Zwischen „yehaw“ und „och nö“. Neue Schlachten mit Ensiferum.

One man army Ensiferum

One man army von Ensiferum, Februar 2015

Da ist es nun, das sechste Album der Folkmetaler von Ensiferum. Ich war ja doch schon sehr gespannt, in welche Richtung die Reise gehen würde. Hoffentlich wieder tiefer hinein ins Metalland als bei der letzten Scheibe. „One man army“ wurde von Anssi Kippo produziert. Laut eigener Aussage gingen den Jungs und dem Mädel aus Finnland die Aufnahmen ganz flott von der Hand. Bassist Sami Hinkka und Gitarrist und Sänger Petri Lindroos schwärmen gerade zu von den Aufnahmen im Studio, die sie mittels eines analogen Mischpults bewältigten. Weniger Geschnippel, mehr am Stück eingespielte Sachen. Ok, soweit so gut. Widmen wir uns also dem Album.

Der Albumtitel verspricht wieder Schlachtengetümmel und -gesänge, epische Chöre und monumentale Songs. Nach einem gelungenen Intro – Ensiferum hat meiner Meinung nach immer tolle Intros – hauen die Finnen uns „Axe of judgement“ um die Ohren. Damit halten sie zunächst das Versprechen ihren Songs wieder einen stärkeren Drall Richtung Heavy Metal zu geben und den Speed anzuziehen. „Axe of judgement“ überzeugt mit toller Drumarbeit, spritzigen Gitarren, speedmetallischen Anklängen und einer knackigen Grundaggressivität. So kann es weitergehen. Auch „One man army“ haut in diese Kerbe. Growl- und Chorgesang gehen eine gelungene Liaison ein und wechseln sich stimmungsvoll ab. In „Two of spades“ geben die Finnen ebenfalls ordentlich Gas…nein, sie galoppieren munter voran…wir wollen ja beim Thema bleiben. Die Kombination von speedmetallischen Elementen und folkigem Zwischenspiel ist äußerst gelungen. Anfangs dachte ich, das könnte mein Lieblingssong des Albums werden. Aber dann… Zum näheren Verständnis werde ich hier einfach mal meine Gedanken beim Hören des Songs wiedergeben: „Wow, geil. Das geht echt gut ab. Yeeeeehaw, shake your head. Oh, ein bisschen Folk mit untergebracht. Superb. Ich bin begeistert. Ähm…Funk? Okeee. Is ja interessant. Och…och nööö, wo kommt den Dschingis Khan nun her. Hau ab…geh weg. Jetzt isses wieder geil.“ Ich bin ja für Experimente mit metal-untypischen Elementen zu haben, aber diese Mischung ist zwischendrin einfach gruselig. „Dsching, Dsching, Dschingis Khan…“ aaaargh und es beschert einem einen furchtbaren Ohrwurm.

Mit „Heathen hordes“ nehmen Ensiferum das Tempo zwischendurch etwas raus, dafür überzeugt der Song mit einem schönen folkigen Motiv und den stimmungsvoll eingebundenen Stimmen der Horden. Man möchte sofort einen Film drehen, in dem bärtige Typen auf Pferden über weite Ebenen preschen…hm…vielleicht sollte ich mir die Rechte sichern…ähm, weiter im Text. Für die Oscars ist es jetzt eh zu spät. Noch verhaltener, dafür aber überepisch und durch männlichen Chorgesang geprägt, ist der Song über den arbeitslosen Krieger – oder auch „Warrior without a war“. Auch eine weibliche Stimme mischt zwischenzeitlich mit. Begleitet von zart-akustischen Gitarrenklängen. Noch zarter kommt „Burden of the fallen“ daher. Akustikgitarre, Flöten- und Geigenklänge regen zum Gedenken an vergangene Schlachten und verlorene Kameraden an. Der Klargesang rundet das Ganze ab. Mit „Descendants, defiance, domination“ haben Ensiferum kurz vor Ende den längsten Song der Scheibe mit über 11 Minuten Spielzeit eingebaut. Von mir aus hätte er gern der Abschlusssong sein können…aber dazu gleich. „Descendants, defiance, domination“ beginnt verhalten, erzeugt anhand des Zusammenspiels von Gitarrenmelodie, wuchtigem Bass und dumpfen Drums zunächst eine fast bedrohliche Stimmung. Sehr schön. Nach etwa 2.30 Minuten nimmt der Song an Fahrt auf und geht auf wie ein Blümchen an einem sonnigen Morgen, wobei eine schöne Gitarrenmelodie das Ganze dominiert und E-Orgel-Klänge im Hintergrund unterstützend wirken. Nach etwa 3.30 Minuten ist das erste Mal eine menschliche Stimme zu vernehmen. Es wechseln Klargesang und Growlgesang. Schließlich gibt es eine Zäsur durch einen weiblichen Chor. Die Drums rufen wieder zu mehr Tempo auf. Auch orchestrale Elemente haben Ensiferum in dem Song verbaut. Was bei den Finnen immer mal wieder zu einem komischen, bunten Flickenteppich aus Klangelementen und Stilen gerät, die nicht recht harmonieren wollen, ist hier echt gut gelungen. Alles geht harmonisch ineinander über und passt hervorragend zusammen. Humor ist, wenn man trotzdem lacht, gilt für mich für den letzten Song des Albums „Neito Pohjolan“. Es erwartet den Hörer ein Mix aus Country und finnischem Tango und eine weibliche Gesangsstimme. Für mich fügt sich der Song gar nicht ein und entlockte mir noch einmal mein „Och nö!“-Gesicht. Aber Ensiferum machen ja doch ganz gern mal kleine, witzige Experimente, um uns zu überraschen oder… Wie man Country und Metal saugeil verbindet, haben Volbeat gezeigt und wie man alles Mögliche und Unmögliche mit Metal verbindet, haben Finntroll brilliant vorgemacht. Ach weiß auch nicht. Ich find den Song halt blöd, so!

„One man army“ ist für mich ein gelungenes Album. Vieles, was mir beim Vorgänger „Unsung heroes“ gefehlt hat, ist nun wieder präsent. Das Album ist schneller, metaliger, auf eine schöne Art und an den richtigen Stellen pathetisch und auch der Folk und die zarten Klänge kommen nicht zu kurz. Eine gute Mischung also. Einige witzige Elemente sind ebenfalls enthalten. Für mich hätten die nicht unbedingt sein müssen, aber die Buben und Mädels sollen ja auch ihren Spaß haben. Was ich aber persönlich übel nehme ist die Verhunzung von „Two of spades“ in der zweiten Hälfte des Songs. Was für mich allerdings wieder positiv hervorzuheben ist, ist die erstklassige Arbeit an den Drums. Ensiferum haben also wieder ein sehr gutes Album abgeliefert – Daumen hoch!

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