Laser, Pyro und Pomp. Nightwish in Stuttgart

Nightwish, Schleyerhalle, Stuttgart 2015

Nightwish, Schleyerhalle, Stuttgart 2015

Wir schreiben Donnerstag den 3.12.2015. Das bedeutet: Nightwishkonzert in der Schleyerhalle in Stuttgart. Zugegebenermaßen war ich wegen der Vorbands Amorphis und Arch Enemy beim Konzert, aber dem besten Ehemann von allen (wie Ephraim Kishon es formuliert hätte) zuliebe zog ich mir auch Nightwish rein. Dank einer Baustelle, die sich Stuttgart nennt, und der tollen Einlassmodalitäten verpassten wir die Hälfte des ersten Liedes von Amorphis. Das trug sich folgendermaßen zu: Da am selben Abend in der Schleyerhalle Martin Rütter einen Auftritt hatte, wurden die Einlassgates gerecht zwischen beiden Veranstaltungen aufgeteilt. Nur dass eben viel mehr Nightwish Fans als Rütter Fans in die Halle wollten. Außerdem wurden auch nur letztere aus Sicherheitsgründen am Einlass auf gefährliche Gegenstände kontrolliert – Rütter Fans stehen also nicht im Verdacht gefährliche Gegenstände zu transportieren. So ein Pit Bull passt ja auch schlecht in die Hosentasche.

Tomi Joutsen, Amorphis - Schleyerhalle, Stuttgart 2015

Tomi Joutsen, Amorphis – Schleyerhalle, Stuttgart 2015

Endlich in der Halle war ein Klobesuch unerlässlich. Und da passierte das Sakrileg – ich musste die Anfangstöne von „Death of a king“ doch tatsächlich auf dem Klo sitzend miterleben! Ich finde keine Worte! Also mehr als schnell die Kloaktion beendet und den Platz gesucht. Im Sitzplatzbereich herrschte auch schon etwas – nämlich keine Stimmung. Egal, die kann man ja selber machen. Allerdings war der Auftritt in der großen, vielleicht zu einem Drittel gefüllten Halle und mit der Entfernung dazwischen nicht so richtig ergreifend. Amorphis wirkten etwas verloren und auch etwas steif auf der großen Bühne. Da blieb nur Hoffen auf das Konzert in Memmingen am 6.12.

Alissa White-Gluz, Arch Enemy - Schleyerhalle, Stuttgart 2015

Nightwish, Schleyerhalle, Stuttgart 2015

In der Umbaupause füllte sich die Halle etwas mehr. Hm…naja…irgendwie ließ das Durchschnittsalter und Aussehen der sich um uns herum gruppierenden Menschen nicht unbedingt auf ein Metal Konzert schließen. Aber hey…man sollte sich ja vor Vorurteilen hüten. Mein Lieblingsmoment des Konzerts folgte als Arch Enemy die Bühne enterten. Zuerst heulten die Gitarren wie Sirenen und dann stürmte Sängerin Alissa White-Gluz wie ein brüllender Berserker auf die Bühne. Die Gesichter der Leute um mich herum waren einfach herrlich. Die Augen waren weit aufgerissen, eine Dame legte leicht pikiert die Hand auf den Mund. Die Reaktionen bestätigten meine Meinung, dass der durchschnittliche Nightwish Fan nicht unbedingt etwas mit Arch Enemy anfangen kann. Der Auftritt selbst war energiegeladen und wurde der großen Halle etwas gerechter als der von Amorphis. Michael Amott und Jeff Loomis erwiesen sich als Meister der jaulenden und heulenden Gitarren und Sängerin Alissa ist einfach ein Bündel an Energie. Wie ein wildgewordener Flummi fegte sie über die Bühne. Und was für Töne aus diesem zarten Geschöpf herauskommen ist wirklich beeindruckend. Arch Enemy spielten viele Songs vom letzten Album „War eternal“. So zum Beispiel „War eternal“, „You will know my name“ oder „As the pages burn“ aber auch den ein oder anderen Klassiker wie „No gods, no masters“. Die Zeit verging wie im Flug und der Auftritt war viel zu schnell vorbei. Super, energiegeladen, hart – ich war begeistert.

Eine weitere Umbaupause folgte. Die Halle füllte sich nun zusehends. Die Reihe hinter uns war der Meinung, man hätte die Weihnachtsfeier auf Arbeit dem Auftritt von Arch Enemy vorziehen sollen – Banausen. Außerdem wurde erörtert, dass bekannte Bands wie „Baba Rootsch“ (wie kennt ihr nicht – nochmal genau überlegen) schon als Vorband für Nightwish aufgetreten sind. Schließlich war ich auch was die wechselnden Sängerinnen bei Nightwish anbelangt auf dem neuesten Stand – die aktuelle ist technisch nicht so gut wie Tarja, dafür passt sie besser zur Band und die andere war ja eh immer krank – nur falls es euch interessiert…

Marco Hietala, Floor Jansen, Emppu Vuorinen, Nightwish - Schleyerhalle, Stuttgart 2015

Nightwish, Schleyerhalle, Stuttgart 2015

Da ich mit Symphonic Metal gar nichts anfangen kann, möchte ich mich hier zur Musik selbst nicht weiter äußern. Das ist eben Geschmacksache. Allerdings muss ich schon sagen, dass in den neuen Songs sehr, sehr viel Altbekanntes steckt und dass richtige Stimmung hauptsächlich bei den den Songs vom Imagenarium Album wie zum Beispiel „I want my tears back“ und „Storytime“ aufkam. Vom aktuellen Album „Endless forms most beautiful“ spielten Nightwish unter anderem „Shudder before the beautiful“, „My Walden“ oder „Élan“. Unbestritten haben Nightwish eine beeindruckende Show abgeliefert. Gesang, Instrumente, Video-Wand, Lasershow und Pyrotechnik waren perfekt aufeinander abgestimmt und auf den Punkt. Ich denke den Nightwish Fans hat es sehr gefallen – auch wenn man davon manchmal wenig merkte. Mir persönlich war es zu perfekt, zu glatt, zu durchchoreografiert und zu pompös. Ich mag es nun mal mehr, wenn da einfach ein paar Leute stehen und Musik machen. Aber auch das ist Geschmacksache. Das Konzertende allerdings missfiel dann zumindest auch einem Nightwish Fan. Als letzten Song spielte die Band „The greatest show on earth“, ein im Original 24 Minuten langes Werk, das aus fünf Kapiteln besteht. Auch die gekürzte Version war schon anstrengend. doch darum geht es nicht – danach war einfach Schluss. Keine Zugabe, winke winke und weg war die Band. Sicher, sie hatten bis zu diesem Zeitpunkt zwei Stunden gespielt, da kann man nicht meckern. Sicher, die meisten Zugaben sind heute auch schon im Voraus eingeplant. Trotzdem war es ein etwas seltsamer Abschluss zu einer perfekten Show.

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Ein Gedanke zu “Laser, Pyro und Pomp. Nightwish in Stuttgart

  1. Oh ja, das Nightwish-Konzert 🙂 Trotz anhaltender Stichelei meiner lieben Frau habe ich mich richtig drauf gefreut. Amorphis + Arch Enemy + Nightwish = 3 Kracher. Wann hat man das schon mal? Und es war auch ziemlich gut. Schade das die restlichen Nightwish Fans anscheinend Amorphis nicht kennen und mit Arch Enemy nichts anfangen können. Ich fand es klasse! Amorphis haben einen soliden Auftritt hingelegt und das Beste gegeben, angesichts der fast emotionslosen Menge. Man kann halt ohne Reaktionen kein geiles Konzert abliefern. Arch Enemy habe ich zum ersten Mal gesehen und bin immer noch total begeistert – da muss ich zur Headliner Show. Klasse Gitarrenspiel und dann dieses Energiebündel Alissa White-Gluz, wer da nicht mitgeht ist schon tot. Die 45 Minuten waren rasend schnell rum.
    Nightwish haben eine klasse Show gemacht, mit allem was so dazu gehört. Die Liedauswahl war gut gelungen, Titel vom neuen Album waren gut gemischt mit vor allem Songs vom Imagenarium Album. Schade nur das man auf dem neuen Album die Fähigkeiten von Floor Jansen nicht mal ansatzweise abruft und sie ihre Spannweite in der Stimme nicht einsetzen kann. Das Ende war allerdings ein epic fail: ein Nightwish Konzert wird beendet mit „Last ride of the day“. Stattdessen dieser anstrengende Holopainen-Opus, den ich schon auf dem Album nie bis zuende angehört habe. Da hätte ich mir lieber ein paar anständige Zugaben gewünscht. Schade. Trotzdem war es ein sehr gutes Konzert mit einer tollen Inszenierung. Und es macht immer wieder Spaß dem Gitarristen zuzuschauen 🙂

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