Grandioser Auftakt. Reader Of The Runes – Divination von  Elvenking.

Folk Metal/Power Metal
Veröffentlicht: 30.08.2019
AFM Records
http://www.elvenking.net/


Huch, schon wieder zwei Jahre um. Nicht ganz, aber fast. Potztausend. Die Ankündigung des neuen Elvenking Albums „Reader Of The Runes – Divination“ traf mich einigermaßen unvorbereitet. Jetzt bin ich aber wieder in der Spur und ich sage mal, ihr dürft euch auf ein grandioses Album freuen. Wie immer hatte ich etwas Bauchweh, wegen der kurzen Zeit, die zwischen „Secrets Of The Magick Grimoire“ und „Reader Of The Runes – Divination“ liegt, aber das löste sich schnell in Luft auf. Dazu gleich mehr. Das neue Album bildet jedenfalls den Auftakt zu einer mehrere Alben umfassenden Reihe. Erzählt wird eine Geschichte, die in einer völlig eigenen Welt spielt. Das zehnte Album der italienischen Folk und Power Metaller ist also ein Konzeptalbum und macht neugierig darauf, wie die Sache weitergeht.

„Reader Of The Runes – Divination“ startet mit einem netten kleinen, folkigen „Ahaha, Trommel-Violine Intro“ namens „Perthro“, das den Hörer gleich abholt und in die musikalische Welt von Elvenking mitnimmt. „Divination“ und „Silverseal“ wurden schon im Vorfeld veröffentlicht. Vor allem „Divination“ entpuppt sich als Ohrwurm mit elvenkingtypischen Qualitäten: gefällige Melodie, eingängiger Mitsingrefrain, wunderschöne Gitarren- und Violinenparts. Der Song enthält genau den Mix aus Folk und Power Metal, der die Band ausmacht. „Silverseal“ schlägt in eine ähnliche Kerbe, ist aber ein wenig harscher und Damnas stimmliche Varianz blitzt hier zum ersten Mal auf. Außerdem gibt’s noch ein tolles Violinensolo. In „The Misfortune Of Virtue“ legt er da noch eine Schippe drauf. Halb gesungen, halb gesprochen. Auch Tempo und Härtegrad legen zu. Piano, Drums, Gitarren und Bass erzeugen leicht chaotische Soundwände, die einen einlullen, so dass man manchmal nicht mehr richtig weiß, wo man sich befindet. Auch die Tempowechsel sind sehr effektvoll und stimmig.

Dann wird es etwas sanfter. Das folkige „Eternal Eleanor“ schlendert tempomäßig so dahin, ist aber trotzdem sehr kraftvoll. Der Song lebt vom Spiel zwischen akustischer Gitarre und Violine, seiner träumerischen Melodie und dem Wechsel zwischen einer weiblichen und Damnas Stimme. „Diamonds In The Night“ zeigt wieder eine andere Facette der Italiener. Interludemäßig, mit akustischer Gitarre, gesungene und geflüsterte Worte. Wirklich sehr atmosphärisch. Und damit haben wir noch längst nicht alle Facetten dieses Diamanten betrachtet. „Malefica Doctrine“ sticht definitiv hervor, denn es ist ein ordentliches Brett. Der Song zieht das Tempo mächtig an. Blastbeats hageln uns um die Ohren, Growls und Gitarren erzeugen Death Metal Feeling, epische Chöre, Orgel, hallige Gitarren und Glockengeläut am Ende sorgen für eine gehörige Portion Epik. „Reader Of The Runes – Book I“ packt dann nochmal alles, was die Musik von Elvenking ausmacht, gekonnt in einen Song. Ein epischer Hammer-Rauswerfer der Extraklasse. Schon der Einstieg ist furios und wuchtig. Natürlich dürfen die erhabenen Chöre nicht fehlen. Eine traumhafte Violinenmelodie, ein eingängiger Chorus der zum Mitsingen anregt. Ein akustischer Break, zum Träumen schön. Dann baut der Song Druck auf, es wird gitarrentechnisch schwarzmetallisch und temporeich bevor er sanft mit einem Piano ausklingt.

Man kann es manchmal kaum fassen, aber Elvenking steigern sich mit „Reader Of The Runes – Divination“ noch einmal. Das Songwriting ist ausgefeilt und überzeugend. Das Album bombardiert einen geradezu mit eingängigen, schönen, träumerischen Melodien, die sich ohne Probleme zwischen schwere, harte Riffs einfügen. Nicht nur das, sie ergeben ein stimmiges Ganzes. Auch das Spiel mit progressiven Elementen gelingt den italienischen Folk und Powermetallern hervorragend. Violine und Gitarren und die wunderbare Gitarrensoli machen den Sound von Elvenking markant und rund. Damnas Stimme ist variabel und zeigt verschiedene Facetten, welche die Songs atmosphärisch und kurzweilig gestalten. Atmosphäre ist ohnehin das Stichwort. Elvenking schaffen es einmal mehr den Hörer in eine andere Welt mitzunehmen und ihn alles um sich herum vergessen zu lassen. Selbst den rasenmähenden Nachbarn oder den hektisch klingelnden Paketboten. „Reader Of The Runes – Divination“ spielt mit Gegensätzen und das macht den Reiz des Albums aus. Es ist mystisch, märchenhaft, auf eine schöne Art kitschig, manchmal auf liebenswerte Art chaotisch. Gleichzeitig kraftvoll, manchmal aggressiv und meistens episch. Kurz: unglaublich facettenreich. Fallen mir noch mehr Adjektive ein? Durchaus, aber ich bin jetzt durch.

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Tracks:
1. Perthro
2. Heathen Divine
3. Divination
4. Silverseal
5. The Misfortune Of Virtue
6. Eternal Eleanor
7. Diamonds In The Night
8. Under The Sign Of A Black Star
9. Malefica Doctrine
10. Sic Semper Tyrannis
11. Warden Of The Bane
12. Reader Of The Runes – Book I

Band:
Damna – Gesang
Aydan – Gitarre
Rafahel – Gitarre
Jakob – Bass
Lancs – Schlagzeug
Lethien – Violine

3 Ways to Magick Tour. Elvenking, Frozen Crown und Desert in München.

Damna, Gesang, Elvenking

Damna, Gesang, Elvenking

Hach endlich wieder Zeit für ein Konzert. Elvenking wollte ich ja schon länger mal live sehen, aber irgendwie waren mir die Götter  – oder wer auch immer, irgendwer muss jedenfalls Schuld sein – nicht gewogen. Entweder die italienischen Pagan und Power Metaller tourten auch nicht im Entferntesten in meiner Nähe oder sie kamen in Reichweite, sagten das Konzert dann aber doch noch ab oder kamen in meine Nähe, ich war aber nicht in meiner Nähe. Doch die Metalgötter hatten ein Einsehen und so klappte es mit dem Konzert nun endlich. Am 18.04. machten mein Fotograf aka Kameramann aka Ehemann und ich uns gen München auf, um Elvenking und die beiden Vorbands Desert und Frozen Crown zu sehen.

Alexei Raymar, Desert

Alexei Raymar, Desert

Schon am Einlass hatte sich die 3-stündige Fahrt gelohnt. Wir erhielten wertvolle Informationen darüber, wie man sich einen Presse- und Fotografenausweis selber bastelt, um so sicher und ohne Gemecker seitens der anderen Anstehenden, schnell an der Schlange vorbei zu gelangen. Zur Not kann man sich auch irgendwas an den Bändel hängen, das passt dann scho. Hauptsache da baumelt was um den Hals. Gut – für dieses Mal kamen diese Infos leider zu spät, aber ich werde euch dann berichten. Wir trafen jedenfalls pünktlich zum Auftritt der israelischen Power- und Melodic Metal Band Desert ein. Joa – das ging schon ganz gut los. Gitarrist Sergei Metalheart schickte uns das eine oder andere ansprechende Solo entgegen – schöne Gitarre übrigens –  und man hatte Lust mitzubangen. Leider war der Sound den ganzen Abend über nicht wirklich gut, so dass man Sänger Alexei Raymar manchmal kaum hörte. Das machte er jedoch mit seinem wirklich beeindruckenden Repertoire an Metal Moves wett. So sahen wir den „Surfer“, die „Faust“, die „Faust auf dem Herzen“, „Point at the crowd“ und kleine Ansätze einer synchronen Choreografie, um nur einiges zu nennen. Desert hatten das Publikum vollends im Sack, als sie es kurzerhand als Chor für einen Song vom bald erscheinenden Album engagierten. Es wurde also schnell geprobt, dass man auch an der richtigen Stelle das Richtige singt und schon schmetterten Band und Publikum gemeinsam. Gute Stimmung, gute Band. Hat Spaß gemacht.

Frozen Crown

Frozen Crown

Inzwischen war es im Club so warm, dass einem der Schweiß in Strömen den Rücken runterlief. Immer wieder ein erhebendes Gefühl. Nur bei Månegarm war es seinerzeit noch hitziger. Als Nächstes enterten die italienischen Power Metaller Frozen Crown die Bühne. Hach naja. Ehrlich gesagt war das nicht so meins. Am besten gefiel mir Gitarristin Talia Bellazecca, die einen wirklich guten Job machte. Auch Drummer Alberto Mezzanotte beeindruckte durchaus. Er verschwand oft minutenlang hinter einem lockigen Haarvorhang und gab dort alles. Es sah echt aus, als würde er rückwärts auf seinem Hocker sitzen. Aber auch spieltechnisch hatte er einiges auf dem Kasten. Dem restlichen Publikum schien es zu gefallen. Sogar die mürrisch dreinblickenden und betontes Desinteresse zur Schau stellenden Herren, die offensichtlich von ihren Freundinnen oder Frauen zum Konzert geschleppt wurden, blühten beim Anblick der Gitarristin und von Sängerin Giada kurzfristig auf.

Lethien, Violine; Symohn, Drums; Elvenking

Lethien, Violine; Symohn, Drums; Elvenking

Nach einiger Bastelei am Ton, die aber keine wirkliche Verbesserung brachte, war es nun endlich Zeit für den Auftritt von Elvenking. Dem geneigten Fan fiel natürlich sofort auf, dass statt Gitarrist Rafahel ein anderer, nämlich Headmat, seinen Platz eingenommen hatte. Und Drummer Lancs wurde von seinem Vorgänger Symohn vertreten. Die italienischen Power und Pagan Metaller spielten sich in etwas über einer Stunde durch immerhin sechs Alben und lieferten so eine nette Mischung aus alten und neuen Songs. Zwar hatte die Band auch einige ganz neue Songs versprochen, doch aus irgendwelchen Gründen (wer hat da nicht geübt?) und weil das Leben laut Sänger Damna „sometimes shitty“ ist, konnten die Italiener dieses Versprechen doch nicht einlösen. Egal. Es war auch so der Hammer. Leider blieb der Sound weiterhin mittelmäßig, so dass man Damnas Gesang oder Lethiens Violine oft nicht gut hören konnte. Dennoch lieferten die Jungs eine magische Show ab. Mit „Draugen’s Maelstrom“, „Pagan Revolution“, „Elvenlegions“, „Divided Heart“ oder „The Loser“ sorgten die Italiener für Brodeln im Kessel. Und noch einmal erhörten mich die Metal Götter, denn Elvenking spielten „Neverending Nights“. Yippeeee. Einer meiner Lieblingssongs der Band. Ein weiterer Höhepunkt war das Violinen- und Drumsolo von Lethien und Symohn. Wunderschön. Elvenking hätten vermutlich auch noch Zeit für ein oder zwei weitere Songs gehabt, doch Sänger Damna war äußerst kommunikativ – das Publikum nicht immer, doch davon ließ er sich sympathischerweise überhaupt nicht beirren. Unablässig dirigierte er die Menge mit Worten und Gesten und erschuf eine regelrechte „Faust-in-die-Höhe-reck-Choreografie“, die es in sich hatte. Mehr als einmal fuhr trotz genauer Einweisung eine Faust zum falschen Zeitpunkt gen Himmel. Auch Damnas stetiger Kampf mit dem Haupthaar war der guten Laune äußerst zuträglich. Ebenso Bassist Jakob, der wie ein Irrwisch mit den Fingern über die Saiten flitzte, sich über gelungene Bass-Tricks freute – auch für mich als Zuschauer waren sie eine Augen- und Ohrenweide – und das Publikum unablässig anfeuerte. Zwischendurch fand der Hausmeister auch noch den Knopf für die Lüftung und ein kühlender Hauch wehte durch den Club. Dank der magischen Energie und der Freude am eigenen Schaffen, die Elvenking von der Bühne ins Publikum transportieren, war es trotz der Soundmängel ein Wahnsinnskonzert. Zum Ende sei noch der äußerst  kompetente Herr am Merchandising Stand erwähnt. Mit Sorgfalt und Augenmaß ermittelte er die richtige T-Shirtgröße. Er würde einen sicher niemals mit einer Hose nach Hause gehen lassen, in der man sich nicht hinsetzen kann. Der Gesang zweier junger Herren beschloss dann den Abend: „Mein Licht geht aus, wir gehn nach Haus.“ Woraufhin ein halbgegrowltes „Rabimmel, rabammel, rabumm.“ antwortete.

 

 

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Licht und Schatten – Pawn and Prophecy von Mike Lepond’s Silent Assassins

Heavy Metal / Power Metal
Veröffentlicht: 26.01.18
Frontiers Records
https://de-de.facebook.com/mikelepondssilentassassins/


Pawn and ProphecyNach einer Pause von fast vier Jahren veröffentlichen Symphony X Bassist Mike LePond und seine Silent Assassins heute ihr neuestes Werk. Es trägt den Namen „Pawn and Prophecy“. Nun ist natürlich die große Frage: Schleichen sich die Power Metaller über die Ohren in die Herzen? Verüben sie einen tödlichen Anschlag auf die Nackenmuskulatur? Oder ist das Album doch nur ein tödlicher Anschlag auf die Ohren und den guten Geschmack? Jaja, genug der schlechten Wortspiele. Das Vorgängeralbum „Mike Lepond’s Silent Assassins“ hat mich überzeugt und begeistert durch seine sich in den Gehörgang schmeichelnden Basslinien und Bassriffs und die Wahnsinns-Gitarrensoli. Allerdings bin ich kein Freund von Alan Tecchios typischer Power Metal Stimme. Aber das ist ja bekanntlich Ansichtssache. Abgesehen davon hatte mich das Album restlos mitgerissen. „Pawn and Prophecy“ überzeugt ebenfalls mit seiner Bass- und Gitarrenarbeit. Doch neben dem Licht gibt es leider auch Schatten.

Der Opener „Master of the Hall“ ist eine typische 80er Jahre Heavy Metal Nummer. Spritzig und temporeich. In die gleiche Kerbe schlägt „Avengers Of Eden“, das mit gekonnten Gitarrenläufen, einem geilen Gitarrensolo und einem Refrain mit Mitgrölpotential das Ohr erfreut. „Black Legend“ kommt etwas gemählicher daher und bietet Southern Rock Anklänge.

Bei „Antichrist“ habe ich zum ersten Mal so richtig aufgemerkt. Und da kommt die Sache mit dem Licht und dem Schatten ins Spiel. Der Song hat einen tollen Groove und wartet mit einem schweren Riff und einem tollen Gitarrensolo auf. Leider ist der Chorus absolut furchtbar mit seinen disharmonischen Synthiechören. Überhaupt! Diese nervigen, schon fast scheußlich zu nennenden Chöre vermiesen einem doch häufiger das Hörvergnügen und man fragt sich „Warum?“. Ein weiteres Highlight des Albums ist „I Am The Bull“. Exzellentes Bassintro, geiles Basssolo. Der Song ist schwer, wuchtig und stampfend und bietet eine angespannte Westernatmosphäre. Alan Tecchios Gesang unterstreicht diese gekonnt. Daumen hoch! Irgendwie drängen sich Bilder von Pistoleiros, High Noon, leeren Straßen und diesen herum wirbelnden Pflanzenballen auf. Störend sind lediglich wieder die Synthiechöre.

Mit „The Mulberry Tree“ mischt sich noch etwas mittelalterliches Flair auf die Platte. Und wieder – Licht und Schatten. Die Shakespeare Zitate kommen echt gut. Das Akustikgitarrensolo im spanischen Gypsy Style ist einfach nur der Hammer. Auch gesanglich gefällt mir der Song echt gut. Tecchios Stimme verpasst ihm das gewisse Etwas. Doch dieser schreckliche DaD (Dudelsack aus der Dose) sorgt zu Anfang und zum Schluss für einen gehörigen Dämpfer. Der Titeltrack „Pawn and Prophecy“ ist ein über 20-minütiger Klopfer. Wieder Licht und Schatten. Ein Bassintro eröffnet den Reigen. Der DaD kommt zu meinem Leidwesen auch wieder zum Einsatz. Drei Gastsängerinnen (Noa Gruman, Veronica Freeman und Phyllis Rutter) geben sich das Mikro in die Hand. Die Lyrics basieren auf Shakespeares „Macbeth“ und die drei Damen geben die drei Hexen. Der Song pendelt zwischen Heavy Metal und Akustik, variiert immer wieder das Tempo. Der Bass groovt wirklich hammermäßig und auch hier finden sich wieder Southern Rock/Metal Einflüsse. Soweit so begeisternd. Ein Pianobreak verleiht dem Song eine erhabene Note – zumindest bis die Synthies wieder stören. Aber das ist alles zu verschmerzen – denn es kommt viel schlimmer. Mal ehrlich. Dieser blöde jazzig-bluesige Break mit Hammond-Orgel Unterstützung und Hauchgesang passt so überhaupt gar nicht in den Song. Er ist auch nicht witzig, so wie der Dschingis Khan Part in Ensiferums „Two of Spades“. Er ist einfach nur schrecklich und raubt dem Song jeglichen Drive. Und nur allein, um mich zu echaufiieren, wurde zum Ende des Songs noch einmal der DaD ausgepackt. So! Ja!

„Pawn and Prophecy“ lässt mich mit gemischten Gefühlen zurück. Da sind die mitreißenden Basssoli, die groovigen Basslinien, die wahnsinnig geilen, schweren Riffs und Gitarrensoli. Die Songs sind abwechslungsreich – wenn die Experimentierfreude auch manchmal mit den Herren durchgegangen ist (siehe „Pawn and Prophecy“). Sicher, im Vergleich zum Vorgänger – auf dem Manches überraschend daherkam – kennt man das nun schon. Trotzdem, es ist gut und gefällt und versetzt einen hier und da in die 80er zurück. Umso weniger haben Mike LePond und Co. es eigentlich nötig, sich dieser schrecklichen Synthiechöre und Instrumente aus der Dose zu bedienen. Das trübt leider den guten Eindruck und schmälert das Hörvergnügen. Manchmal nervt es gar. Das ist schade, denn es vernebelt hier und da ein wenig die Sicht auf ein ansonsten gutes Album.

YouTube Channel von Frontiers Music srl: https://www.youtube.com/channel/UCBLAoqCQyz6a0OvwXWzKZag


Tracks:
1. Master of the Hall
2. Black Legend
3. Antichrist
4. I Am the Bull
5. Avengers of Eden
6. Hordes of Fire
7. The Mulberry Tree
8. Pawn and Prophecy

Band:
Mike LePond (Bass, Rhythmusgitarre, Backing Vocals)
Michael Romeo  (Gitarre, Keyboards, Drum programming)
Alan Tecchio  (Gesang)

Außerdem als Gäste dabei:
Lance Barnewold (Gitarre)
Rod Rivera (Gitarre)
Michael Pinnella (Piano/Orgel)

Magisch. „Secrets Of The Magick Grimoire“ von Elvenking

Pagan/Folk/Powermetal
Veröffentlicht: 10.11.17
AFM Records
http://www.elvenking.net/


Secrets Of The Magick Grimoire

Secrets Of The Magick Grimoire

Gute Nachrichten, sofern du kein Ork oder auch ein Troll bist: die Elfenkönige sind zurück. Die italienischen Paganpowermetaller veröffentlichen am 10. November ihr neues Album „Secrets Of The Magick Grimoire“. Da ich das letzte Album „The Pagan Manifesto“ von 2014 ziemlich gut, ausgefeilt und voller genialer Ideen fand, gehe ich natürlich mit der nötigen Skepsis an die Sache: „Kann man das toppen? – Natürlich nicht!“ Man hat schließlich einen Ruf als ewiger Schwarzseher zu verlieren. Oder? Öffnen wir doch das Grimoire – das Zauberbuch voll magischen Wissens – und sehen und hören was passiert. Wenn die Zeilen hier abbrechen bin ich jetzt eine hässliche, picklige Kröte — Quaaaak!

Puh, also mir ist nichts passiert – den Vollbart hatte ich ja vorher schon. Wenden wir uns also endlich Elvenking und „Magick Grimoire“ zu. Ich habe tatsächlich einige Durchläufe gebraucht, um mich gedanklich vom überragenden „Pagan Manifesto“ zu lösen, und nicht ständig Vergleiche anzustellen. Das Album startet mit Sänger Damna, der uns ein geheimnisvoll-vielversprechendes „Lalala“ heraushaucht? Krächzt? Geflüsterte und gehauchte Worte. Streicher. Orchestrierung. Und dann geht’s los! Die Herren geben Gas. Ein eingängiges Gitarrenriff, mit Druck vorgebracht, Damnas kraftvolle Stimme. Ein eingängiger Mitsingrefrain. Dazu noch Synthis und Chöre, die ein wenig Geheimnis zaubern und feinste Gitarrenarbeit von Aydan und Rafahel. Mit „Invoking The Woodland Spirit“ verbreiten Elvenking absolute Aufbruchstimmung. Die eingängigen, schönen Ohrschmeichlermelodien und die Mitsingrefrains begleiten uns auf dem ganzen Album. „Draugen’s Maelstorm“, „The One We Shall Follow“, „The Wolves Will Be Howling Your Name“ oder „Summon The Dawn Light“ reihen sich ein. Leider fehlt aber hier und da auch der Kick und der Song plätschert belanglos vor sich hin. „3 Ways To Magick“ oder „Straight Inside Your Winter“ haben mich zumindest nicht so vom Hocker gerissen. Das gilt teilweise auch für „The Horned Ghost And the Sorcerer“. Zwischendurch plätschert es ganz schön. Aber da hat Fiedelfritze Lethien seinen ersten richtigen Einsatz und das reißt es wieder raus. Auch der neue Drummer Lancs und Bassist Jakob tragen dazu bei, dass der Song am Ende doch hörenswert ist. Ein FF-Mittelteil (Fiedel-Flöte) animiert zum mittelalterlichen Gesellschaftstanz, man kann aber auch nur lauschen und genießen. Keine Sorge, neben „Invoking The Woodland Spirit“ bietet „Secrets Of The Magick Grimoire“ noch ein paar weitere Highlights. „The One We Shall Follow“ schlendert zwar rhythmisch gemütlich vor sich hin, aber melodisch und gitarrentechnisch gefällt mir der Song echt gut. Auch hier wird wieder geflüstert – untermalt mit einigen Pianotönchen für die geheimnisvolle Note. „Grain Of Truth“ haut richtig schön rein. Drummer Lancs variiert immer wieder das Tempo, Cleangesang und Growls sorgen für Abwechslung, Streicher bringen die nötige Dramatik ins Spiel, das Xylophon rockt mal so richtig, Damna flüsterkrächzt dazu und eine weibliche Cleanstimme und ein wunderbares Gitarrensolo werden auch noch geboten. Ein bunter Strauß an tollen Ideen würde ich jetzt sagen – wenn ich jemand anderes wäre. „The Wolves Will Be Howling Your Name“ gefällt mir ebenfalls. Ein akustisches Flöte-Gitarre Intro, dann verbreitet die Fiedel hektische Hummel-Irrwisch-Stimmung. Das macht sie genialerweise auch später nochmal und dann wird das Tempo wieder radikal zurückgefahren. Das Tempo wechselt also immer wieder zwischen langsam-wiegend im Refrain, Midtempo und hektischer Fiedel. Und ’nen Chor gibt’s auch noch dazu. Chor ist das passende Stichwort für „The Court Of The Wild Hunt“, ein weiteres Highlight des Albums. Der Song startet mit Gesang? – ähm – Gegröle? – oder Gekrächze? – akustisch begleitet. Mit Tempo und Power geht’s weiter. Ein sanfter Break, rüde unterbrochen von Growls, Aydan und Rafahel zeigen eindrucksvoll, was sie aus ihren Gitarren so rausholen können. Fiedel und Gitarrenbreak mit Cleangesang. Aber man ahnt es schon, die Ruhe hält nicht lang. Tempowechsel, bedrohliche Stimmung durch Chöre und Streicher. Power. Akustisches Ende. Jawoll! Den Abschluss des Albums bildet „A Cloak Of Dusk“. Zart, akustisch mit Gitarre und Fiedel. Gesungen von Damna und einer weiblichen Stimme schließt sich das Zauberbuch sacht.

Ein Elvenking Album zu hören ist für mich jedes Mal, wie wenn man abends am knisternden Kamin das Märchenbuch aufschlägt. Es gibt wahrlich schöne, eingängige, magische Melodien, die verzaubern. Es gibt die fiesen, bösen Untertöne und das drohende Unheil – und beide ringen miteinander. „Secrets Of The Magick Grimoire“ kommt für mich zwar nicht ganz an das Vorgängeralbum heran – aber es fehlt auch nicht viel. Hier und da sind mir einige Songs zu seicht, zu plätschernd. Doch Songs wie „Invoking The Woodland Spirit“, „Grain Of Truth“, „The Court Of The Wild Hunt“ oder auch der sanfte Abschluss „A Cloak Of Dusk“ reißen das wieder raus. Sie ziehen einen in ihren Bann mit ihrer mal kraftvollen, mal sanften, geheimnisvollen, teils keltisch-mittelalterlichen Atmosphäre, ihren Melodien, die direkt ins Ohr gehen und den Mitsing (oder -gröl, je nach Begabung) Refrains. Und es gefällt mir wieder einmal, wie Elvenking die unterschiedlichsten Instrumente und ihre Stimmen einsetzen, um eine ganz eigene, märchenhafte, magische, plastische Stimmung zu schaffen. Wer neben Schwarz auch noch ein bisschen bunt vertragen kann, dem sei „Secrets Of The Magick Grimoire“ empfohlen.

Quelle: YouTube Channel von AFM Records https://www.youtube.com/channel/UCKdA5J4-opjla1aWOjF74mg


Tracks:
1. Invoking The Woodland Spirit
2. Draugen’s Maelstorm
3. The One We Shall Follow
4. The Horned Ghost And The Sorcerer
5. A Grain Of Truth
6. The Wolves Will Be Howling Your Name
7. 3 Ways To Magick
8. Straight Inside Your Winter
9. The Voynich Manuscript
10. Summon The Dawn Light
11. At The Court Of The Wild Hunt
12. A Cloak Of Dusk

Band:
Damna (Gesang)
Aydan (Gitarre, Gesang)
Rafahel (Gitarre)
Jakob (Bass, Gesang)
Lethien (Violine, Gesang)
Lancs (Schlagzeug)