Der Folkmetal ist gerettet! „Never to be Mourned“ von Elvenscroll

Folk Metal
Veröffentlichung: 06.11.2020
Inverse Records
https://www.facebook.com/elvenscrollofficial
https://www.instagram.com/elvenscroll
https://elvenscrollfolk.bandcamp.com


unnamed(English version below.)
Dieses Review muss ich leider mit Mimimi beginnen. Es ist momentan ja so schwer richtig geilen Folkmetal zu finden, der nicht in einem Meer aus Schunkel-Gröl-Aaaaah-Klischees ertrinkt. Der nicht von touristischer Folklore erschlagen wird. Im besten Fall wendet man sich gähnend und gelangweilt ab, im schlimmsten Fall hält man sich einfach die Ohren zu. Seufz. Aber es gibt Hoffnung. Ein Silberstreif am Horizont namens Elvenscroll. Die finnische Folkmetalband existiert zwar schon seit 2006 – seit 2016 spielen sie in der heutigen Besetzung – doch am 06.11. wird mit „Never to be Mourned“ ihre erste EP erscheinen. Ein ganzes Album ist geplant.

Elvenscroll präsentieren auf ihrer EP Folkmetal mit einem gehörigen Schuss Blackmetal sowie Pagan- und Progressiveanteilen. Klingt schon mal nach einer guten Mischung, oder? Vor allem machen die Finnen Folkmetal, der nicht völlig überkitscht, überschunkelt und überladen ist, sondern sich hauptsächlich in den kraftvollen, schönen, bezaubernden Melodien und im Rhythmus ausdrückt und ja, auch die „Aaaaaah- Chöre“ fehlen natürlich nicht. Oft übernimmt das Keyboard melodisch den Leadpart wie in „Relics“, „Return to Valhalla“ oder „Wayfarer’s Mourning“. Die Gitarren untermalen das Ganze entweder wie in „Return to Valhalla“ oder in „Wayfarer’s Mourning“. Oder sie nehmen das Riff auf, manchmal auch in abgewandelter Form und verbinden sich mit dem Keyboard wie in „Relics“ oder im weiteren Verlauf von „Wayfarer’s Mourning“. Progressiv zeigen sich Elvenscroll mit E-Orgelsound in „Return to Valhalla“ oder „Wild Hunt“. Überhaupt. „Wild Hunt“. Mein absolutes Highlight auf „Never to be Mourned“. Die Kombination aus perlendem Keyboardriff und rauen, aggressiven Gitarren ist äußerst mitreißend. Rhythmisch gesehen ist der Song sehr folkig. Gitarrentechnisch wird einiges geboten – unter anderem ein geiles Solo. Die Drums werden variabel eingesetzt. Erst agieren sie quasi im oberen Bereich bevor man dann blastbeatig und basedrumdonnermäßig weggepustet wird. Der Rhythmuswechsel sorgt für Dynamik, die sich eigentlich in allen Songs auf „Never to be Mourned“ erfrischend bemerkbar macht. Eine reine Folknummer gibt es mit „Kaiku Tulevan Sodan“ auch. Hier kommt das Cello so richtig zum Einsatz. Gechillt, bezaubernd, entrückt. Eine gewisse Entrücktheit kennzeichnet die gesamte EP. Sie wird vor allem durch den oft halligen Keyboardsound erzeugt und beamt einen zurück in vergangene Zeiten. Wunderbar. Langweilig wird es auch mit „Statue of Goddess“ nicht. Hier sticht der rhythmische Gesang heraus, der bisweilen an den Sprechgesang in altisländischer Reimform von Skálmöld erinnert.

Elvenscroll äußerten sich über „Wayfarer’s Mourning“ folgendermaßen:
“ ‚Wayfarer’s Mourning‘ is a homage to all lost souls who have suffered through the long and winding road of life and know its misfortunes. Let the power chords, choir singing and heroic melodies bring you strength to carry on this miserable journey.“ Klingt vielversprechend? Die Finnen begeistern mich mit ihrem Folkmetal auf ganzer Linie. Kraftvolle Melodien, ausgefeilte, folkige Rhythmen, Refrains mit „Aaaaah-Chören“, Growl- und Cleangesang. Ihnen gelingt es, ihre Instrumente so einzusetzen, dass sie sich perfekt ergänzen, auch wenn sie scheinbar Gegensätzliches tun. Der Folkmetal ist gerettet!

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Unfortunately I have to start this review with Mimimi. At the moment it is so difficult to find really great folk metal that does not drown in a sea of ​​sway-roar-aaaaah clichés. Which is not overwhelmed by tourist folklore. In the best case you turn away yawning and bored, in the worst case just cover your ears. Sigh. But there is hope. A silver lining called Elvenscroll. The Finnish folk metal band has existed since 2006 – with the current line-up since 2016 – but on November 6th. their first EP called „Never to be Mourned“ will be released. A whole album is planned.

Elvenscroll present on their EP folk metal with a good shot of black metal combined with pagan and progressive parts. Sounds like a good mix, doesn’t it? Above all, the Finns make folk metal that is not completely cheesy, overblown and overloaded, but mainly expresses itself in the powerful, beautiful, enchanting melodies and rhythm and yes, the „aaaaaah choirs“ are of course not missing either. Often the keyboard takes over the melodic lead part as in „Relics“, „Return to Valhalla“ or „Wayfarer’s Mourning“. The guitars accompany the whole thing either like in „Return to Valhalla“ or in „Wayfarer’s Mourning“. Or they pick up the riff, sometimes in a modified form, and connect to the keyboard as in „Relics“ or later in „Wayfarer’s Mourning“. Elvenscroll show themselves progressively with an electric organ sound in „Return to Valhalla“ or „Wild Hunt“. Oh yeah – „Wild Hunt“. It is my absolute highlight on „Never to be Mourned“. The combination of a sparkling keyboard riff and rough, aggressive guitars is extremely thrilling. Rhythmically speaking, the song is very folky. For guitar enthusiasts Elvenscroll offer a lot – great techniques, including a wonderful solo. The drums are very variable. First they act in the upper area before you are blown away with blast beats and thunder-like basedrums. The change in rhythm creates a dynamic that is actually refreshingly noticeable in all the songs on „Never to be Mourned“. There is also a pure folk number with „Kaiku Tulevan Sodan“. This is where the cello really comes into play. Chilled, enchanting, enraptured. A certain rapture characterizes the entire EP. It is mainly generated by the often reverberant keyboard sound and beams you back to bygone times. Wonderful. It doesn’t get boring with „Statue of Goddess“ either. The rhythmic chant stands out here, which is sometimes reminiscent of the chants in old Icelandic rhyme form by Skálmöld.

Elvenscroll’s comment on „Wayfarer’s Mourning“ was as follows:
„‚Wayfarer’s Mourning‘ is a homage to all lost souls who have suffered through the long and winding road of life and know its misfortunes. Let the power chords, choir singing and heroic melodies bring you strength to carry on this miserable journey.“ Does that sound promising? The Finns inspire me with their folk metal all along the line. Powerful melodies, sophisticated, folky rhythms, refrains with „aaaaah choirs“, growls and clean vocals. They manage to use their instruments in such a way that they complement each other perfectly, even if they seem to be doing opposing things. Folk metal is saved!


Tracks:
1. Relics
2. Return to Valhalla
3. Statue of Goddess
4. Wayfarer’s Mourning
5. Kaiku Tulevan Sodan
6. Wild Hunt

Band:
Jussi Kangasharju – Gesang
Anni Helenius – Gesang & Cello
Ismo Honkanen – Keyboards
Janne Lukki – Schlagzeug
JP Rusi – Gitarre
Janne Karppinen – Gitarre
Ville Kangasharju – Bass

Schwarz-bunte Raserei. „Vredesvävd“ von Finntroll.

Folk Metal
Veröffentlichung: 18.09.2020
Century Media Records
https://de-de.facebook.com/officialfinntroll/


CoverAuf dieses Album habe ich so hingefiebert. Trollies und Gentletrolle. Freunde des gepflegten trollisch-folkigen Blackmetal. Schnallt eure Spitzöhrchen um, nun ist es da: „Vredesvävd“ (etwa „aus Zorn gewoben“), das neue Album der Finnischen Folkmetaller Finntroll. Sieben lange Jahre mussten wir auf dieses siebte Album warten. Ladehemmung beim Songschreiben, mehrere Anläufe und Produktionsprobleme noch kurz vor dem zunächst geplanten Release im August sorgten für die lange Pause. Aber das Warten hat ein Ende. Genau zum richtigen Zeitpunkt. Um dem coronageplagten Metaller die Konzertzwangspause zu versüßen. Ick freu mir so. Beim ersten Hören war ich allerdings ein wenig enttäuscht. Keine konsequente Weiterentwicklung des Sounds vom Vorgänger „Blodsvept“, auf die ich so sehr gehofft hatte, weil ich dieses Album liebe. Nach mehrmaligem Hören kann ich nun sagen, von Enttäuschung keine Spur mehr, denn „Vredesvävd“ bietet etwas, das mindestens genauso geil ist.

Beim Hören der beiden folgenden Songs „Att Döda Med En Sten“ und „Ormfolk“ stellt sich zunächst ein Gedanke ein: typisch Finntroll. Atemberaubendes Tempo dem kaum ein Nacken folgen kann, Blastbeats und treibende Drums, die einem nur so um die Ohren fliegen, mitreißend melodische Keyboards und epische Orchestrierung, garstiges Gekrächze, Humppa Feeling und folkige Parts mit einem gehörigen Schuss Aggressivität. Auch „Mask“ und „Myren“, das in einer herrlichen, blindwütigen Raserei endet, reihen sich hier ein. Also ein klares Zurück zu den alten Wurzeln? Schließlich erinnern die Songs vom Stil her sehr an ihre Vorgänger auf den Alben „Jaktens Tid“ oder „Ur Jordens Djup“ aus den 2000er Jahren. Allerdings mit einem deutlich düstereren, will sagen schwärzeren Anstrich. Ein klares 90er Jahre Schwarz. Also ein klares Jein.

Das Intro „Väktaren“ ist eines, das seinen Namen im wahrsten Sinn des Wortes verdient, denn es bietet einen Ausblick auf das gesamte Album. Es kündigt eine Reise an. Cineastisch, melodisch, mal zart, mal energisch, mal düster und aggressiv. Und eine Reise soll dieses Album laut Sänger Vreth sein. Eine spirituelle – teils schamanistische Reise – die in den alten Mythen Finnlands und seinen verwunschenen Wesen ankert.

„Vid Häxans Härd“ bildet für mich das Bindeglied zwischen alten, schwarzmetallischen Wurzeln und „Blodsvept“, hängt also noch irgendwo dazwischen. „Stjärnors Mjöd“ schließt an Songs auf Blodsvept an. Die Melodie rück stärker in den Hintergrund. Der Rhythmus trägt das Ganze. Besonders der stark rhythmische, giftige und experimentelle Growlpart gegen Ende des Songs macht extrem Spaß. Auch „Ylaren“ gewinnt seine Kraft über den Rhythmus. Schwer und schleppend. Erhaben. Majestätisch. Dazwischen wird’s garstig und es endet in Raserei. Und: Yeah, Maultrommel. Definitiv ein Lieblingssong.

Dieses Prädikat bekommen auch „Gränars Väg“ und „Forsen“. Ersterer Song überzeugt durch den gelungenen Kontrast zwischen ruckartig, abgehackten Gesangsparts, verstärkt durch die Gitarren und den dynamischen, fließenden melodischen Passagen. Der folkige Charakter wird durch Oh-Chöre unterstrichen. „Forsen“ hingegen nimmt das Tempo zurück. Die Gitarre intoniert ein drückendes, stampfendes, düsteres Riff, schwermütig untermalt vom Keyboard. Meinem Motto „We need more Maultrommel“ wurde hier ansatzweise Genüge getan. Auch der melodische Fidelpart wirkt melancholisch. Wie Sänger Vreth die Lyrics auskotzt erzeugt Gänsehaut. Und über allem liegt irgendwie ein Hauch Moonsorrow.

Das Warten hat sich sowas von gelohnt. Finntroll hauen mit „Vredesvävd“ ein Folkmetalbrett raus, das zu den frühen Blackmetalwurzeln zurückkehrt und gleichzeitig neuere, experimentellere Strömungen von „Blodsvept“ einbindet. Das Album ist wütend, harsch und garstig heavy und doch folkig und nicht unmelodiös. Die Songs gehen quasi übergangslos ineinander über. Das Album wirkt wie aus einem Guss und verbindet doch völlig unterschiedliche Lieder zu einem bunten, schwarzmetallischen, wahnsinnigen Film.

YouTube Channel von Century Media Records


Tracks:

  1. Väktaren
  2. Att Döda Med En Sten
  3. Ormfolk
  4. Gränars Väg
  5. Forsen
  6. Vid Häxans Härd
  7. Myren
  8. Stjärnors Mjöd
  9. Mask
  10. Ylaren
  11. Outro

Band:

Trollhorn – Keyboard, Orchestration, Gitarre, Banjo, Maultrommel
Tundra – Bass
Skrymer – Gitarre
Routa – Gitarre
Vreth – Gesang
Virta – Keyboard
MörkÖ – Schlagzeug

Melodic Death Metal 2.0 – Tales of the White Eye von Limos

Melodic Death Metal
Veröffentlicht: 03.07.2020
Inverse Records
https://www.facebook.com/LimosBand
https://limos.bandcamp.com


limos-tales-of-the-white-eye-coverEndlich habe ich mich aus den schrecklichen Abgründen des Didgeridoo-Metal befreit, der mich über Wochen in seinen hässlichen Klauen gefangen hielt. Ja, es liegt musikalisch eine echt harte Zeit hinter mir – und das ist durchaus nicht positiv gemeint. Erst ein melodischer Lichtstrahl aus den finnischen Wäldern Kainuus konnte mich befreien. Die finnischen Melodic Death Metaller Limos veröffentlichten am 3.7. ihre zweite EP „Tales of the White Eye“ und sie haben sich das Ziel gesteckt, die nächste Generation finnischer Melodic Death Metaller mitzuprägen. Ob ihnen das gelingt? Das Cover ist jedenfalls schonmal sehr ansprechend.

„Altars“ ist der erste Song der EP und er zog mich sofort und unweigerlich in seinen Bann. Glasklarer, messerscharfer Gitarrensound und präzises Drumming lassen einen beglückt nicken. Es ist einfach herrlich wie die Leadgitarre sich locker-flockig das Griffbrett hoch- und runterschraubt. Die Melodie nimmt einen sofort mit und geht absolut ins Ohr. Raue, grimmige Growls und hämmernde Blastbeats bilden einen reizvollen Kontrast. Und das Spiel mit den Variationen des Hauptriffs durch Rhythmik macht absolut Spaß. „Rise to Arms“ ist wuchtiger und drückender. Der Refrain  eingängig und mitsingtauglich, die Growls ziemlich fies. Es gefällt mir, wie ein drückender, schwerer Unterbau durch Drums und Rhythmusgitarre eine perfekte Liaison eingehen mit der leichten und melodischen Leadgitarre.

Als ich „Child of the White Eye“ zum ersten Mal hörte, hatte ich sofort Herzchen in den Ohren. Liebe auf den ersten Ton. Der Song beginnt melodisch mit cleanen Gitarren und langsamem Tempo. Bildschön.  Der Kontrast zwischen den Gitarren und den rauen Growls könnte nicht spannender sein. Melancholisches, wehmütiges Feeling macht sich breit. Mit dem Distortion Sound kommt Druck hinter die Sache ohne, dass Melancholie und Melodik weichen. Ich bin dem Song mit Haut und Haaren verfallen. „Surullisten Järvien Maa“ wartet mit einem geilen Riff auf und spielt außerdem genial mit Rhythmik und Geschwindigkeiten. Ein gesprochener Part teilt den Song in zwei Teile – übrigens:  Ich liebe die finnische Sprache, auch wenn ich kein Wort verstehe. Danach bricht ein wütender Sturm aus Growls, Gitarren und Drums los.

Ich würde sagen, die nächste Generation finnischer Melodic Death Metaller ist gesichert und vielversprechend. Limos zeigen auf „Tales of the White Eye“ ihre eigene Handschrift aus klarem Gitarrensound, präzisem Drumming, derben Growls, gekonntem Spiel mit Rhythmik, Geschwindigkeit und Gegensätzen und bildschönen Riffs und Melodien.

YouTube Channel von InverseRecordsFIN


Tracks:
01. Altars
02. Rise to Arms
03. Child of the White Eye
04. Surullisten Järvien Maa

Band:
Eirik Manne – Gesang
Eppu Herala – Lead Gitarre
Eetu Herala – Rhythmus Gitarre
Tuomas Suokko – Bass, Gesang
Teemu Ohtonen – Schlagzeug

 

Nimm den Hammer. MMXIX von Kilometer 94

Doom Metal / Sludge / Drone
Veröffentlicht: 19.01.2020
Eigenveröffentlichung


a3348483999_10„Hello, we are Kilometer 94 from Kiel. We make Krach.“ – Dieser akkuraten Selbstbeschreibung muss man fast schon nicht mehr viel hinzufügen, denn genau das, Krach, verpacken Kilometer 94 auf MMXIX in einer guten halben Stunde in zwei überlange Lieder. Etwas differenzierter will ich es dann aber doch angehen lassen. Getreu dem Motto „Take the hammer, numb yourself“ packen Kilometer 94 den Hammer auch tatsächlich aus und schwingen ihn langsam, dafür aber mit viel Wucht. Fast die ganze Spieldauer bewegt man sich am unteren Ende der Geschwindigkeitsskala und auch der Tonleiter. Gern zerfällt alles in Dröhnen, was aber nicht heißt, dass die Lieder ohne Struktur wären. An einigen Stellen wird der Vorschlaghammer eingepackt und der Groove setzt ein, was aber nicht darüber hinwegtäuschen sollte, dass es mehr ums Fühlen als ums Hören geht. Einem Horrorthema folgend werden immer wieder Sprachsamples eingespielt und es wird gespenstisch dissonant. Richtig packend wird’s aber bei simplen Hau-Drauf-Momenten wie im Mittelteil von The Putrid Stench Of Souls oder, ebenfalls ab der Mitte beim Kopfnicken-Geschrabbel To Bring Down The Leviathan – passender Titel übrigens. Das wird dann auch gebührlich ausgedehnt, bevor alles wieder in tiefste Töne und Stahl zerfällt. Achja, verhalltes Geschrei gibt es natürlich auch. Für jemanden wie mich, der reinem Noise eher abgeneigt ist, gibt es immer wieder genügend Halt mit durchgängigem Rhythmus, um nicht jämmerlich irgendwo im Tieftonsumpf zu versinken. Dazu regiert kompromisslose Härte, wenn’s sein muss. Nicht schlecht. Also, los geht’s: Take the hammer, numb yourself!

MMXIX by Kilometer 94


Lieder:
01. The Putrid Stench Of Idle Souls
02. To Bring Down The Leviathan

Episch elegante Folkigkeit. Oak, Ash & Thorn von Dark   Forest

Heavy Metal / Power Metal
Veröffentlicht: 24.04.20
Cruz Del Sur
https://darkforest-uk.bandcamp.com/
https://www.facebook.com/Darkforestuk


16118In Zeiten, in denen manche von uns von Langeweile dazu getrieben werden daheim mal wieder ordentlich durchzufeudeln, den Müll von Jahrzehnten einfach aus dem Keller zu kärchern oder lang vor sich hergeschobene Renovierungsarbeiten endlich in Angriff zu nehmen, ist Musik noch wichtiger geworden. Denn schließlich gehen solch ungeliebte Arbeiten mit ein wenig Metal viel beschwingter von der Hand. Doch Vorsicht! Nicht jede Art von Metal eignet sich für jede Arbeit. So ist Vader perfekt für jede Art von Abrissarbeiten, doch bei filigraneren Dingen, wie das Zuschneiden einer Fliese kann man schnell Steinmehl produzieren. Funeral Doom verleiht die nötige Ruhe für Tüftelarbeiten, eignet sich aber nicht als Begleitmusik zum Bügeln oder zum Putzen großer Flächen. Bei ersterem produziert man Brandlöcher, während man für zweiteres viel zu viel Zeit benötigen würde. Für das Putzen großer Flächen, z. B. Fenster, kann ich Dark Forest wärmstens empfehlen. Der leicht kauzige, epische Powermetal der Briten verleiht den nötigen Schwung und die positive Grundeinstellung.

Wie es der Zufall will, veröffentlichten Dark Forest am 24. April ihr neues Album „Oak, Ash & Thorn“. Neun brandneue Songs, auf die ich mich freue wie ein Schnitzel, wie Bolle, wie… Na ick freu mir eben. Thematisch lehnt es sich an „Puck Of Pook’s Hill“ von Rudyard Kipling an. Es geht also grob gesagt um die Geschichte Englands, um Mystik, um Wälder, um glorreiche und weniger glorreiche Vergangenheit – also um gewohnte Themen. Doch sind diese auch wieder verpackt in den für Dark Forest so charakteristischen Mix aus NWoBHM, Power- und Epic Metal mit folkigen Elementen und einer charmanten Portion britischer Kauzigkeit?

Bezaubernd schöne Gitarrenmelodien schreiben, das können Dark Forest. Das beweisen sie gleich mit dem ruhigen, cleanen, folkigen Opener „Ælfscýne“ und spätestens mit „Wayfarer’s Eve“ ist man angekommen, denn die Briten spielen die Trümpfe aus, die ihrem Sound seinen Wiedererkennungswert verleihen: die ausgefeilten, verspielten Gitarrenmelodien von Christian Horton und Pat Jenkins, die doppelläufigen Gitarren, die vielstimmigen Harmonien und der erhabene Gesang von Josh Winnard. „The Midnight Folk“ zieht das Tempo sachte an. Es wird eingängig, geradezu mitsingtauglich im Refrain, doch dabei immer elegant-folkig und ohne Grölfaktor. „Avalon’s Rising“ überzeugt mit einer gewissen nervösen Hummeligkeit in Rhythmus und Melodie und mit seiner fröhlichen Folkigkeit gepaart mit bildschönen Harmonien. „Oak, Ash & Thorn“ birgt eine überzeugende Dramatik, Epik und Kraft in sich und ist dabei gleichzeitig von fast zerbrechlicher Schönheit in der Melodik. Der Song hat mich vom ersten Hören an in seinen Bann gezogen, hat mich die Luft anhalten lassen und nicht mehr so schnell losgelassen. Ich schreibe jetzt aus dem Jenseits zu euch. Und habe ich schon den fantastischen Gitarrensound erwähnt…?

Die große Frage war ja, ob Dark Forest mit „Oak, Ash & Thorn“ an den überragenden Vorgänger „Beyond the Veil“ anknüpfen können. Ja, können sie! Die Briten bewahren sich ihren ganz eigenen Stil, ihre ganz eigene Art wunderbare Songs und Melodien zu schreiben, die sofort ins Ohr gehen. Das alles schaffen sie, ohne langweilig repetitiv oder kitschig zu sein. Hier und da haben sie zwar im Gegensatz zu „Beyond the Veil“ das Tempo ein wenig herausgenommen, doch das tut dem Ganzen keinen Abbruch. Klares Herzstück der Songs sind die filigranen, verspielten und dabei positiv, lebendig und bunt wirkende Melodien und der erhabene, erzählende Gesang. Harmonisch ausgefeilt erfreuen sie mein Herz und erfrischen meine Seele – um auch in dieses Review mal ein wenig Pathos einzubauen. Das Freuen hat sich gelohnt, Dark Forest haben mit „Oak, Ash & Thorn“ voll ins Schwarze getroffen. Ein Album, das auf ganzer Linie gefällt und überzeugt.

Cruz del Sur Music


Tracks:
01. Ælfscýne
02. Wayfarer’s Eve
03. The Midnight Folk
04. Relics
05. Avalon’s Rising
06. Oak, Ash & Thorn
07. The Woodlander
08. Eadric’s Return
09. Heart of the Rose

Band:

Christian Horton – Gitarre
Josh Winnard – Gesang
Pat Jenkins – Gitarre
Adam Sidaway – Schlagzeug

Ausbrechende Gewitterwolke – Killing Starts Where Hate Begins von Enoch

Alternative / Groove Metal
Veröffentlicht: 31.01.20
Soundmass
https://www.facebook.com/enoch.nz


cover Enoch - Killing Starts Where Hate BeginsNeulich stellte ein Bekannter sich während seines Umzugs die Frage, wie er in Zukunft seine Musiksammlung strukturieren sollte. Wieder nach Genres unterteilt und alphabetisch sortiert oder sollte er es wagen, die Genregrenzen aufzulösen und zu schauen, was passiert, wenn Sepultura neben Sido landet. Meine digitale Playlist ist schon so strukturiert und ich kann nur sagen, es kommen herrliche Dinge dabei heraus. Wenn auf Vader plötzlich Paul Anka folgt, gibt dir das einen ganz neuen und unverbauten Blick aufs Leben. Die eigene Komfortzone verlasse ich auch mit der Debüt EP von Enoch. „Killing Starts Where Hate Begins“ heißt das gute Stück und schon über den Titel sollte man kurz mal nachdenken. Danke! Die Alternative/Groove Metaller kommen aus Neuseeland und Sängerin Lorraine Brodie hat die Oberhoheit über das Mikrofon. Wer mich ein bisschen kennt weiß, dass ich mich mit Sängerinnen traditionell schwertue. Jaja…es ist halt so, verdammt. Doch im Fall von Enoch hat es sich gelohnt, die eigenen Grenzen zu verschieben.

Denn Lorraine Brodie ist nicht irgendeine Wald- und Wiesensängerin, die operesk vor sich hintrilliert. Nein, sie haut richtig raus und ist dabei extrem wandelbar. In den fünf Songs auf „Killing Starts Where Hate Begins“ klingt ihre Stimme mal klar, mal schmeichelnd, mal dreckig, mal growlt sie wütend und mal klingt sie ziemlich durchgeknallt. Erinnert mich bisweilen an die frühe Nina Hagen. Natürlich gibt es zur Sängerin auch noch eine Band. Eine gute sogar, die man unter keinen Umständen vernachlässigen sollte. „Pieces“ groovt sich mit djentigem Rhythmus und jeder Menge Bass ziemlich cool voran. Der sehr präsente Bass von John Brodie verleiht dem Album Charakter und wummernde Tiefe. „Reasons Why“ bietet uns ein geschmeidiges Riff, eine aufjaulende Gitarre und die gesamte stimmliche Varianz der Lorraine Brodie perfekt aufeinander abgestimmt. „Stranger“ greift mich mit einem geilen Gitarrensolo von Micheal Germon. Der leicht entrückte und gleichzeitig handfeste Klang der Gitarre passt exzellent. „Loner“. Tiefes, drückendes Riff, Growls, rhythmisch perfekt unterstützt von Drummer Ross Curtain. Dann erhebt sich die Gitarre mit hektisch, grooviger Melodie. Sehr cool. „Bow And Be Devoured“ schaltet tempomäßig einen Gang zurück. Teilweise cleane Gitarre, cleaner Gesang. Baut sich aber auf wie eine Gewitterwolke, die dann losbricht. Schwer, dunkel, dräuend. Herrlich.

Äußerst gelungene Debüt EP von Enoch. Den Neuseeländern gelingt mit „Killing Starts Where Hate Begins“ ein Album, das schwer, drückend, düster und dabei doch äußerst groovig und modern daherkommt. Reinhören!

YouTube Channel Enoch – Official


Tracks:
1. Pieces
2.Reasons Why
3.Stranger
4.Loner
5.Bow and Be Devoured
6.Reason Why (Live)

Band:
Lorraine Brodie – Gesang
Micheal Germon – Gitarre, Gesang
John Brodie – Bass
Ross Curtain – Schlagzeug

Neujahrsträgheit wegbangen – Beast In Me von Melodramatic Fools

Thrash/Death/Heavy Metal/ Hard Rock
Veröffentlicht: 24.01.20
Eigenveröffentlichung
www.melodramaticfools.com
www.facebook.com/m.fools


BeastInMeMit frischem Wind aus Marktredwitz starten wir ins Metaljahr. Am 24.1. erscheint das neue Album der Melodramatic Fools. „Beast In Me“ heißt das Werk und es umfasst 11 Songs, die uns hoffentlich helfen die restliche Weihnachts- und Neujahrsträgheit wegzubangen. Mit ihrer 2017 erschienenen EP „Dog In The Rain“ hat das ja schon prächtig funktioniert.

Und auch die Aussichten für das neue Album sind glänzend, denn die Fools präsentieren uns Songs wie „Beast In Me“, „We Are The Fools“ oder „The Higher You Fly“, die mit Nackenbrechertempo, einem erfrischenden Spritzer Aggressivität, ansprechenden Riffs und Melodien  und eingängigem Refrain sofort ins Ohr gehen, von welchem aus es nur einen Befehl ans Hirn geben kann: Bangen! Doch die Fools gehen noch einen Schritt weiter und überraschen immer wieder mit Variationen im Rhythmus, im Gesang, im Tempo und bauen hier und da kleine und große Überraschungen und Details ein, die unglaublich viel Spaß machen. „The Higher You Fly“ zum Beispiel. Man bangt und groovt so vor sich hin und dann kommt dieser rhythmisch coole Break mit immer wieder gequält aufjaulender Gitarre, während Sänger Simon Pachali zunehmend manisch „Head shot“ growlt.

„Be My Little Slave“ setzt im Intro auf eine coole Bassmelodie, ein wunderbares Gitarrenriff, ein geiles Gitarrensolo, Tempowechsel, spacige Gitarreneffekte und ein beachtliches Repertoire an Screams und Growls. In „No Forever“ gehen Drums und Bass eine reizvolle Liaison ein, untermalt vom drängenden Gitarrenrhythmus bevor das Ganze in eine ansprechende Gitarrenmelodie übergeht. Ein breites Grinsen machte sich auf meinem Gesicht breit, als ich zum ersten Mal das kleine, aber feine und überraschende Rockabilly Gitarrenintro von „Little Piece Of War“ hörte. Ehrlich gesagt auch noch beim zweiten und dritten Mal. Wie cool. Wie witzig. Es hat irgendwie in Kombination etwas slapstickartiges. Sehr gelungen. Im weiteren Verlauf prägen der treibende Rhythmus und der eingängige Refrain den Song – auf der Flucht vor den giftigen Pfeilen der Sioux? In „Feed The Greed“ setzen die Fools gegen Ende auf hallige, stark verzerrte Gitarren und Killer-Screams – ein bisschen Surrealismus ist also auch mit am Start. In völligem Kontrast dazu steht das langsame, melancholische „Ben“ mit seinem cleanen Gitarrenbeginn. Die Fools beschließen ihr Album mit „R.I.P.“, einer Hommage an bereits verstorbene Rocklegenden. Southern Rock Feeling kommt auf.

Sodele. Die Neujahrsträgheit haben die Melodramatic Fools sowas von weggerockt. Auf „Beast In Me“ befindet sich jede Menge Musik, die Spaß macht und erfrischend aggressiv, tonnenschwer und gleichzeitig federleicht daherkommt. Die Jungs präsentieren eine Fülle an Riffs und Melodien, die sofort ins Ohr gehen. Stimmlich präsentiert sich Sänger Simon Pachali variabel zwischen cleanem Gesang, dreckigem Rockgesang und Growls. Die rhythmische Vielfalt ist ebenfalls groß, so dass es nie langweilig oder gar eintönig wird. Dafür sorgen auch die kleinen, feinen Kniffe und Überraschungen, die akzentuiert eingesetzten Gitarreneffekte, das Rockabillyintro oder die reizvolle Kombination der Instrumente. Mit ihren Texten greifen die Fools die verschiedensten Themen auf und stellen sie in ein kritisches Licht. Sei es die Kultur des Wegschauens, die Doppelmoral der Kirche, der Tod oder das liebe Geld, das die Welt regiert. Auf jeden Fall reinhören!

YouTube Channel Melodramatic Fools



Tracks:
1. Intro
2. Beast In Me
3. We Are The Fools
4. Be My Little Slave
5. No Forever
6. Little Piece Of War
7. Feed The Greed
8. Ben
9. Hypocrite
10. The Higher You Fly
11. R.I.P.

Band:
Simon Pachali – Gesang, Gitarre
Maximilian Hager – Gitarre
Timo Wöhrl – Bass
Tobias Holzinger – Schlagzeug

Eine Geschichte von Dunkelheit und Depression – A Dark Lament von Mortem Atra

Melodic Death Metal / Doom Metal
Veröffentlicht: 6.12.2019
Pitch Black Records
https://www.facebook.com/Mortem-Atra-Official-230874790321813/
https://pitchblackrecords.bandcamp.com/album/a-dark-lament


cover MORTEM ATRA - A Dark LamentMit und durch Metal die Welt entdecken. Es ist immer wieder schön zu sehen, dass es anscheinend auf jedem Flecken unseres Erdenrunds eine talentierte Metalband gibt, die dem Genre eine paar neue Töne und Klänge hinzufügt und alles wieder ein wenig anders interpretiert. Heute möchte ich euch Mortem Atra aus Zypern näher bringen. Die Band existiert seit 2011 und veröffentlichte am 6.12. ihr Debütalbum „A Dark Lament“. Uns erwartet eine Mischung aus Melodic Death und Doom Metal mit melodisch-orientalischen Einflüssen. Das Album widmet die Band ihrem an Krebs verstorbenen Drummer Tasos Bratsos, den wir auf „A Dark Lament“  trommeln hören. Nicht nur die Musik der Zyprioten ist bemerkenswert, auch die eindringlichen, aufwühlenden Texte, die von inneren Kämpfen, Depression und Dunkelheit erzählen, gehen unter die Haut.

„A Dark Lament Prologue „ stimmt perfekt auf das Album ein. Gesprochene Worte, untermalt von Synthistreichern und eine Botschaft, die sich folgendermaßen zusammenfassen lässt: Schöne Albträume! Im Anschluss entfaltet sich das Album in all seinen schön-schaurigen Facetten. „Frozen Illusion“ zieht einen mit einem rhythmisch eindringlichen Gitarrenriff, einem trockenen Schrei und den Gänsehaut erzeugenden, aus tiefster Tiefe stammenden Growls von Sänger Takis Antoniou sofort in seinen Bann. Eine Synthistreichermelodie bietet einen zarten, aber nicht weniger unheilvollen Kontrast und ein melodisches Gitarrensolo setzt dem Ganzen die Krone auf. Dass Puppen immer Unheil bedeuten, weiß jeder bewanderte Horrorfilmgucker. „The Puppet“ beginnt mit einem Xylofon-Intro, gaukelt irgendwie Frieden, heile Welt und Geborgenheit vor. Zum ersten Mal hören wir die klare, liebliche Stimme von Keyboarderin und Sängerin Christina Papadjiakou. Die Growls von Takis Antoniou bilden dazu einen rauen, reizvollen Gegensatz. Der ganze Song wird beherrscht von diesem Gegensatz zwischen Lieblichkeit und Düsternis. Gegen Ende wechselt das Tempo von schreitend zu schneller schreitend. Double Basses, schreddernde Gitarren und das immer wieder ausgestoßene Wort „The Puppet“ kreieren eine schaurige Atmosphäre.

Das können die Zyprioten wirklich gut. Dieses Spiel zwischen Hoffnung und Hoffnungslosigkeit, zwischen lieblich und düster. Einfach perfekt. Und mir gefällt wirklich gut, wie sie die verschiedenen Instrumente einbinden. In „A Voice“ verbindet sich ein eindringliches Gitarrenriff mit dem im Hintergrund unheilvoll dräuenden Bass, Synthistreichern und den Stimmen der beiden Sänger zu einem perfekt abgestimmten Ganzen. In „Evil Rise“ sind es die Drums, ist es der eigenwillige Rhythmus, den die Gitarren dann aufnehmen. Ein temporeiches Gitarrensolo forciert, gesprochene, ausgespuckte Worte voll Wut und Hass heben den Song wieder auf eine neue Ebene. Und wieder ein Twist. In „In Superstitious Breath“ hören wir zum ersten Mal die cleane Singstimme von Sänger Takis Antoniou. Cleane Gitarren, Streicher und ein orientalischer Touch geben dem Song Charakter. „Mirror“ ist wiederum ruhig, melancholisch und – hach – ich liebe den wunderbaren Klang dieser klaren, leise klagenden Gitarren. Ruhig beginnt auch „Harmful Obsession“ mit einer wunderbaren, cleane Gitarre in die sich Piano und Streicher mischen. Christina Papadjiakou und Takis Antoniou im Duett. Herzzerreißend. Der Song ändert sich ungefähr ab der Hälfte zum Unangenehmen. Fiese Growls, wirklich superfies. Manisch. Irre. Ausgeflippt. Eindringlich. Die Gitarre unterstützt das Ganze mit einem leicht dissonanten Lauf. Mein absoluter Favorit. Super gelungen. Perfekt komponiert. Gänsehaut. „Depressed“ beschließt das Album mit Donnergrollen, Chor, Streicher und einem Hauch von Candlemass.

Ich liebe Alben, die wie eine Geschichte, wie eine Mär aus einem alten, verstaubten Märchenbuch sind. Als würde ein Barde sie abends am warmen Lagerfeuer zum Besten geben und man rückt noch ein wenig näher ans Feuer – streckt die Hände hilfe- und schutzsuchend zu den züngelnden Flammen und hofft, dass sie die Finsternis fern halten. So ist für mich „A Dark Lament“. Mortem Atra gelingt es durch die Kombination der verschiedener Instrumente, die alle ihre Momente haben und zum Ganzen beitragen, eine Geschichte von Dunkelheit, Irrsinn und Depression zu erzählen, die unter die Haut geht und einen frösteln lässt. Bedrückend und düster. Besonders eindringlich gelingt das Takis Antoniou mit seinen irren Growls, die manchmal förmlich ausrasten. Aber ich liebe auch die klaren, bildschönen Gitarrenmelodien, die Streicher, die ausgefeilte Rhythmik und Christina Papadjiakous Stimme, welche hier und da einen zarten Lichtstrahl in die Dunkelheit sendet. Ein Album, das berührt und nachwirkt!


Tracks:
1. A Dark Lament Prologue
2. Frozen Illusion
3. The Puppet
4. A Voice
5. Evil Rise
6. Hymn of Doom
7. In Superstitious Breath
8. Mirror
9. Harmful Obsession
10. Depressed

Band:
Takis Antoniou – Gesang
Christina Papadjiakou – Keyboards / Gesang
Marios Gavrielides – Gitarre
Valantis Pavlou – Gitarre
Aris Ioannou – Bass
Antonis Papas – Drums (album drums recorded by Tasos Bratsos)