Song des Monats 7/16

Vor gut zehn Jahren kam ich das erste Mal in klangliche Berührung mit den liebenswerten Grabnebelfürsten. Eine Black-Metal-Band, die sehr extravagant und ironisch daher kommt und auf ihre Weise sicherlich unvergleichlich ist. Inzwischen gibt es die Band nur noch so halb. Nach dem letzten Album „Pro Depressiva“ hat man sich aufgelöst, aber dann doch nicht. Naja.  Das Lied, um das es hier gehen soll, stammt jedenfalls vom ersten Album „Von Schemen und Trugbildern“ und hat mich mit den ersten Synthesizerklängen damals völlig in seinen Bann gezogen. Alleine schon der Text ist genial, aber kryptisch:

So wie diese Erde, die seit Wintern meine Wandlung trägt
Einst unberührt, so will ich sein
Und wenn sich Lebenslichter in meinem Atem widerspiegeln
Schon naht der Winter, schon friert die Zeit

Was glaubst Du
Hält die Zeit mir ein Morgen noch bereit
Ist Zeit zieht sie vorüber für mich nur noch Vergangenheit

Tausend Gedanken durchzucken meinen Körper, ein jeder ist grausam, keinen
laß ich ziehn
Wie fühle ich mich verbunden mit dem Pinsellauf des Künstlers, der, wie kann
ich das begreifen?
Meine Seele skizziert
Auf in die Nacht, leichenblaß, wie damals am jüngsten Tag
So gottlos mein jüngster Tag
An den kalten Ufern
Schritt für Schritt / Stich / Schnitt
Still gestanden!
Hoffnung ist Theorie!
Was Du hoffst, wird geschehen, was Du nicht verstehst wird nur Hoffnung sein

Gestorben als ein Teil von mir, ertränke Du Deinen Pinsel in dem Fluß meiner
Seele
Zieh mit Deiner Phantasie vor das Tor meiner Hölle
Wenn wir uns wiedersehen, werden wir Zeit und Raum verstehen
Heute Nacht muß es geschehn, ich habe das Herz der Welten bluten sehn
Doch die Zeit rinnt durch die Hände Dir
Verrat, Vernichtung, alles gönne mir
Fort von diesem Bilde her!

Die Farben sind getrocknet, wie soll er denn enteilen?
Eulen nach Athen, Quadratur des Teufelskreises
Einst hat ihn ein Künstler entsandt
Nun tötet das Werk, seine Schuld ihm zuerkannt

Du bist die Zeit, ich bin der Raum
Als Fundament allen Seins hat man uns erschaffen
Ich bin ganz ruhig, ich bin ausgezeichnet
Spinnen wir nicht manchmal gar zu große Gedanken?

Ich bin gekommen, um mich zu richten
Ich bin verzichtbar, also halte Dich fern von meinen Träumen
Das klagende Heulen, meiner Brüder, der Wölfe
Es soll niemals verstummen, noch ehe ich schlafe!

Ich bleibe hier, ich bleibe !
An den kalten Ufern …

Vorgetragen wird der Text passend in verschiedenen Stimmen, derer mindestens drei, aber von einem Sänger. Ein klein wenig drängt sich der Eindruck einer gespaltenen Persönlichkeit auf, immer am Rande des Wahnsinns und an manchen Stellen vielleicht auch schon einen Schritt weiter. Herrlich ist das Wechselspiel zwischen den Stimmen und passt perfekt zum Inhalt des Textes. Sicher, gerade der klare Gesang gewänne bei Dieter Bohlen wohl nichtmal einen fiesen Spruch, aber das tut überhaupt nichts zur Sache. Perfekt ist hier nichts und das macht den Charme aus.

Doch nicht nur Text und Stimme haben mich vom Hocker gerissen, sondern auch der durchaus komplexe Liedaufbau und die melodischen Gitarrenläufe. Da klingt’s mal verträumt-melancholisch wie am Anfang, verzweifelt oder aggressiv – in jedem Fall immer sehr emotional und intensiv. Besonders deutlich wird das beim Höhepunkt vor dem Schlußteil, wenn die Stimme sich überschlägt, die Gitarren und der Bass eiligst klagen  das ganze von Synthesizerklängen noch eindringlicher wird. Am Ende war mir damals schon klar: Ich habe ein wunderbares Kleinod des avantegardistischen Black Metal entdeckt und ich bleibe an den kalten Ufern.

Quelle: Youtube-Kanal von Snowy Claws.

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