Schwarz-bunte Raserei. „Vredesvävd“ von Finntroll.

Folk Metal
Veröffentlichung: 18.09.2020
Century Media Records
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CoverAuf dieses Album habe ich so hingefiebert. Trollies und Gentletrolle. Freunde des gepflegten trollisch-folkigen Blackmetal. Schnallt eure Spitzöhrchen um, nun ist es da: „Vredesvävd“ (etwa „aus Zorn gewoben“), das neue Album der Finnischen Folkmetaller Finntroll. Sieben lange Jahre mussten wir auf dieses siebte Album warten. Ladehemmung beim Songschreiben, mehrere Anläufe und Produktionsprobleme noch kurz vor dem zunächst geplanten Release im August sorgten für die lange Pause. Aber das Warten hat ein Ende. Genau zum richtigen Zeitpunkt. Um dem coronageplagten Metaller die Konzertzwangspause zu versüßen. Ick freu mir so. Beim ersten Hören war ich allerdings ein wenig enttäuscht. Keine konsequente Weiterentwicklung des Sounds vom Vorgänger „Blodsvept“, auf die ich so sehr gehofft hatte, weil ich dieses Album liebe. Nach mehrmaligem Hören kann ich nun sagen, von Enttäuschung keine Spur mehr, denn „Vredesvävd“ bietet etwas, das mindestens genauso geil ist.

Beim Hören der beiden folgenden Songs „Att Döda Med En Sten“ und „Ormfolk“ stellt sich zunächst ein Gedanke ein: typisch Finntroll. Atemberaubendes Tempo dem kaum ein Nacken folgen kann, Blastbeats und treibende Drums, die einem nur so um die Ohren fliegen, mitreißend melodische Keyboards und epische Orchestrierung, garstiges Gekrächze, Humppa Feeling und folkige Parts mit einem gehörigen Schuss Aggressivität. Auch „Mask“ und „Myren“, das in einer herrlichen, blindwütigen Raserei endet, reihen sich hier ein. Also ein klares Zurück zu den alten Wurzeln? Schließlich erinnern die Songs vom Stil her sehr an ihre Vorgänger auf den Alben „Jaktens Tid“ oder „Ur Jordens Djup“ aus den 2000er Jahren. Allerdings mit einem deutlich düstereren, will sagen schwärzeren Anstrich. Ein klares 90er Jahre Schwarz. Also ein klares Jein.

Das Intro „Väktaren“ ist eines, das seinen Namen im wahrsten Sinn des Wortes verdient, denn es bietet einen Ausblick auf das gesamte Album. Es kündigt eine Reise an. Cineastisch, melodisch, mal zart, mal energisch, mal düster und aggressiv. Und eine Reise soll dieses Album laut Sänger Vreth sein. Eine spirituelle – teils schamanistische Reise – die in den alten Mythen Finnlands und seinen verwunschenen Wesen ankert.

„Vid Häxans Härd“ bildet für mich das Bindeglied zwischen alten, schwarzmetallischen Wurzeln und „Blodsvept“, hängt also noch irgendwo dazwischen. „Stjärnors Mjöd“ schließt an Songs auf Blodsvept an. Die Melodie rück stärker in den Hintergrund. Der Rhythmus trägt das Ganze. Besonders der stark rhythmische, giftige und experimentelle Growlpart gegen Ende des Songs macht extrem Spaß. Auch „Ylaren“ gewinnt seine Kraft über den Rhythmus. Schwer und schleppend. Erhaben. Majestätisch. Dazwischen wird’s garstig und es endet in Raserei. Und: Yeah, Maultrommel. Definitiv ein Lieblingssong.

Dieses Prädikat bekommen auch „Gränars Väg“ und „Forsen“. Ersterer Song überzeugt durch den gelungenen Kontrast zwischen ruckartig, abgehackten Gesangsparts, verstärkt durch die Gitarren und den dynamischen, fließenden melodischen Passagen. Der folkige Charakter wird durch Oh-Chöre unterstrichen. „Forsen“ hingegen nimmt das Tempo zurück. Die Gitarre intoniert ein drückendes, stampfendes, düsteres Riff, schwermütig untermalt vom Keyboard. Meinem Motto „We need more Maultrommel“ wurde hier ansatzweise Genüge getan. Auch der melodische Fidelpart wirkt melancholisch. Wie Sänger Vreth die Lyrics auskotzt erzeugt Gänsehaut. Und über allem liegt irgendwie ein Hauch Moonsorrow.

Das Warten hat sich sowas von gelohnt. Finntroll hauen mit „Vredesvävd“ ein Folkmetalbrett raus, das zu den frühen Blackmetalwurzeln zurückkehrt und gleichzeitig neuere, experimentellere Strömungen von „Blodsvept“ einbindet. Das Album ist wütend, harsch und garstig heavy und doch folkig und nicht unmelodiös. Die Songs gehen quasi übergangslos ineinander über. Das Album wirkt wie aus einem Guss und verbindet doch völlig unterschiedliche Lieder zu einem bunten, schwarzmetallischen, wahnsinnigen Film.

YouTube Channel von Century Media Records


Tracks:

  1. Väktaren
  2. Att Döda Med En Sten
  3. Ormfolk
  4. Gränars Väg
  5. Forsen
  6. Vid Häxans Härd
  7. Myren
  8. Stjärnors Mjöd
  9. Mask
  10. Ylaren
  11. Outro

Band:

Trollhorn – Keyboard, Orchestration, Gitarre, Banjo, Maultrommel
Tundra – Bass
Skrymer – Gitarre
Routa – Gitarre
Vreth – Gesang
Virta – Keyboard
MörkÖ – Schlagzeug

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