Atmende Schwärze – Sinisten Puiden Niitty von i Helvete

Extreme Metal / Blackmetal / Doom Metal
Veröffentlichung: 26.11.2021
Eigenveröffentlichung
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Ich neulich im Gitarrenunterricht: „Och nö, das ist aber kompliziert. Ich seh schon, das wird meine neue Lieblingsstelle.“ Mein Gitarrenlehrer: „Ja, ist schon ein bisschen tricky, aber es lohnt sich. Klingt dann schon echt geil!“ Gitarrenlehrer fängt an die Stelle vorzuspielen und verspielt sich. “ … wenn man es kann…“ Normalerweise kann er es aber. Noch eine Band, die es kann ist  i Helvete. Ende November hat die Extreme Metal Band aus Finnland ihr Debüt „Sinisten Puiden Niitty“ veröffentlicht. Und auch wenn man wie ich ein Liebhaber der finnischen Sprache ist, aber kein Wort finnisch versteht, geht dieses Album mal richtig durch Mark und Bein. Das Konzeptalbum umfasst sechs Songs und dreht sich um einen Menschen, der sich abmüht mit den kleinen und großen Fiesheiten, die das Leben bereithält, klarzukommen.

Musikalisch verpacken i Helvete das Ganze in einen Mix aus Melodic Death-, Black- und Doommetalelementen. Der Opener „Kunnes Kuolema Meidät Erottaa“passt perfekt zum momentanen Wetter. Regen pladdert herab, es beginnt langsam und doomig. Bald aber setzen die Drums und ein flottes deathmetallisches Gitarrenriff mit Wucht ein. Der Gesang pendelt zwischen tiefen, intensiven Growls und schwarzmetallischen Screams  – zwischen Bauch und Manie. Die Gitarre flitzt unterdessen im Hintergrund quirlig auf und ab und die Drums ballern. Doomiges Piano und unheilvoll-epische Backingvocals und Synthis geben dem Song dann gegen Ende noch einmal einen neuen Twist. Damit ist in etwa umrissen, was einen auf „Sinisten Puiden Niitty“ so alles erwartet. Gekonntes Spiel zwischen melancholischen, sanfteren, wunderschönen, doomigen Parts teils mit cleaner Gitarre und gesprochenen Vocals wie in „Pohjaton Kuilu“ oder mit weiblichen Vocals wie in „Laulu Itselleni“ und schnellen, drückenden, drängenden Melodic Deathmetal Parts wie in „Vihapuhe“ oder „Sairaan Mielen Sinfonia“, das ziemlich groovig und beschwingt daherkommt. Außerdem wartet es mit einem wunderbaren, kleinen Drum und Bass Intermezzo und einem mitreißenden Gitarrensolo auf und endet in einem fulminanten Brüllfinale. Eine schöne Zusammenfassung des Variantenreichtums von i Helvete bietet dann noch einmal „Hirsipuu“, der mit beinahe 12 Minuten längste Track des Albums. Die Musik schleppt sich dahin, Tremologitarren verbreiten im Hintergrund ein ungutes Grummeln in der Magengegend, die doomigen, wuchtigen Growls im Vordergrund. Ein einprägsames, wunderschönes Melodeath Gitarrenriff wiegt den Hörer, lullt ihn ein. Doch die aaah Backingvocals lassen einen nie das drohende Unheil vergessen. Der Gesang wird eindringlicher, manischer, intensiver und eine schwarzmetallisch angehauchte Drumdauerfeuer- und Gitarrenhölle bricht los. Doomiges, cleanes, melancholisches und melodisches Gitarrenzwischenspiel und Growls aus den tiefsten, schwärzesten Tiefen. Schließlich ein episches Finale mit Chorgesang, unheilvollen Pianoklängen und Regenrauschen.

i Helvete hauen ein grandioses Debüt raus. Sechs Songs und es gibt so viel zu entdecken und zu hören. Der Mix aus Melodic Deathmetal mit Black und Doom Elementen macht riesigen Spaß und ist absolut gelungen. Der Gesang ist total variabel und reicht von tiefen, wuchtigen Growls über gesprochene Lyrics bis hin zu gequälten, manischen Blackmetalscreams. So wird es nie langweilig. Und das Spiel zwischen Gesang und den Instrumenten, die im Hintergrund untermauern, unterstützen und aufgreifen – manchmal auch durch das Gegenteil – ist absolut durchdacht und funktioniert bestens. Genauso wie der Wechsel zwischen schleppenden doomig-melodischen Parts und schnellen, rasenden Melodic Deathmetal- und Blackmetalparts. „Sinisten Puiden Niitty“ atmet Verzweiflung, Düsternis, Schwere, Härte, Schwärze. Sie dringen aus jeder Pore. Und doch ist dieses Album von einer bezaubernden Schönheit und Melodiösität, versehen mit einem Hauch Melancholie und Wehmut. „Sinisten Puiden Niitty“ ist wie ein genialer Horrorfilm. Man möchte sich am liebsten die Decke über den Kopf ziehen und kann doch nicht wegschauen – oder in diesem Fall weghören.

i Helvete auf YouTube

English Version

Me in a guitar lesson: „Oh no, that’s complicated. I can see that’s going to be my new favorite passage.“ My guitar teacher: „Yes, it’s a bit tricky, but it’s worth it. It sounds really great!“ Guitar teacher starts to play the part and gets lost. „… if you can play it …“ Normally he can though. Another band that can play is i Helvete. At the end of November the extreme metal band from Finland released their debut „Sinisten Puiden Niitty“. And even if you’re a lover of the Finnish language like me, but don’t understand one single word, this album really gets through your bones. The concept album comprises six songs and tells the story of a person who struggles to cope with the small and large nasties that life has in store.

Musically, i Helvete pack the whole thing into a mix of melodic death-, black- and doom metal elements. The opener „Kunnes Kuolema Meidät Erottaa“ suits the current weather perfectly. Rain pours down, it starts slow and doomy. But soon the drums and a fast death metal guitar riff kick in with force. The vocals oscillate between deep, intense growls and black metallic screams between belly and mania. Meanwhile, the guitar is whizzing up and down in the background and the drums are pounding. Doomy piano and sinister-epic backing vocals and synths give the song a new twist towards the end. This roughly outlines what awaits you on „Sinisten Puiden Niitty“. Skilful play between melancholic, softer, beautiful, doomy parts, partly with clean guitar and spoken vocals like in „Pohjaton Kuilu“ or with female vocals like in „Laulu Itselleni“ and fast, oppressive, urgent melodic death metal parts like in „Vihapuhe“ or „Sairaan Mielen Sinfonia“, which is quite groovy and lively. It also comes up with a wonderful little drum and bass intermezzo and a rousing guitar solo and ends in a brilliant shouting finale. „Hirsipuu“, the longest track on the album with almost 12 minutes, offers a nice summary of i Helvete’s diversity. The music drags along, tremolo guitars spread an uneasy growl in the stomach area in the background, the doomy, massive growls in the foreground. A catchy, beautiful melodeath guitar riff rocks the listener, lulls him. But the „aaah“ backing vocals never let you forget the impending disaster. The vocals become more haunting, manic, intense and a black metal-tinged drum and guitar hell breaks loose. Doomy, clean, melancholic and melodic guitar interlude and growls from the deepest, blackest depths. Finally an epic finale with choir singing, ominous piano sounds and the sound of rain.

i Helvete made a fantastic debut. Six songs and there is so much to discover and hear. The mix of melodic death metal with black and doom elements is great fun and absolutely successful. The vocals are totally variable and range from deep, powerful growls to spoken lyrics to tortured, manic black metal screams. That way it never gets boring. And the play between the vocals and the instruments, which underpin, support and pick up in the background – sometimes through the opposite – is well thought out and works perfectly. Just like the alternation between sluggish doomy melodic parts and fast, frenzied melodic death metal and black metal parts. „Sinisten Puiden Niitty“ breathes desperation, gloom, heaviness, hardness, blackness. They come out of every pore. And yet this album has an enchanting beauty and melodiousness with a touch of melancholy and wistfulness. „Sinisten Puiden Niitty“ is like an awesome horror movie. You would like to pull the blanket over your head and yet can’t look away – or in this case can’t stop to listen.


Tracks:
1. Kunnes Kuolema Meidät Erottaa
2. Vihapuhe
3. Pohjaton Kuilu
4. Sairaan Mielen Sinfonia
5. Laulu Itselleni
6. Hirsipuu

Band:
Aleksi Mäkelä – Gitarre & Gesang
Manu Kujala – Gitarre
Tapio Holappa – Bass
Teemu Koski – Schlagzeug

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