A black winter night – oder Amorphiskonzert im Münchner Backstage

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Es ist an der Zeit sich einem meiner Geburtstagsgeschenke einmal genauer zu widmen. Nein, es handelt sich dabei nicht um den neuen Multi-Mix-Power-Dremel und wie man damit formschöne Lebkuchen herstellen kann, sondern um Karten für das Amorphis Konzert im Münchner Backstage am 28.12.2014.

Die staulastige Anfahrt auf der A8 überspringe ich hier lieber. Das ist besser für den Blutdruck. Dennoch schafften wir es noch rechtzeitig anzukommen, Zeit für eine Pizza zu haben und uns pünktlich für Amorphis schräg vor der Bühne auf einem leicht erhöhten Platz mit guter Sicht zu postieren. Die Roadies machten sich gerade an den Umbau, klebten Kabel, klebten Zettel, klebten, klebten, klebten. Kurzer Instrumentencheck und schon ging es gegen 20.30 Uhr los. Da es sich um die Jubiläumstour für das vor 20 Jahren erschienene Album „Tales from the thousand lakes“ handelte, spielten die Jungs natürlich zunächst alle Songs des Albums. Dabei waren alte Amorphis Gassenhauer wie „Black winter day“ und jede Menge düstere, deathmetallige, doomige Titel wie „Forgotten sunrise“, „Magic and mayhem“ oder „Into hiding“. Anschließend folgten noch einige Songs von diversen älteren Amorphis-Alben. Dass die Roadis die netten weißen Zettelchen nicht umsonst auf den Boden geklebt hatten, zeigte sich ziwschendurch ebenfalls, als Tomi Joutsen mit großer Geste und tiefer Stimme fragte: „Are you ready for….Pause….schiel….Grummelgrunz?“ Grummelgrunz brachte die Menge zum Toben. Und als Joutsen später noch einige flotte Bemerkungen zum fortgeschrittenen Alter der Band machte und deshalb ein bisschen skandinavischen „old school Death Metal“ ankündigte, erfreute das die Fangemeinde ungemein. Man konnte dann aber auch einfach nur noch bangen.

Amorphis lebt von den abwechslungsreichen Songs. Auch wenn an diesem Abend eher die härtere Gangart eingeschlagen wurde und Joutsen meist bellte, grunzte und grummelte, gab es dazwischen immer wieder softere Phasen und mitreisende Instrumentalparts in die man sich so richtig fallen lassen konnte. Die Tempowechsel waren atemberaubend. Gerade noch pendelte der Kopf langsam hin und her, nur um im nächsten Moment wieder wild zu zucken und zu wackeln wie bei einem Wackeldackel auf Speed. Und dann die Musiker: zugegebener Maßen lag mein Hauptaugenmerk auf Esa Holopainen. Sein Gitarrenspiel lässt einem einfach das Herz höher schlagen. Über weite Strecken wirkte er konzentriert und versunken in seiner Musik, nur selten tauchte er auf und interagierte mit dem Publikum. Genau das macht ihn als Gitarristen so faszinierend. Die Töne präzise und geradlinig, wenig Schnörkel. Dabei ließ er sich auch nicht von bettelnden Plektrum-Junkies stören und stellte sich lieber hoheitsvoll auf den Monitorlautsprecher. Santeri Kallio am Keyboard wirkte die meiste Zeit als ob er irgendwo auf dem Planeten Musikus verschollen wäre. Sein Gesicht spiegelte seine Musik wieder, auch wenn er dabei manchmal wirkte, als habe er sich verspielt. Tomi Joutsen strahlte ebenfalls eine ganz besondere Aura auf der Bühne aus. Er grummelte und grunzte, posierte und tanzte, rasselte das Tambourin und hüpfte. Die Dreads schienen dabei ihr Eigenleben zu führen. Sie hüpften, tanzten und wirbelten um Joutsens Kopf wie ein Korb voll Schlangen. Er gab der Musik quasi optische Präsenz in seinem Wirken. Allerdings wirkte er ab und an etwas verpeilt, wenn er das Mikro mal wieder verlegt hatte und es erst kurz vor dem nächsten Grunzer wieder auftrieb. Das Konzert von Amorphis hatte etwas Meditatives, das von den Bandmitgliedern ausgestrahlt und auf das Publikum übertragen wurde. Viele nickten einfach mit geschlossenen Augen mit. Zu meckern gibt es eigentlich nur eines: Kein Sampo und zu wenig Cleangesang von der schönsten Stimme des Metals.

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