Klangchaos – Released From Love/You, Whom I Have Always Hated von Thou & The Body

Sludge, Drone, Doom Metal
veröffentlicht: 27.01.2015
Thrill Jockey


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Released From Love/You, Whom I Have Always Hated

Thou sind eine spezielle Band – extrem schwere Musik, mit einem Hang zur Melancholie, nie um eine politische Aussage verlegen und mit einem Fable für längliche Liedtitel. The Body wiederum sind eine fast noch speziellere Band – gewöhnungsbedürftiger Gesang, viel Elektronik , viel Lärm, und, sagen wir mal, wenig lebensbejahend in der Grundausrichtung. Was kommt also raus, wenn diese zwei sehr spezielle Bands eine Kollaboration eingehen? Ein Ungeheuer, ein Monstrum, ein Scheusal von Album.

„Released From Love“ war die erste Zusammenarbeit (kein Split!) von Thou und The Body und erschien bereits 2014, jedoch nur als Schallplatte. Schon ein Jahr später war „You, Whom I Have Always Hated“ fertig. Die beiden Alben wurden dann zusammen veröffentlicht, für Menschen ohne Plattenspieler und einer Aversion gegen rein digital vorliegende Musik auch als CD. Dass es sich um zwei verschiedene Aufnahmen handelt, merkt man zwar, aber nicht überdeutlich. Klanglich ist das Album sehr homogen, lediglich die musikalische Grundausrichtung variiert etwas.

Ab den ersten wuchtigen Takten geht es auf einen vertonten Horrortrip. „The Wheel Weaves As The Wheel Wills“ (dürfte Kennern von „Wheel Of Time“ bekannt vorkommen) wirkt wie ein alles verschlingender Mahlstrom. In „Her Strongholds Unvanquishable“ bricht das Klanginferno nach einem verstörenden Drone-Intro mit einer solch unglaublich bösartigen Gewalt in den Gehörgang, dass man meinen könnte, Thou & The Body hätten soeben das Tor zur Hölle aufgestoßen. Schreckensbilder, Schlachtfelder, gespenstische Erscheinungen ziehen am inneren Auge vorbei.

Beunruhigende und verstörende Elemente finden sich an allen Ecken und Enden. So die dissonante Leadgitarre in „Manifest Alchemy“, die sich über das eigentlich ganz hoffnungsvoll klingende Hauptriff schiebt; die Stellen, an denen die Lieder in ein Chaos aus morastigen Gitarren, knurrendem Bass und verzerrter Elektronik ausarten. Überhaupt zieht sich ein leichter Industrialeinschlag durch das gesamte Album und kommt mal mehr, mal weniger zum Ausbruch. Teils gibt es aber auch Ambientstücke zu hören („He Returns To The Place Of His Iniquity“). Zu der extrem düsteren Stimmung trägt insbesondere auch der Gesang bei. Im Mittelpunkt steht hier Bryan Funck von Thou, der wie ein giftiger Gnom den Text ausspeit. Besonders schaurig wird es aber, wenn Chip Kings (The Body) Stimme schmerzerfüllt und bitterböse im Hintergrund auftaucht.

„Beyond The Realms Of Dream, That Fleeting Shade Under The Corpus Of Vanity“ (was für ein Titel) hat mich kurioserweise an den Silent-Hill-Soundtrack erinnert. Über die stampfenden, klobigen Drums und den extrem verzerrten Bass legen sich (gefühlt) die Trompeten von Jericho. Wenn das nicht das Erwachen Cthulhus ankündigt…

Richtig abgefahren wird es dann im letzten Titel „Lurking Fear“. Nach gewohnt unglaublich hartem Sludgebeginn, gibt es völlig unerwartet einen Mittelteil zu hören, der mit geisterhaftem Klargesang aufwarten kann. Begleitend dazu gibt es ein Wechselspiel aus Schlagzeug und akzentuiertem Bass. Immer spärlicher wird der Instrumentaleinsatz, immer ruhiger wird das Lied. Fast ist nur noch der Gespensterchor zu hören, die titelgebende Angst, die Bedrohung ist schier greifbar. Beklemmend und beeindruckend!

Insgesamt muss ich sagen, dass ich bislang wenig gehört habe, was böser, chaotischer und düsterer geklungen hätte. Die Mischung aus der matschigen, basslastigen Härte und verstörender Elektronik ist gut gelungen. Atmosphärisch sind die alten Horrorliteraturklassiker wie Lovecraft oder Hodgson meiner Meinung nach ein passender Vergleich, vielleicht auch Vorbild. Jedenfalls fühlte ich mehr als einmal atmosphärisch an „House On The Borderlands“ oder „Mountains Of Madness“ erinnert. Angst, Wahnsinn, Chaos, Bedrohung und eine gewisse Surrealität sind die prägenden Elemente.

Quelle: Soundcloud-Kanal von Vinyl Rites


Tracks:

  1. The Wheel Weaves As The Wheel Wills (05:19)
  2. Manifest Alchemy (05:29)
  3. In Meetings Hearts Beat Closer (06:31)
  4. Her Strongholds Unvanquishable (07:22)
  5. The Devils Of Trust Steel The Souls Of The Free (02:08)
  6. Beyond The Realms Of Dream, That Fleeting Shade Under The Corpus Of Vanity (05:11)
  7. He Returns To The Place Of His Iniquity (02:15)
  8. Lurking Fear (06:35)

Line-Up:

The Body
Chip King – Guitars, Vocals
Lee Buford – Drums, Programming

Thou
Bryan Funck – Vocals
Andy Gibbs – Guitars
Matthew Thudium – Guitars
Mitch Wells – Bass Guitar
Josh Nee – Drums

Weitere
Keith Souza – Recording, Additional Percussion
Seth Manchester – Recording, Additional Percussion
Chrissy Wolpert – Additional VocalsReba Mitchell – Additional Vocals

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