Lärm mit Sinn und Verstand. Scylla/Charybdis von Lady Crank

Punk / Metal / Post Hardcore / Grunge
Veröffentlicht: 23.11.19
http://www.ladycrank.de
https://ladycrank.bandcamp.com/


ARTWORK-01Dass ich ab und an auf infernalischen Lärm und manisches Geschrei stehe, dürfte inzwischen hinlänglich bekannt sein. Und wie es der Zufall so will, liefern Lady Crank aus Berlin/Hannover infernalischen Lärm mit manischem Geschrei vom Feinsten. Es bei dieser Charakterisierung zu belassen würde ihrem aufpeitschenden, wütenden Mix aus verschiedenen Musikstilen allerdings nicht gerecht. Das neue Album „Scylla/Charybdis“ erscheint am 23.11. digital und auf CD und enthält 11 Songs. Was hat es also zu bieten?

Scylla und Charybdis sind zwei Meeresungeheuer, welche der griechischen Mythologie entspringen und jeweils ein Ende einer Meerenge besetzen. Jedes von ihnen hat seine ganz eigenen unangenehmen Features. Der Albumname gibt uns also den Hinweis, dass es irgendwie um die Wahl zwischen zwei Übeln gehen muss. Das Pianointro „Phenomenon“ ist der ruhigste und friedlichste Part des Albums, hinterlässt aber schon mal ein Flattern in der Magengrube. Genau dort landet „Polymorph“ dann mit voller Wucht. Herrlich. Manisch. Punkig. Schnell. Geil. Lady Crank spielen einen tollen Mix aus Punk, Metal, Post Hardcore und Grunge, der Spaß macht. Und zwar jede Menge davon: Das groovige, punkige „Feed The Rats“, das trotz eingängigem Refrain nicht glattgebügelt wirkt oder die ebenfalls punkigen Songs „Persephone“ (wohoo, sehr coole Bassline) oder „Fruits Of Apathy“ mit seinem  Wahnsinnsbreak mit halliger Gitarre. Eher grungig mit einem Hauch von Soundgarden und einer Stimme, die mich hier an Steven Tyler erinnert, kommt „What Comes Next“ daher. Und dann wieder bekommt man feinstes Metal Riffing zu hören wie in „Attention“ oder einem meiner persönlichen Favouriten „Celebrating Deathlessness“, das zwischendurch Deathmetalfeeling verbreitet.

„Scylla/Charybdis“ ist wütend, laut, düster, roh, rotzig und aufpeitschend. Wer quasi auf feine, ausgefeilte Laubsägearbeiten steht, ist hier falsch. Hier kommt eher die Motorsäge und dann und wann gar die Axt zum Einsatz, was meinem Naturell sehr entgegenkommt… hüstel. Damit meine ich allerdings nicht die musikalische Qualität, die ist top. Lady Crank machen keinen Lärm ohne Sinn und Verstand, sondern geilen Krach mit manischem Geschrei, der trotzdem absolut ins Ohr, den Kopf, den Nacken und das Herz geht. Was wollte ich mit dem seltsamen Vergleich jetzt eigentlich ausdrücken? Ah ja. Anhören! Lohnt sich! Und wenn ihr mehr über Lady Crank und ihre Musik erfahren wollt, könnt ihr euch schon auf mein Interview mit Sänger Janni freuen.


Tracks:
1. Phenomenon
2. Polymorph
3. Feed The Rats
4. Symbols And Interpretations
5. What Comes Next
6. Fruits Of Apathy
7. Celebrating Deathlessness
8. Attention
9. Experimental Lust
10. As Big As A Giant But Still A Coward
11. Persephone

Band:
Janni Stefos (Gesang, Gitarre)
Johannes Horas Möllers (Bass, Gesang)
Christoph Schöneberg (Schlagzeug, Gesang)

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