Die Welt – ein Tor zu tausend Wüsten stumm und kalt! – Null & Void von 〇

Doom Metal, Black Metal
Veröffentlicht: 11.8.2014 (MC, Digital), 20.5.2015 (CD)
Vánagandr (MC), Pest Productions (CD)
https://0000000.bandcamp.com/


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Null & Void von 〇

Wenn sich eine Band 0 nennt und ihr erstes und bislang auch einziges Werk Null & Void (zu Deutsch soviel wie nichtig) nennt, das Cover mit grau-schwarzen Felsen, was erwartet einen da wohl? Richtig, melancholischer Black Metal. Aber nicht dieses in letzter Zeit sehr modische Teenie-Gedudel. Nein, ernster. Dazu später mehr. Aufmerksam geworden bin ich auf die Isländer wie folgt: Ich habe mich etwas über die Black-Metal-Szene auf der Insel tief im Atlantik belesen und bin dabei neben der Erkenntnis, dass alle Black-Metal-Bands Islands aus insgesamt nur maximal zehn verschiedenen Mitgliedern bestehen (insgesamt, nicht je Band!), über 0 gestolpert. Da ich als Funeral-Doom-Begeisterter immer für lange Lieder zu haben bin, war ich noch ohne den ersten Ton gehört zu haben angetan von Null & Void: gut 34 Minuten, ein Lied? Was soll da noch schiefgehen?

Nichts. Von Anfang bis Ende schleppt einen Null & Void durch eine steinerne Wüste voll Einsamkeit. Schmerz grüßt hinter diesem Felsen, Leid hinter jenem und die Trostlosigkeit dräut stets am Horizont. Meisterhaft komponiert, meist im mittleren Tempo, Themen immer mal wieder aufgreifend, kann man tief wie der Marianengraben im Klangteppich versinken. Anrührende Melodien, die hier mit voller Wucht in den Kopf drängen, schweben dort zerbrechlich und klirrend über allem und verstärken den beschriebenen Eindruck oft bis an den Rand des Erträglichen – vor allem in fast schon bis zur Ekstase crescendierenden Momenten (wie etwa ab Minute 30). Der Gesang tut sein übriges dazu, wechselt er doch passend zur Musik von zunächst elegischem Singsang zu verzweifeltem Kreischen. Nicht ganz umsonst habe ich als Überschrift eine Zeile aus Nietzsches Gedicht „Vereinsamt“ (er nannte es auch „Abschied“, „Heimweh“ und hatte noch viel mehr Titel) gewählt. Denn an dieses Gedicht musste ich gleich denken, als ich Null & Void gehört habe. Gedicht und Lied passen wunderbar zusammen und drücken die gleiche trostlose Stimmung aus. Schade, dass der Text nirgends zu finden ist.

In erstmal fast schon eigenartig anmutendem Kontrast zur traurigen Stimmung steht die wohlige Wärme, die sich durch Null & Void zieht und wofür vor allem der dumpfe Bass, aber auch die mich irgendwie an die Siebziger erinnernde Produktion verantwortlich ist. Auch wenn es gerade in der etwas schnelleren Passage nach etwa einer Viertelstunde durchblitzt: Klirrend kalt wie sonst im Genre üblich wird es hier so gar nicht. Und das passt einfach perfekt. Ob das so richtig Black Metal ist? Ehrlich gesagt: Völlig egal. Hier fügt sich alles zusammen. Ich wüsste nicht einen Punkt, wo ich zu negativer Kritik überhaupt nur ansetzen sollte. Deshalb: Ein Meisterwerk im Bereich melancholischer Musik.


Lieder:

1. Null & Void

Band:
D.G. – Gitarre
TMS – Schlagzeug
S.S. – Gesang
Ö.S. – Gitarre
H.K.F. – Bass

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