ihre Songs einbauen, dass sie einem nicht auf den selbigen gehen. „Fallen“ erhöht mit derben Growls den Druck. Das Paganfeeling schleicht sich über die Melodie ins Ohr bis irgendwann eine für Saor eher untypische, fast schunkelige Stimmung entsteht. Am besten gefällt mir „Aurora“. Der Song treibt das auf die Spitze, was „Origins“ ausmacht. Die geniale Kombination von rasenden Blackmetalausbrüchen und akustischer Zartheit und Melancholie. „Aurora“ ist rhythmusgetrieben, meditativ. Man kann sich herrlich treiben lassen zwischen kraftvollen Powerriffs und der leisen Schönheit der Melodien. Gleichzeitig blitzt immer wieder eine intensive Schroffheit auf. Auch „Origins“ mit seinem bedrohlichen Unterton und der blastbeatigen Aggressivität kombiniert mit Chor, Synthistreichern und einer gewissen Theatralik hat mich umgehauen.

Saor entführen den Hörer mit „Origins“ in eine komplett andere Welt. Bewährt ist das Konzept aus atmosphärischem Black Metal mit keltischen Elementen. Doch im Vergleich zum Vorgänger „Forgotten Paths“ ist „Origins“ klarer, stringenter und kompakter. Die Songs sind kürzer, ufern weniger aus, haben weniger Windungen. Die Verspieltheit ist einer gewissen Rauheit gewichen. Der Gesang spielte bei Saor schon immer eine eher untergeordnete Rolle. Dennoch bietet er von Growls über Klargesang, atmosphärischem Flüstern und erhabenen Chören alles. Insgesamt ist das Album auch etwas schwarzmetallischer und voll treibender Blastbeats, die einem den Atem rauben. Die keltischen Folkparts werden bestimmt durch Tin-Whistle und Dudelsack und entführen den geneigten Hörer in eine vergangene Zeit in Schottland. Rundum gelungen!

Saor auf YouTube

English Version

Now that I’ve been hiking with a backpack in the country for a while, I’m strangely in the mood for atmospheric Black Metal with Celtic folk influences. Weired. But what a lucky girl I am. Scottish band Saor, the project of ex-Falloch guitarist Andy Marshall, has just released their new album „Origins“. I’m totally hooked because I’m a huge fan. I listened to the previous album „Forgotten Paths“ (2019) over and over for a while and just couldn’t get enough of it. Maybe my environment did, but I don’t. So of course I was excited for „Origins“.

And I was not disappointed. In fact, I’ve never been from Saor. Every note makes sense, every riff fits. The opener „Call of the Carnyx“ takes you from the first note into another, far away world. Catchy, powerful riffing, enchanting, melancholy melodies. The song develops width and drama. And hey – let’s be honest – very few can incorporate bagpipe melodies into their songs in such a way that they don’t get on your nerves. „Fallen“ increases the pressure with coarse growls. The pagan feeling creeps into the ear via the melody until at some point an almost swaying mood arises. My favorite is „Aurora“. The song takes what „Origins“ is all about to the extreme. The ingenious combination of frenzied black metal outbursts and acoustic tenderness and melancholy. „Aurora“ is rhythm driven, meditative. You can let yourself drift wonderfully between powerful riffs and the quiet beauty of the melodies. At the same time, an intense harshness flashes up again and again. Also the title track „Origins“ with its menacing undertone and blast beat aggressiveness combined with choir, synth strings and a certain theatricality blew me away.

Saor take you into a completely different world with „Origins“. The concept of atmospheric black metal with Celtic elements is proven. But compared to its predecessor „Forgotten Paths“, „Origins“ is clearer, more stringent and more compact. The songs are shorter, less overflowing, have fewer twists and turns. The playfulness has given way to a certain roughness. Singing has always played a rather subordinate role in Saor. Nevertheless, it offers everything from growls to clean singing, atmospheric whispers and sublime choirs. Overall, the album is also a bit more Black Metal and full of driving blast beats that take your breath away. The Celtic folk parts are determined by tin whistle and bagpipes and take the listener to a bygone time in Scotland. Completely successful!

 


Tracks:

1. Call Of The Carnyx
2. Fallen
3. The Ancient Ones
4. Aurora
5. Beyond The Wall
6. Origins

Band:

Andy Marshall (Alle Instrumente, Gesang)

Gäste:
Dylan Watson (Schlagzeug)
Sophie Marshall (Backing Vocals)

Wohlig schaurig. „Madness and Blood“ von A Dance In Yellow.

Melodic Death Metal / Black Metal
Veröffentlichung: 03.06.2022
Bandcamp
Facebook


a0257907688_10(English version below.)

Heute habe ich für euch ein wenig gruseliges Gruseln und wohliges Schauern im Gepäck. Damit meine ich nicht, dass ich euch ein Selfie von mir von heute früh poste. Das wäre dann doch zu grausam. Nein – es geht um das Melodic Death Metal Album „Madness and Blood“ von A Dance In Yellow. Hinter diesem poetischen Namen verbirgt sich der Gitarrist, Vocalist und Composer Jonas Werling. „Madness and Blood“ ist ein Konzeptalbum, inspiriert von dem Brettspiel „Eldritch Horror“, und soll dessen Atmosphäre einfangen. Es geht also um Angst, Wut, Täuschung, Irreführung und Bedrohung. Jetzt mal so ganz lapidar und grob umrissen.

Das äußerst stimmungsvolle Intro „Madness and Blood“, gibt mit seinem unheilvollen Gitarrensound, dem ungemütlichen Chor und den bisweilen schrillen Pianotönen und dem Flüstern sehr gut die Richtung vor und erzeugt ein schön schauriges Kribbeln in der Magengegend. Im Song „Torn Apart“ heißt es dann pedal to the metal und der Fuß geht ab da auch nur noch selten vom Gas. Die Gitarre dräut unheilvoll im Hintergrund – ich glaube, ich habe noch nie so einen unheilvollen Gitarrensound gehört. Großartig. Melodisch ist der Song sehr ansprechend, die Tempowechsel erzeugen Spannung. Die nachdrücklichen Drums scheinen die Lyrics geradezu einzuhämmern. „Torn Apart“ verbreitet ein richtig cineastisches Feeling. Das bleibt eigentlich auch das ganze Album über erhalten. Die Musik wirkt geradezu bildgewaltig, falls man das so sagen kann. Gefühle und Emotionen spielen eine bedeutende Rolle. Mit ihnen wird gekonnt – und äußerst variantenreich – gespielt. Zum Beispiel in „Fire and Steel“. Die Gitarre pirscht sich langsam an den Hörer an. Bass und Gitarre beginnen dann eine unheilvolle und rhythmisch äußerst spannende Liaison, melodisch wunderschön. Zusammen mit der Orchestrierung entsteht eine gruselige Atmosphäre und es läuft einem eiskalt den Rücken runter. Die Vocals wechseln zwischen Growls, Screams und gesprochenen Worten und tragen ihren Teil zum Gesamtklang bei. „You Will Fail“ beginnt mit einem atemlos und abgehackt wirkenden Gitarre-, Gesang- und Drumauftakt und wechselt sich dann ab mit einem schon fast wiegenden Rhythmus. „Stars Constellate Your Fate“ schafft durch die hallige Orchestrierung Weite und ein Gefühl von Unendlichkeit. Dagegen steht in herrlichem Gegensatz ein erdendes Drum- und Gitarreninferno. So gut gelungen! „Broken and Weary“ beginnt mit wunderschönem Piano- und Streicherintro, schleppt sich dann mit tiefer Gitarre unheilvoll weiter, wie ein verwundetes Tier und zieht eine blutige Spur hinter sich her bis das Piano wieder übernimmt und am Ende alles auseiert. In „In the Darkest Night“ zeigt A Dance In Yellow seine zarte Seite. Sanfte cleane Gitarre und regnerisch windiger Soundeffekt, eine Nacht, in der man vor seinem eigenen Spiegelbild erschrickt. „Boon of the Ancients“ überzeugt mit seinem äußerst dynamischen und drängenden Gitarrenriff.

„Madness and Blood“ ist ein atmosphärisch extrem dichtes Album. Der gelungene Mix von Musik und Soundelementen, im auf-die-Fresse-Modus, überzeugt von A bis Z. Die Melodien sind bildschön, gruselig, wohlig-schaurig. Vor allem die Gitarre wirkt bisweilen wie ein lebendiges Wesen. Lauernd, wütend. Die Lyrics erinnern an einen Geschichtenerzähler an einem blakenden Feuer in einer verregneten, stürmischen Nacht. Kribbeln in der Magengegend garantiert!

A Dance In Yellow auf YouTube

English Version

Today I have a little creepy horror and pleasant shivers in the luggage for you. I don’t mean that I’m posting a selfie of me from this morning. That would be too cruel. No – it’s about the melodic death metal album „Madness and Blood“ by A Dance In Yellow. Behind this poetic name hides the guitarist, vocalist and composer Jonas Werling. „Madness and Blood“ is a concept album inspired by the board game „Eldritch Horror“ and aims to capture its atmosphere. So it’s about fear, anger, deception and threats. Very succinctly and roughly outlined.

The extremely atmospheric intro „Madness and Blood“ sets the direction very well with its ominous guitar sound, the uncomfortable choir, the sometimes shrill piano tones and the whispering and creates a nice eerie tingling in the stomach area. In the song „Torn Apart“ it’s pedal to the metal and from then on it rarely takes the foot off the gas. The guitar is ominously in the background – I don’t think I’ve ever heard such an ominous guitar sound. Great. Melodically, the song is very appealing, the tempo changes create tension. The emphatic drums seem to pound the lyrics into place. „Torn Apart“ spreads a really cinematic feeling. That actually stays the same throughout the album. The music is almost visually stunning, if you can put it that way. Feelings and emotions play an important role. A Dance In Yellow play with them skilfully – and with a lot of variety. For example in „Fire and Steel“. The guitar slowly approaches the listener. Bass and guitar then begin an ominous and rhythmically extremely exciting liaison, melodically beautiful. Along with the orchestration it creates a spooky atmosphere. The vocals alternate between growls, screams and spoken words and complete the overall sound. „You Will Fail“ begins with a breathless and choppy guitar, vocals and drums prelude and then alternates with an almost swaying rhythm. „Stars Constellate Your Fate“ creates vastness and a sense of infinity through the reverberant orchestration. On the other hand, a grounding drum and guitar inferno stands in wonderful contrast. So well done! „Broken and Weary“ begins with a beautiful piano and strings intro, then a low guitar drags itself, like a wounded animal and leaves a bloody trail behind it until the piano takes over again and everything wobbles out in the end. „In the Darkest Night“ shows A Dance In Yellow’s tender side. Gentle clean guitar and rainy windy sound effect, a night where you scare yourself in front of your own reflection. „Boon of the Ancients“ convinces with its extremely dynamic and urgent guitar riff.

„Madness and Blood“ is an atmospheric, extremely dense album. The successful mix of sound elements and music, in the pedal to the metal mode, convinces from A to Z. The melodies are beautiful, creepy, comfortingly scary. Especially the guitar sometimes seems like a living being. Lurking, angry. The lyrics are reminiscent of a storyteller by a roaring fire on a rainy, stormy night. Tingling in the stomach area guaranteed!


Tracks:

1. Madness and Blood (Intro)
2. Torn Apart
3. Inside the Walls
4. Fire and Steel
5. You Will Fail
6. Stars Constellate Your Fate
7. Broken and Weary
8. In the Darkest Night
9. Boon of the Ancients
10. The All-Devouring
11. The Game Will End

Band:
Jonas Werling

Götter, Könige, Schlachtengetümmel. „Ynglingaättens Öde“ von Månegarm.

Folk Metal / Pagan Metal
Veröffentlichung: 15.04.2022
Napalm Records
Homepage
Facebook
Instagram


354048(English version below.)

Letzten Freitag war Heimwerkertag. Die Challenge: vier Pfosten so einbetonieren, dass sie hinterher nicht von links nach quer stehen. Betonieren kann ich 1a, mit der Wasserwaage geduldig und wutanfallfrei umgehen nicht. Aber der nötige Abstand hilft in solchen Situationen. Samstag hieß es dann chillen mit dem besten Ehemann und der besten Freundin von allen, sodass ich heute in exzellenter Schreiblaune bin. Månegarm veröffentlichten vor kurzem ihr neues Album „Ynglingaättens Öde“ (Das Schicksal der Ynglingasippe) und da müssen einfach ein paar Worte dazu gesagt werden. Ich persönlich liebe ja den für Månegarm typischen Mix aus Blackmetal, Folk- und Paganelementen heiß und innig. Die Schweden verstehen es, mit ihrer Musik Geschichten zu erzählen – und zwar extrem bunt und lebendig. Auf „Ynglingaättens Öde“ nehmen sich Månegarm das alte nordische Gedicht „Ynglingatal“ vor, das von der Geschichte, den Herrschern, Königen und natürlich auch den Schlachten der Ynglingadynastie aus der Gegend von Uppsala berichtet.

Der Auftakt könnte kaum fulminanter ausfallen. Mit „Freyrs blod“ nageln Månegarm dem geneigten Hörer ein 10-minütiges Brett vor die Birne, das es in sich hat und keine Fragen offen lässt. Der Song eröffnet mit schönster Blackmetalraserei inklusive wildem Tremolopicking, Blastbeats und wüstem Gekeife. Also back to the roots? Nicht wirklich. Nur in Anklängen. Der eingängige Refrain, die bildschönen melodischen Gitarrenparts, die ruhigen, cleanen Momente mit Violine und Klargesang, das sich andeutende Schunkelgefühl und die furios melancholischen Fiedelmomente brechen mit dem oldschool Gefühl, das sich breit machen will. Der Song sagt eindeutig aus: Wir sind wieder da! „Ulvhjärtat“ verbindet fast schon beschwingte, akustische Leichtigkeit mit einem prägnanten Riff, einer märchenhaft schönen Gitarrenmelodie und mitunter schon fast krächzenden Growls. Ja, Melodien, die ins Ohr gehen, können Månegarm. Das beweisen sie auch mit „Adils fall“. Es ist majestätisch, der Gesang wuchtig und nachdrücklich. Er prägt den Song mit seiner Geschichtenerzählermanier (oder Geschichtengrowler?) entscheidend und verleiht ihm einen ganz eigenen Charakter. Definitiv ein Highlight des Albums ist das balladeske „En snara av guld“. Der Song ist von einer anrührenden Zartheit, zu welcher der Gesang von Sänger Erik Grawsiös Tochter Lea Grawsiö Lindström maßgeblich beiträgt. Ihre elfenhafte Stimme harmoniert mal perfekt mit Erik Grawsiös klarem Gesang, mal steht sie in reizvollem, spannungsgeladenem Kontrast zu dessen Rauheit. „Stridsgalten“ erzählt die Geschichte einer Schlacht zu Ehren Odins. Ein eingängiger, folkig groovender Stampfer, der absolut Spaß macht.  Ein Violinenriff, das sich festfräst. Dazu noch die Unterstützung durch die Kollegen Jonne Järvelä (Korpiklaani), Robse Dahn (Equilibrium) und Pär Hulkoff (Raubtier/Hulkoff). Und ja – scheißegal, wie die restlichen Songs ausfallen. Die Maultrommel feiert hier ihr furioses Comeback. Im Gegensatz zur Feierstimmung von „Stridsgalten“ steht das bedrohliche und düstere „Auns söner“. Eine blackmetallische Midtempo Nummer mit lauerndem Gitarrenriff, welches die Geige gekonnt aufnimmt. Noch schwärzer wird es mit „Vitta vettr“. Der melodische, cleane Beginn täuscht kurz an, bevor ein wahrer blastbeatiger, fieser, harter Aggressionsausbruch folgt. Der eingängige Refrain durchbricht das Ganze aber immer wieder. Den märchenhaft schönen akustischen Abschluss liefert dann „Hågkomst av ett liv“. Der Song ist zart, zerbrechlich, wehmütig, die Violine singt geradezu. Die Gitarrenarrangements sind göttlich. Die Hauptrolle spielt allerdings der umwerfende Leadgesang von Ellinor Videfors. Dazu kommt Erik Grawsiös Klargesang und einige Passagen im Duett. Hach. Seufz. Gelungener Abschluss für ein Album, das umhaut.

Nachdem Månegarm sich auf dem letzten Album „Fornaldarsagor“ wieder etwas mehr ihren schwarzmetallischen Wurzeln angenähert hatten, bleiben diese auf „Ynglingaättens Öde“ auch weiterhin stark präsent. Doch das Album ist wieder folkiger und etwas verspielter. Violine, schunkelnde Melodien, vielstimmige Chöre, eingängige Mitsingrefrains und meine geschätzte Maultrommel sorgen für das  Ambiente. Genau im richtigen Maß, wage ich zu behaupten. Gesanglich legt Erik Grawsiö noch eine Schippe drauf. Seine Stimme ist unheimlich wandelbar und trägt mit ihrem klaren Klang, den heftigen Growls und dem wüsten Krächzen sehr zum Charakter des Albums bei. Hören!

Napalm Records auf YouTube

English Version

Last Friday was home improvement day. The challenge: concrete four posts in such a way that they don’t end up crossing from left to right. I can concrete perfectly but not use the spirit level patiently and without tantrums. But the necessary distance helps in such situations. Saturday was chilling out with the best husband and best friend of all, so today I’m in an excellent writing mood. Månegarm recently released their new album „Ynglingaättens Öde“ (The Fate of the Ynglinga Clan) and a few words have to be said about it. I personally love the mix of black metal, folk and pagan elements that is so typical for Månegarm. The Swedes know how to tell stories with their music – extremely colorful and lively. On „Ynglingaättens Öde“ Månegarm take on the old Norse poem „Ynglingatal“, which tells of the history, rulers, kings and of course the battles of the Yngling Dynasty from the Uppsala area.

The start could hardly be more brilliant. With „Freyrs blod“ Månegarm nail a 10-minute hammer in front of the listener’s head, which has it all and leaves no questions unanswered. The song opens with the most beautiful black metal frenzy including wild tremolo picking, blast beats and wild nagging. So back to the roots? Not really. Only hints. The catchy chorus, the beautiful melodic guitar parts, the quiet, clean moments with violin and clear vocals, the hint of swaying and the furiously melancholic fiddle moments break with the old school feeling that wants to spread. The song clearly says: We’re back! „Ulvhjärtat“ combines almost exhilarating, acoustic lightness with a concise riff, a fabulously beautiful guitar melody and sometimes almost croaking growls. Yes, catchy tunes is something Månegarm really master. They prove that again with „Adils fall“. It’s majestic, the vocals powerful and emphatic. They decisively shape the song with their storytelling manner (or story growler?) and give it its very own character. Definitely a highlight of the album is the balladesk „En snara av guld“. The song has a touching tenderness, to which the singing of singer Erik Grawsiö’s daughter Lea Grawsiö Lindström contributes significantly. Her elfin voice sometimes harmonizes perfectly with Erik Grawsiö’s clear vocals, sometimes it stands in charming, tense contrast to its roughness. „Stridsgalten“ tells the story of a battle in honor of Odin. A catchy, folky grooving pounder that’s a lot of fun. A violin riff that gets stuck in your ear. Add to that the support of colleagues Jonne Järvelä (Korpiklaani), Robse Dahn (Equilibrium) and Pär Hulkoff (Predator/Hulkoff). And yes – I don’t give a fuck how the rest of the songs turn out. The jaw’s harp celebrates its furious comeback here. In contrast to the festive mood of „Stridsgalten“ is the menacing and somber „Auns söner“. A black metallic mid-tempo song with a lurking guitar riff which the violin skilfully picks up. It gets even blacker with „Vitta vettr“. The melodic, clean beginning is deceptive for a moment, before a real blast-beat, mean, hard outburst of aggression follows. The catchy chorus breaks through the whole thing again and again. „Hågkomst av ett liv“ delivers the magically beautiful, acoustic conclusion. The song is tender, fragile, wistful, the violin almost sings. The guitar arrangements are divine. The main role, however, play the stunning lead vocals of Ellinor Videfors. There are also Erik Grawsiös clear vocals and a few passages in a duet. Uh. Sigh. Successful conclusion for an album that blows your mind.

After Månegarm got closer to their Black Metal roots on their last album „Fornaldarsagor“, they remain strongly present on „Ynglingaättens Öde“. But the album is folkier again and a bit more playful. Violin, swaying melodies, polyphonic choirs, catchy sing-along refrains and my treasured jaw harp provide the ambience. Just the right amount, I daresay. Vocally, Erik Grawsiö turns up even more. His voice is incredibly changeable and with its clear sound, the heavy growls and the wild croaking it contributes a lot to the character of the album. Listen!


Tracks:

1. Freyrs blod
2. Ulvhjärtat
3. Adils fall
4. En snara av guld
5. Stridsgalten
6. Auns söner
7. Vitta vettr
8. Hågkomst av ett liv
9. The Wolfheart (English version of „Ulvhjärtat“)

Band:

Erik Grawsiö – Gesang, Bass
Markus Andé – Gitarre
Jakob Hallegren – Schlagzeug

Baden in Depression. Deceiver von Khemmis.

Doom Metal / Epic Doom Metal
Veröffentlichung: 19.11.2021
Nuclear Blast
Homepage
Bandcamp
Facebook
Instagram


Deceiver_FrontCover(English version below.)

Momentan wollen die Worte nicht so fließen, wie sie sollen. Bei der aktuellen Situation kein Wunder, dass einem das Ganze auf die Tippfinger schlägt. Sonst setze ich mich hin, Musik wandert vom Ohr ins Hirn und vom Hirn in die Finger. Gerade ist da aber anscheinend irgendwo eine Barriere, die den Gedankenfluss behindert. Was macht man in solch einer Situation? Man stellt fest, dass man es schändlicherweise immer noch nicht geschafft hat, ein paar Worte zum neuen Album einer meiner absoluten Lieblingsbands zu schreiben. Bereits im November 2021 erschien „Deceiver“ von Khemmis aus Denver. Und siehe da, in dieser Wohlfühlzone klappt es auch mit dem Schreiben wieder ein wenig besser. Zudem passt das Album textlich und stimmungstechnisch wie die Faust aufs Auge. Melancholisch, depressiv, düster, hoffnungslos.

Das Album startet mit „Avernal Gate“. Ein bildschönes, akustisches Intro leitet in ein wunderbar galoppierendes Heavy Metal Gitarrenriff über, das sich mit doomig schleppenden Passagen abwechselt. Besonders die von Drums und Bass getragenen Momente haben es mir dabei angetan. Und natürlich Phil Pendergasts klare, melancholische Stimme, die den Hörer packt und unweigerlich tief hinabzieht in eine Welt aus Traurigkeit, Schmerz und Dunkelheit. Vor allem der eingängige Refrain bleibt gleich in Erinnerung. Exzellent, besser kann man epischen Doom nicht machen. „House of Cadmus“ ist schwer und bedrückend. Zäh, walzig, düster und hoffnungslos. Dabei hochemotional und melodisch. Herrlich. Die Gitarren wummern tief in der Magengrube oder bezaubern mit melancholischen Leads. Der Wechsel zwischen Clean- und Growlgesang ist von einer begeisternden Intensität, die Herzklopfen verursacht. Lieblingssong! „Living Pyre“ ist ein recht klassischer Doom Song. Eingängig, melodisch, stampfend. Hach – und der Khemmis-typische, glasklare Twingitarrensound, den ich über alles liebe, bezaubert und begeistert einmal mehr. „Shroud of Lethe“ hat zu Beginn etwas anrührend Zartes und Fragiles. Dann kommen Power und Wucht dazu. Bildschöne, melodische Gitarren, untermalt von stampfenden Drums und Bass. Riff zum Weinen. Super gelungen. Dazu noch der glasklare, wehmütige Gesang. Abstieg in tiefste Tiefen mit harschen, wütenden Growls. Alles dabei, was das Herz begehrt. „Obsidian Crown“ bringt Sludgemomente mit ins Spiel, die man hier und da auch schon im Opener findet und wechselt immer wieder das Tempo und die Stimmung. „The Astral Road“ hat einen zum Sterben schönen akustischen Beginn, der durch eine zum Sterben noch schönere Gitarrenmelodie abgelöst wird. Das Tempo zieht erstmal an und man rockt recht fröhlich-melancholisch vor sich hin. Der Song bremst ab, zieht wieder an, bremst ab. Huiuiui. Und die Gitarrenarbeit. Grandios. Solopassagen. Twingitarren. Mörderriff. Alles dabei. Drums und Bass kicken. Epischer Gesang. Dann wird alles schwer. Zäh. Reduziert. Gefühlschaos.

Khemmis legen mit „Deceiver“ ihr vorerst düsterstes Album vor. Das bezieht sich vor allem auf den Text. Musikalisch bleibt die Band bei ihrer Stärke überwältigenden, epischen Doom zu fabrizieren, der einen aus den Socken haut. Zutaten sind der klare, wunderbar melancholische Gitarrensound, die Twingitarrenpassagen, die Mörderriffs, Hooks und Leads, unterstrichen von markanten Basslines. Die Drums setzen immer wieder kleine, aber wichtige Akzente. Dazu kommt noch das Spiel mit dem Gesang. Phil Pendergasts klare, melancholische Stimme gegen Ben Hutchersons wütende, fauchende Growls. Alles zusammen ergibt: WOW!

 

Nuclear Blast Records auf YouTube

English Version

At the moment the words don’t want to flow as they should. In the current situation, it’s no wonder that the fingers won’t work as they usually do. Otherwise I sit down, music travels from the ear to the brain and from the brain to the fingers. Right now, however, there seems to be a barrier somewhere that impedes the flow of thoughts. What do you do in such a situation? It turns out that, shamefully, I still haven’t managed to write a few words on the album „Deceiver“ from one of my favourite bands Khemmis. Lo and behold, in this comfort zone, writing works a little better again. In addition, the album fits lyrically and mood-wise like a glove. Melancholic, depressed, gloomy, hopeless.

The album kicks off with „Avernal Gate“. A beautiful acoustic intro leads into a wonderfully galloping heavy metal guitar riff that alternates with doomy sluggish passages. I especially like the drum and bass driven moments. And of course Phil Pendergast’s clear, melancholic voice, which grips the listener and inevitably pulls you deep into a world of sadness, pain and darkness. Above all, the catchy chorus is immediately memorable. Excellent, there is no better way to do epic doom. „House of Cadmus“ is heavy and opressing. Tough, stomping, gloomy and hopeless. Highly emotional and melodic. Splendid. The guitars pound deep in the stomach or enchant with melancholic leads. The alternation between clean and growl vocals is of an exhilarating intensity that makes your heart pound. Favourite song! „Living Pyre“ is quite a classic Doom song. Catchy, melodic, pounding. Oh – and the Khemmis-typical, crystal-clear twin guitar sound, which I love more than anything, enchants and inspires once more. „Shroud of Lethe“ has something touchingly gentle and fragile at the beginning. Then there is the power and momentum. Beautiful, melodic guitars accompanied by pounding drums and bass. Riff that makes you cry. Super successful. Add to that the crystal-clear, wistful singing. Descent into the deepest depths with harsh, angry growls. Everything your heart desires. „Obsidian Crown“ brings sludge moments into play, which can also be found here and there in the opener. The song keeps changing the tempo and mood. „The Astral Road“ has a to-die-for acoustic opening, which is followed by an even more to-die-for guitar melody. The tempo picks up at first and you rock along quite happily and melancholically. The song slows down, picks up again, slows down. Huiuiui. And the guitar work. Magnificent. Solo passages. Twin guitars. Killer riffing. Everything included. Kick drums and bass. Epic vocals. Then everything becomes heavy. Tough. Reduced. Emotional chaos.

With „Deceiver“ Khemmis present their so far darkest album. This mainly applies to the text. Musically, the band sticks to their strength of crafting mind-blowing epic doom that knocks your socks off. The ingredients are the clear, wonderfully melancholic guitar sound, the twin guitar passages, the killer riffs, hooks and leads underlined by distinctive bass lines. The drums set small but important accents again and again. Then there’s the singing. Phil Pendergast’s clear, melancholy voice against Ben Hutcherson’s angry, snarling growls. Everything together results in: WOW!

 


Tracks:

  1. Avernal Gate
  2. House Of Cadmus
  3. Living Pyre
  4. Shroud Of Lethe
  5. Obsidian Crown
  6. The Astral Road

Band:

Phil Pendergast – Gesang, Gitarre
Ben Hutcherson – Gesang, Gitarre
Zach Coleman – Schlagzeug

Berührt auf allen Ebenen. Corpus Vitreum

Atmospheric Black Metal / Post Black Metal
Veröffentlichung: neuer Song zu jedem Neumond
Eigenveröffentlichung
Homepage
Bandcamp
Facebook
Instagram


cv01_1024x680(English version below.)

Heute möchte ich euch ein wirklich tolles Projekt der Black Metal Band Corpus Vitreum aus Bonn vorstellen. Das Studio-Projekt besteht aus den Musikern Sebastian Mirgeler und Matheus Kuska, die 2020 mit den Aufnahmen zu ihrem Debüt begonnen haben. Neben der großartigen Musik ist die Art und Weise spannend, wie Corpus Vitreum ihre Musik an den geneigten Hörer bringen. Seit März 2021 veröffentlichen die beiden monatlich zu jedem Neumond einen neuen Song auf ihrer Homepage. Dieser wird zuvor zu Vollmond von einer ruhigeren, instrumentalen Version, genannt „Silent Roots of…“, angekündigt. Zu jedem Song gehören außerdem ein eigenes Artwork und eine Rune. Diese Konzeption macht die Musik der Jungs auf verschiedenen Ebenen erleb- und fühlbar, weil auch das Visuelle mit eingebunden wird. Dadurch entsteht ein noch tieferes, emotionaleres Erlebnis. Die Homepage ist wirklich ein Knaller. So wunderschön gestaltet. So viele liebevolle Details, die darauf hindeuten, wie viele Gedanken die Musiker sich hier gemacht haben und wie viel Arbeit und Liebe in das Projekt geflossen ist. Jaja, ich weiß, ihr wollt jetzt auch endlich mehr zur Musik von Corpus Vitreum wissen. Ich mach ja schon!

Bisher sind 11 von 15 Songs erschienen. Und schon allein die ruhigeren Ankündigungsversionen wären einen eigenen Artikel wert. Sie vereinen Piano und cleane Gitarre in melodisch bildschöner Weise miteinander. Extrem melancholisch, atmosphärisch und entspannend. Die Songs selbst transportieren eine Fülle an Emotionen und Gedanken und bewegen sich irgendwo zwischen Schönheit und Ruhe und Schwärze, Unbehagen, aufgewühlt sein und Horror. Songs wie „Behemoth of the North“ oder „Lunar Horizont“ erzeugen ein überwältigendes Gefühl von Weite, Unendlichkeit, Größe, aber auch Einsamkeit. Immer gemischt mit ein wenig Unbehagen. „Behemoth of the North“ erreicht das durch halliges Tremolopicking, eine wunderbare Gitarrenmelodie und den eigenwilligen Gesang irgendwo zwischen Growls, Screams, cleanem Gesang und Rezitation. „Lunar Horizont“ hingegen beginnt mit einem einsamen, perlenden Piano, dessen Spiel sich ungut in die Magengrube schmiegt. Immer weitere Instrumente steigen mit ein und los geht der Flug in die Weite des Alls – und dem entgegen, was da so lauern mag.

cv_group-darkportrait01-01

In „A Fragile Dawn“ und„Morbid Minds“ zeigen Corpus Vitreum sich von einer extrem melodischen und melancholischen Seite. Melodische Gitarrenmelodien, manchmal clean, manchmal melancholisch verzerrt. Hallige Growls und halliger Gesang und ab und an bauen Gitarren und Drums einen bedrohlichen Druck auf und weisen auf die Zerbrechlichkeit von allem hin. Bildschön und packend! „The Blackened Sea“ gehört definitiv zu meinen Favoriten. Der Beginn aus Meeresrauschen, einer leicht sinistren und melancholischen Pianomelodie und dem leicht wahnsinnigen, theatralisch-rezitativen Gesang ist schlicht genial. Dann kommt ein eingängiges Gitarrenriff dazu. Es wird immer wieder leicht variiert und schürt das Unbehagen noch weiter. Wie ein Sonnenstrahl bricht die cleane Gitarre ab und zu durch die graue, raue See. Während einige der Songs vom Tempo her schon fast doomig-gemütlich sind, beginnt „Hymn of the Hurting Moment“ sehr temporeich und treibt das Horrorgefühl mit irrem Tremolopicking und einem Gitarrenriff, das ins Wahnsinnige abgleitet auf die Spitze. Danach wechselt der Song zwischen Blastbeat- und Gitarreninferno, kombiniert mit verzweifelten Vocals und ruhigem Piano und cleanen Gitarrenpassagen.

 

Die Musik von Corpus Vitreum ist packend und bildgewaltig. Schön und melancholisch. Schürt Unbehagen und Furcht. Wenn man dann noch das visuelle Konzept dazu nimmt, das die Jungs drumherum gebaut haben, entsteht ein ganz eigenes, tieferes Erlebnis von Musik. Mich hat es mit allen Sinnen berührt und gepackt. Unbedingt reinschauen und anhören!

Corpus Vitreum auf YouTube

English Version

Today I would like to introduce you to a really great project by the Black Metal band Corpus Vitreum from Bonn. The studio project consists of the musicians Sebastian Mirgeler and Matheus Kuska, who started recording their debut in 2020. In addition to the great music, the way Corpus Vitreum bring their music to the listener is exciting. Since March 2021, the two have been releasing a new song on their homepage every month for every new moon. This is announced beforehand at full moon by a quieter, instrumental version of the song called „Silent Roots of…“. Each song also comes with its own artwork and rune. This concept allows the boys‘ music to be experienced and felt on different levels, because the visuals are also included. This creates an even deeper, more emotional experience. The homepage is really a blast. So beautifully designed. So many loving details that indicate how much thought the musicians have put into this and how much work and love has gone into the project. Yes, I know, you finally want to know more about the music of Corpus Vitreum. I’ll do it!

So far 11 out of 15 songs have been released. And the quieter announcement versions alone would be worth their own article. They combine piano and clean guitar in a melodically beautiful way. Extremely melancholic, atmospheric and relaxing. The songs themselves convey a wealth of emotions and thoughts, ranging somewhere between beauty and stillness and blackness, discomfort, being agitated and horror. Songs like „Behemoth of the North“ or „Lunar Horizon“ create an overwhelming feeling of vastness, infinity, greatness but also loneliness. Always mixed with a little discomfort. „Behemoth of the North“ achieves this through reverberant tremolo picking, a wonderful guitar melody and the idiosyncratic vocals somewhere between growls, screams, clean vocals and recitation. „Lunar Horizon“, on the other hand, begins with a lonely, sparkling piano whose playing nestles uncomfortably in the pit of your stomach. More and more instruments join and off we go into the vastness of space – and towards what may be lurking there. „A Fragile Dawn“ and „Morbid Minds“ show Corpus Vitreum’s extremely melodic and melancholic side. Melodic guitar melodies, sometimes clean, sometimes melancholically distorted. Reverberating growls and reverberant vocals and now and then guitars and drums build up a menacing pressure and hint at the fragility of it all. Beautiful and gripping! „The Blackened Sea“ is definitely one of my favorites. The beginning with the sound of the sea, a slightly sinister and melancholic piano melody and the slightly insane, theatrical-recitative singing is simply brilliant. Then a catchy guitar riff joins in. It is always slightly varied and fuels the discomfort even further. Like a ray of sunshine, the clean guitar sometimes breaks through the grey, rough sea. While some of the songs are almost doomy and cozy in terms of tempo, „Hymn of the Hurting Moment“ starts very fast and takes the horror feeling to the extreme with crazy tremolo picking and a guitar riff that slides into madness. After that the song alternates between blastbeat and guitar inferno combined with desperate vocals and calm piano and clean guitar passages.

The music of Corpus Vitreum is gripping and visually stunning. Beautiful and melancholic. Fuels discomfort and fear. If you then add the visual concept that the guys built around it, it creates a very own, deeper experience of music. It touched and gripped me with all my senses. Be sure to check it out and listen!

 


Tracks:

  1. Lunar Horizon
  2. Behemoth of the North
  3. Morbid Mind
  4. A Fragile Dawn
  5. Old Wars
  6. Beast of Misery
  7. Steel Coffins
  8. March to Midgard
  9. Hymn of the Hurting Moment
  10. The Blackened Sea
  11. Headless Gods

Band:

Matheus Kuska – alle Instrumente
Sebastian Mirgeler – Gesang, alle Intrumente

Zwischen Entspannung und Abrocken. Kings Head von Kings Head

Stoner Metal / Stoner Rock / Progressive Metal 
Veröffentlichung: 24.12.2021 (digital)
Eigenveröffentlichung
Bandcamp
Facebook
Instagram


a3063288674_16(English version below.)

Heute möchte ich euch die Band Kings Head aus Reutlingen mit ihrem Debütalbum „Kings Head“ vorstellen. Reutlingen liegt ja quasi bei mir um die Ecke, musste ich aber lange meiden, da der beste Ehemann von allen vor einigen Jahren ein regelrechtes Reutlingentrauma erlitt. Ganz gleich welche Burgruine wir erklommen, die Reutlinger waren vor Jahrhunderten schon da und ließen bei ihrem Besuch keinen Stein auf dem anderen. Manche Burgen zerstörten sie gar gleich mehrfach. Das führte beim besten Ehemann von allen irgendwann zu Träumen davon, dass die Reutlinger das Schlafzimmer stürmen würden und zu dem resignierten Ausspruch: „Die Reutlinger wieder“. Aber diese finsteren Zeiten liegen hinter ihm, sodass auch er sich jetzt voller Freude auf „Kings Head“ stürzen kann. Das Album bietet übrigens acht Songs.

Der Stil von Kings Head ist verdammt vielfältig, pendelt in einem Song mal mehr in die eine, in einem anderen Song mal mehr in die andere Richtung. Allen Songs liegt aber ein gewisser stoneriger Groove – oder Stonergroove? – zugrunde. Am meisten gepackt hat mich der zweite Song auf dem Album namens „The Longest Night“. Heidewitzka, da weißt du manchmal nicht mehr, wo oben und unten ist. Der Song beginnt gemütlich, vom Feeling her schon fast doomig. Dann groovt und progt er aber richtig los und verbreitet Core Metal Feeling gemixt mit Stonerelementen und einer rockigen Stimme. Ja, das geht. Ja, das funktioniert großartig. Sehr großartig sogar. Es macht regelrecht Spaß. Auch melodisch ist der Song eine Ohrenweide. Es wird gefühlt alles aus Gitarre, Bass und Drums rausgeholt, was melodisch und rhythmisch so geht. Die anderen Songs bedienen sich einzelner Aspekte, des eben Aufgezählten. Der Opener „Kings Head“ wartet mit einem ansprechenden Riff und zwingenden Core Elementen auf und verbreitet dabei ein unheimlich entspanntes davondriften-Gefühl. Dass Kings Head auch schöne Melodie können, zeigen sie in „Stellar Descension“. Teilweise clean, fast träumerisch. Getragen von halliger Weite. „Kanun“ wiederum kommt stonermäßig und mit einem technischen und sehr anziehenden Riff daher. Es zieht sich durch den gesamten Song, mal im Vordergrund, mal im Hintergrund und dominiert und charakterisiert den Song. „Mare Nostrum“ wirft zu Beginn einen Hauch von Funk mit in den Ring und „Huns Of The North“ träufelt ein Tröpfchen Kebabvibes ins Ohr. Dabei ist der Song sehr progig und man sieht förmlich die karge, weite Steppe vor dem inneren Auge und spürt durch dumpfe Gitarren und Drums die Pferdehufe donnern. Sehr cool! „Heads Of Us All“ versprüht seinen Reiz durch den Gegensatz zwischen leichten, melodischen, cleanen Gitarren und wuchtig schweren Drums und Gitarren. Der Song attackiert und flaut ab, attackiert und zieht an und flaut wieder ab und ist dadurch unheimlich dynamisch.

„Kings Head“ von Kings Head ist ein absolut gelungenes Debüt. Durch die unglaubliche Vielfalt wird es beim Hören keine Sekunde langweilig. Man pendelt zwischen entspanntem Zuhören und euphorischem Abrocken. Unbedingt reinhören!

Kings Head auf YouTube

English Version

Today I’d like to introduce you to the band Kings Head from Reutlingen with their debut album „Kings Head“. Reutlingen is practically around the corner from me, but I had to avoid it for a long time because the best husband of all suffered a real Reutlingen trauma a few years ago. No matter which castle ruins we climbed, the people of Reutlingen were there centuries ago and left no stone unturned during their visit. They even destroyed some castles several times. At some point, this led the best husband of all to dreams that the Reutlingers would storm the bedroom and to the resigned statement: „The Reutlingers again“. But those dark times are behind him, so he too can listen to „Kings Head“ now with joy. The album has eight songs, by the way.

Kings Head’s style is damn diverse, turns in one direction in one song and more in the other direction in another song. But all songs are based on a certain stoner groove. The second song on the album called „The Longest Night“ grabbed me the most. Heidewitzka, sometimes you no longer know which way is up and which is down. The song starts comfortably, almost Doom-like in feeling. But then it really tends to groove and prog and spreads a core metal feeling mixed with stoner elements and a rocking voice. That’s so cool. Yes, this works great. Very great even. It’s downright fun. The song is also a feast for the ears melodically. Everything that goes melodically and rhythmically is pulled out of the guitar, bass and drums. The other songs use individual aspects of what has just been mentioned. The opener „Kings Head“ comes up with an appealing riff, compelling core elements and spreads an incredibly relaxed drifting away feeling. In „Stellar Descension“ Kings Head show that they can also make beautiful melodies. Partly clean, almost dreamy. Carried by echoing vastness. „Kanun“, on the other hand, comes along with a Stoner-ish and technical and very appealing riff. It runs through the entire song, sometimes in the foreground, sometimes in the background and dominates and characterizes the song. „Mare Nostrum“ throws a hint of funk into the ring at the beginning and „Huns Of The North“ drips a drop of kebab vibes into your ear. The song is very progy and you can literally see the barren, wide steppe in front of your inner eye and feel the thunder of the horses‘ hooves through the dull guitars and drums. Very cool! „Heads Of Us All“ glows through the contrast between light, melodic, clean guitars and massive, heavy drums and guitars. The song attacks and subsides, attacks and subsides, making it incredibly dynamic.

„Kings Head“ by Kings Head is an absolutely successful debut. Due to the unbelievable variety, it never gets boring while listening. You vacillate between relaxed listening and euphoric rocking. Be sure to listen!

 


Tracks:

  1. Kings Head 
  2. The Longest Night
  3. Kanun
  4. Stellar Descension 
  5. Heads Of Us All
  6. Huns Of The North
  7. Mare Nostrum
  8. Dynasty

Band:

Maxim – Gitarre und Gesang
Tinus – Gitarre und Gesang
Marci – Bass und Gesang
Alex – Schlagzeug

Return of the Kebab Vibes and Killer Growls. Halo von Amorphis

Progressive Metal / Death Metal
Veröffentlichung: 11.02.2022
Atomic Fire Records
Webseite
Facebook
Instagram


Impression(English version below.)

…Kebab Growls und Killer Vibes… ich bin ja so aufgeregt. Und ein wenig ratlos. Wie soll ich nur diese Rezension schreiben, ohne mich vor Lobhudelei zu überschlagen? Aber einfach „ohne Worte“ hinschreiben? Auch nicht so geil. Welche Superlative kann ich für Amorphis noch finden? Ich habe Tomi Joutsens Stimme mit zartschmelzender Schokolade verglichen. Mehr geht, zumindest in meinem Universum, nicht! Übrigens meinte mein Gitarrenlehrer letzte Woche, es sei schon echt witzig. Ich würde inzwischen voll das krasse Zeug spielen, kenne aber kaum einen Akkord. Ist das jetzt gut oder schlecht? Ach was, krasses Zeug ist gut. Krasses Zeug gibt es auch auf Amorphis‘ 14. Studioalbum „Halo“.  Die Scheibe bildet den Abschluss einer Trilogie (Under The Red Cloud (2015), Queen Of Time (2018)) rund um das finnische Nationalepos „Kalevala“. Texter Pekka Kainulainen liefert einmal mehr die poetischen Lyrics, welche sich mit der Musik zu einem stimmigen Ganzen verbinden. Den geneigten Hörer erwarten auf „Halo“ 11 Songs. Als Warnung sei vorausgeschickt, dass das Album nichts für den deutschen auf eins und drei Durchschnittsklatscher ist. Da drohen schlimme Handverletzungen bis hin zu akutem Wahnsinn.

Das Album ist mit seinem Mix aus Death Metal, Progressive Metal und folkigen Elementen durch und durch Amorphis. Der Opener „Northwards“ legt pompös los, mit Piano, gen Himmel strebendem Riffing, mächtigen Hooks, grooviger E-Orgel, halligen Synthis, bombastischen Drums, orientalischen Vibes, dem Wechsel zwischen wuchtigen Growls und leichtem Cleangesang und Chor. Der Rest des Albums gestaltet sich dann allerdings wesentlich reduzierter und weniger bombastisch, ohne jemals an Dramatik und Spannung zu verlieren. „On The Dark Waters“ präsentiert sich zurückgenommener, deathmetalig und groovig, mit eingängigem Refrain und folkigen Kebabvibes, wie Esa Holopainen sie einmal nannte. Von ihrer melodischen und melancholischen Seite präsentieren Amorphis sich im poppigen „The Moon“ – Heidewitzka, diese Stimme, diese Melodien. Dann geht irgendwie alles Schlag auf Schlag. Die nächsten Songs wirken fest miteinander verbunden, obwohl sie sehr verschieden sind. „Windmane“ ist ein rhythmischer Kracher. Melancholisch zart gefolgt von wuchtigen Growls, melodischem Riffing und drängenden Hooks. Die Tempowechsel sind atemberaubend, das Synthisolo spacig und das Gitarrensolo treibt mir Tränen in die Augen. „A New Land“ bringt mit der Stimme von Noa Gruman (Scardust) nochmal einen neuen Twist. Dynamisch, wuchtig, orientalisch angehaucht. Und Drums und Gitarren reißen einen rhythmisch geradezu mit. „When The Gods Came“ wartet mit elektrisierenden Growls, dunklen, drängenden Gitarren, dynamischer Rhythmik und darüber hinweg perlenden Keys auf. „Seven Roads Come Togehter“ ist wuchtig im Refrain, akzentuiert mit Streichern, die wiederum Leichtigkeit verleihen. „War“ verströmt zu Beginn fernöstliche Vibes, baut im Verlauf eine wirklich beeindruckende Klangwand aus Joutsens Stimme, den Gitarren, Drums, Synthis und Chorgesang auf. „Halo“ ist dagegen zurückgenommener, reduzierter, melodischer, melancholisch, entrückt und bisweilen sogar ein wenig poppig. „The Wolf“ haut dem Hörer dann aggressives Deathmetalriffing um die Ohren. Kombiniert mit einem eingängigen Refrain, bildschönen, melodischen Gitarren und einer sakralen Chorbridge wird daraus wieder etwas total Eigenes und Neues. Den Abschluss bildet dann „My Name Is Night“. Atmosphärisch, zart, bildschön. Streicher und Akustikgitarren liefern den Rahmen für Emanuelle Bianis himmlische Stimme, die perfekt mit Tomi Joutsens warmem Cleangesang matcht. Wie eine perfekte Mousse au Chocolat. Ich sollte das mit den Essensvergleichen lassen, das wirkt unseriös. Aber ich kann nicht anders.

„Halo“ hat mich vom ersten Moment gepackt, gefesselt und weggeblasen. Wahrscheinlich saß ich während des mehrfachen Hörens mit einem dummseligen Grinsen da und konnte einfach nicht aufhören. Erinnerung an mich selbst: niemals mit dem Gedanken spielen, Videoreaktionen auf Musik zu filmen. Der amorphistypische Mix aus Death Metal, Progressive Metal und folkigen Elementen ist mitreißend wie eh und je. Dieses beständige Spiel zwischen Wucht und Leichtigkeit, Dunkelheit und Licht. Dunkle Growls und perlendes Piano. Das macht den Reiz der Musik der Finnen aus. Diese Melodien. Mal drängend, mal zart. Diese rhythmischen und tempotechnischen Variationen und Details. Die vielfältigen, eingängigen Riffs, Hooks und Refrains. Die orientalischen Vibes, die so gut mit der Musik verschmelzen, Dynamik verleihen. Die Soli von Esa Holopainen, die ich zutiefst liebe. Tomi Joutsens Stimme, die von tiefen, wuchtigen Growls über wütende Screams bis hin zu zart-melancholischem Cleangesang reicht und die einen Wut, Verzweiflung, Traurigkeit – kurz die ganze Palette an Gefühlen durchleben lässt. All das formt sich zu einem stimmigen, großen Ganzen, das man mit Begeisterung aufsaugt.

Amorphis und Atomic Fire Records auf YouTube

English Version

…Kebab growls and killer vibes… I’m so excited. And a little clueless. How am I supposed to write this review without overwhelming myself with superlatives? But just write „without words“? Not that cool either. What superlatives can I still find for Amorphis? I compared Tomi Joutsen’s voice to melt-in-the-mouth chocolate. More is not possible, at least in my universe! By the way, last week my guitar teacher said it was really funny – I’d be playing all that badass stuff by now, but I hardly know a chord. Is that good or bad now? Oh, badass stuff is good. There’s lots of badass stuff on Amorphis‘ 14th studio album „Halo“. It forms the conclusion of a trilogy (Under The Red Cloud (2015), Queen Of Time (2018)) based on the Finnish national epic „Kalevala“. Lyricist Pekka Kainulainen once again delivers the poetic lyrics, which combine with the music to form a coherent whole. The listener can expect 11 songs on „Halo“. As a warning, the album is not for the German one and three average clappers. There is a risk of severe hand injuries and even acute insanity.

The album is Amorphis through and through with its mix of death metal, progressive metal and folky elements. The opener „Northwards“ starts pompously with piano, riffing reaching for heaven, powerful hooks, groovy e-organ, reverberant synths, bombastic drums, oriental vibes, the change between powerful growls and light clean vocals and a choir. However, the rest of the album turns out to be much more reduced and less bombastic, without ever losing drama and tension. „On The Dark Waters“ is a bit calmer, straighter. It combines death metal and groove with a catchy chorus and folky kebab vibes, as Esa Holopainen once called them. Amorphis present themselves from their melodic and melancholic side in the poppy „The Moon“ – Heidewitzka, this voice, these melodies. Then somehow things accelerate rapidly. The next songs feel tightly connected, although they are very different. „Windmane“ is a rhythmic monster. Melancholic tender followed by massive growls, melodic riffing and urgent hooks. The tempo changes are breathtaking, the synth solo spacey and the guitar solo brings tears to my eyes. „A New Land“ brings a new twist with the voice of Noa Gruman (Scardust). Dynamic, powerful, with an oriental touch. And drums and guitars lead you forward rhythmically. „When The Gods Came“ comes up with electrifying growls, dark, urgent guitars, dynamic rhythms and keys that bubble over it. „Seven Roads Come Togehter“ is heavy in the chorus, accentuated with strings, which lend lightness. „War“ exudes Far Eastern vibes at the beginning, building up a really impressive wall of sound from Joutsen’s voice, the guitars, the drums, the synths and choral singing as it progresses. „Halo“, on the other hand, is more withdrawn, reduced, melodic, melancholic, enraptured and at times even a bit poppy. „The Wolf“ then hits the listener in the face with aggressive Death Metal riffing. Combined with a catchy chorus, beautiful, melodic guitars and a sacred choral bridge, it becomes something totally unique and new. The finale is „My Name Is Night“. Atmospheric, delicate, beautiful. Strings and acoustic guitars provide the framework for Emanuelle Biani’s heavenly voice, which matches perfectly with Tomi Joutsen’s warm clean vocals. Like a perfect chocolate mousse. I should stop with these food comparisons, that seems dubious. But I can not.

„Halo“ grabbed, captivated and blew me away from the first moment. I probably sat there with a stupid grin during the multiple listens and just couldn’t stop. Reminder to myself: never consider filming video reactions to music. Amorphis‘ mix of Death Metal, Progressive Metal and folky elements is captivating as ever. This constant play between force and lightness, darkness and light. Dark growls and sparkling piano. This is what makes the music of the Finns so appealing. Those melodies. Sometimes urgent, sometimes tender. These rhythmic and tempo-technical variations and details. The varied, catchy riffs, hooks and refrains. The oriental vibes that blend so well with the music and add dynamism. Esa Holopainen’s solos, which I love deeply. Tomi Joutsen’s voice, which ranges from deep, powerful growls to angry screams to tender, melancholic clean singing and which lets you experience anger, despair, sadness – in short, the whole range of feelings. All of this forms a coherent, large whole that you absorb with enthusiasm.


Tracks:

01. Northwards
02. On The Dark Waters
03. The Moon
04. Windmane
05. A New Land
06. When The Gods Came
07. Seven Roads Come Together
08. War
09. Halo
10. The Wolf
11. My Name Is Night

Band:

Tomi Joutsen – Gesang
Esa Holopainen – Gitarre
Tomi Koivusaari – Gitarre
Santeri Kallio – Keyboards
Olli-Pekka Laine – Bass
Jan Rechberger – Schlagzeug

Atmende Schwärze – Sinisten Puiden Niitty von i Helvete

Extreme Metal / Blackmetal / Doom Metal
Veröffentlichung: 26.11.2021
Eigenveröffentlichung
Webseite
Bandcamp
Facebook
Instagram


unnamed(1)(English version below.)

Ich neulich im Gitarrenunterricht: „Och nö, das ist aber kompliziert. Ich seh schon, das wird meine neue Lieblingsstelle.“ Mein Gitarrenlehrer: „Ja, ist schon ein bisschen tricky, aber es lohnt sich. Klingt dann schon echt geil!“ Gitarrenlehrer fängt an die Stelle vorzuspielen und verspielt sich. “ … wenn man es kann…“ Normalerweise kann er es aber. Noch eine Band, die es kann ist  i Helvete. Ende November hat die Extreme Metal Band aus Finnland ihr Debüt „Sinisten Puiden Niitty“ veröffentlicht. Und auch wenn man wie ich ein Liebhaber der finnischen Sprache ist, aber kein Wort finnisch versteht, geht dieses Album mal richtig durch Mark und Bein. Das Konzeptalbum umfasst sechs Songs und dreht sich um einen Menschen, der sich abmüht mit den kleinen und großen Fiesheiten, die das Leben bereithält, klarzukommen.

Musikalisch verpacken i Helvete das Ganze in einen Mix aus Melodic Death-, Black- und Doommetalelementen. Der Opener „Kunnes Kuolema Meidät Erottaa“passt perfekt zum momentanen Wetter. Regen pladdert herab, es beginnt langsam und doomig. Bald aber setzen die Drums und ein flottes deathmetallisches Gitarrenriff mit Wucht ein. Der Gesang pendelt zwischen tiefen, intensiven Growls und schwarzmetallischen Screams  – zwischen Bauch und Manie. Die Gitarre flitzt unterdessen im Hintergrund quirlig auf und ab und die Drums ballern. Doomiges Piano und unheilvoll-epische Backingvocals und Synthis geben dem Song dann gegen Ende noch einmal einen neuen Twist. Damit ist in etwa umrissen, was einen auf „Sinisten Puiden Niitty“ so alles erwartet. Gekonntes Spiel zwischen melancholischen, sanfteren, wunderschönen, doomigen Parts teils mit cleaner Gitarre und gesprochenen Vocals wie in „Pohjaton Kuilu“ oder mit weiblichen Vocals wie in „Laulu Itselleni“ und schnellen, drückenden, drängenden Melodic Deathmetal Parts wie in „Vihapuhe“ oder „Sairaan Mielen Sinfonia“, das ziemlich groovig und beschwingt daherkommt. Außerdem wartet es mit einem wunderbaren, kleinen Drum und Bass Intermezzo und einem mitreißenden Gitarrensolo auf und endet in einem fulminanten Brüllfinale. Eine schöne Zusammenfassung des Variantenreichtums von i Helvete bietet dann noch einmal „Hirsipuu“, der mit beinahe 12 Minuten längste Track des Albums. Die Musik schleppt sich dahin, Tremologitarren verbreiten im Hintergrund ein ungutes Grummeln in der Magengegend, die doomigen, wuchtigen Growls im Vordergrund. Ein einprägsames, wunderschönes Melodeath Gitarrenriff wiegt den Hörer, lullt ihn ein. Doch die aaah Backingvocals lassen einen nie das drohende Unheil vergessen. Der Gesang wird eindringlicher, manischer, intensiver und eine schwarzmetallisch angehauchte Drumdauerfeuer- und Gitarrenhölle bricht los. Doomiges, cleanes, melancholisches und melodisches Gitarrenzwischenspiel und Growls aus den tiefsten, schwärzesten Tiefen. Schließlich ein episches Finale mit Chorgesang, unheilvollen Pianoklängen und Regenrauschen.

i Helvete hauen ein grandioses Debüt raus. Sechs Songs und es gibt so viel zu entdecken und zu hören. Der Mix aus Melodic Deathmetal mit Black und Doom Elementen macht riesigen Spaß und ist absolut gelungen. Der Gesang ist total variabel und reicht von tiefen, wuchtigen Growls über gesprochene Lyrics bis hin zu gequälten, manischen Blackmetalscreams. So wird es nie langweilig. Und das Spiel zwischen Gesang und den Instrumenten, die im Hintergrund untermauern, unterstützen und aufgreifen – manchmal auch durch das Gegenteil – ist absolut durchdacht und funktioniert bestens. Genauso wie der Wechsel zwischen schleppenden doomig-melodischen Parts und schnellen, rasenden Melodic Deathmetal- und Blackmetalparts. „Sinisten Puiden Niitty“ atmet Verzweiflung, Düsternis, Schwere, Härte, Schwärze. Sie dringen aus jeder Pore. Und doch ist dieses Album von einer bezaubernden Schönheit und Melodiösität, versehen mit einem Hauch Melancholie und Wehmut. „Sinisten Puiden Niitty“ ist wie ein genialer Horrorfilm. Man möchte sich am liebsten die Decke über den Kopf ziehen und kann doch nicht wegschauen – oder in diesem Fall weghören.

i Helvete auf YouTube

English Version

Me in a guitar lesson: „Oh no, that’s complicated. I can see that’s going to be my new favorite passage.“ My guitar teacher: „Yes, it’s a bit tricky, but it’s worth it. It sounds really great!“ Guitar teacher starts to play the part and gets lost. „… if you can play it …“ Normally he can though. Another band that can play is i Helvete. At the end of November the extreme metal band from Finland released their debut „Sinisten Puiden Niitty“. And even if you’re a lover of the Finnish language like me, but don’t understand one single word, this album really gets through your bones. The concept album comprises six songs and tells the story of a person who struggles to cope with the small and large nasties that life has in store.

Musically, i Helvete pack the whole thing into a mix of melodic death-, black- and doom metal elements. The opener „Kunnes Kuolema Meidät Erottaa“ suits the current weather perfectly. Rain pours down, it starts slow and doomy. But soon the drums and a fast death metal guitar riff kick in with force. The vocals oscillate between deep, intense growls and black metallic screams between belly and mania. Meanwhile, the guitar is whizzing up and down in the background and the drums are pounding. Doomy piano and sinister-epic backing vocals and synths give the song a new twist towards the end. This roughly outlines what awaits you on „Sinisten Puiden Niitty“. Skilful play between melancholic, softer, beautiful, doomy parts, partly with clean guitar and spoken vocals like in „Pohjaton Kuilu“ or with female vocals like in „Laulu Itselleni“ and fast, oppressive, urgent melodic death metal parts like in „Vihapuhe“ or „Sairaan Mielen Sinfonia“, which is quite groovy and lively. It also comes up with a wonderful little drum and bass intermezzo and a rousing guitar solo and ends in a brilliant shouting finale. „Hirsipuu“, the longest track on the album with almost 12 minutes, offers a nice summary of i Helvete’s diversity. The music drags along, tremolo guitars spread an uneasy growl in the stomach area in the background, the doomy, massive growls in the foreground. A catchy, beautiful melodeath guitar riff rocks the listener, lulls him. But the „aaah“ backing vocals never let you forget the impending disaster. The vocals become more haunting, manic, intense and a black metal-tinged drum and guitar hell breaks loose. Doomy, clean, melancholic and melodic guitar interlude and growls from the deepest, blackest depths. Finally an epic finale with choir singing, ominous piano sounds and the sound of rain.

i Helvete made a fantastic debut. Six songs and there is so much to discover and hear. The mix of melodic death metal with black and doom elements is great fun and absolutely successful. The vocals are totally variable and range from deep, powerful growls to spoken lyrics to tortured, manic black metal screams. That way it never gets boring. And the play between the vocals and the instruments, which underpin, support and pick up in the background – sometimes through the opposite – is well thought out and works perfectly. Just like the alternation between sluggish doomy melodic parts and fast, frenzied melodic death metal and black metal parts. „Sinisten Puiden Niitty“ breathes desperation, gloom, heaviness, hardness, blackness. They come out of every pore. And yet this album has an enchanting beauty and melodiousness with a touch of melancholy and wistfulness. „Sinisten Puiden Niitty“ is like an awesome horror movie. You would like to pull the blanket over your head and yet can’t look away – or in this case can’t stop to listen.


Tracks:
1. Kunnes Kuolema Meidät Erottaa
2. Vihapuhe
3. Pohjaton Kuilu
4. Sairaan Mielen Sinfonia
5. Laulu Itselleni
6. Hirsipuu

Band:
Aleksi Mäkelä – Gitarre & Gesang
Manu Kujala – Gitarre
Tapio Holappa – Bass
Teemu Koski – Schlagzeug

Verloren in der Weite – Becoming Immanence von Earthwomb

Atmospheric Black Metal
Veröffentlichung: 07.10.2021
Eigenveröffentlichung
Bandcamp
Facebook


Earthwomb - Becoming Immanence (Artwork)(English version below.)

Es gibt Zeiten, da brauche ich Musik, die ich laut aufdrehen kann und die mich dann wie eine feste, schützende Rüstung vor der Außenwelt abschirmt. Das Debüt „Becoming Immanence“ der peruanischen Black Metaller Earthwomb liefert genau solche Musik. Komisch eigentlich, denn das gesamte Album atmet und schreit Leere und wütende Verzweiflung. Aber da ist auch dieses Gefühl unglaublicher Weite und Unendlichkeit, das sich beim Hören einstellt, einen einlullt, fortträgt aus dem Alltag und einen eben tröstlich einhüllt. Ihr seht schon, Earthwomb lösen mit ihrer Musik ganz widersprüchliche Gedanken und Emotionen aus. Und doch gehört alles irgendwie zusammen.

Der Opener „Cosmic Revelation“ macht gleich klar, worum es thematisch auf dem Album geht. Er hat etwas von Filmmusik, von Weite und Einsamkeit und einer schwelenden Bedrohung. Wenn das Tempo dann anzieht und die Bedrohung weniger subtil ankommt, spielen Earthwomb ihre Stärken aus. „Walkscapes“ zum Beispiel punktet mit seinen Blastbeats, knackigem tremolopicking Riffing, melodischem Lead und ist rhythmisch abwechslungsreich. Dazu kommen ein Hauch von Ambient und die Screams von Sänger Giancarlo, die voll unter die Haut gehen. Der Song ist wie eine düstere, hoffnungslose, wunderschöne, fließende Masse, die ins Ohr kriecht und alles durcheinanderwirbelt. Die Peruaner arbeiten häufig mit atemberaubenden Walls of Sound und kreieren so einen düsteren Strudel, der einen mitzieht und in dem man sich komplett verlieren kann. Ein cleaner Break sorgt für ein kurzes Durchatmen, bevor sich die Verzweiflung erneut Bahn bricht. „The Gathering“ baut auf ähnliche Zutaten, geht aber noch etwas mehr nach vorne, ist aggressiver und rhythmisch wuchtiger. Die intensiven Screams und die Wall of Sound transportieren einen Wust an Wut und Schmerz. „Trespassing the Paragons of Consciousness“ ist weniger bissig, etwas zurückgenommener. Der Song punktet mit halligem, entrücktem Sound, Drumdauerfeuer und Gitarren, die melodisch durch Zeit und Raum fließen. Man verliert sich völlig im Sound, lässt einfach los und schwebt mit. „Vital Flux“ fügt dem Album zum Ende noch einmal eine neue Note hinzu. Der Song perlt mit Piano langsam aus und lässt einen irgendwie – Moment, nochmal einfühlen – wehmütig und mit einer seltsamen Leere im Körper zurück.

Earthwomb haben mit „Becoming Immanence“ ein wunderbares, packendes Debüt hingelegt. Die Musik umhüllt einen mit ihren Tremoloriffs, melodischen und gefühlvollen Leads, Blastbeats, verzweifelten Screams und ihren großartig konzipierten Klangwänden. Ein Album zum Abtauchen und um sich darin zu verlieren.

Wenn ihr jetzt neugierig geworden seid und mehr über die Band und ihre Musik erfahren wollt, dürft ihr euch schon auf ein Interview freuen, in dem Earthwomb Rede und Antwort stehen zur Band selbst, zum Album „Becoming Immanence“ und zum Thema Blackmetal in Peru.

Earthwomb auf YouTube

There are times when I need music that I can turn up loud and that shields me from the outside world like solid, protective armor. The debut „Becoming Immanence“ by Peruvian black metallers Earthwomb delivers exactly this kind of music. Funny actually, because the entire album breathes and screams emptiness and angry despair. But there is also this feeling of unbelievable vastness and infinity that comes with listening, lulls you, carries you away from everyday life and envelops you comfortably. As you can see, Earthwomb trigger very contradicting thoughts and emotions with their music. And yet everything somehow belongs together.

The opener „Cosmic Revelation“ makes it clear what the album is about. It’s like film music of vastness and loneliness and a smoldering threat. When the pace picks up and the threat is less subtle, Earthwomb show their strengths. „Walkscapes“ for example scores with its blastbeats, crisp tremolo picking riffing, melodic lead and is rhythmically varied. Then there are the screams from singer Giancarlo, which get under your skin. The song is like a dark, hopeless, beautiful, flowing mass that crawls into your ear and whirls everything upside down. The Peruvians often work with breathtaking walls of sound and thus create a dark vortex that pulls you along and in which you can completely lose yourself. A clean break allows you to take a deep breath before desperation breaks out again. „The Gathering“ is based on similar ingredients, but goes a little more forward, is more aggressive and rhythmically more powerful. The intense screams and the wall of sound convey a orderly mess of anger and pain. „Trespassing the Paragons of Consciousness“ is less snappy, a little more withdrawn. The song scores with reverberant, entranced sound, continuous drum fire and guitars that flow melodically through time and space. You lose yourself completely in the sound, just let go and float with it. „Vital Flux“ adds a new note to the album at the end. The song slowly bubbles out with the piano and somehow leaves you – just a moment, have to think about it  – wistful and with a strange emptiness in your body.

Earthwomb created with „Becoming Immanence“ a wonderful, thrilling debut. The music envelops you with its tremolo riffs, melodic and soulful leads, blastbeats, desperate screams and the wonderfully conceived walls of sound. An album to immerse yourself in and to lose yourself in.

If you’re curious now and want to find out more about the band and their music, you can look forward to an interview in which Earthwomb will answer questions about the band itself, about the album „Becoming Immanence“ and about black metal in Peru.


Tracks:
1. Cosmic Revelation
2. Fractal Phenomenon
3. Walkscapes
4. Trespassing the Paragons of Consciousness
5. The Gathering
6. Ulterior Revelation
7. Vital Flux

Band:
Giancarlo Melgar – Gesang
Eduardo Yalán – Gitarre
Pedro Zamalloa – Gitarre, Bass, Drum Programmierung