Die schnelle Dröhnung: „Voidhaven“ von Voidhaven

Death Doom Metal
Veröffentlicht: 19.10.2018
Solitude Productions
http://www.voidhaven.de


VoidhavenIch liebe diese Momente, in denen ich unvermutet auf einen kleinen Schatz stoße. Sie sind einfach unbezahlbar und mit wenigen Dingen zu vergleichen. Das Herz fängt an zu pochen, du nickst anerkennend, ein Lächeln breitet sich auf deinem Gesicht aus, wird zum Strahlen. So ging es mir mit der EP „Voidhaven“ der Hamburger Death Doom Metaller Voidhaven. Klein ist der Schatz in diesem Fall nur deshalb, weil die EP lediglich zwei Songs umfasst. Warum nur zwei? Man möchte unweigerlich mehr hören. Bei mir laufen „The Floating Grave“ und „Beyond the Bounds of Sleep“ nun schon eine Weile auf Dauerschleife und ich kann mich nicht satt hören.

Den Reiz des Albums macht eine absolut Herzschlag beschleunigende Mischung aus. Melancholische Melodien von sanft klagenden, cleanen Gitarren und Sänger Simons an trauriger Verzweiflung grenzendem Cleangesang verströmen eine anrührende Fragilität. Im Gegensatz dazu wirken die unheilvollen tiefen Growls und das Krächzen auf eine gewisse Art schon fast brutal und erschütternd. Unterstützt wird die Wirkung von Jakobs massiv-düsterem Bass und tiefen, drückenden, schweren Gitarren. Ein wundervoller, reizvoller Kontrast, der tief ins Mark trifft. Das alles natürlich in doomig gemächlichem Tempo.

Beeindruckend. Anrührend. Unbedingt anhören. Der Hammer. Wirklich. Ich bin schockverliebt.

YouTube Channel von Solitude Productions: https://www.youtube.com/channel/UClwNBIBuQglLOYKz9TWXCcA


Tracks:
1. The Floating Grave
2. Beyond the Bounds of Sleep

Band:
Simon – Gitarre, Gesang
Phil – Gitarre
Marcos – Keyboards
Jakob – Bass, Gesang
Martin – Schlagzeug

Die schnelle Dröhnung: Promo 18 von One Past Zero

Doom Metal/Stoner Metal/Sludge
Veröffentlicht: 2018
Eigenproduktion
http://www.facebook.com/onepastzero/


one-past-zero-promo-2018-cover-scan-296x300Es gibt Musik, die mag man sofort. Es gibt Musik, die benötigt ein Weilchen, bis sie zündet und es gibt Musik, die mag man sofort überhaupt nicht. „Promo 18“ von One Past Zero gehört wohl für viele in Kategorie 2, für manche sogar in Kategorie 3. Für mich war es Liebe auf den ersten Ton. Die Scheibe flatterte mir vor Kurzem ins Haus und schon die düstere, Gothic-Horror-mäßige Aufmachung stimmte mich neugierig. One Past Zero – das sind die zwei Ulmer Musiker Uli Hildenbrand (Ex-Poison, Ex-R.U. Dead?) und Kishde (Ex-The Real Massacre). Vor „Promo 18“ gab es schon einige weitere Demos, außerdem die EPs „Divine Unholy“ (2016) und „Unholy Divine“ (2017). Das Demo „Promo 18“ gibt mit seinen beiden enthaltenen Songs einen ersten Ausblick auf die für 2019 geplante dritte EP.

„Attack“, startet thrashig, zackig und knackig mit mehreren Temporeduktionen in doomige Gefilde. Der Song verbreitet stellenweise psychedelisches 70er Jahre Rock- und Stonerfeeling und transportiert eine wunderbar unheilschwangere Grundstimmung. Die Stimme von Uli erinnert an eine Kreuzung aus grandios manischem Ozzy Osbourne und Siouxschamane was sicher für den ein oder anderen etwas gewöhnungsbedürftig ist, was mir aber einfach nur ein Grinsen ins Gesicht getackert hat. Der Sound klingt verwaschen, dumpf, schrammelig, krachig und abgeratzt. Herrlich.

Das 10-minütige Werk „To Serve Man“ startet zurückgenommen und erinnert sehr an den Rock der 70er Jahre. Dumpf und wummernd zieht das Tempo an, tieeeeeefe Gitarren – Dooooooom, laaaaangsam. Tempo zieht wieder an krauchende, keifende, verzerrte Gitarren. Drumfill – Dooooom – wir pendeln nochmal so richtig über dem Boden – so, nu isses auch sauber. Perfekt. Der Song groovt nochmal ordentlich los, bevor die Gitarren hallig aushallen.

Ich bin geflasht, begeistert, hin und her und weg. Die Musik von One Past Zero ist krachig, schrammelig, doomig, verrückt, manisch und psychedelisch und das alles zugleich. Versehen mit einer großen Portion Black Sabbath und Ozzy. Wer Bock hat auf Metal abseits der ausgetretenen Pfade – hier ist er!

YouTube Channel von rebejr1: https://www.youtube.com/user/rebejr1


Tracks:
1. Attack
2. To Serve Man

Band:
Kishde (Schlagzeug)
Uli Hildenbrand Gesang, Gitarre, Bass)

Die schnelle Dröhnung: „To Abide In Ancient Abysses“ von Naxen

Black Metal
Veröffentlicht: 07.11.2018
Verdens Aske, Vendetta Records
https://naxen.bandcamp.com/


a3217608762_10Naxen – ein, ähm, Schmerzmittel? Nein, das ist zwar das einzige, was man so unter dem Namen findet, aber hier soll natürlich nicht über Medikamente referiert werden, nein, es geht um brandneuen Black Metal aus Nordrhein-Westfalen. Denn noch im alten Jahr haben Naxen ihr erstes Demo-Tape zunächst digital und dann wie heute wieder üblich auch als limitierte Kassette veröffentlicht. Logo, Cover und Empfehlung von den Genrekollegen Ultha sind vielversprechend, also neugierig reingehört und erste Eindrücke gewonnen.

Das erste der beiden Lieder, „Great God Of Grief“, wartet mit viel Atmosphäre und melancholischen Leads auf. Dabei rast es die meiste Zeit mit Blast Beats vor sich hin. Richtig überzeugend ist die kurze akustische Passage mit träumerischer Melodie. Nach kurzer Zeit wird selbige von hektischem Schlagzeug unterlegt, um anschließend in den intensiven, gefühlvollen und nicht minder furiosen Schlussteil überzugehen. Gelungene 10 Minuten.

Nicht weniger intensiv, aber weit aggressiver gibt sich „Dawn Of New Despair“. Wo „Great God Of Grief“ den Fokus eher auf Melancholie legt, gibt es hier wütende Raserei und einen boshaften Midtempo-Abschnitte. Es ätzt und gallt richtig an allen Ecken und Enden. Im letzten Abschnitt fegt das schneidende Riffing, vorangetrieben vom polternden Schlagzeug und infernalischen Gesant, alles weg. Ein bisschen Oldschool-Atmosphäre kommt da schon auf. Zappenduster.

Naxen bieten auf „To Abide In Ancient Abysses“ sicher nicht die dollsten Ideen, erfinden das Genre auch nicht neu und machen nicht irgendwelche verrückten Sachen, um sich abzuheben. Nö, sie liefern einfach extrem guten atmosphärischen Black Metal, melancholisch, düster, aggressiv. Bei diesem Niveau und vielleicht sogar einer Steigerung (?) darf man jedenfalls zurecht gespannt sein auf den bereits für dieses Jahr angekündigten Full-Length-Release.


Lieder:
1. Great God Of Grief
2. Dawn Of New Despair

Band:
FT – Gitarre, Gesang
SM – Bass
LN – Gesang, Gitarre
ED – Schlagzeug

Die schnelle Dröhnung: „Lifehunger“ von Vreid

Black Metal/Melodic Black Metal
Veröffentlicht: 28.09.2018
Season Of Mist
https://www.vreid.no


Der ewige Kreislauf von Werden und Vergehen, von Leben und Tod, von Ende und Neuanfang. Ein Thema, das einfach zum Herbst passt und somit passt auch das neue Album der norwegischen Black Metal Band Vreid voll in diese Zeit. Die Windir Nachfolgeband legt mit „Lifehunger“ ihr achtes Studioalbum vor und ich finde, es klingt sehr stimmig, erwachsen und auf eine gewisse Art angekommen.

Das Album spiegelt musikalisch sehr überzeugend wider, was es textlich aussagt, nämlich dass überbordender Lebenshunger uns nur vom unvermeidlichen Ende ablenken soll. Und so gestaltet sich das Album wie ein düsterer Wald im Herbstnebel durch dessen Geäst sich immer wieder ein Sonnenstrahl schiebt. Vreid experimentieren viel und das macht das Album unheimlich kurzweilig. Da wären das akustisch gehaltene Intro „Flowers & Blood“. Ruhig, entspannt, schön. „One Hundred Years“ dagegen überzeugt mit Blackmetalriffing und Groovigkeit und versprüht ein wenig folkiges Flair mit einem gelungenen Akustikintermezzo. „Lifehunger“ beginnt mit einem doomigen Riff wird dann aber sehr groovig und rockig und der mit Vreid fest verbundene Begriff Black’n’Roll kommt hier ins Spiel. Auch „Sokrates must die“ rockt und groovt ordentlich und macht einfach Spaß. „The Dead White“ bringt dann sogar noch thrashige Riffs ins Spiel. „Hello Darkness“ ist wiederum ein wenig schräg und SOLSTAFIR-Sänger Aðalbjörn Tryggvason erzeugt hier mit seinem Gesang gruslige Gänsehautatmosphäre. Nicht jedermanns Sache, aber mir gefällt’s. Mit dem Instrumentalstück „Heimatt“ kehrt die Schwermut wieder zurück doch es bleibt nicht dabei, der Song nimmt schnell Tempo und Kraft auf und ein wenig Lebensfreude blitzt durch.

„Lifehunger“ ist experimentierfreudig und kreativ, düster, schwermütig und nachdenklich und gleichzeitig rockig und groovig. Vreid bleiben musikalisch nicht in der tiefen Verzweiflung stecken, sondern rocken sich immer wieder heraus. Dabei nutzen sie alles, was geht: Blackmetallriffs, Groove, Thrash- und Doomriffs, Heavy Metal Elemente und das alles so stimmig, dass es auch noch Spaß macht.

YouTube Channel von Season of Mist: https://www.youtube.com/channel/UC5TaZWeRgdN7klKM60Hj6rQ


Tracks:
1. Flowers & Blood
2. One Hundred Years
3. Lifehunger
4. The Dead White
5. Hello Darkness
6. Black Rites in the Black Nights
7. Sokrates Must Die
8. Heimatt

Band:
Sture – Gesang, Gitarre
Strom – Gitarre
Hváll – Bass
Steingrim – Schlagzeug

 

Die schnelle Dröhnung: Diluvium von Obscura

Technical/Progressive Death Metal
Veröffentlicht: 13.07.2018
Relapse Records
https://www.realmofobscura.com/


In der Rubrik „Die schnelle Dröhnung“ findet ihr ab sofort Rezensionen, die etwas kürzer als die üblichen Albumrezensionen ausfallen. Man könnte sie auch „Reingehört“ nennen, aber das klingt natürlich nicht so cool. Den Auftakt machen Obscura mit „Diluvium“.

Ein Albumzyklus neigt sich dem Ende. Mit „Diluvium“ veröffentlichen die Landshuter Technical Death Metaller von Obscura zehn Jahre nach dem Start des Zyklus mit „Cosmogenesis“ und zwei Jahre nach der Veröffentlichung ihres letzten Albums „Akroasis“ nun den letzten Akt. Und der hat wirklich Vieles zu bieten, was das Metaller Herz begehrt. Natürlich haben Obscura das im Gepäck, was wir von ihnen kennen: Technische Versiertheit und Brillianz, vielschichtige und komplexe Songstrukturen und herrliches Gefrickel – jaja, ich weiß das mag nicht jeder. Darüberhinaus bietet „Diluvium“ aber noch viel mehr. Obscura beweisen, dass sie auch eingängig und melodisch können. Mal wird es melancholisch, mal spacig, mal groovt es jazzig, mal wird es nachdenklich und ruhig („Mortification of the Vulgar Sun“, „Ekpyrosis“), mal bekommen wir böse auf die Fresse („Diluvium“, „Clandestine Stars“). Die rasend schnellen Gitarrensoli sind  ein Ohrenschmaus und Linus Klausenitzers Fretless Bass-Passagen machen Spaß und widerlegen eindrucksvoll das Vorurteil, dass Bassisten das Instrument nur vor die Kaffeeflecken auf ihrem T-Shirt halten. Growls und Vokoder-Gesang runden die Songs harmonisch ab. Auch für „Diluvium“ gilt also: Es gibt wahnsinnig viel zu entdecken. Auf jeden Fall mehrfach hören!

YouTube Channel von Relapse Records: https://www.youtube.com/channel/UC_E54fzF2BPsy7Ig4aDygWA


Tracks:
1. Clandestine Stars
2. Emergent Evolution
3. Diluvium
4. Mortification of the Vulgar Sun
5. Ethereal Skies
6. Convergence
7. Ekpyrosis
8. The Seventh Aeon
9. The Conjuration
10. An Epilogue to Infinity
11. A Last Farewell (Bonus Track)

Band:
Steffen Kummerer (Gitarre, Gesang)
Rafael Trujillo (Gitarre)
Linus Klausenitzer (Bass)
Sebastian Lanser (Drums)