Eine Geschichte von Dunkelheit und Depression – A Dark Lament von Mortem Atra

Melodic Death Metal / Doom Metal
Veröffentlicht: 6.12.2019
Pitch Black Records
https://www.facebook.com/Mortem-Atra-Official-230874790321813/
https://pitchblackrecords.bandcamp.com/album/a-dark-lament


cover MORTEM ATRA - A Dark LamentMit und durch Metal die Welt entdecken. Es ist immer wieder schön zu sehen, dass es anscheinend auf jedem Flecken unseres Erdenrunds eine talentierte Metalband gibt, die dem Genre eine paar neue Töne und Klänge hinzufügt und alles wieder ein wenig anders interpretiert. Heute möchte ich euch Mortem Atra aus Zypern näher bringen. Die Band existiert seit 2011 und veröffentlichte am 6.12. ihr Debütalbum „A Dark Lament“. Uns erwartet eine Mischung aus Melodic Death und Doom Metal mit melodisch-orientalischen Einflüssen. Das Album widmet die Band ihrem an Krebs verstorbenen Drummer Tasos Bratsos, den wir auf „A Dark Lament“  trommeln hören. Nicht nur die Musik der Zyprioten ist bemerkenswert, auch die eindringlichen, aufwühlenden Texte, die von inneren Kämpfen, Depression und Dunkelheit erzählen, gehen unter die Haut.

„A Dark Lament Prologue „ stimmt perfekt auf das Album ein. Gesprochene Worte, untermalt von Synthistreichern und eine Botschaft, die sich folgendermaßen zusammenfassen lässt: Schöne Albträume! Im Anschluss entfaltet sich das Album in all seinen schön-schaurigen Facetten. „Frozen Illusion“ zieht einen mit einem rhythmisch eindringlichen Gitarrenriff, einem trockenen Schrei und den Gänsehaut erzeugenden, aus tiefster Tiefe stammenden Growls von Sänger Takis Antoniou sofort in seinen Bann. Eine Synthistreichermelodie bietet einen zarten, aber nicht weniger unheilvollen Kontrast und ein melodisches Gitarrensolo setzt dem Ganzen die Krone auf. Dass Puppen immer Unheil bedeuten, weiß jeder bewanderte Horrorfilmgucker. „The Puppet“ beginnt mit einem Xylofon-Intro, gaukelt irgendwie Frieden, heile Welt und Geborgenheit vor. Zum ersten Mal hören wir die klare, liebliche Stimme von Keyboarderin und Sängerin Christina Papadjiakou. Die Growls von Takis Antoniou bilden dazu einen rauen, reizvollen Gegensatz. Der ganze Song wird beherrscht von diesem Gegensatz zwischen Lieblichkeit und Düsternis. Gegen Ende wechselt das Tempo von schreitend zu schneller schreitend. Double Basses, schreddernde Gitarren und das immer wieder ausgestoßene Wort „The Puppet“ kreieren eine schaurige Atmosphäre.

Das können die Zyprioten wirklich gut. Dieses Spiel zwischen Hoffnung und Hoffnungslosigkeit, zwischen lieblich und düster. Einfach perfekt. Und mir gefällt wirklich gut, wie sie die verschiedenen Instrumente einbinden. In „A Voice“ verbindet sich ein eindringliches Gitarrenriff mit dem im Hintergrund unheilvoll dräuenden Bass, Synthistreichern und den Stimmen der beiden Sänger zu einem perfekt abgestimmten Ganzen. In „Evil Rise“ sind es die Drums, ist es der eigenwillige Rhythmus, den die Gitarren dann aufnehmen. Ein temporeiches Gitarrensolo forciert, gesprochene, ausgespuckte Worte voll Wut und Hass heben den Song wieder auf eine neue Ebene. Und wieder ein Twist. In „In Superstitious Breath“ hören wir zum ersten Mal die cleane Singstimme von Sänger Takis Antoniou. Cleane Gitarren, Streicher und ein orientalischer Touch geben dem Song Charakter. „Mirror“ ist wiederum ruhig, melancholisch und – hach – ich liebe den wunderbaren Klang dieser klaren, leise klagenden Gitarren. Ruhig beginnt auch „Harmful Obsession“ mit einer wunderbaren, cleane Gitarre in die sich Piano und Streicher mischen. Christina Papadjiakou und Takis Antoniou im Duett. Herzzerreißend. Der Song ändert sich ungefähr ab der Hälfte zum Unangenehmen. Fiese Growls, wirklich superfies. Manisch. Irre. Ausgeflippt. Eindringlich. Die Gitarre unterstützt das Ganze mit einem leicht dissonanten Lauf. Mein absoluter Favorit. Super gelungen. Perfekt komponiert. Gänsehaut. „Depressed“ beschließt das Album mit Donnergrollen, Chor, Streicher und einem Hauch von Candlemass.

Ich liebe Alben, die wie eine Geschichte, wie eine Mär aus einem alten, verstaubten Märchenbuch sind. Als würde ein Barde sie abends am warmen Lagerfeuer zum Besten geben und man rückt noch ein wenig näher ans Feuer – streckt die Hände hilfe- und schutzsuchend zu den züngelnden Flammen und hofft, dass sie die Finsternis fern halten. So ist für mich „A Dark Lament“. Mortem Atra gelingt es durch die Kombination der verschiedener Instrumente, die alle ihre Momente haben und zum Ganzen beitragen, eine Geschichte von Dunkelheit, Irrsinn und Depression zu erzählen, die unter die Haut geht und einen frösteln lässt. Bedrückend und düster. Besonders eindringlich gelingt das Takis Antoniou mit seinen irren Growls, die manchmal förmlich ausrasten. Aber ich liebe auch die klaren, bildschönen Gitarrenmelodien, die Streicher, die ausgefeilte Rhythmik und Christina Papadjiakous Stimme, welche hier und da einen zarten Lichtstrahl in die Dunkelheit sendet. Ein Album, das berührt und nachwirkt!


Tracks:
1. A Dark Lament Prologue
2. Frozen Illusion
3. The Puppet
4. A Voice
5. Evil Rise
6. Hymn of Doom
7. In Superstitious Breath
8. Mirror
9. Harmful Obsession
10. Depressed

Band:
Takis Antoniou – Gesang
Christina Papadjiakou – Keyboards / Gesang
Marios Gavrielides – Gitarre
Valantis Pavlou – Gitarre
Aris Ioannou – Bass
Antonis Papas – Drums (album drums recorded by Tasos Bratsos)

Irre gut. „Perpetual Creeping Horrors“ von One Past Zero

20191103_155730Heute möchte ich eure geneigte Aufmerksamkeit noch einmal auf eine EP lenken, die mir sehr am Herzen liegt – weil sie einfach geil ist: „Perpetual Creeping Horrors“ von One Past Zero. Wer auf herrlich irren, schrägen, abgeratzten 70ies inspirierten Rock-Doom steht, kann seinen Ohren mit dieser EP etwas Gutes tun. Ich hatte gestern einen extrem glücklichen Moment am Briefkasten. Den Grund dafür seht ihr auf dem Bild. Cooles Cover, oder? Ick freu mir riesig.

https://onepastzero.bandcamp.com/

 

You Tube Channel rebejr1

Konsequent – Zentrum von Valborg

Death Metal
Veröffentlicht: 17.05.2019
Prophecy Productions (Soulfood)


a2586591844_10Nach dem „Endstrand“ also das „Zentrum“. Valborg sind in der Metallandschaft sicherlich ein künstlerisches Phänomen, das von unverständigem Kopfschütteln bis zu grenzenloser Begeisterung eine große Bandbreite an Reaktionen bei den Hörern hervorruft. Was also bietet „Zentrum“ nach dem bis an die Grenzen primitiv-brutalen Dadaismusbrocken von Vorgänger? Cover und Songtitel lassen jedenfalls großartiges erahnen.
Es ist nach wie vor faszinierend, wie mit wenig Mitteln viel erreicht wird. Ja, die Musik ist großteils einfach, um nicht zu sagen stumpf. Das reicht von simplem Geballer wie beim Einstand „Rote Augen“ oder „Schwerter der Zeit“ zum doomigem Groove („Vakuum“). So weit, so „Endstrand“. Was aber deutlich auffällt ist zum einen, dass Ein-Wort-Texte nicht mehr vorkommen und die Lyrics nachdenklicher, gar tiefgründiger wirken, wie bei „Nahtod“ zu lesen:

Ich kann mich nicht erinnern
Woher wir kommen

Ich kann mich nicht erinnern
Wohin wir sollen

Sie geben der Musik, neben diversen anderen Stilmitteln, oft eine packende Mystik und Rätselhaftigkeit und geben ein Gefühl von Fremdartigkeit, das sich nur schwer in Worte packen lässt. Häufig sind die Texte aber auch einfach nur verdammt cool, wie „Ultragrab“ beweist:

Kein Verstand
Erde verbrannt

Ultragrab

Wie viel tatsächlich drinsteckt, ist nur schwer zu erahnen. Die Einflüsse sind vielfältig, die Ideenfindung vom Zufall geprägt. Für das Ergebnis ist das aber auch egal. Hilfreich dabei ist der vermehrt eingesetzte Klar- und Sprechgesang. Gefühlt steckt auch eine größere Bandbreite von Emotionen im Gesang.

Zum anderen wird die Atmosphäre unterstützt von zahlreichen Details wie Klangteppichen („Vakuum“) oder sanfter Elektroeinsatz („Alphakomet“). Diese Elemente bleiben für gewöhnlich angenehm im Hintergrund und sorgen so für die richtige Stimmung und Abwechslung ohne zu stören. Im Gegensatz dazu steht beispielsweise das gewaltige, monolithische Schallsignal am Ende von „Kreuzer“. Mehrfach ertönt es verzerrt, begleitet von leisem Ticken. Das gibt nicht nur beim ersten Hören Gänsehaut. Solche Komponenten haben wohldosiert die Endzeitstimmung auf „Endstrand“ schon perfektioniert und werden hier noch weit häufiger und deutlicher eingesetzt.

Das war jetzt viel zum Drumrum, aber was ist eigentlich nochmal der Kern der Valborgschen Musik? Der besteht nach wie vor aus viel Härte. Die kommt von einfachen, aber wirkungsvollen schweren Riffs, garniert mit viel, viel Bass. Stilistisch schwebt das irgendwo zwischen groovigem Death, schleppendem Doom und rasendem Black Metal. Düster und schwer, nahezu ohne leichtfüßige Momente (am ehesten noch bei „Nonnenstern“). Nun heißt es immer irgendwas von simpel, einfach, primitiv etc. pp. Das heißt aber noch lange nicht, dass Zentrum in irgendeiner Art und Weise eingängig wäre. Klar, wenn bei „Alphakomet“ das Stampfriff gezückt wird, kann man nicht widerstehen. Aber so richtig gezündet hat das Album erst nach und nach, wenn man die Vielschichtigkeit trotz aller Einfachheit kennen- und lieben lernt.

Durch und durch ähnlich zum Vorgänger ist „Zentrum“ also und doch durch und durch auch eine entscheidende Weiterentwicklung. Wo „Endstrand“ ganz brutal im Zeichen der Apokalypse stand, bietet „Zentrum“ Raum für eine vielfältigere Spanne an Stimmungen – gleichwohl ohne groß an Härte zu verlieren. Valborg machen in letzter Konsequenz, was sie machen wollen. Und das Resultat gibt ihnen Recht.

Lieder
1. Rote Augen
2. Alphakomet
3. Anomalie
4. Nahtod
5. Ultragrab
6. Nonnenstern
7. Kreuzer
8. Schwerter der Zeit
9. Vakuum

Band
Jan Buckard – Bass, Gesang
Christian Kolf – Gitarre, Gesang
Florian Toyka – Schlagzeug

Neues von One Past   Zero

Jüngst erreichte mich neues Promomaterial von der Ulmer Band One Past Zero verbunden mit den neuesten Neuigkeiten. Da mache ich mich doch gleich auf, die frohe Botschaft unter das Metal Volk zu bringen. Im September wird die neue EP „Perpetual Creeping Horror“ von One Past Zero auf den Markt kommen. Ich bin jetzt schon ganz hibbelisch, was für Perlen die Band da auspacken wird, steht sie doch bisher für einen ganz und gar unkonventionellen Mix aus schrammeligem, krawalligem Stoner Rock/Metal, Doom, Sludge mit einem gehörigen Schuss Ozzy Osbourne und einer Prise Punk. Der Song „Corpse Grinder“ auf der Promo 19 CD beweist, dass Death Metal und ein paar deftige Growls ebenfalls hervorragend in den Sound von One Past Zero passen. Die Grundstimmung der Songs ist rundweg herrlich düster und creepy. Die Band lässt sich in keine Schublade pressen und das macht die Songs so irre, faszinierend und eigen. Der September wird großartig.

YouTube Channel von rebejr1

Liebe auf das erste Riff. „Alruna“ von Mammoth Storm

Doom Metal / Stoner Metal
Veröffentlicht: 28.06.2019
Argonauta Records
https://www.facebook.com/MammothStorm
https://mammothstorm.bandcamp.com/


Es ist das Album, auf das ich schon das ganze Jahr sehnsüchtig warte. Heute ist „Alruna“ von Mammoth Storm endlich da. Fünf brandneue Songs. Wohoo! Das erste Mal sind mir die schwedischen Doom Metaller als Vorband bei einem Ahab Konzert begegnet. Es war mein erstes Doom Metal Konzert und ich war ein wenig skeptisch, denn ich bin ein eher hibbeliger Mensch, mehr so der Typ Speed Metal, und ich hatte Sorge, ob ich die nötige Geduld für Doom aufbringen kann. Inzwischen habe ich die entspannende, meditative Wirkung des Doom allerdings zu schätzen gelernt. Mein Gitarrenspieltempo verhält sich übrigens seltsamerweise eher diametral dazu. Aber ich schweife ab. Mammoth Storm überzeugten jedenfalls mit ihrem Auftritt und ich kaufte mir das erste Album Fornjot (2015). Der Hammer. Nun legen die Schweden nach und ick freu mir so. Der Titel des Albums „Alruna“, also Alraune, klingt schon vielversprechend, ranken sich doch um diese Pflanze jede Menge Mythen, Geheimnisse und Aberglauben.

Der Opener „Giants“ eröffnet gleich damit, wofür Mammoth Storm bekannt sind: einem Mörderriff. Liebe auf das erste Riff. Ein absoluter Herzschlagbeschleuniger, trotz des doomtypisch gemächlichen Tempos. Der Kopf wippt sofort mit. Schwer, tief, rhythmisch einlullend und gemütlich umgarnt das Riff die Gedanken und bringt einen dazu völlig loszulassen. Eine Melodie ergänzt dieses schließlich perfekt. Sie umspielen sich, belauern sich. Gegen Ende bringen die stampfenden Drums noch einmal alles zum Vibrieren. Wohooo! Mehr als gelungener Auftakt.

„Alruna“, der Titeltrack, kommt hypnotisch, psychedelisch und sehr düster daher. Wie überhaupt das gesamte Album einen intensiv düsteren Charakter hat. Es liegt eine unterschwellige Bedrohung in dem Song, die immer wieder hervorbricht. Dafür sorgt unter anderem Daniel Arvidsson durch seinen Gesang, der irgendwo zwischen Schreien, Singen und Sprechgesang liegt. „Alruna“ soll laut Mammoth Storm wie der Rausch sein, den die Alraune hervorruft. Unwirklich, täuschend, giftig. „Shores Of The Dead“ wirkt auf mich noch ein wenig schwerer, wuchtiger und bedrohlicher als „Alruna“. Vor allem die intensiven, unter die Haut gehenden, bösen, tiefen Growls stechen heraus und unterbrechen den hypnotischen Flow.

„Raven Void“ ist nach dem Opener „Giants“ mein zweites Highlight des Albums. Der Song ist wie eine drohende Gewitterwolke kurz vor dem Entladen: schwer, drückend, düster. Ein Riff, das einem die Luft aus den Lungen presst. Ausgekotzte Worte voller Gift, rhythmisch packend. Eine Gitarrenpassage mit Flangersound erzeugt zwischendurch eine unwirkliche, entrückte Atmosphäre und auch melodisch ist „Raven Void“ mitreißend. „Atra Mors“ drosselt das Tempo, ja das geht tatsächlich. Der Song vereint noch einmal alles, was uns zuvor schon begegnet ist. Am besten gefällt mir der Part, in dem der Bass zu einem tiefer als tiefen Vibrieren wird. Gänsehaut.

Satte, schwere Riffs, düster, drohend und gern mal 5 bis 7 Halbtöne tiefer als der Standard. Ausgefeilte, eingängige Melodien und cleverer, wohldosierter und pointierter Einsatz von Gitarreneffekten. Rhythmisch ist alles ausgefeilt und Melodien, Drums und Riffs passen perfekt zusammen. Erdiger Drumsound, stampfend, walzend, zäh – aber nicht langweilig. Hypnotisch, psychedelisch mit Sludge und Post Metal Elementen zwischen den Doom und Stoner Walzen. Für mich war es liebe auf das erste Riff. Für euch vielleicht auch? Dringend reinhören!

YouTube Channel von Argonauta Records



Tracks:
1. Giants
2. Alruna
3. Shores of the Dead
4. Raven Void
5. Atra Mors

Band:
Daniel Arvidsson – Bass, Vocals
Christer Ström – Guitars
Emil Ahlman – Drums, Organ

Vertonter Horror. The Astral Horror von Othuum

Doom Metal
Veröffentlicht: 05.01.2019
Eigenveröffentlichung
https://www.facebook.com/othuumband/?ref=py_c


a3166236441_16Der Doom reißt nicht ab und dabei kommt man thematisch ganz schön rum. Heute habe ich Grusel-Doom von Othuum aus Mönchengladbach im Gepäck. Irgendwie muss ich jetzt an meine Schwester denken, die einmal vor Mönchengladbach zu früh abgebogen ist, aber das ist ein anderes Thema. Zurück zu Othuum und ihrem ersten Album, das übrigens „The Astral Horror“ heißt. Der Bandname deutet es schon an: es geht irgendwie um H.P Lovecraft, denn bei Othuum handelt es sich um ein Tentakel-Alien-Monster aus dessen Universum. Auch der Name des Albums fügt sich hier vortrefflich ein. H.P Lovecraft und seine fantastische Horrorliteratur dienten ja schon so einigen Metalbands als Inspirationsquelle für ihre Musik. Hören wir uns also an, wie Othuum den Stoff verarbeitet haben.

„The Astral Horror“ besteht aus dem instrumentalen Intro „Exordium“, welches schon mal für eine leicht unbehagliche Stimmung sorgt und auf das Kommende einstimmt, und fünf weiteren Songs. Das Kommende hat es wahrlich in sich, denn Othumm verstehen es in allen Songs meisterlich, mit dem Tempo ihrer Musik zu spielen und darüber nervenzerfetzende Spannung zu erzeugen. So zieht „Curse of Darkness“ zum Beispiel seinen Reiz aus dem Gegensatz zwischen schnellem Tremolopicking und langsamem Hauptriff, während die Drums rhythmisch variabel agieren und spannungsreiche Pausen setzen. „Black Corpse River“ beginnt Clean und ist relativ flott und halbwegs fröhlich. Aber natürlich dräut schon Unheil am Horizont. Das Ganze gleitet in eine irgendwie fiese, ungemütliche Stimmung ab, was vor allem die bedrohlich wirkenden Growls bewerkstelligen. „The Anti​-​Cosmic God“ ist eine wuchtige Walze. Die Gitarre scheint ihre Melodie irgendwo aus dem zweifelhaften Schatten herauszuschleudern und das einfach wunderschön. „Infernal Tentacle Wars“ hat einen minimalistischen Beginn, präsentiert uns ein geiles Riff, das von den verschiedenen Instrumenten in Lautstärke und Tempo immer wieder variiert wird und doch dasselbe bleibt.

Zu erwähnen ist der Gesang von Geri v. Junzt, der wie eine Mischung aus Dave Gahan von Depeche Mode und Ralf Hütter von Kraftwerk daherkommt. Ich mag beide Stimmen überhaupt nicht, aber die Mischung in Kombination mit der Musik passt wie die Faust aufs Auge und gefällt mir. Minus und Minus ergibt eben doch Plus. Man könnte den Gesang als Gothic mit Fauch- und Growl-Einsätzen beschreiben. Mal emotionslos, mal wütend, mal flüsternd.

Othuums Erstling „The Astral Horror“ ist düster und gruselig, voll Unbehagen und Ungemütlichkeit. Es ist wie ein vertonter Horrorroman, der einen schaudern lässt. Herrlich. Dabei ist immer eine gewisse Melancholie zu spüren, ein Hauch von Weltall, von Unendlichkeit. Und das alles schaffen Othuum mit relativ minimalistischen Mitteln. Ohne Schnörkel – auch ohne den großen Überraschungsmoment. Es ist nichts, was jetzt noch nie dagewesen wäre – aber es ist halt ziemlich geil.

Reinhören und das Album kaufen könnt ihr hier: https://othuum.bandcamp.com/releases

Tracks:
 1. Exordium
 2. Curse of Darkness
 3. Black Corpse River
 4. The Anti-Cosmic God
 5. Infernal Tentacle Wars
 6. City Of The Dreaming Dead

Band:
Geri v. Junzt – Gesang
Ernst – Gitarre
Max W. Raven – Bass
Marschhausen – Drums

Die schnelle Dröhnung: The Millenial Heartbeat von Flame, Dear Flame

Doom Metal
Veröffentlicht: 05.04.2019
Independent
https://www.facebook.com/flamedearflame


XKH155705… und es geht weiter im Zeichen des Doom. Und zwar mit ganz frischem, neuem, unverbrauchtem Doom. Die Braunschweiger Band Flame, Dear Flame, die sich 2017 gründete, veröffentlicht mit „The Millenial Heartbeat“ nun Anfang April ihre Debüt-EP. Sie umfasst drei längere Songs und kommt somit auf eine Gesamtlänge von 21 Minuten. Ich fasse kurz und dilettantisch zusammen: Es geht um die Entstehung des Ozeans, das Sterben des Landes und die Kräfte der Natur. Also quasi um Holland. Hum. Man möge  meinen allzu laxen Umgang mit der Philosophie, die hinter all dem steckt, verzeihen. Hören wir lieber, wie Flame, Dear Flame dieses Thema musikalisch verpacken.

„The Millenial Heartbeat Part I“ eröffnet den Reigen. Der Ozean deutet sich geräuschemäßig an und ein Gitarrenriff rollt herein, das einen sofort mit auf die Reise nimmt. Als nächstes fällt selbstverständlich die weibliche Stimme auf. Hat man ja nicht alle Tage bei Doom Metal Bands. Maren Lemkes glasklare Stimme, das dominante Gitarrenriff und der Wechsel zwischen Distortion- und Cleangitarre, die sich wie wogende Schaumkronen umtanzen, ergeben ein Ganzes – eine Ganzes das mir sehr gut gefällt.

„The Millenial Heartbeat Part II“. Das Wasser sucht sich seinen Weg. Ein Riff, welches das in Part I raffiniert variiert, ohne gleich zu klingen, kommt kraftvoll daher. Zunächst steht der Gesang im Vordergrund. Im Hintergrund drückend, schattige Gitarren. Und – ach ich liebe dieses Riff. Im zweiten Teil zieht das Tempo etwas an und die Drums prägen durch allerlei rhythmische Raffinesse den Song. Auch eine feine, kleine Bassmelodie  sorgt für Varianz.

„The Millenial Heartbeat Part III“. Es rauscht ganz schön, die Wellen donnern. Genau mein Ding, denn der Song kommt zu Beginn richtig schwer und schleppend daher, bevor es in eine leichte Cleanmelodie übergeht, zu der sich leicht und klar Marens Stimme gesellt. E-Gitarren brechen in die Zartheit des Momentes. Im zweiten Teil akzentuiert die Gitarre rhythmisch, bevor es wieder in zarten Cleanteil übergeht. Ja und potztausend – plötzlich entfaltet sich vor unseren Ohren schwarzmetallisch anmutendes Tremolopicking und Black’n’Roll Feeling blitzt kurz auf. Zart endet alles.

Ich würde sagen: Debüt gelungen, gefällt mir sehr gut, macht Spaß zuzuhören. Weiter so! Doom mit dem ein oder anderen Überraschungsmoment.


Tracks:
1. The Millenial Heartbeat Part I
2. The Millenial Heartbeat Part II
3. The Millenial Heartbeat Part III

Band:
Maren Lemke – Gesang
David Kuri – Gitarre
Martin Skandera – Bass
Jan Franzen – Schlagzeug

Philipp Horenburg – Additional guitars

Gelungener klassischer Doom: Destination Void von Wolf Counsel

Doom Metal
Veröffentlicht: 22.02.2019
Endless Winter
https://www.wolfcounsel.net/


DESTINATION-HI-RESDas neue Jahr steht bisher sehr stark im Zeichen des Doom. „Im Zeichen des Doom“ – das wäre ein schöner Titel für – für irgendwas eben. Ich sichere mir auf jeden Fall die Rechte. Eigentlich geht es aber um das neue und vierte Album der Schweizer Doom Metaller Wolf Counsel. „Destination Void“ entstand in nur vier Monaten und umfasst sieben Songs. Ich muss ehrlich gestehen, dass meine Kenntnisse des Schweizer Metal etliche verheerend peinliche Lücken aufweisen. Da fange ich doch heute glatt damit an, diese zu stopfen.

Der Opener „Nazarene“ bietet uns einprägsames Riffing und einen bildschönen cleanen Gitarrenpart, der für schauerliche Gänsehaut sorgt. Glockenklang am Schluss rundet das Ganze ab. Glockenklang ist das Stichwort. Ein wichtiges, ja unverzichtbares Stilmittel des Doom, das auch auf „Destination Void“ gern eingesetzt wird und zur schaurig ungemütlichen Atmosphäre beiträgt. So läuten die Glocken denn auch „Nova“ ein, das mich sehr an Candlemass erinnert. Schwer und zäh – also positiv zäh – wälzt sich der Song dahin. „Tomorrow Never Knows“, übrigens ein Malapropismus des Beatle Ringo Starr, ist ein kraftvoller Song, der mit schönen Bassmelodien brilliert und schon fast ein wenig Southern Rock Feeling aufkommen lässt. „Staring Into Oblivion“ hingegen überzeugt mit mystischem Beginn und schwerem Riffing im Stile von Black Sabbath. Mein persönlicher Höhepunkt des Albums ist allerdings „Destination Void“. Orgelklänge leiten den Song dramatisch ein. Gitarren tasten sich langsam, langsam vorwärts, lauern. Aufreizend langsame Bendings. „Destination Void“ ist ein Song, bei dem ein ungeduldiger Mensch wie ich beinahe durchdreht und das liebe ich. Es ist wie eine Erlösung, wenn es dann losgeht. Klar, ohne in übertriebene Hast auszubrechen. Der Song lebt von diesen Tempowechseln, die immer wieder absolute Spannung aufbauen. Ein tolles Gitarrensolo gibt’s auch noch obendrauf – ach, ich bin glücklich.

Wolf Counsel überzeugen mit ihrem vierten Album ausnahmslos. Variables, eingängiges Riffing, hypnotischer Gesang, der aber niemals ermüdet oder nervt, ansprechende Bassparts und rhythmisch tragende Passagen. Dazu der ein oder andere Tempowechsel und eine herrlich unheilvolle Grundstimmung. Hier und da fühlt man sich an Candlemass und Black Sabbath erinnert, aber die Musik bleibt immer eigenständig. Sehr gelungener, klassischer Doom. Und wisst ihr was? Ich habe das hier geschrieben, ohne einen dummen Flachwitz über Doom Metal und die Schweiz zu bringen. Ups…

Bis das neue Album erscheint, könnt ihr hier einstweilen ins Vorgängeralbum „Age Of Madness / Reign Of Chaos“ reinhören.


Tracks:
1. Nazarene
2. Nova
3. Mother of All Plagues
4. Men of Iron Men of Smoke
5. Destination Void
6. Tomorrow Never Knows
7. Staring into Oblivion

Band:
Ralf W. Garcia (Gesang, Bass)
Reto Crola (Schlagzeug)
Andreas Reinhart (Gitarre)
Ralph Huber (Gitarre)

Die schnelle Dröhnung: Promo 18 von One Past Zero

Doom Metal/Stoner Metal/Sludge
Veröffentlicht: 2018
Eigenproduktion
http://www.facebook.com/onepastzero/


one-past-zero-promo-2018-cover-scan-296x300Es gibt Musik, die mag man sofort. Es gibt Musik, die benötigt ein Weilchen, bis sie zündet und es gibt Musik, die mag man sofort überhaupt nicht. „Promo 18“ von One Past Zero gehört wohl für viele in Kategorie 2, für manche sogar in Kategorie 3. Für mich war es Liebe auf den ersten Ton. Die Scheibe flatterte mir vor Kurzem ins Haus und schon die düstere, Gothic-Horror-mäßige Aufmachung stimmte mich neugierig. One Past Zero – das sind die zwei Ulmer Musiker Uli Hildenbrand (Ex-Poison, Ex-R.U. Dead?) und Kishde (Ex-The Real Massacre). Vor „Promo 18“ gab es schon einige weitere Demos, außerdem die EPs „Divine Unholy“ (2016) und „Unholy Divine“ (2017). Das Demo „Promo 18“ gibt mit seinen beiden enthaltenen Songs einen ersten Ausblick auf die für 2019 geplante dritte EP.

„Attack“, startet thrashig, zackig und knackig mit mehreren Temporeduktionen in doomige Gefilde. Der Song verbreitet stellenweise psychedelisches 70er Jahre Rock- und Stonerfeeling und transportiert eine wunderbar unheilschwangere Grundstimmung. Die Stimme von Uli erinnert an eine Kreuzung aus grandios manischem Ozzy Osbourne und Siouxschamane was sicher für den ein oder anderen etwas gewöhnungsbedürftig ist, was mir aber einfach nur ein Grinsen ins Gesicht getackert hat. Der Sound klingt verwaschen, dumpf, schrammelig, krachig und abgeratzt. Herrlich.

Das 10-minütige Werk „To Serve Man“ startet zurückgenommen und erinnert sehr an den Rock der 70er Jahre. Dumpf und wummernd zieht das Tempo an, tieeeeeefe Gitarren – Dooooooom, laaaaangsam. Tempo zieht wieder an krauchende, keifende, verzerrte Gitarren. Drumfill – Dooooom – wir pendeln nochmal so richtig über dem Boden – so, nu isses auch sauber. Perfekt. Der Song groovt nochmal ordentlich los, bevor die Gitarren hallig aushallen.

Ich bin geflasht, begeistert, hin und her und weg. Die Musik von One Past Zero ist krachig, schrammelig, doomig, verrückt, manisch und psychedelisch und das alles zugleich. Versehen mit einer großen Portion Black Sabbath und Ozzy. Wer Bock hat auf Metal abseits der ausgetretenen Pfade – hier ist er!

YouTube Channel von rebejr1: https://www.youtube.com/user/rebejr1


Tracks:
1. Attack
2. To Serve Man

Band:
Kishde (Schlagzeug)
Uli Hildenbrand Gesang, Gitarre, Bass)

Düster, verzweifelt, verträumt, wütend. Estuary von Mirror of Deception

Doom Metal
Veröffentlicht: 09.11.2018
Eigenproduktion
http://www.mirrorofdeception.de


the estuary cover

Wer nach den ganzen Weihnachts- und Neujahrsfeierlichkeiten momentan noch etwas lahm ist und wem deshalb jetzt noch nicht gleich wieder nach Speed Metal zumute ist, wer den Organismus sacht aus dem Feiertagskoma holen möchte, für den ist Doom Metal doch genau das Richtige. Und wie es der Zufall so will, habe ich da genau das Richtige auf Lager. Nach acht Jahren und einem kleinen Umbau in der Band 2015, veröffentlichten die deutschen Doom Metaller Mirror of Deception im November ihr neues Album „Estuary“, das acht Songs enthält.

Mit „Orphans“, „Divine“ und „Immortal“ finden sich auf Esturay gleich mehrere eingängige Songs, die sich schnell im Ohr festsetzen. „Orphans“ wartet mit verzweifeltem, zornigem Gesang auf, der uns mit jeder Menge Nachdruck entgegengeschleudert wird. Ergänzt wird das Ganze durch ein eingängiges Gitarrenriff. Ansprechend und melodisch mitreißend. „Divine“ ist melodisch wunderbar ausgefeilt und überzeugt mit melancholischen Gitarren und Gänsehautgesang. „Immortal“ macht gleich weiter damit und geht in die tiefsten Tiefen. Die Gitarre sitzt wie ein Stachel im Gehörgang und stichelt beständig. Der Song entwickelt sich schließlich immer mehr zu einem Epic Doom Kracher. Ein würdiger Abschluss des Albums.

Mit „To Drown a King“ findet sich auch eine echte, herrliche Doom Walze auf „Estuary“. Schwer schleppt sich der Song dahin. Drückend und bedrückend. Herrlich. Langsam pendelt der Kopf dahin und kommt ganz sacht in Schwung. „At my Shore“ hat mir besonders gut gefallen. Ab der Hälfte wird der Text nicht gesungen, sondern gesprochen. Geflüsterte Worte atmosphärisch untermalt. Langsam driften die Worte über in sanften Gesang. Man fühlt sich wie von Wellen als Treibgut an den Strand gespült. Der Song pendelt irgendwo zwischen sehnsuchtsvoll und vergessen, ankommen und nicht ankommen wollen. Das verzweifelte „To Dust“ gefällt mir ebenfalls sehr gut. Der Song lebt unter anderem von gequälten, verzweifelten Rufen im Wechsel mit dem Gesang. Der Break mit gesprochenen Worten, untermalt vom Bass, erzeugt ebenfalls wohligen Schauer.

Auf „Esturay“ findet ihr jede Menge absolut hörenswerten, düsteren Doom. Düster und noch viel mehr: wunderbar melancholische Melodien, Wut, Verzweiflung, Verträumtheit, Sehnsucht. Alles dabei, was ein gutes Doom Album braucht. Reinhören könnt ihr unter: https://mirrorofdeception-doom.bandcamp.com


Tracks:
1. Splinters
2. Orphans
3. At My Shore
4. Magnets
5. To Drown A King
6. To Dust
7. Divine
8. Immortal

Band:
Michael (Gesang, Gitarre)
Jochen (Gitarre)
Hans (Bass, Gesang)
Rainer (Schlagzeug)