Der Messias des Folkmetal in Karlsruhe – Ensiferum

Nachdem die Thrash!Boom!Bang! April Tour letzte Woche wegen – nennen wir es technische Schwierigkeiten – etwas ins Stocken geraten ist – war der letzte Teil der Tour ein voller Erfolg. Leider konnte ich mir das Konzert von Amorphis nur ungefähr zu einem Drittel anschauen, deshalb gibt es dazu keinen Konzertbericht.

Martin Jensen_Carlos G.R.

Carlos G.R., Jardén Schlesinger, Heidra

Gestern führte mich die Tour dann nach Karlsruhe ins Substage. Der Club ist wirklich toll, gute Raumaufteilung und vor allem – toller Sound. Auch die Handstempel sind toll, man versaut sich damit nicht Bettlaken und Bauch. Aber das ist eine andere Geschichte.  Um 19.30 Uhr enterten die dänischen Folk- und Blackmetaller Heidra die Bühne. Die Musik gefiel mir recht gut, vor allem der Abschlusssong, dessen Namen ich peinlicherweise vergessen habe. Sehenswert waren vor allem die beiden Gitarristen. Carlos G.R. versuchte einen Rekord im Evil-Schauen und Publikum erschrecken aufzustellen. Er hatte auch eine sehr überzeugende Art die Menschen im Raum zu animieren. Mit bösem Blick, Gesten und Worten teilte er mit: „I see you all. Muahaha. Grrrrr!“ Oder so. Jardén Schlesinger hingegen, der eigentlich bei Sylvatica die Gitarre schwingt, atmete schon immer eine gefühlte Minute vor seinem Solo tief durch und dann – los. Begleitet wurde das ganze von einem Gesichtsausdruck à la „Waaaah, meine Finger sind viel schneller als ich.“ Höchst amüsant und musikalisch auch höchst unterhaltend.

Paolo Rossi, Bass und Gesang, Fleshgod Apocalypse

Paolo Rossi, Bass und Gesang, Fleshgod Apocalypse

Danach übernahm die Technical Death Metal/Symphonic Metal Band Fleshgod Apocalypse die Bühne. Der Bühnenaufbau mit dem abgewrackt aussehenden Klavier war natürlich beeindruckend. Auch ließen sich die Herren aus Italien nicht das übliche Bierchen auf die Bühne stellen, sondern ein Glas Rotwein. Entsprechend war auch das äußere Erscheinungsbild der Bandmitglieder: weiß geschminkte Gesichter und barock anmutende Kostüme rundeten das Bild ab. Die Musik war allerdings nicht so mein Ding. Der Drummer Francesco Paoli hat mich zwar wirklich beeindruckt. Er schuf eine fast durchgängig während des gesamten Konzerts anhaltende Double Bass Wand in einer unglaublichen Geschwindigkeit. Auch die rasenden Finger des Bassisten Paolo Rossi zu beobachten war eine wahre Freude. Doch auf Dauer verschwammen die kunstvoll gewobenen Death Metal Klangwände mit klassischen Elementen für mich zu einem Einheitsstrom.

Markus Toivonen, Gitarre und Gesang, Ensiferum

Markus Toivonen, Gitarre und Gesang, Ensiferum

Schließlich war es endlich so weit und Ensiferum betraten die Bühne. Sie eröffneten ihr Konzert mit „One Man Army“, was auch gleich den ersten Mosh Pit nach sich zog – es wurde eng, kuschelig und ab und an hatte ich Angst um meine Zähne. Es gibt halt Menschen, die doch arge Probleme damit haben gleich vier Extremitäten auf einmal zu kontrollieren. Ensiferum boten einen Mix aus Songs vom neuen Album wie „Heathen Horde“, „Warrior without a war“ oder dem herrlich temporeichen und skurrilen „Two of spades“. Aber auch die alten Gassenhauer wie „From afar“, „Twilight Tavern“, „Iron“ oder „Lai, lai hei“ fehlten nicht. „Lai,lai hei“ wurde „because of technical issues“ quasi zweigeteilt. Ensiferum unterbrachen den Song und Bassist Sami Hinkka versuchte charmant-witzig die Probleme zu überspielen, in dem er die psychotherapeutisch wertvolle Aussage traf „I’m a shrimp.“. Es folgte eine folkige Bass- und Akkordeoneinlage von Sami und Netta – die übrigens nun offiziell als neues Mitglied und Ersatz für Emmi Silvennoinen bestätigt wurde. Anschließend wurde deutlich, dass die Pause langsam zu lang wurde, als Sami etwas von „no shrimp under the kilt“ erklärte und schließlich hoffte, das cable of doom würde nun halten. Nachdem er Sänger und Gitarrist Petri Lindroos dann noch als „Messiah of Folkmetal“ pries, brachten Ensiferum den Song zu ende. Bluesig wurde es zwischendurch auch noch. Dabei legte Gitarrist Markus Toivonen einen astreinen Slide hin. Und da er nun einmal keinen metallenen Bottleneck zur Hand hatte, nahm er einfach seine Bierflasche – und grinste sich einen. Gute Laune, guter Sound und Folkmetal. Was will man mehr. Ich werde mich jetzt erstmal von meiner Tour erholen.

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8 Gedanken zu “Der Messias des Folkmetal in Karlsruhe – Ensiferum

  1. Starkes Konzert und ein cooler, witziger Bericht. Was man bei Ensiferum manchmal ob der ganzen Stimmung vergißt, dass sie echt klasse Musiker sind. Was der Markus Toivonen da so auf der Gitarre abgezogen hat – krass. Auch die Rumblödel-Aktionen zwischendrin haben das gezeigt, wenn er mal geschwind imporovisiert.
    Und auch Heidra haben mir richtig gut gefallen – das Album wandert auf meine Wunschliste.

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