Doom² – [B O L T] vs. Morasth – Split

Doom/Drone/Noise/Sludge/Black
Veröffentlicht: 22.11.2019
dunk!records
https://wearebolt.bandcamp.com/
https://morasth.bandcamp.com/music


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[B O L T] und Morasth. Zwei Mal Dunkelheit, zwei Mal Verderbnis, zwei Mal tief versumpfen irgendwo im Dröhnen und Scheppern der Langsamkeit. Auf der Split-LP der beiden Genreverwandten hat jede der Gruppen ein Lied um die 20 Minuten, wie es sich wohl gehört – jedenfalls steigt gefühlt die Zahl der zweiliedrigen Splits mit 40 Minuten Laufzeit stetig an -, beigesteuert. Da kommt natürlich genremäßig zusammen, was zusammen gehört – und das Cover könnte kaum besser sein. Was wird also auf den beiden Vinylseiten, rein digital gibt’s natürlich auch, geboten?
Fangen wir doch mit [B O L T] aus Duisburg an. Die bezeichnen ihre eigene Musik unter anderem als repetitiv, experimentell, bedrohlich, düster und natürlich langsam. Eine ziemlich treffende Selbstbeschreibung. Denn zäh mäandert es da aus den Lautsprechern. Vor allem aber dröhnend. Zwei Bässe plus Schlagzeug. Das Rezept kommt entfernt bekannt vor, haben doch beispielsweise Bell Witch eine ähnlich Konstellation, wenn auch nur einen Bass. Zieht man das ab, bleibt allerdings nicht viel Gemeinsamkeit. Ja, der Bass dröhnt auch hier ganz ordentlich und es gibt jede Menge Doom. Funeral steckt aber nicht so sehr drin. Doch das Lied, „(06)“ betitelt, ist lang, sehr lang und, anders als ich das oft betone, nicht unbedingt kurzweilig. Es tost allenthalben und das Tempo ist in der Regel langsam, ganz, ganz langsam. Umso überraschender sind die eingestreuten Schlagzeug-Einlagen. Genre-untypisch gibt es immer wieder hektische Double Bass oder auch mal schmetternde Blast Beats, wobei sich der Bass in Sachen Geschwindigkeit unbeeindruckt zeigt. Da schimmert ein Hauch Black Metal durch, der der Klangmelange ganz gut tut. Stellenweise an das ebenfalls schwerfällige Wright Valley Trio aus Wiesbaden erinnernd, bietet sich ein düsterer Sumpf aus schwarzem Teer, aus dem es kaum ein Entkommen gibt. So lädt „(06)“ zum Verweilen ein und im Gegensatz zur freundlichen Kneipe nebenan ob man will oder nicht. Hypnotisiert mit Druck auf den Ohren gibt es nicht viel mehr, als sich in die undurchdringlichen Tiefen hinabziehen zu lassen.
Morasth aus Mainz und somit dem im Rhein-Main-Gebiet ansässigen vielleicht nicht unbekannt steuern „Ut in caligine terrae residam, tamen patria aether manet“ bei. Der Bandname kommt natürlich nicht von ungefähr. Dennoch zeigen sie sich im Vergleich mit [B O L T] ein Stückchen zugänglicher und sind, wenn auch nicht auf der sonnigeren, doch eher auf der doomigen als dronigen Seite des Lebens unterwegs. Die Songstruktur ist klarer ausdefiniert, Stringenz wird hier eher hochgehalten und ein schöner Break lässt aufhorchen. Selten ziehen die Morasth sogar das Tempo etwas an, fast schon rockig. In solchen und ähnlichen Momenten kann man gar nicht anders, als ordentlich mitzuwippen. Ganz anders als bei den Split-Kollegen schimmert hier und dort ein Anschein von Melodie durch den dickflüssigen, schwarzen Nebel. Vom vertonten Meenzer Frohgemut ist man freilich dennoch weit entfernt. Tiefe, tiefe Riffs wummern beständig vor sich hin, getrieben von Bass, Verzerrung und Schlagzeug.
Wer also Schnecken als irgendwie hektische Tierchen, Schwarz als doch etwas zu hell und Presslufthammer viel zu melodisch findet, der möge ein Ohr riskieren. Enttäuschung gibt es woanders.


Lieder:
1. (06) von [B O L T]
2. Ut in caligine terrae residam, tamen patria aether manet von Morasth

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