Geschwärztes Armageddon – leichnam

Sludge
Veröffentlicht: 24. Dezember 2016
Our World Records/Holy Goat Records
https://leichnam.bandcamp.com/


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leichnam

„[A]tmospheric lethargic tunes meets pure blackened armageddon“. So bezeichnen leichnam (sic) – ein Zwei-Mann-Projekt – ihre Musik selbst.  Das ist ausnahmsweise sehr zutreffend. Man kennt ja allerhand unglaublich blumige Beschreibungen von Musikstilen, insbesondere aus den Werbetexten von Plattenlabels, die oft wenig mit der Realität zu tun haben. Ja, die x-te vor sich hin scheppernde Schüler-Black-Metal-Band ist halt nicht automatisch der Atmosphärekracher schlechthin und legitimer Erbe des norwegischen Black Metal aus den 90ern. Aber zurück zu leichnam. Wenn ich selbst mal eine Charakterisierung versuchen darf, findet sich viel Sludge in der Musik von leichnam. Tiefschwarz angestrichen versteht sich.

Die vier Lieder haben gemeinsam, dass sie die Einleitung jeweils mit verschiedenen Einspielern unterlegt sind, wie etwa dem sogenannten „Area-51-Call“ (bei „black tar“), die passend zur Musik helfen eine dichte Atmosphäre aufzubauen. Ruhige Intros, wie vor allem beim ersten Lied „possessed & alive“, erzeugen eine intensive Spannung, bis dann mit  Urgewalt ein Inferno losbricht – da ist es, das „blackened armaggedon“. Richtig gut passt dazu das Geschrei – ja, ich nenn’s halt mal so wie es ist – das irgendwo zwischen Hardcore und Black Metal liegt. Mir gefällt das Spiel zwischen diesen Ausbrüchen und den ruhigeren Stellen extrem gut. Die Stimmung ist schön duster und bei jedem neuen Ausbruch geht der Kopf, ach, der ganze Körper, völlig automatisch mit im Takt. Simpel, aber effektiv.

Das lässt sich auch im allgemeinen über die Lieder sagen. Ein Komplexitätsmonster sollte man bei dieser EP nicht erwarten. Das wäre auch eher kontrainduktiv. Die Devise ist, mit einfachen Mitteln viel zu erreichen. Dabei werden Riffs, Grundelemente und so weiter auch gerne und oft wiederholt. Man denke zurück an das Wörtchen „lethargic“ im Eingangszitat. Besonders gut gelingt das bei „possessed & alive“, das von einem Grundthema über die komplette Laufzeit lebt.

Einen kleinen Zusatzkick zu den durchaus auch mal groovenden, mächtigen Riffs (besonders schön im Mittelteil von „sweet limb“) gibt die oft gequält klingende Leadgitarre. Das ist übrigens nicht negativ gemeint. Wenn basslastige Riffs mit dem Crash-Becken zusammentreffen und darüber noch grandios gekreischt wird sind die Lead-Läufe einfach noch das i-Tüpfelchen.

Also, so ganz einordnen kann ich leichnam auch nach zigmaligem Anhören der EP noch nicht. Aber das spielt auch keine Rolle, denn das „Schublade-auf-und-rein-mit-dir“-Spielchen ist völlig irrelevant. Die Musik lässt einen auch so tief in die Stimmung eintauchen. Düster, schwer(fällig), vielleicht auch ein bisschen gruselig klingt’s und das auch noch mit einem sehr eigenständigen Stil. Dazu kommt für alle Unentschlossenen noch, dass es die EP via Bandcamp als Download kostenlos gibt. Für Liebhaber wird es auch noch eine Kassette geben  (ja, ist wieder in). Kann man mit etwas Hang zu düsterem Sludge mit schwarzem Einschlag nicht viel falsch machen. Ich bin gespannt, was noch so kommen wird.


Lieder:

  1. possessed & alive
  2. sweet limb
  3. white china
  4. black tar

Mitglieder:

Jochen BD – Gitarren, Programmierung
Martin Schultz – Stimme, Samples

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