Überraschungsei – Cold Dead Lands von Grey Skies Fallen

Doom / Death Doom / Progressive Death
Veröffentlichung: 08.04.2021
Paragon Records / Grimm Distribution / More Hate Productions / Satanath Records
https://www.facebook.com/GreySkiesFallen
https://greyskiesfallen.bandcamp.com/
https://www.instagram.com/greyskiesfallen/


CDL Cover(English version below.)

Woche der Entdeckungen bei Thrash!Boom!Bang! Merke: Wenn man Gitarre eins mit Gitarre zwei über ein Kabel verbindet und dann den Verstärker einschaltet, hilft auch kein wütendes Fluchen. Er wird nicht den leisesten Ton von sich geben. Merke weiter: Der Verstärker ist nicht kaputt, sondern funktioniert nach mehrminütiger Bedenkzeit und kleinlauter Korrektur des Verkabelungsfehlers einwandfrei. Die zweite und – seien wir ehrlich – auch die wichtigere Entdeckung der Woche, ist die der US- amerikanischen Band Grey Skies Fallen und ihres Albums „Cold Dead Lands“. Dabei handelt es sich um ein Re-Release des bereits im Januar 2020 erschienen fünften Albums. Der Sound von Grey Skies Fallen hat mich echt weggepustet und gedanklich in Bewegung gehalten. Er bewegt sich irgendwo zwischen Death Doom, Progressive und Death Metal mit Melodic Einflüssen und Sludgemomenten. Ja – jetzt rattert es, gell? 

Wie passt das also alles zusammen? Wieso konnte Doom mich in Bewegung halten? Und habe ich schon wieder Hunger, weil ich statt „Picking Up the Pieces“ irgendwas mit Picknick gelesen habe? Eins ist bei der Mischung klar – langweilig wird es definitiv nicht. Der Opener „Visions from the Last Sunset“ steigt wuchtig und doomig ein. Die Gitarre präsentiert dem Thema des Songs angemessen melodische und melancholische Melodie. Dramatischer Klargesang (ziemlich amerikanisch für meine Öhrchen) und doomiges Tempo unterstreichen das Ganze perfekt. Mein Lieblingsmoment des Songs ist, wenn die hallige Gitarre für einen Moment völlig allein in Zeit und Raum zu schweben scheint. Gänsehaut! „Cold Dead Lands“ setzt stimmungsmäßig noch einen drauf. Melodisches Riffing, Drums und Gitarren gehen eine äußerst hörenswerte Liaison ein. Wir grooven doomig vor uns hin. Growls fügen Härte hinzu. Und dann kommt dieser bildschöne cleane Break. Hallig, träumerisch, verloren. Atmen. Dann ändert sich die Stimmung abrupt. Der schleppende Rhythmus, die tiefen Gitarren erzeugen ein Gefühl als ob man sich dem peitschenden Regen entgegenstemmt. Basedrum und Hi-Hats erzeugen einen reizvollen Gegensatz. Ungemütlich und irgendwie traurig. Mit „Procession to the Tombs“ ändert sich die Stimmung wieder. Das mitreißende Riff kommt im Kontrast zu den vorangegangenen Songs fast beschwingt daher. Die Kombination aus Growls und unterschwellig drohendem Bass ist schlicht genial. Die Atmosphäre bedrohlich. Alles in allem steckt hier etwas mehr Death Metal drin und obendrauf noch ein bildschönes Gitarrensolo. „Picking Up the Pieces“ bewegt sich ebenfalls irgendwo im Melodeath- und Progressivebereich. Flott mit kleinen Drumfeuerwerken, Growls und grummelnde Gitarren macht der Song von A – Z Spaß. Vor allem der irre Break. Wooohooo. Drums und Bass kicken dir in den Magen, ist aber egal. Die Gitarrenmelodie legt sich drüber. Die Drums brechen immer wieder rein und schließlich treibt einen ein hummeliges Gitarrenriff vollends in den Wahnsinn. Das Tempo wechselt zwischen doomig und groovig. Cool! Mit „After the Summer Comes the Fall“ (vielleicht eine weitere wichtige Erkenntnis dieser Woche) kehren wir zurück ins Wuchtige und Doomige. Schweres Gitarrenriff und engelsgleicher Gesang als Kontrast. Drums und Gitarre gehen immer wieder rhythmische Symbiosen ein, die mich vom Hocker fegen. Aber nichts gegen den Growl-Drum-Gitarren Orkan der dann losbraust und die Frise vollends zerzaust. Ein durch den Bass fast funkig, jazzig locker wirkender Break – hier bäumt sich der Sommer nochmal auf. Aber die Schwere des Herbstes kehrt mit Macht zurück. Der Gesang wird langsam fies, überhaupt wirken plötzlich alle Instrumente düster und fies, tief, dumpf, dräuend. Nur noch ein wenig leichte, cleane Gitarre wie eine letzte Sommerbrise.

Ich hoffe, ich konnte euch verdeutlichen, was für ein tolles Überraschungsei „Cold Dead Lands“ ist. Da steckt so viel drin, dass man beim ersten Hören gar nicht alles erfassen kann. Immer wenn man es sich in der Musik bequem gemacht hat, kommt irgendetwas Neues, das man wieder einordnen muss. Genau das gefällt mir so gut. Danke, Grey Skies Fallen. Absolut gelungen!

Grey Skies Fallen auf YouTube

Week of discoveries at Thrash! Boom! Bang! Note: if you connect guitar one with guitar two via cable and then switch on the amplifier, no angry swearing will help. It won’t produce the slightest sound. Please also note: the amplifier is not broken, but works perfectly after several minutes of reflection and abashed correction of the cabling error. The second and – let’s be honest – the more important discovery of the week is that of the US band Grey Skies Fallen and their album „Cold Dead Lands“. It is a re-release of their fifth album that was released in January 2020. The sound of Grey Skies Fallen really blew me away and kept my mind moving. It ranges somewhere between Death Doom, Progressive and Death Metal with melodic influences and sludge moments. Yes – now it’s working in the brain, right?

So how does it all fit together? How could Doom keep me moving? And am I hungry again because instead of reading „Picking Up the Pieces“ I read something with a picnic? One thing is clear about the mix – it definitely won’t get boring. The opener „Visions from the Last Sunset“ starts powerful and doomy. The guitar presents melodic and melancholic melodies appropriate to the theme of the song. Dramatic clear vocals (pretty American for my ears) and doomy tempo underline the whole thing perfectly. My favorite moment of the song is when the reverberant guitar seems to float completely alone in time and space for a moment. Goose bumps! „Cold Dead Lands“ goes one better in terms of mood. Melodic riffing, drums and guitars form an extremely good liaison. We groove a bit. Growls add harshness. And then comes this beautiful clean break. Reverberant, dreamy, lost. Breathe. Then the mood changes abruptly. The slow rhythm, the deep guitars create a feeling as if you are resisting the lashing rain. Base drum and hi-hats create a appealing contrast. Uncomfortable and somehow sad. With „Procession to the Tombs“ the mood changes again. In contrast to the previous songs, the sweeping riff is almost lively. The combination of growls and subliminal threatening bass is simply awesome. The atmosphere is threatening in general. All in all there is a bit more Death Metal in there and on top of that a beautiful guitar solo. „Picking Up the Pieces“ is also somewhere in the melodic and progressive area. Fast with small drum fireworks, growls and grumbling guitars, the song from A – Z is fun. Especially the crazy break. Wooohooo. Drums and bass kick in your stomach. The guitar melody lays over it. The drums break in again and again and finally a bumblebee like guitar riff drives you completely insane. The tempo changes between doomy and groovy. Cool! With „After the Summer Comes the Fall“ (maybe another important finding this week) we return to the heavy and doomy. Heavy guitar riff and angelic vocals as a contrast. Drums and guitar repeatedly enter into rhythmic symbioses that sweep me off my feet. But nothing against the growl-drum-guitar hurricane that then roars off and completely messes up our hair. A break that seems almost funky, jazzy and relaxed thanks to the bass – summer rears up again here. But the gravity of autumn returns with force. The singing is slowly becoming nasty, all instruments suddenly seem dark and nasty, deep, dull, threatening. Just a little light, clean guitar like a last summer breeze.

I hope I was able to show you what a „surprise egg“ „Cold Dead Lands“ is. There is so much in it that you cannot grasp everything when you first listen to it. Whenever you’ve made yourself comfortable in the music, something new comes along that you have to put back into perspective. That’s exactly what I like so much. Thank you, Grey Skies Fallen. Absolutely successful!


Tracks:
1. Visions From The Last Sunset
2. Cold Dead Lands
3. Procession To The Tombs
4. Picking Up The Pieces
5. Ways Of The World
6. After The Summer Comes The Fall

Band:
Rick Habeeb – Gesang, Gitarre
Sal Gregory – Schlagzeug
Tom Anderer – Bass

Schnörkellose Düsternis. Svartrviðr von King of Asgard

Black Metal / Death Metal / Folk Metal
Veröffentlichung: 28.05.2021
Trollmusic
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https://kingofasgard.bandcamp.com/
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king-of-asgard-Svartrviðr(English version below.)

Auf zwei Dinge habe ich in den letzten Wochen sehnsüchtig gewartet: das neue Album von King of Asgard „Svartrviðr“ und darauf, meine Schwester – nennen wir sie Klaus – nach langen Monaten endlich wieder live zu sehen. Und endlich, letzte Woche, wurden beide Wünsche direkt hintereinander erfüllt. Am Freitag erschien „Svartrviðr“ und am Samstag waren Klausi und Chulio für einige Stunden endlich wiedervereint. Beim 6 nimmt zocken kamen Erinnerungen an frühere Zeiten hoch. Zum Beispiel wie wir beim 6 nimmt zocken bei offener Backofentür und Kannen von Tee den eisigen Temperaturen in unserem Ferienhaus trotzten. Gut – den Tee trank im Wesentlichen Klaus, weshalb wir bei unserem Ausflug am nächsten Tag an jeder Autobahnraststätte und jedem dritten Busch halten mussten. Hach, das waren Zeiten… Doch nun zu „Svartrviðr“, dem fünften Album von King of Asgard. Seit „Taudr“, das 2017 erschien, hat sich bei den Schweden das Line-Up geändert. Bedeutet das auch neuer Sound?

Die Frage kann man mit einem klaren Jein beantworten. Im Großen und Ganzen hat sich der Sound von King of Asgard nicht verändert. Der Opener „Frôðr“ spielt sämtliche Stärken der Schweden aus. Sobald der erste Ton erklingt und sich der nächste anschließt, sobald sich alles zu einer dieser wunderbaren King of Asgard Melodien formt, geht mir das Herz auf. „Frôðr“ schleppt sich doomig dahin. Düster. Schwer. Der Gitarrensound schmiegt sich ins Ohr, setzt sich fest. Klares, einfaches, aber wirkungsvolles Riffing, das einen davonträgt und hypnotisiert. Vom Songkonzept her sind „Kvikr“ und „Ammobiærg“ ähnlich. Auch hier bringen King of Asgard ihr Talent zur Geltung, bildschöne Melodienen mit düsteren, harschen Black und Death Metal Riffs und Tremolo Picking zu kombinieren. „Kvikr“ punktet mit seinem cleanen Beginn und irgendwie zwielichtig klingendem Piano. „Ammobiærg“ überzeugt zusätzlich mit hypnotischem, schamanisch anmutendem Gesang und Tempowechsel ins Doomige.

Hier zeigen sich aber gleichzeitig auch die Veränderungen am Sound. Die Songs kommen mit weniger Schwung daher und machen einen deutlichen Schlenker ins Death-Doomige, Schleppende. Die Melodien treten mehr in den Hintergrund zugunsten von mehr Düsternis, Schwärze und Kälte. Zugunsten eines schweren, hypnotischen Sounds. Nun gut, King of Asgard waren jetzt noch nie eine lustige Partyband, aber mit „Svartrviðr“ haben sie eine neue Marke auf der Düsternisskala erreicht, die Gänsehaut zurücklässt. Zugegebenermaßen nicht immer. „Rifna“ und „Hæimr“, für mich die schwächsten Songs des Albums, plätschern mir persönlich ein wenig zu sehr dahin. Während der 7 Minuten steige ich meist irgendwann aus. Exzellent gelungen ist das Ganze allerdings in „Svartrviðr“. Der Song schleppt sich doomig dahin und der hypnotische Gesang zusammen mit dem reduzierten Riffing entführen einen in weit entfernte Welten. Der heimliche Star des Albums ist für mich „Harmdauðr“. Der Song ist bildschön, akustisch, melodiös mit einem Schuss Melancholie. Und gerade dann, wenn man sich so richtig heimelig fühlt, endet er in einer Blackmetalraserei die genauso überraschend endet, wie sie angefangen hat. Einfach genial. Das Album endet mit „FæigR“. Noch etwas sinistres Piano mit Krähe für das ungute Gefühl zum Schluss.

„Svartrviðr“ ist relativ einfach gehalten, ohne unnötige Schnörkel. Ich persönlich hätte gern noch die ein oder andere Melodie mehr gehabt, denn das können King of Asgard einfach. Hier und da wird es mir ein wenig zu hypnotisch. Nichtsdestotrotz hat mich das Album gepackt und in seinen Bann gezogen. Ich liebe Musik, die mir mit ihren Tönen, Melodien und Riffs eine Geschichte erzählt. Und das tun die Schweden auf „Svartrviðr“. Sie entführen den geneigten Hörer in den eisigen Norden mit seiner Kälte, Düsternis und seinen Mythen. Exzellent!

King of Asgard auf YouTube bei Trollmusic

I have been waiting longingly for two things in the last weeks: the new King of Asgard album „Svartrviðr“ and to see my sister – let’s call her Klaus – live again after many months. And finally, last week, both wishes were granted one after the other. „Svartrviðr“ was released on Friday and on Saturday Klausi and Chulio were finally reunited for a few hours. When playing 6 takes, memories of earlier times came up. For example, how we played 6 takes with the oven door open and pots of tea braving the icy temperatures in our holiday home. Ok – Klaus essentially drank the tea, which is why we had to stop at every motorway service station and every third bush on our trip the next day. Oh, those were the times … But now to „Svartrviðr“, the fifth album by King of Asgard. Since „Taudr“, which was released in 2017, the line-up changed. Does that also mean new sound?

The question can be answered with a clear yes and no. By and large, the sound of King of Asgard hasn’t changed. The opener „Frôðr“ shows all of the Swedes‘ strengths. As soon as the first note sounds and the next one follows, as soon as everything forms into one of these wonderful King of Asgard melodies, my heart opens. „Frôðr“ drags along in a doomy manner. Gloomy. Heavy. The guitar sound nestles in the ear, settles in. Clear, simple, but powerful riffing that carries you away and mesmerizes you. In terms of the song concept, „Kvikr“ and „Ammobiærg“ are similar in structure. Again, King of Asgard show their talent to combine beautiful melodies with dark, harsh Black and Death Metal riffs and tremolo picking. „Kvikr“ scores with its clean start and somehow ambiguous sounding piano. „Ammobiærg“ also impresses with hypnotic, shamanic-sounding vocals and a change of tempo to doomy.

At the same time, however, the changes to the sound can also be seen here. The songs come with less verve and make a clear detour into the death-doomy direction. The melodies take a back seat in favor of more gloom, blackness and coldness. In favor of a heavy, hypnotic sound. Well, King of Asgard have never been a fun party band, but with „Svartrviðr“ they have reached a new mark on the gloom that leaves goosebumps. Admittedly, not always. „Rifna“ and „Hæimr“, for me the weakest songs on the album, ripple a little too much for me personally. During the 7 minutes I usually get off at some point. The whole thing turned out very well in „Svartrviðr“. The song drags on in a doomy way and the hypnotic vocals together with the reduced riffing take you to far away worlds. The secret star of the album for me is „Harmdauðr“. The song is beautiful, acoustic, melodious with a dash of melancholy. And just then, when you feel really homely, it turns into a black metal frenzy that ends just as surprisingly as it started. Just awesome. The album’s last song is „FæigR“. Somewhat sinister piano with a crow for the bad feeling at the end.

„Svartrviðr“ is kept relatively simple, without unnecessary squiggles. Personally, I would have liked one or two more melodies, because King of Asgard are so good at creating them. Here and there it gets a little too hypnotic for me. Nonetheless, the album grabbed me and cast a spell over me. I love music that tells me a story with its tones, melodies and riffs. And that’s what the Swedes do on „Svartrviðr“. They kidnap the inclined listener to the icy north with its cold, gloom and myths. Excellent!

 


Tracks:
1. Frôðr
2. Rifna
3. Hæimr
4. Kvikr
5. Ammobiærg
6. Svartrviðr
7. Harmdauðr
8. FæigR

Band:
Karl Beckman – Gesang, Gitarre
Ted Sjulmark – Gitarre
Mathias Westman – Schlagzeug
Jonas Albrektsson – Bass

Tragisch bis apokalyptisch. Parakosm von Feradur +++ mit Gewinnspiel +++

Melodic Death Metal
Veröffentlichung: 30.04.2021
Independent
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https://www.instagram.com/feradurmelodeath/
feradur.bandcamp.com
https://twitter.com/feradurofficial/


(English version below.)

Corona ist ein Arsch. Kurz bevor der ganze Mist losging, hatte ich einen riesigen Deal an der Angel und nun? Alles dahin. Aber von vorn. Ich arbeite ja schon seit längerem an einer Karriere als Double. Mein Engagement als Double von Vader Gitarrist Marek Pająk scheiterte an meiner doomigen Langsamkeit an der Gitarre. Als Alissa White-Gluz Double kam ich nicht infrage, weil ich mich so gar nicht als Rampensau eigne und mir fehlt auch die Liebe zu hautengen Ganzkörperanzügen. Schließlich versuchte ich es als Lemmy Double. Stimmlich hätte es super gepasst, doch meine Trinkfestigkeit wies gravierende Mängel auf. Nun sollte es endlich klappen als Double von AC/DC Sänger Brian Johnson. Ich habe ein Schiebermützengesicht, die Größe hätte gepasst und stimmlich kann man uns nicht unterscheiden. Und dann kam Corona. Alles dahin. Feradur hingegen haben die Zeit im letzten Jahr äußerst effektiv nutzen können. Ergebnis der Arbeit: die EP „Parakosm“ mit fünf Melodeathsongs. Hören wir also rein.

Die Songs von Feradur überzeugen mit ihrem ausgefeilten Aufbau. Die Art, wie sie sich entfalten macht einfach Spaß. Nehmen wir den Opener „Midas“. Er beginnt verhalten, fast zurückhaltend. Schüchtern. Gesprochene Worte. Wie ein Echo in der Ferne. Irgendwie melancholisch. Doch man darf sich davon keinesfalls täuschen lassen. Zack. Ehe man sich‘s versieht, baut sich eine intensive Kraft auf – übrigens hat die vorher nicht gefehlt, nicht dass ihr mich falsch versteht. Das Tempo wird schneller, die Drums drängender, die Growls fieser. Die melodischen Gitarrenparts und die doppelläufigen Gitarren sind bildhübsch und krönen das Ganze würdig. Sie charakterisieren den Sound von Feradur maßgeblich und versetzen mich ein ums andere Mal in Verzückung. Die rhythmische Variabilität macht die Songs der Band ebenfalls zu einem Genuss. Sowohl „Crest Of Betrayal“ als auch „Host Of Nightmare“ sind rhythmisch mit der ein oder anderen kleinen Überraschung versehen und rattern nicht nur straight durch. Besonders „Host Of The Nightmare“ gefällt mir gut. Wiegender Gitarrensound geht über in Höllentremolos und Blastbeats. Die melodische Seite von Feradur tritt hier definitiv in den Hintergrund und macht kalter Härte Platz. Das Thema Albtraum wird durch die Gitarren und die Effekte gänsehautmäßig rausgekitzelt. Den Unterschied zwischen harschen und manischen Growls führen die Jungs in „Saviours“ und „Tetsuo“ vor. In Saviours sogar gleich im Doppelpack. Also auch stimmlich wird Variabilität geboten und es wird definitiv nicht langweilig. Außerdem verbreitet der Song ein energiegeladenes, flottes, paganistisches Schlachtenfeeling. Ab in den Schildwall! Die doppelläufigen Gitarren sind in beiden Songs ebenfalls wieder mit am Start. Hatte ich schon erwähnt, dass ich diese Passagen liebe?

„Parakosm“ ist rundum eine runde Sache – im Gegensatz zu diesem Satz. Feradur liefern uns spannende Geschichten, gekleidet in ein perfekt ausgearbeitetes musikalisches Gewand, dem man die Liebe zum Detail anhört. Ein absolutes Must-have für jeden Melodic Death Metal Fan für dieses Frühjahr. Und wenn es noch einen letzten Anreiz benötigt: „Parakosm“ gibt es auf Bandcamp auch auf MC tapes in fünf bildhübschen Farben. Das dürfte jedes Sammlerherz ansprechen. Ich sag nur, Julia hat Freude im Umgang mit Farben. Reinhören! Kaufen!

+++ Gewinnspiel +++
Hat euch das Review neugierig gemacht und ihr würdet euch „Parakosm“ nun unbedingt gern anhören? Was n Glück. Die Jungs von Feradur sind nämlich sehr nett und deshalb kann ich hier heute die EP auf CD verlosen.

Wie ihr am Gewinnspiel teilnehmen könnt?
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Achtung: Die Teilnahme ist nur aus Luxemburg, Deutschland, Österreich und der Schweiz möglich. Beachtet bitte unbedingt die Teilnahmebedingungen dieses Gewinnspiels am Ende des Artikels.

Feradur auf Youtube

Corona is an ass. Right before all the crap started, I had a huge deal on the hook and what now? Everything gone. But from the beginning. I’ve been working on a career as a double for a long time. My engagement as a double of Vader guitarist Marek Pająk failed because of my doomy slowness on the guitar. As an Alissa White-Gluz double, I was out of the question because I am not at all suitable as a stage-struck and I also lack the love for skin-tight full-body suits. Finally, I tried as a Lemmy double. Vocally it would have been great, but my ability to drink had serious shortcomings. Now it should finally work out as a double of AC / DC singer Brian Johnson. I have a flat cap face, the size would have been right and vocally you can’t tell us apart. And then Corona came. Everything gone. Feradur, on the other hand, were able to use the time extremely effectively last year. The result of the work: the EP “Parakosm” with five Melodic Death songs. So let’s listen.

Feradur’s songs convince with their sophisticated structure. The way they unfold is just fun. Let’s take the opener “Midas”. It begins temperatedly, almost cautiously. Shy. It’s like an echo in the distance. Kind of melancholy. But don’t let that fool you. Bam. Before you know it, an intense force builds up – by the way, it wasn’t missing before, not that you misunderstand me. The pace gets faster, the drums more urgent, the growls nastier. The melodic guitar parts and the twin guitars are beautiful and are the icing on the cake. They significantly characterize the sound of Feradur and drive me into rapture time and time again. The rhythmic variability also makes the band’s songs a pleasure. Both “Crest Of Betrayal” and “Host Of Nightmare” are rhythmically provided with one or two little surprises and don’t just rattle down the song. I especially like “Host Of The Nightmare”. The rocking guitar sound turns into hellish tremolos and blastbeats. The melodic side of Feradur definitely takes a back seat and gives way to cold hardness. The nightmare theme is tickled out by the guitars and the effects. The boys demonstrate the difference between harsh and manic growls in “Saviours” and “Tetsuo”. In „Saviours“ even in a double pack. Vocal variability is also offered and it definitely won’t get boring. In addition, the song spreads an energetic, brisk, pagan battle feeling. Off to the shield wall! The twin guitars are also involved in both songs. Did I mention that I particularly love these passages? „Parakosm“ is all round a round thing – in contrast to this sentence. Feradur tell us exciting stories in a perfect musical garb. You can feel and hear the love for the details. An absolute must-have for every Melodic Death Metal fan this spring. And if there is one last access: „Parakosm“ is also available on Bandcamp on MC tapes in five beautiful colors. That should demand every collector’s heart. I’m just saying that Julia enjoys working with colors. Listen! Buy!


Tracks:

1. Midas (Materia Prima)
2. Crest Of Betrayal
3. Saviours
4. Tetsuo
5. Host Of The Nightmare

Band:
Mario Hann – Gesang, Gitarre
Mich Strock – Gitarre, Gesang
Dan Gloden – Gitarre
Fridtjof Kielgast – Bass
Mich Weber – Schlagzeug

Gewinnspielbedingungen

Die Teilnahme ist kostenlos und richtet sich ausschließlich nach den hier genannten Teilnahmebedingungen. Teilnehmen könnt ihr bis zum 30.04.2021 20:00 Uhr. Die Teilnahme ist nur im genannten Zeitraum möglich. Ich behalte mir vor, nach eigenem Ermessen Personen von der Teilnahme auszuschließen, wenn berechtigte Gründe vorliegen, beispielsweise (a) bei Manipulationen im Zusammenhang mit Zugang zum oder Durchführung des Gewinnspiels, (b) bei Verstößen gegen diese Teilnahmebedingungen, (c) bei unlauterem Handeln oder (d) bei falschen oder irreführenden Angaben im Zusammenhang mit der Teilnahme an dem Gewinnspiel.

Was gibt es zu gewinnen und wie wird der Gewinner ermittelt?
Ich verlose eine CD mit der neuen EP Parakosm von Feradur. Der Gewinner wird durch das Los ermittelt und per E-Mail oder Facebook-Nachricht benachrichtigt. Ein Umtausch, eine Selbstabholung sowie eine Barauszahlung des Gewinns sind nicht möglich. Eventuell für den Versand der Gewinne anfallende Kosten übernimmt der Betreiber. Mit der Inanspruchnahme des Gewinns verbundene Zusatzkosten gehen zu Lasten des Gewinners. Für eine etwaige Versteuerung des Gewinns ist der Gewinner selbst verantwortlich. Meldet sich der Gewinner nach zweifacher Aufforderung innerhalb einer Frist von 3 Wochen nicht, kann der Gewinn auf einen anderen Teilnehmer übertragen werden.

Datenschutz
Für die Teilnahme am Gewinnspiel ist die Angabe von persönlichen Daten notwendig. Die Teilnehmer erklären sich damit einverstanden, dass ihre E-Mail Adresse oder Facebook-Kontakt zur Kontaktaufnahme verwendet werden. Für den Versand der CD ist es notwendig, dass der Gewinner seine postalische Adresse an Thrash!Boom!Bang! übermittelt sowie zustimmt, dass diese an die Band Feradur zum Versand weitergegeben wird. Die Daten werden an keine weitere Dritte weitergegeben. Der Gewinner kann seine erklärte Einwilligung jederzeit widerrufen. Der Widerruf ist schriftlich an die im Impressumsbereich angegebenen Kontaktdaten zu richten. Nach Widerruf der Einwilligung werden die erhobenen und gespeicherten personenbezogenen Daten des Teilnehmers umgehend gelöscht.


Facebook Disclaimer
Diese Aktion steht in keiner Verbindung zu Facebook und wird in keiner Weise von Facebook gesponsert, unterstützt oder organisiert.


Anwendbares Recht
Fragen oder Beanstandungen im Zusammenhang mit dem Gewinnspiel sind an den Betreiber zu richten. Kontaktmöglichkeiten finden sich im Impressumsbereich. Das Gewinnspiel des Betreibers unterliegt ausschließlich dem Recht der Bundesrepublik Deutschland. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.


Salvatorische Klausel
Sollte eine Bestimmung dieser Teilnahmebedingungen ganz oder teilweise unwirksam sein oder werden, so wird dadurch die Gültigkeit dieser Teilnahmebedingungen im Übrigen nicht berührt. Statt der unwirksamen Bestimmung gilt diejenige gesetzlich zulässige Regelung, die dem in der unwirksamen Bestimmung zum Ausdruck gekommenen Sinn und Zweck wirtschaftlich am nächsten kommt. Entsprechendes gilt für den Fall des Vorliegens einer Regelungslücke in diesen Teilnahmebedingungen.

Einfach über allem schweben. Tales from the Frozen Lands Part II von Dead Crown

Epic/Atmospheric Blackmetal
Veröffentlichung: 20.02.2021
Independent
https://www.facebook.com/DeadCrownBlackMetal
https://deadcrown.bandcamp.com/
https://www.instagram.com/deadcrown_vikingmetal/?hl=de


a0947228492_10(English version below.)

Woran man merkt, dass es dringend Zeit ist, sich die Kopfhörer aufzuschnallen und in der Musik abzutauchen? Wenn es der Höhepunkt des Tages ist, dabei zuzuschauen, wie der eine Nachbar 15 Minuten lang versucht mithilfe einer Gartenschere, befestigt an einer Teleskopstange, einen einzigen Ast am Kirschbaum abzuschneiden. Oder wenn du dich zum wiederholten mal dabei erwischst, wie du dich bei dem rhythmischen Getrampel des anderen Nachbarn fragst, ob er Homeworkouts oder Stepptanz für sich entdeckt hat. Oder wenn du genau sagen kannst, wie oft die Omma im Haus hinter dir den Eingang heute gefegt hat. Und ich sag mal so, die Nummer ist selbst für Württemberg zu hoch. Oder wenn du abends ob der schaurig roten Beleuchtung im Wohnzimmer der Nachbarn im Haus vor dir darüber grübelst, ob dort ein Bordell oder eine Zweigstelle der Hölle betrieben wird. Dann ist es definitiv Zeit sich mit „Tales from the Frozen Lands Part II“, der neusten EP von Dead Crown, abzulenken.

In meinem Review zu „Tales from the Frozen Lands Part I“ habe ich ja schon mächtig von dem Song „Incarnatum“ geschwärmt. Diesen findet ihr nun auf „Tales from the Frozen Lands Part II“ Der Song hat eine wundervolle Art sich zu entfalten. Angefangen bei einer Synthiemelodie, kombiniert mit Gitarre und Growls bis hin zur Tremolopickingwand. Besonders gefangen hat mich die unglaubliche Weite, die der Song dem Hörer eröffnet. Ein Gefühl davon auf einem Berg zu stehen und weit übers Land zu schauen. Und ich liebe den märchenhaften Touch, den der wunderschöne Cleangesang, der cleane Gitarrenbreak und der Hauch von Drehleier „Incarnatum“ verleihen. Meinem Gefühl nach sind die folkigen Elemente auf „Tales from the Frozen Lands Part II“ präsenter als im ersten Teil. Zum Beispiel im rhythmischen, repetitiven und meditativen Gesang in The Wolf & The Hunter“, der von halliger, dezenter Tremologitarregitarre begleitet wird. Auch der weibliche Gesangspart trägt stark zu diesem Eindruck bei. Und natürlich die Carnyx oder Lure zu Beginn. Der Growlgesang verleiht dem Ganzen dann noch etwas Druck und eine neue Art von Power. Gänsehaut. Vintergod“ bleibt komplett im folkigen Spektrum. Summende Stimmen in Kombination mit Trommeln kommen kraftvoll daher. Mit dem Einsetzen von Cleangesang, Harfe und Flöte mischt sich eine zerbrechliche Zartheit und etwas Träumerisches dazu. Die rhythmische Kraft geht dabei jedoch nie verloren. Borealis“ ist genial. Synthies und die hallige Gitarre erzeugen Weite. Durchatmen. Freiheit. Der Chorus mit seinem cleanen Gesang und seinem bildschönen Gitarrenriff ist von der Art, die unbestimmte Sehnsucht nach – ja nach was? erzeugt. Die hallige Weite und der Rest des Songs driften immer wieder ineinander und trennen sich wieder, bevor der Song in ein episches Synthie- und Aaah-Chor-Finale übergeht.

Tales from the Frozen Lands Part II“ ist folkiger als der erste Teil. Dadurch wirkt die EP noch ein wenig ursprünglicher, träumerischer, märchenhafter und auch atmosphärisch dichter. Sie rührt etwas tief innen an, von dem man nicht genau sagen kann, was es ist. Dabei ist „Tales from the Frozen Lands Part II“ aber auch unheimlich kraftvoll. Manchmal rau und hart. Dead Crown präsentiert auch auf Part II einen absolut hörenswerten Mix aus Black-, Epic- und Doommetal mit Ambient- und Folkeinflüssen. Was mich aber am meisten fasziniert, ist diese unglaubliche Weite, das Gefühl über den Dingen zu schweben, einfach loszulassen und wegzudriften, das einen beim Hören ergreift. Eine klare Verbindung und Fortführung von Part I, zugespitzt und atmosphärisch noch verdichtet. Danke für diese schönen Songs!

Dead Crown auf Youtube

How do you know that it is urgently time to put on your headphones and immerse yourself in the music? When the highlight of the day is to watch one of your neighbors trying to cut off a single branch from the cherry tree with the help of a secateurs attached to a telescopic pole. And this for 15 minutes at least. Or if you catch yourself, asking yourself at the rhythmic trampling of your other neighbor whether he has discovered home workouts or tap dancing. Or if you can say exactly how many times the Grandma in the house behind you swept the entrance today. And I’ll put it this way, the number is too high even for Württemberg. Or when you ponder in the evening whether the scary red lighting in the living room of the neighbors house in front of you is whether there is a brothel or a branch of Hell. Then it’s definitely time to distract yourself with “Tales from the Frozen Lands Part II”, Dead Crown’s newest EP.

In my review of “Tales from the Frozen Lands Part I” I raved about the song “Incarnatum”. You can now find it on “Tales from the Frozen Lands Part II”. The song has a wonderful way of unfolding. Starting with a synth melody, combined with guitar and growls up to a tremolo picking wall. I particularly liked and captured the unbelievable width that the song opens up to the listener. A feeling of standing on a mountain and looking far over the country. And I love the fairytale touch that the wonderful clean vocals, the clean guitar break and the touch of hurdy-gurdy give „Incarnatum“. My feeling is that the folky elements on “Tales from the Frozen Lands Part II” are more present than in the first part. For example in the rhythmic, repetitive and meditative singing in “The Wolf & The Hunter”, which is accompanied by a reverberant, subtle tremolo guitar. The female vocals also contribute greatly to this impression. And of course the Carnyx or Lure at the beginning. The growling vocals then give the whole thing a bit of pressure and a new kind of power. Goose bumps. “Vintergod” remains completely in the folk spectrum. Humming voices in combination with drums come across as powerful. But a fragile tenderness and something dreamy mix with the onset of clean vocals, harp and flute. However, the rhythmic power is never lost. „Borealis“ is awesome. Synths and the reverberant guitar create width. Breathe. Freedom. The chorus with its clean vocals and beautiful guitar riff is of the kind that indefinitely longs for – yes, for what? The echoing expanse and the rest of the song drift into each other again and again and separate again before the song turns into an epic synth and aaah-choir-finale.

„Tales from the Frozen Lands Part II“ is more folky than the first part. This makes the EP seem a little more initially, dreamy, fairytale-like and atmospherically denser. It touches something deep inside that cannot be exactly determined what it is. But “Tales from the Frozen Lands Part II” is also incredibly powerful. Sometimes rough and tough. Dead Crown presents a mix of black, epic and doom metal with ambient and folk influences that is absolutely worth listening to on Part II. But what fascinates me most is this unbelievable expanse, the feeling of floating above things, just letting go and drifting away that grabs you while listening. A clear connection and continuation of Part I, pointed and atmospherically still condensed. Thanks for these beautiful songs!

 


Tracks:
1. Incarnatum
2. The Wolf & The Hunter
3. Borealis
4. Vintergod

Band:
Fausto – alle Instrumente

Musik gewordene Verzweiflung. Fata Morgana von Marianas Rest

Melodic Death Metal/ Doom Metal
Veröffentlichung: 12.03.2021
Napalm Records
https://www.marianasrest.com/
https://www.facebook.com/marianasrestofficial/
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639162(English version below.)

Noch einmal tauchen wir ein in den eisigen, finnischen Winter. Dieses Mal mit Marianas Rest und ihrem neuen Album „Fata Morgana“. Die finnische Melodic Death und Doom Metal Band hat sich in den letzten Jahren zu einer meiner Lieblingsbands entwickelt. Warum? Weil es sehr viel verdammt gute Musik gibt, aber selten berührt sie einen so tief.  Die Musik der Jungs aus Kotka hat mich vom ersten Ton an gepackt. Genau genommen, seit ich dieses geniale Intro vom Opener „Kairos“ vom Vorgängeralbum „Ruins“ gehört hatte (danke Joni). Worte, dann das klagende Cello und dann bricht die Gitarren- und Drumhölle los. Ich weiß nicht wie oft ich dieses Intro gehört habe. Wahrscheinlich hassen mich meine Nachbarn dafür tief und innig, aber das ist es mir wert. Ich kann mich noch an das erste Mal erinnern, dass mich Musik so gepackt hat. Meine Eltern schauten sich The Who auf einer Videoschallplatte an. Diese Wildheit und Rohheit, die Pete Townshend, Keith Moon und Roger Daltrey auf der Bühne ausstrahlten – und dazwischen völlig cool Bassist John Entwistle. Vier Menschen, die völlig in ihrer Musik aufgehen. Ich war total geflasht.

Alles strebt auf dieses Finale zu. Den letzten Akt. Den Tod. Dieses Gefühl bekommt man beim Hören von „Fata Morgana“, dem Ende einer Trilogie. Alle Songs des Albums führen genau auf diesen Punkt zu, vom Opener „Sacrificial“ zum letzten Song „South Of Vostok“. Nicht ohne Irrungen und Wirrungen. Und am Ende stehen Enttäuschung und Tod. Was gibt es Fröhlicheres, um in eine neue Woche zu starten? Marianas Rest kreieren Musik gewordene Verzweiflung. Und sie tun das wunderschön, atmosphärisch dicht und auf eine sehr zerbrechliche und melancholische Art und Weise. Die Gitarrenriffs in „Sacrificial“ oder „Glow From The Edge“ wirken so verloren, dass man sie am liebsten fest in die Arme schließen möchte. Die Melodien sind traurig und wunderschön, sorgen wie in „Glow From The Edge“ oder „South Of Vostok“ für Atmosphäre und Gefühl. Die Keyboards unterstreichen das dezent. Besonders gelungen ist das in „Pointless Tale“ oder „Fata Morgana“. Wohooo. Auch das Cello ist wieder dabei und sorgt in „Horroksen“ oder „Fata Morgana“ für eine düstere Traurigkeit, die in „Horroksen“ ein wenig relativiert wird durch Pianoklänge. Ein Hoffnungsschimmer? Mitnichten! Dem stehen die Vocals und die Distortiongitarren entgegen. In „Glow From The Edge“ zum Beispiel bricht im Chorus gesangsmäßig alles heraus. Der Vulkan explodiert. Heraus strömen wütende Growls und Screams, die Gänsehaut verursachen und die Verzweiflung mit Händen greifbar machen. Dazu noch die zarten, sphärischen Backingvocals. Meisterlich! Und eine 8 auf dem MGI (Manischen Geschrei Index). In „Fata Morgana“ steigert sich das nochmal. Eine glatte 10, denn der Song ist ein einziger Verzweiflungsschrei. Die Screams sind intensiv und gehen direkt unter die Haut, schwarzmetallisches Tremolopicking löst ein wahres Inferno aus. Die Lyrics tun ihr übriges, um die Musik perfekt abzurunden. Sie sind von einer poetischen Traurigkeit und Hoffnungslosigkeit, die anrührt. „Advent Of Nihilism“ ist ein besonderer Schatz. Durch Gitarrenfeedback entsteht eine Unheil verkündende, surreale Stimmung, die von zähen, drohenden Drumschlägen untermauert wird. Herrlich. „South Of Vostok“ schließlich setzt den grandiosen Schlusspunkt. Gesprochene Worte in Finnisch, der Song schleppt sich schwer und zäh voran und dann bricht sich alles Bahn.

‚Intensiv‘ ist das Wort, das „Fata Morgana“ meiner Meinung nach am besten beschreibt. Eine Welle an Emotionen überrollt einen beim Hören und die Gänsehaut ebbt keinen Moment ab. Das Album ist grau, farblos, aggressiv und kalt. Auf der anderen Seite sind aber die melodischen Akzente, die Zerbrechlichkeit, die kalte Schönheit. All das ist intensiv und anrührend. Das Album ist, als ob dir ein Schneeball in die Fresse fliegt. Kein luftiges, pudriges Ding, das beim Aufprall zerstäubt, sondern ein eisiger, verharschter Klumpen. Dann ist es wieder, wie durch einen düsteren, aber bildschönen Winterwald zu stapfen. Der Schnee knirscht und plötzlich bricht ein milchiger Sonnenstrahl durch die Bäume. Und schon fliegt der nächste Schneeball. Für mich ist es jetzt schon das Album des Jahres. Und das, obwohl das Jahr doch noch recht jung ist. Neugierig geworden? Dann könnt ihr euch schon auf mein Interview mit Marianas Rest freuen. Demnächst hier!

Napalm Records und Marianas Rest auf YouTube

Once again we dive into the icy Finnish winter. This time with Marianas Rest and their new album „Fata Morgana“. The Finnish Melodic Death and Doom Metal band has become one of my favorite bands in the last few years. Why? Because there is a lot of damn good music, but rarely does it touch you so deeply. The music of the guys from Kotka grabbed me from the first note. In fact, since I heard this brilliant intro from the opener “Kairos” from the previous album “Ruins” (thanks Joni). Words, then the plaintive cello and then the guitar and drum hell is falling. I don’t know how many times I’ve heard this intro. My neighbors probably hate me deeply for that, but it’s worth it to me. I can still remember the first time that music grabbed me like this. My parents watched The Who on a video record. This wildness and rawness that Pete Townshend, Keith Moon and Roger Daltrey exuded on stage – and in between, totally cool bassist John Entwistle. Four people who are completely absorbed in their music. I was totally flashed.

Everything is moving towards this final ending. The last act. Death. This is the feeling you get when listening to “Fata Morgana”, the end of a trilogy. All the songs on the album lead to exactly this point, from the opener “Sacrificial” to the last song “South Of Vostok”. Not without twists and turns. And in the end there is disappointment and death. How could you start a new week more happy? Despair turned into music, that’s what Marianas rest create. And they do it beautifully, with atmospherically dense and in a very fragile and melancholy way. The guitar riffs in “Sacrificial” or “Glow From The Edge” seem so lost that one would like to hug them tightly. The melodies are sad and beautiful. Like in “Glow From The Edge” or “South Of Vostok” they create atmosphere and feeling. The keyboards underline this discreetly. This is particularly successful in “Pointless Tale” or “Fata Morgana”. Wohooo. The cello is also there again and creates a gloomy sadness in “Horroksen” or “Fata Morgana”, which is somewhat relativized in “Horroksen” by piano sounds. A glimmer of hope? Not at all! The vocals and distortion guitars contrast with this. In “Glow From The Edge”, for example, everything breaks out in the chorus in terms of vocals. The volcano explodes. Angry growls and screams pour out, causing goosebumps and making the despair palpable. Add to that the delicate, spherical backing vocals. Masterful! And an 8 on the MGI (Manic Shouting Index). This increases again in “Fata Morgana”. A straight 10, because the song is a single cry of despair. The screams are intense and go right under the skin, black metallic tremolopicking triggers a real inferno. The lyrics do the rest to round off the music perfectly. There is a poetic sadness and hopelessness that is touching. „Advent Of Nihilism“ is a special treasure. Guitar feedback creates an ominous, surreal atmosphere that is underpinned by tough, threatening drum hits. Splendid. Finally, “South Of Vostok” marks the grandiose conclusion. Spoken words in Finnish, the song drags on hard and tough and then everything breaks out.

‚Intense‘ is the word that best describes “Fata Morgana” in my opinion. A wave of emotions overwhelms you while listening and the goose bumps never go away. The album is gray, colorless, aggressive and cold. On the other hand, there are the melodic accents, the fragility, the cold beauty. All of this is intense and touching. The album is like a snowball in your face. Not an airy, powdery thing that atomizes on impact, but an icy, crusty lump. Then it’s like trudging through a gloomy but beautiful winter forest again. The snow crunches and suddenly a milky ray of sun breaks through the trees. And the next snowball flies. For me it is already the album of the year. And that although the year is still quite young. Curious? Then you can look forward to my interview with Marianas Rest. Soon here!


Tracks:
1. Sacrificial
2. Glow From The Edge
3. Pointless Tale
4. The Weight
5. Horrokseen
6. Fata Morgana
7. Advent Of Nihilism
8. South Of Vostok

Band:
Jaakko Mäntymaa – Gesang
Aapo Koivisto – Keyboards
Nico Mänttäri – Gitarre
Harri Sunila – Gitarre
Niko Lindman – Bass
Nico Heininen – Schlagzeug

Wie peitschender Schnee – Skull Soldiers von Wolfheart

Melodic Death Metal
Veröffentlichung: 05.03.2021
Napalm Records
https://www.facebook.com/WolfheartRealm
https://www.instagram.com/wolfheartofficial/
https://label.napalmrecords.com/wolfheart


1025_Wolfheart_RGB(English version below.)

So ganz generell habe ich die Nase momentan voll von Kälte, Eis und Schnee. Das gilt aber natürlich nicht in musikalischer Hinsicht. Da ist mir ein Frösteln bis tief in die Seele durchaus angenehm. Deshalb hält der Winter auch noch einmal mächtig Einzug auf meinem Blog. Den Auftakt machen heute Wolfheart mit ihrer EP „Skull Soldiers“. Das erste Mal sind mir Wolfheart bei der „Burning Cold Tour“ gemeinsam mit Omnium Gatherum begegnet. Seitdem gehören die Finnen zum festen Repertoire. Apropos Schnee und Eis. Da fällt mir doch eine nette kleine Geschichte ein. Meine Eltern arbeiteten früher auf derselben Station in einem Krankenhaus. Eines Tages, meine Mama arbeitete, mein Papa sollte zu einer späteren Schicht folgen. Irgendwann klingelte das Telefon. Meine Mama war dran und fragte, wo denn mein Papa bliebe, die Schicht hätte schließlich schon angefangen. Was war geschehen? Mein Papa wollte mit dem Motorrad zur Arbeit fahren. Nur dass sich das eben bei Glatteis nicht ganz so einfach gestaltet. Er legte sich erst mal auf die Nase, nahm aber im Moment des Anrufs einen neuen Anlauf. Also informierte ich meine Mama entsprechend: „Wenn alles glatt geht, müsste er gleich da sein!“ Kurz einwirken lassen! Herrlich, oder? Genug geplaudert. Setzen zur Geschichtsstunde! Bei der EP „Skull Soldiers“ handelt es sich nämlich um die Fortsetzung des fünften Albums „Wolves of Karelia“ in dem es um den Winterkrieg geht, den die finnische Armee 1939 gegen die Sowjetunion führte. Die zwei neuen Songs auf der EP „Skull Soldiers“ und „Hereditary“ setzten nun im zweiten Winterkrieg an und besingen eine finnische Einheit, deren Soldaten Malereien von Totenschädeln und Skeletten auf den Helmen trugen – die Skull Soldiers.

„Skull Soldiers“ brettert gleich dermaßen los. Wow. Man prallt erst mal vom Lautsprecher zurück. Unbehagen, Eiseskälte, Entschlossenheit, Vorwärtsdrängen und eine rohe Brutalität breiten sich aus. Unheilvolle Streicher im Hintergrund. Im Vordergrund treibende Blastbeats, schwere Growls, dräuende Gitarren und ein Gitarrenriff von eisiger Schönheit. Sehr gelungen. Sehr stimmig. Hier passt einfach alles. Jeder Ton, jedes Instrument baut die unheimlich dichte Atmosphäre mit auf und trägt sie. Die Lyrics komplettieren das ganze perfekt. Vor dem inneren Auge sieht man die Skull Soldiers marschieren. Ich hol mir jetzt erstmal die dicke Winterjacke. Treibende Blastbeats ist auch das Stichwort für „Hereditary“. Man hat das Gefühl in einen dichten Schneesturm geraten zu sein und die eisigen Flocken peitschen nur so ins Gesicht. Der Song ist insgesamt etwas schneller vom Tempo her. Epischer, zackiger, dynamischer. Hammersolo! Die EP wird vervollständigt durch eine bildschöne Akustikversion von „Aeon of Cold“ vom Album „Shadow World“. Bassist Lauri Silvonen überrascht dazu mit seinem Cleangesang. Außerdem gibt es noch eine Live-Version von „Reaper“ vom Album „Wolves of Karelia“. Insgesamt eine sehr gelungene EP. Manch einer hat sich vielleicht mehr versprochen – aber ich bin vollauf zufrieden. Die zwei neuen Songs sind der absolute Hammer und ich liebe es, neue Versionen und Interpretationen von älteren Songs zu hören. Es ist immer wieder faszinierend, wie ein paar Veränderungen einen Song in ganz neuem Licht erscheinen lassen. Also: Daumen hoch!

Napalm Records auf Youtube

In general, I’m fed up with cold, ice and snow at the moment. Of course, this does not apply to music. A shiver deep in my soul is quite pleasant for me. That’s why winter is once again making its way into my blog. Wolfheart kick off today with their EP „Skull Soldiers“. I met Wolfheart for the first time on the „Burning Cold Tour“ together with Omnium Gatherum. Since then, the Finns have been part of the repertoire. Speaking of snow and ice. A nice little story comes to mind. My parents used to work at the same station in a hospital. One day, my mom was working, my dad was supposed to follow a later shift. At some point the phone rang. It was my mom’s turn to ask where my dad was, after all, the shift had already started. What had happened? My Dad wanted to go to work on the motorcycle. But it is not that easy on black ice with a smoothly underground. He lay on his nose at first, but at the moment of the call he made a new attempt. So I informed my mom accordingly: „If everything goes smoothly, he should be there right away! „Let it work for a moment! Wonderful, right? Enough chatted. Let’s go to the history lesson! The EP „Skull Soldiers“ is actually the continuation of the fifth album „Wolves of Karelia“, which is about the winter war that the Finnish army waged against Sowjetunion in 1939. The two new songs on the EP „Skull Soldiers“ and „Hereditary“ now begin in the Second Winter War and are about the one Finnish unit whose soldiers wore paintings of skulls and skeletons on their helmets – the Skull Soldiers.

„Skull Soldiers“ hits it from the first moment. Wow. You bounce back from the speaker. Discomfort, freezing cold, determination, pushing forward and a raw brutality spread. Sinister strings in the background. In the foreground, driving blast beats, heavy growls, threatening guitars and a guitar riff of icy beauty. Very nicely done. Very consistent. Everything just fits here. Every tone, every instrument helps to build up the incredibly dense atmosphere and carries it. The lyrics complete the whole thing perfectly. In your mind’s eye you can see the Skull Soldiers marching. Now I’ll get the thick winter jacket. Driving blast beats is also the keyword for „Hereditary“. You have the feeling of being caught in a dense snowstorm and the icy flakes are whipping your face. Overall, the song is a bit faster in terms of tempo. Epic, jagged, dynamic. Hammersolo! The EP is completed by a beautiful acoustic version of “Aeon of Cold” from the album “Shadow World”. Bassist Lauri Silvonen surprises with his clean vocals. There is also a live version of „Reaper“ from the album „Wolves of Karelia“. All in all a very successful EP. Some people may have promised more – but I am completely satisfied. The two new songs are awesome and I love to hear new versions and interpretations of older songs. It’s always fascinating how a few changes can make a song appear in a whole new light. So thumbs up!


Tracks:
1. Skull Soldiers
2. Hereditary
3. Aeon of Cold (acoustic)
4. Reaper (live)

Band:
Tuomas Saukkonen – Gitarre, Gesang
Joonas Kauppinen – Schlagzeug
Lauri Silvonen – Bass, Gesang
Vagelis Karzis – Gitarre (Studio)

Ein Gefühl wie Fliegen. Tales from the Frozen Lands Part I von Dead Crown

Epic/Atmospheric Blackmetal
Veröffentlichung: 06.03.2020
Independent
https://www.facebook.com/DeadCrownBlackMetal
https://deadcrown.bandcamp.com/
https://www.instagram.com/deadcrown_vikingmetal/?hl=de


a4261121290_10(English version below.)

Neulich. Ich zappte mehr oder weniger unmotiviert durch die TV-Programme als ich plötzlich – völlig ohne jedwede Vorwarnung – auf etwas zutiefst Verstörendes stieß. Auf einem bayerischen Sender waren gerade eine Frau und zwei Männer dabei die träge Gemeinde zu Hause mit einem Workout in Schwung zu bringen. Kniebeuge, Hampelmann und Co. zu bayerischer Düdelmusik (so der anerkannte Fachbegriff) und in Lederhosen und etwas Dirndelähnlichem. Es war wie ein schlimmer Unfall. Verstörend. Brutal. Und doch konnte ich minutenlang nicht wegsehen. Nach dem ersten und zweiten Schock reifte in mir die Überzeugung, ich müsse dringend eine Gegenbewegung starten. Kickboxworkout zu Bloodsvept von Finntroll. Natürlich in Leggins, aber mit Kutte und mit lustig wippenden Trollohren. Stay tuned! Und da ich euch jetzt jede Menge verstörender Bilder in den Kopf gepflanzt habe, will ich auch etwas dafür tun, dass sie schleunigst wieder verschwinden. Mit Dead Crown und der EP „Tales from the Frozen Lands Part I

Bei Dead Crown handelt es sich um das Soloprojekt des Musikers Fausto. Die EP enthält vier Songs. Außerdem möchte ich euch zusätzlich noch seine neue Single „Incarnatum“ ans Herz legen. Zunächst riskieren wir aber ein Ohr auf „Tales from the Frozen Lands Part I“. Mit Before the Rain“ gelingt Dead Crown ein extrem atmosphärischer Start. Trommel, Drehleier und rhythmisch gesprochene Worte gefolgt von cleaner Gitarre und dem beschwörenden Gesang, der beständig dieselben Worte wiederholt, ziehen einen sofort in den Bann, hypnotisieren, nehmen mit. Ich fühlte mich vom Style her ein wenig an Wardruna erinnert. Diese Assoziation mit Wardruna pulverisiert sich mit „Far Beyond the Oceans“ wieder, doch die hypnotische, meditative Grundstimmung bleibt erhalten. Schwarzmetallisches Tremolopicking, als Gerüst ein gemächliches, doomiges Grundtempo. Dazu Growls, ein kleiner paganistischer Anklang in Form von rhythmischen Rufen. Schließlich Cleangesang im Chorus. Passend zum Ozean gibt es auch noch Streicher untermalt von heranrollenden Wellen. Sehr chillig irgendwie. Und doch von einer faszinierenden Kraft. „Tundra“ setzt auf Kontrast. Der Beginn ist sanft. Eine ätherische, zarte, weibliche Stimme wabert durch den Raum. Dazu Streicher. Dann setzen Tremolopicking und Growls ein. Kalt, abweisend – brutaler Gegensatz. Gegen Ende des Songs kehren wir quasi wieder zum Anfang zurück und so schließt sich der Kreis. Brutal gut! Aurora Eterna“ ist einfach nur bildschön! Das Instrumental webt einen geradezu ein in einen kuscheligen Kokon aus wunderbarer, cleaner Gitarrenmelodie, Distortiongitarrenwand kombiniert mit eigenwilligem Drumrhythmus, sphärischen Synthies und rhythmischen kriegermäßigen Rufen.

Nun möchte ich noch auf Dead Crowns neue Single „Incarnatum“ zu sprechen kommen. Ein Brett, ein ziemlich starkes Brett sogar. Nicht nur so ein dünnes Brettchen. Der Song baut sich herrlich auf, entfaltet sich. Er beginnt mit einer eingängigen Synthiemelodie, Gitarre und Growls. Schon bald stellt sich ein Gefühl von epischer Weite ein. Ein Gefühl davon auf einem Berg zu stehen und weit übers Land zu schauen. Der eindringliche, wunderschöne Cleangesang und der cleane Gitarrenbreak, der Hauch von Drehleier verleihen dem Song etwas geheimnisvoll märchenhaftes. Und dann entfaltet sich der in den Lyrics erwähnte Sturm auch musikalisch durch den eindringlichen Cleangesang und die Tremolopickingwand. Herrlich! Genial! Bildschön!

Obwohl Blackmetal ja irgendwie die meiste Zeit eher etwas Kaltes hat, erfasste mich beim Hören von „Tales from the Frozen Lands Part I“ und „Incarnatum“ immer wieder ein seltsames Gefühl von Weite, von Wärme, von Herumfliegen und wieder Ankommen. Natürlich sind die Lyrics thematisch jetzt meist eher dem Blackmetal angemessen dramatisch, wenig witzig und bisweilen episch. Und dennoch hatte die Musik nichts Abweisendes. Dead Crown kreiert einen aufwühlenden Mix aus Black-, Epic- und Doommetal mit Ambient und Pagan Einflüssen. Absolut hörenswert!

Dead Crown auf Youtube

Recently. I was zapping through the TV programs more or less unmotivated when I suddenly – without any warning – came across something deeply disturbing. On a Bavarian station, a woman and two men were just getting the lazy community back home going with a workout. Squat, jumping jack and Co. to Bavarian doodle music (that is the recognized technical term) and in lederhosen and something similar to a dirndel. It was like a bad accident. Disturbing. Brutally. And yet I couldn’t look away for minutes. After the first and second shock, I became convinced that I urgently needed to start a countermovement. Kickboxing workout for Bloodsvept by Finntroll. In leggings, of course, but with a battle jacket and funny bobbing troll ears. Stay tuned! And since I’ve planted a lot of disturbing images in your head, I want to do something to make them disappear again as quickly as possible. With Dead Crown and the EP “Tales from the Frozen Lands Part I“.

Dead Crown is the solo project of the musician Fausto. The EP contains four songs. I would also like to recommend his new single „Incarnatum“ to you. But first we risk listening to “Tales from the Frozen Lands Part I“. With “Before the Rain” Dead Crown manages an extremely atmospheric start. Drum, hurdy-gurdy and rhythmically spoken words followed by clean guitar and the evocative vocals that constantly repeat the same words pull you under the spell, hypnotize you, take you away. It felt a bit like Wardruna in terms of style. This association with Wardruna is pulverized again with “Far Beyond the Oceans”, but the hypnotic, meditative mood remains. Black metallic tremolo picking, as a framework a leisurely, doomy basic tempo. Plus growls, a small paganistic echo in the form of rhythmic calls. Finally clean singing in the chorus. To match the ocean, there are also strings accompanied by rolling waves. Somehow very chilled. And yet of a fascinating power. “Tundra” relies on contrast. The beginning is gentle. An ethereal, delicate, feminine voice wafts through the room. Plus strings. Then tremolo picking and growls set in. Cold, repellent – brutal contrast. Towards the end of the song we basically go back to the beginning and so we come full circle. Brutally good! „Aurora Eterna“ is just beautiful! The instrumental almost weaves you into a cuddly cocoon of wonderful, clean guitar melody, distortion guitar wall combined with idiosyncratic drum rhythm, spherical synths and rhythmic warrior-like calls.

Now I would like to talk about Dead Crown’s new single „Incarnatum“. A board, quite a strong board in fact. Not just such a thin board. The song builds up wonderfully, unfolds. It starts with a catchy synth melody, guitar and growls. A feeling of epic space soon sets in. A feeling of standing on a mountain and looking far over the country. The haunting, beautiful clean vocals and the clean guitar break, the touch of hurdy-gurdy give the song something mysteriously fairytale-like. And then the storm mentioned in the lyrics unfolds musically through the haunting clean singing and the tremolopicking wall. Lovely! Brilliant! Beautiful!

Although Blackmetal is kind of cold most of the time, when I heard “Tales from the Frozen Lands Part I” and “Incarnatum” it gave me a strange feeling of space, of warmth, of flying around and arriving again and again. Of course, the lyrics are now mostly dramatic, not very funny and at times epic, in keeping with Black Metal. And yet there was nothing repellent to the music. Dead Crown creates a stirring mix of black, epic and doom metal with ambient and pagan influences. Absolutely worth hearing!


Tracks:
1. Before the Rain
2. Far Beyond the Oceans
3. Tundra
4. Aurora Eterna

Band:
Fausto – alle Instrumente

Vergiss nicht zu atmen. Wicked & Divine von Irony Of Fate

Melodic Death Metal
Veröffentlichung: 26.02.2021
Allegro Talent Media
https://ironyoffate.ch/?v=c446ef156508
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Album Cover Wicked and Divine(English version below.)

Irony of Fate. So heißt die Schweizer Melodic Death Metal Band, deren neues Album „Wicked & Divine“ ich euch heute vorstellen möchte. Als Ironie des Schicksals würde ich bezeichnen, dass in einem meiner Grundschulzeugnisse als Bemerkung steht „Julia hat große Freude im Umgang mit Farben.“ Und dann bin ich beim Metal gelandet. Schwarz, schwärzer am schwärzesten. Obwohl, man könnte die Metalszene mit ihren gefühlt hunderten von Spielarten, Variationen und Subgenres durchaus als bunt bezeichnen. Also von daher passt es wieder. Mit einem Subgenre oder Etikett – dem Femal Fronted Metal, zu dem auch Irony of Fate gezählt werden – kann ich allerdings nicht viel anfangen. Ich meine damit nicht, dass ich mit der Musik nichts anfangen kann, sondern mit dem Begriff als Einkategorisierungsmerkmal eines Musikstils. Ich weiß, dieses Etikett hat sich in den letzten Jahren etabliert, aber was soll das denn für ein Stil sein? Am Ende sind darunter doch ganz verschiedene Stile subsumiert vom Melodic Death Metal über Thrash bis hin zu Power oder Black Metal. Also mir ist es letztendlich ziemlich wurscht ob da Frau, Mann, der Bi-Ba-Butzemann oder Biene Maja ins Mikro röhrt. Es muss mich halt ansprechen. Und Irony of Fate erreichen das mit ihrer Musik definitiv!

Neun Songs erwarten euch auf „Wicked & Divine“. Ich möchte zunächst einfach mal ungefiltert meine Gedanken beim Hören des Openers „Vengeance“ wiedergeben: „Cooler Bass, Hoppla, Heidenei, uiuiui, wtf, geil! Die Growls von Sängerin Cveti kann man getrost als eindringlich, derb und bisweilen als fies bezeichnen, die Drums als Dauerfeuer, das Gitarrensolo als absolut mitreißend und das Tempo als nackenbrecherisch. Einstieg gelungen! Schauen wir also weiter. Der zweite Song „The In-between“ hat mich sofort mit seinem eingängigen Gitarrenriff und dem reizvollen Kontrast zwischen den dreckigen, hässlichen, schaurig schönen Growls und den melodischen Gitarren. Dieses Spiel mit Spannung und Entspannung treiben Irony of Fate sehr gern und gekonnt. Zum Beispiel in „Mind vs. I“, „Mayham“ oder „Hypocrite“ arbeiten die Schweizer mit einem melodischen Gitarrenbeginn, auf den dann die Hölle folgt. Eine Raserei aus Stakkatoschnellfeuerdrums, Growls, Bass und Rhythmusgitarre bricht aus, die einem den Kopf wegbläst. Ein djentiger Break und Gitarre mit viel wah wie in „Mind vs. I“, ein sich hymnisch öffnender Chorus wie in „Deceiver“ oder „Mayhem“ und die wahnsinnig rasanten, hörenswerten Gitarrensoli schaffen dann eine Art Gegenpunkt, der einen die angehaltene Luft ausstoßen lässt, bevor man vor Spannung erstickt. Besonders gelungen finde ich „We, the Damned“. Ein ungewöhnliches, irgendwie unbequemes aber nicht unangenehmes Gitarrenriff schlägt einen in seinen Bann. Es flirrt immer wieder im Hintergrund auf und macht einen halb irre. Djentiger Break, cooles Solo. Richtig irre, im absolut positiven Sinn, hat mich „Hypocrite“ gemacht. Hektische, stakkatomäßige Gitarren, Maschinengewehrdrums, hier und da djentig. Man hat das Gefühl gleich auszuflippen. Es nicht mehr auszuhalten. Und genau dann wechselt der Rhythmus in eine smoothere Richtung. Hammer! Und dann ist da noch „Wicked & Divine“. Irres, schnelles, sehr elektronisch klingendes Gitarrenriff und Grummel-Growls tief aus dem Bauch. Alles ist hektisch und irgendwie unbequem und dann kommt die hymnische Öffnung im Chorus. Herrlich! Die Finger flitzen die Griffbretter nur so rauf und runter. Wenn man mit dem Blick noch unten hängt, sind die Gitarristen schon wieder oben. Dazu kommen noch schwarzmetallische und djentige Anklänge und hallige Growls. Man kann entweder vor Begeisterung ausflippen oder dem Wahnsinn anheimfallen. Bei mir ist, glaube ich, beides passiert.

„Wicked & Divine“ ist absolut mitreißend. Man kann irgendwie nicht anders, als sofort in die Musik hineingezogen zu werden. Irony of Fate kreieren dabei einen wunderbaren Gegensatz zwischen unbequemen, ungewöhnlichen Passagen, die aufmerken lassen. Manchmal windet man sich auch ein wenig vor Unbehagen – und das meine ich absolut positiv. Dann wieder erlösen sie den Hörer und leiten das Ganze in eine melodischere, rhythmisch smoothere Bahn. Alle Instrumente und natürlich die Growls tragen gleichermaßen zu diesem Wahnsinnstrip bei. Sehr gelungen!

Irony Of Fate auf Youtube

Irony of Fate. This is the name of the Swiss Melodic Death Metal Band, whose new album “Wicked & Divine” I would like to introduce to you today. As an irony of fate I would describe the fact that one of my primary school certificates says “Julia enjoys working with colors” and then I ended up with metal. Black, blacker, blackest. Although, the metal scene with its hundreds of types, variations and subgenres could be described as colorful. So it fits again. With one subgenre or label – Femal Fronted Metal, which also includes Irony of Fate – I can’t do much with it. I don’t mean that I can’t do anything with the music, but with the term as a categorization feature of a musical style. I know this label has been established in the last few years, but what kind of style is that supposed to be? At the end of the day there are very different styles subsumed under it, from Melodic Death Metal to Thrash to Power or Black Metal. So in the end I don’t really care if there is a woman, a man, the Bi-Ba-Butzemann or Biene Maja roaring into the microphone. It just has to speak to me. And Irony of Fate definitely achieve that with their music!

Nine songs await you on „Wicked & Divine“. First of all, I just want to give my thoughts unfiltered while listening to the opener “Vengeance”: “Cool bass, oops, Heidenei, uiuiui, wtf, cool!“ The growls of singer Cveti can confidently be described as forceful, coarse and sometimes nasty, the drums as continuous fire, the guitar solo is absolutely thrilling and the tempo neckbreaking. Successful entry! So let’s look further. The second song “The In-between” caught me straight away with its catchy guitar riff and the delightful contrast between the dirty, ugly, eerily beautiful growls and the melodic guitars. Irony of Fate play this game of tension and relaxation with great pleasure and skill. For example, in “Mind vs. I”, “Mayham” or “Hypocrite” the Swiss work with a melodic guitar beginning, which is then followed by hell. A frenzy of staccato quick-fire drums, growls, bass and rhythm guitar breaks out that blows your head off. A djentier break and guitar with a lot of wah like in “Mind vs. I”, a hymnically opening chorus like in “Deceiver” or “Mayhem” and the incredibly fast-paced guitar solos that are worth listening to create a kind of counterpoint that lets you blow your breath before choking on excitement. I think “We, the Damned” is particularly successful. An unusual, somehow uncomfortable but not unpleasant guitar riff casts a spell over you. It keeps shimmering in the background and makes you half crazy. Djenty break, cool solo. “Hypocrite” made me really crazy, in an absolutely positive sense. Hectic, staccato guitars, machine gun drums, djenty here and there. You have the feeling to freak out. You can’t take it anymore. And exactly then the rhythm changes in a smoother direction. Wow! And then there is “Wicked & Divine”. Crazy, fast, very electronic sounding guitar riff and grumble growls from deep inside. Everything is hectic and somehow uncomfortable and then comes the hymn opening in the chorus. Lovely! The fingers whiz up and down the fretboards. If your eyes are still down, the guitarists are up again. In addition there are black metallic and djenty echoes and reverberant growls. You can either freak out with enthusiasm or fall into madness. I think both happened to me.

“Wicked & Divine” is absolutely thrilling. Somehow, you can’t help but be drawn into the music straight away. Irony of Fate create a wonderful contrast between uncomfortable, unusual passages that draw attention and sometimes you squirm with discomfort – and I mean that in an absolutely positive way. Then again they release the listener and guide the whole thing into a more melodic, rhythmically smoother path. All the instruments and of course the growls contribute equally to this amazing trip. Very nicely done!


Tracks:
1. Vengeance
2. The In-between
3. Mind vs. I
4. Deceiver
5. We, the Damned
6. Mayhem
7. Hypocrite
8. Wicked & Divine
9. Hear them Calling

Band:
Cveti Stojmenova – Gesang
Raffael Kühni – Gitarre
Lars Gygax – Gitarre
Tom Zürcher – Bass
Greg Bucher – Schlagzeug

Ein Hauch von Whisky. Paradise Falls von Skyborn

Heavy/Thrash Metal
Veröffentlichung: 18.12.2020
Independent
https://www.instagram.com/skyborn.official/
https://www.facebook.com/Skyborn.timeline
https://skybornofficial.bandcamp.com/album/paradise-falls


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Mein Austausch mit Leadgitarrist Juli von der Band Skyborn, um deren Album „Paradise Falls“ es heute geht, hat uns unter anderem zu unseren musikalischen Anfängen zurückgeführt. Während Juli die Blockflöte erspart blieb und er dieses Instrument als Werk des Teufels betrachtet, startete meine bescheidene musikalische Karriere mit eben jenem Instrument. Und ja – es ist ein Werk des Teufels. Wenn acht Grundschüler bei jeder einzelnen Fete ihrer Grundschule „Schwarzbraun ist die Haselnuss“ von Heino auf der Blockflöte zum Besten geben müssen, dann ist das sowohl für die Grundschüler als auch für ihr Publikum die wahr gewordene Hölle auf Erden! Gerüchteweise sind einige von uns heute noch immer in psychologischer Behandlung deswegen. Da lobte ich mir dann das Singen im Grundschulchor, dem ich ebenfalls angehörte. Die Lieder, die wir da zum Besten gaben, waren zwar unwesentlich ansprechender, aber man konnte immerhin in der Menge verschwinden und fühlte sich nicht gar so gedemütigt. Die Demütigung in Sachen Chor erfolgte erst in der weiterführenden Schule als ich wegen meiner tiefen Stimme bei den Männern mitsingen sollte. Eine peinliche Sache für einen pubertierenden Teenager. Damit war die Chorkarriere dann auch passé. Jetzt aber zu erfolgversprechenderen musikalischen Karrieren. Am 18.12.20 veröffentlichte die Münchner Band Skyborn ihr Debütalbum „Paradise Falls“. Elf thrashig-rockige Songs erwarten euch auf diesem Album. Und wen das manische Geschrei auf meinem Blog in letzter Zeit schon genervt hat, der darf nun aufatmen.

Denn die rockige Stimme von Skybornsänger Luke Greber erinnert mehr an Whisky, Zigarren und Papa Het – was in etwa aufs Gleiche rauskommt.  Der Opener „Dark Era“ beginnt mit gedämpften Drums, zu denen sich schnell ein wunderschöner doppelläufiger Gitarrensound und schließlich der Gesang gesellt. Der doppelläufige Gitarrensound und knackige, zackig akzentuierte Rhythmen begegnen uns auf „Paradise Falls“ noch häufiger und verleihen dem Sound einen eigenen Stempel. Absolut männlich von innen und von außen und im rockigen Southern Stil sind „Watch Me Now“ und „Sex Drugs & Rock ’n‘ Roll“. Leicht bluesig angehauchte Gitarre und rhythmisch prägnant. Apropos Rhythmus. „Lonesome Road“ prescht und galoppiert mutig voran. Bisweilen liegt ein Hauch von Punk in der Luft, insgesamt bleibt der Song aber eher im Southern Metal verhaftet. Ein cooles Atemlossolo mit Nackenverknotungspotential, hallige Chorrufe und ein rhythmischer Break runden das Ganze ab. Auch der Song „Orphan Child“ beginnt rhythmisch und drumtechnisch ansprechend und glasscharf. Und „Reaper’s Revenge“ gewittert ebenfalls mächtig los und setzt zwischendurch reizvolle Akzente mit dem Gegensatz zwischen zackigen Drums und eher weich rollenden Gitarren. Wohaaa! Wuseliges Riff, Hammersolo mit cleanem Nachklang und – moment – was ist das? Ein folkmetalmäßiger Aaaaah-Chor? Was für eine Wundertüte! Definitiv einer meiner Lieblingssongs des Albums. Mein zweiter Tipp ist „World in Distortion“. Nach hartem Beginn folgt ein wunderschöner cleaner Gitarrenpart, gefolgt von einem beinahe schon melancholischen Solo. Ein aggressiveres zweites Solo und die unbarmherzig hämmernden Drums sorgen allerdings dafür, dass es nicht zu kuschelig wird.

Auch wenn „Paradise Falls“ hier und da etwas redundant in Songaufbau und Melodie ist, war es mir beim Hören nicht eine Sekunde langweilig. Im Gegenteil. Die Songs sind mitreißend und eingängig. Variieren zwischen gemächlich und temporeich. Die Rhythmik ist abwechslungsreich und die Drums kommen auf den Punkt. Manchmal unterstützen die Gitarren, dann gehen sie wieder ihre ganz eigenen Wege. Überhaupt. Gitarren. Die Soli sind durchweg der Hammer. Die Riffs und Melodien eingängig und bildschön. Skyborn haben aus Heavy/Thrash und Southernmetal, Rock-, Blues- und Punkelementen einen eigenen Sound kreiert, der sehr viel Spaß macht. Und über allem liegt ein Hauch von Whisky! Ihr dürft euch jetzt schon auf mein Interview mit Leadgitarrist Juli freuen (zum Videointerview)

YouTube Channel Skyborn TV

My conversation with lead guitarist Juli from the band Skyborn, whose album „Paradise Falls“ is the topic today, has brought us back to our musical beginnings. While Juli was spared the recorder and he regards this instrument as the work of the devil, my modest musical career began with just that instrument. And yes – it is the work of the devil. If eight elementary school students have to perform „Schwarzbraun ist die Haselnuss“ of Heino on the recorder at every single party in their elementary school, then this is hell on earth come true for both the elementary school children and their audience! Rumor has it that some of us are still in psychological treatment for it today. Then I praised myself for singing in the elementary school choir, which I also belonged to. The songs we performed were marginally more appealing, but at least you could disappear into the crowd and didn’t feel so humiliated. The humiliation in the matter of the choir only occurred in secondary school when I was supposed to sing along with the men because of my deep voice. An embarrassing thing for a pubescent teenager. So the choir career was over. But now to more promising musical careers. On December 18th, the Munich band Skyborn released their debut album „Paradise Falls“. Eleven thrashy songs await you on this album. And if you’ve been annoyed by the manic screaming on my blog lately, you can now breathe a sigh of relief.

Because the rocking voice of Skyborn singer Luke Greber is more reminiscent of whiskey, cigars and Papa Het – which comes out about the same. The opener „Dark Era“ begins with muffled drums which are quickly joined by a wonderful double guitar sound and finally the vocals. The double guitar sound and crisp, jagged accented rhythms come across more often on „Paradise Falls“ and give the sound its own stamp. „Watch Me Now“ and „Sex Drugs & Rock ’n‘ Roll“ are absolutely masculine inside and out and in a rocky Southern style. Slightly bluesy guitar and rhythmically concise. Speaking of rhythm. „Lonesome Road“ dashes and gallops bravely on. At times there is a touch of punk in the air, but the song remains rather stuck in Southern Metal. A cool breathtaking solo with neck knot potential, echoing choruses and a rhythmic break round off the whole thing. The song „Orphan Child“ also begins rhythmically and drum-technically appealing and sharp as glass. And Reaper’s Revenge also thunders mightily and in between sets charming accents with the contrast between jagged drums and rather soft rolling guitars. Wohaaa! Lush riff, hammer solo with a clean finish and – wait – what is it? A folk metal-like aaaaah choir? What a surprise! Definitely one of my favorite songs on the album. My second tip is „World in Distortion“. After a hard start, a wonderful clean guitar part follows, followed by an almost melancholy solo. A more aggressive second solo and the relentless pounding drums ensure that it doesn’t get too cozy.

Even if „Paradise Falls“ is a bit redundant here and there in song structure and melody, I wasn’t bored for a second while listening to it. On the contrary. The songs are gripping and catchy. Vary between leisurely and fast-paced. The rhythm is varied and the drums get to the point. Sometimes the guitars provide support, then they go their own way again. At all. Guitars. The solos are consistently awesome. The riffs and melodies catchy and beautiful. Skyborn have created their own sound from heavy / thrash and southern metal, rock, blues and punk elements, which is a lot of fun. And there’s a whiff of whiskey on top of everything! You can already look forward to my interview with lead guitarist Juli (see the videointerview here)


Tracks:
01. Dark Era
02. Lonesome Road 
03. Watch Me Now 
04. The Cheat 
05. This Thing Called Fear 
06. Orphan Child 
07. World in Distortion 
08. Sex Drugs & Rock ’n‘ Roll 
09. Cry Out 
10. Paradise Falls 
11. Reaper’s Revenge

Band:
Paul von Jakobs – Bass
Edu Romero – Schlagzeug
Juli Sommer – Gitarre
Luke Greber – Gesang, Gitarre

Eisige Brutalität und verletzliche Zerrissenheit. December von Hadal

Gothic/Doom Metal
Veröffentlichung: 05.12.2020
Planet K Records
https://www.facebook.com/HadalOfficial
http://www.intothehadal.com/
https://planetkrecords.bandcamp.com/


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Beinahe wäre mein Plan, die Herrschaft über das Dachgeschoss zu übernehmen gescheitert. Und das nur wegen eines Sofas. Man stelle sich das vor! Schon länger versuche ich den besten Ehemann von allen aus seinem Computerspiele- und Homeoffice-Paradies im Dachgeschoss zu verdrängen. In einem Teil ist es mir mit meiner Gitarrensammlung schon gelungen – die ich mir natürlich nur zu diesem Zweck angeschafft habe. Jetzt sollte durch die Installation eines Sofas die endgültige Übernahme erfolgen. Leider wollte das Ding aber nicht durch das Treppenhaus passen. Ich war schon drauf und dran die Mauer aufzumeißeln, um das Sofa vorbeizutragen und dann alles wieder zuzumauern, sauber zu verputzen und zu tapezieren als das blöde Ding doch noch durch die Engstelle flutschte. Nun kann ich darauf gemütlich in meinem Snoopyschlafanzug fläzen und in der Videokonferenz unflätige Kommentare abgeben. Bald ist es so weit! Muahaha! Ein anderer hat die Herrschaft schon übernommen – nämlich der Dezember. Graue Schwermut und ab und an ein Schneeflöckchen. Trifft das auch auf das neue Album „December“ der italienischen Gothic Metaller Hadal zu? Die Scheibe enthält quasi zehn Jahre Bandgeschichte und besteht aus alten, neu arrangierten  und neuen Songs. Eine Autobiografie der Band, wenn man so will. Und der Klang?

Der Opener „December“ schlug mich sofort in seinen Bann. Melancholische cleane Stimme, emotionales  Gitarrenriff. Eine absolut düstere, schwermütige Grundstimmung. Und plötzlich eskaliert das Ganze. Die Drums nehmen Tempo auf. Die Gitarren stürzen sich ins Tremolopicking und „December“ entwickelt sich zu einem schwarzmetallischen Inferno. Die meiste Zeit über bewegen sich die Songs aber im doomig-getragenen Tempobereich. Packend, geradezu überwältigend ist die unglaubliche Schwärze, Eisigkeit, Melancholie und Emotionalität. Hier und da gesprenkelt von einem Gänsehaut erzeugenden Schauer. „Dark Water“ sticht da für mich am deutlichsten hervor. Gruselig bis in die Zehenspitzen variiert der Song zwischen butterzart und butterhart. Der intensive Kontrast zwischen den brutalen Growls und den melancholischen Gitarren geht unter die Haut. Und wenn sich „Dark Water“ dann langsam zu Ende schleppt, hinterlässt er einen Knoten im Magen. „The Obscure I“ erzeugt eine harte Eisigkeit, die das Blut in den Adern gefrieren lässt. Harsche Growls, gemutete, rhythmische Gitarren und die Doublebasses erzeugen einen fast tonlosen Klang. Dazwischen immer wieder die klagende Gitarre. Wahnsinn! Sehnsuchtsvoll schwermütig ist dagegen „My River“. Melancholischer Cleangesang, getragen, schwermütig. Der Bass grummelt immer wieder effektvoll und unterstreichend durchs Bild und ein bildschönes Gitarrensolo lässt einen träumerisch seufzen und im cleanen Gitarrenteil dahinschmelzen. Eine andere Seite von Hadal zeigt „Stormcrow“. Der Song wirft rhythmisch neue Varianten ins Spiel und reißt mit seiner kraftvollen Dynamik mit. Zwischendurch plätscherte das Album so ein wenig an mir vorbei, da ein bis zwei Songs mir persönlich etwas zu gleichförmig waren, aber das tut dem positiven Gesamteindruck keinen Abbruch.

Hadal kreieren auf „December“ bildschöne Gitarrenmelodien und melancholische Riffs bis in den kleinen Finger. Das Tempo bleibt meist getragen, manchmal schleppend, selten zieht es auch an. Das Album hat bei mir ob seiner Intensität Gänsehaut erzeugt. Düstere Sehnsucht, eiskalte Härte, bittersüßes Sehnen, Brutalität und Schaurigkeit sind die eine Seite. Die Andere kennzeichnet sich durch eine mal harte, mal zarte Emotionalität und eine verletzliche Zerrissenheit. Graue Schwermut und ab und an ein Schneeflöckchen? Absolut! Ein tolles Album! Freundlicherweise haben sich Hadal zu einem Interview bereit erklärt. Das Ergebnis lest ihr in den nächsten Tagen.

YouTube Channel von Hadal Official

My plan to take control of the attic almost failed. And that’s only because of a sofa. Just imagine! For a long time I have been trying to push the best husband of all out of his computer game and home office paradise in the attic. I have already succeeded in one part of it with my guitar collection – which of course I only bought for this purpose. Now the final takeover should be done by installing a sofa. Unfortunately, the thing didn’t want to fit through the stairwell. I was about to pry open the wall, to carry the sofa over and then to wall up everything again, plaster it cleanly and paper it up when the stupid thing slipped through the narrow point. Now I can sit comfortably in my Snoopy pajamas and make filthy comments in the video conference. It is nearly time! Muahaha! Another has already taken over the rule – namely December. Gray melancholy and now and then a snowflake. Does that also apply to the new album „December“ by Italian gothic metallers Hadal? The disc contains almost ten years of band history and consists of old, newly arranged and new songs. An autobiography of the band, if you will. And the sound?

The opener „December“ casted a spell over me immediately. Melancholic clean voice, emotional guitar riff. An absolutely gloomy, moody mood. And suddenly the whole thing escalates. The drums pick up the pace. The guitars plunge into tremolo picking and „December“ turns into a black metallic inferno. Most of the time, however, the songs move in the doomy-supported tempo range. The unbelievable blackness, iciness, melancholy and emotionality is gripping, downright overwhelming. Here and there speckled with goosebumps. „Dark Water“ stands out most clearly for me. The song varies between tender and hard as butter, gurgling down to the tips of your toes. The intense contrast between the brutal growls and the melancholy guitars gets under your skin. And when „Dark Water“ slowly comes to an end, it leaves a knot in the stomach. „The Obscure I“ creates a hard iciness that freezes the blood in your veins. Harsh growls, muted, rhythmic guitars and the double bass create an almost toneless sound. In between the plaintive guitar. Madness! In contrast, „My River“ is longingly and melancholy. Melancholic clean vocals, haunting. The bass growls effectively through the picture and a beautiful guitar solo lets you sigh dreamily and melt away in the clean guitar part. Another side of Hadal shows „Stormcrow“. The song throws rhythmically new variations into play and carries you away with its powerful dynamics. In between the album splashed past me a little, because one or two songs were a bit too uniform for me personally, but that doesn’t detract from the positive overall impression.

Hadal create beautiful guitar melodies and melancholic riffs down to their little fingers on „December“. The pace is mostly slow, sometimes dragging, and it rarely picks up. The album gives me goose bumps because of its intensity. Dark longing, ice-cold hardness, bittersweet craving, brutality and horror are one side. The other is characterized by a sometimes hard, sometimes tender emotionality and a vulnerable inner conflict. Gray melancholy and now and then a snowflake? Absolutely! A great album!


Tracks:
01. December
02. My River
03. Red Again
04. Dark Water
05. The Obscure I
06. Without A Word
07. Nothing Here
08. Cold Lake
09. Stormcrow

Band:
Alberto – Gesang
Max – Gitarre
Franco – Gitarre
Daniele – Schlagzeug
Teo – Bass