Perfekte Symbiose aus Doom und Heavy Metal – Desolation von Khemmis

Epic Doom/Heavy Metal/NWoBH
Veröffentlicht: 22.06.2018
Nuclear Blast Records
http://khemmisdoom.com/


Ich hatte ja die grandiose Idee, das Sommerloch mit ein paar wertvollen und wirklich verblüffenden Life Hacks zu füllen. Und davon hätte ich ein paar wirklich gute auf Lager gehabt: 1. Wenn du ein Bild aufhängst und den Betonstaub mit dem Staubsauger einsaugen willst, hilft es, wenn du nicht nur das Rohr hinhältst, du musst auch noch einschalten, sonst rieselt das ganze Zeug doch glatt trotzdem auf den Boden. 2. Halte dich im Urlaub von Menschen fern. Besonders von Bauarbeitern, die ein Zimmer neben dir haben und um 5 Uhr aufstehen. Ich könnte jetzt noch ewig so weitermachen, aber zum Glück habe ich etwas Besseres gefunden, über das ich schreiben kann: das neue Album von Khemmis.

Die Herren aus Colorado galten bisher immer noch als Geheimtipp, sind aber mit ihrem neuen Album „Desolation“ auf dem besten Wege das zu ändern. Mit ihrem Mix aus Doom Metal und klassischem Heavy Metal mit einem kräftigen Schuss NWoBH lassen sich Khemmis nur schwer in irgendeine unserer so geliebten und wohlgeordneten Schubladen stecken – und das ist genau das, was mir an ihrer Musik so richtig gut gefällt. „Desolation“ bietet uns sechs facettenreiche Songs. Der Opener „Bloodletting“ gibt die Marschrichtung gleich gut vor. Schwere, doomige Gitarrenriffs, die eine zwielichtige Grundstimmung schaffen, klassische Heavy Metal Melodie, die das Ganze auflockert und nicht zu düster werden lässt. Natürlich darf das passende NWoBH Solo nicht fehlen. Die Krone setzt dem Ganzen Phil Pendergasts wunderbare Stimme auf, die mal klar und hell über allem thront, mal fies zischt und faucht. Auch die anderen fünf Songs bewegen sich in diesem Rahmen. „Seer“ beginnt herrlich schwer und drückend, überzeugt durch Pendergasts glasklare Cleanstimme gepaart mit bösartigem Gefauche, das eine schwarzmetallische Note hinzufügt, und träumerischer Melodie. Die größten Kracher auf dem Album sind für mich allerdings „Maw of Time“ und „From Ruin“. „Maw of Time“ ist stimmlich dermaßen intensiv, dass es echt an die Nieren geht. Von Cleangesang über tiefe Growls bis hin zu Blackmetalgekeife wird alles geboten. Das Tempo ist gemächlich – und wird dann nach fünf von sieben Minuten noch gemächlicher. Schwere Gitarren, Wummerbass gepaart mit Gekeife und Grummelgrowls. Woooooh. Schließlich jaulende Gitarren. Herzklopfen. Gänsehaut. Ehrlich mal. Auch „From Ruin“ geht gemächlich los, legt aber zur Mitte hin kurzfristig eine Schippe drauf. Die Finger flitzen übers Griffbrett und versetzten den Hörer in wahre Verzückung. Ja, sie flitzen immer noch getragen, aber sie flitzen. Heavy Metal mit wunderbarer Dramatik, Melodie, Pathos und Herzschmerz entfaltet sich in unseren Ohren, ohne kitschig, klischeehaft oder abgedroschen daherzukommen. Eine ruhige cleane Passage haben die Jungs auch noch eingeschoben. Zum Heulen schön. Der Text passt in seiner mitreißenden Verzweiflung meisterlich zur Musik. „From Ruin“ bietet für mich die perfekte Symbiose aus Doom und Heavy Metal.

Ich kann nur sagen: ran an das Album! Khemmis spielen eine wahnsinnig geile Kombi aus Doom und klassischem Metal. Ihre Musik ist offen, modern und qualitativ hochwertig und passt nicht wirklich in eine Schublade – oder eben in sehr viele Schubladen. Das mag den einen oder anderen irritieren. Ich finde es sehr erfrischend wie Khemmis Altes abstauben und in Ehren halten und Neues hinzufügen und kombinieren. Zum Beispiel die Anleihen aus dem Black Metal passen in die Songs wie die Faust aufs Auge. Mir gefallen die schweren doomigen Parts, die dunkel und zwielichtig sind, aber nie in die große, allumfassende Düsternis und Verzweiflung abgleiten. Mir gefallen die Dramatik und der Pathos des klassischen Heavy Metal, die aber nie kitschig oder drüber sind. Die Songs sind alle keine Tempomonster und dennoch leben sie auch von ihren Tempowechseln. Dann ist da noch die Stimme von Phil Pendergast, die unglaublich schön, ergreifend und wandelbar ist und jedem der sechs Songs einen unverwechselbaren Touch verleiht und die Krone aufsetzt.

YouTube Channel von Nuclear Blast Records: https://www.youtube.com/channel/UCoxg3Kml41wE3IPq-PC-LQw


Tracks:
1. Bloodletting
2. Isolation
3. Flesh to Nothing
4. The Seer
5. Maw of Time
6. From Ruin

Band:
Ben Hutcherson – Gitarre, Gesang
Phil Pendergast – Gitarre, Gesang
Daniel Beiers – Bass
Zach Coleman – Drums

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