Achtung, es wird intellektuell – Sepulturas Ära der Konzeptalben

Sepultura

Sepultura

Sodele, hier kommt Teil zwei der Geschichtsstunde Sepultura. Wir erinnern uns. Sänger und Gitarrist Max Cavalera und Sepultura gingen Ende 1996 getrennte Wege. Cavalera gründete 1997 die Band Soulfly. Und Sepultura? Die Tränen der Fans waren halbwegs getrocknet, die ersten Tatoos übertätowiert und nicht wenige dachten, die Band würde sich auflösen – doch es kam anders. Der Amerikaner Derrick Green gesellte sich als neuer Sänger zu Sepultura und 1998 veröffentlichte die Band das erste Album ohne Max Cavalera – „Against“. Natürlich waren alle gespannt auf das erste Album ohne Max Cavalera. Es stand zudem auch noch in Konkurrenz zu Soulfly’s Debutalbum „Soulfly“. Nun ja, je nachdem wen man zu „Against“ befragt, reicht das Spektrum der Meinungen von „enttäuschend“, „planlos“, „ziellos“, „chaotisch“ bei den Leuten, bei denen Sepultura anscheinend nur aus Max Cavalera bestand, bis hin zu „ist mein Lieblingsalbum“ und „genial“ bei denen, die mehr die ganze Band wahrnehmen. Für mich liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen. Die Band musste sich nun einmal neu orientieren. Teilweise nimmt „Against“ Altbekanntes auf und greift zum Beispiel in Songs wie „Boycott“ Elemente aus „Roots“ wieder auf. Das Experimentieren mit Perkussion bleibt ebenfalls erhalten, so trommeln die japanischen Trommler von Kodō bei „Kamaitachi“ fleißig mit. Andererseits hat das Album eine erfrischende und wieder erstarkte aggressive Note. Es macht also keinen großen Entwicklungsschritt, ist aber dennoch kein bloßer Abklatsch vorheriger Alben. Das erste Album, dem auch Green seinen Stempel mit aufdrücken durfte, erschien dann 2001. „Nation“ entwarf Sepulturas Utopie einer Welt ohne Länder, Grenzen und Kriege – der Sepulnation. Mir klingt da irgendwie plötzlich John Lennon im Ohr – gar keine Ahnung warum. Musikalisch wird das „one world Prinzip“ durch zahlreiche Gastmusiker wie Apocalyptica oder Hatebreed Sänger Jamey Jasta und diverse Zitate beispielsweise von Gandhi oder Mutter Teresa unterstrichen. Fehlt eigentlich nur eine eigene Version von „El cóndor pasa“. Ansonsten präsentiert sich das Album verhältnismäßig groovig und eine Neuerung gibt es auch zu vermelden – es enthält Klargesang. Im Jahr 2003 folgte dann das neunte Studioalbum „Roorback“. Stilistisch bleibt das Album im Groove und Alternativ Metal verhaftet. Für mich wird es getragen durch Green’s wirklich beeindruckenden, abwechslungsreichen und vielseitigen – ja manchmal auch beängstigenden – Gesang. Inhaltlich befassen sich Sepultura mit Themen wie politischer Korruption. Insgesamt ist das Album wütend aber weniger aggressiv, teilweise schon fast rockig, was die Musik anbelangt. Mit „Dante XXI“ folgte 2006 das zehnte Studioalbum von Sepultura und es präsentiert sich wieder deutlich aggressiver, thrashiger und knackiger. „Dante XXI“ ist ein Konzeptalbum und basiert auf Dante Alighieris „Göttlicher Komödie“. Sepultura setzen auf diesem Album – wenn man einmal vom Gastauftritt von Apocalyptica auf „Nation“ absieht – zum ersten Mal Streicher und eine Art Chorgesang ein und geben ihrer Musik dadurch wieder einmal einen neuen Touch.

Die Reise nach Jerusalem geht weiter. Ein Stühlchen wurde frei – nämlich das vor den Drums, das Igor Cavalera inzwischen verlassen hatte. Somit trommelte auf „A-Lex“, dem 2009 erschienenen elften Studioalbum von Sepultura, nun Jean Dolabella. Auch dieses Album ist ein Konzeptalbum und basiert auf dem Buch „A Clockwork Orange“ von Anthony Burgess. Musikalisch bietet es gewohnten Stoff. Die Thrash, Punk und Hardcore Elemente haben sich durchgesetzt, die Tribalelemente sind fast komplett verschwunden. 2010 wechselten Sepultura zum Label Nuclear Blast. Dort erschien dann 2011 das Album „Kairos“ – und löste bei Presse und Fans eher mäßige Begeisterung aus. Ganz nettes Thrash Album mit Industrial und so – so die positiveren Stimmen – wobei nett ist ja… naja, ihr wisst worauf das hinaus läuft. Oft tauchte das Wort „einfallslos“ im Zusammenhang mit dem Album auf. Man warf Sepultura einmal mehr vor wahlweise alte Riffs aufzuwärmen oder ohne Ziel und Verstand herumzuexperimentieren. Im November 2011 verließ Dolabella Sepultura. Auf dem Thron hinter den Drums folgte ihm der gerade einmal 20-jährige Eloy Casagrande.

The Mediator between head and hands must be the heart, Sepultura, 2013

The Mediator between head and hands must be the heart, Sepultura, 2013

Tata: Mit dem 2013 erschienenen Album „The Mediator between head and hands must be the heart“ befinden wir uns am Ende unserer Zeitreise durch die Sepulturaalben. Ich hatte das Album eine ganze Weile nicht beachtet. Alles, was ich darüber gehört hatte war einfach schlecht bis vernichtend. Glücklicherweise bilde ich mir dann aber doch gern meine eigene Meinung und ich finde es hat sich gelohnt. Nachdem ich eine Reihe von Rezensionen gelesen hatte, formte sich bei mir der Gedanke, das ganze Album müsse sein, wie der „Number 9“ Song von den Beatles. Zu künstlerisch, zu viel gewollt, chaotisch… Fakt ist, das Album wurde durch den Film „Metropolis“ inspiriert. Es handelt von der Technisierung der Welt und der Frage, was den Menschen am Ende noch zum Menschen macht. Das wird hübsch-hässlich verpackt in eine dunkle Grundstimmung, harte Riffs und rasende Drums. Die Klangeffekte, die einige Zeitgenossen so nerven, finde ich ganz geschickt eingesetzt. 30 Jahre Sepultura, das ist ein ganz schönes Brett. Klar, hat man da so seine Lieblingsalben und eben auch einige, die mit der Zeit im CD Regal nach hinten wandern. Was Sepultura für mich auszeichnet, sind die verschiedenen Einflüsse, die sie immer wieder mit Thrash, Groove, Death oder was weiß ich was für Metal kombiniert haben, ihre Texte und dass man ein Sepultura Riff einfach sofort erkennt. Und zu guter Letzt stellt sich die Frage: Wo sind die Sepultura Fans? Welches ist euer Lieblingsalbum?

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