Klassiker: Stream from the Heavens von Thergothon

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Stream from the Heavens

Kürzlich hatte ich mal wieder Lust auf langsamen, sehr langsamen Metal und dachte mir beim Entlangstreifen am Plattenregal: Warum nicht mal wieder einen Klassiker und Wegbereiter einlegen? Skepticism? Esoteric? Funeral? Nein, Thergothons Stream from the Heavens ist es geworden. Warum ist das ein Klassiker? Und welchen Genres überhaupt? Nun, was sich auf der Platte findet ist Funeral Doom in Reinkultur:  Extrem zäh fließt es da aus den Lautsprechern, wenig Tempiwechsel, der Rhythmus ist teils kaum nachzuverfolgen, die Riffs sind dunkel und traurig, der Gesang besteht großteils aus abgrundtiefem Grunzen, ergänzt um Klargesang, der Bass ist dominant, verzerrt und sehr, sehr tief. Hier und da wird noch ein epischer Keyboardteppich ausgebreitet. Alle traditionellen Merkmale sind also da. Das ist sicherlich bei vielen Bands so. Was Thergothon so besonders macht ist schlicht der Zeitpunkt, zu dem Stream from the Heavens veröffentlicht wurde, nämlich 1994, wobei das Material durchaus schon etwas älter ist. Die erste Demo Fhtagn nagh Yog-Sothoth erblickte immerhin schon 1991 das Licht der Welt.

Was Stream from the Heavens auch heute noch so besonders macht ist wie so oft die dichte Atmosphäre. Basslastig, mal melancholisch, mal proggig wabert die Musik aus den Lautsprechern. Die Stimmung ist bedrückend, niederschmetternd, trostlos. Alles ist ein wenig extremer als bei herkömmlichen Doom-Veröffentlichungen: Langsamer, reduzierter, monotoner. Alles dient einzig und allein dem Zweck, Hoffnungslosigkeit zu verbreiten. Dabei grenzen sich Thergothon von Genrekollegen wie Skepticism durchaus ab. Sind die  besonders schwermütig, fast schon herzzerreißend traurig, so ist Thergothon eher auf der düsteren Seite zu finden.

Auch wenn Musik sich häufig gut über die Zeit rettet, stellt sich die Frage: Kann man das heute noch hören oder sollte man lieber gleich zu modernen Vertretern wie Evoken oder Ahab greifen? Besonders gewöhnungsbedürftig ist aus meiner Sicht die sehr eigentümliche Produktion des Albums. Klar, die passt irgendwie zum Ambiente mit ihrem schrägen Wabern, aber jedermenschs Sache ist das bestimmt nicht. Nach etwas Eingewöhnung konnte ich jedenfalls gut damit leben. Was nicht geht und fast die tolle Stimmung zerstört ist der Klargesang. Die ein oder andere Gesangsstunde hätte vielleicht gut getan, aber was soll’s. Schwamm drüber. Am Ende bleibt trotzdem ein zurecht als (r)evolutionär geltendes Album, das ein ganzes Genre mitgeprägt hat. Wer also auf die Extreme in der Musik steht, darf gerne mal ein Ohr riskieren. Insbesondere als Genre-Fan sollte man sich die Urväter ruhig mal geben. Zugänglicher sind die moderneren Zöglinge aber allemal.

 

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