Post Folk aus Tatarstan: Hunnar von Baradj

Folk Metal/Progressive Metal/Melodic Death Metal
Veröffentlicht: 19.06.2019
Eigenproduktion
facebook.com/baradjband/
https://baradj.bandcamp.com/


 

BARADJ-Hunnar-Cover-400x400Heute habe ich endlich mal wieder ein wenig Folk Metal im Gepäck. Wobei – ein wenig? Das neue Album „Hunnar“ der Band Baradj aus der russischen Provinz Tatarstan umfasst immerhin 14 Songs. Und Folk Metal? Also nur mit einer Schublade kommen wir hier bei Weitem nicht aus. Da müssen wir schon noch einige weitere Schubladen öffnen und vielleicht auch eine ganz neue Schublade zimmern. Die des Post Folk Metals, hier in der Spielart des „Tatar Ethnic Metal“, zum Beispiel. Häh? Wasndasnuwieder?

Baradj kreieren einen ganz eigenen Sound aus Elementen des Progressive Metal, Post Metal, Melodic Death Metal, Folk Metal und Ambient Elementen. Was erst einmal ein wenig viel klingt, vereint sich zu Songs, die oftmals eine sphärische Entrücktheit und Weite transportieren, wie zum Beispiel der Titeltrack „Hunnar“, „Dunay“ oder „Tengri“. Daran hat der extrem hallige Gitarrensound einen großen Anteil, der sich durch das gesamte Album zieht. Dazu kommen jede Menge melancholischer und entrückter Cleanparts, die gern mal ein Ambientfeeling entfalten. Kurioserweise habe ich mich beim Hören tatsächlich ab und zu an Ahab erinnert gefühlt, obwohl das alles eigentlich gar nicht zusammenpasst.

Songs wie „Altynchach“, „Juketaw“ oder „Bolgar Dalasy“ betonen etwas mehr den Folkaspekt, der in eine balkanische Richtung geht und durch cleanen Gesang und entsprechende Gitarrenparts transportiert wird. „Bolgar Dalasy“ birgt den Folk außerdem im Rhythmus. Insgesamt sind die Folkanteile aber eher dezent gehalten. Wer die üblichen „Ohoh“ Chöre und feuchtfröhliche Schunkelmelodien erwartet, ist hier definitiv verkehrt. Auch die zahlreichen Instrumentals wie „Khiyal-Tulu“ oder „Khiyal-Tedrehon“ – es gibt insgesamt sieben davon – tragen zur folkig-entrückten Stimmung bei. Huh – wie oft man das Wort „Folk“ in so einem Absatz doch unterbringen kann…

Bei all der sphärischen Entrücktheit gibt es auf „Hunnar“ aber auch die Songs, die einen mit Wucht und Härte wieder aus den Wolken holen. „Attila“ zieht das Tempo merklich an. Wüste Growls peitschen aus den Lautsprechern. „Juketaw“ oder „Tengri“ spielen mit dem Wechsel zwischen Growls und Cleangesang zwischen langsamen und schnellen Passagen und bringen tiefe Gitarren, aggressive Growls und hier und da ein wenig Rock und dort und da ein bisschen Death und Black Metal mit ein.

„Hunnar“ bietet einen gelungenen Mix aus verschiedenen Stilrichtungen. Baradj kreieren hier einen eigenen Sound, der natürlich auch von den speziellen folkigen Einflüssen herrührt. Ungeduldig darf man nicht sein, denn die Songs brauchen manchmal einige Augenblicke, bis sie sich entfalten. Man sollte also Zeit mitbringen und sich auf die Musik einlassen. Baradjs Post Folk hebt sich aber erfrischend ab. Daumen hoch.

Youtube Channel von Baradj


Tracks:
1. Hunnar
2. Dunay
3. Khiyal – Tulu
4. Attila
5. Khiyal – Ildico
6. Altynchach
7. Khiyal – Altynchach
8. Juketaw
9. Khiyal – Tedrehon
10. Tengri
11. Khiyal – Qubrat Khan
12. Bolgar Dalasy
13. Khiyal – Boiek Bolgar
14. Khiyal – Boygala ham

Band:
Djonathan Lindaive – Gesang, Gitarre
Anton Lisin – Schlagzeug
Aleksey Lozhenkov – Gitarre
Ruslan Latypov – Bass

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