Schizophrenie, Chaos und Wurzeln. Sepulturas Aufstieg in den Thrash-Olymp.

Willkommen zur kleinen Thrash! Boom! Bang! Geschichtsstunde Sepultura. Anlässlich des 30-jährigen Bandjubiläums möchte ich einen Blick zurück auf die bisher erschienenen Alben von Brasiliens erfolgreichstem Metalexport werfen.

Gegründet haben sich Sepultura (dt. Grab) 1984 in der südostbrasilianischen Stadt Belo Horizonte. Die Band bestand damals aus den Brüdern Max Cavalera (Gesang/Gitarre) und Igor Cavalera (Drums), Paulo Jr. (Bass) und Jairo T. (Leadgitarre). Und was spielten die Herren bei dem Bandnamen? Was? Folk Metal? Setzen sechs! Natürlich Death Metal!

Ihr Debütalbum „Morbid Visions“ erschien 1986 und nahm eine ganze, lange, schweißtreibende Woche Produktionszeit in Anspruch. Ab 1991 wurde das Album gemeinsam mit einer schon 1985 veröffentlichten Split-LP mit der brasilianischen Band

Overdose unter dem Namen Morbid Visions/Bestial Devastation wiederveröffentlicht. Tja, als König kann man geboren werden – als Metalgott offensichtlich leider nicht. Trotz der wahnsinnigen Anstrengungen war keiner so recht mit dem Album zufrieden. Stilistisch lässt es sich mit den Worten aggressiver, roher und schneller Death Metal mit Thrash Einflüssen  beschreiben. Inhaltlich beschäftigen sich Sepultura  mit schwarzer Magie, Satanismus und Krieg. Themen, die Max Cavalera zu diesem Zeitpunkt faszinierten.

Wenn’s nicht läuft, müssen Köpfe rollen. So war das schon immer in der Geschichte. Sepultura trennten sich von Gitarrist Jairo T. und auf einem großen schwarzen Ross kam Andreas Kisser angeprescht. Die Quellen zu der konkreten Begebenheit mit dem Ross sind allerdings sehr zweifelhaft. Auf dem zweiten Album „Shizophrenia“, das 1987 erschien, Griff Kisser also in die Saiten. Neben seiner Gitarre brachte er auch Einflüsse aus dem klassischen Heavy Metal mit. Sepultura stellten mit diesem Album schon mal die Weichen Richtung Thrash-Olymp. Die Produktion war qualitativ erheblich besser. Stilistisch spielten die Brasilianer unglaublich schnellen, aggressiven Thrash Metal. Death Metal Einflüsse blieben aber weiter erhalten.

Mit „Beneath the remains“ legten Sepultura 1989 nach und schafften den weltweiten Durchbruch. Es wurde sogar mit Slayers „Reign in blood“ verglichen – welche Ehre. Die Marschrichtung verdeutlichte sich weiter: messerscharfes, präzises Drumming, stakkatoartige Riffs, nackenbrecherische Geschwindigkeit – und das ohne den Groove zu vernachlässigen. Alles kennzeichnend für Sepulturas zukünftigen Stil.

Mit „Arise“ erschien 1991 ein unvergessener Klassiker der Sepultura Historie. Der Titelsong schaffte das Unmögliche – er landete in den Charts. Die Slayer Vergleiche häuften sich und die Begeisterung kannte kaum Grenzen. Sepultura beschritten auf dem Album neue Wege – nein, damit meine ich nicht, dass Max Cavalera trotz einer völlig allein konsumierten Flasche Rum noch halbwegs geradeaus ein Motörheadcover einsingen kann. Und überhaupt, macht Lemmy das nicht immer so? Ich schweife ab. Neben dem bekannten Thrash und Death Metal Repertoire experimentierten Sepultura mit Industrial-Elementen und erstmals auch mit brasilianischer Perkussion. Inhaltlich enthält das Album erste sozialkritische Texte. Sie befassen sich mit der brasilianischen Gesellschaft, Krieg, Religion und der Vorbestimmtheit des Lebens.

Den nächsten Kracher veröffentlichten Sepultura 1993 mit ihrem fünften Studioalbum „Chaos A.D.“. Sepultura setzen darauf ihren sozialkritischen Kurs fort. Songs über aktuelle Ereignisse, wie den brasilianischen Indianerstamm Kaiowas, der wegen einer drohenden Zwangsumsiedlung kollektiven Selbstmord beging, den Nahostkonflikt oder Zensur sind auf „Chaos A.D.“ zu finden und sollen den Zustand der Welt beschreiben. Musikalisch sticht der satte Bass nun mehr hervor und die Band setzt auf brasilianische Rhythmen und Perkussion.

Was sich in „Chaos A.D.“ andeutete, entfaltet 1996 auf dem Album „Roots“ seine volle Gewalt. Brasilianische Rhythmen und Perkussion, das gegenseitige Hochpeitschen von Bass und Schlagzeug/Perkussion, kaum Soli – dafür tiefe Gitarrenklänge. Die Geschwindigkeit wurde rigoros zurückgefahren. „Roots“ ist chaotisch, diabolisch, kreischend und klingt als ob man sich durch das komplette Pilzangebot des Regenwalds gegessen hätte. Sepultura gehen mit dem Album zurück zu traditionellen, brasilianischen, musikalischen Wurzeln – und über Grenzen des Metals hinaus.

„Roots“ war das letzte Album mit Max Cavalera als Frontmann. Ende 1996 trennen sich Sepultura von Cavalera aufgrund der Streitigkeiten um seine Freundin, die auch die Managerin der Band war.

So weit zu den musikalischen Wurzeln und ersten Jahren von Sepultura, im nächsten Teil geht es dann um die Post-Cavalera-Zeit.

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