Northwinds over Weinheim – Månegarm, Skyforger und Ereb Altor

Gestern startete meine kleine Thrash!Boom!Bang! Baden-Württemberg Tournee. In irgendeinem Reiseführer muss wohl der Tipp stehen, dass Deutschland im April für Metal Bands besonders schön ist – oder warum sind die momentan alle hier unterwegs? Egal. Gestern ging es los mit den „Northwinds over Europe“ im Café Central in Weinheim. Gleich drei Pagan Metal Bands gaben sich dort die Ehre: Ereb Altor aus Schweden, Skyforger aus Lettland und Månegarm aus Schweden.

Ereb Altor, Weinheim, 06.04.16

Ereb Altor, Weinheim, 06.04.16

Kurz vor Beginn trafen wir in dem schnuckeligen, kleinen Club ein. Ereb Altor starteten mit viel Elan – leider aber mit einem wirklich grausigen Sound, wofür die Herren, wie der weitere Abend zeigen sollte, nur bedingt etwas konnten. Die Songs klangen verwaschen und matschig und der Gesang war trotz größter Anstrengungen von Sänger Mats manchmal kaum noch zu hören. Doch das machten die Jungs durch um so größeren Einsatz wieder Wett und die Stimmung war super. Vor allem Bassist Mikael beherzigte den Tipp, den mein Gitarrenlehrer mir dereinst gab: „Du musst deiner Gitarre weh tun.“ und bearbeitete sein Instrument mit ausladenden Gesten. Unter anderem gaben Ereb Altor „Twilight of the Gods“ von ihrem Bathory Tribute Album Blot-Ilt-Taut zum besten. Da sich vor mir zwei wahrlich mächtige Herren im Türsteherformat postiert hatten, zwischen denen ich mit einem „Du kommst hier net rein“ Gefühl hervorspähen musste, wechselten wir in der Umbaupause ganz nach vorne.

Pēteris, Gitarre und Gesang, Skyforger

Pēteris, Gitarre und Gesang, Skyforger

Nicht nur in den Songs der Bands traf man an diesem Abend auf Märchenwesen. Pünktlich zum nächsten Auftritt – Skyforger machten sich bereit – trat Pippi Langstrumpf auf den Plan und unterhielt uns vortrefflich, in dem sie wie ein Trommeläffchen auf Speed vor der Bühne agierte. Die Umbaupause wurde für Skyforger, die Roadies und Tonleute sehr hektisch. Die Technik wollte nicht so recht, es gab Tests und Diskussionen. Letztendlich konnte das Problem nicht behoben werden, so dass Sänger und Gitarrist Pēteris schließlich leicht genervt das Startzeichen für die musikalische Geschichtsstunde gab. Doch auch wenn Skyforger sich etwas schneller als sonst durch ihre Setlist und die lettische Geschichte spielten und am Ende noch einen oder zwei Songs wegfallen ließen, lieferten sie eine tolle Show. Pēteris legte einige tolle Gitarrensoli hin – es macht einfach immer wieder Spaß den Herren direkt auf die Finger schauen zu können. Und Bassist Zirgs ist auch immer wieder ein Erlebnis: er bangt, growlt, rollt die Augen und wirkt irgendwie immer komplett irre und in seiner Musik versunken. Herrlich. Skyforger traten übrigens nur zu dritt auf. Gitarrist Alvis fehlte und an den Drums gab es außerdem ein neues Gesicht. Dank der unfassbaren Hitze im Club, lief bei dem Drummer der Schweiß auch in Strömen und ich möchte an dieser Stelle meinen imaginären Hut vor allen Drummern des Abends ziehen. Das war wirklich Hochleistungssport bei Subsaharatemperaturen.

Månegarm, Weinheim, 06.04.16

Månegarm, Weinheim, 06.04.16

In der nächsten Umbaupause wurde schließlich der Star des Abends geboren. Im Hintergrund der Bühne hingen die Banner der Bands schön übereinander wie Vorhänge hinter den Bands herab, natürlich mit dem jeweiligen Namen drauf – soweit so klar. Als nun die Bühne für Månegarm vorbereitet wurde, wollte einer der Roadies das Banner von Skyforger mittels einer langen Stange abhängen, damit das von Månegarm dahinter zum Vorschein kommen konnte. Der arme Mensch stocherte eifrig und mit tomatenrotem Kopf vergeblich mehrere Minuten lang herum, behindert durch Månegarm Drummer Jacob Hallegren, der da noch sein Schlagzeug justierte. Als dieser seinen Hocker schließlich räumte, konnte der Herr mit seiner Stange drauf klettern und nach weiterem minutenlangem Gestochere löste sich das widerspenstige Stück Stoff endlich. Frenetischer Applaus und Jubelrufe – so werden Helden geboren. Mittlerweile gesellte sich Märchenwesen Nummer zwei zu uns. Pippi Langstrumpf war weg, Rapunzel hatte ihren Platz eingenommen und peitschte mich den ganzen Gig über mit ihrem Haar. Månegarm waren extrem gut drauf, witzelten und posten. Sänger und Bassist Erik Grawsiö verkündete stolz, dass er einen Bass mit gleich – und jetzt haltet euch fest – mit vier Saiten spiele. Auch der Tonmann wurde noch einmal lobend erwähnt: „Our sound guy. We love him.“ Woraufhin Gitarrist und Geiger Martin Björklund ein kokettes „not“ anfügte. Der Tonmann wehrte sich mit Wurfgeschossen, die wieder Drummer Jacob trafen. Abseits der guten Laune hatten die Herren aber natürlich auch jede Menge toller Songs im Gepäck. Sie eröffneten mit „Blodörn“. „Odin owns ye all“ und „Legions of the north“ durften auch nicht fehlen. Ganz besonders toll können Månegarm auch akustisch, wie sie mit „Segervisa“ und „Eld“ bewiesen. Dabei sollte sich laut Erik Grawsiö übrigens „romantical shit“ zwischen ihm und Martin Björklund abspielen. Herzerwärmend. Die Temperatur im Raum war inzwischen auf gefühlte 50 Grad gestiegen und als die Jungs dann noch „Hemfärd“ anstimmten, gab es wirklich gar kein Halten mehr. Der Schweiß floss in Strömen, die Haare flogen. Drummer Jacob Hallegran sah am Ende so aus als würde er gleich vom Hocker kippen. Immerhin bekam er zum letzten Song noch etwas Ventilatorluft ab. Mir hat es sehr viel Spaß gemacht. Hoffentlich kommen die Jungs bald mal wieder in meine Nähe – nur von fremden Haaren hab ich vorläufig echt genug! Nächste Woche macht die Thrash!Boom!Bang! Tournee dann in Ludwigsburg bei Amorphis halt.

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4 Gedanken zu “Northwinds over Weinheim – Månegarm, Skyforger und Ereb Altor

    • Naja, es ist ja nur eine kleine Tour :-). Nächste Woche Ludwigsburg und die Woche drauf Karlsruhe und Heilbronn, wobei das Konzert in Heilbronn ausnahmsweise kein Metalkonzert ist. Es wäre theoretisch auch noch ein Konzert am 02.04. drin gewesen, allerdings in Bayern. Jaja man wird ja auch nicht jünger und die Konzerte sind fast alle unter der Woche womit wir wieder beim leidigen Thema arbeit wären…. 🙂

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      • Wie? Kein Metalkonzert? Wie ist das denn passiert… 😀 Gibt es dazu dann auch einen Bericht, so „Out of the box“ sozusagen…?
        Ach ja, die liebe Arbeit, die einen immer von den wichtigen Dingen im Leben abhält. Und ohne Schlaf hält man es halt auch nicht mehr aus. Seufz….

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  1. Schöner Konzertbericht zu einem tollen Abend. Die Bands waren alle gut drauf und haben alles gegegeben. In diesem Zusammenhang muss ich auch mal meinen Respekt allen Musikern des Abends aussprechen, insbesondere dem Drummer von Manegarm. Mit dem fortschreitenden Abend wurde es ja immer wärmer und stickiger in dem kleinen Club. Ich war irgendwann völlig verschwitzt und froh über ne Pause. Und ich hab ja nicht viel geleistet, dagegen waren insbesondere die Drummer aller Bands im Bereich des Hochleistungssport. Und dann haben die immer noch gut gespielt inklusive Zugabe bei Manegarm.
    Wa sich übrigens auch toll fand – wir haben am Eingang unsere Nullachtfünfzehn-Reservix Tickets gegen ein wirklich schönes Schmuckticket getauscht bekommen. Ein schönes Detail und zeigt das die Clubmannschaft mitdeckt und im Sinne ihres Publikums denkt. Coole Sache, hängt jetzt an unserer Kühlschranktür 🙂

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