Episch elegante Folkigkeit. Oak, Ash & Thorn von Dark   Forest

Heavy Metal / Power Metal
Veröffentlicht: 24.04.20
Cruz Del Sur
https://darkforest-uk.bandcamp.com/
https://www.facebook.com/Darkforestuk


16118In Zeiten, in denen manche von uns von Langeweile dazu getrieben werden daheim mal wieder ordentlich durchzufeudeln, den Müll von Jahrzehnten einfach aus dem Keller zu kärchern oder lang vor sich hergeschobene Renovierungsarbeiten endlich in Angriff zu nehmen, ist Musik noch wichtiger geworden. Denn schließlich gehen solch ungeliebte Arbeiten mit ein wenig Metal viel beschwingter von der Hand. Doch Vorsicht! Nicht jede Art von Metal eignet sich für jede Arbeit. So ist Vader perfekt für jede Art von Abrissarbeiten, doch bei filigraneren Dingen, wie das Zuschneiden einer Fliese kann man schnell Steinmehl produzieren. Funeral Doom verleiht die nötige Ruhe für Tüftelarbeiten, eignet sich aber nicht als Begleitmusik zum Bügeln oder zum Putzen großer Flächen. Bei ersterem produziert man Brandlöcher, während man für zweiteres viel zu viel Zeit benötigen würde. Für das Putzen großer Flächen, z. B. Fenster, kann ich Dark Forest wärmstens empfehlen. Der leicht kauzige, epische Powermetal der Briten verleiht den nötigen Schwung und die positive Grundeinstellung.

Wie es der Zufall will, veröffentlichten Dark Forest am 24. April ihr neues Album „Oak, Ash & Thorn“. Neun brandneue Songs, auf die ich mich freue wie ein Schnitzel, wie Bolle, wie… Na ick freu mir eben. Thematisch lehnt es sich an „Puck Of Pook’s Hill“ von Rudyard Kipling an. Es geht also grob gesagt um die Geschichte Englands, um Mystik, um Wälder, um glorreiche und weniger glorreiche Vergangenheit – also um gewohnte Themen. Doch sind diese auch wieder verpackt in den für Dark Forest so charakteristischen Mix aus NWoBHM, Power- und Epic Metal mit folkigen Elementen und einer charmanten Portion britischer Kauzigkeit?

Bezaubernd schöne Gitarrenmelodien schreiben, das können Dark Forest. Das beweisen sie gleich mit dem ruhigen, cleanen, folkigen Opener „Ælfscýne“ und spätestens mit „Wayfarer’s Eve“ ist man angekommen, denn die Briten spielen die Trümpfe aus, die ihrem Sound seinen Wiedererkennungswert verleihen: die ausgefeilten, verspielten Gitarrenmelodien von Christian Horton und Pat Jenkins, die doppelläufigen Gitarren, die vielstimmigen Harmonien und der erhabene Gesang von Josh Winnard. „The Midnight Folk“ zieht das Tempo sachte an. Es wird eingängig, geradezu mitsingtauglich im Refrain, doch dabei immer elegant-folkig und ohne Grölfaktor. „Avalon’s Rising“ überzeugt mit einer gewissen nervösen Hummeligkeit in Rhythmus und Melodie und mit seiner fröhlichen Folkigkeit gepaart mit bildschönen Harmonien. „Oak, Ash & Thorn“ birgt eine überzeugende Dramatik, Epik und Kraft in sich und ist dabei gleichzeitig von fast zerbrechlicher Schönheit in der Melodik. Der Song hat mich vom ersten Hören an in seinen Bann gezogen, hat mich die Luft anhalten lassen und nicht mehr so schnell losgelassen. Ich schreibe jetzt aus dem Jenseits zu euch. Und habe ich schon den fantastischen Gitarrensound erwähnt…?

Die große Frage war ja, ob Dark Forest mit „Oak, Ash & Thorn“ an den überragenden Vorgänger „Beyond the Veil“ anknüpfen können. Ja, können sie! Die Briten bewahren sich ihren ganz eigenen Stil, ihre ganz eigene Art wunderbare Songs und Melodien zu schreiben, die sofort ins Ohr gehen. Das alles schaffen sie, ohne langweilig repetitiv oder kitschig zu sein. Hier und da haben sie zwar im Gegensatz zu „Beyond the Veil“ das Tempo ein wenig herausgenommen, doch das tut dem Ganzen keinen Abbruch. Klares Herzstück der Songs sind die filigranen, verspielten und dabei positiv, lebendig und bunt wirkende Melodien und der erhabene, erzählende Gesang. Harmonisch ausgefeilt erfreuen sie mein Herz und erfrischen meine Seele – um auch in dieses Review mal ein wenig Pathos einzubauen. Das Freuen hat sich gelohnt, Dark Forest haben mit „Oak, Ash & Thorn“ voll ins Schwarze getroffen. Ein Album, das auf ganzer Linie gefällt und überzeugt.

Cruz del Sur Music


Tracks:
01. Ælfscýne
02. Wayfarer’s Eve
03. The Midnight Folk
04. Relics
05. Avalon’s Rising
06. Oak, Ash & Thorn
07. The Woodlander
08. Eadric’s Return
09. Heart of the Rose

Band:

Christian Horton – Gitarre
Josh Winnard – Gesang
Pat Jenkins – Gitarre
Adam Sidaway – Schlagzeug

2 Gedanken zu “Episch elegante Folkigkeit. Oak, Ash & Thorn von Dark   Forest

    • Tststs… diese Wissenslücke muss natürlich schnell geschlossen werden ;-). Diese geheimnisvollen Buchstaben bedeuten: New Wave of British Heavy Metal und stehen für einige britische Bands Ende der 70er/Anfang der 80er, die den frühen Heavy Metal mit neuen, härteren Spielarten des Metal und mit Punk verbanden. Z. B. Diamond Head, Angel Witch, Samson oder Iron Maiden.

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