Heute zum Dessert: Melodic Death Metal von At the Gates

At_war_with_reality

Cover des Albums „At war with reality“

Auf dringenden Wunsch meines Mannes heute: Melodic Death Metal. Dieser wird uns in diesem Falle präsentiert von fünf Herren aus Schweden. Gut, es geht um Melodic Death Metal, woher hätten sie sonst kommen sollen. Die Herren nennen sich At the Gates und vor mir liegt deren achtes Studioalbum und das erste Album nach einer kleinen 19-jährigen Growl-Pause. Also denkt an die nächste Stromrechnung oder den Besuch der Schwiegermutter. Macht euch so richtig düstere Gedanken und dann seid ihr in der richtigen Stimmung für „At war with reality“.

Die Scheibe startet mit einem gesprochenen Zitat aus dem 1961 erschienenen zweiten Roman des argentinischen Schriftstellers Ernesto Sabato „Über Helden und Gräber“. Dem folgen 14 Songs. „Death and the laybyrinth“ eröffnet das Album. Der Song wird von einem schweren Gitarrenriff dominiert, welches das komplette Lied durchzieht und nur geringfügig variiert wird. Dazu teilt Sänger Tomas Lindberg seine Botschaft relativ eintönig mit. Weiter geht es mit „At war with reality“ und baut zu Beginn durch die Gitarren eine recht bedrohliche Stimmung auf. Im weiteren Verlauf gibt es sogar ein kleines Gitarrensolo und es legt sich ab und an eine nette kleine Melodie über den Gitarrenrhythmus. „The circular ruins“ rifft hammermäßig los und nimmt dann Tempo auf. Insgesamt ist der Song melodiöser als die vorhergehenden. Song Nummer 4, „Heroes and tombs“ startet mit sanftem Gitarrenklang, der eine sinistre Grundstimmung erzeugt. Relativ schnell verdichten sich Gitarren, Bass und Schlagzeug jedoch zu einem gewaltigen Klangorkan, so dass man sich am Sofa festklammern muss, um nicht weggeblasen zu werden. Die Anfangsmelodie wird dann noch einmal aufgenommen, nur um abermals kraftvoll weggeblasen und weggekreischt zu werden. „The conspiracy of the blind“ prügelt ordentlich los und Lindbergs gleichmäßiges growlen begleitet das Ganze. Zwischendurch sind die Gitarren sehr zurückgenommen und die Drums dominieren das Geschehen. „Order from chaos“ startet mit Akustikgitarre und Streichern, wird dann übernommen von Drums und Bass und schließlich vom wütenden Gekeife Lindbergs. Die Gitarren unternehmen einige Wanderungen, besinnen sich aber immer wieder auf den bloßen Rhythmus. Song Nummer 7, „The book of sand (The Abomination)“ zieht das Tempo drastisch an, ist wütend und verpasst dem Zuhörer imaginäre Hammerschläge, wohin auch immer. Das Wüten wird allerdings durch ein Solo und eine ruhigere Gitarrenpassage unterbrochen, während der Lindberg tatsächlich die Stimmlage ändert: er flüstert. „Language of the dead“ ist ebenfalls flott, enthält nach einem Solo wiederum eine langsame Gitarrenpassage, mit dem es auch schließt, bleibt meiner Meinung nach aber insgesamt eher blass. Song Nummer 9 „The skin of a fire“ startet gemächlich und drückend, wie eine seeeehr langsame Walze. Bass und Gitarre spielen Frage und Antwort, bevor die Gitarren in gemächlichem Tempo loshämmern. Der Song endet schon fast doom-mäßig gemütlich. So, jetzt aber genug geschlafen. „The head of the hydra“ nimmt wieder Tempo auf. Das ist aber auch schon alles Markante, was man über den Song sagen kann. Das Instrumental „City of mirrors“ startet wieder mit sanfter Gitarrenmelodie, über die sich bedrohliche Akkorde legen, bis sich beide zu einer Melodie vereinen. Song Nummer 12, „Eater of gods“ baut dagegen eine Mauer aus Aggressivität und Wut auf, die wiederum durch einen melodischen Gitarrenausflug aufgebrochen wird. Außerdem zu vermelden: Lindberg growlt höher und tiefer. „Upon pillars of dust“ funktioniert im Wesentlichen nach dem gleichen Schema, kommt aber etwas heavyer daher, was vor allem durch das Gitarrenriff getragen wird. Der letzte Song „The night eternal“ ist tempomäßig wieder etwas mehr zurückgenommen, verdichtet sich zum Ende hin immer dramatischer und schickt uns dann sanft zur Ruhe.

Inhaltlich geht es laut Sänger Lindberg um den magischen Realismus, also das Verschwimmen von Realität und Phantasie, was auch das Zitat von Ernesto Sabato unterstreicht. Es ist das erste Konzeptalbum der Band.

Ich persönlich finde das Album durchwachsen. Einiges rauscht einfach an mir vorbei, ohne mir einen akustischen Angriffspunkt zu bieten. Die typischen schnörkellosen Death Metal Songs sind nicht Meins. Dafür gefallen mir aber Songs wie „Heroes and tombs“, „The book of sand“ und „The skin of a fire“ ausgesprochen gut. Sie sind interessant und anders und obendrein noch eine Gänsehaut des wohligen Unbehagens hervorrufend. Fazit: Nicht meine Scheibe, aber für alle Fans des soliden Melodic Death Metal sicher auf jeden Fall hörenswert.

2 Gedanken zu “Heute zum Dessert: Melodic Death Metal von At the Gates

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