Worldwired Tour 2019. Metallica, ihre Family und so much love in   München.

Metallica, München 2019

Metallica, München 2019

23. August 2019. Ich sitze auf meinem Sitz im Münchner Olympiastadion und bin aufgeregt. Wenn ich mir die Nägel nicht so dermaßen kurz geschnitten hätte, würde ich sie mir vermutlich tatsächlich abknabbern. Nur noch wenige Minuten, dann würden sie die Bühne entern: Metallica. DIE Metalband auf diesem Planeten – und wenn man den Gerüchten trauen kann – auch bald auf dem Mond. Geliebt und umjubelt. Oft auch verspottet und belächelt. So oder so. Man kommt nicht um Metallica herum. Und was haben die Jungs für Songs geschrieben… Der Weg auf diesen Sitz im Olympiastadion war allerdings eine Geduldsprobe.

Vom Hotel aus mit den Öffentlichen fahren oder mit dem Auto. Das war die entscheidende Frage an diesem Freitag. Da die Rückfahrt mit den Öffentlichen nachts zurück zum Hotel allerdings ein wenig in den Sternen stand, haben wir uns für das Auto entschieden in vollem Bewusstsein, dass wir es bereuen würden. Wir brauchten dann auch für die sonst 10- minütige Fahrt vom Hotel zum Parkhaus geschlagene 1 1/2 Stunden im Münchner Berufsverkehr. So mancher musste im Stau sein Auto an den Straßenrand parken, um sich in die Büsche zu schlagen. Dramatische Szenen spielten sich ab… Sobald das Auto aber endlich geparkt war, wurde es einfacher. Man musste nur dem Menschenstrom folgen.

Dann saßen wir also endlich auf unseren Plätzen. Ghost spielten noch, konnten uns jetzt aber nicht so richtig mitreißen. Teilweise wirkte es eher so, als würde Sänger Tobias Forge mit seinen Ansagen das Publikum ein wenig peinlich berühren. Dafür war das Unterhaltungsprogramm in der Umbaupause zwischen Ghost und Metallica – nun ja – ziemlich speziell. Drei Herren fanden es eine ziemlich dufte Idee in angetrunkenem Zustand an einen Zaun zu pinkeln. Also so, dass unsere Hälfte des Stadions wirklich live mit dabei war. Von einem erhabenen Moment steuerte das bunte Programm schon auf den nächsten zu: „The Ecstasy of Gold“ begann zu spielen und man wusste, gleich sind se da. Ich muss ehrlich sagen, dieses Gefühl, wenn diese Melodie anfängt und knapp 70000 Menschen mitfiebern ist unbeschreiblich. Zumindest bis zu dem Moment, an dem mein Nebensitzer 2 Töne daneben und völlig out of tune anfing mitzugrölen. Das raubte dem Augenblick schon ein wenig von seinem Glanz.

Metallica, München 2019

Metallica, München 2019

Metallica starteten mit „Hardwired“. Drei weitere Songs vom aktuellen Album sollten im Lauf des Abends noch folgen: „Here Comes Revenge“, „Moth Into The Flame und „Spit Out The Bone“. Ansonsten hielten sich die Herren fast peinlich genau an die Liste mit Liedwünschen, die ich ihnen im Vorfeld hab zukommen lassen. Von den ersten beiden Platten spielten sie „Ride The Lightning“, „Creeping Death“ und „For Whom The Bell Tolls“. Natürlich mit der üblichen kleinen „Showeinlage“ beim Intro bei der sich Rob und Kirk im Tiefgang auf der Bühne jagen. Mit „Seek And Destroy“ brachten Metallica das Stadion zum Ende des Konzerts zum Beben. Letzter Song vor der Zugabe. Glückwunsch zu der Auswahl. Es ist einfach so geil, wenn knapp 70000 Menschen den Refrain herausbrüllen. Gänsehaut. Ein gutes Händchen für die Songauswahl bewiesen Metallica außerdem mit „Harvester Of Sorrow“ – ich liebe das Intro, total energiegeladen und Kirk mit wehenden Locken – „Sad But True“ und „Master Of Puppets“. Mit „The Memory Remains“ und „The Unforgiven“ gab es auch noch zwei ruhigere Momente. Mutig spielten Metallica sogar „Frantic“ vom von fast allen geliebten Album „St. Anger“. Allerdings kam der Song wegen der fehlenden Drum-Mülltonne nicht so authentisch rüber. Das wär mal was gewesen… Aber Hetfields Kermit der Frosch Stimme an manchen Stellen war wiederum sehr erheiternd. Und irgendwie hatte man ständig „I`m searching for donuts im Ohr“. Komisch. „Frantic“ machten Metallica aber mit einer netten Überraschung wieder wett. Sie spielten doch tatsächlich „The Call Of Ktulu“. Darauf hatte ich nicht in meinen kühnsten Träumen zu hoffen gewagt. Ein unheimlich wunderbarer Moment, in dem man sich einfach zurücklehnen und genießen konnte. Sogar ungestört von meinem Nachbarn, der sonst Refrains und Gitarrensoli mit seiner untalentierten Stimme mitzusingen pflegte. Danach legten die Herren Rob und Kirk ihre Version von „Schickeria“ aufs Parkett. Gut – außer dem Wort „Schickeria“ verstand man zwar nichts, aber es war ganz witzig und charmant und riss sogar die Herrschaften von ihren Sitzen, die bisher mit starrer Miene dort festgepinnt waren. Mein nächstes Highlight des Abends war natürlich „One“. Zusammen mit der Animation auf den Leinwänden im Hintergrund, den Lasern und den „Feuerexplosionen“ kreierten Metallica, einen unvergesslichen Gänsehautmoment.

Metallica, München 2019

Metallica, München 2019

Eher gegen Ende des Konzerts wechselten Metallica gemeinsam auf den Ausleger der Bühne mitten ins Publikum. Dort fuhr ein zweites Schlagzeug aus dem Boden – ja ja, Show und Revue haben sie halt drauf. Rob spielte außerdem ein Basssolo, das sehr viel Spaß machte – und ein bisschen wehmütig, wurde es doch hinterlegt mit Bildern von Cliff. Auch Kirk, seine unzähligen coolen Gitarren und sein Wahwahpedal gaben alles. Er legte bei der Zugabe noch ein kleines Solo hin und es nötigt einem schon Respekt ab, wenn man sieht, was er trotz seines bewegten Lebens immer noch so raushaut. James war ebenfalls gut drauf. Er beschwor zu jeder Gelegenheit die „Metallica Family“ und schwärmte von der Liebe, welche ihm vom Publikum entgegenschlug. Ein wenig protzte er auch mit seinen Gitarren („Ah, I’ve got so many cool guitars“). Und als einige Leute gegen Ende des Konzerts, aber noch vor der Zugabe, anfingen, das Stadion zu verlassen, hakte er nach: „Why do you have to leave so early?“ Er versicherte dann, das würde zu Hause schon alles klar gehen, wenn die Leute sagen würden, James hätte ihnen erlaubt, noch zu bleiben. Aber da kennt er eben den Deutschen schlecht, der schnell zu seinem Auto muss, bevor der ganze Rest auch ausparken will. James jedenfalls ließ sich davon nicht beeindrucken. „Da wir das ganze Equipment jetzt schon aufgebaut haben, spielen wir einfach noch was.“ Als Zugabe spielten Metallica dann „Spit Out The Bone“, „Nothing Else Matters“ und zum krönenden Abschluss „Enter Sandman“. Ein kleines Feuerwerk wurde am Ende außerdem noch geboten. Geiles Konzert, geile Setlist, geile Stimmung. Metallica haben es nach all den Jahren live absolut immer noch drauf. Ich laufe jedenfalls immer noch mit einem fetten Grinsen herum.

 

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