Verflucht gut, verflucht schlecht, oder…?“Sorceress von Opeth

Progressiv Rock/Metal
Veröffentlicht: 30. September 2016
Nuclear Blast Records
http://www.opeth.com/


Sorceress von Opeth

Sorceress von Opeth

Das neue Album von Opeth ist raus – 3,2,1… go! An dieser Stelle beginnen im Normalfall die Diskussionen: „Sie klingen immer noch nicht wieder wie früher!“ – „Weiterhin keine Spur von Death Metal!“ – „Scheiß Hippies!“ – und was eben noch so für Bemerkungen fallen wenn die Schweden eine neue Scheibe präsentieren. In diesem Fall handelt es sich um das 12. Album und es trägt den Namen „Sorceress“. Verflucht gut, verflucht schlecht, oder…? Werfen wir mal ein Ohr auf den Silberling. Ich jedenfalls war im Vorfeld recht gespannt und da immer noch ein Rest Hippie irgendwo in meinem Inneren schlummert, schocken mich die musikalischen Ideen und Ausflüge von Sänger, Gitarrist und Bastler Mikael Åkerfeldt nicht, sie begeistern mich eher.

Das Album eröffnet sanft und akustisch mit „Persephone“. Sehr schön. Anschließend begeben wir uns mit „Sorceress“ dann aber schnell in Prog-Rock Gefilde mit metallischen Anklängen. Wummernde, drückende Gitarren und Bässe dominieren den Song und schaffen eine doomige Atmosphäre. Diese wird immer wieder aufgebrochen von kleinen E-Gitarrenausflügen, die sich raffiniert über alles legen. Ein bisschen jazziges Orgelfeeling kommt auch noch hinzu. Mit 70er Orgelklängen und Stakkatogitarren geht es in „Wild flowers“ weiter. Höhepunkt des Songs ist ein wunderbares Gitarrensolo, das von einem harmonischen Part mit mantraartiger Stimmung abgelöst wird. Zum Schluss brechen Drums und Gitarren mit wilder Wucht in die Sanftheit. Einen herrlichen Kontrast dazu bildet das an Jethro Tull erinnernde, hauptsächlich akustische „Will o the wisp“.

Räucherstäbchen raus und in bunte Stoffe gehüllt – in „The seventh sojourn“ wird es orientalisch-mystisch-magisch und bleibt zu weiten Teilen instrumental. Der Song leitet für mich persönlich den zweiten, weniger starken Part von „Sorceress“ ein. Zwar bieten auch beispielsweise das sich im Dreivierteltakt dahinwiegende „A fleeting glance“ oder „Era“ mit seinen wunderschönen Gitarrenmelodien und 80er Jahre Metal Elementen noch einiges fürs Ohr. Doch ehrlich gesagt wird es mir da doch oft zu dudelig und zu unspezifisch. Oft rauschen die Songs einfach so an mir vorbei.

„Sorceress“ knallt wieder etwas härter rein als der Vorgänger „Pale Communion“. Die Scheibe ist für mich die Weiterentwicklung und Konturierung der auf „Pale Communion“ aufgenommenen Fäden. Opeth sind spieltechnisch brillant, in der Liedgestaltung eigenwillig wie eh und je. Dennoch ist das Album eingängiger als sein Vorgänger. Der Klang und die Produktion von „Sorceress“ sind ebenfalls sehr gelungen. Alle Instrumente melden sich deutlich zu Wort – auch wenn ich schon viel Gegenteiliges gehört habe.

Eine Opeth Platte ist für mich wie das Betreten eines Labyrinths. Man weiß nie was einen erwartet, wenn man um die nächste Ecke biegt – und das macht wirklich großen Spaß. Die ersten fünf Songs auf Sorceress finde ich wirklich stark, kraftvoll, vertraut und doch überraschend. Ich hatte mehrmals den Effekt, dass sich ein begeistertes und beglücktes Grinsen auf meinem Gesicht ausbreitete, begleitet von einem anerkennenden Nicken. Ich mag es wie Opeth die Nerven und die Geduld mit repetitiven Momenten bis zum Zerreißen anspannen und in dem Moment, in dem man es kaum noch auszuhalten glaubt, die Spannung mit einem Knall lösen. Ich liebe die Mischung aus Prog-Rock, 70er Rock, Metal, Akustik, Ballade und Hippiemystik – diese unvergleichliche Mixtur aus Black Sabbath, Jethro Tull und Deep Purple. Allerdings ist mir die zweite Hälfte von „Sorceress“ immer wieder zu dudelig, zu wässrig, zu undefiniert – ohne dabei wirklich schlecht zu sein. Aber mich hat das Album da nicht mehr ganz so sehr gefesselt. Dennoch ist es insgesamt ein gelungenes, rundes Album, das Spaß macht.

Quelle: YouTube Channel von Opeth: https://www.youtube.com/channel/UCmQSJTFZaXN85gYk6W3XbdQ


Tracks:
1. Persephone

2. Sorceress
3. The Wilde Flowers
4. Will O The Wisp
5. Chrysalis
6. Sorceress 2
7. The Seventh Sojourn
8. Strange Brew
9. A Fleeting Glance
10. Era
11. Persephone (Slight Return)

Line-Up:
Mikael Åkerfeldt – Gesang, Gitarre
Fredrik Åkesson – Gitarre
Martin Méndez – Bass
Joakim Svalberg – Keyboards
Martin Axenrot – Drums

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