Fantasyroman für die Ohren – „Syntyi Talven Kyynelistä“ von Vetten Äpärät

Folk Metal
Veröffentlicht: 01.04.2016
Inverse Records
http://www.vettenaparat.com


Syntyi Talven Kyynelistä

Syntyi Talven Kyynelistä

Vetten Äpärät. Das ist nicht irgendein komisches schwäbisches Wort, sondern dabei handelt es sich um eine finnische Folk Metal Band über die ich vor einiger Zeit quasi gestolpert bin. Genau zur richtigen Zeit will ich meinen, denn nachdem die Finnen 2014 schon eine EP veröffentlicht hatten, war nun die Zeit reif für ihr erstes komplettes Album. Es erschien im April unter dem Namen „Syntyi Talven Kyynelistä“ und man verkaufte es als Album der neuen Folk Metal Welle – eines modernisierten Folk Metal sozusagen. Na dann wollen wir doch mal sehen, was das zu bedeuten hat.

Die Finnen haben sich für das Album ordentlich Zeit gelassen und ich finde, das merkt man ihm auch deutlich an. „Syntyi Talven Kyynelistä“ ist ein Konzeptalbum und erzählt die Geschichte eines Bauernsohnes, der hinaus in die Welt zieht und dabei natürlich mit allerlei Unwägbarkeiten zu kämpfen hat – und damit ist vermutlich nicht der innerstädtische Stuttgarter Feierabendverkehr gemeint. Es geht um Waldgeister, um Mythisches und Geheimnisvolles – und um das nackte Überleben. Hm… also doch wie im Feierabendverkehr. Die einzelnen Songs des Albums werden durch Preludes und Interludes verbunden und zusammengehalten. Vor allem bei den schnelleren Titeln hört man deutliche Parallelen zu Ensiferum, es weht aber auch ein Hauch Moonsorrow mit.

Ich habe ein kleines Weilchen gebraucht, um mich mit dem Album vertraut zu machen. Gefallen hat es mir zwar von Anfang an, aber es ist kein Album, das sich sofort und unvertreiblich im Gehörgang festfräst – von ein bis zwei Songs wie „Brothers of hate“ einmal abgesehen. Doch wenn man sich einmal orientiert und eingehört hat, ist es ein wunderbares Album. Schon der Opener „Ancients‘ call“ mit seinen Trommeln und dem Sprechgesang lässt das Herz eines jeden Folk und Pagan Metallers schneller schlagen. Das Album lebt von seinen Wechseln zwischen langsamen, mystischen, fast schamanistisch anmutenden Elementen in den Pre- und Interludes und schnellen Brechern wie „Brothers of hate“, das einen mit seinen schellen Doublebasswänden nur so vor sich hertreibt. Auch in „Winter darkness“ geht Anton Nisonen an seinem Schlagzeug richtig gut ab. Gesanglich ist der Song ebenfalls höchst facettenreich. Mal growlt Sänger Sami Ferm rau und böse, dann flüstert und wispert er wieder, um dann loszuschreien und in eine Art Sprechgesang überzugehen. So erzeugt er einen tollen Spannungsbogen, der schließlich von Bass, Keyboard und Gitarre aufgenommen wird und vorübergehend in einem mitreißenden Schlagzeugsolo mündet. Mit „Sydäntalven viba“ und „Swords‘ dance“ sind auch zwei melodie- und rhythmustechnisch relativ genretypische Songs mit auf dem Album. Alle beide jedoch sehr mitreißend – und in „Swords‘ dance gefällt mir die Gitarrenarbeit richtig gut. Ganz unmetallisch, dafür aber sehr eindrücklich ist „Grief of woods“. Clean Gesang – mal solo, mal als Chor, Akustik-Gitarre und Trommel sind die Zutaten und heraus kommt etwas, das schamanistisch-meditativ wirkt und trotz seiner Einfachheit packend ist. Auch „I heard them“ geht in diese Richtung – unterstrichen von Soundelementen wie dem Heulen des Windes.

Haben die Finnen nun den Folk Metal modernisiert? Das kann ich jetzt so nicht unbedingt bestätigen. Alte Folk Metal Bekannte, wie Melodic Death Metal Riffs, Keyboardmelodien, Cleangesang, Akustikpassagen und Flöte tummeln sich auch auf diesem Album. Also eher nein zur Modernisierung – oder ich habe sie einfach komplett verpasst. Aber das ist eigentlich auch zweitrangig, denn Vetten Äpärät haben mit „Syntyi Talven Kyynelistä“ einen Fantasy-Abenteuerroman für die Ohren geschaffen. Sie kreieren eine mystisch-meditativ-geheimnisvolle Atmosphäre. Durch die Pre- und Interludes mit narrativen Anteilen werden die einzelnen Songs zu einer spannenden Geschichte voll Power, Kraft und Rums aber auch Melancholie und Nachdenklichkeit verbunden. Alles wirkt rund und wohldurchdacht. Würde man nur die schnellen Songs herauslösen, wäre das Album sicher ganz ordentlich, durch die langsamen, verspielten Parts wird es zu einem wunderbaren, starken Album. Nichts, was unbedingt im Ohr hängen bleibt, aber etwas, das man immer wieder gern hört – es gibt viel zu entdecken.

Quelle:YouTube Channel von TheFolkForest: https://www.youtube.com/channel/UCfKxkPyu8-j_zuKNEGAzAOg

Quelle: YouTube Channel von Vetten Äpärät: https://www.youtube.com/channel/UC0p_kGCHIFRs3fqPDizhyfw


Tracks:
1. Ancients´ Call
2. Exile
3. Brothers of Hate
4. Winterheart´s Silence
5. Winter Darkness
6. Grief of Woods
7. Sydäntalven viha
8. Herätys
9. Swords´ Dance
10. Wind of Exhaustion
11. Ice Made New Kingdom
12. I Heard Them
13. Vala

Line-Up:
Sami Ferm – Gesang & Flöte
Aleksi Kulmala – Gitarre (lead)
Leo Lemmetty – Gitarre (rhythm) & Backing Vocals
Jarmo Luopa – Bass & Backing Vocals
Irene Penttonen – Keyboard
Anton Nisonen – Schlagzeug

 

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