Moonsorrow und Korpiklaani. Die finnische Folk Metal Mafia in Lindau – und Skálmöld

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Yehaw. Gestern war einer meiner persönlichen Konzerthöhepunkte des Jahres: Skálmöld und Moonsorrow – jaja und auch Korpiklaani – gaben sich die Ehre im Club Vaudeville in Lindau. Da der beste Ehemann von allen so eine vage Ahnung hatte, dass mir das gefallen könnte, hat er dann auch Karten besorgt. So machten wir uns also gestern auf den Weg nach Lindau. Das Wetter zeigte sich von seiner besten schlechten Seite: Schnee, Schneeregen, Regen – alles dabei was das Herz nicht begehrt. Trotzdem schafften wir es ohne Zwischenfälle, pünktlich und im wahrsten Sinn des Wortes vor der Haustür des Vaudeville unser Auto in einträchtiger Nachbarschaft zum Tourbus abzustellen. Kaum waren wir da legten Skálmöld auch schon mit Wucht los. Perfektes Timing nenne ich das.

Skálmöld, Lindau, November 2016

Skálmöld, Lindau, November 2016

Die Isländer spielten einen Mix aus alten Sachen wie zum Beispiel „Miðgarðsormur“ – einer meiner absoluten Lieblingssongs – und Sachen vom neuen Album wie „Útgarður“ oder „Niðavellir“. Dass die Herren einen Mordsspaß an ihrem Job haben, hat sich absolut auch auf das Publikum übertragen. Es herrschte wirklich eine lockere, fröhliche – ähm hüstel aber auch sehr evil – Stimmung. Sänger und Gitarrist Björgvin Sigurðssons Gesichtsausdruck wechselte beständig zwischen „ich bin echt böse“ und „ick freu mir ja so, dass ihr alle da seid“. Seine bellenden Growls gingen live noch tiefer unter die Haut. Drummer Jón Geir Jóhannssons seliges Grinsen erinnerte mich dagegen an Ringo Starr, wie er völlig glückselig vor sich hintrommelt. Nur eben mit NOCH längeren Haaren. Während Gitarrist Þráinn Árni Baldvinsson mit seinem langen Blondhaar meist in sich versunken Riffs und Soli raus ballerte, düste Gitarrist Baldur Ragnarsson über die Bühne – bis in die Haarspitzen gespannt als ob er 20 Duracell im Körper eingesetzt hätte. Beständig riss er mit seinem „Come on“ Bandkollegen, Publikum und sich selbst mit. Außerdem sind seine Kreischer und Schreie eine herzzerreißende Bereicherung für jeden Song. Die Gitarrengewalt der Skálmöldgitarristen beeindruckte und begeisterte mich.  Dagegen war Bassist Snæbjörn Ragnarsson eher der ruhende Pol mitten auf der Bühne. Keyboarder Gunnar Ben entzog sich zwar beharrlich meinem Sichtfeld – aber seine wunderschöne Stimme drang dafür laut und deutlich zu mir durch und umschmeichelte mein Ohr vor allem bei “ Miðgarðsormur“. Generell muss ich hier anmerken, dass Skálmöld gesanglich wirklich enorm viel auf dem Kasten haben – auch live klingt alles lupenrein.

Leider verließen die Isländer die Bühne viel zu schnell wieder. Dafür wurde mir die Umbaupause mit einer netten Plauderei mit einer sympathischen jungen Dame aus Geislingen verkürzt. Wir hatten während des Konzerts einträchtig nebeneinander her gebangt. Huhu, liebe Grüße an dieser Stelle – hoffe du bist gut zuhause gelandet! Was macht der Nacken heute so?

Mitja Harvilahti, Gitarre, Moonsorrow

Mitja Harvilahti, Gitarre, Moonsorrow

Schließlich enterten Moonsorrow zu einem eingespielten Intro die Bühne, dass das Herz im Körper zum Vibrieren brachte. Und dann ging es auch schon los mit „Jumalten Aika“. Die finnischen Paganmetaller präsentierten ihr aktuelles, gleichnamiges Album fast komplett, denn sie spielten unter anderem auch noch „Ruttolehto“, „Suden Tunti“und „Ihmisen Aika“. Doch auch etwas Älteres durfte nicht fehlen. Bei „Sankaritarina“ unterstützte das Publikum Sänger und Bassist Ville Sorvali gesanglich tatkräftig. Zwischendurch forderte er diejenigen, die das neue Album noch nicht gekauft hatten auf, dies draußen am Merch Stand nachzuholen. Schließlich brauchen die Finnen Geld für Bier. Ja dann – was steht ihr hier noch so herum? Moonsorrow sind schon aus der Konserve ziemlich genial. Live kreierten sie eine absolute Gänsehautstimmung. Der beständige Wechsel zwischen monumentalen Gitarre-Bass-Drums-Keyboard Klangwänden, repetitiven Blackmetalelementen die wahlweise hypnotisierend und entspannend wirkten oder in wilde Raserei ausarteten, war schlichtweg elektrisierend und verzaubernd. Folkige Chöre, dezente folkige Melodien und ein Gastauftritt von Korpiklaanis Frontmann  Jonne Järvelä gaben dem Ganzen den gewissen Paganflair. Besonders begeistert haben mich der faszinierend ausladend-aggressive Spielstil von Gitarrist Mitja Harvilahti – und seine wunderschöne Gitarre – und Ville Sorvali. Der Moonsorrow Frontmann hat eine unheimliche Ausstrahlung – in doppeltem Wortsinn. Niemand zischt und keift so fies wie er. Mich jedenfalls rissen Moonsorrow völlig mit und weg und davon und vom Hocker. Was macht da schon die heutige Genickstarre? Den Auftritt von Korpiklaani ließen wir sausen. Ist halt nicht so unser Ding. Zum Abschluss des gelungenen Abends signierten mir Skálmöld noch mein frisch erstandenes Shirt. Man kann ja schließlich nie genug Bandshirts im Schrank haben.

Quelle: Eigenproduktion, Club Vaudeville in Lindau, 08. November 2016

Quelle: Eigenproduktion, Club Vaudeville in Lindau, 08. November 2016

12 Gedanken zu “Moonsorrow und Korpiklaani. Die finnische Folk Metal Mafia in Lindau – und Skálmöld

  1. War ein richtig gutes Konzert, eines der besten dieses Jahr. Bei Moonsorrow habe ich ein wenig gebraucht um reinzukommen (und hab auch ganz schön mit der Kamera gekämpft, warum müssen die auch entweder alles dunkel lassen oder mit rotem und blauem Licht arbeiten, hmpf), aber dann war es klasse. Und Skalmöld waren mega gut drauf, haben einen klasse Gig gespielt und richtig Freude dran gehabt. Und die können alle richtig gut singen! Respekt, manche Bands kriegen mit Ach und Krach einen Sänger hin, den man ertragen kann und hier können gleich mehrere Leute richtig gut singen. Alles in allem ein schöner Abend und ein toller Bericht.

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