Heidnische Horden in der Rockfabrik. Ensiferum in Ludwigsburg

Ensiferum_Ludwigsburg

Ensiferum Ludwigsburg 2015

So, wie bereits angekündigt kommt hier der Konzertbericht zum Ensiferum Konzert in der Rockfabrik Ludwigsburg am 12.03. Er soll die Ensiferum Wochen abrunden. Ich kann nur sagen, ich bin immer noch berauscht – und nein, das hat nur etwas mit Musik zu tun. Das Konzert war super. Doch von Anfang an. Am Donnerstag war mir ja ehrlich gesagt so gar nicht nach Konzert zumute. Das hatte natürlich nichts mit Ensiferum zu tun, sondern viel mehr mit der Arbeit, die ja kontinuierlich versucht einem jegliche Kraft für die Freizeitaktivitäten zu rauben. Diesem Versuch musste ich mich natürlich widersetzen und so setzte ich all meine Willenskraft ein, um statt zum Superheldenschlafanzug zur schwarzen Konzertkluft zu greifen.

Fahrt und Parken klappten problemlos, also stopften wir um 19.30 Uhr noch unsere Jacken in´s Schließfach und erkundeten die Lage. Ein schönes Plätzchen links vor der Bühne nur 2 bis 3 Meter von der

 Jukka Pelkonen

Jukka Pelkonen von Omnium Gatherum

Bühne entfernt wartete schon auf uns. Es dauerte gar nicht lange, denn gegen 19.45 Uhr enterten Omnium Gatherum die Bühne. Die Melodic Death Metaler aus Finnland gaben sechs Songs zum Besten. Sänger Jukka Pelkonen animierte das noch nicht ganz so zahlreiche Publikum immer wieder nicht schüchtern zu sein und zu bangen und zu moshen. Es galt der Leitspruch „hair or no hair, don´t be shy.“ Ein Crowd Surfer legte denn auch jegliche Schüchternheit ab und ließ sich gleich zwei Mal auf die Bühne tragen. Während er beim ersten Mal von Pelkonen noch herzlich empfangen wurde, ließ die Begeisterung beim zweiten Mal doch schon etwas länger auf sich warten. Der Auftritt von Omnium Gatherum hat mir gut gefallen. Er riss mich aus meiner Müdigkeit, ohne mich allerdings zu frenetischer Begeisterung anzustacheln. Am spannendsten fand ich die beiden Gitarristen. Während Joonas Koto relativ filigran und präzise zu Werke ging, sah es bei Markus Vanhala ab und an so aus, als würde er mit der Schlaghand irgendetwas zersägen. Es kann so verschieden aussehen und doch beides so gut klingen.

Niilo Sevänen

Niilo Sevänen von Insomnium

Als nächste Band waren Insomnium an der Reihe und die Rockfabrik füllte sich merklich. Es wurde ziemlich eng da vorne. Etliche schienen extra für diesen Auftritt gekommen zu sein. Jedenfalls erfuhren wir von Dr. Metal, der (un-)glücklicherweise eine Weile neben uns mit seinen Kumpels über den bevorstehenden Insomniumauftritt fachsimpelte, dass die finnischen Melodic Death Metaler ja sehr selten zu Konzerten nach Deutschland kommen. Dankenswerter Weise erfuhren wir auch, wo der Sound im Club am Besten ist und bei welchem Lied von Insomnium es möglicherweise zu einem Moshpit kommen könnte. Moshpit bei Insomnium? Na gut, wir standen ja auch vom akustischen Standpunkt aus gesehen am falschen Platz – wir Banausen. Der Sound war übrigens nichtsdestotrotz sehr gut. Zumindest für Soundbarbaren wir uns. Dr. Metal wechselte den Platz, es kehrte wieder Ruhe ein und Insomnium betraten die Bühne. Vanhala hätte sich nach dem Omnium Gatherum Auftritt theoretisch auch auf die Bühne setzen und auf den nächsten Auftritt warten können. Er schwingt ja bei beiden Bands die Gitarre. Insomnium starteten mit „Killjoy“, dem neun weitere Songs folgten. Mir ging es, wie es mir immer geht, wenn ich Insomnium höre. Am Anfang denke ich mir „Hammer“, nach ein paar Songs finde ich es allerdings etwas eintönig. So auch an diesem Abend. An Mitklatschen oder heftigeres Bangen war nicht zu denken, sonst hätte ich erst meinem Hintermann die Nase touchiert und dann meinem Vordermann eins auf den Hinterkopf verpasst. Für etwas Auflockerung sorgte der bereits bekannte Crowd Surfer, der es auch bei Insomnium zwei Mal auf die Bühne schaffte. Sänger und Bassist Niilo Sevänens Begeisterung hielt sich schon beim ersten Mal in Grenzen, da der Crowdi in eine künstlerisch schön herausgearbeitete Szene platzte. Beim zweiten Mal brachte Crowdi einen Kumpel mit. Die beiden grölten eine Weile von der Band ignoriert ins Mikro, bevor ein streng aussehender Herr vom Team – nennen wir ihn Mika Kloppolainen – die beiden höflich aber bestimmt wieder in die Menge zurück schob.

Kari Olli

Kari Olli von Insomnium

Gut gefallen hat mir Gitarrist und Sänger Kari Olli, der eigentlich bei Pressure Points spielt und für Insomnium Gitarrist Ville Friman für die Tour eingesprungen ist. Toller Klargesang, faszinierendes Gitarrenspiel – und definitiv der Mann bei dem der Funke überspringt. Das ist in doppeltem Wortsinn zu verstehen, denn mitten im Song wedelte Olli plötzlich wie wild mit der Greifhand – Funkenflug. Bis zum nächsten Solo war aber wieder alles unter Kontrolle.

Nach Insomnium wurde die Bewegungsfreiheit wieder etwas größer. Gegen 22 Uhr war es dann so weit. Zu den Klängen des „March of war“ enterten Ensiferum die Bühne und wischten mit „Axe of judgement“ sofort jegliche noch verbliebene Müdigkeit in den finstersten Winkel hinweg. Eine personelle Änderung war zu verzeichnen. Keyboarderin Emmi Silvennoinen kann bei der Tour aus persönlichen Gründen nicht dabei sein, für sie springt Netta Skog mit ihrem Akkordeon ein. Ensiferum spielten sich fast zwei Stunden die Seele aus dem Leib und gaben 16 Songs zum Besten.

Sami Hinkka

Sami Hinkka von Ensiferum

Darunter natürlich viele Songs des neuen Albums, wie zum Beispiel „Heathen Horde“, „Warrior without a war“ oder „One man army“. Und ja – es hatte schon Gänsehautcharakter, wenn die gesamte Rockfabrik die episch-heroischen Refrains mitsang und die Fäuste dazu in die Luft reckte. Auch „Two of spades“ fehlte nicht in der Setlist. Der Aufforderung, die Sänger Petri Lindroos dem Song vorausschickte, nämlich etwas 70er Jahre Disco Dance zu praktizieren, folgte wohl nur Akkordeonspielerin Netta Skog. Eine witzige kleine Show in der Show hatten sich die Finnen für die Zugabe ausgedacht. Sie spielten „das fröhliche Instrumentenkarussell“. Sänger und Gitarrist Petri Lindroos bekam den Bass, Gitarrist Markus Toivonen schwang sich an die Drums, Drummer Janne Parviainen schnallte sich die Gitarre um, Bassist Sami Hinkka hängte sich das Akkordeon um und Netta Skog versuchte sich als Sängerin. In dieser Besetzung gaben die fünf den Judas Priest Klassiker „Braking the law“ zum besten. Gelungene Einlage. Meine persönlichen Highlights waren aber „Victory song“, „From afar“ und „Iron“. Mitsingen, langsam bangen, schnell bangen – alles dabei. Die drei Songs gehören für mich definitiv zu den besten und genialsten Pagan Metal Songs die ich kenne. Live hat mir das Ganze allerdings noch besser gefallen als auf CD, denn Ensiferum versprühen eine unglaubliche Energie, Spielfreude und Wildheit auf der Bühne, die absolut mitreißend ist. Und sie haben bei all dem noch ein aufmerksames Auge auf ihr Publikum. Immer wieder stellten sich Lindroos, Toivonen und Hinkka in Pose, wenn sie merkten, dass sie fotografiert wurden. Wieder einmal möchte ich auch Parviainens Arbeit an den Drums erwähnen. Er macht einfach einen tollen Job.

Glücklich, berauscht und beseelt konnte ich mich dann gegen 0.30 Uhr in meinen Superheldenschlafanzug hüllen. Und wenn der blöde Wecker sich um 6 Uhr tatsächlich traut zu klingeln dann, ja dann – „Swords in their hands they killed each and every Wecker who dared to invade their sacred dream land victory songs are rising in the night telling all of their undying strength and might“ – muahaha (sehr frei zitiert und übersetzt aus „Victory songs“ von Ensiferum).

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2 Gedanken zu “Heidnische Horden in der Rockfabrik. Ensiferum in Ludwigsburg

  1. War ein richtig starker Auftritt mit viel Energie und starkem Sound. Überhaupt war der Sound in der Rockfrabrik sehr gut. Die Vorbands waren gut gewählt, auch wenn Insomnium nicht ganz so meins ist. Und der Auftritt von Ensiferum hat einfach von der ersten Sekunde an alles getoppt.
    Übrigens gut geschrieben – Dr. Metal ist mein absoluter Brüller-Favorit 🙂

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  2. Ja, Insomnium ist auch nicht so meine Musik. Trotzdem ist es live immer wieder ein Erlebnis auch Bands zu sehen, die man nicht ganz so sehr mag. Es macht Spaß den Leuten auf die Finger zu schauen :-). Tja, Dr. Metal hatte übrigens auch noch die passende Stimme….

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