Götter, Könige, Schlachtengetümmel. „Ynglingaättens Öde“ von Månegarm.

Folk Metal / Pagan Metal
Veröffentlichung: 15.04.2022
Napalm Records
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354048(English version below.)

Letzten Freitag war Heimwerkertag. Die Challenge: vier Pfosten so einbetonieren, dass sie hinterher nicht von links nach quer stehen. Betonieren kann ich 1a, mit der Wasserwaage geduldig und wutanfallfrei umgehen nicht. Aber der nötige Abstand hilft in solchen Situationen. Samstag hieß es dann chillen mit dem besten Ehemann und der besten Freundin von allen, sodass ich heute in exzellenter Schreiblaune bin. Månegarm veröffentlichten vor kurzem ihr neues Album „Ynglingaättens Öde“ (Das Schicksal der Ynglingasippe) und da müssen einfach ein paar Worte dazu gesagt werden. Ich persönlich liebe ja den für Månegarm typischen Mix aus Blackmetal, Folk- und Paganelementen heiß und innig. Die Schweden verstehen es, mit ihrer Musik Geschichten zu erzählen – und zwar extrem bunt und lebendig. Auf „Ynglingaättens Öde“ nehmen sich Månegarm das alte nordische Gedicht „Ynglingatal“ vor, das von der Geschichte, den Herrschern, Königen und natürlich auch den Schlachten der Ynglingadynastie aus der Gegend von Uppsala berichtet.

Der Auftakt könnte kaum fulminanter ausfallen. Mit „Freyrs blod“ nageln Månegarm dem geneigten Hörer ein 10-minütiges Brett vor die Birne, das es in sich hat und keine Fragen offen lässt. Der Song eröffnet mit schönster Blackmetalraserei inklusive wildem Tremolopicking, Blastbeats und wüstem Gekeife. Also back to the roots? Nicht wirklich. Nur in Anklängen. Der eingängige Refrain, die bildschönen melodischen Gitarrenparts, die ruhigen, cleanen Momente mit Violine und Klargesang, das sich andeutende Schunkelgefühl und die furios melancholischen Fiedelmomente brechen mit dem oldschool Gefühl, das sich breit machen will. Der Song sagt eindeutig aus: Wir sind wieder da! „Ulvhjärtat“ verbindet fast schon beschwingte, akustische Leichtigkeit mit einem prägnanten Riff, einer märchenhaft schönen Gitarrenmelodie und mitunter schon fast krächzenden Growls. Ja, Melodien, die ins Ohr gehen, können Månegarm. Das beweisen sie auch mit „Adils fall“. Es ist majestätisch, der Gesang wuchtig und nachdrücklich. Er prägt den Song mit seiner Geschichtenerzählermanier (oder Geschichtengrowler?) entscheidend und verleiht ihm einen ganz eigenen Charakter. Definitiv ein Highlight des Albums ist das balladeske „En snara av guld“. Der Song ist von einer anrührenden Zartheit, zu welcher der Gesang von Sänger Erik Grawsiös Tochter Lea Grawsiö Lindström maßgeblich beiträgt. Ihre elfenhafte Stimme harmoniert mal perfekt mit Erik Grawsiös klarem Gesang, mal steht sie in reizvollem, spannungsgeladenem Kontrast zu dessen Rauheit. „Stridsgalten“ erzählt die Geschichte einer Schlacht zu Ehren Odins. Ein eingängiger, folkig groovender Stampfer, der absolut Spaß macht.  Ein Violinenriff, das sich festfräst. Dazu noch die Unterstützung durch die Kollegen Jonne Järvelä (Korpiklaani), Robse Dahn (Equilibrium) und Pär Hulkoff (Raubtier/Hulkoff). Und ja – scheißegal, wie die restlichen Songs ausfallen. Die Maultrommel feiert hier ihr furioses Comeback. Im Gegensatz zur Feierstimmung von „Stridsgalten“ steht das bedrohliche und düstere „Auns söner“. Eine blackmetallische Midtempo Nummer mit lauerndem Gitarrenriff, welches die Geige gekonnt aufnimmt. Noch schwärzer wird es mit „Vitta vettr“. Der melodische, cleane Beginn täuscht kurz an, bevor ein wahrer blastbeatiger, fieser, harter Aggressionsausbruch folgt. Der eingängige Refrain durchbricht das Ganze aber immer wieder. Den märchenhaft schönen akustischen Abschluss liefert dann „Hågkomst av ett liv“. Der Song ist zart, zerbrechlich, wehmütig, die Violine singt geradezu. Die Gitarrenarrangements sind göttlich. Die Hauptrolle spielt allerdings der umwerfende Leadgesang von Ellinor Videfors. Dazu kommt Erik Grawsiös Klargesang und einige Passagen im Duett. Hach. Seufz. Gelungener Abschluss für ein Album, das umhaut.

Nachdem Månegarm sich auf dem letzten Album „Fornaldarsagor“ wieder etwas mehr ihren schwarzmetallischen Wurzeln angenähert hatten, bleiben diese auf „Ynglingaättens Öde“ auch weiterhin stark präsent. Doch das Album ist wieder folkiger und etwas verspielter. Violine, schunkelnde Melodien, vielstimmige Chöre, eingängige Mitsingrefrains und meine geschätzte Maultrommel sorgen für das  Ambiente. Genau im richtigen Maß, wage ich zu behaupten. Gesanglich legt Erik Grawsiö noch eine Schippe drauf. Seine Stimme ist unheimlich wandelbar und trägt mit ihrem klaren Klang, den heftigen Growls und dem wüsten Krächzen sehr zum Charakter des Albums bei. Hören!

Napalm Records auf YouTube

English Version

Last Friday was home improvement day. The challenge: concrete four posts in such a way that they don’t end up crossing from left to right. I can concrete perfectly but not use the spirit level patiently and without tantrums. But the necessary distance helps in such situations. Saturday was chilling out with the best husband and best friend of all, so today I’m in an excellent writing mood. Månegarm recently released their new album „Ynglingaättens Öde“ (The Fate of the Ynglinga Clan) and a few words have to be said about it. I personally love the mix of black metal, folk and pagan elements that is so typical for Månegarm. The Swedes know how to tell stories with their music – extremely colorful and lively. On „Ynglingaättens Öde“ Månegarm take on the old Norse poem „Ynglingatal“, which tells of the history, rulers, kings and of course the battles of the Yngling Dynasty from the Uppsala area.

The start could hardly be more brilliant. With „Freyrs blod“ Månegarm nail a 10-minute hammer in front of the listener’s head, which has it all and leaves no questions unanswered. The song opens with the most beautiful black metal frenzy including wild tremolo picking, blast beats and wild nagging. So back to the roots? Not really. Only hints. The catchy chorus, the beautiful melodic guitar parts, the quiet, clean moments with violin and clear vocals, the hint of swaying and the furiously melancholic fiddle moments break with the old school feeling that wants to spread. The song clearly says: We’re back! „Ulvhjärtat“ combines almost exhilarating, acoustic lightness with a concise riff, a fabulously beautiful guitar melody and sometimes almost croaking growls. Yes, catchy tunes is something Månegarm really master. They prove that again with „Adils fall“. It’s majestic, the vocals powerful and emphatic. They decisively shape the song with their storytelling manner (or story growler?) and give it its very own character. Definitely a highlight of the album is the balladesk „En snara av guld“. The song has a touching tenderness, to which the singing of singer Erik Grawsiö’s daughter Lea Grawsiö Lindström contributes significantly. Her elfin voice sometimes harmonizes perfectly with Erik Grawsiö’s clear vocals, sometimes it stands in charming, tense contrast to its roughness. „Stridsgalten“ tells the story of a battle in honor of Odin. A catchy, folky grooving pounder that’s a lot of fun. A violin riff that gets stuck in your ear. Add to that the support of colleagues Jonne Järvelä (Korpiklaani), Robse Dahn (Equilibrium) and Pär Hulkoff (Predator/Hulkoff). And yes – I don’t give a fuck how the rest of the songs turn out. The jaw’s harp celebrates its furious comeback here. In contrast to the festive mood of „Stridsgalten“ is the menacing and somber „Auns söner“. A black metallic mid-tempo song with a lurking guitar riff which the violin skilfully picks up. It gets even blacker with „Vitta vettr“. The melodic, clean beginning is deceptive for a moment, before a real blast-beat, mean, hard outburst of aggression follows. The catchy chorus breaks through the whole thing again and again. „Hågkomst av ett liv“ delivers the magically beautiful, acoustic conclusion. The song is tender, fragile, wistful, the violin almost sings. The guitar arrangements are divine. The main role, however, play the stunning lead vocals of Ellinor Videfors. There are also Erik Grawsiös clear vocals and a few passages in a duet. Uh. Sigh. Successful conclusion for an album that blows your mind.

After Månegarm got closer to their Black Metal roots on their last album „Fornaldarsagor“, they remain strongly present on „Ynglingaättens Öde“. But the album is folkier again and a bit more playful. Violin, swaying melodies, polyphonic choirs, catchy sing-along refrains and my treasured jaw harp provide the ambience. Just the right amount, I daresay. Vocally, Erik Grawsiö turns up even more. His voice is incredibly changeable and with its clear sound, the heavy growls and the wild croaking it contributes a lot to the character of the album. Listen!


Tracks:

1. Freyrs blod
2. Ulvhjärtat
3. Adils fall
4. En snara av guld
5. Stridsgalten
6. Auns söner
7. Vitta vettr
8. Hågkomst av ett liv
9. The Wolfheart (English version of „Ulvhjärtat“)

Band:

Erik Grawsiö – Gesang, Bass
Markus Andé – Gitarre
Jakob Hallegren – Schlagzeug

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