Temporeich, bedrohlich, aggressiv – „Machine Messiah“ von Sepultura

Thrash/Death/Groove Metal
Veröffentlicht: 13.01.2017
Nuclear Blast
http://sepultura.com.br/


Sepultura - Machine Messiah

Sepultura – Machine Messiah

Das Jahr hat gerade erst begonnen und schon winkt das erste musikalische Highlight. Sepultura präsentierten am 13.01. ihr mittlerweile 14. Album namens „Machine Messiah“. Und da die Thrasher aus Brasilien zum Metal gehören wie die Spätzle ins Schwabenländle, muss ich natürlich gleich mal ein bis zwei Ohren riskieren. Produziert wurde „Machine Messiah“ vom Schweden Jens Bogren, der unter anderem auch schon für die Produktion von Alben von Amorphis, Opeth, Kreator oder Paradise Lost verantwortlich war. Und – auch in seiner Arbeit mit Sepultura beweist der Mann einmal mehr, dass er seine Arbeit versteht, immer die ein oder andere pfiffige Idee mit einbringen kann und schwedische Luft auf Metalmusiker außerdem extrem anregend wirkt.

„Machine Messiah“, der Opener des Albums, startet recht stampfend und gemächlich. Eine Neuerung haben Sepultura da aber schon eingebaut. Derek Green widmet sich dem Cleangesang und das recht gut und lässt den Hörer das erste Mal aufmerken. Allen, die anderer Meinung sind, und die nun schon wieder Luft holen um los zu jammern seien die Selbsthilfegruppen „Ich liebe dich Max – bitte komm doch endlich zurück“ oder „Igitt Cleangesang, wie tief kann man noch sinken“ aufs Wärmste empfohlen.

Schon der zweite Song des Albums „I am the enemy“ rückt den allzu gemütlichen Eindruck aber schnell zurecht. Ein wahres Riffgewitter Marke aggressiver Neckbreaker geht auf die Ohren nieder. Thrash wie wir ihn von Sepultura kennen und mögen würd ich mal sagen. Natürlich wären Sepultura nicht Sepultura wenn sie nicht auch die ein oder andere folkloristische und klanglich außergewöhnliche Note einfließen lassen („Phantom self“, „Iceberg dances“), interessante Rhythmusvarianten präsentieren („Alethea“) oder einfach nur kompromisslos aggressiv und böse abgehen würden („Resistant parasites“, „Silent violence“). So startet „Phantom self“ mit einer kleinen Percussion Einlage gefolgt von orientalisch anmutendem Violinensound. Greens manisches Gekeife und eindringlichen Growls kommen dazu. Herrlich. Kissers Gitarre und die Violinen battlen sich immer wieder und lassen mich begeistert zurück. Im Instrumental „Iceberg dancers“ zeigen Kisser und Casagrande eindrucksvoll, dass sie ihre Instrumente beherrschen. Durch die dezent eingesetzte Orgel kommt kurz 70er Jahre Rock Flair auf, doch hat man sich grad eingehört übernimmt auch schon eine akustische Gitarre die Führung und legt einen äh – sagen wir mal spanisch-folkloristisch anmutenden Part aufs Parkett bevor der Song munter weiter voran prescht. Mit „Silent violence“ und „Vandals nest“ hauen Sepultura dann nochmal alles an Thrash, an Schnelligkeit, an Spielfreude, an Rohheit und Aggressivität und an derben Growls raus was geht und was die glühenden Finger und fliegenden Drumsticks hergeben.

Für das Vorgängeralbum „The mediator between head and hands must be the heart“ haben Sepultura viel Prügel bezogen – bestenfalls gab es höflichen Beifall. Mir hat die Rohheit des Albums eigentlich ziemlich gut gefallen. Diese Rohheit findet sich auch auf „Machine Messiah“. Allerdings klingt alles frischer, wohldurchdachter, schlüssiger. Es wurde eine Prise Heavy Metal dazugegeben und altbekannte Zutaten wie brasilianische Percussion und ausgefallene Klangelemente beigemixt. Herausgekommen ist ein tolles, temporeiches, aggressives, bedrohliches, abwechslungsreiches Album mit kleinen Überraschungsmomenten wie Greens Cleangesangpassagen, orientalisch anmutenden Streichern und einem winzigen Hauch Akustik. Da sag ich doch mal „obrigado“ und gut gemacht meine Herren.

Quelle: Youtube-Channel von Nuclear Blast Records, https://www.youtube.com/channel/UCoxg3Kml41wE3IPq-PC-LQw


Tracks:
1. Machine messiah

2. I am the enemy
3. Phantom self
4. Alethea
5. Iceberg dances
6. Sworn oath
7. Resistant parasites
8. Silent violence
9. Vandals nest
10. Cyber god

Line-Up:

Andreas Kisser – Gitarre
Derrick Green – Gesang
Eloy Casagrande – Schlagzeug
Paulo Jr. – Bass

3 Gedanken zu “Temporeich, bedrohlich, aggressiv – „Machine Messiah“ von Sepultura

  1. Ganz nett, aber Sepultura ist halt einfach nix mehr seit Max Cavalera raus ist und warum die sich immer noch Sepultura nennen verstehe ich nicht, ach so und die alten Alben waren eh viel härter und besser… Hab ich was vergessen 🙂

    Nein, im Ernst: mir gefällt das Album auch sehr gut, ein toller Jahresauftakt. Besonders gefällt mir das Sie andere Instrumente und Stilrichtungen eingearbeitet habe , das macht die Songs abwechslungsreich. So das eben nicht nur Thrash-Gekloppe ist. Da ist mir Cavalera Conspiracy zum Beispiel zu stark „in die Fresse“ und dadurch letztlich auf Dauer zu eintönig und langweilig. Hier gibt es in jedem Song was fürs Ohr zu entdecken und es geht trotzdem ordentlich zur Sache. Starkes Album zum Jahresbeginn!

    Gefällt 2 Personen

  2. Mit SEPULTURA begann unser Verständniss für Metal. Mit SEPULTURA wird es enden ( Deckel drauf, Kiste zu … irgendwann mal ) Egal welche Bands da im Laufe der Jahre noch dazugekommen sind und für gut befunden wurden 🙂

    Gefällt 1 Person

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