Power, Energie und erfrischende Aggressivität – „Diabolical World“ von Diabolical Mental  State

Thrash Metal/ Groove Metal
Veröffentlicht: 13.09.2019
Selbstveröffentlichung
https://www.facebook.com/diabolicalmentalstate


logoSei Wasser! Diese hilfreiche Empfehlung bekommen wir auf dem Debütalbum „Diabolical World“ von Diabolical Mental State. Eigentlich gab uns einst Bruce Lee diesen philosphischen Rat, aber die portugiesischen Thrash Metaller greifen ihn wieder auf und verpacken ihn in ein ansprechendes, musikalisches Gewand, wie wir gleich noch hören werden. Wenn damit nun gemeint ist „Fühl dich wie ein Schluck Wasser in der Kurve!“, habe ich heute Meisterschaft erlangt. Doch ich habe so das vage Gefühl, dass es darum nicht geht. Nur ganz vage. Deshalb lege ich die Phiolosophie einstweilen beiseite und widme mich lieber „Diabolical World“. Nach der EP „Basic Social Control“ von 2014 ist es das erste Album in voller Länge und es präsentiert uns 10 Songs.

Den Anfang macht ein instrumentales Intro, dominiert von dramatischen, düster dräuenden Akustikgitarren. Sehr stimmungsvoll. Danach ziehen die Portugiesen das Tempo aber an und lösen es auch kaum noch. Kopf und Nacken grooven sich schnell ein und bangen quasi durch. So erwartet man das von einem guten Thrash Metal Album. Allerdings bieten Diabolical Mental State mehr als verstaubten Old School Thrash. „The Town“ zum Beispiel ist unheimlich luftig und groovig. Auch „Home Invasion“ startet mit einem coolen Bassintro, das ordentlich groovt. Weitere Zutaten des unwiderstehlichen Sounds von Diabolical Mental State sind die Gitarrensoli, die das Herz vor Freude in die Hände klatschen lassen. Zu hören in „Home Invasion“ oder „Anger Within“. „Home Invasion“ entwickelt mit seinen doppelläufigen Leads ein bisschen Battle-Charakter, was wiederum den sozialkritischen Text unterstreicht. Auch João Saraivas Schreigesang und die gesprochenen Passagen, die in jedem Song  auftauchen, untermalen den sozialkritischen Anstrich.

Power und Aggressivität verströmt das zackige Hardcore- und Djentriffing wie in „Jungle“, „Dark Days“ oder „Anger Within“. Überhaupt. „Anger Within“. Großartig. Es beginnt mit einer gesprochenen Anklage, rifft sich dann djentig voran, wartet mit einem cleanen Zwischenpart auf, um schließlich ein packendes Solo rauszuschleudern, sich wandmäßig aufzubauen und dann völlig auszurasten. Wohooo kann ich da nur sagen! Hab Schweißflecke unter den Armen vor Begeisterung. Mein zweites Highlight auf „Diabolical World“ heißt „Children Of The Tides“. Ganz überraschend beginnt der Song mit Ozeanrauschen. Es folgt ein nettes und nachdrücklich wiederholtes „This is for you motherfuckers!“ Dann grummelt der Bass mitreißend los, das Gitarrenriff peitscht rein, das Gitarrensolo lässt dich begeistert nicken. Es folgt das gesprochene Zitat von Bruce Lee mit dem Wasser und den Flaschen. Pause. Grad als du denkst, die Boxen sind kaputt, geht es weiter mit einem cleanen Gitarren- und Trommelpart mit leichtem Ethno Feeling.

Das Debüt ist sowas von geglückt, würde ich sagen! „Diabolical World“ bietet hochqualitativen Nackenbrecherthrash. Gleichzeitig offeriert das Album aber so viel mehr! Melodische Leads, groovige und djentige Riffs. Trotzig und wütend herausgeschriene, kritische Texte. Power, Energie und eine erfrischende Aggressivität, die in reizvollem Gegensatz stehen zu dem ein oder anderen leisen Moment.

YouTube Channel von Diabolical Mental State


1. Intro
2. The Town
3. Home Invasion
4. Jungle
5. Elements of War
6. Dark Days
7. Anger Within
8. Children of the Tides

Band:
João Saraiva – Gesang
Pedro Isaac Ribeiro – Gitarre
Ricardo „Apache“ Neto – Bass
Gonçalo Assunção – Gitarre
Rafael Santos – Schlagzeug

Grandioser Auftakt. Reader Of The Runes – Divination von  Elvenking.

Folk Metal/Power Metal
Veröffentlicht: 30.08.2019
AFM Records
http://www.elvenking.net/


Huch, schon wieder zwei Jahre um. Nicht ganz, aber fast. Potztausend. Die Ankündigung des neuen Elvenking Albums „Reader Of The Runes – Divination“ traf mich einigermaßen unvorbereitet. Jetzt bin ich aber wieder in der Spur und ich sage mal, ihr dürft euch auf ein grandioses Album freuen. Wie immer hatte ich etwas Bauchweh, wegen der kurzen Zeit, die zwischen „Secrets Of The Magick Grimoire“ und „Reader Of The Runes – Divination“ liegt, aber das löste sich schnell in Luft auf. Dazu gleich mehr. Das neue Album bildet jedenfalls den Auftakt zu einer mehrere Alben umfassenden Reihe. Erzählt wird eine Geschichte, die in einer völlig eigenen Welt spielt. Das zehnte Album der italienischen Folk und Power Metaller ist also ein Konzeptalbum und macht neugierig darauf, wie die Sache weitergeht.

„Reader Of The Runes – Divination“ startet mit einem netten kleinen, folkigen „Ahaha, Trommel-Violine Intro“ namens „Perthro“, das den Hörer gleich abholt und in die musikalische Welt von Elvenking mitnimmt. „Divination“ und „Silverseal“ wurden schon im Vorfeld veröffentlicht. Vor allem „Divination“ entpuppt sich als Ohrwurm mit elvenkingtypischen Qualitäten: gefällige Melodie, eingängiger Mitsingrefrain, wunderschöne Gitarren- und Violinenparts. Der Song enthält genau den Mix aus Folk und Power Metal, der die Band ausmacht. „Silverseal“ schlägt in eine ähnliche Kerbe, ist aber ein wenig harscher und Damnas stimmliche Varianz blitzt hier zum ersten Mal auf. Außerdem gibt’s noch ein tolles Violinensolo. In „The Misfortune Of Virtue“ legt er da noch eine Schippe drauf. Halb gesungen, halb gesprochen. Auch Tempo und Härtegrad legen zu. Piano, Drums, Gitarren und Bass erzeugen leicht chaotische Soundwände, die einen einlullen, so dass man manchmal nicht mehr richtig weiß, wo man sich befindet. Auch die Tempowechsel sind sehr effektvoll und stimmig.

Dann wird es etwas sanfter. Das folkige „Eternal Eleanor“ schlendert tempomäßig so dahin, ist aber trotzdem sehr kraftvoll. Der Song lebt vom Spiel zwischen akustischer Gitarre und Violine, seiner träumerischen Melodie und dem Wechsel zwischen einer weiblichen und Damnas Stimme. „Diamonds In The Night“ zeigt wieder eine andere Facette der Italiener. Interludemäßig, mit akustischer Gitarre, gesungene und geflüsterte Worte. Wirklich sehr atmosphärisch. Und damit haben wir noch längst nicht alle Facetten dieses Diamanten betrachtet. „Malefica Doctrine“ sticht definitiv hervor, denn es ist ein ordentliches Brett. Der Song zieht das Tempo mächtig an. Blastbeats hageln uns um die Ohren, Growls und Gitarren erzeugen Death Metal Feeling, epische Chöre, Orgel, hallige Gitarren und Glockengeläut am Ende sorgen für eine gehörige Portion Epik. „Reader Of The Runes – Book I“ packt dann nochmal alles, was die Musik von Elvenking ausmacht, gekonnt in einen Song. Ein epischer Hammer-Rauswerfer der Extraklasse. Schon der Einstieg ist furios und wuchtig. Natürlich dürfen die erhabenen Chöre nicht fehlen. Eine traumhafte Violinenmelodie, ein eingängiger Chorus der zum Mitsingen anregt. Ein akustischer Break, zum Träumen schön. Dann baut der Song Druck auf, es wird gitarrentechnisch schwarzmetallisch und temporeich bevor er sanft mit einem Piano ausklingt.

Man kann es manchmal kaum fassen, aber Elvenking steigern sich mit „Reader Of The Runes – Divination“ noch einmal. Das Songwriting ist ausgefeilt und überzeugend. Das Album bombardiert einen geradezu mit eingängigen, schönen, träumerischen Melodien, die sich ohne Probleme zwischen schwere, harte Riffs einfügen. Nicht nur das, sie ergeben ein stimmiges Ganzes. Auch das Spiel mit progressiven Elementen gelingt den italienischen Folk und Powermetallern hervorragend. Violine und Gitarren und die wunderbare Gitarrensoli machen den Sound von Elvenking markant und rund. Damnas Stimme ist variabel und zeigt verschiedene Facetten, welche die Songs atmosphärisch und kurzweilig gestalten. Atmosphäre ist ohnehin das Stichwort. Elvenking schaffen es einmal mehr den Hörer in eine andere Welt mitzunehmen und ihn alles um sich herum vergessen zu lassen. Selbst den rasenmähenden Nachbarn oder den hektisch klingelnden Paketboten. „Reader Of The Runes – Divination“ spielt mit Gegensätzen und das macht den Reiz des Albums aus. Es ist mystisch, märchenhaft, auf eine schöne Art kitschig, manchmal auf liebenswerte Art chaotisch. Gleichzeitig kraftvoll, manchmal aggressiv und meistens episch. Kurz: unglaublich facettenreich. Fallen mir noch mehr Adjektive ein? Durchaus, aber ich bin jetzt durch.

YouTube Channel von AFM Records


Tracks:
1. Perthro
2. Heathen Divine
3. Divination
4. Silverseal
5. The Misfortune Of Virtue
6. Eternal Eleanor
7. Diamonds In The Night
8. Under The Sign Of A Black Star
9. Malefica Doctrine
10. Sic Semper Tyrannis
11. Warden Of The Bane
12. Reader Of The Runes – Book I

Band:
Damna – Gesang
Aydan – Gitarre
Rafahel – Gitarre
Jakob – Bass
Lancs – Schlagzeug
Lethien – Violine

Konsequent – Zentrum von Valborg

Death Metal
Veröffentlicht: 17.05.2019
Prophecy Productions (Soulfood)


a2586591844_10Nach dem „Endstrand“ also das „Zentrum“. Valborg sind in der Metallandschaft sicherlich ein künstlerisches Phänomen, das von unverständigem Kopfschütteln bis zu grenzenloser Begeisterung eine große Bandbreite an Reaktionen bei den Hörern hervorruft. Was also bietet „Zentrum“ nach dem bis an die Grenzen primitiv-brutalen Dadaismusbrocken von Vorgänger? Cover und Songtitel lassen jedenfalls großartiges erahnen.
Es ist nach wie vor faszinierend, wie mit wenig Mitteln viel erreicht wird. Ja, die Musik ist großteils einfach, um nicht zu sagen stumpf. Das reicht von simplem Geballer wie beim Einstand „Rote Augen“ oder „Schwerter der Zeit“ zum doomigem Groove („Vakuum“). So weit, so „Endstrand“. Was aber deutlich auffällt ist zum einen, dass Ein-Wort-Texte nicht mehr vorkommen und die Lyrics nachdenklicher, gar tiefgründiger wirken, wie bei „Nahtod“ zu lesen:

Ich kann mich nicht erinnern
Woher wir kommen

Ich kann mich nicht erinnern
Wohin wir sollen

Sie geben der Musik, neben diversen anderen Stilmitteln, oft eine packende Mystik und Rätselhaftigkeit und geben ein Gefühl von Fremdartigkeit, das sich nur schwer in Worte packen lässt. Häufig sind die Texte aber auch einfach nur verdammt cool, wie „Ultragrab“ beweist:

Kein Verstand
Erde verbrannt

Ultragrab

Wie viel tatsächlich drinsteckt, ist nur schwer zu erahnen. Die Einflüsse sind vielfältig, die Ideenfindung vom Zufall geprägt. Für das Ergebnis ist das aber auch egal. Hilfreich dabei ist der vermehrt eingesetzte Klar- und Sprechgesang. Gefühlt steckt auch eine größere Bandbreite von Emotionen im Gesang.

Zum anderen wird die Atmosphäre unterstützt von zahlreichen Details wie Klangteppichen („Vakuum“) oder sanfter Elektroeinsatz („Alphakomet“). Diese Elemente bleiben für gewöhnlich angenehm im Hintergrund und sorgen so für die richtige Stimmung und Abwechslung ohne zu stören. Im Gegensatz dazu steht beispielsweise das gewaltige, monolithische Schallsignal am Ende von „Kreuzer“. Mehrfach ertönt es verzerrt, begleitet von leisem Ticken. Das gibt nicht nur beim ersten Hören Gänsehaut. Solche Komponenten haben wohldosiert die Endzeitstimmung auf „Endstrand“ schon perfektioniert und werden hier noch weit häufiger und deutlicher eingesetzt.

Das war jetzt viel zum Drumrum, aber was ist eigentlich nochmal der Kern der Valborgschen Musik? Der besteht nach wie vor aus viel Härte. Die kommt von einfachen, aber wirkungsvollen schweren Riffs, garniert mit viel, viel Bass. Stilistisch schwebt das irgendwo zwischen groovigem Death, schleppendem Doom und rasendem Black Metal. Düster und schwer, nahezu ohne leichtfüßige Momente (am ehesten noch bei „Nonnenstern“). Nun heißt es immer irgendwas von simpel, einfach, primitiv etc. pp. Das heißt aber noch lange nicht, dass Zentrum in irgendeiner Art und Weise eingängig wäre. Klar, wenn bei „Alphakomet“ das Stampfriff gezückt wird, kann man nicht widerstehen. Aber so richtig gezündet hat das Album erst nach und nach, wenn man die Vielschichtigkeit trotz aller Einfachheit kennen- und lieben lernt.

Durch und durch ähnlich zum Vorgänger ist „Zentrum“ also und doch durch und durch auch eine entscheidende Weiterentwicklung. Wo „Endstrand“ ganz brutal im Zeichen der Apokalypse stand, bietet „Zentrum“ Raum für eine vielfältigere Spanne an Stimmungen – gleichwohl ohne groß an Härte zu verlieren. Valborg machen in letzter Konsequenz, was sie machen wollen. Und das Resultat gibt ihnen Recht.

Lieder
1. Rote Augen
2. Alphakomet
3. Anomalie
4. Nahtod
5. Ultragrab
6. Nonnenstern
7. Kreuzer
8. Schwerter der Zeit
9. Vakuum

Band
Jan Buckard – Bass, Gesang
Christian Kolf – Gitarre, Gesang
Florian Toyka – Schlagzeug

Liebe auf das erste Riff. „Alruna“ von Mammoth Storm

Doom Metal / Stoner Metal
Veröffentlicht: 28.06.2019
Argonauta Records
https://www.facebook.com/MammothStorm
https://mammothstorm.bandcamp.com/


Es ist das Album, auf das ich schon das ganze Jahr sehnsüchtig warte. Heute ist „Alruna“ von Mammoth Storm endlich da. Fünf brandneue Songs. Wohoo! Das erste Mal sind mir die schwedischen Doom Metaller als Vorband bei einem Ahab Konzert begegnet. Es war mein erstes Doom Metal Konzert und ich war ein wenig skeptisch, denn ich bin ein eher hibbeliger Mensch, mehr so der Typ Speed Metal, und ich hatte Sorge, ob ich die nötige Geduld für Doom aufbringen kann. Inzwischen habe ich die entspannende, meditative Wirkung des Doom allerdings zu schätzen gelernt. Mein Gitarrenspieltempo verhält sich übrigens seltsamerweise eher diametral dazu. Aber ich schweife ab. Mammoth Storm überzeugten jedenfalls mit ihrem Auftritt und ich kaufte mir das erste Album Fornjot (2015). Der Hammer. Nun legen die Schweden nach und ick freu mir so. Der Titel des Albums „Alruna“, also Alraune, klingt schon vielversprechend, ranken sich doch um diese Pflanze jede Menge Mythen, Geheimnisse und Aberglauben.

Der Opener „Giants“ eröffnet gleich damit, wofür Mammoth Storm bekannt sind: einem Mörderriff. Liebe auf das erste Riff. Ein absoluter Herzschlagbeschleuniger, trotz des doomtypisch gemächlichen Tempos. Der Kopf wippt sofort mit. Schwer, tief, rhythmisch einlullend und gemütlich umgarnt das Riff die Gedanken und bringt einen dazu völlig loszulassen. Eine Melodie ergänzt dieses schließlich perfekt. Sie umspielen sich, belauern sich. Gegen Ende bringen die stampfenden Drums noch einmal alles zum Vibrieren. Wohooo! Mehr als gelungener Auftakt.

„Alruna“, der Titeltrack, kommt hypnotisch, psychedelisch und sehr düster daher. Wie überhaupt das gesamte Album einen intensiv düsteren Charakter hat. Es liegt eine unterschwellige Bedrohung in dem Song, die immer wieder hervorbricht. Dafür sorgt unter anderem Daniel Arvidsson durch seinen Gesang, der irgendwo zwischen Schreien, Singen und Sprechgesang liegt. „Alruna“ soll laut Mammoth Storm wie der Rausch sein, den die Alraune hervorruft. Unwirklich, täuschend, giftig. „Shores Of The Dead“ wirkt auf mich noch ein wenig schwerer, wuchtiger und bedrohlicher als „Alruna“. Vor allem die intensiven, unter die Haut gehenden, bösen, tiefen Growls stechen heraus und unterbrechen den hypnotischen Flow.

„Raven Void“ ist nach dem Opener „Giants“ mein zweites Highlight des Albums. Der Song ist wie eine drohende Gewitterwolke kurz vor dem Entladen: schwer, drückend, düster. Ein Riff, das einem die Luft aus den Lungen presst. Ausgekotzte Worte voller Gift, rhythmisch packend. Eine Gitarrenpassage mit Flangersound erzeugt zwischendurch eine unwirkliche, entrückte Atmosphäre und auch melodisch ist „Raven Void“ mitreißend. „Atra Mors“ drosselt das Tempo, ja das geht tatsächlich. Der Song vereint noch einmal alles, was uns zuvor schon begegnet ist. Am besten gefällt mir der Part, in dem der Bass zu einem tiefer als tiefen Vibrieren wird. Gänsehaut.

Satte, schwere Riffs, düster, drohend und gern mal 5 bis 7 Halbtöne tiefer als der Standard. Ausgefeilte, eingängige Melodien und cleverer, wohldosierter und pointierter Einsatz von Gitarreneffekten. Rhythmisch ist alles ausgefeilt und Melodien, Drums und Riffs passen perfekt zusammen. Erdiger Drumsound, stampfend, walzend, zäh – aber nicht langweilig. Hypnotisch, psychedelisch mit Sludge und Post Metal Elementen zwischen den Doom und Stoner Walzen. Für mich war es liebe auf das erste Riff. Für euch vielleicht auch? Dringend reinhören!

YouTube Channel von Argonauta Records



Tracks:
1. Giants
2. Alruna
3. Shores of the Dead
4. Raven Void
5. Atra Mors

Band:
Daniel Arvidsson – Bass, Vocals
Christer Ström – Guitars
Emil Ahlman – Drums, Organ

Post Folk aus Tatarstan: Hunnar von Baradj

Folk Metal/Progressive Metal/Melodic Death Metal
Veröffentlicht: 19.06.2019
Eigenproduktion
facebook.com/baradjband/
https://baradj.bandcamp.com/


 

BARADJ-Hunnar-Cover-400x400Heute habe ich endlich mal wieder ein wenig Folk Metal im Gepäck. Wobei – ein wenig? Das neue Album „Hunnar“ der Band Baradj aus der russischen Provinz Tatarstan umfasst immerhin 14 Songs. Und Folk Metal? Also nur mit einer Schublade kommen wir hier bei Weitem nicht aus. Da müssen wir schon noch einige weitere Schubladen öffnen und vielleicht auch eine ganz neue Schublade zimmern. Die des Post Folk Metals, hier in der Spielart des „Tatar Ethnic Metal“, zum Beispiel. Häh? Wasndasnuwieder?

Baradj kreieren einen ganz eigenen Sound aus Elementen des Progressive Metal, Post Metal, Melodic Death Metal, Folk Metal und Ambient Elementen. Was erst einmal ein wenig viel klingt, vereint sich zu Songs, die oftmals eine sphärische Entrücktheit und Weite transportieren, wie zum Beispiel der Titeltrack „Hunnar“, „Dunay“ oder „Tengri“. Daran hat der extrem hallige Gitarrensound einen großen Anteil, der sich durch das gesamte Album zieht. Dazu kommen jede Menge melancholischer und entrückter Cleanparts, die gern mal ein Ambientfeeling entfalten. Kurioserweise habe ich mich beim Hören tatsächlich ab und zu an Ahab erinnert gefühlt, obwohl das alles eigentlich gar nicht zusammenpasst.

Songs wie „Altynchach“, „Juketaw“ oder „Bolgar Dalasy“ betonen etwas mehr den Folkaspekt, der in eine balkanische Richtung geht und durch cleanen Gesang und entsprechende Gitarrenparts transportiert wird. „Bolgar Dalasy“ birgt den Folk außerdem im Rhythmus. Insgesamt sind die Folkanteile aber eher dezent gehalten. Wer die üblichen „Ohoh“ Chöre und feuchtfröhliche Schunkelmelodien erwartet, ist hier definitiv verkehrt. Auch die zahlreichen Instrumentals wie „Khiyal-Tulu“ oder „Khiyal-Tedrehon“ – es gibt insgesamt sieben davon – tragen zur folkig-entrückten Stimmung bei. Huh – wie oft man das Wort „Folk“ in so einem Absatz doch unterbringen kann…

Bei all der sphärischen Entrücktheit gibt es auf „Hunnar“ aber auch die Songs, die einen mit Wucht und Härte wieder aus den Wolken holen. „Attila“ zieht das Tempo merklich an. Wüste Growls peitschen aus den Lautsprechern. „Juketaw“ oder „Tengri“ spielen mit dem Wechsel zwischen Growls und Cleangesang zwischen langsamen und schnellen Passagen und bringen tiefe Gitarren, aggressive Growls und hier und da ein wenig Rock und dort und da ein bisschen Death und Black Metal mit ein.

„Hunnar“ bietet einen gelungenen Mix aus verschiedenen Stilrichtungen. Baradj kreieren hier einen eigenen Sound, der natürlich auch von den speziellen folkigen Einflüssen herrührt. Ungeduldig darf man nicht sein, denn die Songs brauchen manchmal einige Augenblicke, bis sie sich entfalten. Man sollte also Zeit mitbringen und sich auf die Musik einlassen. Baradjs Post Folk hebt sich aber erfrischend ab. Daumen hoch.

Youtube Channel von Baradj


Tracks:
1. Hunnar
2. Dunay
3. Khiyal – Tulu
4. Attila
5. Khiyal – Ildico
6. Altynchach
7. Khiyal – Altynchach
8. Juketaw
9. Khiyal – Tedrehon
10. Tengri
11. Khiyal – Qubrat Khan
12. Bolgar Dalasy
13. Khiyal – Boiek Bolgar
14. Khiyal – Boygala ham

Band:
Djonathan Lindaive – Gesang, Gitarre
Anton Lisin – Schlagzeug
Aleksey Lozhenkov – Gitarre
Ruslan Latypov – Bass

Alles, was das Ohr begehrt. Humanicide von Death Angel

Thrash Metal
Veröffentlicht: 31.05.19
Nuclear Blast Records
http://www.deathangel.us


15254Manchmal muss es eben Thrash sein. Natürlich greife ich da nicht zu irgendeinem Thrash Metal Geschrammle, sondern es muss schon qualitativ hochwertiger Thrash sein. Wie zum Beispiel der gute alte Bay Area Thrash, der durch viele hochkarätige Bands wie Exodus, Metallica, Megadeth oder Testament geprägt wurde – und eben auch durch Death Angel. Selbst nach mehreren Jahrzehnten des gemeinsamen Musizierens lassen die Thrasher keine Ermüdungserscheinungen erkennen. Im Gegenteil. Ende Mai veröffentlichten Death Angel ihr neuntes Album „Humanicide“. Nun haben die Jungs eigentlich nie wirklich ein schlechtes Album abgeliefert, dennoch wird ihnen hier und da vorgeworfen, sich nicht weiterzuentwickeln und nicht sehr wandelbar zu sein. Das widerlegen Death Angel mit „Humanicide“ definitiv.

Natürlich gibt es auf „Humanicide“ die Thrash Metal Brecher und Thrash Metal Hymnen, für die Death Angel bekannt sind. Gleich der Opener „Humanicide“ haut uns alles um die Ohren, was das Herz, das Ohr und der Nacken begehren: ein ziemlich klassisch gehaltenes, kraftvolles Intro mit einem Hauch von Epik, nackenbrecherisches Tempo mit Mörderriffing und ein Gitarrensolo, das einem die Tränen in die Augen treibt. Dazu kommen maschinengewehrartige Drums, kraftvolle Bassleads und ein eingängiger Chorus. Weitere Songs wie „Divine Defector“ , das mit einem Hauch von Death Metal aufwartet, „Aggressor“, das mit einem kleinen cleanen Intro Akzente setzt „Alive And Screaming“ oder „Ghost Of Me“ hauen grundsätzlich in dieselbe Kerbe und machen riesigen Spaß.

Hier und da bewegen sich Death Angel aber weg vom Brecher-Thrash. „I Came For Blood“ versprüht ein beschwingtes, punkiges Feeling, das die Laune hebt – auch wenn der Text natürlich nicht ganz so lustig ist, schon klar. „Immortal Behated“ startet mit einem gefühlvollen Gitarrenintro, das Unbehagen und ein mulmiges Gefühl auslöst. Auch die Synthesizer tragen ihren Teil zur Atmosphäre bei. Der Song wechselt dann zwischen kraftvollen und sanften Parts ohne die düstere Grundstimmung einzubüßen und endet mit einem wunderbaren Pianooutro. Die Gänsehaut bleibt. „Revelation Song“ birgt Wucht und ein stampfiges Feeling – und heieiei, gitarrentechnisch ist das großes Kino. Wie die Gitarren sich abwechseln und ergänzen macht Laune und das Solo bläst einem die Perücke weg.

Ich hoffe, ihr habt jetzt auch Bock auf guten Thrash Metal, denn den bieten Death Angel auf „Humanicide“. Die Herren klingen frisch, spritzig und kein bisschen müde. Wer auf Nackenbrechertempo, variantenreiches Thrash Metal Riffing und Maschinengewehrdrumming in bester Qualität steht und dennoch nicht auf ein wenig Abwechslung und Variantenreichtum verzichten möchte, ist hier genau richtig. Und diese Soli…

YouTube Channel von Nuclear Blast Records



Tracks:
1. Humanicide
2. Divine Defector
3. Aggressor
4. I Came For Blood
5. Immortal Behated
6. Alive And Screaming
7. The Pack
8. Ghost Of Me
9. Revelation Song
10. On Rats And Men
11. The Day I Walked Away (Bonus)

Band:
Mark Osegueda – Gesang
Rob Cavestany – Gitarre
Ted Aguilar – Gitarre
Damien Sisson – Bass
Will Carroll – Schlagzeug

Von sternlosen Nächten: „Ethic Of Radical Finitude“ von Downfall Of Gaia

Post Black Metal
Veröffentlicht: 08.02.2019
Metal Blade Records
downfallofgaia.com


a3641497769_10Downfall of Gaia sind schon eine Weile im Geschäft und bislang sicherlich wohlwollend in der Post (Black) Metallischen Szene gehört. Eine relativ einzigartige Mischung aus modernem Black Metal, Hardcore und irgendwas postigem als Markenzeichen, waren Downfall of Gaia dabei aber nie besonders zugänglich. Insbesondere Suffocating in the Swarm of Cranes, aber auch der nachfolger Aeons unveils the Throne of Decay waren glanzvoll, warfen aber mit eher sperrigen, ausgedehnten Gaze-Momenten mit wenig eingängigen Strukturen einigen Schatten. Erst Atrophy kam gefühlt kompakter daher. Mit dem neuen Werk Ethic of Radical Finitude ist zumindest der Titel wieder deutlich ausladender geworden, für die Musik trifft das aber nicht zu.

Leise, sehr leise ist der Einstieg mit Seducted by… und setzt trotzdem gleich die richtige Stimmung für das, was noch so kommt. Klar, es gibt viel Geknüppel, Raserei, Geschrei, wie man es so kennt und liebt. Das besondere sind aber die träumerischen Momente, die Hand in Hand gehen mit fast schon romantischen Titeln. Besonders beeindruckend sind diese Momente aus Wehmut, kuscheliger Behaglichkeit und Verzweiflungswut in Liedern wie Guided through a starless Night und Of withering violet Leaves. Dafür dass das nicht ausnudelt, sorgen durchdachte Dynamikwechsel und zahlreiche Spannungsbögen – bis hin zum gesprochenen Wort und… chorartigem Gesang? Das kam doch etwas überraschend, bildet aber einen perfekten Abschluss. Fragile Melodiebögen tasten sich immer wieder ins Ohr und setzen sich in den Hirnwindungen fest. Dafür haben die Jungs sicher ein Händchen.

Die nötige Wucht fehlt bei all der träumerischen Weltenflucht wie gesagt aber nicht. We pursue the Serpent of Time rumpelt ordentlich los, As our Bones break to the Dance sorgt genau für selbiges Knochenbrechen und wartet dann doch mit einem warmherzigen Gitarrensolo auf ehe Geschrammel mit Black-Metal-Raserei das wieder überbügelt. Auch die ein oder andere doomige Einlage sorgt für Abwechslung, nimmt aber dem blitzschnellen Riffing und der entrückten Ruhe nie die Bühne. Am klassischsten mag da noch The grotesque Illusion of Being sein. Das I-Tüpfelchen jedenfalls sind Nuancen wie etwa ein nachdenklich stimmende Piano.

Faszinierend ist, wie Downfall of Gaia einfach alles in Trümmer hauen und dazwischen ständig Ohrwurmmelodien einstreuen als wäre alles irgendwie ziemlich traurig und schlecht, aber doch auch gar nicht so schlimm. Perfekt.


Lieder:
1. Seducted by…
2. The grotesque Illusion of Being
3. We pursue the Serpent of Time
4. Guided through a starless Night
5. As our Bones break to the Dance
6. Of withering violet Leaves

Band:
Dominik Goncalves dos Reis – Gesang, Gitarre
Anton Lisovoj – Gesang, Bass
Marco Mazzola – Gitarre
Michael Kadnar – Schlagzeug

Ein eiskalter Hauch: „Ruins“ von Marianas Rest

Melodic Death Metal
Veröffentlicht: 26.04.2019
Inverse Records
https://marianasrest.com/


MARIANAS-REST-Ruins-400x400Bah. Seid ihr auch schon genervt von diesem ekelhaften Frühlingswetter? Bunte Blumen, Sonnenschein. Puh. Schmerzt in den Augen. Ich genehmige mir da erstmal eine gehörige Dosis lindernden grauen Nebel und ein wenig zehenabfrierende Kälte. Wenn ihr auch etwas davon haben wollt – bitte. Am 26.04. veröffentlichen die finnischen Melodic Death Metaller Marianas Rest ihr zweites Album namens „Ruins“. Die Band stammt aus der finnischen Hafenstadt Kotka und so scheinen auch die acht Songs auf „Ruins“ von der rauen, nebligen, wilden Ostsee inspiriert. Mit den Ruinen sind allerdings keine verwitternden Steine auf irgendeiner vergessenen Wiese gemeint, vielmehr stehen sie für den gebrochenen Geist. Das Album beschreibt den Prozess vom Moment des Brechens bis hin zum Ende. Klingt qualvoll? Hoffentlich trifft das nicht auf die musikalische Umsetzung zu.

Gleich beim ersten Lied „Kairos“ ereilte mich das, was ich den „Hab ich dich Moment“ nenne, denn der Song zog mich sofort in seinen Bann. Gastsprecher Niilo Sevänen (Insomnium) trägt den Beginn des Gedichts „Darkness“ von Lord Byron vor:

„I had a dream, which was not all a dream.
The bright sun was extinguish’d, and the stars
Did wander darkling in the eternal space,
Rayless, and pathless, and the icy earth
Swung blind and blackening in the moonless air.“

Und dann setzt Gastcellist Timo Virkkala ein und spielt eine herzerweichende, melancholisch-verloren klingende Melodie. Die Welt wirkt klein und intim. Kann es einen stimmungsvolleren Einstieg in den Untergang des eigenen Geistes geben? Ich sage nein! Plötzlich weitet sich der Blick mit dem Einbrechen der anderen Instrumente und ein kleines Inferno aus Drumblasts, Tremolopicking und Synthis bricht los. Ein klagendes Riff und ein hoffnungslos verhallendes Gitarrensolo werden immer wieder vom erwähnten wilden Inferno überrollt. Der ein oder andere dissonante Akkord wird eingestreut, um das Unbehagen weiter zu schüren. Und dann ist da noch Sänger Jaakko Mäntymaa. Wuh. Er schreit, screamt, screamt fies, growlt, spricht, flüstert. Harsch, poltrig, fies, verzweifelt, lockend. Alles scheint irgendwo aus den tiefsten Tiefen der wunden Seele zu kommen und ergießt sich mit einer Intensität über den Hörer, dass das Herz wahlweise vor Schreck, Andacht, Staunen oder Schmerz zu einem eisigen Klumpen gefriert.

„Kairos“ zeigt von Beginn an, was die Finnen auf „Ruins“ bieten. Verträumt-melancholische Gitarrenmelodien wie auch in „The Spiral“ oder „Restitution“. In „Hole in Nothing“ wagt man sogar so etwas wie einen Doppel-Lead, was der Sache Power verleiht. Oder die Gitarre nimmt die Gesangsmelodie auf und es ergibt sich ein reizvolles Spiel wie in „Shadows“. Natürlich darf auch das ein oder andere ohrenschmeichelnde Solo nicht fehlen, wie das in „The Defiant“ oder das in „Omega“. Besonders das in „Omega“. Immer wieder arbeiten Marianas Rest mit doomigen Parts, die Liedern wie „The Spiral“ oder „Hole in Nothing“ Wucht und Kraft verleihen. Ha – und hier ist er wieder, der Doom. Er hat uns noch nicht verlassen. Während „The Spiral“ zum Ende hin ziemlich dramatisch wird und episch ausklingt, weckt die schon fast hoffnungsfroh zu nennende doppelläufige Gitarrenmelodie in „Hole in Nothing“ die kurze Hoffnung, dass doch noch alles gut wird. Aber eben nur kurz, dann versackt man irgendwie im Nebel.

Dissonante Akkorde lassen uns nicht nur in „Hole in Nothing“ das Blut in den Adern gefrieren und verbreiten Kälte und Unwohlsein. Auch in „Shadows“ oder „Omega“ machen die Finnen davon Gebrauch und erzeugen eisige Stimmung. Und immer wieder diese verzweifelten Screams wie wir sie in „Shadows“ oder „Restitution“ hören. Puh,  die gehen echt durch Mark und Bein und wieder zurück. Sehr stimmungsvoll. Im letzten Song „Omega“ treiben Marianas Rest das Spiel zwischen Stimme und Instrumenten noch einmal perfekt auf die Spitze. Dissonante Gitarren, gesprochene Worte, die den Hörer direkt zu adressieren scheinen, leise tickende Drums. Die Stimme wird zu einem growligen Keuchen, einem röchelnden, gutturalen Anklagen und dazu setzt das Cello ein. Da passt einfach alles.

Marianas Rest haben mit „Ruins“ ein Album erschaffen, bei dem einem beim Hören die Meeresbrise eiskalt um die Nase weht. Die Songs strahlen Melancholie und ein unwohliges Frösteln aus, nicht ohne auch immer wieder einen Hoffnungsschimmer aufzutun. Ab und an ergeben sich ein paar Längen. Dann plätschert alles so vor sich hin. Auch das Repertoire an Riffs und Akkorden könnte hier und da etwas variantenreicher sein. Dennoch. Die klagenden Gitarren, die träumerisch-melancholischen Melodien und der unglaublich intensive Gesang kreieren eine dermaßen eindringliche Atmosphäre, dass das Album einen so richtig packt und mitnimmt.

YouTube Channel von InverseRecordsFIN: https://www.youtube.com/channel/UCYkKGD-Ao38KxSxMBeghWDA


Tracks:
1. Kairos
2. The Spiral
3. Hole in Nothing
4. The Defiant
5. Unsinkable
6. Shadows
7. Restitution
8. Omega

Band:
Nico Mänttäri – Gitarre
Harri Sunila – Gitarre
Niko Lindman – Bass
Jaakko Mäntymaa – Gesang
Aapo Koivisto – Keyboards
Nico Heininen – Schlagzeug

Vertonter Horror. The Astral Horror von Othuum

Doom Metal
Veröffentlicht: 05.01.2019
Eigenveröffentlichung
https://www.facebook.com/othuumband/?ref=py_c


a3166236441_16Der Doom reißt nicht ab und dabei kommt man thematisch ganz schön rum. Heute habe ich Grusel-Doom von Othuum aus Mönchengladbach im Gepäck. Irgendwie muss ich jetzt an meine Schwester denken, die einmal vor Mönchengladbach zu früh abgebogen ist, aber das ist ein anderes Thema. Zurück zu Othuum und ihrem ersten Album, das übrigens „The Astral Horror“ heißt. Der Bandname deutet es schon an: es geht irgendwie um H.P Lovecraft, denn bei Othuum handelt es sich um ein Tentakel-Alien-Monster aus dessen Universum. Auch der Name des Albums fügt sich hier vortrefflich ein. H.P Lovecraft und seine fantastische Horrorliteratur dienten ja schon so einigen Metalbands als Inspirationsquelle für ihre Musik. Hören wir uns also an, wie Othuum den Stoff verarbeitet haben.

„The Astral Horror“ besteht aus dem instrumentalen Intro „Exordium“, welches schon mal für eine leicht unbehagliche Stimmung sorgt und auf das Kommende einstimmt, und fünf weiteren Songs. Das Kommende hat es wahrlich in sich, denn Othumm verstehen es in allen Songs meisterlich, mit dem Tempo ihrer Musik zu spielen und darüber nervenzerfetzende Spannung zu erzeugen. So zieht „Curse of Darkness“ zum Beispiel seinen Reiz aus dem Gegensatz zwischen schnellem Tremolopicking und langsamem Hauptriff, während die Drums rhythmisch variabel agieren und spannungsreiche Pausen setzen. „Black Corpse River“ beginnt Clean und ist relativ flott und halbwegs fröhlich. Aber natürlich dräut schon Unheil am Horizont. Das Ganze gleitet in eine irgendwie fiese, ungemütliche Stimmung ab, was vor allem die bedrohlich wirkenden Growls bewerkstelligen. „The Anti​-​Cosmic God“ ist eine wuchtige Walze. Die Gitarre scheint ihre Melodie irgendwo aus dem zweifelhaften Schatten herauszuschleudern und das einfach wunderschön. „Infernal Tentacle Wars“ hat einen minimalistischen Beginn, präsentiert uns ein geiles Riff, das von den verschiedenen Instrumenten in Lautstärke und Tempo immer wieder variiert wird und doch dasselbe bleibt.

Zu erwähnen ist der Gesang von Geri v. Junzt, der wie eine Mischung aus Dave Gahan von Depeche Mode und Ralf Hütter von Kraftwerk daherkommt. Ich mag beide Stimmen überhaupt nicht, aber die Mischung in Kombination mit der Musik passt wie die Faust aufs Auge und gefällt mir. Minus und Minus ergibt eben doch Plus. Man könnte den Gesang als Gothic mit Fauch- und Growl-Einsätzen beschreiben. Mal emotionslos, mal wütend, mal flüsternd.

Othuums Erstling „The Astral Horror“ ist düster und gruselig, voll Unbehagen und Ungemütlichkeit. Es ist wie ein vertonter Horrorroman, der einen schaudern lässt. Herrlich. Dabei ist immer eine gewisse Melancholie zu spüren, ein Hauch von Weltall, von Unendlichkeit. Und das alles schaffen Othuum mit relativ minimalistischen Mitteln. Ohne Schnörkel – auch ohne den großen Überraschungsmoment. Es ist nichts, was jetzt noch nie dagewesen wäre – aber es ist halt ziemlich geil.

Reinhören und das Album kaufen könnt ihr hier: https://othuum.bandcamp.com/releases

Tracks:
 1. Exordium
 2. Curse of Darkness
 3. Black Corpse River
 4. The Anti-Cosmic God
 5. Infernal Tentacle Wars
 6. City Of The Dreaming Dead

Band:
Geri v. Junzt – Gesang
Ernst – Gitarre
Max W. Raven – Bass
Marschhausen – Drums

Die schnelle Dröhnung: The Millenial Heartbeat von Flame, Dear Flame

Doom Metal
Veröffentlicht: 05.04.2019
Independent
https://www.facebook.com/flamedearflame


XKH155705… und es geht weiter im Zeichen des Doom. Und zwar mit ganz frischem, neuem, unverbrauchtem Doom. Die Braunschweiger Band Flame, Dear Flame, die sich 2017 gründete, veröffentlicht mit „The Millenial Heartbeat“ nun Anfang April ihre Debüt-EP. Sie umfasst drei längere Songs und kommt somit auf eine Gesamtlänge von 21 Minuten. Ich fasse kurz und dilettantisch zusammen: Es geht um die Entstehung des Ozeans, das Sterben des Landes und die Kräfte der Natur. Also quasi um Holland. Hum. Man möge  meinen allzu laxen Umgang mit der Philosophie, die hinter all dem steckt, verzeihen. Hören wir lieber, wie Flame, Dear Flame dieses Thema musikalisch verpacken.

„The Millenial Heartbeat Part I“ eröffnet den Reigen. Der Ozean deutet sich geräuschemäßig an und ein Gitarrenriff rollt herein, das einen sofort mit auf die Reise nimmt. Als nächstes fällt selbstverständlich die weibliche Stimme auf. Hat man ja nicht alle Tage bei Doom Metal Bands. Maren Lemkes glasklare Stimme, das dominante Gitarrenriff und der Wechsel zwischen Distortion- und Cleangitarre, die sich wie wogende Schaumkronen umtanzen, ergeben ein Ganzes – eine Ganzes das mir sehr gut gefällt.

„The Millenial Heartbeat Part II“. Das Wasser sucht sich seinen Weg. Ein Riff, welches das in Part I raffiniert variiert, ohne gleich zu klingen, kommt kraftvoll daher. Zunächst steht der Gesang im Vordergrund. Im Hintergrund drückend, schattige Gitarren. Und – ach ich liebe dieses Riff. Im zweiten Teil zieht das Tempo etwas an und die Drums prägen durch allerlei rhythmische Raffinesse den Song. Auch eine feine, kleine Bassmelodie  sorgt für Varianz.

„The Millenial Heartbeat Part III“. Es rauscht ganz schön, die Wellen donnern. Genau mein Ding, denn der Song kommt zu Beginn richtig schwer und schleppend daher, bevor es in eine leichte Cleanmelodie übergeht, zu der sich leicht und klar Marens Stimme gesellt. E-Gitarren brechen in die Zartheit des Momentes. Im zweiten Teil akzentuiert die Gitarre rhythmisch, bevor es wieder in zarten Cleanteil übergeht. Ja und potztausend – plötzlich entfaltet sich vor unseren Ohren schwarzmetallisch anmutendes Tremolopicking und Black’n’Roll Feeling blitzt kurz auf. Zart endet alles.

Ich würde sagen: Debüt gelungen, gefällt mir sehr gut, macht Spaß zuzuhören. Weiter so! Doom mit dem ein oder anderen Überraschungsmoment.


Tracks:
1. The Millenial Heartbeat Part I
2. The Millenial Heartbeat Part II
3. The Millenial Heartbeat Part III

Band:
Maren Lemke – Gesang
David Kuri – Gitarre
Martin Skandera – Bass
Jan Franzen – Schlagzeug

Philipp Horenburg – Additional guitars