The Burning Cold over Stuttgart – Omnium Gatherum Tour 2018

Nothgard

Nothgard

Der Melodic Death Metal Konzertabend stand unter keinem guten Stern. Nicht nur, dass ich es am Tag zuvor beim Sport dermaßen übertrieben hatte, dass ich nur noch auf allen Vieren kriechen konnte. Auch mein Magen-Darm-Trakt beschloss mich im Stich zu lassen. Natürlich alles kein Grund nicht zum Omnium Konzert zu gehen – mit dem Kopf nicken geht ja noch und darauf kommt es schließlich an. Vollgepumpt mit Imodium ging es also in den clubCann.

Der Auftritt der ersten Vorband Nothgard war schon in vollem Gang, als mein Mann und ich eintrafen, sodass wir von den Melodic Deathern aus Deggendorf leider nicht mehr allzu viel mitbekamen. Immerhin erlebten wir noch den verzweifelten Versuch, die versammelte Schwabengemeinde zu einem Circle Pit zu bewegen. „Wir wollen Bewegung sehen.“ Das zog sich durch den kompletten Abend, doch jede der drei Bands perlte daran ab, die als eher nicht so extrovertiert geltenden Schwaben zum Tanzen zu bringen. Da half keine Erpressung („Die anderen haben es auch alle hinbekommen“) und kein Sarkasmus („Das war der kleinste Circle Pit, den ich je gesehen habe. Wenn sich zu dem einen vielleicht noch ein zweiter gesellen könnte…“). Omnium Sänger Jukka Pelkonen versuchte es mit einem freiheitlichen pädagogischen Ansatz „Wir bangen jetzt gemeinsam voll ab – und wer sich traut, kann hier vielleicht auch einen Circle Pit eröffnen.“ Es nützte alles nichts. Das Publikum erwies sich als tanzresistent.

Tuomas Saukkonen

Tuomas Saukkonen

In der Pause schoben wir uns weiter nach vorn. Wobei ich positiv anmerken muss, dass der clubCann nicht so vollgestopft war, dass man sich nicht mehr regen konnte. Auch der Sound war klasse und ausgewogen. Großes Lob. Als Nächstes stürmten die finnischen Melodic Death Metaller von Wolfheart die Bühne. Gefiel mir gut. Ausgefeilte Songs mit Doom- und Blackmetal Anteilen und ein Auftritt, der Laune machte. Bassist Lauri Silvonen bewies eine Engelsgeduld. Ich weiß nicht, wenn man mir 5 Minuten ins Nasenloch filmen würde… Ähm. Ja. Beeindruckend war auch der Gitarrengurt von Gitarrist und Sänger Tuomas Saukkonen. Der bestand nämlich aus einer Kette aus Eisengliedern. Wirkt sehr martialisch und saucool, aber aua. Mein Mann nur lapidar:“Es heißt doch ‚Heavy Metal'“. Tja, auch wieder wahr. Allerdings lenkten zwei Herren direkt vor mir meine Aufmerksamkeit vom Geschehen auf der Bühne immer wieder ab. Der eine drehte ein Video auf seinem Smartphone und gab der Band mit Handzeichen Regieanweisungen. Da diese das frecherweise ignorierte, verlegte er sich aufs Tanzen und Bangen. Da kommt sicher ein Blockbuster dabei heraus. Sein Kumpel faszinierte durch seinen ausgefeilten Tanzstil. Eine Mischung aus „Hol dein imaginäres Lasso raus“, Techno und Bangen. Herrlich. Und da er in den langsamen Teilen schon immer etliche BPM schneller war, wurde es in den schnellen Passagen richtig witzig.

Omnium Gatherum

Omnium Gatherum

Wir erreichten die zweite Reihe pünktlich zum Auftritt von Omnium Gatherum. Die Melodic Deather sind ja auf Platte eher nicht so mein Ding – aber live die absolute Abrissbirne. Ich hatte ja das Glück Omnium schon einmal live erleben zu dürfen. Die Herren aus Finnland transportieren von ihrer Bühne herunter eine unglaubliche Energie und Kraft. Es macht irre Spaß, zuzuhören und zuzuschauen. Sänger Jukka Pelkonen ist ein echtes Biest. Er bangt, schreit, feuert das Publikum an. Er ist unheimlich interaktiv und leutselig, zeigt immer wieder ins Publikum, als wäre es sein gesetztes Ziel für den Abend mindestens einmal auf jeden im Raum gedeutet zu haben. Sein liebster Zeitvertreib – neben dem Singen – ist aber das Hörner abklatschen mit dem Publikum. Und man kann sich schon auch mal Nase an Nase mit dem Sänger wiederfinden, wenn man ganz vorn steht. Aber auch der Rest der Band versprüht eine wahnsinnige Energie. Einzig Gitarrist Joonas Koto thront eher in sich gekehrt über dem Geschehen und entlockt seiner Gitarre herrliche Melodien. Damit niemand etwas verpasst, weist Sänger Jukka Pelkonen auch meistens durch Fingerzeig darauf hin, dass jetzt ein Gitarrensolo kommt und lässt es sich auch nicht nehmen, Teile auf seiner Luftgitarre mitzuspielen oder die Gitarristen anzufeuern. Allerdings muss ich noch auf ein ernstes Thema hinweisen: misshandelte Bässe. Erkki Silvennoinens Bass wurde offensichtlich nicht gut behandelt, wie eine dicke Lage Tape an einem Flügel des Basses und die zu großen Teilen abgeblätterte Farbe beweisen. Das arme Instrument tat mir von Herzen leid. Andererseits wirkte es eigentlich ansonsten recht munter. Vielleicht doch kein Grund zur Sorge. Zwischendurch entstand sogar ein wenig Wackenfeeling als jemand beim Bangen sein Bier verschüttete und sich ein kleiner See bildete. Zum Schlammrutschen fehlte allerdings noch der Dreck. Neben einigen Songs vom neuen Album wie „Over the Battlefield“ „The Burning“ „Gods go first“ oder „Fearless Entity“ spielten die Finnen natürlich auch einige alte Kracher wie „Frontiers“, „Skyline“ „Nail“ und als Zugabe „Luoto“ und „New Dynamic“. Eine ausgewogene Mischung. Auch das Verhältnis zwischen schweren Walzen und flotten Nackenbrechern machte Spaß. Ein rundum gelungener Melodic Death Metal Abend. Aus Nostalgiegründen riefen wir zum Abschluss noch einmal „Whale ahead!“ und gingen dann tierisch ab. Mit dem Kopf nicken geht jetzt auch nicht mehr. Was soll’s?! Ein großes Dankeschön geht noch an unseren Freund – nennen wir ihn Moorin – dass er extra seine Geburtstagsparty verschoben hat, um uns das Ganze zu ermöglichen.

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