Reingehört: Burn The Flags von Gutz N‘ Glory

Die richtige Botschaft zur richtigen Zeit, wie ich finde. Balsam für die Seele wenn man denkt, man ist nur noch von Idioten umgeben und möchte permanent mit dem Kopf gegen die Wand hämmern. Danke Gutz ‚N Glory aus London für diesen thrashig-punkigen Song mit punkigem Riff, punkiger Stimme und thrashig-coolem Break. (English version below)

The right message at the right time, I think. Balm for the soul when you think you are only surrounded by idiots and want to keep pounding the head against the wall. Thank you Gutz ‚N Glory from London for this thrashy-punky song with a punk riff and a thrashy-cool break.

Der Folkmetal ist gerettet! „Never to be Mourned“ von Elvenscroll

Folk Metal
Veröffentlichung: 06.11.2020
Inverse Records
https://www.facebook.com/elvenscrollofficial
https://www.instagram.com/elvenscroll
https://elvenscrollfolk.bandcamp.com


unnamed(English version below.)
Dieses Review muss ich leider mit Mimimi beginnen. Es ist momentan ja so schwer richtig geilen Folkmetal zu finden, der nicht in einem Meer aus Schunkel-Gröl-Aaaaah-Klischees ertrinkt. Der nicht von touristischer Folklore erschlagen wird. Im besten Fall wendet man sich gähnend und gelangweilt ab, im schlimmsten Fall hält man sich einfach die Ohren zu. Seufz. Aber es gibt Hoffnung. Ein Silberstreif am Horizont namens Elvenscroll. Die finnische Folkmetalband existiert zwar schon seit 2006 – seit 2016 spielen sie in der heutigen Besetzung – doch am 06.11. wird mit „Never to be Mourned“ ihre erste EP erscheinen. Ein ganzes Album ist geplant.

Elvenscroll präsentieren auf ihrer EP Folkmetal mit einem gehörigen Schuss Blackmetal sowie Pagan- und Progressiveanteilen. Klingt schon mal nach einer guten Mischung, oder? Vor allem machen die Finnen Folkmetal, der nicht völlig überkitscht, überschunkelt und überladen ist, sondern sich hauptsächlich in den kraftvollen, schönen, bezaubernden Melodien und im Rhythmus ausdrückt und ja, auch die „Aaaaaah- Chöre“ fehlen natürlich nicht. Oft übernimmt das Keyboard melodisch den Leadpart wie in „Relics“, „Return to Valhalla“ oder „Wayfarer’s Mourning“. Die Gitarren untermalen das Ganze entweder wie in „Return to Valhalla“ oder in „Wayfarer’s Mourning“. Oder sie nehmen das Riff auf, manchmal auch in abgewandelter Form und verbinden sich mit dem Keyboard wie in „Relics“ oder im weiteren Verlauf von „Wayfarer’s Mourning“. Progressiv zeigen sich Elvenscroll mit E-Orgelsound in „Return to Valhalla“ oder „Wild Hunt“. Überhaupt. „Wild Hunt“. Mein absolutes Highlight auf „Never to be Mourned“. Die Kombination aus perlendem Keyboardriff und rauen, aggressiven Gitarren ist äußerst mitreißend. Rhythmisch gesehen ist der Song sehr folkig. Gitarrentechnisch wird einiges geboten – unter anderem ein geiles Solo. Die Drums werden variabel eingesetzt. Erst agieren sie quasi im oberen Bereich bevor man dann blastbeatig und basedrumdonnermäßig weggepustet wird. Der Rhythmuswechsel sorgt für Dynamik, die sich eigentlich in allen Songs auf „Never to be Mourned“ erfrischend bemerkbar macht. Eine reine Folknummer gibt es mit „Kaiku Tulevan Sodan“ auch. Hier kommt das Cello so richtig zum Einsatz. Gechillt, bezaubernd, entrückt. Eine gewisse Entrücktheit kennzeichnet die gesamte EP. Sie wird vor allem durch den oft halligen Keyboardsound erzeugt und beamt einen zurück in vergangene Zeiten. Wunderbar. Langweilig wird es auch mit „Statue of Goddess“ nicht. Hier sticht der rhythmische Gesang heraus, der bisweilen an den Sprechgesang in altisländischer Reimform von Skálmöld erinnert.

Elvenscroll äußerten sich über „Wayfarer’s Mourning“ folgendermaßen:
“ ‚Wayfarer’s Mourning‘ is a homage to all lost souls who have suffered through the long and winding road of life and know its misfortunes. Let the power chords, choir singing and heroic melodies bring you strength to carry on this miserable journey.“ Klingt vielversprechend? Die Finnen begeistern mich mit ihrem Folkmetal auf ganzer Linie. Kraftvolle Melodien, ausgefeilte, folkige Rhythmen, Refrains mit „Aaaaah-Chören“, Growl- und Cleangesang. Ihnen gelingt es, ihre Instrumente so einzusetzen, dass sie sich perfekt ergänzen, auch wenn sie scheinbar Gegensätzliches tun. Der Folkmetal ist gerettet!

YouTube Channel von InverseRecordsFIN

Unfortunately I have to start this review with Mimimi. At the moment it is so difficult to find really great folk metal that does not drown in a sea of ​​sway-roar-aaaaah clichés. Which is not overwhelmed by tourist folklore. In the best case you turn away yawning and bored, in the worst case just cover your ears. Sigh. But there is hope. A silver lining called Elvenscroll. The Finnish folk metal band has existed since 2006 – with the current line-up since 2016 – but on November 6th. their first EP called „Never to be Mourned“ will be released. A whole album is planned.

Elvenscroll present on their EP folk metal with a good shot of black metal combined with pagan and progressive parts. Sounds like a good mix, doesn’t it? Above all, the Finns make folk metal that is not completely cheesy, overblown and overloaded, but mainly expresses itself in the powerful, beautiful, enchanting melodies and rhythm and yes, the „aaaaaah choirs“ are of course not missing either. Often the keyboard takes over the melodic lead part as in „Relics“, „Return to Valhalla“ or „Wayfarer’s Mourning“. The guitars accompany the whole thing either like in „Return to Valhalla“ or in „Wayfarer’s Mourning“. Or they pick up the riff, sometimes in a modified form, and connect to the keyboard as in „Relics“ or later in „Wayfarer’s Mourning“. Elvenscroll show themselves progressively with an electric organ sound in „Return to Valhalla“ or „Wild Hunt“. Oh yeah – „Wild Hunt“. It is my absolute highlight on „Never to be Mourned“. The combination of a sparkling keyboard riff and rough, aggressive guitars is extremely thrilling. Rhythmically speaking, the song is very folky. For guitar enthusiasts Elvenscroll offer a lot – great techniques, including a wonderful solo. The drums are very variable. First they act in the upper area before you are blown away with blast beats and thunder-like basedrums. The change in rhythm creates a dynamic that is actually refreshingly noticeable in all the songs on „Never to be Mourned“. There is also a pure folk number with „Kaiku Tulevan Sodan“. This is where the cello really comes into play. Chilled, enchanting, enraptured. A certain rapture characterizes the entire EP. It is mainly generated by the often reverberant keyboard sound and beams you back to bygone times. Wonderful. It doesn’t get boring with „Statue of Goddess“ either. The rhythmic chant stands out here, which is sometimes reminiscent of the chants in old Icelandic rhyme form by Skálmöld.

Elvenscroll’s comment on „Wayfarer’s Mourning“ was as follows:
„‚Wayfarer’s Mourning‘ is a homage to all lost souls who have suffered through the long and winding road of life and know its misfortunes. Let the power chords, choir singing and heroic melodies bring you strength to carry on this miserable journey.“ Does that sound promising? The Finns inspire me with their folk metal all along the line. Powerful melodies, sophisticated, folky rhythms, refrains with „aaaaah choirs“, growls and clean vocals. They manage to use their instruments in such a way that they complement each other perfectly, even if they seem to be doing opposing things. Folk metal is saved!


Tracks:
1. Relics
2. Return to Valhalla
3. Statue of Goddess
4. Wayfarer’s Mourning
5. Kaiku Tulevan Sodan
6. Wild Hunt

Band:
Jussi Kangasharju – Gesang
Anni Helenius – Gesang & Cello
Ismo Honkanen – Keyboards
Janne Lukki – Schlagzeug
JP Rusi – Gitarre
Janne Karppinen – Gitarre
Ville Kangasharju – Bass

Reingehört: Sapphire von Stesy

Ein paar gute Ideen für die erste After-Corona-Party 2021 sammeln? Sich mal wieder ablenken lassen? Sich mal wieder so richtig anschreien lassen? Sich das Toupet wegblasen lassen oder wahlweise selbst wegbangen? Mal wieder spontan „Whale ahead!“ ausrufen (nur für Insider!) oder einfach mal wieder knackigen Metalcore aus Österreich hören? Dann versucht es doch mal mit „Sapphire“ von Stesy aus Österreich! (English version below)

Do you want to collect some good ideas for the first after-corona party in 2021? Get distracted again? Let yourself be screamed at again? Have your toupee blown away or alternatively bang it away? Spontaneously shouting “Whale ahead!” (only for insiders!) or just listening to Metalcore from Austria again? Then give it a try with “Saphir” from Stesy in Austria!

Schwarz-bunte Raserei. „Vredesvävd“ von Finntroll.

Folk Metal
Veröffentlichung: 18.09.2020
Century Media Records
https://de-de.facebook.com/officialfinntroll/


CoverAuf dieses Album habe ich so hingefiebert. Trollies und Gentletrolle. Freunde des gepflegten trollisch-folkigen Blackmetal. Schnallt eure Spitzöhrchen um, nun ist es da: „Vredesvävd“ (etwa „aus Zorn gewoben“), das neue Album der Finnischen Folkmetaller Finntroll. Sieben lange Jahre mussten wir auf dieses siebte Album warten. Ladehemmung beim Songschreiben, mehrere Anläufe und Produktionsprobleme noch kurz vor dem zunächst geplanten Release im August sorgten für die lange Pause. Aber das Warten hat ein Ende. Genau zum richtigen Zeitpunkt. Um dem coronageplagten Metaller die Konzertzwangspause zu versüßen. Ick freu mir so. Beim ersten Hören war ich allerdings ein wenig enttäuscht. Keine konsequente Weiterentwicklung des Sounds vom Vorgänger „Blodsvept“, auf die ich so sehr gehofft hatte, weil ich dieses Album liebe. Nach mehrmaligem Hören kann ich nun sagen, von Enttäuschung keine Spur mehr, denn „Vredesvävd“ bietet etwas, das mindestens genauso geil ist.

Beim Hören der beiden folgenden Songs „Att Döda Med En Sten“ und „Ormfolk“ stellt sich zunächst ein Gedanke ein: typisch Finntroll. Atemberaubendes Tempo dem kaum ein Nacken folgen kann, Blastbeats und treibende Drums, die einem nur so um die Ohren fliegen, mitreißend melodische Keyboards und epische Orchestrierung, garstiges Gekrächze, Humppa Feeling und folkige Parts mit einem gehörigen Schuss Aggressivität. Auch „Mask“ und „Myren“, das in einer herrlichen, blindwütigen Raserei endet, reihen sich hier ein. Also ein klares Zurück zu den alten Wurzeln? Schließlich erinnern die Songs vom Stil her sehr an ihre Vorgänger auf den Alben „Jaktens Tid“ oder „Ur Jordens Djup“ aus den 2000er Jahren. Allerdings mit einem deutlich düstereren, will sagen schwärzeren Anstrich. Ein klares 90er Jahre Schwarz. Also ein klares Jein.

Das Intro „Väktaren“ ist eines, das seinen Namen im wahrsten Sinn des Wortes verdient, denn es bietet einen Ausblick auf das gesamte Album. Es kündigt eine Reise an. Cineastisch, melodisch, mal zart, mal energisch, mal düster und aggressiv. Und eine Reise soll dieses Album laut Sänger Vreth sein. Eine spirituelle – teils schamanistische Reise – die in den alten Mythen Finnlands und seinen verwunschenen Wesen ankert.

„Vid Häxans Härd“ bildet für mich das Bindeglied zwischen alten, schwarzmetallischen Wurzeln und „Blodsvept“, hängt also noch irgendwo dazwischen. „Stjärnors Mjöd“ schließt an Songs auf Blodsvept an. Die Melodie rück stärker in den Hintergrund. Der Rhythmus trägt das Ganze. Besonders der stark rhythmische, giftige und experimentelle Growlpart gegen Ende des Songs macht extrem Spaß. Auch „Ylaren“ gewinnt seine Kraft über den Rhythmus. Schwer und schleppend. Erhaben. Majestätisch. Dazwischen wird’s garstig und es endet in Raserei. Und: Yeah, Maultrommel. Definitiv ein Lieblingssong.

Dieses Prädikat bekommen auch „Gränars Väg“ und „Forsen“. Ersterer Song überzeugt durch den gelungenen Kontrast zwischen ruckartig, abgehackten Gesangsparts, verstärkt durch die Gitarren und den dynamischen, fließenden melodischen Passagen. Der folkige Charakter wird durch Oh-Chöre unterstrichen. „Forsen“ hingegen nimmt das Tempo zurück. Die Gitarre intoniert ein drückendes, stampfendes, düsteres Riff, schwermütig untermalt vom Keyboard. Meinem Motto „We need more Maultrommel“ wurde hier ansatzweise Genüge getan. Auch der melodische Fidelpart wirkt melancholisch. Wie Sänger Vreth die Lyrics auskotzt erzeugt Gänsehaut. Und über allem liegt irgendwie ein Hauch Moonsorrow.

Das Warten hat sich sowas von gelohnt. Finntroll hauen mit „Vredesvävd“ ein Folkmetalbrett raus, das zu den frühen Blackmetalwurzeln zurückkehrt und gleichzeitig neuere, experimentellere Strömungen von „Blodsvept“ einbindet. Das Album ist wütend, harsch und garstig heavy und doch folkig und nicht unmelodiös. Die Songs gehen quasi übergangslos ineinander über. Das Album wirkt wie aus einem Guss und verbindet doch völlig unterschiedliche Lieder zu einem bunten, schwarzmetallischen, wahnsinnigen Film.

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Tracks:

  1. Väktaren
  2. Att Döda Med En Sten
  3. Ormfolk
  4. Gränars Väg
  5. Forsen
  6. Vid Häxans Härd
  7. Myren
  8. Stjärnors Mjöd
  9. Mask
  10. Ylaren
  11. Outro

Band:

Trollhorn – Keyboard, Orchestration, Gitarre, Banjo, Maultrommel
Tundra – Bass
Skrymer – Gitarre
Routa – Gitarre
Vreth – Gesang
Virta – Keyboard
MörkÖ – Schlagzeug

Melodic Death Metal 2.0 – Tales of the White Eye von Limos

Melodic Death Metal
Veröffentlicht: 03.07.2020
Inverse Records
https://www.facebook.com/LimosBand
https://limos.bandcamp.com


limos-tales-of-the-white-eye-coverEndlich habe ich mich aus den schrecklichen Abgründen des Didgeridoo-Metal befreit, der mich über Wochen in seinen hässlichen Klauen gefangen hielt. Ja, es liegt musikalisch eine echt harte Zeit hinter mir – und das ist durchaus nicht positiv gemeint. Erst ein melodischer Lichtstrahl aus den finnischen Wäldern Kainuus konnte mich befreien. Die finnischen Melodic Death Metaller Limos veröffentlichten am 3.7. ihre zweite EP „Tales of the White Eye“ und sie haben sich das Ziel gesteckt, die nächste Generation finnischer Melodic Death Metaller mitzuprägen. Ob ihnen das gelingt? Das Cover ist jedenfalls schonmal sehr ansprechend.

„Altars“ ist der erste Song der EP und er zog mich sofort und unweigerlich in seinen Bann. Glasklarer, messerscharfer Gitarrensound und präzises Drumming lassen einen beglückt nicken. Es ist einfach herrlich wie die Leadgitarre sich locker-flockig das Griffbrett hoch- und runterschraubt. Die Melodie nimmt einen sofort mit und geht absolut ins Ohr. Raue, grimmige Growls und hämmernde Blastbeats bilden einen reizvollen Kontrast. Und das Spiel mit den Variationen des Hauptriffs durch Rhythmik macht absolut Spaß. „Rise to Arms“ ist wuchtiger und drückender. Der Refrain  eingängig und mitsingtauglich, die Growls ziemlich fies. Es gefällt mir, wie ein drückender, schwerer Unterbau durch Drums und Rhythmusgitarre eine perfekte Liaison eingehen mit der leichten und melodischen Leadgitarre.

Als ich „Child of the White Eye“ zum ersten Mal hörte, hatte ich sofort Herzchen in den Ohren. Liebe auf den ersten Ton. Der Song beginnt melodisch mit cleanen Gitarren und langsamem Tempo. Bildschön.  Der Kontrast zwischen den Gitarren und den rauen Growls könnte nicht spannender sein. Melancholisches, wehmütiges Feeling macht sich breit. Mit dem Distortion Sound kommt Druck hinter die Sache ohne, dass Melancholie und Melodik weichen. Ich bin dem Song mit Haut und Haaren verfallen. „Surullisten Järvien Maa“ wartet mit einem geilen Riff auf und spielt außerdem genial mit Rhythmik und Geschwindigkeiten. Ein gesprochener Part teilt den Song in zwei Teile – übrigens:  Ich liebe die finnische Sprache, auch wenn ich kein Wort verstehe. Danach bricht ein wütender Sturm aus Growls, Gitarren und Drums los.

Ich würde sagen, die nächste Generation finnischer Melodic Death Metaller ist gesichert und vielversprechend. Limos zeigen auf „Tales of the White Eye“ ihre eigene Handschrift aus klarem Gitarrensound, präzisem Drumming, derben Growls, gekonntem Spiel mit Rhythmik, Geschwindigkeit und Gegensätzen und bildschönen Riffs und Melodien.

YouTube Channel von InverseRecordsFIN


Tracks:
01. Altars
02. Rise to Arms
03. Child of the White Eye
04. Surullisten Järvien Maa

Band:
Eirik Manne – Gesang
Eppu Herala – Lead Gitarre
Eetu Herala – Rhythmus Gitarre
Tuomas Suokko – Bass, Gesang
Teemu Ohtonen – Schlagzeug

 

Episch elegante Folkigkeit. Oak, Ash & Thorn von Dark   Forest

Heavy Metal / Power Metal
Veröffentlicht: 24.04.20
Cruz Del Sur
https://darkforest-uk.bandcamp.com/
https://www.facebook.com/Darkforestuk


16118In Zeiten, in denen manche von uns von Langeweile dazu getrieben werden daheim mal wieder ordentlich durchzufeudeln, den Müll von Jahrzehnten einfach aus dem Keller zu kärchern oder lang vor sich hergeschobene Renovierungsarbeiten endlich in Angriff zu nehmen, ist Musik noch wichtiger geworden. Denn schließlich gehen solch ungeliebte Arbeiten mit ein wenig Metal viel beschwingter von der Hand. Doch Vorsicht! Nicht jede Art von Metal eignet sich für jede Arbeit. So ist Vader perfekt für jede Art von Abrissarbeiten, doch bei filigraneren Dingen, wie das Zuschneiden einer Fliese kann man schnell Steinmehl produzieren. Funeral Doom verleiht die nötige Ruhe für Tüftelarbeiten, eignet sich aber nicht als Begleitmusik zum Bügeln oder zum Putzen großer Flächen. Bei ersterem produziert man Brandlöcher, während man für zweiteres viel zu viel Zeit benötigen würde. Für das Putzen großer Flächen, z. B. Fenster, kann ich Dark Forest wärmstens empfehlen. Der leicht kauzige, epische Powermetal der Briten verleiht den nötigen Schwung und die positive Grundeinstellung.

Wie es der Zufall will, veröffentlichten Dark Forest am 24. April ihr neues Album „Oak, Ash & Thorn“. Neun brandneue Songs, auf die ich mich freue wie ein Schnitzel, wie Bolle, wie… Na ick freu mir eben. Thematisch lehnt es sich an „Puck Of Pook’s Hill“ von Rudyard Kipling an. Es geht also grob gesagt um die Geschichte Englands, um Mystik, um Wälder, um glorreiche und weniger glorreiche Vergangenheit – also um gewohnte Themen. Doch sind diese auch wieder verpackt in den für Dark Forest so charakteristischen Mix aus NWoBHM, Power- und Epic Metal mit folkigen Elementen und einer charmanten Portion britischer Kauzigkeit?

Bezaubernd schöne Gitarrenmelodien schreiben, das können Dark Forest. Das beweisen sie gleich mit dem ruhigen, cleanen, folkigen Opener „Ælfscýne“ und spätestens mit „Wayfarer’s Eve“ ist man angekommen, denn die Briten spielen die Trümpfe aus, die ihrem Sound seinen Wiedererkennungswert verleihen: die ausgefeilten, verspielten Gitarrenmelodien von Christian Horton und Pat Jenkins, die doppelläufigen Gitarren, die vielstimmigen Harmonien und der erhabene Gesang von Josh Winnard. „The Midnight Folk“ zieht das Tempo sachte an. Es wird eingängig, geradezu mitsingtauglich im Refrain, doch dabei immer elegant-folkig und ohne Grölfaktor. „Avalon’s Rising“ überzeugt mit einer gewissen nervösen Hummeligkeit in Rhythmus und Melodie und mit seiner fröhlichen Folkigkeit gepaart mit bildschönen Harmonien. „Oak, Ash & Thorn“ birgt eine überzeugende Dramatik, Epik und Kraft in sich und ist dabei gleichzeitig von fast zerbrechlicher Schönheit in der Melodik. Der Song hat mich vom ersten Hören an in seinen Bann gezogen, hat mich die Luft anhalten lassen und nicht mehr so schnell losgelassen. Ich schreibe jetzt aus dem Jenseits zu euch. Und habe ich schon den fantastischen Gitarrensound erwähnt…?

Die große Frage war ja, ob Dark Forest mit „Oak, Ash & Thorn“ an den überragenden Vorgänger „Beyond the Veil“ anknüpfen können. Ja, können sie! Die Briten bewahren sich ihren ganz eigenen Stil, ihre ganz eigene Art wunderbare Songs und Melodien zu schreiben, die sofort ins Ohr gehen. Das alles schaffen sie, ohne langweilig repetitiv oder kitschig zu sein. Hier und da haben sie zwar im Gegensatz zu „Beyond the Veil“ das Tempo ein wenig herausgenommen, doch das tut dem Ganzen keinen Abbruch. Klares Herzstück der Songs sind die filigranen, verspielten und dabei positiv, lebendig und bunt wirkende Melodien und der erhabene, erzählende Gesang. Harmonisch ausgefeilt erfreuen sie mein Herz und erfrischen meine Seele – um auch in dieses Review mal ein wenig Pathos einzubauen. Das Freuen hat sich gelohnt, Dark Forest haben mit „Oak, Ash & Thorn“ voll ins Schwarze getroffen. Ein Album, das auf ganzer Linie gefällt und überzeugt.

Cruz del Sur Music


Tracks:
01. Ælfscýne
02. Wayfarer’s Eve
03. The Midnight Folk
04. Relics
05. Avalon’s Rising
06. Oak, Ash & Thorn
07. The Woodlander
08. Eadric’s Return
09. Heart of the Rose

Band:

Christian Horton – Gitarre
Josh Winnard – Gesang
Pat Jenkins – Gitarre
Adam Sidaway – Schlagzeug

Home of the Wind: Heathen Inquisition. Interview mit Mitja von    Moonsorrow.

(English version below)
Als ich gelesen hatte, dass es einen Film über die Geschichte der finnischen Pagan Metaller Moonsorrow geben soll, war ich sofort Feuer und Flamme. Für mich war klar, dass ich die Crowd Funding Aktion für „Home of the Wind“ unterstützen möchte, denn ich will diesen Film unbedingt sehen. Und als ich dann noch erfuhr, dass es im Rahmen der Crowd Funding Aktion die Möglichkeit gab, einem der Mitglieder von Moonsorrow als Heathen Inquisitor Fragen zu stellen… Whohoooo. Ein Fall für Thrash!Boom!Bang!

Moonsorrow und ihre Musik begleiten mich schon seit vielen Jahren durch alle Höhen und Tiefen des Lebens. Angeblich sind Musik und Lieder für manche Menschen wie enge Verwandte. Genau dieses Gefühl habe ich, wenn ich Moonsorrow höre – also nicht das, dass ich auf die nervtötende Tante treffe, sondern das, von Verbundenheit. Wenn die ersten Töne erklingen ist das irgendwie wie nach Hause zu kommen. Da uns alle hier, auch euch, die ihr das hier lest, die Liebe zur Musik eint, und es das Hauptanliegen von Thrash!Boom!Bang! ist, geile Musik unter die Menschen zu bringen, musste ich diese Gelegenheit unbedingt nutzen. Hier also das Ergebnis der Heathen Inquisition. Vorhang auf für Mitja Harvilahti:

 

 

When I read that there should be a film about the history of the Finnish Pagan Metallers Moonsorrow, I was very enthusiastic for it. It was clear to me that I would like to support the crowd funding campaign for „Home of the Wind“ because I really want to see this film. And when I found out that the crowd funding campaign gave me the opportunity to ask one of the Moonsorrow members as a Heathen Inquisitor … Whohoooo. A case for Thrash! Boom! Bang!

Moonsorrow and their music have been with me through all the ups and downs of life for many years. Music and songs are said to be like close relatives for some people. It is exactly this feeling when I hear Moonsorrow – not like meeting your pesky aunt but a feeling of being related. The first sounds make me feel like coming home.

Since all of us here, including you who are reading this, are united by the love of music and it is the main concern of Thrash! Boom! Bang! to bring great music to people, I absolutely had to take this opportunity. So here is the result of the Heathen Inquisition. Curtain up for Mitja Harvilahti.