„The approach for Becoming Immanence portrays the history of the Earth, the birth of what is universal.“ – Interview mit Earthwomb

Endlich wieder ein Interview. Und dann noch ein total spannendes. Die peruanischen Black Metaller von Earthwomb stehen Rede und Antwort zu den verschiedensten Themen rund um ihre Band, ihre Musik und Black Metal in Peru. Also ich war total gespannt auf die Antworten. Na, auch neugierig geworden? Los geht’s! Und falls ihr das Review zur Debüt EP „Becoming Immanence“ von Earthwomb noch nicht gelesen habt – hier geht’s lang. Es lohnt sich! (English version below)

Earthwomb - Band Photo

T!B!B!: Warum habt ihr den Namen Earthwomb für eure Band gewählt?

Earthwomb: Der Name bezieht sich auf das Quechuawort ‚Pachamama‘ (Pacha: Land, Erde, Welt, Zeit // Mama: Mutter). Es ist ein Neologismus, der Erde und Mutterleib bzw. Matrix verbindet, was ein metaphysisches Denken über die Erde impliziert. Wir glauben, dass es fester Teil der lateinamerikanischen Weltanschauung ist, die mythische Entstehung der Welt auf diese Weise zu betrachten und sich an sie zu erinnern. Für uns verkörpert „der Schoß der Erde“ das, was wir für immanent, für kosmisch halten.

T!B!B!: Seit wann spielt ihr zusammen und wie habt ihr euch kennengelernt?

Earthwomb: Alles begann 2007. Damals planten Eduardo und Pedro, eine Death Metal Band mit einigen Hardcoreeinflüssen zu gründen. Nicht viel später schloss sich Giancarlo dem Projekt namens Craneotomy an. Komischerweise war Black Metal ein sehr hartnäckiges Element in unserer damaligen Musik, obwohl wir diese Seite von uns nie voll ausgeschöpft haben. Wir hatten danach ein paar andere Projekte, die nie das Licht der Welt erblickten, aber immer wieder kamen unsere Black Metal Einflüsse auf unserer musikalischen Reise an die Oberfläche. Erst als wir uns entschieden haben, Earthwomb zu gründen, sind wir tief in das Thema eingetaucht und seitdem haben wir jeden Schritt, den wir auf dieser Reise getan haben, geliebt.

T!B!B!: Wie würdet ihr die Musik beschreiben, die Earthwomb spielt?

Earthwomb: Unsere Musik entsteht aus der Kombination zwischen einer konzeptuellen Ebene und einer ästhetischen Kreation, die verschiedene Strömungen des Black Metal miteinander verbindet. Wenn uns etwas definiert, ist es diese Synergie, die es uns ermöglicht, dichteres Ambiente zu schaffen und Atmosphären zu beschreiben, die sich der gewöhnlichen Sprache entziehen. Wir machen seit mehr als zehn Jahren zusammen Musik und unsere Projekte sind immer in diese Richtung gegangen. Wir haben immer versucht, konzeptionelle Ideen (Philosophie, Weltperspektive) mit dichten, starken, dunklen und intensiven musikalischen Tönen in Einklang zu bringen.

T!B!B!: Worum geht es auf eurer EP „Becoming Immanence“?

Earthwomb: „Becoming Immanence“ schildert die Geschichte der Erde, die Geburt des Universellen. Für uns ist die Erde eine universelle Ausdehnung und ihre Auswirkungen sind endlich. Das, was sich über Bewusstsein und Moral hinaus ausdehnt, ein Code, der immanent ist. Immanenz ist intensiv, energisch und vital, aber sie hat auch schwarze Tiefen, Abgründe und Dunkelheit. Alles in der Immanenz ist also Rhythmus, Geburt, Tod, Perversion. Wir glauben, dass die Auswirkungen dieser Immanenz, d. h. ihre Ausdrucksformen, Zeit (Fractal Phenomenon), Raum (Walkscapes), Organismen (Trespassing the Paragons of Consciousness), Krieg (The Gathering) und Energie (Vital Flux) sind, die das Ganze zu einer Kontinuität führen; sie sind Momente einer einzigen Entfaltung, einer einzigen Entwicklung: Immanenz.

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T!B!B!: Wie lief der Schreib- und Aufnahmeprozess der EP ab?

Earthwomb: Da die EP so ein besonderes und persönliches Projekt ist, war der gesamte Schreibprozess tatsächlich etwas langwierig. Wir wollten einigen klanglichen Kriterien folgen, um das Konzept und das Thema so genau wie möglich darzustellen, zumindest für unsere Ohren. Die erste Iteration der EP kam ziemlich schnell, aber wir hatten zu diesem Zeitpunkt das Gefühl, dass wir einfach weiterarbeiten mussten. Diese zweite Phase des Prozesses war in Bezug auf das Schreiben am längsten. Wir haben die EP nicht nur zweimal aufgenommen, weil wir einige Anpassungen und Änderungen an den Songs vorgenommen haben, sondern weil wir der Meinung waren, dass wir bessere Performances und Takes liefern können. Zum Glück waren wir fertig, kurz bevor Covid ausbrach und die Quarantäne verhängt wurde. Was wir noch machen mussten, waren all die Synthesizer, Orchester- und Post-Arrangements. Das und einige zusätzliche Optimierungen an einigen Gitarrenparts wurden in der Quarantäne  aufgenommen, woran wir uns übrigens nur schwer gewöhnen konnten, da wir immer besser gearbeitet haben, wenn wir im selben Raum waren. Das war ein sehr interessanter und wertvoller Lernprozess, den wir durchlaufen mussten und am Ende haben wir alles so hinbekommen, wie wir es wollten. Der Mischprozess war auch eine sehr intensive und iterative Erfahrung. Pedro hatte beschlossen, die EP selbst zu mischen, also musste er das nötige Handwerkszeug dafür erst erlernen und dann verbessern. Wir mussten auch einen Weg finden, die Aufnahmeversionen der anderen so effizient wie möglich zu bearbeiten. Es war ein ziemliches Abenteuer, um ehrlich zu sein, und wir sind total begeistert, dass es so gut geklappt hat.

T!B!B!: Wie ist es Black Metal in Peru zu spielen? Gibt es viele Black Metal Fans?

Earthwomb: Aufgrund der Pandemie, in der wir leben, hatten wir noch keine Gelegenheit, bei einem lokalen oder nationalen Event zu spielen, aber wir hoffen, in den kommenden Monaten des Jahres einige Termine vereinbaren zu können. Black Metal hat in Peru eine große Anzahl von Fans. Wir würden sagen, dass es neben Thrash Metal oder Grindcore (und davon abgeleiteten Subgenres) einer der am weitesten entwickelten Stile in unserem Land ist. Der klassische Sound des Genres ist bei peruanischen Black Metal Bands stark verwurzelt. Aber es sind auch einige Projekte in der Hauptstadt und den Provinzen unseres Landes entstanden, die experimenteller sind und einen modernen Sound kreieren. Ein weiteres charakteristisches Merkmal des peruanischen Black Metal ist die Einbeziehung einer konzeptionellen, visuellen und klanglichen Ästhetik der Sicht auf den Kosmos. Diese stammt aus unserer präkolumbianischen Vergangenheit, Esoterik und dem Wissen unserer Ahnen und ist im Wesentlichen mit der Natur verbunden. Erwähnenswert ist auch, dass die peruanische Szene Teil der Gründungszeit des Genres (Proto-Black Metal / FWBM) in Südamerika ist. Viele Projekte wie Hastur oder Hadez haben in den achtziger Jahren Alben oder Demos aufgenommen und ein Vermächtnis hinterlassen, das bis heute nachhallt. In einigen Fällen sind die Bands, die diese musikalische Strömung initiiert haben, immer noch aktiv und produzieren neues Material.

T!B!B!: Wie ist die Metal Szene in Peru allgemein aufgestellt?

Earthwomb: Peru hat sich in der internationalen Szene mit großartigen Referenzen wie Mortem, Hadez, Anal Vomit oder Goat Semen positioniert, um nur einige zu nennen. Viele dieser Bands wurden in der Hauptstadt (Lima) gegründet, aber wir haben auch eine sehr große und superwichtige Szene außerhalb der Hauptstadt. Sie ist erwähnenswert, weil sie je nach Region unterschiedliche instrumentale oder ästhetische Elemente verwendet. Die peruanische Szene ist stark und entwickelt sich ständig weiter, trotz der Widrigkeiten, denen sie aufgrund der geringen Anzahl von Labels, Veranstaltern und des Mangels an Veranstaltungsorten für Konzerte, Tourneen oder Festivals, mitunter ausgesetzt ist. Natürlich hat die Pandemie starke Auswirkungen gehabt und dazu geführt, dass viele Veranstaltungsorte geschlossen wurden und obwohl einige Veranstaltungen nun wieder stattfinden können, müssen viele davon aufgrund von Beschränkungen der Regierung abgesagt werden. Das bedeutet nicht, dass die Bands in unserem Land in eine Art Lethargie verfallen sind. Die meisten machen ihre Arbeit unabhängig oder mit der Unterstützung von großen Labels, die in unserer Szene etabliert sind. In vielen Fällen führen die Widrigkeiten dazu, dass großartige Dinge entstehen, die es aus unserer Sicht verdienen, gehört zu werden.

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T!B!B!: Was bedeutet Musik im Allgemeinen und Metal im Besonderen für euch?

Earthwomb: Wir verstehen Metal als etwas, das im Werden begriffen ist. Werden bedeutet Transformation, Mutation, Veränderung und Perversion. Im Gegensatz zu anderen musikalischen Richtungen weist Metal eine große Heterogenität auf, weil er sich der Erforschung von Stilen verschrieben hat, Trends mischt, zu verloren geglaubten Ästhetiken zurückkehrt und vorläufige Positionen bestätigt. Alles im Metal ist im Wandel. Alles im Metal ist Umkehrung, Kombination und Umbruch. In diesem Sinne ist das Reden über Identitäten nur vorläufig. In einem Stil gibt es immer Einflüsse, weil er das Ergebnis des Werdens ist. Es muss auch erwähnt werden, dass unsere Musik nicht nur auf Metal oder verwandte Subgenres reduziert ist. Wir integrieren Elemente, die nichts mit Metal zu tun haben, und das hat uns definitiv geholfen, unseren Sound auf unsere eigene Art und Weise zu formen.

T!B!B!: Vielen Dank für das Interview und alles Gute für euch und euer Album.


English version

Finally another interview. And then another really exciting one. The Peruvian black metal band Earthwomb answers questions about a wide variety of topics related to their band, their music and black metal in Peru. So I was really looking forward to the answers. Well, are you curious, too? Here we go! And if you haven’t read the review of Earthwomb’s debut EP „Becoming Immanence“ yet – click here. It is worth it!

T!B!B!: Why did you choose the name Earthwomb for your band?

Earthwomb: It refers to the Quechuan word Pachamama (pacha: land, earth, world, time // mama: mother). It’s a neologism that connects Earth and Womb/Matrix, which implies thinking metaphysically about the Earth. We believe this is inherent to the latin american worldview, to think and recall the mythic fundamentals of the world. For us “the womb of the earth” incarnates what we consider immanent, cosmic.

T!B!B!: Since when are you playing together and how did you meet each other?

Earthwomb: We go way back to 2007. At that time Eduardo and Pedro were planning on forming a death metal band with some hardcore influences. Not much later Giancarlo joined the project which was named Craneotomy. Funny enough, a very persistent element in our writing was black metal, although we never fully exploited that side of us. We had a few other projects afterwards that never got to see the light but once again our black metal influences kept rising to the surface in our musical journey. It wasn’t until the time we decided to form Earthwomb that we deep dived into it and we’ve loved every bit of it since.

T!B!B!: How would you describe the music Earthwomb is playing?

Earthwomb: Our work is born from the combination between a conceptual plane and an aesthetic creation that fuses different currents of black metal. If something defines us, it is this synergy that allows us to build denser environments and describe atmospheres that escape ordinary language. We have made music together for more than ten years and our projects have always remained in this same direction, trying to reconcile conceptual proposals (philosophy, world perspective) with dense, strong, dark and intense musical tones.

T!B!B!: What is your EP „Becoming Immanence“ about?

Earthwomb: The approach for „Becoming Immanence“ portrays the history of the Earth, the birth of what is universal. For us the Earth is a universal expansion and its effects are finite. That which expands beyond consciousness and morals, a code that is immanent. Immanence is intensive, energetic and vital, but it also has black depths, abysses, and darkness. So everything in immanence is rhythm, birth, death, perversion. We believe that the effects of this immanence, that is its expressions, are time (Fractal Phenomenon), space (Walkscapes), organisms (Trespassing the Paragons of Consciousness), war (The Gathering) and energy (Vital Flux ), that orients the latter to a continuity; they are moments of a single unfolding, of a single development: immanence.

T!B!B!: What about the writing and recording process of the EP? How was it like?

EarthwombBeing this such a particular and personal project, the whole writing process was actually a bit lengthy. We wanted to follow some sonic criteria in order to portray the concept and theme in the most accurate way possible, at least to our ears. The first iteration of the EP came along rather quickly but we felt at that point that we needed to go further and keep carving the stone. That second stage of the process was the longest in terms of writing. We recorded the EP twice not only because we did some adjustments and changes to the songs but because we felt we could deliver better performances and takes. Thankfully we were done just before covid hits and quarantine began. What we have left hanging was all the synths, orchestral and post arrangements. That and some extra tweaks on some guitar parts were done remotely, which btw was hard to get used to as we’ve always worked better when we’re in the same room. That was a very interesting and valuable learning process we had to go through and in the end we managed to get all what we wanted. The mixing process was a very involving and evolving experience as well. Pedro had decided to mix the EP himself so he had to learn and improve his craft. We also had to develop a way to communicate and interpret each other’s mix revisions in the most efficient way possible. It was quite the adventure to be honest and we’re beyond thrilled to have done it that way.

T!B!B!: How is it to play Black Metal in Peru? Are there many Black Metal Fans?

Earthwomb: We haven’t had the opportunity to play in any local or national event just yet due to the pandemic context we are living in, but we hope to be able to make some dates in the coming months of the year. Black metal in Peru has a large number of fans, we would dare to say that it is one of the most developed styles in our country along with thrash metal or grindcore (and subgenres derived from them). When listening to Peruvian bands that play black metal, we can perceive that there is a strong rootedness to the classic sound of the genre, but there have also emerged some projects in the capital and provinces of our country that seek to explore or experiment with a more contemporary or disruptive sound. Another characteristic feature of Peruvian black metal is the inclusion of a conceptual, visual and sonic aesthetics of the cosmovision inherited from our pre-Columbian past, esotericism and ancestral wisdom essentially linked to nature. It is also worth mentioning that Peruvian scene is part of the formative period of the genre (proto-black metal / FWBM) in South America. Many projects such as Hastur or Hadez created albums or demos in the eighties, leaving a legacy that resonates to this day and in some cases those bands that initiated this musical current are still active and producing material.

T!B!B!: How is the Metal scene situated in Peru in general?

Earthwomb: Peru has positioned itself in the international scene with great references such as Mortem, Hadez, Anal Vomit or Goat Semen, just to mention a few. Many of these bands were formed in the capital (Lima), but we also have a huge and super important non-capital scene that we think it’s necessary to put in value, for its transgressive character and the inclusion of instrumental or aesthetic elements of each region. The Peruvian scene is strong and remains in a constant process of construction despite the adversities it may face, due to the small number of labels, promoters and lack of venues for concerts, tours or festivals that can develop in a gradual way. Obviously the pandemic has generated a strong impact, leading many venues to close and although some events have returned, many of these must be canceled due to restrictions imposed by the government. This does not mean that the bands in our country are in some sort of lethargy, most develop their work independently or with the support of major labels that are established in our scene, in many cases the adversities can lead to generate great installments that we feel require greater visibility, because they deserve to be heard.

T!B!B!: What does music in general and metal music in particular mean to you?

Earthwomb: We want to understand metal as a becoming approach. Becoming means transformation, mutation, change and perversion. Unlike other musical outfits, metal has a wide heterogeneity because it is committed to exploring styles, mixing trends, returning to aesthetics that seemed lost, affirming provisional positions. Everything in metal is contagion and transmutation. Everything in metal is perversion, combination and upheaval. In this sense, talking about identities is only a provisional discourse for a style. In a style there is always contagion because it’s the result of becoming. It’s also necessary to mention that our musical references are not reduced only to metal or related subgenres. We incorporate elements completely unrelated to metal and that has definitely helped us to shape our sound in our own way.

T!B!B!: Thanks very much for the interview and all the best for you and “Becoming Immanence”.

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