Der Winter naht – Cvlt von Phantom Winter

Cvlt, Phantom Winter

Cvlt, Phantom Winter

Heute ist mal wieder ein Blick über den Tellerrand fällig. Passend zur Jahreszeit hat sich Freund Hein bereiterklärt das erste Werk der Doom Metaler von Phantom Winter unter die Lupe – oder vielmehr auf die Ohren zu nehmen. Vielen Dank dafür an dieser Stelle. Und damit genug des einleitenden Geschwafels…Ich übergebe das Wort an Freund Hein:

Was liegt bei der nahenden kalten Jahreszeit näher, als das Album einer Band zu besprechen, die ihren Musikstil selbst als „Winterdoom“ bezeichnet? Eben! Die Rede ist von Phantom Winter (da ist er wieder). Der geneigte Instrumental-Metal-Freund wird kennend mit dem Kopf nicken: Das ist doch diese Truppe, die aus der Asche von Omega Massif hervorgegangen ist – eben jene Band, die es wie keine andere verstand, monumentale Klanglandschaften zu zaubern. Die Trauer über Omega Massifs Ende wurde zum Glück gemildert als Andreas Schmittfull (Gitarre) und Christof Rath (Schlagzeug) ankündigten mit Phantom Winter weiter brachiale Musik zu machen – und zwar so ganz ihr eigenes Ding.

Doch genug des Vorgeplänkels und zu den Tatsachen: Das erste Werk trägt den Namen „Cvlt“. Ja, das „v“ ist Absicht und eine ironische Anspielung auf die äußerst trven Gestalten, die insbesondere in der Black-Metal-Szene so umher wandeln. Thematisch deckt das Album mit seinen fünf Liedern ein breites Spektrum ab. So gibt es Kritik an NSBM („Finster Forst“), es wird zum Rundumschlag gegen Sekten, Religionen, Kapitalismus und weitere Ideologien ausgeholt („Wintercvlt“), wider das Vergessen des Holocausts gewettert („Suffer“), die Isolation in Städten angesprochen („Avalanche Cities“) und sich nicht zuletzt mit den Schattenseiten des Erwachsenwerdens befasst („Corpses Collide“). Die Texte sind wenig verschnörkelt und bergen plakative Aussagen wie „Does the number six followed by six zeros mean anything to you?“. So ganz unpolitisch ist das Album also nicht.

Doch das ist nicht das einzig bemerkenswerte. Beim Hören entfaltet sich ein wahrer bedrückender Moloch aus Gitarren- und Bassklängen, die dem, mit Ausnahme des Endteils von „Finster Forst“, stets schleppend-treibenden Schlagzeug folgen. Gute Laune – man ahnt es schon – verbreiten Phantom Winter eher nicht. Die Stimmung ist entsprechend die ganze Zeit über düster, bedrohlich und frostig. Betont wird diese Atmosphäre noch durch einfache Songstrukturen mit monotonem, aber nie langweiligem Ablauf. Die Lieder wissen eher durch schiere Wucht und unbarmherzige Härte als durch Komplexität zu überzeugen. Doch das heißt nicht, dass der Hörgenuss zur Tour de Force gerät. Denn aufgelockert wird die klangliche desolate Eiswüste etwa durch die fast schon sanfte, träumerisch-melancholische Gitarrenmelodie von „Avalanche Cities“ oder den an Omega Massif erinnernden ersten Teil von „Finster Forst“. Gelegentlich werden auch Klaviersamples oder Hörspielelemente eingestreut.

Das Ganze gipfelt sicherlich im letzten Lied „Wintercvlt“. Nach einem ruhigen Gitarrenintro samt Zitat aus dem Film „The Master“ bricht eingeleitet von Christian Kranks fiesem Keifen ein wahres Inferno los, das bei mir auch nach dem x-ten Hören noch Gänsehaut verursacht. Das Zusammenspiel aus Lead- und Rhythmusgitarre sowie Bass bildet eine undurchdringlich erscheinende Einheit, die erst mit mehrfachem Hören ihre Feinheiten offenbart. Hinzu kommt der ungewöhnliche, sich
beschleunigende Schlagzeugrhythmus. Übertönt wird das vom verzweifelten Kreischen und Schreien. Eine Pause gibt’s erst beim schaurigen Zwischenteil, ehe die klangliche Apokalypse erneut hereinbricht. Im Ausklang folgt noch die stets wiederholte Zeile „Obey the Wintercvlt“.

Damit dürfte alles gesagt sein und das Album endet düster wie es begonnen hat. Es bleibt ein ungutes Gefühl in der Magengegend und das Gefühl, eines der intensivsten Alben des Genres gehört zu haben. Wer also noch einen Soundtrack für den Winter sucht, der wird hier zweifellos fündig.

(Quelle: YouTube Channel von scouttrooperisgo, https://www.youtube.com/channel/UCNTxhtZCLr7OhHqWjAcsrzw)

3 Gedanken zu “Der Winter naht – Cvlt von Phantom Winter

  1. Da hab ich wirklich wieder mal was Neues kennengelernt. Nach einmaligen Hören kann ich zwar noch nicht sagen ob es wirklich meinen Musikgeschmack trifft (auf jeden Fall muss man wohl in der richtigen Stimmung sein und sich Zeit nehmen), aber ich werd auf jeden Fall noch mindestens ein zweites Mal reinhören. Danke also an Freund Hein für den Tipp und das Du Dich um unsere Weiterbildung bemühst 🙂

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    • Mach ich doch gerne und auch wieder 🙂
      Naja, das ist durchaus speziellere Musik und geht auch schon ein ganzes Stück vom Metal weg (ist ja Sludge). Mir gefällt’s, weil’s sehr atmosphärisch und intensiv ist. Muss nicht jedem und auch nicht jedem immer gefallen. Auch der Gesang ist da ein Knackpunkt, passt aber perfekt zur Musik. Thou geht auch in die Richtung, ist ebenfalls sehr zu empfehlen.

      Gefällt 2 Personen

      • Ja, als eingängig kann man die Musik nun nicht bezeichen. Ist ja aber gut, dass es verschiedene Arten von Musik gibt. Manche Dinge gehen sofort ins Ohr, für manche braucht man eine Weile und für manche auch eine Weile länger. Meistens hat das mit Struktur und Gesang zu tun. Ich find’s spannend, höre mir das auch mal an weil ich es cool finde, wie sich alles ineinander fügt, was sich die Musiker so gedacht haben und wie sie es umgesetzt haben. Ist jetzt aber nichts, was ich mir mal so auflege. Man muss schon konzentriert bei der Sache sein :-).

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