Power, Energie und erfrischende Aggressivität – „Diabolical World“ von Diabolical Mental  State

Thrash Metal/ Groove Metal
Veröffentlicht: 13.09.2019
Selbstveröffentlichung
https://www.facebook.com/diabolicalmentalstate


logoSei Wasser! Diese hilfreiche Empfehlung bekommen wir auf dem Debütalbum „Diabolical World“ von Diabolical Mental State. Eigentlich gab uns einst Bruce Lee diesen philosphischen Rat, aber die portugiesischen Thrash Metaller greifen ihn wieder auf und verpacken ihn in ein ansprechendes, musikalisches Gewand, wie wir gleich noch hören werden. Wenn damit nun gemeint ist „Fühl dich wie ein Schluck Wasser in der Kurve!“, habe ich heute Meisterschaft erlangt. Doch ich habe so das vage Gefühl, dass es darum nicht geht. Nur ganz vage. Deshalb lege ich die Phiolosophie einstweilen beiseite und widme mich lieber „Diabolical World“. Nach der EP „Basic Social Control“ von 2014 ist es das erste Album in voller Länge und es präsentiert uns 10 Songs.

Den Anfang macht ein instrumentales Intro, dominiert von dramatischen, düster dräuenden Akustikgitarren. Sehr stimmungsvoll. Danach ziehen die Portugiesen das Tempo aber an und lösen es auch kaum noch. Kopf und Nacken grooven sich schnell ein und bangen quasi durch. So erwartet man das von einem guten Thrash Metal Album. Allerdings bieten Diabolical Mental State mehr als verstaubten Old School Thrash. „The Town“ zum Beispiel ist unheimlich luftig und groovig. Auch „Home Invasion“ startet mit einem coolen Bassintro, das ordentlich groovt. Weitere Zutaten des unwiderstehlichen Sounds von Diabolical Mental State sind die Gitarrensoli, die das Herz vor Freude in die Hände klatschen lassen. Zu hören in „Home Invasion“ oder „Anger Within“. „Home Invasion“ entwickelt mit seinen doppelläufigen Leads ein bisschen Battle-Charakter, was wiederum den sozialkritischen Text unterstreicht. Auch João Saraivas Schreigesang und die gesprochenen Passagen, die in jedem Song  auftauchen, untermalen den sozialkritischen Anstrich.

Power und Aggressivität verströmt das zackige Hardcore- und Djentriffing wie in „Jungle“, „Dark Days“ oder „Anger Within“. Überhaupt. „Anger Within“. Großartig. Es beginnt mit einer gesprochenen Anklage, rifft sich dann djentig voran, wartet mit einem cleanen Zwischenpart auf, um schließlich ein packendes Solo rauszuschleudern, sich wandmäßig aufzubauen und dann völlig auszurasten. Wohooo kann ich da nur sagen! Hab Schweißflecke unter den Armen vor Begeisterung. Mein zweites Highlight auf „Diabolical World“ heißt „Children Of The Tides“. Ganz überraschend beginnt der Song mit Ozeanrauschen. Es folgt ein nettes und nachdrücklich wiederholtes „This is for you motherfuckers!“ Dann grummelt der Bass mitreißend los, das Gitarrenriff peitscht rein, das Gitarrensolo lässt dich begeistert nicken. Es folgt das gesprochene Zitat von Bruce Lee mit dem Wasser und den Flaschen. Pause. Grad als du denkst, die Boxen sind kaputt, geht es weiter mit einem cleanen Gitarren- und Trommelpart mit leichtem Ethno Feeling.

Das Debüt ist sowas von geglückt, würde ich sagen! „Diabolical World“ bietet hochqualitativen Nackenbrecherthrash. Gleichzeitig offeriert das Album aber so viel mehr! Melodische Leads, groovige und djentige Riffs. Trotzig und wütend herausgeschriene, kritische Texte. Power, Energie und eine erfrischende Aggressivität, die in reizvollem Gegensatz stehen zu dem ein oder anderen leisen Moment.

YouTube Channel von Diabolical Mental State


1. Intro
2. The Town
3. Home Invasion
4. Jungle
5. Elements of War
6. Dark Days
7. Anger Within
8. Children of the Tides

Band:
João Saraiva – Gesang
Pedro Isaac Ribeiro – Gitarre
Ricardo „Apache“ Neto – Bass
Gonçalo Assunção – Gitarre
Rafael Santos – Schlagzeug

Grandioser Auftakt. Reader Of The Runes – Divination von  Elvenking.

Folk Metal/Power Metal
Veröffentlicht: 30.08.2019
AFM Records
http://www.elvenking.net/


Huch, schon wieder zwei Jahre um. Nicht ganz, aber fast. Potztausend. Die Ankündigung des neuen Elvenking Albums „Reader Of The Runes – Divination“ traf mich einigermaßen unvorbereitet. Jetzt bin ich aber wieder in der Spur und ich sage mal, ihr dürft euch auf ein grandioses Album freuen. Wie immer hatte ich etwas Bauchweh, wegen der kurzen Zeit, die zwischen „Secrets Of The Magick Grimoire“ und „Reader Of The Runes – Divination“ liegt, aber das löste sich schnell in Luft auf. Dazu gleich mehr. Das neue Album bildet jedenfalls den Auftakt zu einer mehrere Alben umfassenden Reihe. Erzählt wird eine Geschichte, die in einer völlig eigenen Welt spielt. Das zehnte Album der italienischen Folk und Power Metaller ist also ein Konzeptalbum und macht neugierig darauf, wie die Sache weitergeht.

„Reader Of The Runes – Divination“ startet mit einem netten kleinen, folkigen „Ahaha, Trommel-Violine Intro“ namens „Perthro“, das den Hörer gleich abholt und in die musikalische Welt von Elvenking mitnimmt. „Divination“ und „Silverseal“ wurden schon im Vorfeld veröffentlicht. Vor allem „Divination“ entpuppt sich als Ohrwurm mit elvenkingtypischen Qualitäten: gefällige Melodie, eingängiger Mitsingrefrain, wunderschöne Gitarren- und Violinenparts. Der Song enthält genau den Mix aus Folk und Power Metal, der die Band ausmacht. „Silverseal“ schlägt in eine ähnliche Kerbe, ist aber ein wenig harscher und Damnas stimmliche Varianz blitzt hier zum ersten Mal auf. Außerdem gibt’s noch ein tolles Violinensolo. In „The Misfortune Of Virtue“ legt er da noch eine Schippe drauf. Halb gesungen, halb gesprochen. Auch Tempo und Härtegrad legen zu. Piano, Drums, Gitarren und Bass erzeugen leicht chaotische Soundwände, die einen einlullen, so dass man manchmal nicht mehr richtig weiß, wo man sich befindet. Auch die Tempowechsel sind sehr effektvoll und stimmig.

Dann wird es etwas sanfter. Das folkige „Eternal Eleanor“ schlendert tempomäßig so dahin, ist aber trotzdem sehr kraftvoll. Der Song lebt vom Spiel zwischen akustischer Gitarre und Violine, seiner träumerischen Melodie und dem Wechsel zwischen einer weiblichen und Damnas Stimme. „Diamonds In The Night“ zeigt wieder eine andere Facette der Italiener. Interludemäßig, mit akustischer Gitarre, gesungene und geflüsterte Worte. Wirklich sehr atmosphärisch. Und damit haben wir noch längst nicht alle Facetten dieses Diamanten betrachtet. „Malefica Doctrine“ sticht definitiv hervor, denn es ist ein ordentliches Brett. Der Song zieht das Tempo mächtig an. Blastbeats hageln uns um die Ohren, Growls und Gitarren erzeugen Death Metal Feeling, epische Chöre, Orgel, hallige Gitarren und Glockengeläut am Ende sorgen für eine gehörige Portion Epik. „Reader Of The Runes – Book I“ packt dann nochmal alles, was die Musik von Elvenking ausmacht, gekonnt in einen Song. Ein epischer Hammer-Rauswerfer der Extraklasse. Schon der Einstieg ist furios und wuchtig. Natürlich dürfen die erhabenen Chöre nicht fehlen. Eine traumhafte Violinenmelodie, ein eingängiger Chorus der zum Mitsingen anregt. Ein akustischer Break, zum Träumen schön. Dann baut der Song Druck auf, es wird gitarrentechnisch schwarzmetallisch und temporeich bevor er sanft mit einem Piano ausklingt.

Man kann es manchmal kaum fassen, aber Elvenking steigern sich mit „Reader Of The Runes – Divination“ noch einmal. Das Songwriting ist ausgefeilt und überzeugend. Das Album bombardiert einen geradezu mit eingängigen, schönen, träumerischen Melodien, die sich ohne Probleme zwischen schwere, harte Riffs einfügen. Nicht nur das, sie ergeben ein stimmiges Ganzes. Auch das Spiel mit progressiven Elementen gelingt den italienischen Folk und Powermetallern hervorragend. Violine und Gitarren und die wunderbare Gitarrensoli machen den Sound von Elvenking markant und rund. Damnas Stimme ist variabel und zeigt verschiedene Facetten, welche die Songs atmosphärisch und kurzweilig gestalten. Atmosphäre ist ohnehin das Stichwort. Elvenking schaffen es einmal mehr den Hörer in eine andere Welt mitzunehmen und ihn alles um sich herum vergessen zu lassen. Selbst den rasenmähenden Nachbarn oder den hektisch klingelnden Paketboten. „Reader Of The Runes – Divination“ spielt mit Gegensätzen und das macht den Reiz des Albums aus. Es ist mystisch, märchenhaft, auf eine schöne Art kitschig, manchmal auf liebenswerte Art chaotisch. Gleichzeitig kraftvoll, manchmal aggressiv und meistens episch. Kurz: unglaublich facettenreich. Fallen mir noch mehr Adjektive ein? Durchaus, aber ich bin jetzt durch.

YouTube Channel von AFM Records


Tracks:
1. Perthro
2. Heathen Divine
3. Divination
4. Silverseal
5. The Misfortune Of Virtue
6. Eternal Eleanor
7. Diamonds In The Night
8. Under The Sign Of A Black Star
9. Malefica Doctrine
10. Sic Semper Tyrannis
11. Warden Of The Bane
12. Reader Of The Runes – Book I

Band:
Damna – Gesang
Aydan – Gitarre
Rafahel – Gitarre
Jakob – Bass
Lancs – Schlagzeug
Lethien – Violine

Worldwired Tour 2019. Metallica, ihre Family und so much love in   München.

Metallica, München 2019

Metallica, München 2019

23. August 2019. Ich sitze auf meinem Sitz im Münchner Olympiastadion und bin aufgeregt. Wenn ich mir die Nägel nicht so dermaßen kurz geschnitten hätte, würde ich sie mir vermutlich tatsächlich abknabbern. Nur noch wenige Minuten, dann würden sie die Bühne entern: Metallica. DIE Metalband auf diesem Planeten – und wenn man den Gerüchten trauen kann – auch bald auf dem Mond. Geliebt und umjubelt. Oft auch verspottet und belächelt. So oder so. Man kommt nicht um Metallica herum. Und was haben die Jungs für Songs geschrieben… Der Weg auf diesen Sitz im Olympiastadion war allerdings eine Geduldsprobe.

Vom Hotel aus mit den Öffentlichen fahren oder mit dem Auto. Das war die entscheidende Frage an diesem Freitag. Da die Rückfahrt mit den Öffentlichen nachts zurück zum Hotel allerdings ein wenig in den Sternen stand, haben wir uns für das Auto entschieden in vollem Bewusstsein, dass wir es bereuen würden. Wir brauchten dann auch für die sonst 10- minütige Fahrt vom Hotel zum Parkhaus geschlagene 1 1/2 Stunden im Münchner Berufsverkehr. So mancher musste im Stau sein Auto an den Straßenrand parken, um sich in die Büsche zu schlagen. Dramatische Szenen spielten sich ab… Sobald das Auto aber endlich geparkt war, wurde es einfacher. Man musste nur dem Menschenstrom folgen.

Dann saßen wir also endlich auf unseren Plätzen. Ghost spielten noch, konnten uns jetzt aber nicht so richtig mitreißen. Teilweise wirkte es eher so, als würde Sänger Tobias Forge mit seinen Ansagen das Publikum ein wenig peinlich berühren. Dafür war das Unterhaltungsprogramm in der Umbaupause zwischen Ghost und Metallica – nun ja – ziemlich speziell. Drei Herren fanden es eine ziemlich dufte Idee in angetrunkenem Zustand an einen Zaun zu pinkeln. Also so, dass unsere Hälfte des Stadions wirklich live mit dabei war. Von einem erhabenen Moment steuerte das bunte Programm schon auf den nächsten zu: „The Ecstasy of Gold“ begann zu spielen und man wusste, gleich sind se da. Ich muss ehrlich sagen, dieses Gefühl, wenn diese Melodie anfängt und knapp 70000 Menschen mitfiebern ist unbeschreiblich. Zumindest bis zu dem Moment, an dem mein Nebensitzer 2 Töne daneben und völlig out of tune anfing mitzugrölen. Das raubte dem Augenblick schon ein wenig von seinem Glanz.

Metallica, München 2019

Metallica, München 2019

Metallica starteten mit „Hardwired“. Drei weitere Songs vom aktuellen Album sollten im Lauf des Abends noch folgen: „Here Comes Revenge“, „Moth Into The Flame und „Spit Out The Bone“. Ansonsten hielten sich die Herren fast peinlich genau an die Liste mit Liedwünschen, die ich ihnen im Vorfeld hab zukommen lassen. Von den ersten beiden Platten spielten sie „Ride The Lightning“, „Creeping Death“ und „For Whom The Bell Tolls“. Natürlich mit der üblichen kleinen „Showeinlage“ beim Intro bei der sich Rob und Kirk im Tiefgang auf der Bühne jagen. Mit „Seek And Destroy“ brachten Metallica das Stadion zum Ende des Konzerts zum Beben. Letzter Song vor der Zugabe. Glückwunsch zu der Auswahl. Es ist einfach so geil, wenn knapp 70000 Menschen den Refrain herausbrüllen. Gänsehaut. Ein gutes Händchen für die Songauswahl bewiesen Metallica außerdem mit „Harvester Of Sorrow“ – ich liebe das Intro, total energiegeladen und Kirk mit wehenden Locken – „Sad But True“ und „Master Of Puppets“. Mit „The Memory Remains“ und „The Unforgiven“ gab es auch noch zwei ruhigere Momente. Mutig spielten Metallica sogar „Frantic“ vom von fast allen geliebten Album „St. Anger“. Allerdings kam der Song wegen der fehlenden Drum-Mülltonne nicht so authentisch rüber. Das wär mal was gewesen… Aber Hetfields Kermit der Frosch Stimme an manchen Stellen war wiederum sehr erheiternd. Und irgendwie hatte man ständig „I`m searching for donuts im Ohr“. Komisch. „Frantic“ machten Metallica aber mit einer netten Überraschung wieder wett. Sie spielten doch tatsächlich „The Call Of Ktulu“. Darauf hatte ich nicht in meinen kühnsten Träumen zu hoffen gewagt. Ein unheimlich wunderbarer Moment, in dem man sich einfach zurücklehnen und genießen konnte. Sogar ungestört von meinem Nachbarn, der sonst Refrains und Gitarrensoli mit seiner untalentierten Stimme mitzusingen pflegte. Danach legten die Herren Rob und Kirk ihre Version von „Schickeria“ aufs Parkett. Gut – außer dem Wort „Schickeria“ verstand man zwar nichts, aber es war ganz witzig und charmant und riss sogar die Herrschaften von ihren Sitzen, die bisher mit starrer Miene dort festgepinnt waren. Mein nächstes Highlight des Abends war natürlich „One“. Zusammen mit der Animation auf den Leinwänden im Hintergrund, den Lasern und den „Feuerexplosionen“ kreierten Metallica, einen unvergesslichen Gänsehautmoment.

Metallica, München 2019

Metallica, München 2019

Eher gegen Ende des Konzerts wechselten Metallica gemeinsam auf den Ausleger der Bühne mitten ins Publikum. Dort fuhr ein zweites Schlagzeug aus dem Boden – ja ja, Show und Revue haben sie halt drauf. Rob spielte außerdem ein Basssolo, das sehr viel Spaß machte – und ein bisschen wehmütig, wurde es doch hinterlegt mit Bildern von Cliff. Auch Kirk, seine unzähligen coolen Gitarren und sein Wahwahpedal gaben alles. Er legte bei der Zugabe noch ein kleines Solo hin und es nötigt einem schon Respekt ab, wenn man sieht, was er trotz seines bewegten Lebens immer noch so raushaut. James war ebenfalls gut drauf. Er beschwor zu jeder Gelegenheit die „Metallica Family“ und schwärmte von der Liebe, welche ihm vom Publikum entgegenschlug. Ein wenig protzte er auch mit seinen Gitarren („Ah, I’ve got so many cool guitars“). Und als einige Leute gegen Ende des Konzerts, aber noch vor der Zugabe, anfingen, das Stadion zu verlassen, hakte er nach: „Why do you have to leave so early?“ Er versicherte dann, das würde zu Hause schon alles klar gehen, wenn die Leute sagen würden, James hätte ihnen erlaubt, noch zu bleiben. Aber da kennt er eben den Deutschen schlecht, der schnell zu seinem Auto muss, bevor der ganze Rest auch ausparken will. James jedenfalls ließ sich davon nicht beeindrucken. „Da wir das ganze Equipment jetzt schon aufgebaut haben, spielen wir einfach noch was.“ Als Zugabe spielten Metallica dann „Spit Out The Bone“, „Nothing Else Matters“ und zum krönenden Abschluss „Enter Sandman“. Ein kleines Feuerwerk wurde am Ende außerdem noch geboten. Geiles Konzert, geile Setlist, geile Stimmung. Metallica haben es nach all den Jahren live absolut immer noch drauf. Ich laufe jedenfalls immer noch mit einem fetten Grinsen herum.

 

Neues von One Past   Zero

Jüngst erreichte mich neues Promomaterial von der Ulmer Band One Past Zero verbunden mit den neuesten Neuigkeiten. Da mache ich mich doch gleich auf, die frohe Botschaft unter das Metal Volk zu bringen. Im September wird die neue EP „Perpetual Creeping Horror“ von One Past Zero auf den Markt kommen. Ich bin jetzt schon ganz hibbelisch, was für Perlen die Band da auspacken wird, steht sie doch bisher für einen ganz und gar unkonventionellen Mix aus schrammeligem, krawalligem Stoner Rock/Metal, Doom, Sludge mit einem gehörigen Schuss Ozzy Osbourne und einer Prise Punk. Der Song „Corpse Grinder“ auf der Promo 19 CD beweist, dass Death Metal und ein paar deftige Growls ebenfalls hervorragend in den Sound von One Past Zero passen. Die Grundstimmung der Songs ist rundweg herrlich düster und creepy. Die Band lässt sich in keine Schublade pressen und das macht die Songs so irre, faszinierend und eigen. Der September wird großartig.

YouTube Channel von rebejr1

Liebe auf das erste Riff. „Alruna“ von Mammoth Storm

Doom Metal / Stoner Metal
Veröffentlicht: 28.06.2019
Argonauta Records
https://www.facebook.com/MammothStorm
https://mammothstorm.bandcamp.com/


Es ist das Album, auf das ich schon das ganze Jahr sehnsüchtig warte. Heute ist „Alruna“ von Mammoth Storm endlich da. Fünf brandneue Songs. Wohoo! Das erste Mal sind mir die schwedischen Doom Metaller als Vorband bei einem Ahab Konzert begegnet. Es war mein erstes Doom Metal Konzert und ich war ein wenig skeptisch, denn ich bin ein eher hibbeliger Mensch, mehr so der Typ Speed Metal, und ich hatte Sorge, ob ich die nötige Geduld für Doom aufbringen kann. Inzwischen habe ich die entspannende, meditative Wirkung des Doom allerdings zu schätzen gelernt. Mein Gitarrenspieltempo verhält sich übrigens seltsamerweise eher diametral dazu. Aber ich schweife ab. Mammoth Storm überzeugten jedenfalls mit ihrem Auftritt und ich kaufte mir das erste Album Fornjot (2015). Der Hammer. Nun legen die Schweden nach und ick freu mir so. Der Titel des Albums „Alruna“, also Alraune, klingt schon vielversprechend, ranken sich doch um diese Pflanze jede Menge Mythen, Geheimnisse und Aberglauben.

Der Opener „Giants“ eröffnet gleich damit, wofür Mammoth Storm bekannt sind: einem Mörderriff. Liebe auf das erste Riff. Ein absoluter Herzschlagbeschleuniger, trotz des doomtypisch gemächlichen Tempos. Der Kopf wippt sofort mit. Schwer, tief, rhythmisch einlullend und gemütlich umgarnt das Riff die Gedanken und bringt einen dazu völlig loszulassen. Eine Melodie ergänzt dieses schließlich perfekt. Sie umspielen sich, belauern sich. Gegen Ende bringen die stampfenden Drums noch einmal alles zum Vibrieren. Wohooo! Mehr als gelungener Auftakt.

„Alruna“, der Titeltrack, kommt hypnotisch, psychedelisch und sehr düster daher. Wie überhaupt das gesamte Album einen intensiv düsteren Charakter hat. Es liegt eine unterschwellige Bedrohung in dem Song, die immer wieder hervorbricht. Dafür sorgt unter anderem Daniel Arvidsson durch seinen Gesang, der irgendwo zwischen Schreien, Singen und Sprechgesang liegt. „Alruna“ soll laut Mammoth Storm wie der Rausch sein, den die Alraune hervorruft. Unwirklich, täuschend, giftig. „Shores Of The Dead“ wirkt auf mich noch ein wenig schwerer, wuchtiger und bedrohlicher als „Alruna“. Vor allem die intensiven, unter die Haut gehenden, bösen, tiefen Growls stechen heraus und unterbrechen den hypnotischen Flow.

„Raven Void“ ist nach dem Opener „Giants“ mein zweites Highlight des Albums. Der Song ist wie eine drohende Gewitterwolke kurz vor dem Entladen: schwer, drückend, düster. Ein Riff, das einem die Luft aus den Lungen presst. Ausgekotzte Worte voller Gift, rhythmisch packend. Eine Gitarrenpassage mit Flangersound erzeugt zwischendurch eine unwirkliche, entrückte Atmosphäre und auch melodisch ist „Raven Void“ mitreißend. „Atra Mors“ drosselt das Tempo, ja das geht tatsächlich. Der Song vereint noch einmal alles, was uns zuvor schon begegnet ist. Am besten gefällt mir der Part, in dem der Bass zu einem tiefer als tiefen Vibrieren wird. Gänsehaut.

Satte, schwere Riffs, düster, drohend und gern mal 5 bis 7 Halbtöne tiefer als der Standard. Ausgefeilte, eingängige Melodien und cleverer, wohldosierter und pointierter Einsatz von Gitarreneffekten. Rhythmisch ist alles ausgefeilt und Melodien, Drums und Riffs passen perfekt zusammen. Erdiger Drumsound, stampfend, walzend, zäh – aber nicht langweilig. Hypnotisch, psychedelisch mit Sludge und Post Metal Elementen zwischen den Doom und Stoner Walzen. Für mich war es liebe auf das erste Riff. Für euch vielleicht auch? Dringend reinhören!

YouTube Channel von Argonauta Records



Tracks:
1. Giants
2. Alruna
3. Shores of the Dead
4. Raven Void
5. Atra Mors

Band:
Daniel Arvidsson – Bass, Vocals
Christer Ström – Guitars
Emil Ahlman – Drums, Organ

Post Folk aus Tatarstan: Hunnar von Baradj

Folk Metal/Progressive Metal/Melodic Death Metal
Veröffentlicht: 19.06.2019
Eigenproduktion
facebook.com/baradjband/
https://baradj.bandcamp.com/


 

BARADJ-Hunnar-Cover-400x400Heute habe ich endlich mal wieder ein wenig Folk Metal im Gepäck. Wobei – ein wenig? Das neue Album „Hunnar“ der Band Baradj aus der russischen Provinz Tatarstan umfasst immerhin 14 Songs. Und Folk Metal? Also nur mit einer Schublade kommen wir hier bei Weitem nicht aus. Da müssen wir schon noch einige weitere Schubladen öffnen und vielleicht auch eine ganz neue Schublade zimmern. Die des Post Folk Metals, hier in der Spielart des „Tatar Ethnic Metal“, zum Beispiel. Häh? Wasndasnuwieder?

Baradj kreieren einen ganz eigenen Sound aus Elementen des Progressive Metal, Post Metal, Melodic Death Metal, Folk Metal und Ambient Elementen. Was erst einmal ein wenig viel klingt, vereint sich zu Songs, die oftmals eine sphärische Entrücktheit und Weite transportieren, wie zum Beispiel der Titeltrack „Hunnar“, „Dunay“ oder „Tengri“. Daran hat der extrem hallige Gitarrensound einen großen Anteil, der sich durch das gesamte Album zieht. Dazu kommen jede Menge melancholischer und entrückter Cleanparts, die gern mal ein Ambientfeeling entfalten. Kurioserweise habe ich mich beim Hören tatsächlich ab und zu an Ahab erinnert gefühlt, obwohl das alles eigentlich gar nicht zusammenpasst.

Songs wie „Altynchach“, „Juketaw“ oder „Bolgar Dalasy“ betonen etwas mehr den Folkaspekt, der in eine balkanische Richtung geht und durch cleanen Gesang und entsprechende Gitarrenparts transportiert wird. „Bolgar Dalasy“ birgt den Folk außerdem im Rhythmus. Insgesamt sind die Folkanteile aber eher dezent gehalten. Wer die üblichen „Ohoh“ Chöre und feuchtfröhliche Schunkelmelodien erwartet, ist hier definitiv verkehrt. Auch die zahlreichen Instrumentals wie „Khiyal-Tulu“ oder „Khiyal-Tedrehon“ – es gibt insgesamt sieben davon – tragen zur folkig-entrückten Stimmung bei. Huh – wie oft man das Wort „Folk“ in so einem Absatz doch unterbringen kann…

Bei all der sphärischen Entrücktheit gibt es auf „Hunnar“ aber auch die Songs, die einen mit Wucht und Härte wieder aus den Wolken holen. „Attila“ zieht das Tempo merklich an. Wüste Growls peitschen aus den Lautsprechern. „Juketaw“ oder „Tengri“ spielen mit dem Wechsel zwischen Growls und Cleangesang zwischen langsamen und schnellen Passagen und bringen tiefe Gitarren, aggressive Growls und hier und da ein wenig Rock und dort und da ein bisschen Death und Black Metal mit ein.

„Hunnar“ bietet einen gelungenen Mix aus verschiedenen Stilrichtungen. Baradj kreieren hier einen eigenen Sound, der natürlich auch von den speziellen folkigen Einflüssen herrührt. Ungeduldig darf man nicht sein, denn die Songs brauchen manchmal einige Augenblicke, bis sie sich entfalten. Man sollte also Zeit mitbringen und sich auf die Musik einlassen. Baradjs Post Folk hebt sich aber erfrischend ab. Daumen hoch.

Youtube Channel von Baradj


Tracks:
1. Hunnar
2. Dunay
3. Khiyal – Tulu
4. Attila
5. Khiyal – Ildico
6. Altynchach
7. Khiyal – Altynchach
8. Juketaw
9. Khiyal – Tedrehon
10. Tengri
11. Khiyal – Qubrat Khan
12. Bolgar Dalasy
13. Khiyal – Boiek Bolgar
14. Khiyal – Boygala ham

Band:
Djonathan Lindaive – Gesang, Gitarre
Anton Lisin – Schlagzeug
Aleksey Lozhenkov – Gitarre
Ruslan Latypov – Bass

Metal United World Wide 2019

Metal United World Wide wurde ins Leben gerufen von Metal-Roos und Black-Roos Entertainment. Das Projekt bringt Metal Bands und Metal Fans rund um den Globus zusammen zu einer großen Metal Party und soll das Gemeinschaftsgefühl unter Metallern auf der ganzen Welt fördern. Weitere Infos findet ihr hier: www.metal-united-world-wide.com Dieses Jahr fand das Event am 15. Juni statt. Die Band Envenomed hat dafür extra den Song „Metal United“ geschrieben. Viel Spaß beim Hören:

You Tube Channel von El Puerto Records

Alles, was das Ohr begehrt. Humanicide von Death Angel

Thrash Metal
Veröffentlicht: 31.05.19
Nuclear Blast Records
http://www.deathangel.us


15254Manchmal muss es eben Thrash sein. Natürlich greife ich da nicht zu irgendeinem Thrash Metal Geschrammle, sondern es muss schon qualitativ hochwertiger Thrash sein. Wie zum Beispiel der gute alte Bay Area Thrash, der durch viele hochkarätige Bands wie Exodus, Metallica, Megadeth oder Testament geprägt wurde – und eben auch durch Death Angel. Selbst nach mehreren Jahrzehnten des gemeinsamen Musizierens lassen die Thrasher keine Ermüdungserscheinungen erkennen. Im Gegenteil. Ende Mai veröffentlichten Death Angel ihr neuntes Album „Humanicide“. Nun haben die Jungs eigentlich nie wirklich ein schlechtes Album abgeliefert, dennoch wird ihnen hier und da vorgeworfen, sich nicht weiterzuentwickeln und nicht sehr wandelbar zu sein. Das widerlegen Death Angel mit „Humanicide“ definitiv.

Natürlich gibt es auf „Humanicide“ die Thrash Metal Brecher und Thrash Metal Hymnen, für die Death Angel bekannt sind. Gleich der Opener „Humanicide“ haut uns alles um die Ohren, was das Herz, das Ohr und der Nacken begehren: ein ziemlich klassisch gehaltenes, kraftvolles Intro mit einem Hauch von Epik, nackenbrecherisches Tempo mit Mörderriffing und ein Gitarrensolo, das einem die Tränen in die Augen treibt. Dazu kommen maschinengewehrartige Drums, kraftvolle Bassleads und ein eingängiger Chorus. Weitere Songs wie „Divine Defector“ , das mit einem Hauch von Death Metal aufwartet, „Aggressor“, das mit einem kleinen cleanen Intro Akzente setzt „Alive And Screaming“ oder „Ghost Of Me“ hauen grundsätzlich in dieselbe Kerbe und machen riesigen Spaß.

Hier und da bewegen sich Death Angel aber weg vom Brecher-Thrash. „I Came For Blood“ versprüht ein beschwingtes, punkiges Feeling, das die Laune hebt – auch wenn der Text natürlich nicht ganz so lustig ist, schon klar. „Immortal Behated“ startet mit einem gefühlvollen Gitarrenintro, das Unbehagen und ein mulmiges Gefühl auslöst. Auch die Synthesizer tragen ihren Teil zur Atmosphäre bei. Der Song wechselt dann zwischen kraftvollen und sanften Parts ohne die düstere Grundstimmung einzubüßen und endet mit einem wunderbaren Pianooutro. Die Gänsehaut bleibt. „Revelation Song“ birgt Wucht und ein stampfiges Feeling – und heieiei, gitarrentechnisch ist das großes Kino. Wie die Gitarren sich abwechseln und ergänzen macht Laune und das Solo bläst einem die Perücke weg.

Ich hoffe, ihr habt jetzt auch Bock auf guten Thrash Metal, denn den bieten Death Angel auf „Humanicide“. Die Herren klingen frisch, spritzig und kein bisschen müde. Wer auf Nackenbrechertempo, variantenreiches Thrash Metal Riffing und Maschinengewehrdrumming in bester Qualität steht und dennoch nicht auf ein wenig Abwechslung und Variantenreichtum verzichten möchte, ist hier genau richtig. Und diese Soli…

YouTube Channel von Nuclear Blast Records



Tracks:
1. Humanicide
2. Divine Defector
3. Aggressor
4. I Came For Blood
5. Immortal Behated
6. Alive And Screaming
7. The Pack
8. Ghost Of Me
9. Revelation Song
10. On Rats And Men
11. The Day I Walked Away (Bonus)

Band:
Mark Osegueda – Gesang
Rob Cavestany – Gitarre
Ted Aguilar – Gitarre
Damien Sisson – Bass
Will Carroll – Schlagzeug

Die schnelle Dröhnung: „Voidhaven“ von Voidhaven

Death Doom Metal
Veröffentlicht: 19.10.2018
Solitude Productions
http://www.voidhaven.de


VoidhavenIch liebe diese Momente, in denen ich unvermutet auf einen kleinen Schatz stoße. Sie sind einfach unbezahlbar und mit wenigen Dingen zu vergleichen. Das Herz fängt an zu pochen, du nickst anerkennend, ein Lächeln breitet sich auf deinem Gesicht aus, wird zum Strahlen. So ging es mir mit der EP „Voidhaven“ der Hamburger Death Doom Metaller Voidhaven. Klein ist der Schatz in diesem Fall nur deshalb, weil die EP lediglich zwei Songs umfasst. Warum nur zwei? Man möchte unweigerlich mehr hören. Bei mir laufen „The Floating Grave“ und „Beyond the Bounds of Sleep“ nun schon eine Weile auf Dauerschleife und ich kann mich nicht satt hören.

Den Reiz des Albums macht eine absolut Herzschlag beschleunigende Mischung aus. Melancholische Melodien von sanft klagenden, cleanen Gitarren und Sänger Simons an trauriger Verzweiflung grenzendem Cleangesang verströmen eine anrührende Fragilität. Im Gegensatz dazu wirken die unheilvollen tiefen Growls und das Krächzen auf eine gewisse Art schon fast brutal und erschütternd. Unterstützt wird die Wirkung von Jakobs massiv-düsterem Bass und tiefen, drückenden, schweren Gitarren. Ein wundervoller, reizvoller Kontrast, der tief ins Mark trifft. Das alles natürlich in doomig gemächlichem Tempo.

Beeindruckend. Anrührend. Unbedingt anhören. Der Hammer. Wirklich. Ich bin schockverliebt.

YouTube Channel von Solitude Productions: https://www.youtube.com/channel/UClwNBIBuQglLOYKz9TWXCcA


Tracks:
1. The Floating Grave
2. Beyond the Bounds of Sleep

Band:
Simon – Gitarre, Gesang
Phil – Gitarre
Marcos – Keyboards
Jakob – Bass, Gesang
Martin – Schlagzeug