Seal the deal & lets boogie – Volbeat als Dieter Bohlen des Metal

Heavy Metal
veröffentlicht: 3.6.2016
Vertigo Berlin (Universal Music)
http://www.volbeat.dk


Seal the deal & let's boogie

Seal the deal & let’s boogie

Eigentlich wollte ich nie einen Verriss schreiben. Ich achte die Arbeit eines Musikers, auch wenn sie mir vielleicht nicht (mehr) gefällt. Ich respektiere die Arbeit, die hinter einem Album steckt: Songs schreiben, arrangieren, aufnehmen. Deshalb liegt es mir fern diese Arbeit, die sich jemand gemacht hat, niederzubügeln. Eigentlich. Denn heute möchte ich zum ersten und hoffentlich einzigen Mal das Bügeleisen rausholen.

Es geht um das neue Album von Volbeat namens „Seal the deal & lets boogie“. Für mich als langjährigen Volbeat Fan ist das quasi ein Abschiedsalbum. Schon der Albumtitel klingt für mich reichlich gezwungen aber das wäre ja mehr als egal, wenn die Scheibe voller geiler Musik wäre. Leider ist sie das in meinen Augen gar nicht. Die Lieder klingen mehr oder weniger alle gleich und ziehen ohne Aufhorchmoment vorbei. „Slaytan“ klingt verdächtig nach „Who they are“ vom „Beyond heaven/above hell“ Album. Bei „For evigt“ wurde praktischerweise einfach nur ein Teil von „Lola Montez“ recycelt. Und dann musste ich noch „The gates of Babylon“ entdecken, das meiner Meinung nach Anleihen bei „Death of a king“ von Amorphis genommen hat – siehe Sithar und Riff. Tja, der typische Sound wird mir hier etwas zu typisch. Immer die gleichen Riffs, immer der gleiche Liedaufbau, immer dasselbe Caggiano-Solo und die Wörter „angel“, „devil“, „heaven“, „hell“, irgendwelche Frauennamen als Liedtitel, das geht mir langsam nur noch auf den Nerv. Und ein besonders schlechtes Zeichen ist, dass ich bei fast jedem Refrain einen Schlagerfuzzi mit langem, von der Windmaschine beflügeltem Haar mit ausgebreiteten Armen und flatterndem Hemd vor mir sehe. Mit Metal hat das nicht mehr viel zu tun.

Sicher, Motörhead sind mit dem Konzept des immer gleichen variierten Songs jahrzehntelang gut gefahren – nicht nur das, sie sind damit zu Weltruhm gekommen. Klar, man kann sich nicht immer komplett neu erfinden. Und wenn man sich zu weit von bekannten Pfaden entfernt, schimpfen die Fans wieder, weil das dann gar nicht mehr der typische Sound ist. Ich gebe zu, man hat es da als Musiker schon schwer. Aber das? Ich frage mich wirklich was schlimmer wäre: dass man kalkuliert immer wieder dieselben zwei Riffs auf Platte presst oder  dass man das als Musiker nicht hört. Ich hatte ja gehofft, dass Ex-Anthrax Gitarrist Caggiano dem Ganzen vielleicht gitarrentechnisch noch etwas mehr Schwung verleiht. Diese Hoffnung begrabe ich hiermit feierlich.

Was mir einmal an Volbeat so gefallen hat, diese unglaubliche Mischung aus Rockabilly, Metal und Punk, davon ist leider nichts mehr übrig. Geblieben ist zahnloser Mainstreampoprock ohne Biss. Es steht Volbeat frei ihre Musik und ihren Stil zu ändern. Es steht mir frei, das Album nicht zu kaufen. Das Gute ist, um gleich allen „musst es dir ja nicht anhören“ Rufen vorzubeugen: Volbeat sind auf mein Geld und meine Meinung nicht angewiesen. Es gibt genug Leute die das Album gut finden und kaufen werden. Somit muss ich es mir nicht anhören und brauche auch kein schlechtes Gewissen haben, dass die Herren unter eine Brücke umsiedeln müssen, wenn ich mein Geld behalte.


 

Tracks:

01. The Devil’s Bleeding Crown
02. Marie Laveau
03. The Bliss
04. The Gates of Babylon
05. Let It Burn
06. Black Rose
07. Rebound
08. Mary Jane Kelly
09. Goodbye Forever
10. Seal The Deal
11. Battleship Chains
12. You Will Know
13. The Loa’s Crossroad

Line-Up:

Gesang, Gitarre: Michael Schøn Poulsen
Gitarre: Rob Caggiano
Bass: Kaspar Boye Larsen
Schlagzeug: Jon Larsen

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