Von Göttern und Menschen – Jumalten Aika – neues Album von Moonsorrow

Moonsorrow –„Jumalten Aika“

Pagan Metal, Blackmetal
veröffentlicht: 01.04.16
Century Media Records
http://www.moonsorrow.com


Jumalten Aika

Jumalten Aika

Endlich ist es da! „Jumalten Aika“, das neue Werk von Moonsorrow ist seit Freitag erhältlich. Fünf Jahre haben die finnischen Pagan Metaller sich für ihren neusten Streich Zeit gelassen – und so viel sei schon gesagt: es hat sich gelohnt. Am liebsten hätte ich ja am Freitag neben dem Briefkasten kampiert. Leider gibt es da noch so ein lästiges Ding namens Arbeit, das einen fieserweise daran hindert sich sofort auf die Scheibe zu stürzen und laut aufzudrehen – ja, ein bisschen Mitleid wäre hier schon angebracht. Doch abends war es dann endlich so weit.

Sänger und Bassist Ville Sorvali erläuterte kürzlich in einem Interview, welche Geschichte hinter dem neuen Album steckt. Kurz gesagt: alles beginnt mit dem Zeitalter der Götter („Jumalten Aika“). Diese schaffen den Menschen und alles was da kreucht und fleucht. Der Mensch betet die Götter zunächst noch an, das ändert sich aber mit der Zeit. Die Götter geraten in Vergessenheit und der Mensch reißt mit dem Allerwertesten alles wieder ein, was die Götter mit Händen einst erbauten. Und dann? Alles auf Anfang.

Diese Geschichte erzählen Moonsorrow wirklich eindrucksvoll mit allen Facetten ihres Albums. Sie spannen einerseits einen Bogen vom ersten Song „Jumalten Aika“ – dem Zeitalter der Götter – bis  zum fünften und letzten Song „Ihmisen Aika (Kumarrus Pimeyteen), dem Zeitalter der Menschen und dem Rückfall in die Dunkelheit. Die Songs bauen aufeinander auf, steigern die Spannung und entladen sich in einem Knall. Auch innerhalb der einzelnen Songs arbeiten Moonsorrow mit dieser Struktur. Sie kommen gemächlich in Fahrt, entfalten sich wie ein Anemönchen an einem Frühlingsmorgen, bauen Atmosphäre und Intensität auf und gerade an dem Punkt an dem man sich sicher und wohlig-heimelig fühlt, kommt Tempo in die Sache.

Das Intro von „Jumalten Aika“ beginnt schon gleich gänsehauterzeugend urig, folkig und mit Chor. Nach etwa 1.30 Minuten wird es dann schwermetallisch. Wuchtig, unterschwellig aggressiv und drohend setzen Schlagzeug, Gitarren, Bass und Keyboard ein und nehmen die Melodie des Chors auf. Nach ca. 6.30 Minuten nimmt der Song mit einem wirklich verzweifelten Schrei weiter an Fahrt auf und öffnet sich panoramaartig.

„Ruttolehto incl. Päivättömän Päivän Kansa“ eröffnet wieder mit einem Chor,  wird dann von der Melodie her nordisch-folkig und entfaltet eine düstere Faszination. Mir gefällt vor allem die satte Gitarre in Kombination mit dem an dieser Stelle wunderbar präsenten und ergänzenden Bass und dem kryptischen Chor. Die ersten Minuten sind angenehm kantig, bevor dann nach und nach alles ins Fließen kommt. Der Song mündet schließlich in einer langsamen folkigen Trommel-, Flöten- und Fiedelpassage (eine sogenannte TFFP) mit gesprochenen Textpassagen und Chören in die dann wiederum die Gitarre einbricht – und dann gib ihm!

„Suden Tunti“, der mit sieben Minuten erstaunlich kurze dritte Song des Albums wird getragen von einem wahrhaft geilen Gitarrenriff, stampfendem Rhythmus und sphärischem Keyboard. Zwischendurch wird es immer wieder folkig, da boingt dann auch schon mal eine Maultrommel durch’s Arrangement. Die Stimmung des Songs ist roh und bedrohlich und Ville Sorvali trägt mit seiner keifenden, bellenden Stimme viel zur Atmosphäre bei.

Der Kontrast zu „Mimisbrunn“ könnte nicht größer sein. Es beginnt sanft, zart, melodisch und akustisch, baut langsam Spannung auf mittels Chören und Streichern. Doch wenn man denkt, jetzt geht’s los wird das Tempo wieder etwas zurückgefahren nur um dann vollends Gas zu geben und sich episch zu entfalten. Und in dem Moment, in dem man denkt, jetzt lassen es die Herren sanft und akustisch ausklingen, drücken sie wieder ordentlich auf die Tube und verringern das Tempo bis zum Schluss nicht mehr. Echt eine 16-minütige Wundertüte.

Das Album schließt mit „Ihmisen Aika (Kumarrus Pimeyteen)“. Und an dem Song gefällt mir definitiv der Gesang am besten. Ville Sorvali schreit, keift, kreischt und holt alles – also gesangsmäßig – aus sich und seiner Stimme heraus. Die peitschenden Gitarren und das treibende Schlagzeug unterstreichen das in wirklich perfekter Weise. Immer wieder wird das Ganze unterbrochen von ruhigeren oder epischen „Durchschnaufmomenten“ bevor die ganze Pein und das ganze Leid wieder zum Vorschein kommen. Ich finde selten hat jemand das Thema „der Mensch reißt das Ganze mit dem Allerwertesten wieder ein“ musikalisch aber vor allem stimmlich eindrücklicher interpretiert. Ich bin begeistert!

Moonsorrow haben für mich mal wieder ein Meisterwerk geschaffen. Die Songs greifen perfekt ineinander und jeder einzelne für sich ist genial angelegt, arrangiert und produziert. Der Klang der einzelnen Instrumente und der Instrumente miteinander harmoniert und begeistert. Das Album ist atmosphärisch dicht, intensiv und mitreißend. Es überrascht mit stimmigen Tempowechseln und einprägsamen Riffs und orientiert sich an den blackmetallischen Wurzeln der Band ohne die folkigen Elemente zu vernachlässigen. Allerdings handelt es sich hier um Folk mit düsterer Note, der nur selten etwas mit hüpfenden, feiernden Trollen zu tun hat. Moonsorrow hatten im Vorfeld den Klang nach dem eisigen Norden und dunklen Wäldern versprochen und sie haben Wort gehalten.

Und wer jetzt Bock auf das Album bekommen hat, sollte morgen nochmal reinschauen – da startet ein kleines Gewinnspiel bei dem ihr eben genau dieses Album gewinnen könnt!

Quelle: YouTube Channel von Century Media Records: https://www.youtube.com/channel/UCnK9PxMozTYs8ELOvgMNKFA


Tracks:

1. Jumalten Aika (12:43)
2. Ruttolehto incl. Päivättömän Päivän Kansa (15:21)
3. Suden Tunti (7:06)
4. Mimisbrunn (15:55)
5. Ihmisen Aika (Kumarrus Pimeyteen) (16:00)

Line-Up:

Ville Sorvali – Vocals, Bass
Mitja Harvilahti – Guitars
Henri Sorvali – Guitars, Keyboards
Marko Tarvonen – Drums
Markus Eurén – Keyboards

5 Gedanken zu “Von Göttern und Menschen – Jumalten Aika – neues Album von Moonsorrow

  1. Na da lobt ja jemand in den höchsten Tönen – und das obwohl Suden Tunti so verdammt kurz ist 🙂 Was ich bisher vom Album gehört habe, hat mir aber auch sehr gut gefallen. Obwohl ich momentan mehr so auf dem Mangegarm-Trip bin. Hm, so richtig vergleichen kann man die beiden Bands ja nicht. Fakt ist das ich mir das Album unbedingt noch genau anhören muss.

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  2. Ja, ja, die Arbeit. Das ist was ganz blödes. Ständig raubt es einem Zeit….
    Der Vergleich mit der Anemone, tschuldigung, natürlich mit dem Anemönchen, trifft es richtig gut. Ich mein, bei so einem Song mit einer Laufzeit von 15 Minuten kann man sein Pulver schließlich nicht gleich sofort raushauen. Das muss sich steigern und das tut es auch richtig gut.
    Ich (unwissend) hab ja erst gedacht – wie, nur 5 Songs? Aber bei den Laufzeiten dürfen es auch nur 5 sein – dafür sind die ja richtig lang.
    Ich hör mir dann mal im Laufe des Tages noch die anderen Songs an, wenn ich sie finde, damit ich weiß, ob ich beim Gewinnspiel mitmachen soll. Oder noch ein paar mal „Suden Tunti“….

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      • Das sind gute Nachrichten. Ich hab nämlich die anderen Titel als Videos online nicht gefunden (oder nicht richtig gesucht), aber wenn bei Moonsorrow jeder Song Potential hat, dann drück ich jetzt noch meine Zehen, damit die Losfee meinen Namen aus dem Topf zieht. 🙂

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