Die schnelle Dröhnung: Diluvium von Obscura

Technical/Progressive Death Metal
Veröffentlicht: 13.07.2018
Relapse Records
https://www.realmofobscura.com/


In der Rubrik „Die schnelle Dröhnung“ findet ihr ab sofort Rezensionen, die etwas kürzer als die üblichen Albumrezensionen ausfallen. Man könnte sie auch „Reingehört“ nennen, aber das klingt natürlich nicht so cool. Den Auftakt machen Obscura mit „Diluvium“.

Ein Albumzyklus neigt sich dem Ende. Mit „Diluvium“ veröffentlichen die Landshuter Technical Death Metaller von Obscura zehn Jahre nach dem Start des Zyklus mit „Cosmogenesis“ und zwei Jahre nach der Veröffentlichung ihres letzten Albums „Akroasis“ nun den letzten Akt. Und der hat wirklich Vieles zu bieten, was das Metaller Herz begehrt. Natürlich haben Obscura das im Gepäck, was wir von ihnen kennen: Technische Versiertheit und Brillianz, vielschichtige und komplexe Songstrukturen und herrliches Gefrickel – jaja, ich weiß das mag nicht jeder. Darüberhinaus bietet „Diluvium“ aber noch viel mehr. Obscura beweisen, dass sie auch eingängig und melodisch können. Mal wird es melancholisch, mal spacig, mal groovt es jazzig, mal wird es nachdenklich und ruhig („Mortification of the Vulgar Sun“, „Ekpyrosis“), mal bekommen wir böse auf die Fresse („Diluvium“, „Clandestine Stars“). Die rasend schnellen Gitarrensoli sind  ein Ohrenschmaus und Linus Klausenitzers Fretless Bass-Passagen machen Spaß und widerlegen eindrucksvoll das Vorurteil, dass Bassisten das Instrument nur vor die Kaffeeflecken auf ihrem T-Shirt halten. Growls und Vokoder-Gesang runden die Songs harmonisch ab. Auch für „Diluvium“ gilt also: Es gibt wahnsinnig viel zu entdecken. Auf jeden Fall mehrfach hören!

YouTube Channel von Relapse Records: https://www.youtube.com/channel/UC_E54fzF2BPsy7Ig4aDygWA


Tracks:
1. Clandestine Stars
2. Emergent Evolution
3. Diluvium
4. Mortification of the Vulgar Sun
5. Ethereal Skies
6. Convergence
7. Ekpyrosis
8. The Seventh Aeon
9. The Conjuration
10. An Epilogue to Infinity
11. A Last Farewell (Bonus Track)

Band:
Steffen Kummerer (Gitarre, Gesang)
Rafael Trujillo (Gitarre)
Linus Klausenitzer (Bass)
Sebastian Lanser (Drums)

Perfekte Symbiose aus Doom und Heavy Metal – Desolation von Khemmis

Epic Doom/Heavy Metal/NWoBH
Veröffentlicht: 22.06.2018
Nuclear Blast Records
http://khemmisdoom.com/


Ich hatte ja die grandiose Idee, das Sommerloch mit ein paar wertvollen und wirklich verblüffenden Life Hacks zu füllen. Und davon hätte ich ein paar wirklich gute auf Lager gehabt: 1. Wenn du ein Bild aufhängst und den Betonstaub mit dem Staubsauger einsaugen willst, hilft es, wenn du nicht nur das Rohr hinhältst, du musst auch noch einschalten, sonst rieselt das ganze Zeug doch glatt trotzdem auf den Boden. 2. Halte dich im Urlaub von Menschen fern. Besonders von Bauarbeitern, die ein Zimmer neben dir haben und um 5 Uhr aufstehen. Ich könnte jetzt noch ewig so weitermachen, aber zum Glück habe ich etwas Besseres gefunden, über das ich schreiben kann: das neue Album von Khemmis.

Die Herren aus Colorado galten bisher immer noch als Geheimtipp, sind aber mit ihrem neuen Album „Desolation“ auf dem besten Wege das zu ändern. Mit ihrem Mix aus Doom Metal und klassischem Heavy Metal mit einem kräftigen Schuss NWoBH lassen sich Khemmis nur schwer in irgendeine unserer so geliebten und wohlgeordneten Schubladen stecken – und das ist genau das, was mir an ihrer Musik so richtig gut gefällt. „Desolation“ bietet uns sechs facettenreiche Songs. Der Opener „Bloodletting“ gibt die Marschrichtung gleich gut vor. Schwere, doomige Gitarrenriffs, die eine zwielichtige Grundstimmung schaffen, klassische Heavy Metal Melodie, die das Ganze auflockert und nicht zu düster werden lässt. Natürlich darf das passende NWoBH Solo nicht fehlen. Die Krone setzt dem Ganzen Phil Pendergasts wunderbare Stimme auf, die mal klar und hell über allem thront, mal fies zischt und faucht. Auch die anderen fünf Songs bewegen sich in diesem Rahmen. „Seer“ beginnt herrlich schwer und drückend, überzeugt durch Pendergasts glasklare Cleanstimme gepaart mit bösartigem Gefauche, das eine schwarzmetallische Note hinzufügt, und träumerischer Melodie. Die größten Kracher auf dem Album sind für mich allerdings „Maw of Time“ und „From Ruin“. „Maw of Time“ ist stimmlich dermaßen intensiv, dass es echt an die Nieren geht. Von Cleangesang über tiefe Growls bis hin zu Blackmetalgekeife wird alles geboten. Das Tempo ist gemächlich – und wird dann nach fünf von sieben Minuten noch gemächlicher. Schwere Gitarren, Wummerbass gepaart mit Gekeife und Grummelgrowls. Woooooh. Schließlich jaulende Gitarren. Herzklopfen. Gänsehaut. Ehrlich mal. Auch „From Ruin“ geht gemächlich los, legt aber zur Mitte hin kurzfristig eine Schippe drauf. Die Finger flitzen übers Griffbrett und versetzten den Hörer in wahre Verzückung. Ja, sie flitzen immer noch getragen, aber sie flitzen. Heavy Metal mit wunderbarer Dramatik, Melodie, Pathos und Herzschmerz entfaltet sich in unseren Ohren, ohne kitschig, klischeehaft oder abgedroschen daherzukommen. Eine ruhige cleane Passage haben die Jungs auch noch eingeschoben. Zum Heulen schön. Der Text passt in seiner mitreißenden Verzweiflung meisterlich zur Musik. „From Ruin“ bietet für mich die perfekte Symbiose aus Doom und Heavy Metal.

Ich kann nur sagen: ran an das Album! Khemmis spielen eine wahnsinnig geile Kombi aus Doom und klassischem Metal. Ihre Musik ist offen, modern und qualitativ hochwertig und passt nicht wirklich in eine Schublade – oder eben in sehr viele Schubladen. Das mag den einen oder anderen irritieren. Ich finde es sehr erfrischend wie Khemmis Altes abstauben und in Ehren halten und Neues hinzufügen und kombinieren. Zum Beispiel die Anleihen aus dem Black Metal passen in die Songs wie die Faust aufs Auge. Mir gefallen die schweren doomigen Parts, die dunkel und zwielichtig sind, aber nie in die große, allumfassende Düsternis und Verzweiflung abgleiten. Mir gefallen die Dramatik und der Pathos des klassischen Heavy Metal, die aber nie kitschig oder drüber sind. Die Songs sind alle keine Tempomonster und dennoch leben sie auch von ihren Tempowechseln. Dann ist da noch die Stimme von Phil Pendergast, die unglaublich schön, ergreifend und wandelbar ist und jedem der sechs Songs einen unverwechselbaren Touch verleiht und die Krone aufsetzt.

YouTube Channel von Nuclear Blast Records: https://www.youtube.com/channel/UCoxg3Kml41wE3IPq-PC-LQw


Tracks:
1. Bloodletting
2. Isolation
3. Flesh to Nothing
4. The Seer
5. Maw of Time
6. From Ruin

Band:
Ben Hutcherson – Gitarre, Gesang
Phil Pendergast – Gitarre, Gesang
Daniel Beiers – Bass
Zach Coleman – Drums

Song des Monats 06/18

Wir starten nachdenklich in die Woche. Muss ja zwischendurch auch mal sein. „Warboy“ heißt er, der Song des Monats. Er wird sich auf dem neuen Album der finnischen Groove Metaller Profane Omen befinden, das Anfang September erscheint. Ich bin schon sehr gespannt auf die neue Scheibe. Mit „Warboy“ beweisen die Finnen, dass sie die vier Jahre seit dem letzten Album nicht nur damit verbracht haben seltsame Bilder zu posten – obwohl das natürlich durchaus auch sehr wichtig ist, ohne Frage.

„Warboy“ ist ein ernster, nachdenklicher Song, der das Thema Krieg behandelt. Wofür ziehen Menschen in den Krieg? Wollen sie das wirklich selbst oder sind sie gezwungen? Geht die anfängliche Begeisterung ganz schnell verloren, wenn der Krieg sein widerliches Gesicht zum ersten Mal ganz real offenbart? Und schließlich die Frage „Hat sich das nun alles gelohnt?“ „Kannst du nachts noch schlafen?“ Das Thema ist auf keinen Fall neu, doch leider immer noch aktuell, und ich finde, Profane Omen transportieren es gut. Einem ruhigen, instrumental akustischen und stimmlich cleanen Beginn, der mit einem Seufzer endet, folgt eine aufrüttelnde Shoutattacke, untermalt von einem zurückhaltenden Gitarrenriff. Der Wechsel zwischen Clean- und Shoutstimme zieht sich durch den Song und im letzten Drittel geben die Herren nochmal richtig Gas – untermalt von Schussgeräuschen und mit der Frage versehen: „Do you like what you see?“ Sehr gelungen. Übrigens haben sich Profane Omen für den Song stimmliche Unterstützung von Markus Toivonen (Ensiferum), Mathias Lillmåns (Finntroll), Jonne Järvelä (Korpiklaani) und Ville Sorvali (Moonsorrow) geholt. „Warboy“ hat mich neugierig gemacht, auf das neue Album „Ooka“. Vielleicht geht es euch auch so?! Viel Spaß jedenfalls beim Hören – und beim Sehen, das Video ist sehr künstlerisch.

Quelle: YouTube Channel von Profane Omen https://www.youtube.com/channel/UCtvbwm1K1Gyz05QQPNqJdKQ

Song des Monats 05/18

Der Monat Mai steht ganz im Zeichen von Amorphis und ihrem neuen Album „Queen of Time“. Der Song des Monats heißt deshalb „The Bee“. Der Song ist progressiv und archaisch-geerdet zugleich. Einerseits wartet er mit einem wuselig-flirrenden Synthiriff, orientalischen Klängen, Chorgesang und Orchesterarrangement auf. Dann kombinieren die Finnen dazu aber den Kehlkopfgesang von Albert Kuvezin und Joutsens dunkle Growls und verleihen dem Ganzen so eine gewisse Erdung, etwas Schamanistisches, sogar eine gewisse Rohheit. Die steht wiederum in reizvollem Gegensatz zum sirenenhaften Gesang einer weiblichen Stimme und zu Chor und Orchester. Die Synthis sorgen für eine weltentrückte Stimmung, die kraftvollen Gitarren holen das Ganze wieder zurück auf den Boden. Man denkt, all das kann nie zusammen funktionieren. Tut es aber doch! Viel Spaß beim Hören!

YouTube Channel von Nuclear Blast Records: https://www.youtube.com/channel/UCoxg3Kml41wE3IPq-PC-LQw

Ein Hauch von Vergänglichkeit und Ewigkeit – Queen of Time von Amorphis

Melodic Death Metal/Dark Metal/Progressive Metal/Folk Metal
Veröffentlicht: 18.05.2018
Nuclear Blast Records
http://amorphis.net/


Queen of Time

Queen of Time

Donnerstagnachmittag. Im Briefkasten liegt das neue Album „Queen of Time“ von Amorphis. „Yippie“, denke ich mir. Das Tagwerk ist bereits erledigt, genug Zeit  und Ruhe also, um gleich mal reinzuhören. Schon die Hülle ist zum Sterben schön und ich verweile einige Zeit in andächtiger Betrachtung. Ich lege die Scheibe ein und drücke auf „Play“, flacke mich aufs Sofa und schließe die Augen. Die ersten Töne erklingen. Schöööön. „Ding-dong“. Dieses Türklingelgeräusch gehört definitiv nicht zum Konzept des neuen Werks der Finnen. DHL liefert die neue Garderobe. Kurz kämpfe ich mit mir, doch die nörgelnde Stimme des Pflichtbewusstseins siegt und ich höre „Queen of Time“ nicht auf dem Sofa, sondern während ich die neue Garderobe zusammenschraube. Und was soll ich sagen – ich musste wirklich aufpassen, dass ich mir vor lauter Begeisterung und Glückseligkeit nicht in den Finger dremle.

Das 13. Studioalbum von Amorphis entstand, wie schon das Vorgängeralbum „Death of a King“, in Zusammenarbeit mit Produzent Jens Bogren. Seine Handschrift ist auf „Queen of Time“ unverkennbar und man muss wirklich sagen: Amorphis und Bogren, das passt wie Arsch auf Eimer. Das Album ist noch einen Tick progressiver und epischer als sein Vorgänger und trotzdem absolut Metal. Es klingt definitiv wie die logische Weiterentwicklung von „Death of a King“. Neben bekannten Elementen wie der Flöte (Chrigel Glanzmann von Eluveitie), folkigen oder orientalisch anmutenden, eingängigen Melodien und Killerriffs, bietet „Queen of Time“ uns den Auftritt von Saxofonist Jørgen Munkeby und von Texter Pekka Kainulainen, der in „Daughter of Hate“ einige Worte spricht. Dazu kommen Chorgesang und Orchester. Außerdem stehen Keyboarder Santeri Kallio und sein Instrument deutlich mehr im Vordergrund als noch zuvor. So übernimmt er häufiger das Hauptriff und es gibt auch das ein oder andere Keyboardsolo. Aber natürlich kommen auch die Gitarren der Herren Holopainen und Koivusaari nicht zu kurz.  Inhaltlich geht es laut Gitarrist Esa Holopainen um „Kosmische Mächte, an die die Menschen vor langer Zeit glaubten, vom Aufstieg und Fall der Kulturen. Sie (die Biene, Anm. T!B!B!) steht für den Mikrokosmos, der dennoch kataklysmische Veränderungen auslösen kann. Der Fall von Weltreichen, der von einem kleinen sprießenden Samen eingeläutet wird. Der Schmetterling, der einen Hurrikan auslöst.“ So erklärt er das Albumcover.

Es fällt mir wirklich schwer einzelne Songs hervorzuheben, denn jeder von ihnen geht ins Ohr und setzt sich dort unerbittlich fest. Der Opener „The Bee“ startet mit einer sphärischen Frauenstimme, doch ruckzuck donnert Tomi Joutsen mit einem brachialen Röhrer mit Macht dazwischen. Ein Refrain, der hängenbleibt, gesellt sich dazu und ein wuseliges Keyboardriff begleitet alles und verbreitet ein Flair nicht von dieser Welt. In reizvollem Gegensatz zur Progressivität steht der Kehlkopfgesang von Albert Kuvezin und bringt eine schamanistisch-archaische Note in den Song ein. Zu meinen persönlichen Höhepunkten des Albums zählen jedoch „Message in the Amber“, „Daughter of Hate“, „Heart of the Giant“ und „Grain of Sand“. „Message in the Amber“ beginnt mit einer leichten, folkigen, verträumten Gitarrenmelodie und Joutsens sanftem, melancholischem Gesang, bevor er seine Growls aus den tiefsten Tiefen auspackt und uns unvermittelt eine ordentliche Packung verpasst. Chor und Orchester verleihen dem Song eine ganz eigene, wunderschöne Erhabenheit, die durch die Verzerrung der Stimmen hier und da einen leicht spacigen Einschlag bekommt. Gleichzeitig ist „Message in the Amber“ sehr druck- und kraftvoll. „Sister of hate“ startet mit einem knappen Orgeleinstieg und Joutsens zartschmelzender Stimme. Doch dann wird es schnell schwarzmetallisch. Fiese Screams zischen uns entgegen. Das Saxofonsolo hätte ich jetzt nicht gebraucht – traue nie einem Instrument, das aus Metall besteht, sich aber immer noch als Holzblasinstrument ausgibt. Nee, mag ich einfach nicht. Aber das ist Geschmacksache. Kombiniert mit einem wunderbar melancholischen Gitarrenriff und ein bisschen Chorgesang ergibt sich eine reizvolle Mischung aus Aggressivität, Melodik und Melancholie. Mit diesem Gegensatz spielen Amorphis ohnehin sehr gern und sehr gekonnt. Auch „Heart of the Giant“ bedient sich dieses Stilmittels. Einem verträumten Gitarrenintro folgen kraftvolle Streicher, energischer, aufpeitschender Chorgesang und ein Gitarrenriff wie aus dem Märchenbuch. Der Refrain wird getragen von Joutsens melancholischem Klargesang und seinen druckvoll herausgehauenen Growls. Ergänzt wird das Ganze durch ein Keyboard- und ein Gitarrensolo. Der ganze Song ist sehr energiereich und entfaltet eine cineastisch anmutende Kulisse. „Grain of Sand“ wirkt dagegen wieder roh, archaisch, bedrohlich und bodenständig, spielt aber ebenfalls mit den genannten Gegensätzen. Ein Duett bietet das Album auch noch. In „Amongst Stars“ umschmeicheln sich die Stimmen von Gastsängerin Anneke van Giersbergen und Tomi Joutsen und ergeben ein stimmiges Ganzes.

Amorphis haben wieder einmal ein Mörderding rausgehauen. Die Kombi aus flirrenden Synthiklängen, mal verträumt-melancholischen, mal aggressiv-druckvollen Gitarrenriffs, folkigen und orientalischen Melodien ist einfach nur gelungen. Auch wenn man die ein oder andere Kombi schon mal gehört hat, wirkt nichts an dem Album aufgewärmt und wiedergekäut. Orgel, Chor und Orchester verleihen den Songs eine Erhabenheit und Schönheit, die das Herz schneller schlagen lässt. Elemente wie der gesprochene Text in „Sister of Hate“, Albert Kuvezins Kehlkopfgesang oder Glanzmanns Flöte fügen einen schamanistisch-archaischen Touch hinzu. Und dann ist da natürlich noch Joutsens Ausnahmestimme. Ob fiese Screams, dunkle, bellende Growls, gequälter, schmerzerfüllter oder melancholischer, glasklarer Klargesang – Joutsen zieht einen unweigerlich in seinen Bann und treibt einem beinahe die Tränen in die Augen vor Begeisterung. Der Mann könnte „Alle meine Entchen“ growlen, würde dabei immer noch Begeisterungsstürme auslösen und nichts von seiner Würde einbüßen. Das Konzept vom Aufstieg und Verfall wird durch die Musik zur Gänze transportiert. Aus jedem Ton klingt ein Hall von Ewigkeit, etwas aus der Zeit Gehobenes, das über allem steht.


Tracks:
01. The Bee
02. Message In The Amber
03. Daughter Of Hate
04. The Golden Elk
05. Wrong Direction
06. Heart Of The Giant
07. We Accursed
08. Grain Of Sand
09. Amongst Stars
10. Pyres On The Coast

Band:
Tomi Joutsen (Gesang)
Esa Holopainen (Gitarre)
Tomi Koivusaari (Gitarre)
Santeri Kallio (Keyboards)
Olli-Pekka „Oppu“ Laine (Bass)
Jan „Snoopy“ Rechberger (Drums)

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Song des Monats 04/18

Obscura haben mir live als Vorband von Sepultura so gut gefallen, dass der Aprilsong „Ten Sepiroth“ heute von den Landshuter Technic Death Metallern kommt. Ihr findet den Song auf dem wirklich großartigen Album „Akróais“, das 2016 veröffentlicht wurde. Dort trifft Rationalität auf Metaphysik, sturkturierter Technical Death Metal auf progressive Elemente. Alles dreht sich ums Universum und seine Schwingungen und um Eschatologie.

In „Ten Seprioth“ geht es um das Hervorgehen der verschiedenen Schöpfungsphasen aus dem Einen. Es geht um Licht, um Gegensätze, um hell und dunkel, männlich und weiblich. Ich habe das jetzt mal sehr laienhaft zusammengefasst. Wer sich näher mit dem Thema befassen möchte – fragt bloß nicht mich!

A crown, created with divine will
An infinite light of the creator

Through wisdom, from nothingness, a first revelation
An unbound flash widespread, sheer cataclysm

A vessel, made of comprehension
To give it grasp, of breadth and depth

Ten Sepiroth – A central state of unity
Ten Sepiroth – Amanations pure creation

Upholding the heavens, saturating the stars
In splendor bright glory, deliverance ascends
Sustaining the cosmos, a maelstrom of spirits
In newborn distress, emblazed sparkling spheres

Loving grace of inspiring vision
Withhold this victory in mere sincerity
To envision the concentric circles
Conscious alone the heretic

Through wisdom, from nothingness, a first revelation
An unbound flash widespread, sheer cataclysm
Ten Sepiroth – A central state of unity
Ten Sepiroth – Emanations pure creation

Bevor sich das Hirn jetzt vollends verknotet, wenden wir uns lieber der Musik zu. Der Song beginnt mit einem cleanen Gitarrenintro mit Bassuntermalung, nimmt dann aber recht schnell Fahrt auf und verpasst uns den Tritt in den Hintern, den wir gelegentlich brauchen. Rafael Trujillos Finger flattern Schmetterlingsflügeln gleich über das Griffbrett, das Schlagzeug bläst uns die Perücke weg und der Bass sorgt dann wieder für ein wenig Entspannung. Ein paar schöne Harmonien gibts auch noch und am Ende driftet der Song unbestimmt aus. Und weil es Spaß macht den Herren bei ihrer Arbeit zuzusehen, nutzen wir doch die Chance, dass es zu „Ten Sepiroth“ mehrere Videos gibt und betrachten den Song von allen Seiten genau. Sehr wissenschaftlich, oder? Viel Spaß!

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Heathen Crusade Tour. Moonsorrow in Ludwigsburg.

Ville Sorvali, Gesang und Bass, Moonsorrow

Ville Sorvali, Gesang und Bass, Moonsorrow

Wir schreiben das Jahr 2018. Eine Horde Finnen und Iren brach in den ersten warmen Tagen des Aprils zu einem heidnischen Kreuzzug durch Europa auf. Moonsorrow und Primordial riefen ihre Anhänger auf, ihnen zu folgen. Und so bestiegen auch wir unser Stahlross, verließen unser kleines Dorf, in dem wir momentan im Exil leben, und ritten gen Rockfabrik Ludwigsburg, um Moonsorrow zu sehen. Gut, laut unserer Eintrittskarte handelte es sich zwar um die „Heaven Crusade Tour“ statt um die „Heathen Crusade Tour“, aber Fehler passieren nun mal, und wir ließen uns nicht verwirren und auf Irrwege leiten.

Nikita Kamprad, Gesang und Gitarre, Der Weg Einer Freiheit

Nikita Kamprad, Gesang und Gitarre, Der Weg Einer Freiheit

Um 19.30 Uhr eröffneten Der Weg einer Freiheit mit „Einkehr“ den schwarzmetallischen/paganmetallischen Abend. Ich kannte die Jungs vorher nicht und muss sagen, gefiel mir sehr gut, was da geboten wurde. Melodischer Progressive Blackmetal. Sehr meditativ. Häufig stand ich einfach nur mit geschlossenen Augen da und ließ alles auf mich einregnen. Auch Bassist Nicolas Ziska pendelte mit seinem Bass bisweilen entspannte 10 Zentimeter über dem Boden. Aber Vorsicht! Ich möchte an dieser Stelle eine dringende Warnung aussprechen: Zu tiefes Bangen in der ersten Reihe ist schlecht für die Zähne! „Einkehr“ folgten „Skepsis, Part I“, „Zeichen“ und „Requiem“. Den Auftritt beschloss „Aufbruch“. Mir gefiel der Wechsel zwischen entspannten, melodiös-ruhigen Passagen und brachialen Blackmetal Tremolo Picking – Doublebass Blastbeat Wänden, die einen gnadenlos an die Wand bliesen, sehr gut. Die Lichtshow war perfekt darauf abgestimmt, so dass man bald nicht mehr so richtig wusste „Bin ich das? Oder bin ich der Typ neben mir?“ Allerdings entwickelten wir die schlüssige These, dass das Blitzlichtgewitter hauptsächlich dazu diente, die lila Gitarre von Gitarrist Nicolas Rausch zu kaschieren – oder war sie doch schwarz? Wer weiß… Nach dem Auftritt wurde ich noch auf ein Problem aufmerksam, mit dem sich viele Blackmetal Bands herumschlagen müssen – die Zeit. Auf den Hinweis eines Fans, dass es schade sei, dass Der Weg einer Freiheit Teile eines Songs ausgelassen hätten, antwortete Bassist Nicolas Ziska, man habe schließlich nur 45 Minuten. Ja – das reicht halt mal grad für 1 1/4 Songs bei manchen Bands.

Der Weg Einer Freiheit, Rockfabrik Ludwigsburg

Der Weg Einer Freiheit, Rockfabrik Ludwigsburg

Die Umbaupause gestaltete sich zur Nervenprobe. Im Hintergrund wurde die Tonspur einer finnischen Soap eingespielt. Zumindest klang es so. Eine männliche Stimme jammerte, flehte und lamentierte – und strapazierte die Nerven aufs Äußerste. Damit sollte wohl sichergestellt werden, dass alle Weicheier, die dieser Folter nicht standhielten, den Raum verließen. Sie sind des Kreuzzuges nicht würdig. Eisern hielten wir durch. Die Hosen der Crew pendelten zwischen „How low can you go“ und „Hang ‚Em High“. Schnell wurde noch eine Art schwarzes Pümpelbecken an den Drums befestigt. Der uns von anderen Konzerten wohlbekannte Roadie „Mathias“ (wir nennen ihn so – vermutlich heißt er wie jeder anständige Finne Mika oder Klaus Kevin) checkte Drums und Mikros und hängte noch schnell eine kleine Gardine ums Schlagzeugpodest auf. Das sorgte für eine heimelige Atmosphäre. Leider verzichtete er aber auf die Geranienkästen. Und dann trat SIE in mein Leben. Eine handgefertigte, finnische Ruokangas Custom V in rot. Was für eine Schönheit.

Mitja Harvilahti, Gitarre, Moonsorrow

Mitja Harvilahti, Gitarre, Moonsorrow

Nach einigen Unstimmigkeiten beim Gitarrencheck und einem ausgiebigen Test der Nebelmaschine – hüstel -, enterten Moonsorrow mit ihren üblichen blutbeschmierten Gesichtern endlich die Bühne. Und mit ihnen natürlich die Ruokangas Custom V, die praktischerweise direkt vor meiner Nase schwebte. Zusammen mit ihrem Besitzer Mitja Harvilahti. Die Finnen eröffneten ihren Auftritt mit „Pimeä“. Am Funksender von Gitarrist Janne Perttilä musste noch ein wenig gebastelt werden, aber dann konnte auch er ordentlich Gas geben. Verfolgt von Mathias‘ besorgtem Blick. Es folgten „Ruttolehto“, „Suden Tunti“ und „Kivenkantaja“. Zu meiner persönlichen Freude spielten Moonsorrow auch „Mimisbrunn“. Was für ein Wahnsinnssong. Laut Sänger und Bassist Ville Sorvali ein Song zum Relaxen. Ich war und bin wieder einmal begeistert von Moonsorrow und ihrer Bühnenpräsenz und Spielgewalt. Man wird unweigerlich angelockt, mitgerissen, eingesogen. Harvilahti fegte über die Bühne wie ein wild gewordenes Irrlicht, animierte das Publikum oder poste erhaben über unseren Köpfen, die rote Gitarre majestätisch nach vorne gereckt. Manchmal stand er dann wieder minutenlang da und sang und spielte mit geschlossenen Augen – völlig versunken in der Musik. Auch Perttilä hat eine ganz eigene Ausstrahlung. Er erinnerte mich jedes Mal an eine der verrückten Figuren aus den russischen Märchen. Mal wackelte er wie eine Marionette durch die Gegend und grinste dabei hintergründig, mal feuerte er das Publikum an. Und dann ist da noch Ville Sorvali. Sein Krächzen und Zischen ging durch Mark und Bein. Sein Gesicht, mal schmerzerfüllt, mal gequält. Sein Blick so intensiv, so vernichtend, dass man unweigerlich in Gedanken die eigenen Verfehlungen der letzten Tage durchgeht. Er würde sich auch als Lehrer gut machen. Man spürt einfach vom ersten Ton an, dass er seine Musik mit jeder Faser seines Körpers lebt. Es folgte ein Geburtstagsständchen des Publikums für Keyboarder Markus Eurén. Um nicht zu viel unpassende Fröhlichkeit aufkommen zu lassen, verkündete Sorvali dann, dass wir alle irgendwann sterben müssen. Er, Markus, das Publikum – wir alle. Es folgte „Kuolleiden Maa“, der Song über das Land der Toten. Mit dieser optimistischen Zukunftsaussicht verließen Moonsorrow dann auch die Bühne. Wie? Sechs Songs und 1 1/4 Stunden schon um? Ein wirklich intensives, mitreißendes Konzert. Meditativ, aufpeitschend, aufwühlend, musikalisch exzellent. Wenn ihr die Chance habt, die Finnen einmal live zu sehen – ergreift sie! Es lohnt sich wirklich! Die Gardine wurde vom Drumpodest entfernt und zusammengeknüllt – aber das wird Mathias mit seinem Reisebügeleisen sicher wieder richten.

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Urgewalt in Stuttgart. Sepultura do Brasil.

Sepultura, LKA Longhorn, Stuttgart

Sepultura, LKA Longhorn, Stuttgart

Freitag, der 9.3.2018! Ein historischer Tag! Der Tag, an dem für mich Weihnachten, Ostern, Geburtstag, Namenstag, Beltane und Sonnenwende auf einen Tag fielen. Der Tag, an dem Sepultura sich im LKA Longhorn in Stuttgart die Ehre gaben. Ich wollte die brasilianischen Metal Legenden ja schon länger endlich mal live sehen. Aber die Götter – irgendjemand muss ja Schuld sein – waren diesem Vorhaben bisher nicht gewogen. Bis letzten Freitag eben. Ich war aufgeregt, wie am ersten Schultag. Als mein lieber Gatte und ich dann gen Stuttgart aufbrachen, hatte ich mich allerdings, im Unterschied zum ersten Schultag, gegen das rosa Kleid und die Engelslöckchen entschieden. Die Götter des freien Parkplatzes waren uns an diesem lauen Abend hold und so konnte der Konzertabend starten.

Dank des üblichen Staus am Pragsattel spielte die erste von drei Vorbands, Fit For An Autopsy, schon als wir ankamen. Mein erster Eindruck? Die US-amerikanischen Core Metaller brachten die Toilettenwände zum Beben. Im wahrsten Sinn des Wortes. Allerdings stellte ich nach zwei Titeln wieder einmal fest, dass Core Metal nicht mein Ding ist, auch wenn die Herren ihre Sache gut machten. Damit hat sich also auch das Metal Disco Bowling für mich erledigt. Aber das ist eine andere Geschichte. Pause. Umbau.

Fit For An Autopsy, LKA Longhorn, Stuttgart

Fit For An Autopsy, LKA Longhorn, Stuttgart

Als Nächstes enterten die Death- und Blackmetaller von Goatwhore die Bühne. Nun ja, Sänger Ben Falgoust humpelte an Krücken auf die Bühne und nahm auf einem Transportcase Platz. Eine bedauerliche Begegnung mit der Tür des Tourtransporters, wie wir später erfuhren. Diese kleine Blessur tat dem Auftritt aber keinen Abbruch. Derbe Growls raushauen und Luftgitarre spielen geht ja auch prima im Sitzen – ebenso wie das Ausführen unheilschwangerer Gesten. Gitarrist Sammy Duet legte sich ebenfalls ins Zeug. Es machte wirklich Spaß ihm beim Spielen zuzusehen. Leider fand ich die Jungs musikalisch auf Dauer nicht so überzeugend. Goatwhore spielten sich durch die ersten Songs vom aktuellen Album „Vengeful Ascension“: „Forsaken“, „Under the Flesh, Into the Soul“, „Vengeful Ascension“ „Chaos Arcane“ und „Mankind Will Have No Mercy“. Außerdem gaben sie noch zwei ältere Titel zum Besten. Gut – aber nicht vollständig überzeugend. Pause, Umbau. Besorgte Blicke nach hinten. Der nette, schon ziemlich angeschickerte Herr hinter mir, der zeitweilig neben mir ein wahres Feuerwerk an pathetischen Gesten vollführte, die mir langsam aber sicher bedrohlich nahe kamen und glücklicherweise doch nie in meinem Gesicht landeten, lacht irre. Wird er durchhalten, bis Sepultura auf die Bühne kommen? Wohl eher nicht. Da braucht man noch nicht mal mehr Wetten abschließen.

Goatwhore, LKA Longhorn, Stuttgart

Goatwhore, LKA Longhorn, Stuttgart

Die dritte Vorband des Abends – Obscura – betrat die Bühne. Deutscher Technical Death Metal erwartete uns nun. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich die meiste Zeit damit beschäftigt war, Gitarrist Rafael Trujillo staunend auf die Finger zu schauen. In der stolzen, aufrechten Haltung eines Kämpfers in der Arena flogen seine Finger über das Griffbrett seines Instruments, dass ich mir beim Tappen zeitweilig nicht mehr sicher war, ob er noch Gitarre oder schon Klavier spielt. Beeindruckend. Auch insgesamt haben mir Obscura live wirklich sehr, sehr gut gefallen. Technical Death Metal heißt ja leider oftmals einfach nur schnell, schnell. Das ist bei den Jungs aus Landshut definitiv nicht der Fall. Da kommt auch noch „wow“ dazu. Vom aktuellen Album „Akróasis“ spielten Obscura „Ten Sepiroth“, „Akróasis“ und „Ode to the Sun“. Außerdem noch „Ocean Gateways, „The Anticosmic Overload“ und „Centric Flow“. Pause. Umbau. Der nette, aber sehr angeschickerte Herr hinter mir hat es leider nicht geschafft. Er war weg, bevor Sepultura da waren. Tragisch.

Sepultura, LKA Longhorn, Stuttgart

Sepultura, LKA Longhorn, Stuttgart

Dann endlich war es soweit. Gänsehaut! Sepultura! Vom ersten Ton an brachten die Brasilianer eine unglaubliche Energie und Bühnenpräsenz mit, die mich voll in ihren Bann zog. Sänger Derrick Green glänzte mit seinen hervorragenden Deutschkenntnissen: „Guten Abend!, Wie geht es Ihnen? Bombenwetter heute!“ und noch mehr mit seinem Gesang und seiner gesamten Performance. Auch an der Trommel, über der Bühne thronend und neben Drummer Eloy Casagrande, machte Green eine gute Figur. Natürlich rhythmisch gesehen. Hier muss ich einen kleinen Gesprächsausschnitt der Herren vor mir wiedergeben: „Derrick Green. Isch des der neue Sänger?“ „Neuer Sänger? Der isch scho 20 Jahre dabei, der neue Sänger.“ Bassist Paulo Jr. versprühte gute Laune und Spielfreude und sah dabei ein wenig aus, wie der nette, zottelige Yeti von nebenan. Auf dem Podest machte er ebenfalls eine gute Figur und ließ den Bass dabei unheilvoll wummern. Auf Eloy Casagrande war ich richtig gespannt. Was der an den Drums abzieht, ist einfach nur der Hammer. Minutenlang sah ich mir an, wie er auf seine Trommeln, Tomtoms, Hi-Hats und das andere Gedöns mit unglaublicher Kraft, Geschwindigkeit und Präzision eindrosch und dabei kaum eine Schweißperle zu verlieren schien. Andreas Kisser wiederum zeigte eindrucksvoll, welch beachtliches Repertoire er besitzt, wenn es darum geht, der Gitarre jammernde, jaulende, ja gar äußerst gequält klingende Bendings und Laute zu entlocken. Wahnsinn. Jedes Solo begleitete er mit der entsprechend darauf abgestimmten Mimik. Man spürt absolut nichts davon, dass er diesen Job schon so viele Jahre macht. Er scheint immer noch jede Menge Spaß dabei zu haben, seine Gitarre Abend für Abend gequält aufjaulen zu lassen oder ihr tiefe Brummeltöne oder aggressive Riffs zu entlocken. Kisser spricht ebenfalls Deutsch, wie Green irgendwann feststellte: „Herr Kisser, Sie sprechen gut Deutsch.“ „Danke es geht.“ „Ihr Deutsch ist schaißa!“ Sepultura spielten eine ganze Ladung Songs vom aktuellen Album „Machine Messiah“. Darunter „I Am the Enemy“, „Phantom Self“, „Machine Messiah“, „Resistant Parasites“ oder das live wirklich geile, instrumentale „Iceberg Dances“. Natürlich fehlten aber auch die alten Kracher nicht. „Territory“, „Refuse/Resist“, „Arise“, „Ratamahatta“ und „Roots“ trieben auch gestandenen Metallern die Tränen in die Augen. Mit dem üblichen „Casagrande, por favor!“, leitete der an der Trommel stehende Green „Ratamahatta“ ein. Casagrande hatte allerdings noch andere Dinge zu tun und ließ sich mehrmals bitten. Aber dann… Die Stimmung riss alle – wirklich alle mit. Nie gekannte Tanzstile offenbarten sich dem Auge des Betrachters: Breitbeinig in eine Art Hocke gehen, Oberkörper 5 cm über dem Boden pendeln lassen, die Arme müssen allerdings in einer Art eckiger Robotertanzhaltung nach oben gereckt werden. Natürlich gab es aber auch Altbekanntes zu sehen wie die Bierbecherstatuenhaltung, sprich man reckt in Anerkennung des Geschehens auf der Bühne den Bierbecher minutenlang in die Höhe. Als Sepultura zum Abschluss dann „Roots“ anstimmten, stieg die Temperatur tatsächlich nochmal um ein Grad. Schon auf Platte der Hammer, ist der Song live gespielt eine wahre Urgewalt. Wie Sepultura auf der Bühne sowieso eine wahre Urgewalt sind. Energie, Spielfreude, aggressive Musik, die einen direkt in die Magengrube trifft – ich kann nur jedem empfehlen Sepultura einmal live zu sehen, wenn sich die Chance ergibt. Derrick Green verabschiedete das Publikum schließlich auf Deutsch: „Gute Nacht! Schlaf gut! Bis bald!“. Eine bierselige, völlig verschwitzte Umarmung (heeeeeey – hurgs) und ein Tour T-Shirt später, dankte ich den Göttern des Metal auf dem Heimweg für diesen äußerst gelungenen Weihnachtsostergeburtsnamensbeltanesonnenwendtag.

 

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Song des Monats 02/18

Es gibt Bandnamen, da muss man keine großen Worte machen – die haben ihren ganz eigenen Klang. Iron Maiden. Ha, klappt doch, oder? Fast jeder, der Metal mag, verbindet etwas mit den englischen Heavy Metal Haudegen und ihrem Maskottchen Eddie. Und der Februar Song „Run to the Hills“, der 1982 auf dem Album „The Number of the Beast“ veröffentlicht wurde, gehört heute immer noch zu den beliebtesten Metal Songs überhaupt. Ein echter Klassiker also.

In „Run to the Hills“ geht es um einen Konflikt zwischen europäischen Soldaten und den Cree. Zu Beginn wird dieses denkwürdige Ereignis aus Sicht der Einheimischen beschrieben:

White man came across the sea
He brought us pain and misery
He killed our tribes, he killed our creed
He took our game for his own need

We fought him hard we fought him well
Out on the plains we gave him hell
But many came too much for Cree
Oh will we ever be set free?

Schließlich geben die europäischen Neuankömmlinge ihre Sicht der Dinge wieder:

Riding through dust clouds and barren wastes
Galloping hard on the plains
Chasing the redskins back to their holes
Fighting them at their own game
Murder for freedom’s a stab in the back
Women and children the cowards attack

Und zu guter Letzt meldet sich noch ein beobachtender Erzähler zu Wort:

Soldier blue in the barren wastes
Hunting and killing’s a game
Raping the women and wasting the men
The only good Indians are tame
Selling them whiskey and taking their gold
Enslaving the young and destroying the old

Bassist Steve Harris, der den Song geschrieben hat, wollte in „Run to the Hills“ übrigens das Galoppieren der Pferde nachahmen. Die Basslinie ist also äußerst hörenswert. So, jetzt schnall ich mir meinen 80er Jahre Flokati auf den Kopf, schmeiß mich in die hautengen Leggins und geh noch ne Runde ab. Viel Spaß beim Hören! Und verpasst nicht mein Special über „Metaller in Leggins – gelungener Modetrend oder Epic Fail?“

YouTube Channel von Iron Maiden https://www.youtube.com/channel/UCaisXKBdNOYqGr2qOXCLchQ