Die schnelle Dröhnung: „Lifehunger“ von Vreid

Black Metal/Melodic Black Metal
Veröffentlicht: 28.09.2018
Season Of Mist
https://www.vreid.no


Der ewige Kreislauf von Werden und Vergehen, von Leben und Tod, von Ende und Neuanfang. Ein Thema, das einfach zum Herbst passt und somit passt auch das neue Album der norwegischen Black Metal Band Vreid voll in diese Zeit. Die Windir Nachfolgeband legt mit „Lifehunger“ ihr achtes Studioalbum vor und ich finde, es klingt sehr stimmig, erwachsen und auf eine gewisse Art angekommen.

Das Album spiegelt musikalisch sehr überzeugend wider, was es textlich aussagt, nämlich dass überbordender Lebenshunger uns nur vom unvermeidlichen Ende ablenken soll. Und so gestaltet sich das Album wie ein düsterer Wald im Herbstnebel durch dessen Geäst sich immer wieder ein Sonnenstrahl schiebt. Vreid experimentieren viel und das macht das Album unheimlich kurzweilig. Da wären das akustisch gehaltene Intro „Flowers & Blood“. Ruhig, entspannt, schön. „One Hundred Years“ dagegen überzeugt mit Blackmetalriffing und Groovigkeit und versprüht ein wenig folkiges Flair mit einem gelungenen Akustikintermezzo. „Lifehunger“ beginnt mit einem doomigen Riff wird dann aber sehr groovig und rockig und der mit Vreid fest verbundene Begriff Black’n’Roll kommt hier ins Spiel. Auch „Sokrates must die“ rockt und groovt ordentlich und macht einfach Spaß. „The Dead White“ bringt dann sogar noch thrashige Riffs ins Spiel. „Hello Darkness“ ist wiederum ein wenig schräg und SOLSTAFIR-Sänger Aðalbjörn Tryggvason erzeugt hier mit seinem Gesang gruslige Gänsehautatmosphäre. Nicht jedermanns Sache, aber mir gefällt’s. Mit dem Instrumentalstück „Heimatt“ kehrt die Schwermut wieder zurück doch es bleibt nicht dabei, der Song nimmt schnell Tempo und Kraft auf und ein wenig Lebensfreude blitzt durch.

„Lifehunger“ ist experimentierfreudig und kreativ, düster, schwermütig und nachdenklich und gleichzeitig rockig und groovig. Vreid bleiben musikalisch nicht in der tiefen Verzweiflung stecken, sondern rocken sich immer wieder heraus. Dabei nutzen sie alles, was geht: Blackmetallriffs, Groove, Thrash- und Doomriffs, Heavy Metal Elemente und das alles so stimmig, dass es auch noch Spaß macht.

YouTube Channel von Season of Mist: https://www.youtube.com/channel/UC5TaZWeRgdN7klKM60Hj6rQ


Tracks:
1. Flowers & Blood
2. One Hundred Years
3. Lifehunger
4. The Dead White
5. Hello Darkness
6. Black Rites in the Black Nights
7. Sokrates Must Die
8. Heimatt

Band:
Sture – Gesang, Gitarre
Strom – Gitarre
Hváll – Bass
Steingrim – Schlagzeug

 

Die schnelle Dröhnung: Diluvium von Obscura

Technical/Progressive Death Metal
Veröffentlicht: 13.07.2018
Relapse Records
https://www.realmofobscura.com/


In der Rubrik „Die schnelle Dröhnung“ findet ihr ab sofort Rezensionen, die etwas kürzer als die üblichen Albumrezensionen ausfallen. Man könnte sie auch „Reingehört“ nennen, aber das klingt natürlich nicht so cool. Den Auftakt machen Obscura mit „Diluvium“.

Ein Albumzyklus neigt sich dem Ende. Mit „Diluvium“ veröffentlichen die Landshuter Technical Death Metaller von Obscura zehn Jahre nach dem Start des Zyklus mit „Cosmogenesis“ und zwei Jahre nach der Veröffentlichung ihres letzten Albums „Akroasis“ nun den letzten Akt. Und der hat wirklich Vieles zu bieten, was das Metaller Herz begehrt. Natürlich haben Obscura das im Gepäck, was wir von ihnen kennen: Technische Versiertheit und Brillianz, vielschichtige und komplexe Songstrukturen und herrliches Gefrickel – jaja, ich weiß das mag nicht jeder. Darüberhinaus bietet „Diluvium“ aber noch viel mehr. Obscura beweisen, dass sie auch eingängig und melodisch können. Mal wird es melancholisch, mal spacig, mal groovt es jazzig, mal wird es nachdenklich und ruhig („Mortification of the Vulgar Sun“, „Ekpyrosis“), mal bekommen wir böse auf die Fresse („Diluvium“, „Clandestine Stars“). Die rasend schnellen Gitarrensoli sind  ein Ohrenschmaus und Linus Klausenitzers Fretless Bass-Passagen machen Spaß und widerlegen eindrucksvoll das Vorurteil, dass Bassisten das Instrument nur vor die Kaffeeflecken auf ihrem T-Shirt halten. Growls und Vokoder-Gesang runden die Songs harmonisch ab. Auch für „Diluvium“ gilt also: Es gibt wahnsinnig viel zu entdecken. Auf jeden Fall mehrfach hören!

YouTube Channel von Relapse Records: https://www.youtube.com/channel/UC_E54fzF2BPsy7Ig4aDygWA


Tracks:
1. Clandestine Stars
2. Emergent Evolution
3. Diluvium
4. Mortification of the Vulgar Sun
5. Ethereal Skies
6. Convergence
7. Ekpyrosis
8. The Seventh Aeon
9. The Conjuration
10. An Epilogue to Infinity
11. A Last Farewell (Bonus Track)

Band:
Steffen Kummerer (Gitarre, Gesang)
Rafael Trujillo (Gitarre)
Linus Klausenitzer (Bass)
Sebastian Lanser (Drums)