Epische Chöre besingen vergessene Helden – Ensiferum

Unsung heroes, Ensiferum, 2012

Albumcover Unsung heroes, Ensiferum, 2012

Bald ist es soweit: „One man army“ das neue Album von Ensiferum erscheint am 20.2. Das nehme ich doch glatt zum Anlass einen Blick zurück zu wagen auf das letzte Album der Folkmetaler aus Finnland. „Unsung heroes“ erschien 2012 und macht den Auftakt zu den „Ensiferum-Wochen“ bei Thrash! Boom! Bang! Wir lassen das letzte Album noch einmal auf die Ohren wirken, schauen dann, was das neue Album zu bieten hat und zum Abschluss gibt es noch einen Konzertbericht zum Konzert in der Rockfabrik in Ludwigsburg am 12.3. Los geht’s:

Bassist Sami Hinkka beschrieb „Unsung heroes“ als ein Album, das sowohl traditionelle Ensiferum Songs als auch neue Elemente beherbergen sollte. So wollten Ensiferum auf der Scheibe einerseits härtere Metalsounds verarbeiten als auch folkigen Elementen mehr Raum geben. Traditionell heißt bei Ensiferum: Epische Midtemponummer mit eingängiger Gitarrenmelodie, Schlachten, Krieger und ….sagte ich schon Epik? „Unsung heroes“ enthält 10 Songs plus einen Bonustrack auf der Deluxe Edition. Also rauf auf den Gaul, hoch die Schwerter….ja, auch die Äxte und whaaaaaaaaaaaaa!

Die erforderlichen Elemente für einen typischen Ensiferum Song enthalten die drei Titel nach dem Intro alle. „In my sword I trust“, „Unsung heroes“ und „Burning leaves“ warten allesamt mit eingängiger Melodie, epischem, durch Chorgesang unterstütztem Refrain, mal mehr mal weniger folkigen Elementen und einem angemessenenen Maß an Kriegerpathos und Schlachtengesangsfeeling auf. In völligem Gegensatz zu eigentlich allem, was Ensiferum bisher so getrieben hat, steht „Celestial bond“. Männliche Stimmen sucht man in dem Song vergeblich. Statt dessen – weiblicher Cleangesang von Laura Dziadulewicz. Der Song ist zart und akustisch und zeigt eine neue Facette der Finnen. Als perfekter Gegensatz folgt „Retribution shall be mine“, der härteste Song des Albums. Das Tempo wird ordentlich angezogen und der Härtegrad bewegt sich weg von Perwoll. Ein Highlight der CD – allerdings ein merkwürdiges – ist „Last breath“. Der von akustischen Gitarren geprägte, folkige Totengesang eines Kriegers wird offensichtlich von einem Krieger zum Besten gegeben, der schon einige Becherchen Met intus hatte. Dieter hätte sicher einige versemmelte Töne angeprangert. Nach dem ersten verschmitzten Grinser greift einen die Dramatik des Songs dann doch noch als der epische Chorgesang einsetzt und die Instrumente sich dramatisch verdichten. Doch gerade als ein Tränchen sich auf den Weg machen will setzt der Gesang wieder ein. Man könnte nun Spekulationen über den Tod des Kriegers anstellen….mache ich aber nicht. Mit dem Wort „interessant“ ist das 17 Minuten Werk „Passion, proof, power“, das den Abschluss des Albums bildet, zu charakterisieren. Eine Front von Didgeridoo-artigen Klängen zieht heute Nachmittag über unsere Ohren hinweg, sie werden am frühen Abend abgelöst von einem Band gemächlichen Chorgesangs von Mann und Frau und auch ein kleines Flüstern ist nicht auszuschließen. Zum späten Abend erhöht sich das Tempo und ein recht folkiges Instrumententreiben setzt ein. Die Platte erleidet einen kurzen Sprung, Pianoklänge, Frauencleangesang mit Tendenz zum Jodel im Hintergrund, es wird metaliger, Growlgesang zieht auf, teilweise kann es hier und da thrashig werden. Keyboard und flottes Gitarrensolo lösen sich ab. Am Ende ist alles epischer Chorgesang. Die Kurzform: Der Song ist eine Art Puzzle aus all den genannten Elementen.

Der Folk ist definitiv da auf „Unsung heroes“ und das finde ich super. Allerdings fehlen mir bisweilen doch etwas die versprochenen härteren Metalelemente. Auch haben Ensiferum es mit dem episch anmutenden Chorgesang für meinen Geschmack etwas übertrieben. Vorher war’s auch episch – aber schön episch. Nun ist es episch – episch und das liegt mir nicht immer so sehr. Dennoch gefallen mir die ersten sechs Songs des Albums ziemlich gut. Der Rest ist für meinen Geschmack teilweise blass und teilweise… äh… interessant mit interessanten Tendenzen. Wer noch einen Rauswerfer-Song für ungebetene Gäste sucht, sollte die Deluxe-Version kaufen und die Kraft von „Bamboleo“ nutzen.

Ein Gedanke zu “Epische Chöre besingen vergessene Helden – Ensiferum

  1. Ja, die epischen Chöre – sind so was von überflüssig! Lead-Gesang und Musik haben eh schon ein schöne epische Stimmung, das hätte völlig gereicht und dann hätte mir es auch besser gefallen. Die Scheibe ist deshalb nicht schlecht, aber ich habe mir da ein paar Mal „Schade“ gedacht. Schade, weil gute Ansätze nicht genutzt worden sind und in Chören, Epik und manchmal auch seltsamen Sachen untergehen. Hoffen wir mal auf das neue Album 🙂

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