Belgischer Black Metal – De Doden Hebben Het Goed von Wiegedood

Wiegedood – De Doden Hebben Het Goed

Blackmetal
veröffentlicht: 08.05.2015
Consouling Sounds
https://wiegedood.bandcamp.com/


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De Doden Hebben Het Goed

Man stelle sich vor: eine fahle Moorlandschaft mit einigen knorrigen Bäumen, Pflanzen biegen sich im kalten Wind, der Himmel verhangen, vielleicht ziehen ein paar Krähen ihre einsamen Kreise, alles ist leer und trist – nur im Augenwinkel huschen beunruhigende Schemen umher. Fertig? Dann wisst ihr nun, welche Atmosphäre euch beim Anhören von „De Doden Hebben Het Goed“ von Wiegedood erwartet. Man muss des Niederländischen wohl nicht mächtig sein, um so in etwa zu verstehen, was dieser Titel und der Bandname zu bedeuten haben.

Wiegedood stammen aus Ghent in Flandern, existieren seit 2014 und sind Teil der sogenannten Church of Ra. Das ist ein Künstlerkollektiv, dessen Arbeiten sich gegenseitig ergänzen und in Zusammenhang stehen. Belgien ist nun nicht unbedingt das erste Land, das einem beim Thema „Metal“ in den Sinn kommt. Doch gibt es dort eine etablierte und wachsende Metal-Szene und es kann bemerkenswerte Bands wie Amenra oder Hemelbestormer vorzeigen.

„De Doden Heben Het Goed“ setzt gleich zu Beginn den richtigen musikalischen Rahmen  mit einem bemerkenswert eingängigen Riff in „Svanesang“ (auch hier: keine Übersetzung nötig). Präzise wie ein Uhrwerk hämmert Wim Coopers Blastbeats auf seinem Schlagzeug und Levy Seynaeve keift und geifert trotz niederländischen Titels auf Englisch dazu. Ein akustischer Mittelteil sorgt mit einer völlig einsam und hoffnungslos klingenden Gitarreneinlage für eine kleine Verschnaufpause, bevor das Tempo wieder angezogen wird.  In Kontrast dazu und zur allgemein eher melancholischen Atmosphäre steht „Kwaad Bloed“ (übersetzt soviel wie „Böses Blut“). Passend zum Titel kommt das Lied merklich aggressiver gestimmt daher. Wehmut kommt dann doch auf, wenn das schöne Gitarrensolo in grenzgeniale Doppelleads mündet. Das Titellied hingegen sticht mit monotonem Riffing und langsamerer Gangart etwas heraus, weiß aber genau dadurch zu überzeugen und vor allem zu hypnotisieren, ja fast einzulullen. Der letzte Song „Onder Gaan“ (zu deutsch: untergehen) stimmt dagegen wieder in den Grundtenor des Albums mit ein. Grandios arrangiert präsentiert sich der Song und wechselt zwischen schnelleren und langsameren Passagen, fast hoffnungsvoll klingenden Gitarren und trauerbepackten Riffs hin und her. Das Schlussriff, unterlegt von gesprochenen Worten in Russisch, bleibt noch lange im Kopf hängen.

Mit Ausnahme des Titellieds ist das Tempo genretypisch meist hoch. Doch ist die Band weit davon entfernt, stumpfes Geballer abzuliefern. Zum einen intensivieren  kleine, ruhige, durchaus auch akustische Teile wie etwa in „Svanesang“ die Stimmung an den richtigen Stellen. Zum anderen zeigen Wiegedood ein untrügliches Gespür für packende Leads und Riffs, die es schaffen, einem trotz aller Wehmut ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Die sorgsam eingesetzten melodischen, teils zweistimmigen, teils auch auseinander strebenden Gitarrenläufe sorgen wieder und wieder für ein unglaublich erhabenes Gefühl und lassen einen tief in die Musik eintauchen.

Entsprechend wird es trotz der teils überlangen Lieder beim Zuhören nicht eine Sekunde langweilig. Unbenommen der überraschend eingängigen Riffs und Melodien stellt sich auch nach dem zigsten Durchlauf noch keine Langeweile ein . Das liegt auch daran, dass die Band immer wieder  wohldosiert Elemente mit Aha-Effekt einbaut. Etwa dann, wenn einer der Gitarrenläufe plötzlich in einen genialen Gitarrenkanon übergeht.

Insgesamt passt bei „Die Doden Hebben Het Goed“ alles zusammen: Angefangen beim wunderschönen Cover, über die dunklen Texte, welche tief verzweifelt gekreischt werden, die geniale Gitarrenarbeit und das auf den Punkt genaue Drumming. Wiegedood kreieren hier ein ganz besonderes Album des atmosphärischen (Post) Black Metal.

Einen (nicht ganz so ernst gemeinten) Kritikpunkt habe ich dann aus persönlichen Gründen aber doch noch: Wiegedood kommen ohne Bassist aus. Doch fehlt’s? Wenn ich ehrlich bin: nein.

Quelle: Soundcloud-Kanal von CVLTNation

Tracks:

1. Svanesang (13:00)
2. Kwaad Bloed (7:12)
3. De Doden Hebben Het Goed (6:53)
4. Onder Gaan (11:30)

Line-Up:

Wim Coppers – Drums
Gilles Demolder – Guitars
Levy Seynaeve – Guitars & Vocals

 

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