Ten years of Nattfödd – Trollalarm in Schwäbisch Hall

Mein erster Beitrag auf diesem Blog ist ein Konzertbericht zu einer meiner Lieblingsbands: Finntroll. Das Konzert war am 9. Oktober 2014 in der Kantine 26 in Schwäbisch Hall.

Nach der fantastischen Meldung, dass Slipknot ein Parfüm mit Kameldungduft herausbringen möchte, konnte die Woche kaum noch besser werden. Eine kleine Steigerung war dennoch möglich: Finntrollkonzert am Donnerstag in der Kantine 26 in Schwäbisch Hall – hui. Also runter mit den Bratkartoffeln und dem Spiegelei, Finntroll T-Shirt an, dem lieben Gatten auf die Frage, was er anziehen soll, empfehlen eine Hose zu tragen, Augen geheimnisvoll verdunkeln und ab auf die Straße – und in den Stau im Engelberg Tunnel. Bange Fragen ob man nicht doch hätte etwas früher… nein es geht weiter…. puh. Hähä, und der Megastau führt glücklicherweise Richtung Würzburg. Trolle, wir kommen. Gegen 20 Uhr deutet uns das Navi an, dass wir unser Ziel erreicht haben. Häh? Dunkelheit, Fabrikhalle, keine Metalheads. So schwarz kann man sich doch gar nicht anziehen. Aber einmal um die Ecke gebogen klärt sich alles auf: Autos, Eingang, Menschen, super…Trolle wir sind da.

Am Eingang holen wir uns den Stempel des großen Geheimnisses ab. Das Geheimnis besteht darin, so viel Tinte zu verwenden, dass man nix mehr erkennen kann. Aber als Liebhaberin von viel Farbe und bunt habe ich da vollstes Verständnis. Wir passieren also die netten Herren von der Sicherheit und betreten ein tolles Ambiente: ein Mix aus Industrieflair, U-Boot und Kantine umschmeichelte uns und einige Menschen sind auch schon da. Nach einer kurzen Orientierungsphase kurzer Check der örtlichen Örtchen und dann was zu Trinken holen. Tja….Metal und Bier sind nun einmal eng verbunden. Nix für einen Null-Promille-Metaller wie mich. Also bestellt nur die bessere Hälfte etwas zu trinken. Die eingehende Inspektion des Merch-Stands ergibt noch ein Tour-Shirt für eben Jenen und dann kündigt sich auf der Bühne durch hektisches Gewurschtel der Auftritt von Profane Omen aus Finnland an (wobei man bei der Lautstärke „We´re from Finland“ und „We´re from England“ schon mal verwechseln kann). Also schnell in Position bringen und der Dinge harren, die da nun kommen werden: Drums, Bass und Gitarren setzen ein und dann weht der Stimmorkan Jules Näveri uns schon mit einem Wahnsinnsschrei die mehr oder weniger üppige Metalmatte fast vom Kopf. Der Schweiß fließt bei Drummer Samuli Mikkonen schon nach Sekunden in Strömen, er drischt wie ein Berserker um sich und die Riffs und Soli von Williami Kurki und Antti Kokkonen bringen die Haare im Gleichtakt zum fliegen. Wer hätte gedacht, dass man den Vibratohebel nur mit dem kleinen Finger bedienen kann. Dennoch sind die ca. 100 bis 150 anwesenden Metalheads noch etwas verhalten, was ich gar nicht verstehen kann. Profane Omen hat seit heute definitiv einen neuen Fan. Sehr thrashig, groovig, hart und schöner Wechsel zwischen Growls und Cleanstimme. Nach einem Mix aus alten und neuen Nackenbrecher-Songs ist Umbaupause.

Die Musiker tragen eigenhändig ihre Instrumente an uns vorbei und auf der Bühne wird alles vorbereitet für Hatesphere: Die Dänen peitschen das Publikum gnadenlos ein. Es sind inzwischen auch noch 3, 4 Leutchen mehr und die freien Stellen vor der Bühne verdichten sich etwas. Es wird gecirclet und gepittet und Sänger Esben Hansen startet höchstpersönlich eine Wall of death mit 4 Personen. Hört sich wenig an, aber wenn alle hochmotiviert sind…. allerdings mussten vor dem „Go“ kleinere Korrekturen vorgenommen werden: der gut gebaute Punker flößte seinem Gegenüber doch zu viel Angst ein. Besonders sehenswert war allerdings Gitarrist Peter Lyse Hansen. Nicht nur, dass er gut Gitarre spielen kann – nein – er erinnert zeitweise an den legendären Schlagzeuger von The Who, Keith Moon. Wie das, obwohl er doch nicht an den Drums sitzt? Die Gesichtsarbeit ist eindrucksvoll und amüsant. Die Grimassen wechseln im Sekundentakt von einem fast schon schmerzvollen Grinsen zum bösen Rocker-Onkel bis hin zum Macker-Schnütle – und das Unterstützen der Bendings mit den Mundwinkeln – einfach virtuos. Darüber vergesse ich fast alles andere. Aber auch die thrashige Musik mit Deathmetal-Elementen überzeugt und bringt die kleine Menge zum Toben. Allerdings verschwimmen die einzelnen Songs für mich etwas zu sehr miteinander und heben sich zu wenig durch charakteristische Riffs und Elemente voneinander ab.

Sodele, wieder eine Umbaupause, in der die Musiker von Hatespehre und Profane Omen Instrumente und Verstärker an uns vorbei schleppen. Ich spiele kurz mit dem Gedanken jemandem ein Bein zu stellen und mit dem Ständer voller Gitarren und Bässe, der an mir vorbei getragen wird zu flüchten, aber Finntroll hat ja noch nicht gespielt und es wäre sehr schade sie zu verpassen. Die gut bemuskelten Schranktypen haben mit der Entscheidung nichts zu tun. Schließlich entdecken wir, dass es an der zweiten Bar Cola gibt und ich genehmige mir lieber Einen.

Mit seltsamen Quakgeräuschen, die wir schon von einer Live-CD von Finntroll kennen, und die sie wohl am heimischen Froschteich aufgenommen haben, kündigt sich der Auftritt der 6 Finnen an. Sie betreten die Bühnen in ähnlichen Uniformen, wie einst die Beatles im Sheastadium. Damit hören die Ähnlichkeiten aber schon auf. Glaubt mir – die Beatles hatten keine langen Haare, das Make-Up war auch ganz anders und die Trollohren fehlten bei den Beatles schlichtweg ganz. Sänger Vreth huscht, tanzt und bangt die ganze Zeit wie eine Mischung aus Rumpelstilzchen und Otto über die Bühne, schüttelt sein Haar und animiert dabei unermüdlich das Publikum durch subtile Hinweise zum Klatschen, Tanzen und Singen. Skrymer strahlt an der Gitarre mit seiner Melone auf den langen blonden Haaren (der Hut, nicht die Frucht, sonst macht der restliche Satz keinen Sinn mehr), eine erhabene, zurückhaltende Eleganz aus. Ganz anders präsentiert sich dagegen Gitarrist Routa. Die langen braunen Haare haben sich wie ein dunkler halber Heiligenschein über seine langen, spitzen Trollohren drapiert. Die Trolle spielen alle Songs ihres Albums Nattfödd, das dieses Jahr 10-jähriges Jubiläum hat. Zusätzlich geben sie einige Lieder vom neusten Album Blodsvept und weitere ältere Songs zum besten. Spätestens bei Trollhammaren haben die Paganmetaller das Publikum im Sack. Die Arme recken sich beim Refrain begeistert nach oben, so manche Finger formen die Hörner und aus vollen Kehlen braust den Trollen der Trollhammer entgegen und auch bei Solsagan können trotzt des schwierigen Textes (Heijajahadaheijaja) schon beim zweiten Mal alle voller Inbrunst mit grölen. Der beschwingende Mix aus finnischen Polkamelodien aus dem Keyboard, Doublebases, die einem die Haare buchstäblich zu Berge stehen lässt, einprägsamen Gitarrenriffs und im ganzen Körper fühlbarem Basseinsatz gepaart mit voller Inbrunst vorgetragenem Gebrüll versetzt bis zum Schluss alle in Bangextase. Bei der Zugabe nickt sogar der Bassist von Profane Omen, Antti Seroff, noch ein bisschen neben uns im Takt und reckt die Hörner gen Himmel – oder eben gen Hallendecke. Mit rauschenden Ohren und lauter Aussprache treten wir schließlich wieder den Heimweg an. Trolle, wir kommen wieder!

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