Von sternlosen Nächten: „Ethic Of Radical Finitude“ von Downfall Of Gaia

Post Black Metal
Veröffentlicht: 08.02.2019
Metal Blade Records
downfallofgaia.com


a3641497769_10Downfall of Gaia sind schon eine Weile im Geschäft und bislang sicherlich wohlwollend in der Post (Black) Metallischen Szene gehört. Eine relativ einzigartige Mischung aus modernem Black Metal, Hardcore und irgendwas postigem als Markenzeichen, waren Downfall of Gaia dabei aber nie besonders zugänglich. Insbesondere Suffocating in the Swarm of Cranes, aber auch der nachfolger Aeons unveils the Throne of Decay waren glanzvoll, warfen aber mit eher sperrigen, ausgedehnten Gaze-Momenten mit wenig eingängigen Strukturen einigen Schatten. Erst Atrophy kam gefühlt kompakter daher. Mit dem neuen Werk Ethic of Radical Finitude ist zumindest der Titel wieder deutlich ausladender geworden, für die Musik trifft das aber nicht zu.

Leise, sehr leise ist der Einstieg mit Seducted by… und setzt trotzdem gleich die richtige Stimmung für das, was noch so kommt. Klar, es gibt viel Geknüppel, Raserei, Geschrei, wie man es so kennt und liebt. Das besondere sind aber die träumerischen Momente, die Hand in Hand gehen mit fast schon romantischen Titeln. Besonders beeindruckend sind diese Momente aus Wehmut, kuscheliger Behaglichkeit und Verzweiflungswut in Liedern wie Guided through a starless Night und Of withering violet Leaves. Dafür dass das nicht ausnudelt, sorgen durchdachte Dynamikwechsel und zahlreiche Spannungsbögen – bis hin zum gesprochenen Wort und… chorartigem Gesang? Das kam doch etwas überraschend, bildet aber einen perfekten Abschluss. Fragile Melodiebögen tasten sich immer wieder ins Ohr und setzen sich in den Hirnwindungen fest. Dafür haben die Jungs sicher ein Händchen.

Die nötige Wucht fehlt bei all der träumerischen Weltenflucht wie gesagt aber nicht. We pursue the Serpent of Time rumpelt ordentlich los, As our Bones break to the Dance sorgt genau für selbiges Knochenbrechen und wartet dann doch mit einem warmherzigen Gitarrensolo auf ehe Geschrammel mit Black-Metal-Raserei das wieder überbügelt. Auch die ein oder andere doomige Einlage sorgt für Abwechslung, nimmt aber dem blitzschnellen Riffing und der entrückten Ruhe nie die Bühne. Am klassischsten mag da noch The grotesque Illusion of Being sein. Das I-Tüpfelchen jedenfalls sind Nuancen wie etwa ein nachdenklich stimmende Piano.

Faszinierend ist, wie Downfall of Gaia einfach alles in Trümmer hauen und dazwischen ständig Ohrwurmmelodien einstreuen als wäre alles irgendwie ziemlich traurig und schlecht, aber doch auch gar nicht so schlimm. Perfekt.


Lieder:
1. Seducted by…
2. The grotesque Illusion of Being
3. We pursue the Serpent of Time
4. Guided through a starless Night
5. As our Bones break to the Dance
6. Of withering violet Leaves

Band:
Dominik Goncalves dos Reis – Gesang, Gitarre
Anton Lisovoj – Gesang, Bass
Marco Mazzola – Gitarre
Michael Kadnar – Schlagzeug

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